Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-11-27 · Heft 1719 (27.11.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1719 (27.11.1923)
Date
1923-11-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980801--16906-3003863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rr. 171S Dienst«» Wiener Mornenxettnns. Ae Wiener Zudenschast gegen dir m semitische Hochschulhetze. KÄ»S BUS» £ iS Haltung der Sozialdemokraten. - Seipel hält seine Zusagen »icht! Me Sonntag von der jMsche-n Stofbeuton'fdEjiaf! Wiens vwanstoltete Kundgc>bung gegen die antisemitische Hetze an den österreichiffchett Hochschulen, vm der wir in uns, rer Montagen: syabe bereits in Kurzen Zügen berichteten, geht in ihrer Bedeutung über sine Pro'estmauifcstation der Mischen Studentenschaft hinaus, und die Alvsprach.n uno Erklärungen der Repräsentanten der Verfälle denen jüdischen Körperschaften und Beroinigtingen stempln sie vielmehr zu einer solonnen Kundg,cbunq der gesamten österreichischen Juden heit, welche durch ihre bevuffeneit Sprecher den Willen k'.ndgetan ha', in der Abwehr ein s brutalen Antisemitismus, der cm den Gvuntdrech en der Jutden Oesterreichs rütteln will, einmütig zusammenznstehen unid kein Aöictet unveiucht zu lassen, um einer Beemträchtiywtrg der Mischen Rechte zu begegnen. An der Mvnisi svachion nahmen nicht nur die zahlreich >n jüdischen S'ndeivtenveribänide und die übrige jüdische Sudeu'ottschast geschlossen teil, der Dovsitzet.de konuve auch den Oderrabbiner Dr. -Chajes, den Präsidenten der isra,elit ischen Kuhtusgeme inde mit den Mitgliedern des Bertreterkoll-egiums und des Vorstandes, den Präsidenten der Zionistischen Organisation» den Präsidenten der Union 5 st e r r e i ch i s ch e r Juden, Dr. S ch w a r z - H i 11 v r alls Bevtreter des Do n a u kl u b s und des Freiheitlichsozialen Vereins, Gemeindevat Dr. Piaschkes sowie mehrere jüdische Universitäts Professoren beyrüßen. Namens der jüdischen Studentenschaft sprach §^'rr H. Sendrowitsch, der daraus hinwies, das; die süd'sch"n Stiudenten schon seit langen Jahren einen An>laß für eine solche Kundgebung hätt n, weil der Gegensatz zwischen den jüdischen und den deutsch radikalen Smdentcn alt sei. Ms di-^e gas-ehrn haben, daß ihnen die jüditschen Studenten auch mit der Waffe in der Hand gsgenüberHutreten v rm"'aen, h den sie jeden Juden für ehrlos erklärt. Nach dem Krirge aber begann die Pwpagan>da für den N u m e r u s c la u s u s, geigen welche eine einmütige Abwehr notwendig fei. In der antisemitischen Hetze timt System, .sie,.bleibt nie loiLal vereintest, und die Exz sfe in Wien habe« immer würdig« Parallelen an ausländischen Universt-älen. Diese Umstände stempeln die Nuimeous elausus-PropagaEa zu einer Frage, an der alle Juden Oesterreichs interessiert sind, denn der Numerus ülauffts an den Hochschulen soll nur «eine Vorstufe bedeuten für alle jen'tt Berufs- Aweilge. welche ein HochschMudrum zur Voran Isetz'.mg halben. Die Hetze begann gegen die Ostmden, um bald aus alle bewußten Juden übenzugehen und richtet sich nunmihr auch gegen jene Juden, die sich zu>m Deutschtum bcikenuett. Die sozialistischen Stiudenten und Professoren, welche in du Bov'-eisuniaon gestört nach geprügelt wurden, sind alle Juden. So sicht man. daß die Bewegung einen