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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-04 · Heft 1726 (4.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1726 (4.12.1923)
Date
1923-12-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Skr. 1m . Men, Dienst . .-■-— Zionistische Sektion XVI/XYII Mttwoch den 8. Dezember l.J., 7 Uhr abends, in GschwandnerS Sälen, XVH., Hauptstraße 41 ' mit hervorragenden Knnstkräften, anschließend Tanz i Um ziouMsche Bezirkssettion Leopoldstadt , - -- -- Sektor I ■■ --==a Heute Dienstag den 4. d., präzise 8 Uhr abends, im Hotel- Restaurant Barschak, 2. Bezirk, Große Schiffgasse 3 Jüdische Massenversammlung ZLLL Plaschker md Waldmann streitet, die gegen Poile-n gerichteten Konspirationen vercvMßt zu halben mid st'chrt ans, er trage auch keine SchuD an den zahlreichen Bestialitäten, die man ihm Vovwivst. Das halben andere in seinem Namen getan. Das Gericht sprach Machno und die übrigen Angeklagten von der Anklage des Komplottes gegen den polnischetl Staat frei. Um Machno wegen der blutigen Pogrome vor Gericht zu stellen, dafür gibt es bisher kein „kompetentes" Gericht! __ Litauen. Sie Schlußsitzung der jüdischen Ratkoualversammlmig. Aus Kowno meldet I. T. A.: Am 27. November wurde die erste Session der neuen jüdischen Nationalversammllung Litauens geschlossen, nachdem vorher beschlossen wurde, daß nicht später als in sechs Monaten der Nationalrat auf Grund direkter Wahlen gewählt werden soll. Der Natwnailrvt soll aus 40 Mitgliedern bestehen, die für eine zweijährige Dauer gewählt werden. Er wird die höchste Repräsentanz des litauischen Judentums bilden. Dieses Gesetzprojekt wird noch in diesen Tagen durch die jüdischen Deputierten im Sejm' eingebracht werden. Bis zum Zusammontreten des neuen verfassungsmäßigen Nationalmtes walhU die jüdische Mlionailversammlnng eium vorläufigen Nationalrat, bestehend aus 40 Personen, nach folgender Zusammensetzung: 11 Zionisten, 10 Misrachisten, 6 Zerre Zion (Hitachldnth), 5 linke Zeire Zion (Weltvertband), 4 Handwerte rvertreter, 2 Vertreter der VoMspa-rtei uinid 2 linke Zoale Zion. Dieser nengewÄhlte Natronalrat hat Dr. S. R o s e nb a u m wiederu-nr zunr Präsidenten gewählt, so daß auch weiterhin der Posten eines Präsidenten des Nationalvates mit dem eiMs Ministers für jüdische Angelegenheiten in einer Person vereinigt ist. Mit Bezug auf die Schul fragen beschloß die Nationailversamntlung, daß das gesamte jüdische Schülrvesen dem Natronalrat unterstehe. Ferner wurde beschlossen: In den hebräischen Sch u I c it muß als Unterrichtsgegenstarck Jiddisch, in den jiddischen Schulen Hebräisch gelehrt werden. Es wurde bei StimnreneuHaltung der lindern Fraktionen ein Vertrauensvotum für der: Nationalrat, den Minister Dr. Rosenbamn und die jüdische Sejmfraktion angenommen. Mit einer Mehrheit von allen gegen dreizehn Stimnren der extrem-'l inken Parteierr und bei Stiümnentyaltiung von vier Mitgliedern der BolWpartei wurde ein Antrag angenommen, daß die jüdische Gemeinschaft Litauens in die Jewish Agency einen Vertreter entsenden solle. Wie wir erfahren, wenden diesbezüglich Unterhandlungen mit denr heikannten jüdischen Historiker Sch. D u b n o w geführt. In eiuiigen zionistischen Kreisen begegnet dieise Kandidatur einem Widerstand. Als Antwort aus das Begviißungstelogramnr der illationalversmnnilnng sendete der Manische Staatspräsident ein Telegramm an die Natwnal-vevsammbrng, in welchen: er die Hofflmug ausdrückt, das; im Einklang