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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-05 · Heft 1727 (5.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1727 (5.12.1923)
Date
1923-12-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Mvn, .Mnnvory Wkener Morgenzeltung. Nr. im KtfjteS zwischen Ungarn und seinen Nachbarn würde für die. wirtschaftliche Entwicklung der Länder Mitteleuropas eine günstig« Grundlage gegeben sein, was auch in Politischer Hinsicht vorteilhaft wäre. Der Minister erklärt, die in Genf mit den ungarischen Ministern Grafen B e t h l e n und D a r nvary gepflogenen Besprechungen Hütten in ihin die lieberzeugung gestärkt, daß ein normales frenndnachbarliches Verhältnis zwischen Ungarn und Jugoslawien geschaffen werden kann. Ungar«. «eine völkische Amneftlr. Budapest» 4. Dezember. Die Gerüchte von einer polirkschen Amnestie anläßlich der bevorstehenden Weih- «achtSfeiertage werden amtlich dementiert. Llmienmsrmaßnadmen. Budapest, 4. Dezember. (Tel. der ,Wiener Morgengeüung".) Dem „8 Uhr-Blatt" zufolge, wurden sämtliche Ministerien angewiesen, ihr Budget im Rahmen der im Völlepbunldprogramm festgesetzten Sanier» n g speriode von zweieinhalb Jahren auf zu stet len. J,m Betrieb der Staatseisenbcchnen sind großzügige Reformen geplant. Wie das Blatt weiter erfährt, beabsichtigt die ungarische Regierung im Zusammenhang mit der Ausländsanleihe auch eine innere Anleihe aufzunehmen, deren Erträgnis als Fonds für die neue ungarische Notenbank verwendet werden soll. ProteMonrwittschaft. Budapest, 4. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung".) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung beantwortete Kultusminister Graf Klebe lsb e rg die Interpellation Rakovszrys wegen der außertourlichen Beifövderung eines Schwagers des Kultusministers, namens Kovacs, und bestritt, daß diese Beförderung auch nur im entferntesten gegen das Gesetz verstoße. Der Minister ga!b zu, daß Kovacs drei RangskIassen bei seiner Beförderung ü b e rsprungen habe, wies aber unter Idbfyafter Bewegung des Hauses darauf hin, daß ein Sohn Rakovszkhs i,m Ministerium des Innern vier Rangst lassen bei seiner Beförderung iibe r sp r u n g e n ha>be? Rakovszky replizierte, daß er auf die Ernennung seines Sohnes keinerlei Einfluß ausgeübt habe. Zahlreiche Abgeordnete machen ironische Zwischenrufe. Das Haus nahm die Antwort des Ministers zur Kenntnis. Me BombenaWre. Verstockte Sünder. Budapest, 4. Dozomiber. In, Angelegenheit des B o'mvenattentatsversuches gegen die franzöisifche Gescmidtlschcvft hat der Untersuchurrgsrichte r eine der von der Po- Nyei eirMlieserten sechs Personen mvs freien Fuß gesetzt. Di« fünf in Haft gehaltenen Pevsonen haben ihr vor der Polizei abgagebems Geständnis zurückgezogen uuld wollten vor dam Untersiuchrmgsri chter ilhre Schuld nicht embökeinnen. Polen. Nie oppositionelle Koalition. Warschau, 4. Dezember. (Tel. der „Wiener Movgenzeltnng".) An den Beratungen mit den Vertretern der imtio.nalen Minderheiten zwecks Bildung einer ge.meinfa.men Koalition sämtlicher oppositioneller Parteien nahmen im Aufträge des jüdischemKlubs die Mge ordneten Dr. Reich, R o s m a r i n und G r ü n >b a u m teil. Der jüdische Klub wird in seiner nächsten Sitzung zur Frage dieser Koalition Stellung nahmen. Bei der letzten Besprechung der Linksparteien erklärte Reich immens des jüdischen Klubs, daß die Linke bisher die Koalition mit den nationalen Minderheiten gemieden hat, in der Meinmvg, daß diese, selbst sich einer solchen Koalition anfdrängen würden. Die Linke müsse endlich einmal vinfehen, daß die nationalen Minderheiten in Polen em Staatselement sind, das auf dem Standpunkt ider polnischen