Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1722 (30.11.1923)
- Date
- 1923-11-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Wiener Morgenzeitirrig. b—tmifira Nr. 1722 Men, Freitag Kampf beteiligten Gowettschafteld nichts unversucht gelassen haben, um im Wege-er Verhandlungen eine Lösunghcrbeizuführen. Ferner wird mit.Rücksicht auf die herausfordernde Haltung der Unternehmer den beteiligten Arbeitern und Angestellten in dem ihnen aufgeswungenen Kampfe die /vollste Solidarität 'der gesamten gewerkschaftlichen Verbände zugesichert. Der Vierzigerausschuß hat tn einer abends abgehaltenen Sitzung den Bericht det Jndustrieangestellten und der Metallarbeiter zur Kenntnis genommen und beschlossen, daß die Gewerkschaftskommission einer etwaigen nochmaligen ViiMMvny der Regie-vung zu wevteveu Uuierhanldluugen Folge zu leisten habe. Irr Besoldungslampf der Bunderangeftellten. Gestern abends erschien eine Abordnung der vom Bund der öffentlichen Angestellten einberufenen Beamtenversammilung. die in der Bolkshalle sta-ttgefunden hatte, unter der Fühmng des Budesobmannes Iani tzky und des Vorsitzenden der Versammlung, Ministerialrat F üregg e r, beim Bundeskanzler, um ihn über die in der Versammlung zum Ausdmck gekommene Stimmung der Beamten der unteren und mittleren Besoldungsgruppen. zu berichten und ihm die von der Versammlung beschlossene Resolution zu überreichen. Der Bundeskanzler erklärt« namens der Regierung, den ihm vorgetragenen Bericht zur Kenntnis zu nehmen und dahin zu wirken, daß er auch bei den parlamentarischen Beratungen über die Novell« zu,m Besoldungsgesetz Berücksichtigung finde. Er wies dabei neuerdings aus die der Regierung durch die staatsstnanziellen Verhältnisse gezogenen Schranken hin, betonte zugleich aber auch, wie sehr ihm und der Regierung daran gelegen sei, daß die Bundesangestellten noch vor dem Weihnachtsfest in den Genuß dessen kommen können, was ihnen der Staat derzeit an Mehrbezügen zu bieten vermag. Tschecho-Slowalei. Me Front der Freunde. Prag, 29. November. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) .Der Antrag des Hakenkveuzlers Sch oll ich aus Einführung des allgemeinen Numerus clausus für die jüdische Bevölkerung ist bereits schriftlich eingebracht. Er ist unterzeichnet von den Mitgliedern der deutschen Nationalpartei, der deutschen sozialistischen Partei und von den Abgeordneten Jablonicky, Lell-ey, Füssh, Palkovic und Szentivanyi. Diese Magyaren find in der Slowakei von der agudistisch gesinnten Judmschaft getvählt worden! In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam Abgeordneter Kostka (deutsche Fveiheitspartei) auf dm Antrag Schollich zurück und sagte: Wir weisen eine der-, artige Schmähung unserer deutschen Hochschulen, unserer Professoren und unserer Rutschen Mitbürger mit aller Entschiedenheit zurück. Bei diesen Angriffen und ebenso bei dem demonstrativen Antrag auf Einführung des N u m e r u s c la u s u s handelt es sich um nichts anderes als um einen jener Vorsäße, die unter dem Schein eines besonders st rammen Vorgehens im völkischen Kampfe nichts anderes bezwecken, als die beklagbare und schädliche Zwietracht in der deutschen Bevölkerung zu vertiefen und die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte im gomeinsqmen Abwehrkampse zu lähmen. ttngatn. Lörmszenen in der Nationalversammlung. Die leidige Alain-Affäre. — Ei« Rechtfertigungsversuch des Innenministers, dessen Rücktritt gefordert wird. Budapest, 28. November. In fortgesetzter Debatte über die Jmmunitätsangelegenheit des Abgeordneten Nlain richtete der Abgeordnete Szilagyl (liberal) heftige Angriffe gegen