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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-08 · Heft 1730 (8.12.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1730 (8.12.1923)
Date
1923-12-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 1780 tfeStfg m», vmWatz^ Wiener Morgenztzttttns- 'd " s. Gezeinibtt 1923 MÖBELHAUS ANTON SCHLESINGER Obersiedelt 4 Indeft 1. Bezlpk,Wallnerstr.3 (TeU4-21/lV) n5chst Kohlmarkt. e»i Wohnungsetarichtungert / Innendekorationen ReidiäsSorfiertes Läger / Billigste Einführungspreise Prozeß einer englischen Kohlengesellschaft der Ruhrgedleter gegen die ftanMche« Beschlagnahmungen. Berlin, 7. Dezember. Die Zeche „Mont Cenis" in Herne in Westfalen ist mit Beginn -er'Ruhvaktiorr an eine englische Ge se lischest verkauft morden/ in deren Aufsichtsrat ein naher Be«» wandtet des englischen Königs, ferner ver bekannte Bankier Schröder und andere prommente Persönlichkeiten sitzen. Trotz des Verkaufes hat die Mieum auch aus dieser Zeche grötze Bestände an Kohle und Holz beschlagnahmt. Die englische Gesellschaft bestreitet die Zulässigkeit dieses Borgehens und hat aus diesem Grunde gegen die Mieum vor einiger Zeit efaten Schab enersatzProzeß wegen eines Betrages von rund 85.000 englischen Pfund eingeleitet. Der Prozeß wird wahrscheinlich demnächst zur Verhandlung gelangen. Es wird auch die Frage der Legalität des französischen Einmarsches aufgerollt werden. Bote KrruzhUfe für reutschland. Gens, 7. 'Dezember. Die gemischte Kommission des Inter, nationalen Roten Kreuz-Komitees nnd der Aga der Roten Kreuz-Bereinigungen hat an alle Zentralkomitees der nationalen Roten Kreuz-Bereinigungen «ine Mitteilung gerichtet, di« sich auf die Hilfeleistung für die von den gegenwärtigen Mmsthaftskrsie heimgofuchte deutsche 'Bevölkerung bezieht/ DaS Internationale Rot« Kreuz-Komitee ernannte Oberst Wildbolz zmn Delegierten mit der Ausgabe, sofort ein« Untersuchung Srortzunehmen und m Ort und Stelle zu prüfen, welche Maßnahmen am dringendsten und notwerMgsten sind. Oberst Wvwboh ist Mevn »ach Berlin abgereist. Die International« Kinderhilssartio« hat Hverseits eine-n Delegierten nach Berlin m it der Abgabe rndseridvt, dort Küchen für 4000 Kinder zu errichten. Die rrpMikanklcheLewe-mig in Sriechenlimd. Bukarest, 7. Dezember. Nach Meldungen MS Athen Hst der Kampf -wischen Republikanern und den Anhängern des Königtums angesichts der bevorstcheriden Wahlen seinen Höhepunkt erreicht. Die Agenee Lux berichtet, Satz es tu Griechenland an. verschiedenen Orten zu schweren Zusammenstößen zwischen Royalisten und Republikanern gekommen ist. Rumänische Blätter verbreiten daS Gerücht, daß Jugoslawien in dom Falle, als die Ereignisse in Griechenland das Gleichgewicht aus dem Balkan stören sollten, eine militärische Mssivn schalten und Saloniki besetzen wird. Werber Veckmift hier, daß das Leben des Königs von Griechenland durch Attentate bedroht sei. DaS Gn-iglichr Schloß in Achen ist von Truppen umringt. DK Minoritötrnrechtr in Sowietmßland. Wie di« MosLamr „Prawda" berichtet, wurde auf der dritten Sitzung des Allrussischen EMttwkorntteeS ein Beschluß angenommen, in welchem das Gesetz, daß jede Aktion rwr ihrem Inkrafttreten die ausdrückliche Genehmigung auch des in der Berfasfung Vorgvschenen Nationalitätenrates erhalten