mit der litauischen Konstitution alle Nationalitäten, darunter auch dieIuden, ihre nationale K ultu r entwickeln können. Gegen Schluß der Sitzung traf «lief) ein BegvüßmWtelegranim des Waad Leumi aus Palästina, ein. WIrtschastsanjisemitische Gesetzgebung. Aus Kowno meldet I. T. A.: Das von der Mehrheit des litauischen Sejnrs angenommene Gesetz, laut welchem nur die litauischen Konsumgenossenschaften berechtigt sein sollen, Lieferungen an die litauische Armee zu übernehmen, ist bereits, in Kraft getreten. Damit ist erreicht, daß jüdische Kauflonte von den Heeveslieferungen ausgeschlossen sind. SOietfet MovsenzeMntz. Sie enMchen Parteien und die Fudenfrage. London, 3. Dezember, (Tel. der „Wr. Morgenzeitnüg".) Im Zusammenhang mit der Wahlkampagne macht sich ein gesteigertes Interesse der verschiedenen Kandidaten für jüdische Fragen bemerkbar. Dieses kommt in verschiedenen Aufrufen zur Geltung, welche die einzelnen Parteien an die Inden erlassen haben. Während die Konservativen in ihrem Aufrufe die allgemeinen Vorteile der Politik Baldwins beleuchten, sonderbarerweise jedoch die Balfonrdeklaration des bedeutenden konservativen Staatsmannes unerwähnt lassen, berufen sich die Liberalen auf die freiheitliche Tradition chrer Partei und weisen darauf hin, daß es eine liberale Regierung war, welche den Juden die politische Freiheit brachte. Die Labour Party nimmt für sich die größten Verdienste für die Juden in Anspruch und stellt fest, daß sie die einzige politische Partei sei, welche die Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina zu einem Programmpunkt ihrer internationalenPolitik erhoben habe. Die Partei bekämpft das Eindringen des Antisemitismus nach England und ist stets gegen die Unterstützung der pogromistischen Reaktionäre in Rußland ausgetreten. Als -Kämpferin für nationale Freiheit unterstütze die Partei die Bestrebungen der n a t i o n a l e n Minoritäten auf dem 'Festlande und huldigt überhaupt den alten jüdischen Ideen von sozialer Gerechtigkeit, von Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern. Die jüdische Presse erklärt es als Pflicht eines jeden Juden für jene Kandidaten'zu stimmen, die sich verpflichten, die jüdischen Interessen im künftigen Parlament zu vertreten, besonders aber die Politik der nationalen Heimstätte in Palästina zu unterstützen. Die jüdische Wählerschaft möge sich nicht von der Parteizugehörigkeit des Kandidaten, sondern lediglich von jüdischen Gesichtspunkten leiten zu lassen. Kongreßsefsim in Amerika. Washington, 3. Dezember. (Tel. der „Wr. Btorgenztg") Heute um 12 Uhr mittags eröffn eie der Kongreß seine neue Session. Die Sitzung wurde znm Zeichen der Trauer über den Tod des Präsidenten Holding sofort, nach ihrer Eröffnung wieder aufgehoben. Die Dienstagsitzung wird mit der Wahl des Präsidenten des Repräsentantenhauses und der verschiedenen Kommissionen ausgesüllt sein. Falls diese Wahlen noch morgen beendet werden können, wird Präsident Coolidge auch noch am gleichen Tage feine Botschaft vor dem versammelten Kongreß .verlesen. Senator Commins wird.automatisch Senatspräsident. Stellen «ad die Fiumaner Frage. Belgrad, 3. Dezember. (Del. der „Wr. Morgenzeitung".) Blättermeldnngen zufolge machen sich in der letzten Zeit italiensche Truppenbewegungen gegen die jugoslawische Grenze bemerkbar. Das Infanterie-Regiment lllr. 1 wurde aus Verona an die slowenische Grenze verlegt, bei Castua trafen Truppen aus Triest ein und nach Adelsberg wurden mehrere Gebirgsbatterien dirigiert. In Triest sind Tanks aus Udine eingetroffen. Im Hasen ankern mehrere aus Venedig neu angekommene Einheiten der italienischen Flotte. Die italienische Heeresumgruppierrmg wird mit der F in man er Frage in Verbindung gebracht. Wraagels Goldschatz. Belgrad, 3. