Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1730 (8.12.1923)
- Date
- 1923-12-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener MoLgenzeilrrrrg. 9fo*. .1730 > Wien, Samstag 8.. Dezember 1S2K Serie 8 Schließlich erklärte der Fmangmimster. daß die Regienlng keinerlei Gewaltmaßnahmen, also keine Notenabstempelung und keine Beschlagnahme der Depots plane. Der FinanFminsster Hpffe, von der vorstehenden Session des Völkerbundvates in Paris bereits mit definitiven Abmachungen heimkchven zu kömen. Mgeordneter Rassay nahm die Antwort des Ministers, .ebenso wie das Haus, zur Kenntnis. Ne Anleiheberatuunen vor dem BMerbuudrat. Budapest, 7. Dezember. Finanzminifter St a ll a y und Staatssekretär Schober haben sich heute abends zur Tagung deS VölVerbundrateS nach Paris begeben. Ministerpräsident Be 1hlen und Handelsmlnister Valko werden Sohntag die ^odse nach Paris antreten. W«. Ae Rumerar rlaWsHrage — E aktuell. Warschau, 7. Dezember. (Tel. der ,Mener Movgenzertung".) Im der letzten Sitzung der Sejmkom-. Mission für Unterricht erklärte Abgeoridmter Konopczynski, daß die Rechte gegenwärtig die Frage des Numerus clausus dämm nicht aus die Tagesordnung der Sejmberatung setzen könne, weil die Witos-GruPPe kategarisch verlangt habe,, die Numerus Äausus-Angelegenheit im gegenwärtigen Augenblick nicht zu behandeln. Ae 8aworina-Frage. Warschau, 7. Dezember. Die Polnische Telegraphenagenwr meldet aus dem Haag: Der Internationale Gerichtshof im Haag, der sich seit den: 13.' November d. I. mit der Jaworina-Frage befaßte, gab gestern ein Gutachten ab, wonach die polnische These bezüglich der Jaworina-Frage die richtige sei. Wie bekannt, wurde von polnischer'Seite die Behauptung aufgestellt, daß die Frage der Grenze am Abschnitte Jaworina eine offene Frage sei, während die tschecho-slowakische These auf. der Annahme beruht, daß die Grenzlinie im Abschnitte Jaworina bereits festgesetzt wurde und daß somit die internationale Zlbgrenzungskoinmission, die am 29. September den Vorschlag gemacht hat, einen Teil der Jaworina Polen zuzusprechcn, kein Recht gehabt habe, die bereits festgesetzte Grenze abzuändern. Auf Grund des Gutachtens des Internationalen Gerichtshofes im Haag wird die Jaworina-Frage neuerlich den Völkerbund rat beschäftigen. Zwangssonntagsruhe im Gebiet von Wilna. Durch eine Verordnung wurde das seinerzeiige DeLret des Generals Zeligowski, daß die jüdischen Unternehmungen im Wilnaer Gebiet an Sonntagen den Betrieb' aufrechterhalten dürfen, aHacholbcn. Von: 23. Dezember an wird, im ganzen Gebiet von Wilna strenge S o n n t a g s ruh e eingesührt werde'.-.. PilWia. 8in «euer Staatsrat. Eine Proklamation Herbert Samuels. Jerusalem, S. Dezember. (Tel. t*. „Wr. Morgen- Mung".) Sir Herbert Samuel hat eine Proklamation erlassen, in welcher die Einsetzung eines neuenStaatsrateä (Advisorh Council) bekanntgegeben wird. Als Vertreter der Regierung werden in den Council entsendet: de.r Generalsekretär der Palästina-R-egierung, der Genekalstaatsanwalt, der Schatzmeister, der General- Mspekbor der Polizei, der Gouverneur von Jerusalem sowie fünf Chefs der verschiedenen Departements. Außerdem sollen Vertreter der Inden und der Araber berufen werden; deren Namen und Zahl ist bisher unbekannt. Diese Maßnahme des Oberkommiffärs steht. in Zusammenhang mit der telegraphischen Instruktion des Kolonienministers Herzog von Devon sh ire an Sir Herbert Sanmel vom 9. November, in welcher dem Oberkommissär angesichts der drennaligen Ablehnung enDscher Vorschläge durch die Araber freie Hand gelassen werde, sich einen A d v i s o r y C o n n e i l nach Gn-tdünlen zu schaffen. Kohlenfuude in PalSftina. Wie der Jerusalemer I. T. A.