muß, bekräftigt wird. Etz sind nämlich Versuche gemocht worden, die Rechte des NationalitatenratesuMFustoßen, was durch obigen Beschluß mm unmöglich gemacht wmde. Die „Prvswda" schwvbt dazu: Die Minoritäten haben durch diesen Beschluß so weiychende Rechte «chatten, wie das .in der Geschichte noch nie der Fall geüveftn ist. Natürlich sind diese Rechte nur unter der Bedingung des gegenseitigen Vertrauens-aller in den Vereinigten Sowjetrepubliken wohnenden Nationalitäten gegeben worden; fernerunter der Voraussicht, daß iefoc Nationalität ebenso Rücksicht auf die Interessen der anderen, als auf die eigenen, nehmen werde. (I. T. A.) tairatäwtl Mime 9(1» Mich- Alles auf Kredit! SttQtts Schick £ io.. Kohlmarlt S Mezzanin m Fernnsi 79-4-7S Sie “; tzoolidges. Versöhnung Amerikas mit Rußland. — Rückkehr zur Monroe-Doktrin. — Rüstungen. SiMrSnknng «nd Registrierung der Einwanderer. Washington, 7. Dezember. (Del. d. Morgenzeitung".) Im Kongreß verlas gestern Präsident Coolid.ge seine Botschaft. Er begann mit einem Nachruf auf Änderten des verstorbenen Präsidenten Harbins und allgemein HeLaltemn Betrachtungen über die Richtlinien der auswärtigen amerikanischen Politik. Die amerikanische Politik, f-o sagte Präsident Coolidge, muß darin bestehen. unS mit unseren eigenen Angelegenheiten zu beschäftigen und die Interessen unserer eigenen Bürger zu schützen. Wir erkennen voll ün, daß «wir die Wicht haben, anderen zu helfen, jedoch nur unter de>m' Vorbehalt, selbst die Zelt, den Ovt und die Methode unserer Hilfe zu bestimmen. Unser Land hat sich definitiv geweigert, den Vertrag des Völkerbundes anzunvhmen ober zu ratifizieren. Wir haben uns nicht verpflichtet, unS an die Berantwortuing zu bmdtzn, die seine Mitglieder Äbernommen haben. Wir beabsichtigen, hierin keine Aenderung eintvetan zu lassen. WaS uns anbetvifft, so halten wir den Zwischenfall für erledigt. Die Vereinigten Staaten sehen keinen Grund, ihre Freihe.it und ihr unabhängiges Handeln durch den Eintritt' in den Völkerbund einzuschränten. Wir werden wohl daran tun, viese gvuMeyende. Tatsache anzuevkennen und uns seW in diesem Sinne ztr regieren. Unsere auswärtige Politik ist jedenfalls durch zwei Grundsätze geleitet worden: Permanente Bündnisse, die. unsere eigene Unabhängigkeit unterbinden würden, zu vermeiden imd die Feindseligkeiten -wischen anderen Völkern auf friedlichem Wege zu schlichten. Wir forderten die Schiedsgerichte und sind ungefähr 26 Jahre lang Mitglied des Haager Schiedsgerichtes geloeserr. Wir haben lange die Gründung eines internationalen Gerichtshofes gesucht. - In vollständigem Einverständnis mit unseren beiden Grundsätzen begünstigen wir die Einsetzung eines internationalen Gerichtshofes, an 'dem die ganze Welt teilnehmen soll. Dann ging Coolidge zu den Beziehungen der Bereinigten Staaten zu Rußland über und drückte den Wunsch aus, daß dieses Land die Beträge anerkennen würde, welche die Räteregierung und nicht die Zaven- 1 regierung amerikanischen Bürgern schuldet, und Haß der feindselige Geist gegen die Einrichtungen Amerikas schwinden würde. In diesem Falle wäre Amerika bereit, Rußland moralisch und materiell zu unterstützen. Dann kam Coolidge auf die auswärtigen Schulden zu sprechen und führte .unter andrem aus, daß die amerikanischen Pe setzungskosten 225 Millionen Dollar