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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-08 · Heft 1730 (8.12.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1730 (8.12.1923)
Date
1923-12-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Eiazetopmer EM WTfcn: Zorn Ahhoten in der ' Expedition» U^Taborstr. 1-3, oder meiner Verscbleisstelle gTrafikV1 nionatl. K * 28.000 trassenverkauf; in Wien durch'die Kolporteure der Firma Goldschmiedt» l. öer», ' Wollzeile 11. /. Mit Postversand für Wien n. Oest'err. monatl.- K 28.000 Tsdheeh o-S lowakei: Mon. K17. logoslawienr Mon. DinarSO. Polen: Mon.; öst.K 22.000. Deut sch I,: ' Mon. ost.K 28000. F r a n k r.. Belgien: Monatl.Frcs. 10 > WU» Naehsahlunjan bei PreiaerhShunjren Vorbehalten lener rtcmno>Siowahei i ISChftCh. K 1. Italien: Monatl. 12 Ure, Rum 5 n i e n Mon. 130 Ler, Bulgarien Mon.75 I.ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion n. Administration Wien, II..Taborstrassei— 3 Telephone: 44-0-38.45-3-19. ab6Uhrabds.l9-483,25-282 TeL- Adr.^Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Slr. 1730 ■ y; Me«. SamÄag, »Weremher I«?3; 5. Sahrgang FriedmswWM! —y. W i c 11, 9. Dezember., Die letzten Resultate,der yenglischen Wahlen liegen ' noch nicht vor, so daß ein präziserUeberblicknichi möglich ist. Doch steht schon so. viel' fest, daß die Konservativen den erhofften Sieg nicht.erringen konnten, daß die Liberalen dank ihrer Fusion ihren Stand verstärken und daß die Arbeiterpartei,ihren Rang als ztveitstärkste Partei behauptet. Die Wahlsiaryle der Regierung ist somitvon der Wählerschaft iitt oppositionellen "Sinne beantwortet worden und die Frage, ob die-bisherige verschleierte Schutzzollpolitik zu-'emem vollkommenen Bruch des.Freihandelsprinzips erweitert werden solle, ist verneint. Es' verbleibt somit' das' bestehende System, wie es denn überhaupt zu keiner radikalen Aenderung der Außen- und Innenpolitik-Englands kommt. Die Wählerschaft hat freilich ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß sie eine stärkere Aktivität Englands in den europäischen .Fragen verlangt; dies manifestiert sich dadurch,-daß. der Sieg der Liberalen hauptsächlich ans Kosten der vereinigten Regierungsparteien geht und daß insbesondere Manchester, der festeste Sitz der Konservativen, sich für Lloyd George ausgesprochen hat. Das Wa-Hlresultat ist deshalb für die Politik der gesamten Welt von hoher Bedeutung, weil in England die echte Demokratie zu Haufe ist'und die Entscheidung der Wähler auch tatsächlich respektiert wird. Wenn diese in so solenner und eindeutiger Weise erfolgt, so ist es klar, daß die Politik des Kabinetts nicht gutgcheißm, wurde und daß sich das Unterhaus. darauf einrichten wird. Keinesfalls würde eine.. RtzgWmgs die die Wahl- Macht mit einer -Einbuße an HlaMaten. abschließt,^ die Autorität für eine unverärcherte -Fortsetzung ihres Kurses für. sich in Anspruch.. nehnien. ^- Das Ä-abinett Baldwin, das unter Bönar Law den Kämpf, gegen die ' liberale. Regierung aufnahm:und Lloyd George stürzte, hat sich nur. durch eine Legislaturperiode halten könmn und dies, obzwar es über eine sehr große Mehrheit verfügte. Wenn -es nun heute seine lNehrheit zusammengefthmolzen sieht, so lM es kaum mehr die zur Festhaltung seiner.- politischen Grundlinien notwenorge innere Kraft.und würde, falls es die Ergebnisse der Wahlen negieren wollte, bald wieder am toten Punkt stehen und den Appell an die Bevölkerung von neuem mit allen Mißlichkeiten vornehmen müssen. England wird weder das von den Konservativen angestrebte Desinteressement an Europa aussprechen, noch die Methode festhalten können, alles was in Paris zur Befestigung der Hegemonie auZgesonnen wird, lediglich mit platonischem Protest zu begleiten. Die englischen Wahlen sind eine sehr erfreuliche Verstärkung der Sache des Friedens, sie zeigen, daß der Wähler Englands in einem anderen Sinne konservativ.ist als die konservative Regierung und daß er die volle Rückkehr zu den liberalen Traditionen und ihren Ausbau in der Richtung des Pazifismus wünscht, freilich