Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-12-08 · Heft 1730 (8.12.1923) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1730 (8.12.1923)
Date
1923-12-08
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980812--17033-3004001
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

M. l'TSfl '"T~' Dien. SarMag Wiener Movgenzertung, 8. D^cimber 1923 .Seite. 7 — Kr Land« von Calais nach Kairo. Nach enMchci» Berichten wird in Palästina der Plan erwogen, eine durchgehende Eisenbahnvevstindung zwischen Calais und Kairo zu schaffen. Cs fehlt zu diesem Zweck nur noch eine etwa 250 Kilometer lange Eisenbahn HaisaÄriPoliz über Beirut; sie könnte in.fünf Jahren gebaut werden und würde etwa I Million Pfund kosten. Sowohl die lange Bauzeit wie die hohen Bau. kosten hängen damit zusammen, daß in der Nähe von Rasen - N a k u r a h ein Tunnel erbaut werden mutzte. -Ws Unternehmer soll enttveder die englische und die französische Regierung oder eine englisch-französische Gesellschaft auftreten. Mnn dieses SchHuMied vorhanden iväre, könnt« man in fünf Tagen von Calais nach Kaiw zu Lande reisen. Der Weg würde über Paris. Lyon. Turm. Mailand, Triest. Belgrad. Adrianopel und Konsta-ntinopel gehen. Eine Fähre nutzte den Verkehr Wer den Bosporus vermitteln Von dort würde die Reise über Skutari. Js-mid, Cskischehir, Konra, Weppo, HomS. Beirut. Haifa bis Kantara fortgesetzt werden, von wo bekanntlich die Engländer eine Kriegsbcchn nach Palästina vorgestreckt hatten, die für Friedenszwecke echalten bleibt. Dort müßte dcr Suezkanal wieder auf einer Fähre überschritten werden und dann wäre der unmittelbare Zugang nach Kairo erreicht. — Eine Emanzipierte. Es gibt nur noch wenig? Männeribcruse. in denen nichi auch schon Frauen ihr Glück versucht haben. In Nizza wurde kürzlich eine Frau bei einem Einbruch ertapp; und verhaftet. Me hatte sich als Manu verklei« der. um besser „arbeiten" zu können. Mc war gerade im Begriff, eine Ladournre mit Gewalt zu öffnen. In ihrem Hosensack fand man eine elektrische Ta>chcnlampc, einen Glaser, diamanl, rcrschicdenc Dietriche und zwei Dutzend silberne Lössel, die sie bereits in einem anderen Geschäfte gestohlen hatte. — Indische Farmer in Nordamerika. Der Vorsitzende der jüdischen LLndwirtschasisgcscltschar, in 'Sch Louis. Herr Gabriel Davidson, führte ans der sechsten Iahreskonferenz der V r r c i n i g n n g j ü d i s ch e r F a r -m er in den Vereinigten Sraaler: aus: In den. letzten 20 Iahr-en, in denen eine große Mtvandernng von: Lande in die Städte vor sich ging, und die Lingetvanderle Län-dbevölkerung um 88.488 abncchm.'' sind annähernd 1 y g jüdische F a n« i l i e n ittn 70.000 Ceelerl .zur Land-wirffchaff' zurückgekehrt. . Ue de reine M iXi{ io n Acres Land in den Bereinigten Staate:, i'm Wer:-? von etwa Hundert Milli..nen Dollar verdankt dem Fleiß und dem Ge-, schick jüdischer Landwirte seine Fruchtbarkeit. Wenn dic-sr Ziffern auch noch nicht überwältigend sind, so ist das doch bei einer Bevöll-rrung, die so lange dem Boden onlsremÄet gewesen ist. eine bcaonenswerre Leistung.-(Ita.) — Das Wort vom „passive« Widerstand". Nachdem der passive Wie?'jrand" an der Ruhr aufaegeben'ist, dürfte es nicht unangebracht sein, einmal an. den Ursprung, dieses „geflügelten Wortes" :n erinnern. Wir lesen darüber in dcr „N.' I": Ern' Dreivierteliähr lang war es uns jetzt-eine tägliche Speise, aber sein Aller beträgt bereits -ein Treiviertelscchrhunde-rt, recht genau sogar ein .'ivierteljahrLuudert. Ist es dochm der Nacht Dom 9. rpm 10. Noventver 1849 -in' Berlin entstanden, allwo t£ dem Mund ,de^ Präsidenten.