die Polizei, insbesondere gegen den Minister des Innern, dessen Demission er forderte. Das jetzige Regime, erklärte Redner, dränge die Massen nach links und bereite den Weg für .eine sozialdemokratische Republik vor. Minister des Innern Rakowszky erwiderte, daß die in der jüngsten Zeit vorgekommenen verschiedenen Putsche in ihrer Gesamtheit e r n st und gefährlich seien. Da die Leiter des Plüsches militärische Vorbereitungen treffen wollten, hätten sie sich gewiß auch nicht vor Blutvergießen gescheut. Der Minister verwahrt sich sodann gegen die Beschuldigungen, als ob die Regierung Döhmel als Agent provocateur vtzrivendet hätte 'sowie Qefleu die Behauptung, daß man Ulai-n wegen der Aktienaffäve verstummen machen wollte. Redner polemisiert insbesondere gegen die Ausführungen des Abgeordneten Eckhard t, dem er vorwirft, daß er in unbedachter Weise Beschuldigungen gegen die Regierung erhebe. Die Gruppe der Ras sen s ch ü tzle r, die aus der Einheitspartei ausgetreten sei, wolle mir den Anschein erwecken, als oh sich die Einheitspartei von dem nationalen und dem christlichen Gedanken abgewendei hätte. Dies sei nicht der Fall. Dagegen werde der nationale und christliche Gedanke eben von der erwähnten Gruppe kompromittiert, inoem sie sich mit den Abenteuernationalisten identifiziere. (Abg. Eckhardt bezeichnet diese Behauptung des Ministers unter großem Lärm des Hauses als eine V e r l e u m d u n g.) Der Minister schließt, er sei bereit, seinen^ Platz zu verlassen, jedoch nur im Vollbesitz seiner Ehre. Er könne keine Vevantwortnng dafür übernehmen, daß sei'^ Bemühungen zur Erreichung der Konsolidierung von Erfolg oegleitet sein werden; seine Pflicht werde er jedoch restlos erfüllen. RoniftMe Arbeitavartek „HitachdM" Sonntag den 2. Dezember l. J-, halb 11 Uhr vormittags, findet im Saale des Hotel Continental, H. Taborstr. ein Massen-Meeting statt @t>tc«e« ioM> $r. Nahnm Goldmann (Sertto) *=*=55=3 (Mitglied des Zionistische« Aktionskomitee-) Der Saal wird schon um 10 Uhr geöffnet Die Ausführungen des Ministers erweckten auf dev Linken einen Sturm von Zwischenrufen, so daß die Sitzung unterbrochen Werden mußte. Nach Wiederaufnahme der Sitzung ergriff Abg. R a ssay das Wort, der sich m h eftigen AuSfalle« gegen den Verein der Erwachenden Ungarn erging und schließlich an den Minister des Innern die Frage richtete,, ob alle geheimen Vereine aufgelöst worden seien. Die bejahende Antwort deS Ministers nehme er mit Freude zur Kenntnis, doch lenke er dir Aufmerksamkeit darauf, daß Oberstadthauptmanu-SiellvertMer.Andres!« die Brüder Kovacs, die wegen verschiedener gemeiner Verbrechen, darunter auch wegen des Bombenattentats auf das Elisabethstädter Bürgerkasino, von der Polizei stellig gemacht worden waren, wieder auf freien Fuß setzen ließ mit der Begründung, daß sie von irredentistischen Gesichtspunkten aus sehr wertvolle Dienste geleistet hätten. Der Abgeordnete der demokratischen Opposition, Karl R a s s a y, erhält das Wort und verliest daS Protokoll mit der Aussage des Chefs der politischen Polizei, Andrejka, welcher sich für die Gebrüder Kovaes, denen die ärgsten Atrozitäten nachgewiesen wurden, mit seiner Person verbürgt hat, wodurch der Untersuchungsrichter veranlaßt wurde, die Brüder Kovaes auf freien Fuß zu setzen. Rassay fordert, daß Andrejka aus seinem Amte entfernt werde. Innenminister Rakovszky verlangt Ginblick in das fragliche Protokoll, damit er entsprechende Maßnahmen treffen könne. Die Sitzung wird geschlossen. Weitere Verhaftungen in der BombenaWre. Budapest, 26. November. Im Zusammenhang mit der Bonchenaffäre hat die Polizei heute drei neue