Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1729 (7.12.1923)
- Date
- 1923-12-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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M. I7K Men, Frellvg Wiener MoksenzettUNg. der „Wr. Morgeuzeilnng" Film und Uno Enuskripte und Anzeigen sind an S s ch l t e ß l i d) zu richten an Bock L Herzfeld. Wien. 1. Bez., Adlergasse 6 „Zwei Schwestern im Sturme der Zeiten." Die beiden Schwestern Lilian und Dorothy Gish bedeuten in diesem Film ein lvirkliches Eveimis. Wunderbar Verstehen es diese beiden Frauen, die zarte Psyche junger, u-nschuldiocr Mädchen zum Ausdruck zu bringen, rührend sind ihre zartckl» Gestalten in dem wüsten Getriebe der nichts verschonenden Revolution. Allerdings hat auch Griffiths Meisterregie dazu gehört, diese beiden Figuren derart heraus« zuarbeiten, ihnen das richtige Milieu zu geben, ihnen diese großartigen Effekte zu verschaffen. Das Sufet, das diesem Filme zugrunde liegt, ist nicht unbekannt. Es wurde bereits zweimal in verschiedenen Filmen verwertet, aber keines jener. Merke reicht annähernd an dieses heran. ES ist staunenswert, mit welcher historischen Treue die Amerikaner es verstanden, daS alte Paris dieser Feit wieder erstehen zu lasten, sei es nun in Kostümen oder Bildern. Di? tiefe Tragik der damaligen Zeiten gab dem Meistervegisseur Gelegenheit zu wundervollen Bildern, die er auch voll und ganz ausgenützt hat. Von ungeheurer naturalistischer Wucht sind die Bilder, die dir Hungernden vor den Bäckerläden, zeigen, die das Toben der entfesselten Volksmenge, die endlich ihr drückendes Joch brach, bringen. Men Kupferstichen und Gemälden ähnlich sind die packenden und fesselnden Szenen zu dem Hestdunkel. in denen das Tribunal taat und richtet. Bewunderungswürdig, ist die Gabe Griffiths. ©jxrnmtn^ und rasendes Tempo gleichmäßig zu entwickeln. Prachtvoll ist auch die Figur Dantons, der Josef Schildkraul, sein ganzes, großes, künstlerisches Können leiht. Auch was das iibrige Ensemble an darstellerischen Leistungen bietet, ist großartig. Jede einzelne Figur, jede einzelne Type ist bis zur Vollendung beransgarbeitet. Die Massenszenen sind in ihrer Belebtheit und ungeheuren Wucht vielleicht das Beste, was jemals auf diesem Gebiete geleistet wurde. Resümiert ist dieser Film eines der größten Meisterwerke der Schwarz-Weiß-Knnst und sicherlich in jeder Beziehung »in Markstein in der Geschichte der Kinematographie. „Der Scheik." Die Hauptattraktion dieses Films ist Rodolfo V a I e nkkno. der von der amerikanischen Mädchenwelt so heißgeliebte Star. Er ist ein bildhübscher Bursch', dieser Schwiegersohn des milliardenschweren Parfümeriekönigs und ebemalige italienische Hafenarbeiter von Hoboken und sogar ein sehr repräsenta>8ler Schauspielert selbst sein künstlerisches Können hat so etwas, wie höhere Stuife. Aber das ist bei ihm eigentlich Nebensache. Dieser gewiß noch junge Mann versteht es, wie kaum ein anderer, unglaublich viel Sympathie zu Verb veilen und dann weiß er — wie man das so nennt —. zu „reißen". Ob er nun einen Europäer spielt, oder wie hier, in der Tracht des Orients, oie seine Phantasie noch pitoresker gestaltete, er Miß immer?'nre Art Koketterie zu entwickeln, die sonderbarerweise, so unangebracht sie bei einem Mann auch scheint, nicht unsympathisch wirkt, selbst bei dem Mißtrauen, das man schönen Männern und Frauenlieblingen sonst immer entgegenbringt. Daß die Rotte, die er spielt, für ihn äußerst liebevoll herausgearbeitet ist und mit einer schweren Menge manchmal recht knalliger Effekte ansgestattet wurde, ist bei einem Starsilm, wie dieser es mit allen seinen guten lind schlechten Eigenschaften" ist, schließlich ganz selbstverständlich. Valentins reitet, schießt, entführt, liebt, stirbt beinahe mtb lebt, wie es sich kein sentünentaler Backfisch besser wünschen könnte durch den ganzen Film ROTENTURN-KINO WIEN, l, FLEISCHMARKT10 Ab heute Freitag den 7. bis Montag den 30. Dezember km Sünderin Sittondrama in 6 Akten mir Dien« Karenne, Fritz Kortner u. Alfred Abel Beginn der Vorstellungen 4. *^8, 3/,9 Uhr Begleitmusik einer erstklassigen Kflnstlerkapelle ■ ■■WWP«'» »«MSSH WW>«aBWWWBBMWBH«»WB » » ■ » ■ »VITA« filmindusftrlQ A.