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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-08 · Heft 1730 (8.12.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1730 (8.12.1923)
Date
1923-12-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette S ' Dienz Gamstag Wiener MorflelHeltung."^ 8. Dezember 19S8 . M Nytz vnndeSfimutM unmöglich. Die. Regierung sieht Kiher leinen anderen Weg, da§ den Beamten gegebene Versprechen einzulösen, als die parlamentarische Erledigung ihrer Vorlage. Sie könnte für einen weiteren Mehraufwand die Verantwortung n i cht übernehmen, da eine noch größere Belastung des Staatshaushaltes mit der Fortfüh». rung des San ievungSwerfeS nicht in Einklang zu bringen wäre. Die Vollendung des Sanierungswerkes ist aber daS .Hauptziel der RegmmngZPolM, an dem unbedingt ftstgehalten werden muß. Die Regierung würde, eher als -daß sie von diesem Standpunkte abginge, ihre Demission gehen. Der Bundeskanzler schloß M einem Appell an die Beamtenschaft, gerade sie solle sich in Anbetracht ihrer besonderen Stellung zum Staate Lei allen ihren Erwägungen nicht nur von augenblicklichen Müschen und Interessen des eigenen Standes, sondern auch von der Rücksichtnahme aus die Bedürfnisse und Möglichkeiten des. Staates leiten lasten," Von De. Jacques Adler (Leipzig). Dem modernen Juden, der im Individualismus ausgewachsen ist, kann nichts Schlimmeres widerfahren, als wenn er eures Tages — und das geschieht gelegentlich rinem jeden — von Menschen seiner nichtjüdischen Umwelt nach dem MaMbe des sozialen Ansehens des jüdischen Volles und nicht nach dem des Respekts vor seiner Persönlichkeit bewertet wird. Denn in der Regel schließt dies eine Herabwürdigung in sich ein. „Er ist ein anständiger Kerl,, aber ein .Jude!" Wir können daran, daß die soziale Wertsetzung der individuellen vorangcht, nichts ändern. Sie war seit jeher da. Nur wurde ihr« Harte vorn Juden früherer Zeiten um hesstntwillen nicht so sehr empfunden, -weil cr im Metto seine eigene soziale Gemeinschaft ha-tt«, deren gesellschaftliches Urteil ihm allein maßgebend war. Mochten di« draußen sagen und schmähen was sie nur wollten, drinnen in der Judengasse galten andere Stimmen. Die Situation des modernen Juden ist demgegenüber von Grund aus verschieden. Weder kann er aus die Gesellschaft und ihr Wort verzichten und wieder ins Ghetto gehen, denn sein Ghetto gehört unwiderruflich der Vergangenheit an, noch ist er imstande, das soziale Prädikat des Inden völlig abzustreiftn und aus diesem Wege die Me Nachrede 31t bannen. Die Wiederherstellung des jüdischen Prestiges, die Benrührmg, eine Gemeinschaft, die so mit Haß und Verachtung beladen war, daß Zugehörigkeit zu Hr stigmatisierte, wieder „honorig" zu machen, hat im Zionismus der Frühzeit, vor einem .MenWMtzreine Mvaltige Polle gespielt. Dem „Schutzsudei? ~ stellte man den „Trutzjuden" gegenüber. Mancher Ueberschwang trat dabei zutage, aber das Ergebnis war der Mühe wert. Die Rehabilitierung des jüdischen Volkes ist tatsächlich gelungen, die Balfour-Deklaration, der Beschluß von S a n R e m 0, das Paläst in a-Ma n d a t haben uns völkerrechtlich wieder in den Rang einer ehrenwerten Nation versetzt. Ws bleibt mm aber die Wirfting dessen im Privatleben des einzelnen Juden? Es muß doch au sich sehr skeptisch stimmen, wenn inan sieht, wie in Ländern, bereu Regierungen als Böskerbundsmitglieder jenen Pakt mit unterfertigt oder anerkannt haben-, heute der Jude fast mehr denn st zuvor Ziel allen Ueh-elwollens, aller Bosheit und Scheelsucht ist, wie die soziale Mißachtung alle jüdischen Persönlichkeitswerte verkleinert und verzerrt. Ist also all die Bemühung um die Ziele des politischen Zionismus unfruchtbar und unnütz