Verhaftungen vorgenommen. Die drei Verhafteten heißen Szasz, Varga und Czal. Auch eiu Beamter, ein Kollege Mdarffys, wurde bei der Polizei stellig gemacht. In der Wohnung Chriastis wurden neue ELrasitVorräte vorHvfunden. Die Untersuchung wird nun auch ans den Anschlag gegen die Druckerei Athenäum ausgedehnt, und iur. Zusammenhang damit wurde der gewesene Redakteur des Organs der Erwachenden Ungarn, Michael Gyalai, in Gewahrsam genommen. Wen. Valorisierung der Steneileisinnge«. Warschau, 29. November. Ein in Vorbereitung befindliches Gesetz über die Valorisierung der Steuerleistungen soll der Entwertung der im Umlauf befindlichen Banknoten wesentlich entgegenarbeiten. Durch eine derartige Valorisierung würde an Steuerbeträgen für die letzten sechs Jahre ein Betrag von f>.i3 Millionen Dollar Zustandekommen. Manen. Me Zession des neuen Jüdischen Rational' roter in Mauen. Kownb-- 28. November. (I.. T. A.) Nach Beginn der ordnungsnläßigen Beratung der ersten Session des neuen Jüdischen Naüonalrates in Litauen hielt der Sejmdeputierte Tr. N o b i n s o h n den politischen Besicht. Er schilderte die Ausschreitungen der litauischen Faszisten, ine Steuerdrangsaliernngen der jüdischen Kaufmannschaft sowie die Verfolgung der jüdischen Arbeiterschaft, deren Bibliotheken requiriert, deren Klubs geschlossen und deren Ze.itungen konfisziert livevden. Der Vertreter der jüdischen Landlvirte, Deutsch, beschiverte sich über die Rechtlosigkeit der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter. Rechtsanwalt Landau schilderte die Drangsalierungen der Juden in der Provinz, wo die JudenauKweisungeu fortgesetzt werden. Die jüdischen Landpächter werden durch die dörfischen Selbstverwaltungsorgane ihrer Rechte beraubt. Die brotlos Gemachten strömen nun in die Stadt, wo sie das jüdische Elend vergrößern. Eine eigene Sitzung ivar Kultur- und Schulfragen gewidmet. Der Vertreter der Tarbuth sprach* sich gegen die sogenannte Kompromitzschule und für die hebräische Schule aus. Jedoch wäre die amerikanische Form der Synthese verschiedener Richtungen vorläufig Leizubehalien. Der Volksparieiredne.r trat für die jüdische Unterrichtssprache mit Hebräisch als einem der Hauptfächer ein. In das Präsidium der Nationalversammlung wurden sodann Dr. Rosenbaum (Zionist), Dr. Berger (Zionist), Rabbiner Korn (Orthodoxer), Rabbiner Gotelew icz (Misrachi), Gavfwnkel (Hitachduth), Brudny (Unparteiischer), Mnkelsteiu (Demokrat) und Abranwwicz (Handwerkerverband) geioählt. Abg. F i u k e l st e i n erstattete im Namen des jüdischen Parlamentsklubs einen ausführlichen Bericht übe.r die Tätigstit des Mischen Klubs und schilderte den 30. November 1923' Seite 8 uomie iit der Verfassung. In der dritten Sitzung vefeuerti der jüdische Minister Rosen bä um über di« politisch! und rechtliche Lage der Juden >in Litauen. Der Referent streift zuerst den Kampf der litauischen Judenhert um di| V'.rwirklichuny der MiudeMitsrechbe und schildert darm eingehend die gegenwärtige verfassungsrechtliche und Politik sche Stellung der Juden und deren autonomen Körperschaf-» ten nach -den jetzt geltenden Bestimmungen der Verfassung, Nach der Rede Rosenbaums erschien im Beratungssaale dci Ministerpräsident Galwanauskas und der Junenminister Zolkauskas. Der Ministerpräsident begrüßte in einer längeren Ansprache namens der Regierung die Nationalversammlung. Palästina. 