in den ' Schranken, die durch eine immerhin vorhandene unionistische Parlamentsmehrheit gezogen sind. Poincare erhält einen etwas lebendigeren Gegenspieler, der ihm, da die Entente bestehen bleibt, das Feld nicht ganz überlassen wird. Vom jüdischen Standpunkt aus ergibt sich bie. Tatsache, daß alle Freunde der Mandatspolitik wiedergewählt wurden, ja daß durch den Sieg der Liberalen und Arbeitsparteiler eine entschieden günstige Position der zionistischen Bestrebungen erreicht wurde, ^wär hat auch die konservative Regierung die - Verpflichtungen des Mandates, die sie von dem liberalen System übernommen hatte, aufrechtgehalten und der Herzog von Devonshire hat in der letzten. Zeit den internationalen Charakter der Mandatsverpflichtung betont. Immerhin hatte cs den Anschein, als ob die-Rechtsanspritthe der Juden trotzihrer Feststellung durch'dcn - Völkerbund zugunsten der Araber im Niveau und in der pösiitrschen Geltung herabgedrückt wurden. Es war 'auffMftd, daß der konservative Wahlaufruf die.-BalfourÄeklavation, den Politischest Akt eines Konservativen gar -.mcht erwähnte, während die Liberalen und die Sozialsten die Errichtung, der jüdffchen Hemrstät'te -in -Palästina ' als wertvolle Errungenschaften ihrer - Politik '.hervorhoben. In dieser Richtung hat das Wahlergebnis wieder reinigend gewirkt und die Unklarheiten, die-sich in den letzten Jahren gehäuft hätten, werden beseitigt werden nvüffen, Auch in dieser Bedeutung kann Mn die gestrigen Wahlen als Friedenswahlen begrüßen. BerMMe Niederlage der Konservativen. Ne LMlische Mgiermg gam in die Minderheit gedrängt. — Wahl« siM der Liberalen ans dem LMde, der ÄrbettervMtei in dm Mdten. London, 7.-Dezember. (Tel. d. „Wr. Mo rgenzeitung".) In den Wahlbureaus wird eiftigst gezahlt. Stunde um Stunde werden die neuen Wahlergebnisse mit dem ganzen, dm Wahlmachern zur Verfügung stehenden Apparat der englischen Oefsentlichkeit besanntgegeben. ußd . sofort funkt der Draht die neuen Siege, die neuen Niederlagen in die Welt hinaus. Abschließende Ziffern - werden erst morgen vorhanden sein, doch läßt sich schon jetzt eines mit voller Bestimmtheit feststellen: Die Regierung ist der: Gesamtheit der Oppositionsparteien gegenüber in die Minderheit geraten. Die Wahlergebnisse zeigen deutlich,' daß die K o n s e rvativen sowohl in den städtische n wie auch in den ländlichen Wahlbezirken vollständig geschlagen worden sind. Die L i b e r a l e n Haben in den Landbezi^keu, hie.Arbeitertzarteiler.in den Städten zahlreiche Mauste erobe-t. 1 Äus dem Hanptqnarties d^ Lib^lesi und d<E Dbesil' terpartei erfährt man, daß nach den M jetzt vörliegenden Wahlresultaten die Schutzzollpolitik Baldwins erledigt sei. Man mache sich auf eine ' Demission des Kabinetts Baldwin in den n 8 ch sten Tagen gefaßt. Man glaubt, daß in diesem Falle dem König geraten werde, den Führer der stärksten Oppositionspartei oder der liberalen Partei mit der Bildung der Regierung zu beauftragen. Asquith, der in Frage komme, würde das Parlament sofort wieder aüslösen und Neuwahlen veranstalten.'Diese Lösung halt man für wahrscheinlicher als die Bildung eines Koalitionskabinetts. Zwischen Liberalen und Arbeiterpartei erscheine eine Koalition unmöglich wegen der Forderung der Arbeiter. Eine Vermögensabgabe und eine Koalition zwischen Liberalen und K o n s e r v a t r v e n . sei . nach dem beendeten heftigen Kampf der beiden Parteien noch u n m ö g l'.k ch e r. Ae lchir« Wahlergebnisse. London, 7. Dezember. Gewählt sind bisher 256 Konservative, 144 Liberale, 184 Mitglieder der Arbeiterpartei. 