Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1731 (10.12.1923)
- Date
- 1923-12-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»►«fl* tUm Baldwin demWoniert heute. Ler Sieg des Freihandels gegenüber de« Schutzzoll. — Wer wird Premier? — Keine KoalMousmSslichkeiten. London, 9. Dezinnder. fTel. der „Wien ner Morgenzeitung".) Die Wahlergebnisse liegen nun mit ganz wenigen Ausnahmen vor. Demnach verteilen sich die Mandate folgendermaßen; Konservative 253, Liberale 15 2, Arbeiterpartei 19 2, Unabhängige 19. Die Niederlage der Konservativen ist daher eine vollständige.. Montag tritt der Min ist er rat zusammen, um zn der durch die Wahlen geschaffenen Lage Stellung zu nehme«. In politischen Kreise» wird erwartet, daß Baldwin in dieser Sitzung die Gesamtdemiffion der Regierung beantragen und diese auch sofort dem König ÄhMArLichen wird. Mau glaubt, daß der it#c Premier noch am selben Tage ernannt werden wird. Baldwin euttüuscht. London, 8. Dezember. (HabaS.) Baldwin ist gestern abends aus seine« Wahlbezirk Woreestershire zurückgekehrt. Gr war von den Wahlergebnissen sichtlich enttäuscht, lehnte es jedoch' Erklärungen abzugeben. Nardmiald der neue Premier? London, 9. Dezember. (Wolfs.) Die gegenwärtige politische Lage wird in politischen Kreise» in die Worte Düsterster Londoner Nebel" zusammengefaßt. Gewisse Kreise erklären die Koalitionsregierung der Liberalen und der Konservativen für sehr viel möglicher als eine Koalition zwischen der Arbeiterpartei und den Liberalen. Bon dieser Seite wird eine Regierung mit Lord Derby als Premierminister, Asguith als Führer des Unterhauses und Lloyd George als Minister des Aeußern angeregt, während von anderer Seite mit der Möglichkeit gerechnet wird, daß der König Raursay Macdonald auffordern werde, eine Regierung zu bilden. In diesem Falle käme nicht eine Koalition zwischen der Arbeiterpartei und den Liberalen zustande, sondern nur eine Art von Zusammenwirken in gewissen Fragen, in denen sich die beiderseitigen Programme decken. Zusammenfafsend kann gesagt werden, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Aussichten fiir irgend eine Koalition gering sind und daß bei einem Regierungswechsel die Arbeiterpartei, beziehungsweise die Liberalen, eine Politik verfolgen werden, die ihnen die Zustimmung der Mehrheit des Hauses sichert. Ae Auffassung der Londoner Preffe. London, 9. Dezember. (Wolfs.) „Timss" wieisem darauf hin, daß keine der dvri Parteien eine stark« RS-! gierung ohne Allianz, Arbeitsverembarimg «der schließlich!gar Koalition billden könne. „Daily Telegraph", „Daily Mail" und „Daily Expreß" treten für siire Koalition Konservativen und Liberalen gegßm die von dev Arbeiterpartei komme»ido Gefahr ein. „Westminster Gazette" sagt, Baldwins Pflicht fei es, seinen' Rücktritt einzureichen uidd dem König jcmzuraien, an erster Stelle Aamsrch Macdonnld zu berufen, der der Fiihvep der größeren, der bei den Wahlen siegreichem Parteien feij Baldwin dürfe keine Zeit verlieren, bertn die Lage berj europäischen MgeleMheiten allein genüge, um zu zeigen, daß das Problem der künftigen Regierung des! Landes so rasch wie möglich gelöst werden müsse. ' Tagesbericht. Richter und Mt Meinung. Der gestrigen HauptdevsamnÄung der Richterveremigung hatte uran mit umso größerem Interesse entgegengssehen, Äs rm Zusammenhang mit gewissen Vorfälle,: in der jüngsten Zeit Fragen zur Diskussion standen, die für die gesamte Oefsentlichkeit von Bedeutung sind. Ueber diese ^rstmmünng wurde folgendes Co-mmunique