--Bertreter erfahrt, hat die Regierung von privater Seite die Mitteilung erhalten, daß im Lande Kohlenfunde gemacht worden sind. Die SachverständigenprüsmWN haben ergaben, daß die gefundene Kohle von guter Qualität ist. Der Entdecker hat bereits Verhandlungen mit Finanzlcuten zwecks Finanzierung der Fövderungsarbeiten eingeleitet. Im allgemeinen nahm man an, daß in Palästina wenig Aussicht für Erzfunde besteht, besonders nicht im Süden und Nor-dosten-; trotzdem ist es möglich, daß der Reichtum an Erzen größer ist als in der Theorie angenommen wird. Einbeziehung der Stadt Jerusalem in das Nuteuberg. Unternehmen. Nach einer Meldung der „Lissan d Arab" sollen die Arbeiten der Rutenberg-Ge-sellischäst binnen kurzem auch m Jerusalem auispenvmmen werden, um auch die Hauptstadt mit Wicht und Kraft' aus den Rutenberg-Werken M Weisem. Es sind bereits Vorbereitnuadn zur Errichtung der elektrischeu Station in Jerusalem in, Gange. (lJ. T. A.)' Sine litauisch« PalLstina-BodenkanfaMon. In den ChannGch-Tagen wird in ganz Litauen die seit längerer. Zeit vorbereitete große Palästintz-Bodenkaufaktron durwiaef-ührt. Das manische NationaUondskomitee hat sich verMchtet. .6 000 D u n a m P a l ä st i n a - B o d -e n für Rechnung des litauischen Judentums anzukaufen. ■ 1 1 1 . »j AI Be WeihBaelitsDesGhsiilcs ln einem Kaufhause Kommen Sie und sehen Sie was wir bieten Neue Okkasionell In allen Abteilungen 3 Weihnachtspreislisten liegen auf Meute den ganzen Tag geöffnet Rundschau. Vertagung der Botschafterkonferenz. Paris, 7. Dezember. Die Rvparationskommission hat in ihrer heutigen Sitzung die Frage der Bestellung von S a chverständigenauSschüssen und die Beratung der Düsseldorfer Abkommen vertagt. Die Kommission hat noch kein Ansuchen dev deutschen Regierung um Ermächtigung zur Ausnahme einer 70-Millionen-Dollar-Anleihe für den Ankauf von Lebensmitteln erhalten. Sie Kadttulatton der Stinner-Fadustrie. Paris, 7. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) lieber die gestern in Düsseldorf abgeschlossenen Abkommen schreibt der „Matin" unter dem.Titel: „Die Kapitulation der Ruhrinduftriellen ist vollständig": Dia Gncken Klöckner und Mühlheimer, die gestern einon Vertrag mit der Mreum unterzeichnet haben, produzieren jährlich 4 Millionen Tonnen und schulden 1 Million Dollar an rückständigen Kohlenstenern. Es bleiben jetzt nur noch zlvei Gruben übrig, die mit der Micmn noch nicht in Beziehungen getreten sind, nämlich die Grwbe Mont Cenis, in der englisches Kapital steckt, und die Grübe Mansfeld. Die Gesamtheit der bis jetzt abgeschlossenen Verträge umfaßt 95 Prozent der Kohlenprokuktion der Ruhr. Dadurch ist gleichzeitig automatisch das Kausabkoinmen von: 23. November mit S t i n n e s gültig geworden, dessen Gültigkeitserklärung von der Einbeziehung von mindestens 80 Prozent der Gruben in einer Frist von zehn Tagen abhängig gernacht worden war. Frankreich und Belgien werden jetzt 217 Millionen Franken an rückständigen Kohlenstenern beziehen, außerdem 21 Prozent der Nettoproduktion an Reparations-kohle und ferner 10 Franken pro Tonne Kohle als Kohlensteuer. In der ersten Woche rechnet die Micum