Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1723 (1.12.1923)
- Date
- 1923-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1.723 8MN, VaMSMS ' »ionMüie Akbeitsvartei „HitachdüU Morgen Sonntag den 2. Dezember l. I-, 7*11 Uhr vormittags, findet im Saale des Hotel Continental, II. Taborstr. em Massen-Meeting statt Sprechen wird §1. ÄÜÜIÜÜ @1)111111(11111 (Berlin) *=== (Mitglied bei Lionistlschen Aktionskomitees) Der Saal wird schon um 10 Uhr geöffnet nnd idieisirs Land, die wir beide so liebeu,g>nyrund^ gehen sollt-ew Sie tm&n die Vevantworbnng! Nachdern noch Mg. Dr. Eisler gelspvochen hatte, Wm es Fit e'mllm erregtem Z «sa immensto ß Kitschen dem Großdentschen Greiiler und dem SolziMemo'kraivn Baumgärki, der Gr-villier Kurieif: ,/Die Lausbub! Ich Ham' Ihnen ein paar herunter!" Hierauf wurde «das Bndge'tiprovisorin-m dem Fi na NF- und BudgetauStschuß zugewiesan und das PerrsionsWerleitmtgSgesetz, «durch das die Renten der pensionsversicherten PvivlatatvMstellten eine Echöhuwg erfahren, unter Mchnung der sn;ml'dvmokvattschen MinderheitscmtrÄge iin zweiter und dritter Lesung angenommen. Aim SchlÜuß fifcrr Sitzunig rügte Präsident Milk las die wahrend der Debatte gr'bvauchten b-eschimptsonden AeußeeiWgsn, die der. Würde des Hausfts nicht entsprechen und erteMe dom Mg. Baumgartl den Ordnungsruf. Die nächste Sitzung wird vovaussich klick Dienstag Kan 11. Dezember Der Lohnkampf beendet. Der Streik vermieden. Die Verhandlungen in der Wiener NdekaMndnsiric find tMN'Mehr so wert gediehen, daß eine K v m p r o m i ßsorme'l gesunden wurde, durch die es geklügen ist, den drohenden Streik in der Metallindustrie zu vermeiden. '$te Vermittlung der Regierung, von welcher der Minister Schmitz anzüglich nichts wissen wollte (schon dadurch hat er seine völlige Unfähigkeit für ein so vemittwortungsvolles Amt, wie das des Ministeriums für soziale Fürsorge, dargetan), wurde dann vom B u n d e skauzle ramte sehr intensiv betrieben. Die langwierigen Verhandlungen fänden schließlich Ln einem ganz engen Konnte« statt und führten. gestern um 1 Uhr mittags zwischen dem Wiener Jndustriellenverband und dem Metallarbeiterverband insofevne zu einer Verständi-- gung, als beide Teile beschlossen, eine vereinbarte Kompromißformel ihren beiderseitigen Auftraggebern zur Annahme zu ompschlen. Die Arbeite werirefer knüpften diese Formel noch an die Bedingung, daß auch mit den Angestellten eine Emignng erzielt werde. Die Verhandungen mit den Angestellten führten nur 3 Uhr nachmittags zu einer K o m p ro mi ß fo r me.l, welche die AngestelltenvertreLer unter der Bedingung, feaß ihr BerbandsanLschuß hiermit einverstanden sei, ihren AnstmggeLern zur Annahme empfehlen sollten. Im Laufe des gestvigen Nachmittags trat dann die Vollversammlung der Industriellen, der Metallarbeiter Md der Industrieangestelilten zusammen. In der Versammlung des Industriellenverba Ms ergriff Bundeskanzler Seipel das Wort: Er wies darauf hm, daß eine Lohnbewegung, wie die gegenwärtige, nicht nur vom industriellen, sondern auch vom Politischen Standpun kte betrachtet werden müsse. Er habe bei den Verhandlungen, die iin den letzten Tagen geführt wurden, durchaus ldeni Eindruck gewonnen, daß es sich um einen wirklichen Lohnkampf und nicht um einen Ausschnitt aus Mm daneben einhergehenden politischen Kämpfen handle. Aber auch ein solcher Lohnkampf dürfe in Anbetracht der Lage Mseves Staates und unserer Wirtschaft nicht bis aufs Aeußerste getrieben werden, und es erwerbe sich gewiß jeder, der die Mäßigung bewahre