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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-02 · Heft 1724 (2.12.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1724 (2.12.1923)
Date
1923-12-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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€cHe? W-ien, Sonntaq dvlitifchö Gegenpol des diktatorischen Bolschewisnms, yLI vorgestern in der Kammer die Zurückführunq Rußlands in den PÄtischen Blutkreislauf cmgMndigt. Die Ausführung dieser Absicht wäre ein glücklicher Akt, zu dessen Vollendung man nur wünschen müßte, daß auch Amerika der HuMsschen Interpretation der Monroe- Lehre Leben und Kraft verleiht. Amerika« vvropapoliM. Baris, 1. Dcgemib-r. Die Blatter mÄdcn aus Washmgion: F-n seiner Ansprache bei der Jahrhundertfeier der Monroe-Doktrin erklärte Staatssekretär Hughes unter anderem: Unsere Politik gegenüber Europa Laßt sich dahin zufa>rmnenfassen, daß wir dem Gedanken einer formalen Allianz abgeneigt bleiben und ms nicht dazu vcq't-ehcn können, für die Zukunft die Verwand» ug amerikanischer Truppen zuziifichern unter Bedingungen, die wir noch nicht kennen. Eine Intervention unsererseits wird erfolgen, wenn das Gefühl unserer Pflicht es befichlt. Km europöische UmgmWierung? Vor kurzem äußert« sich ein hervorragender französischer Politiker dahin, daß Europa mit Riesenschritten einem zweiten Weltkriege entgMmile. Dieser Meinung huldigt auch ein Teil der großbri-dannischen maßgebenden Kreise. Ein Ausdruck der bangen Sorge über di« Zukunft Euvopas wa-r die letzte Rede des englischen Premiers Baldwm-dn Unterhaus«. in welcher er ausführte, die Entente könnte ohne Aenderüng &r Lage nicht weiter bestehen. Die Differenz -wischen London und Pari-s äußert sich vm Augenblick wohl nur darin, daß di« großbritomnsche Regierung sich in der Behandlung Ärr deutschen Frag« nicht dem Kommando der fran- M'chen Imperialisten fugen will! Sie erstreckt sich aber auch auf eine ganze Reihe von anderen europäischen und astatischen Problemen und wird in ihrer Stellungnahrne großenteils von Amerika unterstützt. Dabei ist es fahr bemerkenswert, daß auch innerhalb der kleinen Entente, sowie in Rumänien und Polen sich Stimmen vernehmbar wachen, die eine englische Orientierung im Sinne des Ausgleichs der nationalen, religiösen sowie sozialen Gegensätze erstreben. Bor kurzem wies Austin Barrtson in der bekannten englischen Zeitschrift-„D a i l h Mail" darauf hin, daß in Polen die Stimmung für die Abkehr von der frawMichrn Orientierung zu nehme, weil das Bündnis mit Frankreich durch seinen RüstungsInhalt die polnische Republik zum finanziellen Bankrott ge führt hat. Wenn England Polen einen Celdkredit gewähren würde, wäre Polen bereit, sich von Frankreich a-b- und England zuzu--. wenden. Schließlich fordert BarrisoN die polnische Regierung aaf, sich in diesem Sinne neu zu orientieren, weil die polnisch« Bevölkerung mit Sehnsucht auf einen englischen Mick wartet. Mese Ausführungen des englischen Mattes erscheinen umso plausibler, wenn man die russischen Rüstungen gegen Polen sc wie Rumänien und ma nche russische Kundgebungen gegen diese beiden Staaten, ebenfiwöe die gewährten französischen Kredite zur