-<3. WIEN Aktienkapital und Reserven: Österr. K 25.000,000.000 Generaldireldion und Zentralbureati: VII., Neubaugasse Nr. I Ateliers und Fabriken: Wien, Xlll/io, Rosenhügel Wlenerstrasse 84 1 Reglös Friedrich FehAr Hauptdarsteller: Vilma Banky Oskar Berpgi Marie Gutheil-Schoder Albert Heine Erika Glässner Anton Tiller HugoThimlg Adolf Weisse ■ I -!—.■■■ ..... nvit anerkennenswerter Grazie. Natürlich, ganz selbstverständliche geht alles glänzend und nach Wunsch aus. — Sonst —, die Handlung schmieg: sich eng an den Hauptdarsteller, ebenso die Regie, die übrigens wirklich wunderschöne Massenszenen hervvrbrachte. Die übrigen Darsteller leisten,nach Möglichkeit das/ was ihnen Valent ino zu leisten übrig läßt. Sehr schon ist auch die Ausstattung, wenn auch leider der windbewegte Vordergrund von den gemalten Palmen des Hintergrundprosvekts absticht. In einer ähnlichen Art wie diese Dekorw-ionsfrage wird hier übrigens auch ein Rasseniproblem gelöst. Ganz erstklassig ist die wundervolle Photographie. - / „Die ledige Gattin." sD!e PrivatsekretLrin.) Man hat vor kurzem die Behauptung ausgestellt, daß amerikanische Filme immer rudel- oder gar herdenweise auf«, treten. Dieses Faktum ist schließlich durch die große Ausdehnung der transatlantischen Industrie leicht erklärlich, die sich sofort in der Gesamtheit auf jedes neue, irgendwie erfolgreiche Thema wirst. Was alles in diesem vorliegenden Film vorkoinmt. ist gewiß schon allermindcst ein halbdutzendmal dagewesen, und im zweiten Akr weiß jedermann schon ganz genau, wie es ausgeheu wird, wie cs ausgehen muß denn — das ist einmal nicht zu leugnen —, die Amerikaner arbeiten peinlich genau nach einer, bestenfalls mehreren Schablonen. Das Publikum floutiert das abex und läßt sich immer wieder gern und willig durch liebenswürdige Harmlosigkeit oder harmlose Liebenswürdigkeit in Bann und Fessel bringen. — Komödien ans dem täglichen Leben, nennt der Amerikaner diese Art von Filmen, die zwei jungen Leuten Gelegenheit geben, recht sympathisch zu sein, recht lieb — kurz gesagt das, was man hier unter dem Ausdruck „herzig" zusämmensaßl. Daß sie dabei recht überioindliche Hindernisse bewältigen, ist vielleicht ein Umstand, der sie dem Publikum noch näher bringt, da es sich auf dem Standpunkt des souveränen Beobachters der nichtigen Wichtigkeiten so eines alltäglichen Liebesbnndes recht geschmeichelt fühlt. Es ist so das richtige Leben und Lieben in bürgerlicher Schönheit, von einem gesunden Dunstkreis, der etwas an Seifrnplakate gemahnt, umgeben. Und das findet eben seinen Absatz in der großen Masse, wie Literatur a la Courths-Mahler oder Marlitt. Vielleicht wird dabei auch etwas falsche Auffassung vom Leben im allgemeinen verbreitet, aber es wird gewiß ebenso wenig Schaden anrichten wie die idyllischen Sentimentalitäten der von 'Bonhoinio überfließenden alten Fräulein. Von dem Film selbst wäre nur zu erwähnen, daß Elarne H a m m e r st e i n allen an sie in dieser Hinsicht gestellten Anforderungen Genüge - tut, wie alle Hauptdarstellerinnen in allen diesen Filmen, auf die diese Kritik paßt und deren Zahl in Wien Legion zu werden