betragen und daß die Reparationspolitik den amerikanischen Bürgern eine Forderung von 1225 MMomn Dollar zuerkannt habe. Er sagte wörtlich: „Mr haben ein direktes Interesse an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas. Wir 'wünschen, daß Frankreich bezahlt wird und Vaß Deutschland wieder auMen kann."; Schließlich trat der Präsident für die völlige Gesundung der amerikanischen Staatsifinanzen und eine Verringerung der amerikanischen Steuerlast ein. Die Armes und Marine müßten eher verstärkt als verkleinert werden. Amerikv wolle keine Schwäche zeigen. Unterseeboote und Flugzeuge seien für die Marine und für die Landesverteidigung nötig. Der Panamakanal müsse vervollkommnet werden. Di« Zahl der Einwanderer müsse begrenzt werden in'Uebereinstimmurig mit der Fähigkeit de.S Landes, sie aufzunehmen. Der Präsident schlägt die sofortige Registrierung aller Fremden vor. Zum Schluß kam Coolidge noch einmal auf die auswärtige Politik zurück und sagt«: Hundert Jahre sind seit der Verkündigung der Monroedoktrin verflossen. Dieses Prinzip ist die Grundlage, unserer auswärtigen Politik geblieben, e§ muß betbchalten werden, jedoch muß dabei den großen Veränderungen, di« inzwischen eingetreten sind, Rechnung getragen werden. Mr sind nicht mehr eine..schwache Nation, die auf ihren Schutz bedacht ist, wir sind groß und kräftig, uni* die neue Macht legt uns auch neue Verpflichtungen auf. Wahrend eines Jahrhunderts war unsere Wicht, uns selbst zu verteidigen, jetzt ist es unsere Wicht, der Well 1 das Gleichgewicht zu verleihen. Coolidge schloß mit den Worten: Amerika hat seinen Platz in der Well eingenommen als eine freie, unabhängige I und mächtige Republik. Der beste Dienst, der der Mensch, heit erwiesen -werden kann, ist, die Versicherung abzugeben» ' daß dieser Platz. bechbehalten wird. Bor einem Streik der öffentlichen Angestellten? Seitdem in dcm Lohnfivert der B^mien mtt der Regierüntz der.sogenannte Aktionsausschuß >:'.e FAHmng übernommen Hai. P «Ne gefährliche Verschärfung des Konfliktes eingetreten, der die Gefahr eines Streiks der Post-, Telegraphen- und DelephoMwgestellten in bedrohliche Nähe rückt. Der MionSauÄschuß besteht ausschließlich aus Organisation«: des Verkehrswesen L, er ist stack sozialdemokratisch orientiert, doch hoben skch chm auch die chrlsölichfozialen und deutschnationalen Post- und Telagraphenangestellten angsschlossen. Mit Hm koaliert ist der Bund der öffentlichen Angestellten, während die Wrtgen Staatsbeamtenorganisationen sich vom Mionsausschuß ins Schlepptau nehmen lassen. Au LE der Wnttichen Angestellten ist auch in der GeweMchastEouMWon vevtteten und diesen Umstand nützen die Dorkchrsartgestettten für ihre GehrrttSlbewsgung Ms, um durch Drohung mit Streik und passiver Resistenz, die eventnelil am Montag schon auslbrechen sollen, die Regievung gefügig zu tnachen. Dem Streik tvürden sich auch die W-iensr Gemeinbvangesbellwn anschlttßm, so daß nicht nur Post, Telephon und Telegraph, sondern auch die Straßenbahn und die Gas- und EleiktrizitätÄverke lahirugelogt würden. .Die Eisenbahner, deren Forderu-ngen erfüllt wurden, wunden vielleicht in einem späteren Zeidpnnkt gleichfalls sich der Streikbewegung anschlreßen. Die Negierrung droht mit der Demission. Die Schwierigtenen liegen für sie in gleicher Weife 'bei