Vervollständigung der Rüstungen „der französischen Verbündeten am Balkan und in Osteuropa berücksichtigt". Italien, das sich zeitweise mit Frankreich, zeitweise rmt England wieder identifiziert, plant nun einen immer fester« Formen annehmenden Bund mit Bulgarien» Albanien, der Türkei sowie Spanien zur Wahrung der italienischen Sonderinteressen am Balkan, der sich sdwohl gegen England wie gegen Frankreich di« kleme Entente, als auch gegen — Rußland richtet. In der neuesten Zeit Macht sich auch in Rumänien eine Strömung bemerkbar, welche die L ö s u n g des Bündnisses mit Jugoslawien und den Anschluß an Italien, Albanien, Bulgarien sowie die Türkei fordert, di« parallel mit der Steigerung des italienisch-jugoslawischen Gegensatzes wächst. Dieser hat nicht nur in der ünbcfriedigenden Lösung" der F i u m a n e r Frage, sondern auch in der Behandlung der südslawischen Bevölkerung von Triest und Istrien seinen Grund. Es ist auch ein ernstes Zeichen der Zeit, daß man bereits von einer slowenischdeutschen Obstruktion im römischen Parlament für den Fall der Fortdauer des jetzigen Kurses in Italien als unwermeiAich bezeichnet. Wenn aber die italienische Politik nach außen wie nach innen einen immer mehr imperialistischen Zug an nimmt, so liegt dies nicht nur im allgemeinen Wesen der jetzigen Zeitepoche, sondern ist auch darauf zurückzuführen, daß Italien die heutig« Zerklüftung Gesanrteurepas sowie der einzellnen Staaten für seine Sonderzwecke in Mitteleuropa, am Balkan und im Mittelländischen Meere ausnützen will. Der italienische Imperialismus rechnet sowohl mit den inneven Wirren Rußlands, wie Deutschlands, dem englischfranKösischen Gcgensatz und endlich den Rivalitäten und Kämpfen der einzelnen Bailkanvölker. Das Balkanproblem qt trotz der entgegengesetzten Behauptungen eines Balkandiplomaten noch lange nicht gelöst. Die griechische Krise, die Vorgänge in Bulgarien, das albanische und mazedonische Chaos beweisen dies ebenso wie die brennenden Nationalitätenfragen in Rumänien und Jugoslawien. Momentan werden allerdings alle, diese Fragen m erster Linie durch die deutsche Frage in den Hintergrund gedrängt, aber es ist zweifellos, daß der früher oder später undermeid.iche Sieg des Föderalismus in Deutschland ebenso die föderalistischen Gruppen in Gesantteuropa stärken wird, wie der nationale Separatismus zum Ent.stc.hen einer Paneurop ä i s ch e n Bewegung mit dem Ziele d:r „B e r«i n i gten Staaten-von Europa" führt. Berns. Wiener Morsenzeltung. Die Lohnverharidlungen der Industrie« ««gestellten. -Um di« Differenzen zwischen dtn Industriellen und den Industries«gestellten, die nach dem gestern er» zielten oll^emeluen Ausgleich noch übrig geblieben sind, einer Bereinigung znznsühren, hat der Bundeskanzler im Einvernehmen mit beiden Tellen di« Vertneier beö JndU» striellenverbcmdes und der Gewcrkschafiskommtffian für morgen, 10 Uhr vormittags, in das Bundeskanzleramt eingeladm. Zschecho-Glowaker. Annahme des Budgets. Prag, 1. Dezember. (Tel. der „Wr. MopgeuzeUMg".) Iln Abaeordneteichaufe wu.de gestern dcks Budget mit den Stimmen der Mchrheitsparteien gegen die Stimmen der deutsche« und ungarisch:« Partien sowie der Kommunist?