beginnt. - - IFA-PALAST-MNQ " II. Bezirk,Taborsti-aBe1, SehwadonbrUcko Samstag, Sonnu. Feiertage Beginn 4 Uhr Vorstellungen; '/,e, 7, Vj9 Uhr abends Ab heute bis IO. Dezember Ein Börsenapiel ia 6 Akten und das übrige Programm CENTRAL-KINO II., Taboratraase 8 Direktion: J. SCHULZ Freitag, 7. bis Montag, 10. Dez. Lme Meri» Sittendromn - Beginn: %lf, '/.7, >1,9 Uhr - Bei Berufung auf die .Wiener Morgenzeitung" zur jeweiligen s/,5 Uhr-Vorstellung Rcgiepreisr anRnanoRMnoi Die Filme der Woche. „Der Brand von London." Llbenleuerdr-ama in 7 Akten mit Lady Diana Manners in der Hauptrolle. Der erste Moimmentalfilm. der durchwegs in naturgetreuen Farben ausgenommen wurde. „Der Prozeß Laroque." Krinrinaldrama uadi dem Roman „Roger la Honte" von Jules Morh mit Rita Iolivet und Mr. S i g n o x c t in den Hauptrollen. „Adam und Eva" Schauspiel in 6 Alten. Inszeniert von Friedrich P o r g e s mit Werner Krau ß. Dagny S e r d a e s, Rudolf Förster, Ruth Weyher und Hermann Picha in den Hauptrollen. „Das kleine Hollandmädel." Amervk-cmifches Filmschauspiel in 6 Men mit Alfred Abel und Diana Karenne. „Goldene Träume." Sens-aiionsdrama in 8 Akten mit Claire Adam s, Karl Gantvoori und Frank L e i g h in den Hauptrollen. „Geld, Geld und wieder Geld." Aimerikanjsches Ges-ellschastsbild in 6 Men mit Katharina Mac Donald in der Hauptrolle. „Arme Sünderin." Drama in 6 Akten nach Mark Bartletts Roman „Salvation". „Die Fuchsjagd," ein Lustspiel mit Harold Lloyd, dem so bekannten amerikanischen Gentlemankomiker. voll liebenswürdigsten Humors, das wieder einmal die große Kunst dieses PMimmlievlings zeigt. Luataplel mit HAROLD LLOYD V. bis 10. Dezemberr 14. bis 17. Dezember: Elite-Kino, l. Wollreile 34 RochnS-Kinv, Hl. Hauptstraße 27 Kärntner-Kino, I. JohanneSg. 8 Weltspieael-Kino, XVI. Lerchen- Park Kino, XIII. Hietziuger feldergürtel 85 Hauptstraße 34 Sckwarzenberg-Kino, HI. Arkaden-Kino, VIII. Alserstr. 28 Schwarzenbergplatz 5 11. bis 13. Dezember: 18. bis 20. Dezember: 3ioteiiturm-Kino, I. Fleischmarkt 1 Opern-Kino, l. Frtedrichstraße 4 Central-Kim», U. Taborsttaße 8s Raimu«d-Ki«o, XIV. Sechshstr. 18 Flotien-Kmo, VI. Mariahilfer- Eisenbahn Ki»oV.Margaretstr.166 straße 85 Ccnlral-Kino, Linz 7. Dezember 1923 Gerte 7 Bolkmirt. Sestemyelte Krone ---- O.flOSO3/* Centimes. Buozohlung Wien ----- «.1080°/, kentlmes. Zn Zürich notierte 8./12. 5./12. die österreichische Krone. 0.0080*/« 0.0080'/, die österr. gestempelte Krone . . . « 0.0080*/« o.oosov, die tschechische Krone ....... 16.74 16.80 die Mark.pro Milliarde —.— i * i «Cu!* * e 218.50 818.- New-ssiork.. . 572.50 573.76 fiottbou 25.12 24.99 Baris.. 81.15 30.8$ Mailand . . . ... . 24.95 24.85 Belgrad 6.47',. 6.50 Bukarest ...... T .... . 2.97 2.95 (Sofia 4.35 4.42 Budapest .......... 0.0305 0.030» Warschau •«», ».»«»».« —.— Geringe Annahme des österreichischen Banknotenumlanfer. Anwachsen des Barschatzes. — Verminderung des Wechsel- Portefeuilles. Nach dem soeben veröffentlichten Stande der österreichischen Nationalbank vom 30. Novenrlber 1923 hat der österreichisch' Notenumlauf ein« Zunahme um 247 Milliarden Kronen ausizuweisen. Er beträgt nunmehr 6377 Milliarden Kronen. Auch der Barschatz hat demgemäß eine Erhöhung orsähren. Er beläuft sich jetzt auf 3566 Milliarden Kronen, also um 42 Milliarden Kronen mehr als nach dem Ausweise der Vorwoche. .Hervorhebung verdient die Tatsache, daß das Weckselportcfeuille weiter äbgenommen hat. Es beinfjait'CL. Wechsel in der Höhe von 1092 Milliarden Kronen, also um 5,25 Milliarden Kronen weniger als nach dem letzten Ausweise. Diese Minderung des Wechselportefeuill'es im Spät-- herbst ist umso bemerkenÄverter, als gewöhnlich diese