Staatlichkeit stehe. In seiner Antwort erklärte Abg. Th.»gut, daß die Ukrainer und die Weißrussen die Staatsverträge, die die tervitor'ale Zugehörigkeit der Ostgebiete regeln, anerkennen müßten. Bezüglich der Juden stellen die liniken Parteien die Bedingung, daß sich die jüdischen Abgeordneten in ihren Anträgen und Interpellationen nicht auf den Minderheitsvertvag berufen. Die Juden würden auch inr Fall einer linken Regierung nicht mehr erlangen können, tveil sie ohnehin allzu große Forderungen stellen. Angesichts dieser Erklärungen dürfte sich der jüdische Klub schwerlich für den Beitritt zu dieser Koalition entscheiden. Gegenwärtig führt de.r sozialdemokmtische Führer Abg. Baulicki unverbindliche BechaNdlnugen mit dem jüdischen' Klwb. In politischen Kreisen verlautet, daß die Soziallvemokraten zusammen mit den übrigen linken Parteien die A u f l ö s u n g des jetzigen Sejm verlangen tverden. 8iu abgelebuter sozialdemokratischer Mißtraaenranttag. Warschau» 4. Dezember. Bei Durchberatung des Gesetzentwurfes betreffend die Ruhegebühren der ehemaligen Minister wurde vom sozialdemokratischen Abgeordneten C z a p i« s k i ein Mißtrauensanträg gestellt, der vom Sejm mit 169 gegen 149 Stimmen a b g e l e h n t wurde. * I Zionistisch« Sektion und B smilcfVBCCO^ JUdi«che Tischgesellschaft 9 pls <lVl«15ir«l55B | Wien» lllif Löwengasse 39 Heute Mittwoch den 5. Dezember iindet i:m Löwenkino, Ilt.. Löwengasse 83, die Aufführung des Origlnal-Palästlnafilms Das neue ” Palästina Propagandafilm In 5 Akten statt?t5S6 Vorher Vortrag Dr. “", _ WelsI (Anfang VslO Uhr abends Karten im Vorverkauf orhSIUieh bei: Zionistische Sektion «LandstraisQ1*, III., Ltiwengas'« S9 (Cafe Ilion), Keren Hajeesou, II., Tabor» strasro 20a. Jüdischer NationMfond«, II., ZirkuBgasse 33, and bei allen Ausschussmitgliedern. Berechnung der Menbahntarise in Soldfrankem Warschau» 4. Dezember. Laut Entscheidung der Tarifkommission des EisenbahnamteS wird ab l. Jänne r 1924 die Festsetzung der Tarifsätze in G o l d f r a n k e u erfolgen. Dieselben sollen eine Steigerung bis zur Höhe der Vorkriegstarife erfahren.__ Rundschau. England vor den Wahlen. London, 4. De^mber. (Reuter.) In den letzten Tagen des Wahffeldzuges wivd von sämtlichen Parteien nech eine letzte Kraftanstvonguug imteAl-ommen. Bewnutlich werden in den 5656 Bezirken 50.000 politische Versammlungen abgehalten werden. Die Londoner WählerversanmÄungen sind gestern der Schauplatz vom Ruhesitz r u u g e n geivesen. Churchill wurde, heute in Finsburh von Ruhestörern nie-dergeschrien un>d fortdauernd unterbrochen, worauf er erklärte, die Ruhestörer untergraben die Grundlagen der Demokratie. Zwei London-er Kandidaten, ein Tory und ein Liberaler, sagten ihre Versammlungen mit der Begründung ab, daß sie infolge der Ruhestörungen unfruchtbar sein würden. Eim Kandidatin der konservativen Partei wurde in einer stüvmischen Bersanmulung derart mit Fußtritten bedacht, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Gin Kandidat mußte alle Versammlungen abfagen und steht unter ständigem polizeilichen Schutz, >da seine Gegner gedroht hatten, ihn zu töten. Lloyd George erklärte, daß nach seiner Ansicht das neue Unterhaus 309 Konservative, 160 Liberale, 140 Arbe>iterparteiler und 6 .Unabhängige zählen werde. In diesem Falle würde das Parlament nur kurzen Bestand habe nmnÄ bald wieder Neuwahlen vorgenommen werden imüsien. Baldwirr über seine Politik. London, 4. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenzrg.") Bald Win hielt gestern abends in Liverpool eine Rede, die er wie folgt schloß: „Ich will das Ausland behandeln, wie es uns behandelt, und zwar so lange, bis es gelernt haben wird, uns ein wenig besser zu behandeln. Ich habe mir vorgenommen, auf Fertigfabrikate, durch deren Eiuftchr.die Arbeitslosigkeit bei uns vermehrt werden könnte, in jedem Fall einen Einfuhrzoll zu legen. Der Einfuhrzoll soll die Vorteile tvettmachen, die das Ausland infolge der niedrigen Löhne und des niedrigen Geldftandes vor uns besitzt." Neuregelung der amerikanischen Einwanderungsbeftimmuugrn. Paris, 4. Detzesulber. (Woilff.) Nach einer Meildung des „New Aock Heraild" aus WoGi«igt«n wivd das Miigl-irtz» des Repräisentanteu' rulses Möevr Johnson einen Gefetzentwuvf emibrmgen, woi ach WnIftWn die E i n «w am d e r e r i n g w e i Klaffen ge. hie den wertden sollen, und zwar in nahe Blutsverwandte von-Personen, die sich bereits in den Bereinigten Staaten ouljha'Äen, und in die übrigen E i >n- Wanderer. Die Quote soll für setze Klaffe getrennt, mit! 2 Prozent der nach der VMszäbluivg vom Jahve 1890 in den! Bereinigten Staaten wohnhosten Angchörigen der bstvefifLnden Länder festgesetzt werden. Ähne Amerika keine Regelung der Reparatianen. London, 4. Mzmnlber. (Wolfif.) Der diPlvmMsche Bavicht» erstEr des „Daily Telegraph" schreibt, in britiischen Kr-sistn iverde allysmem zuMge'ben, daß die b-chchränkte llntech-lchnng, die h-ie RepauationSkommissiou fetzt mit Bazugauf die den.ische Finanzlage astzustellen be-aVsichtige, wivBiche Füüchte. nur tragen könne, iverm die MitiwiMng'der Versin".gten Staaten gesichert werde. Die finanzielle Wieldecherstellnng DoutzschlandS könne jedoch kaum ohne answärtilge Hilse . ersielt werden. Andorevseits werde, wie vevlauM, die am erika nasch -e Unterstützung kaum erisolgen, außer wenn ein- Regelung der Reparadionsfrage s-öllbst zuvor erreicht worden fei. Der allgeimiive Eindruck sei, daß -- adigefehen' von einain HllfIlverkc für die hungernden Bevölikwungen Europas — Aimerikas MiÄvivkung um unter den Bedingnugeu.eckwar-t-e-l werden könne, Vie in dsri New-Havener Vorschlägen v«A Hughes dargellegt wovdm seien. 8. Dezember 1923 Gelke 8 Staats>dcparteme.nt iveitevü Jnsormat'lonen über die F.va,ge tKCfl? SachveüftändiMttä-tWeit habe zugeihen lassen. Vvvanstgsgcmigen sei eine Befpvechung Loga ns mit BriMury imd Bcurchoiu. GH verlaiulet, daß er (;bcr a>merikanifche Beobachter) anif den engl!»- loschen Dt'mdpu-M verwiesen, halbe, woimch bte bvipen Sachverstandigen'.m:ösck.üss.' Mrcklos und ihre .TätiMt Kl. einvm Mißerfolg vevnrteÄk fein werde, wenn Amerika nicht teilnrhme. England stüüde ans dem Siamidpunlkte, daß Amerika Vurch regelrechte bevollmächtigte Delegiert? vertreten sein müßte, denen es Mch fteistehen müßte, auif. Rechnung der Washingtoner Regierung Beschlüsse zu fassen. Amerika aber wird erst Stellung nehnten, wenn es offiziell eingeladen werden wird... Paris, 4. Dezember. Mch dem „New Zork Hewld" wivd aus Washington berichtet, das Staatsdepartement habe mitgeteili, dis Stellun,g der Regierung der Bereinigten Staaten in der Reparativ ns frage sei nach wie vor unverändert. Offiziell verlaute, das Staabsdepartenrent habe zwar Mitteilung von gewissen Vorschlägen der Reparationskommiffion betreffend eine Untersuchuikg der deutschen Finanzlage erhalten, jedoch nicht in der Art, daß sie als E i n l a d n n g zur Teilnahme an einer derartigen Untersuchung auszulegen wäre. Bevor nicht den Bereinigten Staaten eine endgültige Einladung zugehe, werde die Regierung keine offizielle Erklärung über ihren Standpunkt abgeben. Re Session des amerikanischen Ko«sreffer>. Washington, 4. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitnng".) Im. Repräsentantenhause wlnrde die Sitzung zum Zeichen >der Traue.r ftir den verstorbenen Präsidenten Harding für einige Minuten nntevbrochen und dann fortgesetzt, um die Wahl des Präsidenten vovznne'hmen. Die Prä!sidemen!wahl verlief jedoch erge.bnis'los? Die 17 Radikalen machten sie, indem sie einen eigenen Kandidaten aufstellten, unmöglich. Die Republikaner hatten Kandidaten den bisherigen Präsidenten Gillette nominier, die Demokraten G a r r e t t e. und die Radikalen Cooper. Beim ersten Mahlgang erhielt Gillette 198, Garrette 195 und Cooper 17 Stimmen. Da auch im zweiten, dritten und vierten W-ahlgang kein Ergebnis zustande kam, tvnrde die Sitzung auf heute verschoben. Solange der Präsident nicht gewählt ist, können sich Senat und Repräisen'- tantenhaus nicht zu einer gemeinsamen Kongveßsitzung versammeln, um die Botschaft des Präsidenten Coolidge anzuhören. Im Senat ist man aus ein ähnliches Vorgehen der radikalen Senatoren gefaßt. Es verlautet, daß Präsident Coolidges Botschaft an den Kongreß ungewöhnlich lang und in ihren Hinweisen ans die internationalen Ungelegenheiten deiMcher fein werde, als dies 'hei derarigien Angelegenheiten üblich sei, wie sich denn auch schon die Rede des Staatssekretärs am vorigen Freitag durch ihre Offenheit ausgezoichmt habe. Tagesbericht. Mett Sinftein. Ban Dr. Bruno Mrnann. Lsut ZMiingsmeldung fand der berühmte Berliner Gslehrte nach seiner Rückkehr aus Rmtzlend so viele Drohbriefe vor, daß er cms Anraten fvmer Fwwnde itnd Kollegen nach Holland übevsisdölte. Warum haßt, bedroht nnd verfolgt mvn ihn eigentlich in Dönchschland? Weil seine Lehr.' von einigen Physikern und Philosopilren anMwe.ifellt oder angegriffen wird und der enthusiastische Beifall der Bewunderer ihren fanatischen Wider-' sprach weckt? In manchen Zeitungen mar diese Bchauptung an Me Flucht-Nachricht geknüpft, aber so verhält sich die Sache doch nicht. In DeutMtlnb muß man einstweilen immer noch irgendwie po-li-tisch zu bemaMn fein, mn Feiudschaftsiiciigungen bis zu Atitentats astsichten zu erregen. So ist es auch bei Albert Einstein, obwohl/ er mit der -Polit-Hk wenig zu tun ^gehabt hat und sich jetzt von ihr ganz seruhält. Bon Hans aus ist er sogar eine nnpolitische Natur. .In den Jcchren, da der politische Betätigungsdrang am heftigsten aus NahmV Fernwirknugen versessen ist — so mn die Fnnftmd>zw.ansig herum —, kümmerte er sich gar nicht um der- Ilei Ange-leyercheiien. Dabei war das damals eine mit historischem Beti>eutungsfülle geladene Zoit und eine politisch höchst erregte Atmosphäre, in der er lebte. Der eben ansgebröchenc rnffijchjapanische Krieg halte die Epoche der imperialistiictieu Aut einanderjetzungen zwischen den Westmüchten eröffnet, und n,u der Exkonnunnikatiol'. Tolstois und den ersten Pogromen 'kündigte sich die' ruiffffche Rcvolntwu wie 'in' einem fernen Donnerrollen an. Einstein lebte da-m-ckls als jiM-ger D-okwr m Zürich, und in den Schweizer Universi-tätsstädten mit ibr-?n vielen mssischen Studenten spürte mau die Reflexe der politischen Vorgänge mehr als in Rußland außerhalb der Nero 'lubionszentreu selbst. Ihn ließ alles kalt, obwohl er viel nrrt Russen verkchrte. Er harte die .Jdeenzüge seiner „speziellen Relativilätstheor-le" im Kopfe, und arbeitete, von aller Politik bloß gelangweilt, an seinem Werke. Mt Politik zu tun bekommen hat er erstmalig im 'Bau «tvivg, und das geschah seltsam genug. Im Juli 1914 .war eine iKommifsion von Mtronoimn und Physikern nach der Hrim geroist, mn bei Gvl-egenheit einer totalen lSonueufinstevu-ls den sogenannten „Einstein-Esfeki" —Mlenkung von Lichlstrahl.u'. in „Chicago Tr-ibum" will wissen, daß der a-inerlkauli.sche Beobachter inld er Rcipavatio-nZLoimniss'ion Lögau gestern deux flmbirtMu.bWflslMStl'SliSchHfmann ll„ Taborstraße 48 Telenhon 47-1-70 En gros En detaS i B 0815 4922 3144

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