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnüg".) Der Goldschatz, den der russische konterrevolutionäre General Wränge) bei dem Rückzug seiner Armee von Galli- . poli nach E a t t a r v gebrockt hatte und der sich bis jetzt an .Bord eines Kriegsschiffes befand, wurde nach Belgrad transportiert, wo das Gold in den Tresors der Jugoslawischen Bank'verwahrt werden wird. Sie Wische Wahlkurie i« Saloniki. Aus Saloniki meldet I. 'T. A. Der Revolutionsrat Z a p h i r i s in Athen hat an die Saloniker jüdischen Zeitungen ein Zirkular geschickt, in tvelchem die Schaffung eines besonderen jüdischen Sektors für dir Juden Salonikis dadurch begründet ivird, daß die revolutionäre Politik geschützt werden muß. Die konstitutionellen Rechte der jüdischen Mitbürger sollen auf breiter Basis gesichert werden. Die Regierung habe den Salonikier Juden vier Mandate im neuen Parlament garantiert. Ser mysteriöse Selbstmord des junge» Saudei» Paris, 3. Dezember. (Tel.-Komp.) Die Leiche des Sohnes Leon Daudeis soll ansgegrabcn werden. Mit der Untersuchung der Angelegenheit ist der Untersuchungsrichter Barnand beauftragt worden. Der Selbstmord des jungen Daudet wird von den Pariser Müttern weitschweifig ins Phantastische und Geheimnisvolle gezerrt, obwohl es klar sein muß, daß es sich um einen ausgesprochenen Pubertätssclbstmord handelt. Der Vater, des jungen Mannes, der royalistische Führer Leon Daudet, beschuldigt die Ananrchisten, daß sie. den Tod seines Sohnes veranlaßt haben, indem sie ihn znm Selbstmord überredeten. Ererhebt die Anklage gegen sie, daß sie den jungen Männ zur Ermordung seines eigenen Vaters bewegen wollten und daß er daran zugrunde ging. Luschriftm an die Redaktion sowie unverlangt einlangenden MarmlkriKleir wvUe man stets Rückporto beilegsu» Sa sonst eine Beantwortung» beziehungsweise Rücksendung nicht ersotgen kann. _4. Deze-mber 1923 Seite 8 Zionistische Bezirksettion Leopoldftadt - —~•'• --Sektor 3—4 aa. 3üd. Mlente u. Gewerbetreibende des Sektors 8—4 (Hollaudsrraße — Tandelmarktgaffe — Taboxsiraße — Novaragasse 7- .Praterstraße — Schüttelstraße und umliegende Gaffen) erscheint bet der heute Dienstag den 4. d. M., 8 Uhr abends, im Cast Bürger, II., Praterstraße Nr. 11, stattfindenden kaufmännischen BersammSma Tagesordnung: Die Lage des jüdischen Kaufmannes // und Kleingewerbetreibendeu •// It Referenten: // Dr. Waldmann David Nebenzahl Josef Brenner Erscheint 1 trt eigenen Interesse! Tagesbericht. ~ Ruhe auf der Universität. Im Laufe des gestrigen Tages wurde die Ruhe auf 'der Ilniversität nicht gestört, ein Zustan-d, der in Wien bereits zu den Merkwürdigkeiten zählt. Die Vorlesungen fanden statt. Die .Hauptei-ngänge des Univevsitäw gebändes lvaren jedoch auch gestern noch gesperrt und die Universitäl nur durch den Bibl-iothekseingaug in der Rc'r chsra ts st r a ß c zugänglich. Der Legitima t.i ons zwang wnvde stillschweigend mcht mehr ausgeübt, obwohl er formell noch weiter besteht. Das Färbenderbot bleibt weiter aufrecht. Wegen der am Samstag infolge -er Weigerung -cs Bürgermeisters, de.n Hakentreuzstudenten die 'Volkshalle zu mberlaffen, nicht abgehaltenen Versaennünng, die Demschvölkischen gestern an der Umversitäi folgende