rein antisemitischen Chor alter trügt, und wenn sich Kulturmenschen fragen, wie die Bervchunig ein solches Ausmaß amnehmen konnte, so g trüge der Hinwe's daraitff. daß die geistige Nahrung jener Au'e die „Weisen von Zion" bildm, daß akademische Sichrer ihre Hoffnung auSfpvcchen ans eine batdßge Erfüllung d'r Forderungen jener Hetzer und daß diese aus einem deutschen Hochschultaig von Rektoren mch Negierungsmännern ihre Sanktion erhallten halben. Me Frage des Numerus olcv'tsus ist heu^e foer Schl'isfelPtmA bst jüdffchen Situation, cs handelt sich nicht mehr unrt öin:u Kampf im Interesse der jüdischen Studenten allein, sondern im Interesse aller Juden, und daher fordert die Studentenschaft die Mithilfe der gesamten Judenheit, mn mit allen verfügbaren Mitoln eine entsprechende Abwehr leisten zu können. Die jüdische S^.tdcntcn* schass fordert volle Gleichberechtigung für jüdische Lehrer und Studenten und die Sicherung dar pers örtlichen Freiheit aus akademischem Boden, sie w^'mscht aber keine Abwehr der Usb vgriiffe durch Part eipolit ische Schutzorganisationen. Die jüdische Studentenschaft bringt dem Rektor, dcssn H^t'.ng im wohltuenden Gegensatz zu d'r seines Dovmniaers steht, volle Achtung etvtgegen, sie ist jedoch entschlossen, mibedinUt im Kampfe cmsycharren. (Lauter Beifall.) Der Präsident der Israelitischen Kulinsgemeinde Universität^ Professor Dr. Pick WermitE der Mischen Stu,den>tenschaft d»e Sympathien der KultuSgemeinde. Es se-i KweiMos, erklär' der Redner, daß die Universität zu den größten Werten des Staates gchövt, deren Lelstumgen einen Gradmesser für dem g fftigen Hochstart eines Landes bilden. Darmm ist es die Pflicht jedes BüvgerS, die wissenschaftliche Forschung zu fördern, deren Störung eine Störung d.'r Gchamtheil ist. Die Vorgänge an den Hochschulen müssen jeden Müschen mit Empörung erfüllen, und von ihnen werden besonders die jüdischein Staatsbüvger betroffen, weil Bestreibungen im Gang.' sind, die jüdische Lehr- und Lcrufreiheit zu beeinträchtigen. Dies würde jcdoch eine Beeinträchttgung nnsevr staatsgrundzosetzllich gewährleisteten Rechte beidmten. Indem die Kultusgemeinde an der Empörung der jüdischen S tudk' n tensch a ft teilt nimmt, spricht sie die Erwartunig aus, daß die berufenen Stellen alle Mittel anw enden werden, um di« Hetze m Zukunft unmöglich zu machen und die L.hr- und Lemfwiheit in Vollem Umfan,g für alle zu gavanti'reu. (LM/>aster Bsisall.) Hierauf ergriff Eemelnderat Dr- Plaschtts das Wort, der die Vorgänge an den Hochschulen einer scharfen Kritik unterzog. Cintzelite EMsse, erklärte der Redn.r, tragen nach außenhin schon das Gesicht von verbrecherischen Handlungen, und man habe den Eindruck, daß aus Hochschu,lcx.)2ssen eine Exzeßhochschul»' werden soll. Es fei den,t>ich baß die Angriffe und Störungen nur jüdischen Hockrschullehrern und nur Mischen Studenten galten. Das Oevhalten des Rektors sei tadellos, und es sei bedLuerllich, daß es für ihn nur das Mürel gvgeibcn Hab«, die Uniivcvsitäl zu sperren und so die Mchrhei. von Lehrern und Hörern für di,' Exzesse eine Minorität zu 'beistrafen Me Schwld on jencn Ereignissen trifft aber nicht allein jene irregeleiteten jungcn Menschm, sondern auch jene Professoren, welche t>i>e Studeulten v e rhe.tz,c.n und gesetzwidrige