gewesen? Wer diese Frage heute schon ernsthaft auftvirft, der verkennt, wie langer Zeiträume es bedarf, lim eine Revision sozialer Werturteile zpr Reist zu bringen, Nicht ist so träge wie die vulgäre Anschauung. Was weiß her vornehme wie der gemeine Pöbel, der heute in Deutschland wie in Oesterreich, in Polen wie in Rumänien und Ungarn gegen die Juden hetzt, von der jüdischen^ Bewegung unserer Tage, vom Zionismus von her Anerkennung des jüdischen Bottes und seiner berechtigten Ansprüche? Angesichts einer widerstrebenden Welt werden tvfr durch weithin sichtbare Leistungen dem jüdischen Namen-das Prestige erwerben müssen, dessen Mangel heute den einzelnen Inden gesellschaftlich unter Answ-hmsrecht stellt. Hamit wir nun den Zusammenhang recht verstehen; Balsour-De-klavatiyn und Palästina-Mandat, alle die politischen Erfolge des Zionismus bedeuten noch kein fest gereichen, was wir wollen, die Wiederherstellung des jüdischen Bottes, sei er, wer er sei, sei es, wo es sei, das selbstver-' stündliche Maß an Achtung sichert, wie es den Gliedern einer alten .Kulturnation ztckommt. Indessen sind jene Tatsachen gar wohl ein zuverlässiges Fundament, auf dem sich neben dem materiellen auch der ideelle, der moralische Besitzstand eines Bottes errichten läßt. Prestige besitzen wir. heute bereits bei weitblickondett Swat-männern, denn sie haben uns die nationale Heimstätte in Palästina und die Jewisi) Agency bewilligt. Prestige bei den Völkern, in den Kreisen der europäischen Gesellschaft, werden wir durch das erwerben, was wir auf Grund der uns gebotenen Gelegenheit nun wirklich an Positivem schaffen. Lloyd Georges Dwrt an Weizmann und Sokolow in San Remo vom „Start" -ex judqchen Nation Ringt an. Wir können jetzt das erweiftn, was wir wollen, die Wiederherstellung des Mischen Namens. Früher kannstu wir es nicht, weil uns -st Mg-' Weit -M Wst. Das ist -er Sinn der historischen Bor-, Mae in dieser Mt, daß uns Me Möglichkeit NMNiM wWfetfm wndm H. .in sämtlichen Abteilungen T*X mm I Frackhemden.K 110.000 Raye-Batisthemdon.. . , .ll 110.000 . Seidenhemden....... .ll 260.000 Englische Zephirhemden ....... K 110.000 Hüte . . . ..K 180.000 Pyjamas.. ... K 160.000 Wollwesten.. .... .8 170.000 Krawatten.. . , . K 50.000 Taschentücher ....... per Stück K 15.000 Frack*, Smoking, und orig. engl. Anzüge nach Maas, Pelze, Automönlel. soa I Sonderpreis Orig. engl. Raglans.K 1,200.000 4-—.— - —F Die Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft in den nächsten Jahren und Jachrzenten sicht deutlich fest. Ern jeder Schritt zum jüdischen Aufbau befestigt unser im Kreise der hohen Politik erworbenes Prestige und beseitigt irgend ein gesellschaftliches Vorurteil. Die Mische Landwirtschaft und Industrie in Palästina, die Produktivität in allen Wirtschaftszweigen, die Schaffung neuer sozialer Formen für das ökonomische und nicht minder für das ttrlturelle Leben, die Renaissance des jüdischen Geistes sowohl in der Weiterbildung der religiösen Tradition als auch in der philosophischen Denkarbeit und in Kunst und Dichtung, das Erstehen einer hebräischen Universität als Mittelpunkt großangelegter wissenschaftlicher Betätigung, an der sich die ersten jüdischen Gelchren aus allen ° Ländern beteiligen werden, all diese Tatsachen wird die Welt, die heute das werdende neue Judentumnoch nicht kennt, aus die Dauer nicht able-uguen, nicht übersehen, nicht totschweigen können. Und so werden wir uns die soziale Achtung, um die der einzelne Jude vergebens rang, im Laufe der Zeit durch die effektive Leistung des jüdischen Volkes erzwürgen. Psychologisch handelt es sich mr wesentlichen darum, daß sich mit dem Begriff des Inden ein neuer Vorst e 11 n n g.s'k omplex verbindet, nicht