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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-29 · Heft 1721 (29.11.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1721 (29.11.1923)
Date
1923-11-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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/ «Wie 9 Mm. DoimerSia- Wiener Morpenzeitunft. Z9. November 1923 Nr. 172k Tagesbericht. Veknllene a» tzmkrad. D«r ruftnd, vorgestern nachts hat sich wieder der unechörte Fall ereignet, daß zwei Dachebeamte in Ausübung ihres Dienstes von einem dabervasenden Automob-l über den Hauken gerannt wunden. ES ist dies der dri'.te Fl>, der sich in einem kurzen Zeitraum ereignet. Auf dem Neubaugürtel machten die Leiden Oberwachleute Josef Weichselbaum und Leopold Harrer einen Dienstritt, als von der Herbststraße her ein Automobil in rasendem Tempo daherkam. Der Wagen fuhr mit solcher Wucht an die beiden Reiter an. daß daS Pferd des Wachmanns Weichselbaum niede rgesahren und auch das zweite Pferd niedtrgeftoßen wurde. Beide Beamte wurden auS den Sätteln geschleudert, kamen aber glücklicherweiWmur mit leichteren Verletzungen davon. Die Pferde wurden jedoch so schwer verletzt, daß sie ins Tierspital gebracht werden mußten. Ohus anzuhalten und sich weiter um seine Opfer zu kümmern, fuhr das Auto in dem gleichen rasenden Tempo durch die Wcstbahnstraße davon. Serbeigeeilte Polizeibeamt? schoßt« dem Wildling »ach. wodurch die in der Westbahnstraße arbeitenden Straßenbahner aufmerksam wurden und Pflastersteine iudie Fahrbahn warfen, um den Wagen zum Halten zu zwingen. Tatsächlich verlangsamte das Auto seine Fahrtz, roas der Kellner Karl Jura benützte und sich auf den Wagen schwang. Der Lenker st^ieß ihn jedoch herab, doch konnte Jura das Kennzeichen des Wagens festste! len. Noch m der Nacht gelang es, anszuforschen, daß bas Automobil in der Trautsohngasse eingestellt und Eigentum des Inhabers der Wäscheputzerei C ou nde sei. Eine Berichtigung des Wagens ergab, daß der Windschirm zerbrochen war und daß am Kühler noch blutigePferdehaare Kebten. Darauf wurde der Chauffeur Josef La ng. der den Wagen geführt hatte, noch in der Nacht in feiner Wohnung verhaftet. Es hatte sich um eine Schwarzfahrt gehandelt. Lang hatte vorher in e'nem Gasthaus gezecht und dann feine Saufkumpane nach Haufe geführt. Wahr» fcheinlich war er selbst angeheitert. Lang wurde km Landesgeeicht «irrgel e^rd. Ein Ztoeiter Unfall, der ebenfalls durch einen betrunkenen Wapenlenker verursacht wurde, err'gnete sich vorgestern früh. Der Zimmermann Matth'aS Novgk wurde von einem Auto, in dem rn« Henri gengefel!schüft saß, niedergestoßen und schwer verletzt. * . Man wird saaen, daß solche TSSTe zu den Seltenhe^en gehören, daß es Einzelfälle sind und d'ß man darum n'cht veral'^meinern dür^e. Gewß, glücklicherweise sind nicht alle Automobilisten in Wim solche Wildlinge. Nicht alle, aber sehr viele. Drei Fälle, bei welchen Wackebeamte in Ausübung ib"er schweren Pflicht nrederaesahrrn ünd verlefttz wurben.' haben sich in ganz kurzen Ze'tobstSnben ereignet und d^e Unfaklschr-mik west täglich mehrere Unfälle durch Automobile auf. Ter Leiter der Verkehrspolizei hat vor kurzem