-her! preußischen Nationalversammlung Hans Viktor' Üsirüh' (1Ä>6—I88ch entf-prarigt Ältz Nächtlich-'-die B-üvgerwch'. und die Gewerbe Berlins der -Nationalversammlung bewaffneten Schutz anboten, hielt der genannte Präsident an sie eine Ansprache, .inder .cs u. a. hieß: „Ich Ware-ent--' schieden der Meinung, Mß hier nur-passiver' Widerstand geleitet werden könne," upd im Verlaufe der Rede bemerkte, er nochmals: „Wir dürfen, wenn wir den Boden im Lande nicht verlieren wollen, den Gewgltschrillen der Krone nur passiven Neue Österreichische Bau-Lose HAUPTTREFFER K 700.000.000 KRONEN JEDES LUS GEWINNT PREIS EINES LOSES K 75.000 Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs und EINKOMMENSTEUERFREI Widerstand entgegensetzen." Büchmanns „Geflügelte Worte" heben hervor, wie schnell das Wort zu einem „geflügelten" wurde, und belegen dies durch einen Brief Bismarcks, der schon anr übernächsten Tage (11. November 1848) an seinen Bruder schrieb: „Die gekränkte Eitelkeit der Berliner fängt an, einer nüchternen Beurteilung Platz zu machen, der passive Widerstand erweist sich mehr und mehr als Deckmantel der Schwäche." — Die erste Verhaftung in der Luft. Ein Lustipolizfft hat in Akron (Ohio) zwei Bürger der Stadt im Aervplan ver^ folgt, sie zur Landung gezwungen und sie protokvWrevt. well sie entgegen einer jüngsten Verordnung der Stadtverwaltung die Stadt mit ihren Flugzeugen überflogen haben. Es ist das erste Mal. daß eine Verhaftung in der Luft wegen Verletzung dcr Lufiflugvorschriflen stattfand. — „Deutsche SM«, gäre dich aus." Die „Budweiser Z e i i u n g" veröffentlicht sortsetzungswei.se einen Roman, der (im Sch'lntzka.pi-!el) folgende Stilblüten enthält: „Dont-scher Schweiß rinnt noch ans den Boden, -daraus nach tscbschffllnationalem Eshcnrvinismus der Urslave die Eismch Bronzezeit verleibt harte. Des -einstigen Grafen Wladimir R^^v'- langt mit fangenden Armen nach dem hinterlassenen Erbe der Markomannen. Er sangt cnn Marke der.Deutschen ,^>övst Vn der Menschheit hungernde Seele klagend röhren-gleich gehetztem Hschw.ild? Wäldes GeLraul-e.-um.Saini-Germaius 0nfrieden stistendes Glaswerk des Rades , der -Bier. Deutsche Seele, 'gäre -dich o.ü;§: lasse funkeln ..deines .Gemüts-. Weines köstliche Perlen! Deines. Sonnrntaacs MNe Ebrvstns-- Iväriyc derbelfe den Zerkrieciten Hit neuem Gendsen, Der Markomannen böhmerlairdische' RachsoihreiE brauchen' BiMärckifchen Geist. Wach auf. bevor.'dich' deines'Volkes fremder. GMeZiu---' zur Berlor-^beik besii-"!bt^ Koch.?»♦ deiner Heimat Boden der Herd uNvölßiischen' Gefa-fels' utopischer AllevlveltsbrüderlichkÄt. - We lange noch? Es wird-der Dag kommen: Der Tag der Freiheit deines Sudelerllond-cs. wo sich unsere Geschlechter wiegen werden in frekbeitS'eligem Reigen, wie einst der Graßbauer in frühjoseffuischer Zeit-."- - - — Ein gigantisches englisches Bewassermigswcrk in In. dien. In der Nä!he von Bomlbav fand ve-rgmugene Woche t\z CinweilMig öweS Dcmrmcs statt, der die Wasser des Indns dier.War macht. Sir Geovqe Llovd, der scheuende Gou. verneur von Bombay, gab in seiner Cunweihuargsvede einige ,interessante Cm^eNeiten Mer das Proivkt bHcvnnt, das er als das größte seiner Art hinsiellt. das die je geischeu halben soll. Der Damm, der für die - Bewässerung des Llcmd'S sorgt,, »nacht es.möiMch, ein Aresk zur Bökmmng zu erssll^ietzm. das snnsmÄl so groß sckm soll alls die snglSschen Besitzumigen. Die