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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-08 · Heft 1730 (8.12.1923) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1730 (8.12.1923)
Date
1923-12-08
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Wiener MovgenzettunH. » 8. GeMOtt MSB Nr. 1780 DM W SaEtzy —-- - --- „Ich wM mir dnM langen Bart Lchr« wüchse« Mt grauet: tzadven. Ich M mch tftet fotemti . Fortan durchs Leben fahre«, In eimm Ärantei, weit und lang, Tief unter einem Hut«, Sch« Mt demütiglichem Gang, DA singe« nicht mehr hbftfchen Gesang, <M6Ö|t von der Herren Güte." Schon MtzM hat die Midifche Ader der „Lczim" (Spötter) besessen, welche später bei den Familienfesten unter der Maske der Narren allerlei unangenehme Wahrheiten sagen durften UNd Mt de« „McttschaM" in Böhmen und Polen geistesverwandt sind. Äie „Fahrenden", die von Hans zu Hans zogen und den jüdischen Witz pflegte«, waren nicht nur männliche Spiellcuttz, sondern mitunter auch Spidlwekber. Bei Familienfesten spielten sie auf, es gab auch behördliche Be. schrankungen, z. B. daß nicht mehr als vier Spiellente bei einer Hochzeit gehalten werden sollten. Aus der Zeit um 17oO haben wir Abbildungen von jüdischen Hochzeitszügen, die gleich . bescheidenen Bauernhochzeiten von einem Cellisten und zwei Geigen begleitet wurden. Aus derselben Zeit erfahren wir, daß sich ein Jude in Bcw Ems alle Tage mit Trompeten und Waldhörnern bedienen lasse und durch diesen Aufwand A«rgernis errege, und daß in Bad Schwaldach fünf Judenspielleute am Brunnen mit Geigen musizieren und nachher aus einem Teller absammeln. In- Böhmen gab es im 17. Jahrhundert eine jüdische Musikergiide, die auch bei christlichen Laufen aufspielen durfte und darob von ihren christlichen Zunftgenossen bei der Obrigkeit wiederholt angeschwärzt wuvde. Gelegentlich verbat ihnen der Crtzbischos, in christlichen Häusern an Sonn- und Feiertagen Musik zu machen, doch wurde das Verbot wieder aufgehoben. Bei einem Festaufzug in Prag 1716 lernen wir ein ganz stattliches jüdisches Orchester von 19 Trompeten, 8 Geigen, 4 Waldhörnern und 4 Kesselpauken kennen, und bei einem Prager Mischen Festcmfzug im Jahre 1741 gab es Harlekine und Narren, wilde Männer und Vielfraße, Judenspielleute spielten auf großen „Zinnkannen", einer von ihnen, ein 80jähriger Mann, blies, als Iran verkleidet. Fagott, auch der Kantor wirkt« auf einem „Positiv" mit. — Wiederholt hören wir auch von jüdischen Tanzhäusern, so im Frankfurter Ghetto schon 1360, aus dem 16. Jahrhundert kennen wir aus den Lautenbüchern auch verschiedene primitive Judentänze, oft grotesk Mt Dudelsackbegleitung, einer trägt die naiv-heitere Anmerkung: „er nnitz gar behend geschlagen werden, sonst laut er nit wvl." Unwillkürlich denkt man dabei an die jüdischen übermäßigen Intervalle, die für jene Zeit wenig sanglich waren, vermutlich Reste Ätorientalrscher Mlodiefloske-ln, welche die Inden mif allen Wanderungen trotz Wechsels der Wirtsvölker durch die Jahrhunderte in ihren geschlossenen Siedlungen bewahrt haben. — Die jüdische Musik ist noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Hoffen'wir, daß es der modernen Forschung gelingt, das Gcheimnis der mannigfachen SMverfalschimgen und Mischformen;n erschließen unb eine. „Entmischung" des spezifisch Jüdischen anzubahnen. „Re Lerne Konditorei." sAkademie-Theater.) 