geleaemlich einer Pressekonferenz auf alle Mißitän*'? hmaennren. die den Automobilverkehr in Wen zu? cittr* wahren Mage machen. Wir find überzeugt davon, daß die Polizei alles ansbietet, um der Antoraserei ein Endo zu be-eiten. Aber al^e behördlichen Maßregeln nützm nicktS. So e-'n besoffener Kerl am Lenkrad fäOt kaltblütig den s'ch chm entgegen st-l^rnden Beamten nieder und verschwindet. Nickt immer gelingt es. den Nähling o««rusorscheu. ^ente s"l^en von der Verfehrspali-«' Probe führten m W-en unternommen werden, um Studien zmn Zwecke der Erhebung der Marimal^eschwind-'^'-it zu mo^en. Auch t>‘C Vres'evertrrter wer'«ttn daran tellnebmen. Alle d'efe Sttr^en sind unnötig. Die vorgestrigen Nässe und d'e. die srh in nnun^rbrocke^er Re be er-'^nen, sind genügend Aw schauunasmate-'al dmüik. daß die W'ener Airtomobillsten noch lantt usiht reis hastir' f'nd. sie mit erböbter l^eschwindigkeit durch manschen belebte Straßen raten zu lassen. SkffanVenrno -er Arrmdenverketr«,. AuS Innsbruck wird gomckdet: Die auf dem Gebb'te des Fremdenverkehrs i&tmrt flwh gestern hier ,',usammeirgctreten, um ihre gemeinsame Organisation, den österreichischen Derkebrsverband, auf n:mx geänderter Grundlage wickder aufqurichttn. Nach einer eingehenden Aussprache, tomfo? die Reukonstituierung des österreichischen BerkchrsverbandeS alS Vareinigring sämtlicher österreichisch r Fremdenverkehrs» organifarwnen einstimmig beschlossen und für daS Jahr ISSs Mnäß den Satzungen der Landesverband für Fremdenverkehr in Wien uifc Niederösterreich mit der Geschäfts führung betraut. Im weiteren Verlauf der Beratungen wurde ein alle Zweige des Fr mderrverkchreS umfassendes Arbeitsprogramm für die nächste Zeit ifestgestrllt. Errichtung eines Studio»» iu SchSu-ruu». Irr der gestrigen DÄegierterckonferettz der jpvrttichen Syitzenorganisationen wurde das vom Prvpomentenkomitee des Schönbrunner Stadions ausgearbeitete Projekt ein«r Angehenden Beratung unterzogen. StaatSrvt He i n l sprach über die Bedeutung deS Sportes «Nd die NottveichMeit v:r l. Hierfür je Schaffner einer zentralen Pfle^estätt« des Lyons. Hierfür fei der FaTangarren des Schonbrunner Schlosses in Aus- Mitteilungen ou« dem Publikum. L & C. HHtDTMUTff» KOH-l-NOOR-BLEISTIFTE MEPHISTO-KOPIERSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN RESSER EN PAPIERHANDLUNGEN so* MW11 ~1'" '*1 «v r rr E X! r tiH&m m J Weste« tuitn mimBni ZeW R 1 >0.M Wollkleider (t^hirBtftec Wn tot K MW M.Holjer,Marilchilferftr.88 <n-r-» sti-ii-nn««. - _ rrnnwannsnaiaii ----- QHabiburg 777 8 Tage Matte „Gebe" 8 Tage Reklame-Verkauf vor Sink«! ander>»Lrt» Oberzengtn Tie sich von unsere« Rtklameoerkau', t Äadkcher, iwkislammig .**. 13».«00 I «aSkocher, »»eisiam««!,. 2 tBciinlodiPr.N. 