großen KanÄe. die das Wasser d?s Ivkus forttvagen, werden den Suei-MM an Breite übert-rsffen. Mußerd-mn ist sm Zufliußlianal Vovgsfchen von ebenfalls stMilicher Bre-ite. Die frdiwrrderiden Wasi-cvmmgru, die das aswaltige baiMwloise Dckta füllen, sollen ungeifähr denen entifprechrn. die die Dhennse der See zuiführt. Der fleitertoe Inigsirienr eoklärte. daß der Damm eine englische Meile bang sein wirb. Es soll eme Heerstraße darauf - errichtet weiden, die Dag mirfb Nacht dem Verbchr zugänglich ist. Der KostenM^chlag für die AnM'chmng-des ProjEs beläuft sich a-nf Mva zwölf Millionen Pfund S be r I i n g, cklso beinaihe eine VievteLmilliarde GöDnvark. Aber diese RieseBumme wird sich beizaW miack-ivn. denn -sie trägt ldam bei, daß eine n »fruchtbare Wüste mnechM einiger Io-Hre.in 6 Millionen 5Rorge-n fruchtbaren Boden? verüvanldelt wird, ans denn ReiS, B-aumwolle, OeiWonten und derlei chen angeb-ant werden soll. Die Crn-teerträge würden sich auf dem Weltmärkte s-chr douÄich.bemerkbar machen, denn sie würden an Umifaug «chätm-nasweffe der gökmntem ägyptischen Erntennenge gleichlvTMm-em (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine^ sind ' entgeltlich.) " Lltte Haustrauen ruken im Chor: ..Die teste Seife ist Kagor." Keckes Angebot guter und billiger Warm. Infolge Vergrößerung der Geschäftsräume gelangen im Kaufhaus B r ü d e r S ch i s f m a n n, 2. B e g.. Taborst r a ß e 48, Wmchwareu, Damen- und Herrenwäsche, ferner Leinenwaren, Bettwäsche. Regenmäntel sotvie original - englische Stoffe für Damen und Herren in enormer Auswahl zu unerreicht billigen Preisen zum Verkauf. Nachstehend einige Beispiele: Prima Webe. ....... . pro Meter 11.000 K. 8.500 ft „ (5biffon ..„ „ 12.000 K. S.SOO,, ' „ Streifgradl ....... „ 14.000 „ Bett.reuge. „ 12.000 K. 9.800 , Bettücher, 140 Zentimeter breit .... 19.800 ■„ Matratzen gradl.. . . „ „ 28.000 „ Blaudruck. „ 9.800 „ Etgmine in allen Farben . . . „ 7.900 „ Dcmrenhemden .... ...... 25.000 K. 19.800 „ Damengarnituren (dreiteilig).•. * 9ß.OOO , Seideniumver... 4 59.000 v ftretonhemden (für Herren).. . . 29.800 „ Unterhosen .' ......... 18.000 „ Covercoats ............... 39.800 _ Englische Schafwollstoffe. ............. ^5?0si Negernnantel '. . . . ... . 125.000 * Das Publikum irrt sich, wenn es glaubt, daß es dort, wo Teilzahlungou gestattet -oder Gesch-enke. -a-norbosen werden, gut kaust. Es überzeugt sich meist davon., daß es da-für teuerere Pr-eis-e zahlen muß. Wirklich gut' und billig kauft man nur bei . solchen G-LschLftsleuten. welche durch billigen Einkauf' in die tige konMien, gute Waren - besonders preiswert allzu geben. e-acb^en Sie die heutiae Anzeige der Firma Tauber u. Cv>. 13. Bez.. Oesterleingasse 2 (Ecke Mariahifferstratze 170), die dort angekündigten Preise beweisen die besondere' L-eistnngsfühigkcit der Firma in allen Textill und Tuchwaren.- ZuLentum in Europa. De.- jüdische Intellektuelle des 19. Jahrhunderts, dessen Ee-l.e-nhaltung durch eisie Mischung von unbegründetem Hochmut nudalilbegründeter Demut charakterisiert ist, liebte cs, Probleme nach der Gcneralformel zu stellen: „£ D und die Inden". Wir erinndrn uns an zahllose Arbeiten dieser Art von 0-ristav Karpclcs,- Ludwig Geiger und deren Mitschüleru und Sckiülern, die ebenso langweilig zu lesen wie liclanglos in den Ergebnissen waren..und wirklich nichts anderes beabsichtigen, als diesen berühmten Mann zu hoben, weil - er den Inden gegenüber „gerecht", jenen zu tadeln,- weil er „voreingenommen" war. Diese