und um des wirtschaftlichen Friedens willen über das Maß dessen hinaus, lvas etwa vom rein industriellen oder gewerkschaftlichen Gesichtspunkt als -das Aeußerste erscheinen mag. Zugeständnisse, mache, ein großes Verdienst nur die Allgemeinheit. In diesem Sinne habe er unausgesetzt auf alle Streitteile Einfluß genommen, und empfehle er jetzt der Vollversammlung des Industriellenverbändes die Annahme, der Vorschläge des Verhandlung skomite es. Er hoffe, daß aus dieser Grundlage der Friede mit der Arbeiter- und Angestelltenschaft hergestellt werden könne. Er trete für den wirtschaftl i ch e it Frie d e n ein. Es handle sich dabei nicht um eine persönliche Politik. Denn so stehe es nicht, daß die Negierung, wenn ein Streik ansbräche, der nicht «mehr durch u-nüberbrückbare Gegensätze in wirtschaftlichen Fragen begründet, sondern gegen alle Erwartung doch ails bloßes politisches Kampfmittel erscheinen müßte, einfach «das Feld räumen würde. Nach längerer Debatte nahm die Vollibersammlung des Wiener JndustriellenverbaMs folgenden Antrag an: „Die Vollversamml.Mg billigt die Haltung des Lohickomitees in den Verhandlungen mit >den Arbeitern und Angestellten imd akzeptiert die Zugeständnisse, obwohl sie nicht mehr den wirtschaftlichen Verhältnissen der Industrie entsprechen, sondern mit Rücksicht auf. das -wiener wcoryenzerruttg. Gesamtiutevesse des.Staates gemacht wuritzn, mimder Bedingung, da ß sie deü eüdgMHett Abschluß «des Konfliktes 'bewirken." . Nach der Abgabe der formellen! Zustturmüng von seiten der BetviebSrätekonfevenzeni dev Metallarbeiter der JndustvieangVstpllten wird ein Redaktionskomitee die neuen Vertragsbestimmungen formulieren. Me Lonaulommlfsion. Die Ä-nternaiiön«L« Donaiukom Mission ist gestern m der Hofbilwg Ml ihrer neunten Plenar» Versammlung zufci-mmc.nlgetr.eten. Das BerattmgSprogvaminr umfaßt die Fragen des Budgets dies Genevcchsekre- 'tariabs, des Schiffahrtsdienstes i!m Eiisernen Tor, ferner jihtr der inneren Organisatton der Ävannissivn und mchrere SPe- KliÄllfwgen. Die BechanÄungen über das Schiffahrtsregl^meut und die Sitrompo litzei sowie über die «wt» wenidigen StMnavbei'ten werden erst m der nä chsteln Session bchandM werden. In der EtiöHmtwgÄsitznng übLrbvachte BuudeAminister für Aeußeres Dr. G r iin berge r im Namen der vst.'rreichischlen R-etzievu-ng deren Mimische fü «i-neti iKntdn Verlaus der Arbeiten. Die Forderungen der Hochschulasstfteuteu. Gestern «albends fand Än großen HvrßaaL 'der Technischen Hochschule «ins zahlreich besuchte ProtstversanMilung der gesamten Hochschulassistm-wnschaft Wie-nS statt, Zu der -auch Verräter ans der Pvowintz echie-nen waren uub die sich mit der von der Negierung cingebrachben Orei-wu Etappe der Besdb Idu^ngsrelsorm beschäftigte. Nach einer ilebihalsten Debatte tourde eine Resolution augemolmmen, in der für dvo außeroridenttichen Assistenten eine Gchöhung b^r Betzüge um 35 PrMnt, für die ordentlichen Assistenten oiim 40 Prozent gefordert wird. Die - HochschulaffistentieutschLfr ist entschlosien, ihre gcheGich gerechisertiigt-en Fordevn,ngen mit allen pr Verfügu.ng stederiden <?«» werls chaftlichen Mittetln burchzuffchren. Lschecho-Slowakei. Dar Budget angenommen. Antrag auf Abschaffung per Paßvisa. w : Prag, 30. November. (Tel. d. „Wiener Mvrgcnzeitnng".) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Budgetdebatte beendet und das Budget mit den Stimme!: der Mehrheitsparteien gegen die Stimmen der dentscherr 4lbgeordneten und der Komm'mristen a ngenoinmen. Ferner tvnrdc eine Resolution des deutschen Abgeordneien Hah nrei ch angenommen, in welcher dvs Außenministerium aufgesordert wird, mit Rücksicht auf die guten Beziehungen der Ts che ch -o -S lo w a!e i zu al le n . ihren N v chba rstaat e u sofort in Berhandlum ge n über die A Üs ch a f f ui n g der P a ß v i s a im Verkehr mit allen Staaten einzuweten. Deutschvöttische Berlemuder. Die Prager Numerus elausus-Hetz«. Äus Pr ag wirb uns gemeldet: In seiner letzten Parlamentsrede hat der drutfchnat'ivnale Abgeordnete Schollich mit pathetischer Entrüstrrng erklärt, daß die Zahl der jüdischen Professoren au ber Prager llnivevsität erschreckend sei — unter >258 Professoven seien 93, also über 36 Prozent, Juden, wobei unter den 165 sogenannten chrWichen Profes-- soren bestimmt noch eine ziemliche Anzahl getaufter Juden wären. Macht man den Versuch, die Zahlen des Herrn ZlÄg. Schollich nachzuprüfen, so stößt man zunächst auf eine verbt üf.fon.de NeLerrasch.ung. An der Prager deuffchen Universität tragen 115 Lehrkräfte (ordeutliche, außerordentliche Profeffoven und Vortragende Dozenten) vor. Die 143, die zu der von Abg. Schollich genannten AM fehlen, existieren nur in der Phantasie dieses HerM. Bon den tatsächlich vorhandenen 118 Lchrkräfton sind 23 Juden, d. s. genau 20 Prozent, und nicht, wie Abg. Schollich behauptet, 36 Prozent. Die Zahlen des Abg. -Schollich sind demnach insgesamt falsch. Bezeichnend für die Stärke der hinter der Ansicht des Abg. Schollich stehenden Nuurerus olcrusns-GrnPpe ist es, daß von dm 72.deutschen Abgeordneten des ischechoflowakischen Parlamentes sich bloß 15 (10 Dentschnationale und 6 Deutschsoziale) gefunden haben, die ihre Unterschrift unter seinen Antrag setzten, so daß Herr Abg. .Schollich, um die für -den Antrag vor geschriebene Anzahl von Unterschriften zu erlangen, si.ch noch 6 U n g a r n hat a u sborgen müssen, von denen sich übrigens einer wieder, der Abg. Lajos Kör m c u d y -Eke s, hat st r e i ch e n lassen, so daß Mg. Schollich sich derzeit auf der Suche nach der 31. Unterschrift befindet. Mgam. Der Auleihchlan. Haupttedirtgnug: Ein Generalkonnnissär des Vötkerbrmdes. Reuter nicket: Das in Lonld-vn -tagende Finanzk o m i t e e des V ö l k e r!b u u d e s hat ftir den W'i-cder-a-ufbau Ungarns einen Plmr a-nsgearibeitet, der die Gewiihr.un.g 'einer An>lcljh e von -et w«a 26 0 Mill l i on nt G o lib'! r o ni:-n an -Ungarn vonsieht, ldie durch eine erste Hypothek auf die 1 DezeMed 19W Seile 9 Raglans ANZÜGE ln feinster Qualität zu billigsten Preisen bei HeinrichWeinberger, I.,Singerstrasse 6 Einkünfte Ms den Zöllen, <d«im Tabak- und Salz, monopoli sowie aus der Zu ckersteu-er sichergestM würde. Hierzu kämen noch weitere Maßnaihin-e-n, wie Herstellung «des Gleichgewichtes im ungarifschen Stiaatsbudget mit Mitte 1926, lStcch'illlsier-niüg der WÄhvuua, G r r i ch t u n g e i u c r un-abhängigen NotenbanL und Bestellung eines dem Bolk-er-buud verarttitoorMchen Generalifo-mtutiii}färS Mitte 1W6 dürfte Ungarn, wie -man annmMt., so weit sein, sich ohne srenrde Hilf:- «chatten gn können. Der Wan wird vom Völkeobundrar am 10. Deze.ru-ber i-n Bevatuwg gezogen werden, der diesmal nicht m Genf, sonidern in Paris gusiaiMnentoet-en soll. Sodann nrnß erst noch dir Zustiimumu-g der R ir-p a r a ti o n sk o nt -nr i ssio n zu. diesem Anleiheplan erifoche-n. Wenn dies der Fall ist, Wittibe eirte Kommission nach V-ndv-pest enHendet wewdcn, di« den BnttgetenMuof für die zur Herstellung des fiMnziellen Meichgewichtes notiwenivigen tAveieinhatb Jahve feststellen soll. Ulains