« antzflndmm e n. Die tschechischen Gcweröeparteil« und slowakische Bolkk- Partei übten Stimm'enlhtt mg. Die deutsche Anträge wurden fast sämtlich abgelehttt. Es mußte über fast 900 Anträge ahgestimmt werden. Dcmisslovsdtohuvg des FimmMiniflers. Prag, 1. Dezember. (Tel. der „Wr. Movgenzeittmg"^ Im letzten M'inifterrat ist -er Arttrag des Finanzministers B e c k a auf Erhöhung der Waren Umsatz st st «er von 1 auf 2 Prozent abgelehnt worden. Minister Beeka kündigte darufhin sein« Demission au und erklärte, daß er die Verantwortung für das Gleichgewicht de rStaatsfinanzen nicht mehr übernehinvkt könne, well durch die Herabsetzung der Kohlensieuer dir Einnahmen -es Staates um 400 Millionen tschechische Kronell gesunken und überdies noch viele andere neue Ausgaben hinzugekommen sind, denen er m der Voraussetzung, daß die Warenumsatzsteuer erhöht werde und nachdem ihm in dieser Richtung Zusagen genracht wurden, die Zustimmung erteilt Hobe. Die Demission selbst ist, wie daß Tschechische Preßbuvkm witteilt, nicht erfolgt. Die Kriegranleihrfragr. Prag, 1. Dezember. (Del. der „Wr. Morg:nzcitung".) Abgeordneter Krzepek, der Vorstand der deutschen Arbeitsgemeinschaft, erschien gestern beim Finanzminister Beeka wegen einer baldigen Regelung der Kriegsanleihesrage. JnSbcsondere wurde mit Rücksicht auf die kürzlich erfolgte Erhöhung drß Lombardzinsfußes die schwierige Lage, der Lom-bardfchrlldner betont Und der Wunsch zum Ausdruck -gebracht, daß das Bankamt bis zur endMligen Lösung der Kriegsanleihrfrage dir Eintreibung der Forderungen vertagt. Minister Decka erwiderte, er hcwe die Absicht, rm Laüfe des nächste« Bier- 1.e.r.Lahr,eH,M Mutze We^nleiheftpge durch eine neue Regierungsvorlage endgültig zu erledig:«.nüd wegen der Lonrbardschüldnrr mit' der Leitung des Bankam'SS Rücksprache pflegen zu wollen. Sie Kühlensteuer. Prag, 1. Dezember. (Tel. der ^Wr. Morgwzcituug".) Im Abgeordnetenhaus wurde gestern eure NegiemügSvorlage be» treffend die Kohlensteuer un'erbveitet, wonach für alle SJriejt im Inland geförderter Kohle die Steuer auf 10 Prozent des Grubenpreises (statt bisher 80 Prozent) festgesetzt wird. Der Finanzmmister wivd ermächtvgt, für Gruben, die unter besonders ungünstigen Verhältnissen arbeiten, die Kohlensteuer bis auf 7 Prozent herabzusetzen. Jugoslawien. Die AMchtftm. / Belgrad, 1. Dezember. (Tel. der „Wiemr Morgenzeitung".) Die S k u p s ch t i n a hat heute vornriitagtz ihre ordentliche Session eröffnet. Dem Gesetzentwurf über die Schaffung einer privilegierten jugoslawischen Schifffahrtsgesellschaft wurde die Dringlichkeit zuerkannt, worauf sich das Haus mit Rücksicht auf das Ratwiralfest auf den 3. d. vertagw. Die Regierung vill trotz der Schwierigkeiten, die die Opposition den Arbeiten der Skupschtina entgegensetzt, d« Erledigung des Sbaatsvoranschlages bis Ende Dezember herbeisühren, um dadurch in die staatliche FinanAw-irtschrst normale Verhältnisse zu bringen. Nach dem von der Regierung in der SckuPschttna eingebvachten Ermächtigungsgesetz wird die vom französischen Staat Jugoslawien gewährte füufprozöntige Anleihe von 300 Millionen Franken, die in zehn Jahren rückzahlbar ist, zur Begleichung der staatlichen Bestellungen in Frankreich verwendet werden. Ungarn. Main« Fmmnnitllt