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HollSudischer Protest neue« die gudeuhehe ku -eutschland. Aus dem Haag meldet I. T. A.: Am letzt«« Sonntag fand in A m st e r d a m im großen Saale der Diamantenbvrse eine stark besuchte öffentliche Versammlung statt, irr welcher zu der Frage der Judenverfolgungen in Deutschland Stellung genomnttn wurde. Der Chefredakteur der Zeitung „Het Volk", A n k o r s m i d t, wies als erster Redner dawuf hin, das; in derselben Nacht, in der das Cntgo^enkcntlrnen des gastfreien Holland eS dem früheren Kronprinzen ermöglicht habe, in st.m Vaterland zurückzukehren. der weltbekannte deutsche Gelehrte Einstein sein Vaterland habe verlassen müssen, um sich vor antisemitischen A n s ch l a g e n zu retten. Holland sei stolz daraus, ihn jetzt zu fern Semigen zählen zu können. Der bekannte Advokat Mr. M e n d e S führt« aus, die Verzweiflung der schwerleidenden deutschen Massen werde von den reaktionären Elementen dazu ausgenützt, die Schuld von sich auf ein paar arme Juden überzuwälzen. Es wurde mitgetellt, daß sich das Komitee an den stellvertvetenden Vorsitzenden der englischen Labour Pariy mit dem Ersuchen gewandt habe, die englische Regierung zu veranlassen, Lei der deutschen Regierung Vorstellungen wegen der Vorfälle zu erheben. * gebenden Faktoren der BundeSregb rung mrd der wiener Ute» meindev rwaltung haben die Zusichenmg der möglichsten Förderung und Unterstützung gegeben. Die Vertreter der Cportorganiffativnen gaben die Erklärung ab, das ProsÄt lebhaft zu begrüßen und dessen Znstmrdekommen auf daS Nachdrücklichste gu unterstützen. Gegenüber den Gerüchten, daß Professor Einstein, der infolge gegen ihn gerichteter antisemitischerBedro Hungen nach Holland abgereist ist, nichts mehr nach Deutschland zuruckzukehren gedenkt, wird der I. T. A. aus dem Kreise Einsteins mitoeteilt, Proftssor Einstein denke nicht daran, Deutschland überhaupt den Rücken m kehren. Sobald die politische La?« sich in Deutschland wieder beruhigt haben wird, tverde Einstein nach Berlin zur ü ckkehren und seine Lehr- und Forschertätigkeit wieder aufnehmen. 8er Aroynk in der nächsten Woche. Der Laib Brot um 6Y Kronen teurer. Ändert. Weißgebäck nnver» Die «estrige Errechnmr« der GestebmiaSkosten ergab für die kommende Derbrmnbswocke wlqende VerfaufSvreile: Der Aormattaib 6-^60 K. (Erböbung 6V K.l; das E r t r a b r o t k»b8^ K. lErdShuna 40 K.); der weiße Wecken 6060 K. (unverändert): daS W e t ß g e b ä ck 420 K. (unvändert). Sie LebensmMelmllrtte. Trotz der guten Beschickuna des Floischwarktes und ob» wchl sich der Msatz in engen Grenzen HRt, hat sich gestern entsprechend der Tendenz auf dem letzten Rindermarkt in St. Marx der Preis für Rindsieisch im Großhandel um 1000 K. pro Kilogramm erhöht. Dageoen haben sich die Preise für Fettfckweine und Schwein efleifch um 500 K. pro Kilogramm ermäßigt. Im Kleinhandel blvsben die Presie für alle Fleischgattunpen noch unverändert. Die Grünwarenmärkte Ha len gleichfalls schwächeren Verkehr aufzuMesien. die Vorräte genügten sedoch überall f-r den Bedarf. Die Preise blieben rm großen und ganzen -unverändert. * Die Einbrecher vom Döblinger Villenviertel verhaftet. .te seit lax Das trübe, vielfach neblige Wetter dielt auch gestern in ganz Oesterreich an. Morgens batte eS fast überall über 0 Grad. Mittags hatte bei Mn Feldtlrck 14 Grad, Innsbruck 12 Grad. Im übrigen Oesterreich war die Temperatur taosiiber nur wenig Sestiegen. Die Berg-Observatorien melden, stürmische Südwinde bei lemperaturen nahe an Null. Voraussage: Vielleicht ganZ l'rrrzeS Aufklären, im allgemeinen trüb. Zeitweise Negen. Tentveräturlltuahmü. Im Döblinger und