Epoche, liberal-- affimilatorischer Literatiri-geschichte ist, Gott fei Dank,, für ewig vorbei. - Jene Bestrebung aber, die europäische Lüeratur mit jüdischmr — modern jüdischen Augen zu betrachten, die nun hätte kommen müssen, ist kaum erst in Ansätzen, da. Sie hätte es sich zur Ausgabe machen müssen, Spuren und ^Nachwirkungen jüdischen Denkens und jüdischer Llrt in der Weltliteratur nachzugehen, tiefer zu schürfen als jene-Maulwürfe, die zwar Erdhügel , aufwarfen, aber rüchts anderes von den Wurzeln unten zu sagen wußten, als wie sie ihrem recht einseitig gebildeten Gaume» schmeckten. Es. gibt ein paar solche- Versuche, merkwürdigerweise meist von Juden,, die sehr wenig positiv Jüdisches in sich anerfcitncu: die Heuu>Kriiik von Karl 5braus uilll Alfred Kerr stellt wohl die beiden bisher besten Beispiele dar. Daß von positiv-jüdischer, das heißt z io n ist'sch er Seite, in dieser Richtung noch so gut wie nichts geleistet.wurde) scheint mir eines der Kriterien unserer erschreckenden geistigen . Armut, die Abkehr vom Abendland predigt, den Orient m europäisch frisierten Iargonwerkerr findet und anbetet nnd mit unserem so unendlich ivertvollen europäischen Erbe nichts anzufangen ine iß, ja sich infolge eines auf Denkfaulheit, beruhenden Doktri,-' uarismus etwas damit anznsangen fürchtet. Und doch bin ich überzeugt — trotz allen, intcressarüerweise nur im deutschen Kulturkreis ausgestaudenen nuistischoricntalisierenben Neutönern — daß-uusere palüstinensifche Kulturmissron eine vornehmlich europäische ist. Dieser Mission würde, es sehr dienen, wenn wir uns nicht nur darüber klar zu werden suchten, wie diel und was an Europäischem in uns ist, sondern auch wie diel und was an Jüdischem in dieser europäischen Kultur ist. der wir nun einmal angehören. Und diese Bemühung ist weder unergiebig noch uner° sn-nlich Sic würdeM zunächst. auL den ungeheuer lefr..ch.eiid.n Strom richten, der sich von unserer Bibel auf die Felder europäischen Denkens und Ftthlens ergossen hat (nebenbei: es gibt noch Zionisten, die vom „Alten Testament" sprechen und nicht wissen, wie sehr sie ihrer selbst spotten). Hier wäre von den Kirchenvätern und der Scholastik auszugehen; in Dante, Luther, Pascal, Goethe, Marx, ebensoviele Höhepunkte positiver, in den französischen Enzhklopädisten ein Maximum negativer Auswirkung zu erkemren.. Die Untersuchung müßte mit Liebe und Sorgfalt nicht nur den großen Gedanken und beherrschenden Vorstellungen, - sondern auch ihrer Verkörperirng und noch dem unbewußten Reflex in der Gcdankenbildung, tut Stil nach gehen. Dann käme die Erforschung des selbst schon europäischdurchsetzten Phänomens Spinoza und seines Einflusses an die Reihe. Und. zuletzt die Widerspiegelung des modernen Judentums, insbesondere durch d'e unmittelbare Teilnahme von Juden an der geistigen Gestaltung Europas. In diesem Nahmen erhält auch die.bloße Betrachtung, der Art, wie jüdische - Stoffe verarbeitetwerden, neue Bedeutung- und neuen Sinn. ES ist klar, daß für diese Erforschung des „Judentums ' in Europa^ das, was wir gewöhnlich Literatur schlechtweg, nennen, die „schöne Literatur^, weder das einzige noch auch mrr das wichtigste Gebiet der Arbeit sein darf. Sie umfaßt^ vielmehr das geistige Leben in seiner Gek.