2io setzt sich aus zahlreichen Süßigkeiten zusammen. Mascha, die fürnchme Kokotte, dezent und seelensgut (gut sind sie alle, leider nicht alle Stücke, die von ihnen handeln), ist eine kleine Konditorei für sich. Ihr langjähriger, herziger, freigebiger, nneuttveat liebenswürdiger Verehrer Tommy ist eine Riesenbonbonmere. Der putzige, junge Mann, der immer wieder in die Telephonzellen rennt und sich dann die Zeit notiert, die er zum Telephonieen benötigte, ist ein Stück Lebkuchen. Die/reizendc, kleine Witwe Gaby ist das personifizierte Schlagobers. Der Konditor Brehmer ist ein allerdings mit fragwürdigem Fett bereitetes, fertiges Wiener Tascherl. Schon nach dem ersten Akt dreht sich vom Genuß all dieser Süßigkeiten der Magen um. Man verträgt heute Saccharin nicht mehr so leicht wie in den Kriegsjahren, und was in dieser kleinen Konditorei genossen werden muß (ymn muß doch, man kann doch nicht die Ohren verstopfen), ist durchaus mit Surrogaten bereitet. Weiß Gott, wie dieses Stück ins Burgtheater kenn! Aber die Darsteller dürfen es nicht büßen, daß Eugen H e l t a i diesmal völlig versagte. Die feine Anmut der Frau Lili M a t* berg macht den lächerlichsten Text lebendig und adelt den banalsten Dialog. Brillant Herr Mayerhofer, der als ein ins Wienerische übertragener Budapester Konditor Harb und fesch ist. Eine vortreffliche männliche Puppe Herr Schm öle, quitschvergnügt in seiner unmöglichen Rolle Hans Thimig und sehr angenehm Frau Mayen. Im dritten Akt wurde man durch herrliche Toiletten und durch die bizarre Ausstattung der kleinen Konditorei von den Ereignungen auf-der Bühne ersteulich abgelenkt. Tie neue Burgtheaterdirektion hat bei ihrem Amtsantritt um Kredit gebeten, wenn sie sich noch eine solche Premiere leistet, wird man ihn ihr entziehen müssen. O. A. khlMllta-Feier des Mischen Realgymnasiums. Aufführung von Pinskis „Der Schatz". Die Schüler des Wiener jüdischen Realgymnasiums, das bekanntlich schon bis in den fünften Jahrgang gediehen ist, veranstÄteten im dicht gefüllten Festsaäle des „Hotel Post" eine Überaus gelungene, lebensvolle, für die zahlreich erschienenen Jugmdjreiinde herzersreundr (»'bl-rukkah.Fr »er. Nach dem s > erKchen LMachsn der Chawckkch-Äichter durch einen Schüller,der wunderschön sang, wurden hebräische und deutsche Chöre unter Leitung deS Herrn Professor Braslowsky zum Bortrag -chvacht. ES folgten treffliche Rezitationen und dann gelangte David P i n s?? s dreicckttg- Komödie „Der S ch a b" zur Aufführung. Sämtliche Rollen wurden von Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums dargestellt. Der artistische Leiter deS Abends, Herr Prof. Gelernter, hatte das Stück in- Hebräische übertragen und für die Vorstellung eingerichtet. Cs entspricht den Tendenzen der Mischen Realgymnasiums, wenn wir die jungen Dilettanten, deren Ziksammenspiel überraschte, nicht gesondert nennen. Alle Besucher des Festes wissen den Mitwirkenden und ifjfttt Erziehern Dank. „Vinzenz" oder: „Sie Freundin bedeutender MSnner." (Bon unserem Berliner Mitarbeiter.) Der Titel stellte in seiner Skurrilität Spaßhaftes in Aussicht. Was hatte Robert Musil, der Oesterreicher, sonst in Romanen cui todernster Evleuchter dunkler Seelengründe, an Spaß zu bieten? Zunächst erweckte di« Ankündigung gelitckes Mißtrauen. Wer im Komödiensinn als bedsuttndsr Mann ausgegeben wird, ist es nach Theaterlotzik