damit, täglich 3000 Tonnen Kohle und 6000 Tonnen Koks zu bekommen. Ferner nehmen die Besatzimgsbshörden täglich 15.000 Tonnen Kohle oder Koks von den Voräten und von den direkt beförderten Kohlen 11.700 Tonnen. Die Micmn rechnet somit von der nächsten Woche an mit einer täglichen Produkten von 35.700 Tonnen Kohle.oder Koks. Sie Sozialdemokraten stimmen fSr das krinSchtizrmgsgesetz. Berlin, 7. DezemOer. (Tel. der ,Mener Morgenzeitung".) . Die sozialdemoLmtische Reichs tagSfraktion hat für die morgige Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz schärfsten Fraktionszwang beischlossen, -das heißt, ihre Mitglieder verpflichtet, soweit sie in Berlin anivesend sind, nicht bloß während der Abstimmung im Sitzungssaal gegenwärtig zu fein, sondern auch an der Abstimmung teilMnehmcn und fü r da s G ese,tz zu stimme n. Die Fahl der Mgeordnete» kost um die Halste demindrrt werden. Berlin, 7. D^zcinber. Im Rechtsausschuß des Reichstages schlug bei der Beratung des Neichstagswahlgesetzes Reichstags- Präsident Loebe vor, die Zahl der Abgeownetenmau^ate des Reichstages ans die Hälfte zu vermindern. Die hierauf folgende Debatte ergab, daß fast alle Parteien grurtdsätzlich mit einer Herabsetzung der Zahl der Reichstagsmandate c i w v c rft a n fb e it sind. Die Frage soll weiter beraten tverden. Der Kampf gegen die Putschisten. Berlin, 7. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg/h Nach einer Mitteilung der politischen Polizei wurden in den letzten Tagen in Berlin mehrere S p r e n g st o s s l a g er der kommunistische Partei beschlagnahmt. Aus dem bei diesen Beschlagnahmungen Vorgefundenen schriftlichen Material geht hervor, daß die Sprengstoffe zur Herstellung von Handgranaten Verwendung finden sollten. Eine größere Anzahl . kottlmurtiftischer Arbeiter der Betriebe der A. E. G., die doj ohne Wissen der Direktion die Munition herstellten, wurd! verhaftet. Weitere Verhaftungen von Arbeitern in andeve» Betrieben stehen bevor. Ferner teilt die Berliner Polizei die Festnahme vop 60 Personen, großtenteUS jungen Mädchen und ehemalige^ Ossizieren/ mit, die eine rechtsradikale Putsch, otganisatio^bildeten', deren Oberleitung sich in Mecklen. bürg befand. 51 der Festgenommenen wurden nach ihrer Bemehmung wieder fveigelassen. Gegen alle Beteiligten wurde das Strafverfahren wegen Geheimbündelei und Bildung bewaffneter Verbände, eingeleitet. Bei Hausdurchsuchungen wurden größere Mengen von Spvengstofftnaterial beschlag. nahmt. „Dreschkommandos." verNn, 7. Dezember. Uober die Anshebnug de« Putschovgamsation der Rechtsradikalen in Berbin wird noch folgendes berichtet: Am letzten Dienstag lwuvden'zwer Bevfammllunigen ausgchoben und mehrere Führer, die sich in der Wohnung des Ingenieurs und früherem Oberleutnants Paul Hildebrand zustnnmengefunden hatten, derhaftet. Am gleichen Tage wurde das NovdwchSasino m alten Moabit von Schutzpolizei umstellt und eine Versammlung von etwa 55 Männern ausgehoben und zum Polizeipräsidium, gebracht. Es handelt sich um e i n e rechtsradikale Organisation, deren Leitung sich in Mecklenburg befindet. Den Vorsitz der Versammlung im Nordwestkasino führte ein Feldwebel. Er teilte seine Leute in Gruppen und Körperschaften ein und ftlngierte auch als Werber. Soiwit die Angeworbenen in Berlin Stellung oder Beruf, hatten, verblieben sie hier; die - Bsschaftigungslosen werden in kleinen Kommandos nach Mecklenburg geschickt, und dort auf