aufgehoben. Budapest, 1. Dezember. In Fortsetzung der Debatte Über die Jmmnnitätsaffäre des Abg. lila in erklärt Abg. Eckhart,, der ein Minoritätsvotum unterbreitet, die Raffen sch ützler hätten gegen jene Zeitung, die behauptete, (?) die Fäden des Bombenattenta 18 führen zu den Rassen schütz lern. einen Pr esse Prozeß -angestrengt. Mit den bayrischen und deutschen pationalistischev Kreisen habe er in der Vergangenheit Bern h r u n g ß- Punkte gehabt und er werde auch in Zukunft mit jeder ehr»!id>cn nationalistisch.'n Bewegung Verbindung suchen. Rachd'M noch Minister des Inuern Nakovsky die Verfügung Der Regierung verteidigt hatte, beschloß das Haus, dar J mm uiltätsrecht des Aborordn-'t«n Nlain aufznbeLs» und 8. Dezember 1923 M. IM dem Gerichtsverfahren freien L-auf zu lässen. Der Beschluß des Hauses veranlaßt« die Opposition zu einer Demonstration, da sie!n dem Beschluß eine Berlietzung deS JmmuuttLisrechtes erblickt. Die oppositionellen Abgeord« neleu drohten mit deck Verzicht auf ihre Stellen im JmmunitätSüUSschuß und verlangten schließlich die Anberaumung einer geheimen Sitzung. Diesem Ansuchen stimmte auch Ministerpräsident Gros Bethlen zu mit der Begründung, daß in der Affäre Nläin neue Momente önfgrtaucht seien. Die geheime Sitzung dauerte bis ö Nhr nachmittags. N.ich Wiederaufnahme der öfftnllichett SttzrutL ve'^ichtetcn sämtliche Interpellant?« auf daS Wort. Vas Geheimnis der vergiftet«« Nadeln. Budapest, 1. Dezm'.ber. (Tel. der „Wiener Morgen» Mttmg".) Man or'.nuer. sich noch dsr allyoMmen PairSk. di« vor einem Jahre in Buidapch herrscht:, ails 'sich die Zahl der Falle hä'uifte, m denen Passcvgi're der S t r ü ß e n >b a h u von unibcibLiMtcn Tätern mit Nadelstichen oev.-etzj w-uüden. Drüse Stiche vevutzsach'en stirchiibüre Schan-cm-eru Di« än;Eich-e A'wtechuchu'Ny oryab in allen Fallen daß die Rtildoln, mi«t denen Vie Stiche VoWhn wuüdeu, vergiftet wann Da die Verletzten zurmeP Osf-iziere in U-wLfvrm oder Stxud-cnten waren, die öhre Studeutenücxplpe tvtvgen, derbrcttvt-en die awtifMiMchen Zstttmyen die Bbhaiujpt'ung, daß di-se gÄw^u'-nisvollen Miecktä-Wr jüdische Kamonunisten seien, di« auf drüse Weise die Nieldvrvi^gimg der Kommune durch die NcvttowLamnee uröi) die rasseujschutzibcr.iischen Hochschiiiler rächen und ünw ,/südisch-kvMm-u n ist lisch e Herrschaf-t" eva» Älieven wolln. Die wi-Michen Tater wurden damails nM «M'rert, hingegen boten dich« Avtenwte mit veog^t-vten NodrA den wilbk-mnimenen AM«ß, daß eine große ZW imvger Dock!» avnter dem Vovwcmv komimmulstilscher Prvtpagvnda vtzchaftvt «tbuÄe. Der größte DM disser ßmgen Leute schmachrct auch haute noch in den rm-Kavilschen Kerkern. Schon da.mals hat die iübeuale Presse dm Verdacht geäußert, daß diiyse sSttisaimen Antgriiffe von raffenschützle» r if ch er Seite anlsigmDc<n, um auf diese Woffv die Alüfi iMÄstmrikeit der OeisiseMichik'ctrt und der Bchördeu von den Terrorakten der Raffersschühiler cchMnpen. Nun hat die Unterfuchung gogm die Bvmbenatientäter, die diesmal gang hemmcktyRos du-rchgcführt wird, auch tö8 Geheimnis diestr verg-isteten N-ad-ekisPitzen gelüftet. Unter den in Haft genommenen Personen befindet sich auch ein Univöksiätchörer namens Frang