Zeit die größte Geldanspannung im Gefolge hat. Daß dies in Oesterreich nicht der Fall ist, zeigt nur, daß in dieser Hinsicht die Geldverhältnisse Oesterreichts sich noch nicht nach den Friedens- Verhältnissen normalisiert haben. Re Wirtschoftslage Jentschlandr. Der katastrophale Niedergang. — Absatzschwierigkeiten. — Konkurrenzunfähigkeit selbst im Jnlande. — Preissteigerungen. Aus Berlin wird geaneldet: Die Berichte über die Wirtschaftslage im November spiegeln den katastrophalen Niedergang der Wirtschaft in dem Monat vor Wechnachten, der in normalen Zeiten eine lebhqfteve Geschäftstätigkeit zu bringen pfl-egt. Aus fast allen Industriezweigen wird ein voWommenes Darnicherliegen des Absatzes gemeldet. Im besetzten Gebiet war die Lage nach wie vor trostlos. Seine StillegUW wirkte auch auf das unbesetzt« Gebiet über. Wie schon in den vorangögangenen Monaten hatten auch im November selbst Kohlengebiete unter Absatzschwierigkeiten g>: leiden, obwohl ein gewaltiger Kohlenmangel herrscht. Absatzmangel kennzeichnet auch, wie der Berliner ,^oÄvärts" berichtete, die Lage im Eisenerzbergbau und in der Kaliindustrie. In der letzteren echosft man eine Besserung des Geschäftes, wenn genügend lvertbeständige Zahlungsmittel eingefühvt sind. Die Großeiseniudustrie des Ruhrgebietes lag still. Im unbesetzten Geibiet lag für Walzfabrikate genügende Beschäftigung vor. In der Kleineifen» und Stahlwarcnindustrie des Solinger Bezirks verschlechterte sich die Geschäftslage weiterhin. Die Inlands- und Auslandsaufträge nähmen noch mehr ab. Man versucht, die Auslandsaufträge um jeden Preis an sich zu reißen, was zum Schaden des Anschens der deutschen Industrie auf dem Weiltmarki ansschlagen muß. Lokomotivbau und laudwirtscha-ftliche Maschinenindustrie arbeiten mit starken Einschränkungen. In der letzteren wird eine geringe Besserung des Absatzes verzeichnet. In der elektrotechnischen Industrie ist der Bestellungseingang vielfach gering. Eine leichte Belebung des Absatzes wurde bei einzelnen chemischen Präparaten verzeichnet. Am Holz mar kt ist das Exportgeschäft völlig unterbunden. Die Papierindustrie kann im Ausland mit den niedrigeren Preisen anderer Staaten nicht mehr konkurrieren. Die KonkurrenzunfähvKeit der deutschen Industrie trip vereinzelt bereits im Jnlaudsmarkte in Erscheinung. Die Auslandsuuterrve'hmu ugen, die viel höhere Löhne zu zahlen haben als die deutschen Werke, unterbieten, z. D. bei Garnen, die Femspinnereien, die, um nicht zu Schleuderpreisen zu verkaufe, einen erh-e-blichcn Teil ihrer Produktion auf Lager legen mußten. In der Textilindustrie ist im allgemeinen di« Lage nach wie vor schlecht. Die Lausitzer Tuchindustrie meldet indes in den letzten Tagen schwache Anzeichen einer geringm Besserung der Jn>landsiaufkraft infolge der Einführung der Rentenmarkt. Das ist außerordentlich bezeichnend, weil man früher immer den vechängnisvollen Einfluß der Geldentwertu.ng auf die Kaustrast der Bevölkerung geflissentlich übersah und rücksichtslos die Preise in die Höhe schraubte. Eine leichte Belobung des Geschäftes wird aus der Waschekonfekiion gemeldet. Im Schuhhandel klagt man über die unzureichende Kaufkraft der BevAkerung. Die Ankündigung der FreigÄbe eines Teiles der Zuckerproduktion für den Export hat eine leibhafte Nachfrage nach Zucker hervorgerufeu. Die Fabriken brachten aber nur eine g.'rmge Menge aus den Markt, so daß die Inlandspreise jetzt den AuLlands-stand überschritten haben, obwohl auch auf dom Weltmarkt eine wesentliche Erhöhung der Zuckerpreise eingetreu'n ist. Der Einfluß des Deviseneinheitskurses auf die Brrjorgung der BvöLvuug geht ms der Tatsache hervor, daß d-.^ deutsche 73