Forderungen unterstützen, die Diener, Turrg, Heiderich, Hoffmeister usw. Dix tKckml.d tragen auch die Gtschäflspolitiker. die sich aus der S'u-d'Nteuschast ihre reaktionär.,: Garde schaffen wollen und nicht zuletzt di' Regierungen in Oesterreich, welch' solche Misittaten imbestvaft ließen und deren Bi geranzter ans einem Hochschultag solche Forderungen gebilligt hat. Wir sehen heute nur, wo die Hetze b-erginrvt, aber v'lcht. wo sie ein Ende finden kann Was soll man draußen von riivm Staate denken, der seine künlf.iiyen Beamten, Tchrer und Richter in solchen Geiste erziche. Wenn hier keine Aen>derung emtri-ti, so wird die Universität völlig verwohn und ihrer letzt,-n wertvollen Kräfte verlustig gehen. ist begreiffich, daß auch die Arbeiter die Pf.icht ompfinlden, die Freiheit der Wisienschcüf: zu schützen, aber wenn .sie c-irt^ akedsmische- Abteilung des wpM'Uanischen SchutzlöU'ndes schaffen wollen, jo wäre dies nur eine noue Parteiherrschafl. Wir Jude« aber wollen kein« parteimäßige Erledigung dieser Fragen, wir sagen Vi-Ämchr. es ist Sache der Regierung u>nd der akademischen D Horden, Ruhe und Ordnung zu sch"fs'-w Dieses Trsiib-sn stellt einsn Versuch dar, die allgemeipe Roaltimt zu stützen, und deshald handelt es sich hier nicht ctllem um Interessen d'r Jud'n. sondern um die des Staates. In erster Reihe müssen die Juden in dieser Fmge zt'smn'rvenstehen und erklären, daß sie keine Hetze und keine En.trechtu.ng dtlVdrn nnd jeden solchen Versuch aufs entschiedenste Aurückweisen. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident der Union österreichischer Inden Dr. Ornstein wcAt ans den Unterschied in den akademischen Vechäl'tnisien Misch.'» einst und jetzt hün Während früher einmal alle Studenten den Hochschulen einig und frecheitlich gesinnt waren, herrsche hetvt.' brutaler Terror und blinder Chauvinismus gagen alle, die einem anderen BoNstulM crwgehören. Man will die Quellen des Wisseus verstopfen, um so eintu Schlag gegen das Judettcinm zu führen» welch s das Wissen i,nrmer hochgehalten hat. Wir sind stolz auf unsere Studenten, welche diesen Kampf maßvoll und merig'lsch fuhren. Die Auffigabe der Judenschaift otber ist es, e t n i <0 hinter rmseren Studenten zu stehen, um die höchsten Güter d's Jitdetvtu'ms zu schützet und zu verhüten, daß in di« jüdffche Weichberechtigung eine Br.ffche geschlagen werde, vnlere P^ro»': muß lauten: Einheit im Judentum. (Stürmisches B'Lsoll.) Zkamens des Don-aukl-ubs und des F ci be t 1 i chsozialen Vereines erklärt Dr. Schwarz-Hiller, die Bstryer «ttd Studenten halben sich zu einem g-meiiffa-nren Pro'esi zHmnmrrGcfuuden nnd die Erhaltung dios.'r Gcm'ein» schafft ist notweikdig. Wir woll-ni hoffen, daß die Einheit im Wiener J"dentn>m durck fortgchetzte Ar!be>i>t aus einar Wa>hlgrmiiiffchafft zu einer Wiener jüdischen Gemeinschaft werden wird, deren No-twendlvskM die Ereignisse der letzten Ä<tit beweisen. In Wien und kn Duvtffchland versuche ein»: unverantwortliche GmMe, deren Hin'erincirrner man kenne, Weltzgeisch'chte zu spielen. Ab'r dieser Versuch wird vergeblich Silben. Es ist unser Recht, al's Bürger zu verlangen, daß nicht nur an eine wirtschaftliche Sanierung im Staate gemacht werdt, sondern auch an eine Sanierung der 27. November 1923 Delke » 8 