lder unnachgiebigen Haltung der Angestellten wie bei den Vertretern der Ländor, denn die von der N-egievung vorigefehcne Bedeckung des Mehrausivandrs für die Echöhmrg der Bezüge der Staatsangchellten, die Linzichung der Einkommonfteuer und der Bantenumsatzsttuer für 'den Bund, hat keineswegs den Beifall der LandeÄfinanMfeveitten gssiniden, wie es das Regier.uwgsroni.muNique von vorgestern glauben ^machen will. Die Länder verlangen vollwertigen Ersas) für den ihnen droheniden Einnahinenentigang. Die Negierung hat sich in der Limitierung de8 Betrages verrannt, den sie den Beamten geben will, und hat sich gleichzeitig durch die Aufstellung des Junktims Mschen der neuen' BesoldungSvorlage und der Novelle zum AbgalbenteiluugSgesttz in eine Zwickmühle begeben, auS der ihr nun die Drohung mit dem Nncktritt der einzig gangbare Ausweg e-rschemt. Die SoMdem-okraten wirken selbstverständlich den Schwierigkeiten nicht entgegen, die sich vor dom Katbi« nett auftüvmen. Allerdings dürfte es mit der Demissiousdrvhung nicht gar so ernst sein, da kaum aMluehmen ist, haß etwa der Vizekanzler Dr. Frank, Herr V a u g o i n oder Herr Schmitz fre-iwillig aus dem Amte fcheilden werden. Gestern vormittags hielten die Beaurt-envertreter eine- Beratung ab, woraus sie bei Dr. Seipel und dom Bi)«, aknzler Dr. Fra n I vochprochen und Heide Ms die drohende Gefahr eines Generalstreiks der Dundesangestellten awfmertsam machten, der bei ein'om längeren Verharren der Regierung auf ihrem Standpunkt vielleicht schon am Montag ansbrechen Würde. Dr. Seipei «Märte sich bereit, nachmittags nach Rücksprache mit den übrige-n KabinettSmitgliedern neuerdings die Ovganisationsver« treter zu empfangen.. Nach dem MinMrrat ließ er die Partei- Mrer Dr. Bauer, Dr. V)a>ber und Kunschak zu sich bitten und teilte ihnen mit, daß die Regierung von ihren ursprünglichen Bedingungen nicht ahgehen tonne. Sie Wune nicht mehr als 160,4 Märzbezii.ge gewähren und auch bezüglich der StaMung der Skala keine wesentlichen Zugeständnisse machen, insbesondere müsse sie rundweg die von den unteren Kategorien der AngeM-ten geforderte ErlMung' vor prozentuellen Zuschläge von 20 auf 26 Prozent äblehneu. Sollten die parlamentarischen Parteien oder die Beaniten die Regierung zwingen wollen, von ihrem letzten Entschluß cckzugshen, so müßte sie die Konsequenzen ziehen und ihre Demission geben. Den Angestelltenvertretern machte Dr. Seip-el dieselben Mitteilungen. Er kündigte ihnen einleitend die Demission der Regierung für den Fall an, daß sie gczwnugen lverden sollte, über die gemachten Zugeständnisse hiitau8zuM)en. Der. Sprecher des Aktionskomitees «Märte, dieses habe in der ganzen Angelegenheit nie eistvas anderes als eine wirtschaftliche Frage gesehen. Von diesem Gesichtspunkte aus müsse er sMtellen, daß sich in der Jmitiative der Regierung nichts. geändert habe und demgomätz auch nichts an der Haltung des.Aktionskomitees. Das Mtionskamitee trat nach Abschluß der BechaMungen, die kein neues Ergebnis zeitigten, zu einer Sitzung zulsEinen und beschloß, ihren ckbendS zusommentreteMn Vertrauensmännern zu empfchleu, ein engereS Komitee zu bestimmen, das heute &SJikLA«*4 Wc ftfffl.ÖMlit«, »WerAuWkW! «Itommtthmpnmmmp ».«0^?MmWEcli: w™ 1;WM(fi«.RckEll.AA«?>imMi 71

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