-nntheit, Philosophie und Geschichte, Dichtung und Wissenschaft, Politik und soziales Leben. Uird die Eraebnisse dieser Arbeit dürste man doch hassen, daß die geisteswiffenschastliche Schuleder Narionalunwcrsität in J'erusalein sie als eine ihrer großen Aufgaben erfaßte! — würden eine ganz andere „Rettung des Jndentuins" bedeuten als die jämmerlichen Versuche kleinlicher Apologeten! f - 2 Dieser Gedankeir-gang drängte sich mie .anläßlich eines eben erschienen Büchleins ans, das sich betitelt „Juden und Jttdentnm in der tschechischen Literatur des 19. Iahr-, Hunderts". Der Autor ist ein junger Brunner Lüeratür-- historiker, Dr. OSkar Donath, der schon schöne Talentproben g^eben hat;' es ist in seinem Selbstverlag (Brünn, Sadova 10) h?rausgekom»ien nnd in tschechischer Sprache geschrieben. Donath ist wohl noch recht weit davon entfernt, seine Arbeit als einen Teil jener großen Bemühung zu empfinden; und doch ist er, trotz mancher Rückfälle, schon weit über jene Schule hinausgekommen, die Zensuren für gute oder schlechte Nachrede von Juden und Judentum verteilt und begründet. Allerdings Halter sich in seinem Streben, durchaus populär zu lllciben, fast ausschließlich an das Stoffliche, wofür er ja in der zwar noch jungen, aber an markanten Persönlichkeiten und bedeutsamen Werken reichen tschechischen Literatur reiche Ausbeute findet. . Er . zeigt Zunächst die verschiedeiw Stellungnahnm einiger tschechischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts zum Judentum. Es sind ganz entsprechend der Wellenbewegung, die Dubnow in seiner. „Neuesten Geschichte des jüdischen Bol^S" aufze'gt, abwechselnd Strömmungen des Liberalismus und der 'Reaktion, begleitet von Tendenzen der Assmtü'ativn, beziehungsweise der nationalen Erneuerung von' jüdischer Seite. Zugleich bespricht er die Behandlung jüdischer Motive, die er naturgemäß trennt in solche, die dem historischen Judentum (in Altertiun und Mittelalter), und solche, d'e dein zeitgenössischen Judentum angehörew- Vielleicht rst hier darauf hiuzuwe-sen, daß das in allen europäischen Literainren so nnerchöpstich wiede«.-kehrende Ahasver-Motiv kein jüdisches, sondern ein ttzpisch christliches Motiv ist, das nur sekundär zur. Darstellung des Judentums, wie es sich im- Geiste der Völker spiegelt, verwendet wurde. Ten größten Teil, fast die Hälfte seines Buches, widmet aber Donath einer besonders dankenswerten Aufgabe: er zeigt, daß in dieser-jungen mtb in Enrova sehr wenig bekannten Literatur ein Dichter ausgetreten ist, der geradezic als Dichter des Judentums bezeichnet werden kann. ES ist dies Jaroslav 'Brchlicky, mit dem bürgerlichen Namen Emil Frida (1853—1612), dessen Großvater väterlicherseits Jude gewesen war, der aber im übr'^en in einem durchaus nichtjüdischen Milien answuchs (mch'ere seiner Verwandten waren katholische Priester nnd er selbst war .ursprünglich für diese Laufbahn bestimmt). Nach der Zusammenstellung DonathS hat Vrchlickh in etwa hundert eigenen Gedichten, zwei Theaterstücken, zwei Erzählungen, drei Uebersetzungeu und einer literarischen Abhandlung jüdische Stoffe bearbeitet. E's gibt fast kein Motiv der-Bibel, von der Weltschöpsnng bis -zu den Propheten, fast keine Evoche der jüdischen Geschichte, von de>l Makkabäertagen bis zrrr spanischen Zeit und zur Gegenwart, .fast keinen Teil der jüdischen Literatur,' vom Talmud bis zur mittelalterlichen Dichtung und dem Gebetbuch, der nicht seinen. Niederschlag in BrchlickhZ Werk ge'unden hätte. Brchlickli übersetzt Jehuda Halevl ebensogut ipse Morris Rosenfetd und zeigt überall nicht nur gründliche Bertranrheir mit seinem Stoffe, sondern auch ein. außer-- ordeutliches Verständnis für die Größe und die 'kulturelle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.