mit Nichten. Hier nun gleich ein Plural um einen weiblichen Siguliar geschart. Sollte das deu Humor des Stückes bestreiten? Leider ward dieser Verdacht bekräftigt. Die bedeutenden Männer, die ein Weibel)«n namens Mpba „verehren", sind kaum mehr als eine Gruppe unbelMener Statisten. Bon ihrer Fdermdin wird gesagt, daß sie, die Weiblich-Inferiore, die Männer gängelt, indem sie ihnen die mangelnde Totalität vorhält, dem Musiker, daß er kein Historiker sei, und vice versa. Ein Komödienstoff immerhin, der abcr höchstens in eiimn Satz gestreift WiN>. Bleibt ldas Spiel eines Weibchens mit zwei unbedeutenden Männern, einem robusten Kaufmann und endlich mit Vinzenz, einem seltsamere Gemisch ans Hochstaplertum, Schwärmerei und Raisonveurfixrsikeit. An diesem schwankenden Gerüst entzündet Musil einiges APhorismensnierwerk. Es wärmt nicht, blendet nicht sonderlich, sprüht nur gelegentlich ein bißchen. Es ist zu wenig Theater, um den Geist zu tragen, zu wenig Geist, um das Theater entbehrlich zu machen. Somit «ine Angelegenhoit für jene wenigen, die sich lieber in Gesellschaft eines bedeutenden Mannes minder gut amüsieren als sich von einem handwerksmäßigen Spaßmacher herzhaft zum Lachen bringen zu lassen. Die waren nun erschienen und es gab viel Beifall. Davon entfiel «in Hauptanteil aus den Wiener Schauspieler Förster, der seinem Vinzenz alle'Humore entlockte,-deren-er sälüg ist und noch etwas mehr. Shbill Binder war durch Bertod V,icriels Regie zu glaubwürdiger Hysterie anfgepeitscht und trug unsäglich eigenartige Toiletten. Di« dekorativen Entwürfe, von den Wiener Künstlerinnen Singer nnd Dicker, versuchten, im Bauhansstil etwas Ulkstimmnng zu. verbreiten. Für die freundliche Aufnahme konnte der Dichter wiederholt danken. Dr. K. M. Mitteilungen ans dem Publikum. i£?eppichh&m k StUfalhms /»V # Telefon-, 63 ‘ÖSOJerie Wien'lßanernmm *443,44 Keine Filialen m warf $oJhi&iage<hh)ä)ä%&tiahd&-g^ffBei> Klara Hollenberg Bernhard Kanfer Verlobte .AUFRUF!. ScliQtiet Eura Kinder vor HoliKrankhelteii Sie können das sicher vn'beugen, Wenn Sifc ihtien Bbi.SchwBizerHusfenpastlllen geben. TJnentbehrlich für Jetiarmanil, insbesondere ffit- Kindort Vorlangen Sie in allen einschlägigen Geschäften Gratlsproben BeneralreprfiMntanz und Gposslager Karnlol & mmm Wien, V., Zontagast« 9, Tal. 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J. um 5 Ubr nachmittags im Tempel, II., Leopoldsgasse, stattfindende Trauung an und laden alle Verwandten, Freunde und Bekannten höflichst ein.?703 Fräulein Mina Laagberg, derzeit in Philadelphia, Pa., sucht m Herrn Nathan Bittner, der vor zwei Jahren in Tepkowicz bei Bodenbach in Böhmen weilte. Schriftliche oder mündliche Mitteilungen sind an Wolf Bokser, Wien XX., ünirersumstrasse 39/10 zu richten. Möbelfabrik J. Spira Feine M. hl.. MlilkWiM |—Z Wohuungselnriehtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse) TEPPICHHAUS DRACH & Co. VI,, Marlahllforstraße 79 iss Stets größtes Lager In Teppichen, Vorhängen, Tischdecken, Bettvorlegern »ovi« echte Houpl- und SwyrntTTeppiche Puter Größte Auswahl aller Sorten feinster Teppiche * ZMiHe Direkter Import aus Persien / Eigene Erzeugnng O A. Mwn, 1. Bez., Stzemgasse 14 Sontiraäe: VI. WaSIgassa 4 Telephone: 6331) und 4316 lUcbernahmsstellcn in sämtl.Bez. Antos befahren täglich alle Bez. 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