8uglische gugeftsindniffe an König Hussein von Hedschas? London, 28. November. (I. T. A.) Der Jerusalemer Korrespondent des „Daily Expreß" teilt seinem Blatte mit, daß unter den Juden und Arabern Palästinas jetzt große Erregung herrsche. Es seien Telegramme von der zionistischen Hauptstelle in London eingetroffen, daß die britische Regierung König Hussein von Hedschas geiwiffe Zugeständnisse zu machen im Begriff sei, die den zionistischen Rechten in Palästina entgegenstehen. Me Palästina-Regierung behauptet demgegenüber, von solchen Absichten nichts zu wissen. Die Verärgerung der Araber rühre aber daher, daß sowohl die Zionisten als tauch die Regierung bestrebt, seien, Uneinigkeit Mischen den Arabern zu säen. Die „E g y p t i a n Gazette" schreibt: Die wichtigsten in London erwogenen arabischen Vorschläge beziehen sich auf die schnellste Errichtung einer repräsentativen Landesregiierung mit der weitestgehenden Unabhängigkeit, welche die in dem letzten White Paper bekannt gcigebene Politik Großbritanniens nur irgend zuläßt. Die für die Einzelheiten dieses Vorschlages verantwortlichen Personen glauben, daß auf diese Weise den Wünschen sowohl der Engländer als auch der Juden und Araber Rechnung getragen würde. (Vor Kurzem wurde eine Erklärung des Londoner Bevollmächtigten des Königs von Hedschas über seinen Een Entwurf eines Vertrages mit England veröffentlicht, in der es hieß, der neue Vertrag fordere für die palästinensischen Araber ,/das «größte mit der bekannten Politik Großbritanniens vereinbarliche Maß an Unabhängigkeit" und sei geeignet, den Wünschen der Engländer, Juden und Araber zu entsprechen. Die Red.) Allndscha«. Unterredung des Sberrabbiners von Rom mit Muffolim. Rom, 29. November. Ministerpräsident Mussolini empfing heule den Oberrabbiner von Rom Saeerdoti. In dieser Unterredung verwies Saeerdoti darauf, daß ausländische antisemitische Parteien sich in ihrer antisemitischen Politik aus die angeblich antisemitische Haltung des italienischen Faszisnms berufe«, nach dem sie sich richten wollten. Mussolini erklärte ausdrücklich, die Negierung und der italienische Jaszismus hatten niemals die Absicht gehabt, antisemitische Politik zu machen und sic machen sie auch nicht; im Gegenteil beklage er es, daß ausländische antisemitische Parteien den Reiz, den der Faszismus in der Welt ausübe, für ihre Zwecke ausnnhen wollen. Lord Secil Mer die Notwendigkeit einer WlkerbundvsM. London, 29. November. „Daily Telegraph" veröffentlicht cm Schreiben Lord Robert Cecils, das Bezug nimmt auf eine Aeußerung Lloyd Georges, des Inhalts, -das Einzige, was die Arbeitslosigkeit beseitigen würt^, sei «ine Pazifizierung und Stabilisierung Europas, und.es gebe nur eine Politik, die Europa Frieden und Vertrauen gebe, die V ö l k e r b n n dpolitik. Lord Robert Cecil stimme dem volli o mmen be i. Die. Franzosen hätten erklärt, daß Deutschland niemals den Willen zum Zahlen gehabt habe. Aber ivarum hatte es ihn niemals? Weil die Bedingungen des Vertrages derart waren, daß ke i n e r l e i A n r e i z z u m Zahlen-bestand. Dies sei die Folge davon, daß die alliierten Forderungen an Deutschland seinerzeit unbostimmt gelassen worden seien,, und als sie anderthalb Jahre später festgesetzt wurden, sei dies in einer Höhe geschehen, dje, wie jedermann weiß, die Leistuu^s^nsteit DeutWand weit übertveffe. 81« lateinischer Block. Austritt der lateinischen Staaten aus dem Volke v Paris, 29. November. Wie der -„Matin" aub Madrid meldet, hätten die itailieuisch-spanischen diptoanatischen Besprechungen die Bildung «ines lateinischen Blocks zum Gegenstände, der zum A n s t r i r t Spaniens, I ta l-i« ns und eines Teiles dev s ü damerikanischon Staaten aus dem Volkerb u n d führen könnte. Kampf desselben um die Vevaukerung der jüdischen Auto- Am besten y .billiiStensfÄ Schiffmenn II., Taborstraße «8 Telephon 47-1 -78 En gros En detai t. Zi-äESa