Fmmunitiit. Budapest, 30. November. (Tel. der „Wiener Atorgeuzeuung".) Die Debatte über die Aufhcibnng der Inmumitn. des Aibg. Ulain konnte auch heute nicht zum Abschluß gebracht werden, obwohl Jnistizntinister N a -g y einen e i n -d r i n g. licheu Appell au das Haus richtete, in dieser Älnaelegenheit etMich einen Beischluß zu fassen. Abg. Julius Gömbös erklärte, daß die Anhänger der mrgarisch-völkischen Richtung ebenfalls die extremen Mittel der ULtionälffttschen Boin benheldrn v e r n riet li e. Das Progrsmm der Nassenschtitzbewegnug will sich ausschließlich auf roalpolitische (?) Gesichtspunkte stützen, doch könne das Prinzip der Diktatur nicht unbedingt MÜckge-wichen werden, namentlich wenn die Zustände eines Landes chaotisch snch. Gömbös sprach sich schließlich für die Aushebuttg der Immunität Ulains bei g,l eich zeitiger Freilassung des Abgeordneten ans. Abg. Gyvxkh (Sozialdetnokrat) wirst der Regierung vor, daß sie nicht sofort die schärtfstetl Mitte! gegen die Nationalistischen Desperados ausgeboten habe. Stephan Rakovszky (christttchncitional) verurteilt das Unternehmen Ulains, stellt aber fest, daß eine Verletzung der Jmunmität Ulains.vorliege. Auch er tritt für die Freilassung Ulains aus der Hast ein. Mit Rücksicht auf die Dringlichkeit eines Beschlusses in der Uläin- Afsärc wurde die nächste Sitzung, trotz des Samstags, für morgen anberaumr. Anlieferung der BombrünttenKter au die StaatsauUMchaft. Budapest, 30. Novemver. (Tel. der „Wiener Morgen, zeitnng".) Heute wurden sieben int Zusammenhang mit der B-ouchenaMre verhaftete Personen von der Polizei zur Ttaatsanwaltschast überftihri. Die Untevsuchung bezüglich des Attentats im El tsabe lhstä dt er Kasino rührt sich dagegen nicht vom Fleck, da sonderbarerweise, sämtliche Akten ans der. seinerzeitigen Untersnchuug über 'dieses Verbrechen v t r s ch w u tt den sind und erst gesucht werden nlnssen. Wen. Ser durchgeschmnggelte Numerus dauftis, Warschau, 30. November. (Tel. der „Wiener Morgeirzeitung".) In der Unterrichtskommission begründete Aibg. Wh go dzk i (jüdischer Klub) den Antrag Äs Mischen Klubs in Angelegenheit^ des Geheimerlasses, den der gewesene UnterrrchtZ-miuister. WmnbmSki bezüglich her Einführung des Numerus clausus heransgegebm hat und wies auf die Widersprüche hin, die in der Anbwort GloMbinskis an be-u jüdischen Klub vorhanden sind. Abg. Glombinsiki erklärte, daß er in jenem Erlasse die Einfiihrung des Numerus clausus e!npfohlen, diesen jedoch uicht eingeft'chrt hat. Abg. Czap i n s l i betonte, daß die Einfichrnng des Nmnews clatl.sus eine Verletzung der Verfassung bedente. Der jüdische Abg. Lewy erklärte in einer längeren Re>de, daß die jüdische. Oesfentlichteii mit Bedauern feststellen. müsse, daß schon in der echen Periode des Wiederaufbaues des polnisckrett Staates ein Geheimer laß vom Unterrichtsntinister Glom- 'binski herausgegeben wurde, der lediglich die Ei-nführung des Numerus clausus bezweckt. Was Glo-mbinski getan häbe, -müsse als eine D urch sch m u gge lu n g des Numer-us clausus bczeichnet werden. Es fei Tatsache, daß im Sinne des Erlasses bereits sämtliche Hochschulen den Inden die Aufnahme verweigern. Nach einer kurzen Debatte wurde die Sitzung vertagt. zwei Bombeuattentäter zum Lode verurteilt. ' Warschau, 30. November. Die beiden Offiziere der polnischen. Awree jWieezorkiewicz nrvd Baginsk-i, die weigen einer Bombenaffäre angeklagt lparen, tvurden heute zniir Tode verurteilt. . mm kaufen Sie im II., TaborstraBe 48 Telenhon 47-1-73 En gros En deinU acEsic! M i