ausgcge-ben-: der Sonntag stattgefundeuen Hauptoerfamn,- lung der Richtewereinigung wurde an Stelle des zurückgetvetenen Präsidenten Engel Hosrat Ganz w o h l gewählt. In feiner Dcmkrsde nahm der neue Präsident Anlaß, Protest gegen die im Parlamente vovgobrachten Angriffe, gsgen Angehörige des Richtevstandes, die der Klaffenfustig schuldigt lvevden, einzulegen. Die Richter — betonte er — stich stets von dem Bestreben geleitet, niemandem Unrecht zu tun, dieses ihr Bemühen durch parteipolitische, gänglich unbegründete Anwürfe zu lohnen, sei schnöder Undank. Unter lebhaftem Beifall wurde dem Hofvat Hottex der Dank für die energische Abwehr dieser Angriffe ausgesprochen. Schließlich erklärte der Präsident, daß die Richtervereinigung entschlossen sei, künftig den Richterstand gegen Schmähungen und Angriffe, derer: Tendenzen genügend gekennzeichnet sind, in Schutz zu nehmen. (Beifall.) Die Versammlung genehmigte eine Entschließung, welche die schon vor einem Jahre zugesicherte Revision des Besoldungsgesetzes verlangt ,:nd für eine zeitgemäße Einreihung in Gruppen cintriu, die mit Rückwirkung auf ein Jahr zu erfolgen hat." Ar staubfreie KehrichtMchr. Im Voranschlag der Gemeinde für das Iah, 192-1 ist Abermals fut 60.00 0 Haushalte die Einführung des Eolonia-Systems für die Kehiichtabfuhr vorgesehen. Es werden dann 240 0000 Wohnungen und Geschästslokale ans Grund dieses neuen Systems die st a u b f r e i e Kehrichtabfuhr erhalten. Damit ist ungefähr die Hälfte der Wiener Haushalte vom traditionellen Mistbauler befreit. Die neue Hauskehrichtabfuhr ist im zweiten Bezirk fast vollständig organisiert, im A). Bezirk wird sie in wenigen Wochen abgeschlossrn sein und es werden die Bezirke Innere Stadt und Landstraße in Angriff genommen. D.r Magistrat hat in jenen Häusern, in denen -die Einsammlung des Hauskchr'ichtes auf Grund des Eolonia-Systems erfolgt, so wie bisher die Einsinmnülug und Wbfuhr unentgeltlich aus sich genommen. Dagegen ist die Einsammlung und Abfuhr von Abfällen au- Betrieben jeder Art ausdrücklich von der unentgeltlichen Abfuhr durch die Gemeinde ausgeschlossen. Es ßyd «mr in jenen Bezirken, in denen das neue System der Lchrichtabfuhr bere'ts eingeführt ist, viele Betriebs- oder Geschäftsinhaber an die Gemeinde mit dem Ersuchen herange- AKA'.Bl $888 HnW. EoloMaMfgße btzgesteM werden und die Gemeinde möge auch die Abfuhr der Abfälle aus den Brtrieben besorgen. Entsprechend der seit Jahrzehnten bestehenden Hebung hat die Gemeinde mit diesen Betrieben ein Privatrechtliches Uebereinkommen geschlossen, wonach die Gemeinde die Einsammlung der Mfälle gegen eine angemessene Ents ch ä d i g u n g außerhalb der normalen, unentgeltsiKeu Hanskehrichteinsammlung besorgt. Es sind bis sitzt ungefähr 200 Betriebe, mit denen dir Gemeinde über Verlangen der Eigentümer solche Verträge wegen Dcistcllung eigener Colonia- Gesäße und Durchführung der Kehrichtabsnhr gegen Entschädigung abgeschlossen hat. * Lehrer gesucht. Für ein jüdisches Realgvmnasium iu L i t a u c u werden Lehrer für Hebräisck,, Deutsch, Englisch-, Zeichnen, Singen und Turnen gejucht. Die Unterrichtssprache ist hebräisch. Honorar 40 bis 8g Dollar monatlich. Rcflcltautcu mögen sich au das Sekretariat des Hebräischen Pädagogiums, 1. Bez., Drahtgasse Nr. 4 l Sonntag von 9 bis 1 Uhr, Aenstag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr), wenden. * Vierzigjähriges Jubiläum des Verbandes der auswärtigen Presse in Wien. Ter Verband der auswärtigen Presse in Wien begeht in den nächsten Tagen die Feier seines vierzigjährige'.: Bestandes. Ans diejem Anlasse findet im Hotel Imperial eine Festversamnunng mit anschließendem Empfang statt. *• Zuosverbindung Wien-Westbahnhof—Auz—Siinbach und WiervWrflbilhnhof—Lad Aussee. Wegen unzureichender Benützung »verden ab Mittwoch den 12. d. die Schnellzüge 800 ab Linz 14 Uhr l7 Minuten, au Wels 14 Uhr 45, Minuten und 804 ab Wels 14 Uhr 33 Minuten, au Linz 14 Uhr 07 Minuten cingestellr. -Ferner entfällt ab Montag >den 10. d. bei den Personenzügeu. 