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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-08 · Heft 1730 (8.12.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1730 (8.12.1923)
Date
1923-12-08
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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ttv. 1730 Wien, SamStag Wiener Morkenzeituirg. L. Dezember 1928 nationalen Ideals, fjlitauSgentfen wurde. So mußte das Buch dieses Japaners „Die» Ideale des Ostens" ein erschütternhes Erlebnis für die werden, die gefühlsmäßig, vhne jede intellektuelle Voraussetzung oder Begründung, die ungeheure Tiefe der panasiatischen Idee erkannt hatten. „Asien, die große Mutter, ist eine Einheit von Ewig-- fcifc her." Das ist die Grundlage dieses wunderbaren Buches, und darin liegt der fundamentale Gegensatz zu Europa verankert. Kakuso Okakura erhebt keine Anklage gegen den Westen, wenn ihm auch die Ruinen Indiens stumme aber eindringliche Zeugen gegen den Vandalismus Europas sind, er sicht seine Ausgabe, die Äufgabe seines Vaterlandes darin, nicht nur zu -den Idealen der eigenen Vergangenheit zurückzwfinden, sondern auch dos schlummernde Eircheitsgefühl M-Asiens wieder zu erwecken. Sein Buch ist die ethische? Unterlage, auf der die neue, von Japan proklamierte asiatische Mdnroedoktrin verkündet wird: Asien den Asiaten! Für Okakura ist die Einheitlichkeit Asiens eine selbstverständliche Voraussetzung. „Ganz Asien ist eins!" ruft er. „Asien ist ein einheitlicher lebender Organismus, in dem jeder einzelne Teil von alle« übrigen abhängt und ein einiges vielfältiges Leben ausströmt." Okakura aber ist nicht Politiker, Er zieht aus dieser wunderbaren Definition despanasiatischen Gedankens nicht die Politischen Folgerungen, er sicht seine Aufgabe darin, die Richtigkeit der Forderung aus seinern ureigensten Gebiete zu beweisen, da sich die Einheitlichkeit einer geistigen Orientierung, die Einheitlichkeit einer geistigen Basis am augenfälligsten dokumentiert, auf dem Gebiete der Kunst. Was in diesem Buche über japanische Kunst gesagt wird, gehört zu dem Schönsten, das je darüber geschrieben wurde. In der Volkskunst Japans manifestiert sich der künstlerische Wille des ge sa m t e n asiatischen Kontinents, doch was hier geschaffen wurde, kann eben so gut in Vorderasien. in Indien, nicht aber in Europa in diesenr spezifischen Sinne geschaffen werden, denn der Geist des vordere» Orients ist der Geist de8 mittleren Asien, verschiedenfarbige Blüten auf dem gemeinsamen Stammet, immer aber der Geist Alt-Asiens. Nicht Dschingis-khan, nicht Kublai-khan. nicht die großen Eroberer sondern die großen Eingeweihten, von den Provheten zu den Buddhas K'nng-tse und Lao-tse, Iind die spezifischen Bertteter Asiens, die Selbstopferung des Individuums, die schrankenlose Hingabe für die Allgemeinheit, nicht die Blutarbeit, nicht der Machtwille ist der spezifische Ausdruck jener asiatischen Kunst, in der sich der Geist Asiens dokumentiert. Aus dem Bilde der Ashikagaperiode Japans zeichnet Okakura ami plastischesten das typisch Orientalische, das den unüberbrückbaren Gegensatz zum Okzident in sich enthält: „Die Mftkagaperiode orientalisiert die allmenschliche Idee des Sieges." Nicht das Schwert zu gebrauchen, sondern selbst lSchwert sein, keusch, heiter, fest dem unwandelbaren Polarstern zugewandt. das war das Ideal der Ashikagaritter .. . „Dieses Ideal in ganz Asien zu fordern, das Wie derer wecken des einheitlichen Asien im Zeichen eines Kampfes um die höchsten Ideale, die zu erkennen nur der ekstatische Osten fähig ist, das ist der Sinn des neuen Japan, trotz aller verbergenden Aeußerlichkeiteu, die cs als Schutzmittel von Europa übernahm. Das ist der Sinn aller ekstatischen Seele Asiens, von der keine Brücken zur Betriebsamkeit des Westens führen. Okakuras Buch ist ein Versuch, ein erhabener Versuch zwar, aber doch nur ein Versuch, denn dös Wort schon ist eine Begrenzung des ungeheuren Erlebnisses der ekstatischen Seele. Nur von Seele zu Seele, von