Güter verteilt, deren Besitzer sich zur Aufnahme solcher Abteilungen bereit erklärt haben. Unter den Decknamen „D r e sch k o m m a n d o", „Flurschützen", ,Maldardetter" werden die Leute auf die Güter verteilt, wo sie mit Waffen und Ausrüstu ngsgegenständ e n versorgt werden. Die Abteilungen halten Jnstruktionsstunden und Exerzierübungen ab. Für den Fall eines L o s s ch l a g e ns sind von Mitgliedern des L a n d b u nd e s Lastkraftwagen und andere Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Verfolgung von HWer-Pntschiste». München, 7. Dezember. Auf Anordnung des Volksgerichtes München wird nach einer Reihe von.beim Hitler-Putsch konpromittierten Personen, darunter’ nach Heutnant a. D. Walter Bälden ins (Preußen). Kapitänleutnant a. D. Alfred Hoffmann (Berlin), Oberleutnant a. D. Gerhard Roßbach und Redakteur Esser vom völkischen Beobachter" (München) wegen Hochverrates gefahndet. Ser deutschiiölllsche Mgeordnete Sraefe unter Anklage des Hochverrates. Berlin, 7. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Geschäftsordnungsausschutz des Reichstages hat den Antrag deS Oberreichsanwaltes auf Genehmigung der Strafverfolgung des deutschvöllischen Abgeordneten Grarfe wegen Hochverrates angenommen. .Der Antrag des Oberreichsanwaltes gründet sich bekanntlich daraus, daß Graese an den Münchener Hitler-Putsch beteiligt gewesen fein soll. Arbettrlosenunmhsn. Berlin, 7. Dezember. (?rl. der „Wr. Morgenztg.") In Breslau und Dresden entstanden gestern Erwerbs« losenunruhen. Jir Breslau versuchten die Demonstranten die Markthalle zu stürmen, wurden jedoch von der Polizei mit Gummiknüttcln und Schreckschjissen anScinandergetrieben. In Dresden durchzogen Demonstranten die Straßen. Als sie zum Hauptbahrchof gelangten, mußte dieser vorübergehend geschlossen werden. Auch hier ging die Polizei mit Gummiknütteln uitS Schreckschüssen vor, worauf die Demonstranten größtenteils flüchteten. Mehrere Personen wurden verhaftet. In Freital versuchten Demoustranteu das Amtsgebäudc zu stürmen. Sie konnten rechtzeitig vertrieben werden, doch gelang es ihnen daun, .in die Telephonzentrale einzudringen und diese zu zerstören. Arbeiterentlassungen im Rlchrgebiek. Esserk, 7. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgcnztg.") Dir Direktion der Dortmunder Union hat 1000 Arbeiter und 160 Beamte zum 15. Dezember geküirdigt. Sic beabsichtigt, am 1. Jänner weitere 300 Beamte zu ciitlaffcit. Auch in den Krupp-Werken sind zahlreiche lassnugen geplant. In einem Anschlag der Verwaltung der T b >) j s e U- Werke wird erklärt, daß in möglichst kurzer Zeit das ganze bestehende Arbeitssystem aufgegeben und zum reinen Akkordsystem zurückgekehrt werden müsse. Eine ähnliche Erklärung ist vom Vochum'er Verein abgegeben worden. mwim klebt nicht an seinem Amt. München, 7. Dezember. * (Tel. d. ,Mr. MorKw Zeitung".) Bei der Fortsetzung der politischen Anssprache im Landtagsausschrrß erklärte Ministerpräsident K'.l i ll i n g, daß er n i ch t a n s e i n e m A m t e k l e b e. sondern es führen werde, solange er das V e r t r a u e n der Mehrheit der Volksvertretung besitze.. Eine sofortige Au.fh e ö u u g des A u s n a h m S z u st a n d e s sei zurzeit noch nicht Möglich. Den Vorwurf einer MitschMd an den Borgängen des 9. November lehnte Knllling entschieden ab. Am besten u. blllinsten kaufen Sie im rSchiffmann il., TaborstraSs 48 Telephon 47-1-79 i «ros In detail wmmmmmsim