Plakiate angebracht: „Die jüdische Rathausre-gierung hat der t 'deutschen Studentenschaft der denlschen Stadt Wien ' ohne. Angabe von Gründen die P-Eshalle des-Rathauses verweigert. Die Versannnl'ung wird aber doch unter jeder Bedingung stattfin-den, Ort und Zeit werden in -den deutschen Zeitungen bekalMrtgegeben werdeir." Die jüdische Studentenschaft beim Rektor. Die Vertreter der jüdischen Studentenschaft sprächet.' gestern beim Rektor der UMversität vor, wobei fst erklärten, 'daß in der jiddischen Stndemenschast wegen -der Vorfälle am Donnerstag große Erregung herrsche, da die Ausschreitungen bewiesen haben, daß die Unruhestffter auch durch die bisherigen Maßnahmen sich nicht »davon abhatten lasten, den Un-errichtsbetrieb immer wieder aufs neue zu stören. Der Rellor wurde darauf aufmerilsanr gemacht, daß die jüdische Studentenschaft in berechtigter Besorgnis um ihre körperliche Sicherheit entsprechende AL wehrmaßnahme.u zu treffen gezwangen sein lverde, da -es sich herausgestellt hat, daß am Donnerstag die Radaubrüder nicht nur mit Gummiknütt-eln und Schlagringen, fordern auch mit Schn a p p m e s s e r n bewaffnet waren. Ueberdies haben die Ruhestörer ihre Aktionen auch auf außerhalb dev Universität liegendes Ee- .Liet ausgedehnt und im Votiv park Misch a-uSfthende Paffanten angefallen-. In jüdischen Studentenkreifenherrscht die Ansicht, daß die Maßnahmen des Rektors, die anerkannt werden, n i ch t znm Erfolge führen werden, wenrr gegen die Unruhestister nicht mit schweren Strafen vorge-gangen widr. Gleichzeitig muffen diese Bestrafungen der übrigen Studentenschaft als lvavnendes Beispiel zur Kenntnis gebucht -werden. Ferner wurde der Rektor anfg-efordert, bei 'der Polizei die Namen der am Donnerstag verhafteten Exzedenten zu eruieren. Es ist übrigens sonderbar, daß die Pvilzei in diesen: Falle mit solcher Delikatesse vorgeht. Wenn es sich nur einen jüdischen -HmHerer handelt, der ein Paar Schnhbän'der um einige Kronen zu teuer verkauft, dann zögert die diesinal so taktvolle Behörde gewiß nicht, Namen und Adresse des Mannes bekanntzugeben. Wie mau den Fremdenverkehr fSrSerk. Es ist noch nicht so lange her, daß mau auf einer Enquete mit vereinten Kräften bemüht war, den österreichischen Fverndenverkehr zu heben. An dieser Aktion üeteiligte sich auch die Gemeinde Wien, die durch ihren Vertreter, Vizebürgermeister Emmerling, erklären ließ, daß sie an einem lebhaften Fremdenverkehr außerorüenrlichss Interesse habe und alle.s tun werde, um den Freundenoerkehr tu Wien zu /heben. Wie Liese Förderung durch die Gemeinde in Wirklichkeit anssieht, geht ans -den vor kurzem vom Wiener Magistrat an die Wiener Hoteliers erlasselmr neuen „Richtlinien" hinsichtlich der Einhebung der Fromdenzintmerabgabe hcwor. Nach d'iesen Richtlinien soll rmnmchr die Fre-mdenzim-merabgäbe auch auf solche sogenannte „NMnileistu-ngen" ausgedehnt wevden, welche mit der Vermietinng von Fremdenz-ilmmeru tatsächlich nicht im Znsarmnenhang stehen, bei'spielswe.ise ans Ben'ütznng der B ä d e r im Hotel, auf' Zahlungen für G e p ä ck s an fb e wa h rit ug, R-ernignng von Passagier-Wäsche, Telephongespräche der Passagiere. Eine Bollversa-mmj' llmg der Vereinigung Wiener Hot-ckl-befitzer faßte den envhelligen Beschluß, diese Forderung des Magistrats als » durchaus ungssetzl-ich abzulehnen, in einem Proteste Am besten u. bMHgstenSTg ’gMfeSchiffmann II., Taborstraße 48 Tole»hon 47-1-79 Ctt ßyos En

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