Kitz, der de! s.wer Einvevmchme sich wM dagogm verwcchrtze, mk da» Bombeua-tt-eutat g gen die frmigösiisthe Geso-ndljschalft in Verbindung gebracht zu wndm, hrugegsn einychtand, daß er der ge» hsiimrrisvolle junge Mann gewesen sei. der Ende MS und mr Jcchre lWV de« gomzen Dqg aus dar Mrischn Svaßewbvhn Vttibvachte, Ml ahmMgSl-ofvn Offizieven und unffommerton Hochfchütlern in öhtfcm unbewachten Moment mit verigifteteu Nadeidr Stiche zu versetz n. Gr gessand ferner, daß'er dich« vevgifteteu Mde'ln dam Führer der Erw-achenben Ung-arm Has-ef Marffy mie dem Aust vag erhaSten halbe» diese Aln-grilffi stchchickt und vovsichn'ig durch)ltsischvLn, nachher in der Mnge zu verschwirtden und sich al'ls Zeuge dafinr zu me^en, daß er ru der urmntiMaron Nähe de-r Gcistochonen c'inen Mann aus dem Arbeiterstartt» oder vmen mit jüdischem AnSsehei» bemerSt halbe, d r, dann von der Stvaß-onibcchn albyÄspMnye« war. Franz Kiß wurde hir-rowf weiter in Haft bchatte», oibglttch er urrauSgasetzt bsteuevte, mit den Bmwben^a^^e^nia^^en N'ichts gemein M halben. Mo auch diese -.'Wische Märe mürwct in der Mo vdw? rkze.uysfiibM des Oberevivachenden Josef Marffy! Polen. Konflikte im Selm. Warschau, 1. Dszember. (Tel. der „Wr. Morg^'zriiuug".) Aus der Tagesordnung der gestrigen Sejmsitzung befanb sich die Frage d?r Auslieferung der zwei sozialdemokratischen geordneten Bobrowski und Stanezyk. Es zeigte sich jedoch, daß kein Abgeordneter drn Bericht des JmmunitätsauLschufies übernehmen wollte. Angesichts dieser Sachlage meldete sich Juftizmmister N o w o d w o r s k i zum Wort und'' wollte den Antrag des Jmmunllätsansschuffes begründen. Der der oppositionellen Partei Wyzwolenie angeh orige Pizenrarschall Poni-atowski rief den Justizminister zur Ordnung, worauf die Mitglieder der Regierung den Saal verließen. Die Sitzung wurde hierauf unterbrochen. Nach anderihalbstürrdiger Unterbrechung wurde die Sitzung wieder ausgenommen und der Konflikt beigelcgt, indem der Minister eine entschuldigende Erklärung verlas und der Vizemarschall seinen Ordnungsruf zurückzog. Rach einer längeren Debatte wurde der Antrag des Abgeordneten Putck (radikale Bauernpartei), di« Abstimniung zu vertagen, mit 199 gegen 192 Stimmen abgelchnt. Hierauf kam es zur Abstimmung über den Antrag des Abgeordneten Liebermann (Sozialdemokrat), der sich gegen die Auslieferung der Abgeordneten aussprach. Der Antrag wurde mir 198 gegen 191 Stimmen abgelehnt. Nun entstand ein furchtbarer Lärm. Abg. Marek erklärte, er bitte den Reichstag, daß auch er auSgeliefert werde. Hierauf erklärte A^. Th ng u t (radikale Volkspartei), daß die g e s a m t e O p P o s i t i o n den Saal verlaßen werde. Di« oppositionellen Abg"ordneteu verließen den Saal, wobei sic das Spottlied sangen: „Ehre euch, ihr Herren Magnaten!" Hierauf wurde die Sitzung abermals unterbrochen. Nachdem sie wieder ausgenommen wurde, sprach der jüdischnationale Abgeordnete Grünboum unter forwahruidem Lärm. Nach seiner Rede verließen auch sämtliche nationalen 3)tinderheiten den Saal. Die Rechte und die WitoS-Partei blieben allein im Saals und »ahmen mit 18$ Stimmen bei zivei Sttmmenthrlltungen den Antrag de iS

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