19*8324 und 2333-116 W ien-Westba h» Hof ab 20 Uhr »"> Minuten, Wien-Westbahnhos an -» Uhr 15 Minun'u die tägliche Führung des durchlaufendem Wagens 2. und 3. Klasse Wien-Westbahnhos—Bad Aussce und zurück. Dieser Wagen wird jchoch bei diesen Zügen ab Wien-Westbahnhof an Werktagen vor Sonnmtb Feiertagen mtb in der Gegenrichtung ab Bad Aussee an Sonn- und Feiertagen, bei Doppelfeiertagen vm zweiten Tage weiterhin geführt. * Große Saecharindiebstähle. In den Vereinigten chemischen Fabriken Greidl, Hehler u. Komp, im 21. Bezirk wurden schon seit Monaten große Abgänge von Saccharin ftstgestellt, ohne daß man die Täter eruieren konnte. Es bedurfte langwieriger polizeilicher Nachforschungen, um festzustellen, daß die Diebstähle von Mi Bediensteten der,. Fabrik, dem Maschinisten Franz Maschek und dem Schlosser Dans Resau begangen wurden. Sie wurden verhaftet. Die Firma beziffert ihren Schaden mit 160 Millionen Kronen. Es ist nicht ausgeschlossen^ daß auch geschmuggeltes Saccharin verlauft wurde. Die Töter haben ihre Beine an Saccharin zum größten Teil zum Schmuggel nach Jugoslawien vertnendet. Dorthin wurden sehr große Mengen gebracht. Nur ein geringer - Teil der Beute konnte zustande» bracht werden. Gegen die Käufer des Saccharins wurde die trafamtshandHung emgeleitet. * Es M keine «Awbchngffellschaft mehr, tei Mmbich erfolgter Eintragung .im HarckslSvsgister >der HandeWevich-tes Wien wurde. die ALNdtzvung her brHerigen Fivnva SüiMhngesellschaft auf Compagnie des Chemins de ser Danube^-Soye —Adriatique (ancienne Compagnie des Thennns de' fcr du Sud), littdeutscher Sprache Domu—Eavc 'a-Eisi.'-ubohn- -Lfelffchaft hvorm-culs >SüjdbichngLsrllsth')ijr) iz-ara-. jlU)vi. Nach den ,,ÄMhWÄMyr" WM dW MMn. Rr. I7K MtLllWVKK ««Sm PAblikUM. crAfrtzi§iscncnjci Josef Ehrlich 1. ROTGASSE 3 » MODERNE TÄNZE 277. Knustanktion von G. J. Wawra Wien, Ilt., I>othria8;Qgstra.BS» 14 Verstdgerung von Gemälden moderner und alter Meister Miniaturen und Kunstgewerbe aus dem Nachlasse von zwei Wiener Sammlern und Prlvatbcsitz sowie Bestände aus dem Nachlasse des Malers F. Eybl morgen Dienstag den 11. u. Mittwoch den 12. Dezember ab 3 Uhr nachmittags im Saale der Kunsthandlung €• I. Wawrai IN. Lothringerstrasse 14 Besichtigung noch heute Montag, 10. Dezember 1923 von 9 bis 5 Uhr fft an Stelle der bisihevW,, Firma SiMahn>g^'.'ll'ich?st die neue Fivmen'bezeichnuug in dc-uldscher Sprache verw'i . * Verttagsaychluß in den Kleinbetrieben der Metall, mdupkle. D:e Lohnbewegung in der Wiener Metallindustrie wurde gestern durch einen Vertragsabschluß der kleinindustrrellcu imd GewerSegenoffenschaftSbetriebe beendigt. Der diesbezügliche kouertibvertrag enthält folgende Lohuvereiubnrungen: Die Mindrstlöhne der Professionisten betragen nach der Auslehre 2500 K.. nach dem 1. Gohilfenjahre 3400 K., dem 3. 4000 K., den: 3. 