16 Unabhängige. Der Zuwachs de rLitzerale n beträgt bis jetzt 47 Abgeordnete, der Zuwachs der Arbeiterpartei 49, während die Konservativen bis jetzt 91 Sitze eingebützt habet!. Seipel droht mit Die Verhandlungen der Regierung mit den Vertretern'? der Bundesangestellten 'sind gestern, da die Negierung über ' das bisher gewährte Maß,von Zttgeständnisstn .u-icht.. hinansgehm will^ re sn'l ta t lös a bg.e b röche n Warden. Die i Bundesangestellten drohen mit Sir ei k .und pass, i* d e r R e s i st e n z für kömntevden Montag und' die R.gisrinig hat 'sichunter'-'diesen Umständen bemüßigt gesehen, die Gesamtdemission des Käbi.n'e.itS in Ans» ficht zu stellen. Hierzu -Mntze gestern spät abeM fragendes amtliche Cömmuniqne ausgegrbm: ,Heuttz nachmittags beschÄstigte sich ein außerordentlicher Ministerrat abermals.mit der Beamtenfrage, die nunmehr zur Entscheidung drängt. Der Bundeskanzler machte von den gefaßten Beschlüssen zunächst den Vertretern der parlamentarischen Parteien, die er für 5 U>hr in das Parlament gebeten hatte, Mitteiluna. In der davauL ßol* MrelresMate. Baldwin gewählt. Loudou, 7. Dezember. Soweit sich bisher seststrllett läßt, wurden von den Rcgierungsmitgttedern B a l d w i n, Sck'ützkan^lcr C h a m b e r l e i n, Handelsminilter Sir Philipp Greame und Marineminister Amery wiedergewahlt. London,?. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen« zeitung".) Winston Churchill wurde in seinem Wahlkreise geschlagen, ebenso der Ärbeitsminister M o n t a g u e B a r l o w, über den ein liberaler Kandidat siegte. Auch der erste Wahlagent Sir Reginald Hall wurde in Liverpool durch einen liberalen Kandidaten geschlagen. Dagegen sind der letzte Schatzminister Sir Samuel Hoarc und Lady A st o r gewählt worden. A K q u i 1 h wurde wieder gewählt, ebenso -er frühere Hygieneminister im Kabinett Lloyd George SisÄlfred Mond. In Ma«chester haben, die Konservativen von Wen 7 Sitzen 6 verloren.. Mit Ausnahme- H e n d e rsons, der geschlagen würde, wurden die haüptsächlichsten Arbeiterführer, nämlich Tom Shaw, Ben Till et, W i l s o n und K l y n e s wieder gewählt. In Ost-London würde Frau Lawrence, Kandidatin der Arbeiterpartei, wiedergewählt. — In Irland und Schottland ist keine Berändernng eingetreten. London, 7. Dezember. (Tel. d. „Wr. Worgenzeftpng".) In Newcastle unber. Thyne. wurVe der Arbeiterparteiler Oberst-Wedgewood mit einer Mehrheit von 6135 Stimmen gegen seinen konservativen Gegner gewählt. Oberst Wodgüwovd ist einer der wärmsten Freunde der zionistischen Palästina-Politik. Bekannt ist auchsein cnergisü)-er Kamps gegen den weißen Terror in Ungarn. Die Verfechter des Palästina-Mandats, die sich auf alle Parteien verteilen, sind wieder gewählt, so insbesondere Lloyd George, Sir Alfred Mond, Lord ° B a l f o u r, Lord Curzo u, Irving und Macdonald. Beklemmung in Paris. Paris, 7c Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Nachrichten aus London über den Ausgang der englischen Wahlen verursachen hier nicht geringe B e k l e m m u n g. Da, was nach den bisher vorliegenden Resultaten nicht mehr zu bezweifeln ist, die Konservativen eine schwere Niederlage erlitten Haben .und allein nicht mehr Lberdie Regie rungsMehrheit im Unterhause verfügen, befürchten die Pariser Blätter auch eine Aenderung de s p o l i t i s ch e n K u r s e s i n E n g l a n d. Einige Blätter erklären sogar schon, daß ein Sturz Baldwins und der W i e d e r a u s st i e g L l o y d G e o r g e s zur Macht den R ü ck t r i t t P o i n c a r e s zur Folge haben müßte, da sich L l o y d G e o r g e als einer de r erbittertsten Feinde P o i n c a r e s erwiesen habe. keiner JemW«. ge »den Besprechung mit den Mordnungen der Ungefielltcn« organisatwnen führte der. Bundeskanzler, aus: , „Die Regierung hat den Bundesangestellten zugesagt, ldrß sie' noch vor'Weihnachten m den Genuß von . Mehrlbetzügen kommen sollen, deren Ausmaß im Wesen durch die de-m Nationalst vorliegende Modelle zur Bffoldungsovdnnng , umschrieben ist. Sie hat, solveii es ihr überhaupt mbglich erschien, den Wünschen der Brlndesangestellien Rechnung getragen, indem sie schon bei den Vowerha'nd- -ftmgen die RMv-irkung auf den 1. No-domber zugestand und sich in den letzten Tagen auch mit einer Erhöhung der Berechn,ungsgrundlage von 153,9 aus 160,4 Marzbezüge einverstanden erklärte. Neben dieses Maß hina uszug ehe n, sei es durch eine wettere Erhöhung der Berechnungsbasis, fei e8 durch eine Abanderrmg der Skala, ist ihr mit Rücksicht auf dc:r derzerÜgen Stand der

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