mehr, wie früher, Zwischenhändler, Vermittler,.. Landloser, Tvaditwnssremder, sondern: Kolonisator, Organisator, Knlturschöpfer, Gründer eines neuen nat io na len Daseins, Repräsentant eines großen, vorwärtsstrebenden Volkes, das ein gelvaltiaes Werk der Sammlung seiner Kräfte ans Trümmern und Bruchstücken. vollbracht hat. Nach den Gesetzen, die die seelische Struktur der Völker bestimmen, ist an dieser Sinneswandlung der Umwelt dem jüdischen Botte und dem Mischen Einzelmenschen gegenüber kaum zu zweifeln, sobald die realen Ergebnisse unserer Anstrengungen zum nationalen Wiederaufbau in größerem Kreise sichtbar werden. Das soziale Urteil wird dann lauten: „Ein a-ustäudiger Mensch — u n b ein Jude!" — im Sinne einer gesteigerten Wertschätzung. Und „Jude" wird Ikiiiii. kein Einwand, keine Vermutung minderen Wertes.mehr sein, sondern im Gegenteil ein Akkreditiv ans Wohlwollen und Hochachtung. Eine solche Entwicklung anznnehmen, ist durchaus keine geschichtsphilosophische Willkür, vielmehr ans Erfahrung ge-gründet, denn tu Palästina selbst wird heute der arbeiten, de jüdische Siedler von den Arabern respektiert und anerkannt, ivo noch vor wenig mehr als einen Jcvhrzent der Ehalnkah-Jude des „alten Jischuw" dem Jsmaeliten scheu ans dem Wege ging. So zu lesen bei Rundt und Bermann in ihrem Palästma-Reisetagebnch. Soziale Achtung um des Wertes und der Tüchtigkeit und der Erfolge der Volksgemeinschaft willen, der man angehört, das eben ist Prestige, der moralische Besitz aller glücklichen Nationen. Wir Juden waren m vielen Jahrhunderten davon ausgechlosftn. »Heute nun dürfen auch wir es erwerben. Weil sin jeder, der den Namen „Jude" trägt, daran Anteil hat, darum ist unser TlufbaMvetzk -ein I nteresse über den Parteien, Sine Sache der Ehre und des Ansehens. Für all die Leiden aber, die das jüdische Bott bis zum heutigen Tage erduldet hat, mag es ihm sine Genugtuung fein, daß fein Prestige nicht, wie der anderen Völkern, durch Krieg und Zerstörung wiedechergestellt wird, sondern durch eine Tat des friedlichen Aufbaues und - der sozialen Versöhnung. knglaild und die Fudenaurweisimge» in Bayern. Aus München meldet I. T. A.: Wie U-nftr Solcher« berichter-statter aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat auch die englische Regierung Vorstellungen wegen der Judenausweisungen erhoben. Sie hat auf Grmch der ihr Angegangenen Beschwerden in München Erkundigungen pingegogen und der bayrischen Regierung mitteÄen lassen, sie wolle Mt Rücksicht darauf» daß kein englischer Untertan ausgewiastn ist, keinen formellen Protest erhoben, halte es aber für ihre Wicht, die AuismeOsamkejt der bayrischen Regierung aus -eg gußeZf. ordentlich schlechten Giirdruck, den die Vorgänge nmchen, zu lenken. Sestmeich. Re Wahlbeschwerde des Landbuildes. Der Verfafsungsgerichtshof hat gestern solgendeS E» kemüniS. über die WyMeschwerde des Qvsterreichischev Landbundes bekanutgegeben: Die Entscheidung -er Kreis« wahlbehövde EiftnstM wird, aufgehoben und das Ermitt« lungM.vstihren für nichtia erklärt.-In der Begründung de, Entscheidung wird ausgefühÄ, daß die Gntschvidumg de, Eisenstädter KreiswaWbehörde zu einer Zeit ersstssen sti, da diese Behörde nur mehr das. Recht zür Ueberprüfung der Wahlergebnisse, nicht aber mehr W Recht zur Überprüfung der W a h l v o r s ch l 8 g e hatte. - Di« Entscheidung deS VevfassungsgerichtGofts hat zur Folge, daß die Kreis,Wahlbehörde nunmehr dem früheren Abgeordneten Dr. Schönbauer ein Mandat zuteilen muß. Me Zahl der christlichs-ozialeu Mandatsträger sinkt infolg ödesten von 83 aus 88, der Landbund verfügt dagegen niMmehr Wer fünf S itz«.. Der Landbund wirdnun eine zweite Beschwerde an den VersastungsgerichtHos. leiten, die sich gegen die Vers teilnng lder Reststimmenmandate dterch die BerbaMwahlbchövhe in Graz richtet, Tschecho-Slowakei. Ar. Benesch nach Paris abgeE Prag, 7. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen- Leitung".) Minister Dr. Benesch reift heute abends Wer Wi en nach Paris. Seine Reife hängt mit den Beratungen zufammen, die im'BöitteribunIdrat vor der 'definitiven Geiwähvung einer internationalen Anleihe an Ungarn stattfinden werden. Borläufige Beendigung der Verhandlungen mit Ungarn. Prag, 7. Dezember. Die tschecho-slowakisch-uitgarischen Verhandlungen wurden heute vorläufig beendet. Donnerstag und Freitag fanden Besprechungen zwischen den beiderseitigen Sachverständigen und den beteiligten Ministern statt. Sowohl in den p o l i t i s ch - r e ch t U ch en als auch in den Archivfragen blieben einige Angelegenheiten Prinz: p i e l l e r N a t u r n n g e l ö st. Es wurde vereinbart, daß die Verhandlungen über , die noch ungelösten Fragen in allernächster Zeit fort ge setzt tverden. Die ungarischen Minister Gras Klebelsberg und Nagy sind heuw abends abgereist. Die franMche Anlelhe. Belgrad, 7. Dezember., (Tel.-Komp.) Dem Parlament ist der Gesetzentwurf treffend die irr Frankreich anfgenommene Anleihe von 3VV Millionen Franken zugegangen. Danach ist die Anleihe: bei einem Zinsfuß von 5 Prozent und einem Kurs al pari innerhalb zehn Jahren rückzahlbar. Tie Garantien und sonstigen Bedingmigen sind noch zu vereinbaren. Jfn dem Begleitschreiben zu dem Gesetzentwurf erklärt knanMinister, das; die französische Negierung die Anleihe aus der Staatskasse, gebe. Aus der Anleihe dürfen nur A n s ch a s s u ll g e n v o n M a t e r i a l ^stritten werden, das in Frankreich bereits vorhanden ist oder bei smnMsckwn Jndiistriellen bestellt werden muß. Die französische Regierung Wird die Anleihesumme in drei gleich eu Jahresra t.en zur Verfügung stellen. Der Finanjmknister über die NusIandranWe. Budapest. 7. Dczmiver. (£eT. d, ,M. M°»M> zeiAng".) Ixt der heutigen Sitzung her Nationalversammlung brächte der Abgeordnete Ra ssay seine bereits ange- NMgte. dringliche Interpellation ein, in der er von der. R-egierung' Anftlärungen über ihre Verhandlungen in der A n l eih e s r a g e verlangt. FinanKminister Aallay beantwortete sofort die Interpellation; er erklärte, daß die ungarische Regierung für die wirtschaftliche Reorganisation Ungarns eine Frist von zweies uha l -h I ah re n verlangt 'hat. In dieser Sanierungsperiode von zweieinhalb Jahren soll jehoch nicht nur das GleichgeWicht im Bndget hergestellt werden, sondern e$ sollen auch die Zerstörungen des Kvieges wettgemacht und hie ungarische Wirtschaft wieder aufgebaut werden. Zu diesem Zwecke plant die RegievunH große JRvestitipnen mit her ÄGlanhsanleihe voMnchmn,. „Das Sanierungswert . kann. MV als BuhgetsWiewng hePichmt werden", erklärte, der FinaMMinister, „hoch hoffen wir, daß hie Folge der Budgetsaniem'ng eine allgemeine Reorganisalion der. Volkswirtschaft sein ivird. Wsm wir aber erst M Vertrauen des Auslandes wieder gewonnen -haben, Mnen wir auch mit der.Wederikehr normaler Vechält.nisft in Mserer Volkswirtschaft rechmn." Der Miwistsr betonte dann die Roiwenidigkeii. parallel Mt lher finanziellen Ganmirng durch ausländische Kredite auch die wirtschaftlichen Veziehnngen mit den Nachbarstaaten wjeder heMftellm und gab eine kurze Schil'-erung her .Mher in dieser Richtrrng gepflotzemn Verhandlungen mit den NachhaHgaten Ungarns. Auf dia Frage her NatezthanfMmehend. Märte der Minister, daß dw GM-mg vm% Muen Emi ssion.i< bank notwendig sei, M he? Ausgabe nngspeckicr Bank- .noten ern Ende zu machen. Dies spar d:c . ..n . nz in Oeste rre i ch.

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