Gefühl zu Gefühl, nur von orientalischer Ver^nlaaung zur parallelen seelischen Schwingung gibt es eine Verständigung. So kann die panasiatische Idee sich nicht nlit den Mitteln des Okzidents propagieren, sondern stumm und erhaben, durch Blutzeugen vielleicht, vielleicht durch gemeinsames Leid, ruft sie immer neue Werber, Märtyrer der Idee, auf, neue Anhänger in ganz Asien und unter den versprengten Orientalen des Westens. Wo sie die Mittel Europas in Anspruch nimmt, wo sie auf brutale Gewalt mit brutaler Gewalt antwortet, wird sie verwäffert und wird vielteicht von den Kampfmitteln des Westens übermächtigt. Wo sic aber rein bleibt, ist sie «nicsiegbar: ihr ist die Zukunft. Dies in edler und vornehmer Weise formuliert zu haben, dem Europa, das sich seiner Mackit sicher glaubt, notifiziert zu haben, ist das große Verdienst dieses Javaners, das Verdienst dieses Buches, aus das wir, denen der Gedanke des einigen Asien lebensfnllenbe Erkenntnis ist. mit Hit* geduld warteten. Es ist eine erlösende Botschaft des Ostens an die Brüder in den Ländern des Abends, da sie, schon schier verzweifelt, verzweifelnd vor dem verzerrten Bilds einer rätselhaften Entwicklung Ostasiens, aus ein Zeichen aus U't Ländern der Sehnsucht warteten. embext [ 5) XX h/aJhznsIei nsir. Iß X.fhvoritenstr. Q3 § 15 0 V, fSchonbrwin.Qrjir.10J XXWauptstr.44 Velcurtepplche 2/31150 Velourteppich«, extra Qualität. 2-3 1350 Boucleteppiche, 2/3 , 495 Sehafwoll* Boucleteppiche, ca. 2/3 990 Dbernörfe aujrWirbelpSuith compl.Grö/teKQQQ Lobelin, schwer . 310 Wlibelp (Ischglenz . . . . 390 Karamane, schwer . . . 490 Wirbosalde.. . 1050 Moquett, Gobelinmuster . 990 Moquett, Seideriglanz, - Perser. ...... 1050 VK?QO Moquatt, feinst, Seide,, Mohair , Spezialware.1800 Laufteppiche 70 cm breit K 21 90 cm breit K 32 Zimmer-Boucle'äufer, feinst, 70 breit. 50 Zimmer-Boucleläufer, feinst, 90 breit. 85 Zimmer-Velourläufer, feir s', 90 breit . 800 Schafwoll-Velourläufer, allerfeinst, 90 breit. ... ...... 830 Schafwoll-Veiour, feinst durchgewebt. 90 breit.370 BoucIS-Vorieser laut Bild K 40 Velour.. 112 Axminfster, feinst ..280 Argaman . ..390 KQnstlervorhünge Madrasmacco Madras, schön gemustert. ....... .112 Madras, vielfarbig, feinst. ........ 148 Madras, schön, sehr breite Flügel , . . .160 Madras, vieharbiu, breite Fjügel.195 Madras, feinste Ausarbeitung. . . . . , ,210 Madras, feinste Bagdad-Leinenqualilät . . 860 Doppelbettdecken «.Bonnes femmes Doppeibettdecken, Tüll, bompl. - Grösse.95 BoppelbetUUcken.Tü)),Klöppelin otive, reiche Einsätze, Handstickerei ...... 135 Doppelliettdtcken. 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Die Zeitschoiften „Schul und Leben", wie auch „Die naie Schul" sind vusaeisprochcne pädagogische Zeitschriften. Der bekannte südiscl'e Verleger B. H. K l e tz k i n beabsichtigt, in der nächsten Zeit «ine literarische Zeitschrift in großem. Stil bcrauszngcben. Auf dem Gebicw des Bücherwerlapes ist äegensvär ig die .Kustnr- 'ltga" am meisten tätig. In leüter Zeit hat dieser Verlag eine Reibe wertvoller wissenschaftlicher We'cke wrauLge-i-eben. io die «jüdische Ueber-setzung des Werkes '35?. S 0 l 0 w e i ts chi k 8 „Die Grnnldlaoe der ältesten indischen Kultur" und den ersten Band der „Geschicke des silbischen Theaters" von Dr. Schipp per. Auf dem Gebiete der Belletristik wurde eine Reihe vou 'Uckbersetznngeu aus der europäischen Literatur heransaegeben. In den nächst-,^ Tagen erscheint eilt .Lexikon der jüdischen mtb iheibräifchen Schriftsteller und Gelehrten" unter der Redaltioir >des bÄarmiten LidAchen BchrWtrllers Z . Reise». MNcbsSiscb für Kücliengamilnren. 