4600 K. Die Mindestlohne für ungelernte Hilfsarbeiter unter 1^3ahrell betragen 1800 K. Zu diesen Löhnen wird die bisher Eiende starre Zulage von 2500 K. für Arbeiter über 22 Jahre 1600 Ä. unter 22 Jahren pro Stunde bezahlt. Sämtliche bisherigen Stunden- und Wöchenlöhne oder Atkordvreise, auf die biSyrr die gleitende Teuerungszulage von 4600«/, gewirkt hat, werden mit 60 multipliziert, wogegen diese gleitende Teuerungszulage entfällt. Die erste Auszahlung der neuen Löhne hat am 7-, oeziehnngsweise 8. d. zu erfolgen. * Bücherlotteri« der Wiener Presse. Die Organisation der Wiener Presse wiederholt ihre Bücherlotterie. Die Zähl« der Treffer ist erhöbt, der Wert verdopvelt. Der erste Haupttreffer beträgt 20 Millionen Kronen und kam: auch in barem Gelds ausbezablt werden. Als sonstige Treffer sind durchwegs neue und wertvolle Bücher eingestellt. Lose können von der Kanzlei der Organisation, Wien, 1. Bezrrk, Elisabethstraße Nr. 9. bezogew werden. * Mikamr Goldband-Feigenkafsee mit Rabattmarke ist die beste Kafsiewi'nze. (Entgeltlich.) Zer Hausarzt. Nddi'giörr von Sa nel Beer. Die sexuelle Erziehung. Die sexuelle Erziehung der Kinder ist trotz vielseitiger Allsklärmigsversnche für viele Eltern noch immer eine Frage, mit der sic sich nid)', rjcruc beschäftigen. Sie leben noch imnrer in der traditionellen Anschauung, das; ihre Kinder unschuldige Engel seien, wem: diese schon längst die bitteren Qualen des Liebrsgenusses kennen gelernt haben. Die Aerzte wissen es am beste,;, wie es heute mit der Unschuld und llnb-eM-rcheit der totm der Schule entwachsenen Jngenid steht. Deshall, ist seit langer Zeit von dieser Seite immer wieder an die Schule und Eltern die Mahnung ergangen, frühzeitig, bevor es zu spät wird, die Kinder entsprechend aufzuklären. Das größte Verständnis in dieser Fwge hat man noch eher von der Mutter zu erwarten, die trMtionell die Tugend ihrer Tochter zu behüten hat. Die Stellruvg des Mädchens der Gesellschaft gegenüber hat sich in der letzten Generation bedeutend geäitdert. Die Tochter hat den engen Familienkreis ver^ lassen und den Kampf ums tägliche Brot ebenso wie der Mann ansnehmen müssen. Besonders jetzt mch dem unseligen Kriege, wo der Verrohung und Entartung der Erlvachsenen die Demoralisierung der Jugend gefolgt ist, bedarf, der junge Mann und das junge Mädchen der frühzeitigen sexuellen Aufklärung, uni nicht zu Schaden zu kommen. Manches junge Kind ruft dann, infolge der Unerfcrhrenheit zu FM gekommen, mit Wendla in Weldekinds „Friihlingserwachen" vorwurfsvoll der Mutter zu: „O Mutter, warum hast du mir nicht alles gesagt?" Es ist die oberste' Pflicht der Eltem, ihre Kinder rechtzeitig aufzuklären. Es gehört nicht zu Seltenheiten, daß sechzehn- bis siddzehnjährige Mädchen geschwängert oder gar mit Geschlechtskrankheiten insizieirt sind. Dies trifft aber nicht, wie viele Eltern selbstbewußt meinen, etwa nur für die Arbeiterkreise zu, sondern die Moral der Jugend vrn 15 bis 17 Jahre aus den sogen amten bessim: Kreisen steht auf keiner höheren Warte. Die Aufflämmg hat langsam, etappeMveise, entsprechend der geistigen Aufnahmsfähigkeit des Kmdes zu erfolgen. MM hat die Schule beim Kinde schon vorgeavbeitst, indem'sie dre Storchlegeude zerstört hat. Gelegentlich des naturwissenschaftlichen Unterrichtes ist das Kind Ws das Blühen her Blumen aufmerksam gemacht worden, mD hat svfahvvty daß durch BeveinigMg des männlichen Blütenstaubes mit dem weiblichen FmchMoten die Blüte entstcht. Das Landkmd, daS mehr mit dem Werden der Naüir verwachsen ist als der Städter^ sieht gar, wie die Eier, die das Weibchen legt, gebrütet werden mtb wie die Kücken austriechen und von der Mutter be- ’mmmamiuBssssiäA mammutm