Dahringer Villenviertel herrschte int längerer Zevt große Aufregung. Es vergina kaum ein Tag an dom nicht ein Einbruch voraekommen wäre. 2V Täter ft wen gewöhnlich von ber Große aus durch eben-erdig gelegene ftcnsior ein. Beträcht-liche Werte in Juwelen, Kleidern und Wsifcha fielen ihnen in die Hände. Ganz beMnide-rs gerne suchten sie die Billen heim. Nach langwierigen Nachforschungen gelang es der Polizei, auf die Spur eines der Einbrecher, des Bäcker- , schiffen Ludwig Horvah. zu kommen. Cr wurde ausaeforfcht und mit vier seiner DledSaenvssen verhaftet. Der Bande wurde eine ganze Reihe von Einbrüchen und Eiufchleichdiebstählen in verschiedenen Bezirken nachgewiesen. * Der Zusammenbruch des WarenhanfeS des Zentrums. Die von der WirstschaisiKpof-iqei durch dessen Leiter, -'Mrai ®t. Zorn, und Po-lizeirot Dr. Fried aefAhrten Evbebnugen gegen das bchöMch geichlosiene Warenhaus des Zentrums sind zum Msck'luß gelang' und die beiden verhasie«en Firmencheiss Israel Feiler und dessen Schwaaer Moses P a n r e y aus dem PoÄzeigesongenhame in das Landesaerickt übechracht worden. 2>er dritte Firmenchef Benno F elier ist im eiaenen Auto von hier in die Schweiz geflüchtet, noch 'bevor seine Berhafumg dorgenommen werden konnte. Er hat die Schweiz bereits wieder verlassen und sich nach Holland vermw-lich nach Rotterdam, begeben. Einem Briefe Kufolae bat er die Absicht, noch Wien zurückznkehren, um sich freiwillig der Behörde zur Verfügung zu steue-n Ob er diese Mckicht verwirklichen wird, ist aber noch sehr fraglich. Me es heißt soll er bemüht fern, reiche Verwandte rn der C^veiz^unid in Holland dazu zu bewegen einen Ausgleich mir den Gläubigertt hevbei- Kufübren und für die Milliardenver'vflichtungeu des Warenhauses des Zentrums in Wien auMkommen. Bei diesen Angehörigen soll gber nicht die Absicht dvttehen, eine volle Verpflichtung für die Einlöfitna der Berb'mdlich-kel en zu übernehmen. Das auf dem SchwedeMatz befindliche Warenhaus ist nach wie vor gesperrt. ® Erdbeben itt Oesterreich. Die Wiener feiKmtMaipbisjie Zentralawstalt für Meteorologie. Wien, 19. Bez.. verrei^ne'e Mtern um 7 Uhr 7 Min. 80 Sek. früh ein kräftM^ Nah-- beben in zirka 750 Kilometer Distanz. Berichte („portofrei über aMilicke Aufforderung^) an obiges Institut dringe Mt evbeieu. — Nach einer Grazer Meldung ist dovt gestern früh ein Erdbeben verspürt worden. * Setz erstreik in Leytberg. Am 26. d. früh sind die Setzer fünrsiicher Druckereien in den SfreA getreten, so daß keine einzig« Tafes^rt-nng, das Organ der Sozialdemokraten mibegriffen, erichemen konnte. 9 Bereinfachsmg im Telegramm-Reklamationsderfahren. AL 1. Dvzemlber d. I. ,Wr< d>e TesegraphendirMion vorläufig nur in der Telegraphen^entralfta ion, Wien, 1. Bez., Bors «platz 1. fo-l^-cnde Vereinfachung ein' Anträge im Rüchersiattnng von Telegramckgobühren ans Grund des vereinfachten ReklamationSvcrsabc-ens mit Deutschland und Ungarn wegen Telegramm-Nichteinlangen, -Gmistellu.ng oder.Verspätung, ferner Ansuchen um Ge'biihreucrsta tung für voraüsdeHcchlt« Antworten zu Telegrammen nach dem Inland, den RachLackwaten und Dt>len und Ansuchen um GeLühve«- WWW 641964

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