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In Italien, wo die Päpste und die Renaisiancebewegung die Menschenred)te Andersgläubiger schonten, brachte es mancher jüdische Musiker des 16. und 17. Jahrhunderts zu Beliebtheit und Ruhm: Zum Hofftaate Papst Leo des Zehnten gehörten die jüdischen Musiker Jaeobo Sansecondo und Giovanni Maria, die beide, wie man berichtet, von Raffael in seinen Werken verewigt wurden, wir besitzen ferner von Guglielmo P ci s a r o, — um die Wende des 16. Jchchumderts — zu den ältesten Theoretikern des Tanzes gchört, ein choreographisches Traktat, übrigens gab es schon im 14. Jahrhundert einen jüdischen Musiktheoretiker, Leo Hebraicus, der im Jahre 1343 ein von den zeitgenössischen Theoretikem geschätztes Trak* tat über musikalische Jntervallbestimmung hevausgab. — Gan^ . besonderen Ansehens erfreuten sich die Inden am Herzogshof der Gonzaga zu Mantua, wo schon im Jahre 1575 der Jude Leone de Sommi, der „Autor vieler theatralischer Arbeiten", eine Schauspielertruppe begründet hatte. Am Hose zu Mantua wirkten der Havf-mspieCer Wva>mo dall' Avpa Ebreo und sein Nesse Abramma dall' Arpa als Schauspieler und Sauger, Jacchino Massarano leitete als Ballettmeister die Hoffeste zu Mantua und Ferrara, die Inden Davit da E ivita, von dem die Berlmer Staatsbibliothek Kompositionen ausbewahrt, und Allegro Porto, der 1625 dein Kaiser Ferdiiraud dem Zweiten Madrrigale widmete, gehören diesem kunstsinnigen Kreise an. Zu besonderer Berühmtheit gelangte Salomone R o s s i genannt „Jl Ebreo", dessen Familie der Tradition nach schon zur Zeit des Kaisers Titus wach Rom gekommen sein soll. Seit dem Jahre 1587 wirkte er als Sänger und Komponist am Hofe zu Mantua, gleich ihm auch seine Schwester, die bedeutende Sängerin „Madame Europa", deren. Sohn Anselmo R o s s i gleichfalls als Musiker und Arotettenkomponist geschätzt war, also eine ganze jüdische Musikerdhnastie! Ohne das diffamierenlde Judenabzeichen dürste sich Salomone Rosst Sei Hof und in der Stadt frei bewegen, doch vergaß er niemals seines Glaubens und schuf auch in den drei- bis achrstimmigen „Salomonischen Gesängen, Psalmen, Hymnen und Tempelgesängen", die er dem jüdischen Gelehrten Moses Sullam widmete, Kompositionen für die Synagoge. Die orthodoxer: Inden mögen Wohl ob dieses neuartigen chorischen Synagogal^ gesanges, der auf dem Boden der italienischen Akadrigalmusik fußte, wenig erfreut gewesen sein, und es bedurfte zu dessen Einführung in die Synagoge der nachhaltigen Unterstützung der Refornrjudcn und der Erklärung aller großen Rabbiner Venedigs, daß vom Standpunkte des Talmuds gegen die Ein' führung des Chorgesanges in die Synagoge kein Hindernis bestehe. In der Widmung an Snllam führt Rosii aus: „... Icli war glücklich, die Erstlinge meines Gesanges dem Ruhme des Ewigen zu weihen... Gott war meine Stütze. Cr gab auf meftve.Lippen, neue Gesänge ertönen zu lassen, die nach de-t Regeln der Kunst göschrieben sind, gemäß dem Geist, den er mir einflößte, Gesänge, die den Fest- und Frendentagen cursprechen..." — Der fruchtbare konservative Tonidichter bc. vorzugte im Gegensatz zur komplizierten niederländischen Viel' stimmigkeit den neuen einfachen, „monodischen Opernstil", de, er vielleicht als erster auf die Instrumentalmusik übertrug. Neben den winzigen Symphonie-- und Sonatensätzchen seiner Zeit schrieb er auch Tänze als Taselmustk für den herzoglicher. Hof,, er variierte auch den bekannten Schelnrenranz ter „Bergamesca", der wiederum an die dentsch--jüd?sche Psalmm>'.lodie des „Ledavid Baruch" anklingt'. Im Jahre 1680 verlieren wir jede Kunde von Nossi nu"> denk jüdischen llHusikerkretse am Herzogspof. Damals «rstl-iie die Einnahme Nkantuas durch die Deutschen, welche den Juden weit weniger günstig gesinnt waren als die Italiener, hie den Juden durch Körperbau, Temperament und Rasse näher stehen. Bon deutsch-jüdischen Musikern kennen wir den um 1220 im Dorfe Tvimberg im Würzburgischen geborenen Minnesänger S ü ß k i i! d von Trimberg. Durch seinen Witz und seine pcsift mistische -Lebensanschauung ist er als Jude erkennbar, in einer Handschrift wird er als Jude iu reicher Tracht, mit langem Barl und spitzem Hut abgebildet. Gleich anderen Minnesängern zog er von Hof zu Hof und mag ob seines Glaubens willen manche Demütigung erfahren haben, wft uw« aus feinen Bersen eutrr-rhmsn kamst

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