e nrcntno dehaas (lrSittnQthof aro@rdAcn rosser Frack oder Smoking ays feinstem engl. Material aus reiner Seide K 2,500.000 Orig. engl. Herrenanzug nach Mass K 1,800.000 Orig.engl.Raglan,fettigu.nachMass K 1,200.000 Seidenhemden . n.K 250.000 Abendhemden mit franz.Piquebrust K 120.000 % Ja. tueissc Rauehemden.K 110.000 Engl. Wollwesten.K 170.000 Herrenhüte, beste Qualität , , . K 130.000 la. Florsocken. K 18.000 Seidenkrawatten.K 40.000 etc. etc. NUR EINIGE 7 A G L i Stud. Lifschütz, Präsident des jüdischen Hochffchülausschusses, evklärt. man wolle den Nuimems clausus damit begründ^ daß die jüdisch:« Studenten an Kultur nnd Bildung den Aufforderungen der österreichischen Hochschulen nicht entsprechen. Den von den deuffchantistim'itüschen Studenten festges.'tzten Aufftahmsbetzmgtttrgen entsprechen -die Mischen S.ndenten wiMich nicht, denn sie prügeln keine Mädchen und Frauen uuib stören keine Vorlesungen mit Gewalt. Dieser Kamps ist nur e>in Abffchrritit in der antisernitischen Einlheitsffront u-nd jeder gerecht denö nde Mensch und jede solche Partei wird für unsere Forderungen eintreten müsi-en. Alber die Mitschuld tragen nicht nur gewiffe Professovcn und staatliche FuiMomre, sondern auch jene Partei, die schwieg, solange es jüdische Menschen betraf, ttmfo sich erst rührte, wenn cs gegen Parteigenoff.ien ging: (Laute Ziufftimimmng.) ' * Univcrsitätsprofesior Dr. Känigstein, stürmisch oMamriert, drückte seine Empörung Liber das rcaktlionäre Treibett an der Hochschule aus. Man wolle die ExistenF der Juderschaift unteryva>ben> w-llche im Wisien stets das Höchste erblickt habe. Darum sei es notwendig, daß «in« Einheitsfront zwischen allen Mischen Schichten bcfftche, um Haß u-nd BersoiligU'Ng albyuwchven. W«cnn ein Hoch» schulproffessor in einer Zei-tung därlegt, daß er sich im stillen ars Antisemit betätigt und sich bemüht habe, möglichst viel« jüdische Hörer f«rnzuhalten, und sich Revers« untorfertigen -li«ß, daß die jüdischen Hochschulabsolventen hier in keinsm Fall ihre Praxis au Süden werden (jdies hat beda-nMich Prof. Durig getan! Die Red.), dann glaube man, ein Wahnsinn halbe vie gange Welt ergriffen. Damm danken wir den Mischen Studenten, daß sie diese Protestversammlunig einlberuffm haibm, tvm der Welt, ober vor allml allen Juden zu sagen» welche Gsfahr besteht, und sie an ihre Wicht zu gemahnen. Redner versichert unter lautem Beifall, daß pir ganz« jüdische Bürgerfchafit an der Seit« der jüdischen Studenten stehen wird. Der Präsident hes Zionistischen LandeÄomitees Obwbanrw Stricker evklärt m seinen Ausfühmngeit u.nter stlüvmtischer Zustimmung der BersaMnilung: Wenn dieses Treiben weiter dauern soll und wir nicht den Weg findm, um dreff-em^SDauldal «in Ende zu machen, so müßte dies auch in unserem eigenen Lagrr demovalüsierend wirkten. Heute ist es soweit gelommen, daß der Mische Student sich erst erkundigen soll, o!b man ihn ins Universitätsgeibärsde hineinläßt, er muß eS sich ülberl-egen, ob er sich nicht §u seinem Schutz mit oinom Mrmmivnüttel ausrüsten soll, und soll an der Hochschule als geduldeter Fremder gelten. Ein aufrechter Mansch erträgt solche Dinge nicht, und dies müßte schließlich dazu führen, daß nur charakterlose Mische Elemente an die Hochschulen gchm. Das ist die größte Gefahr, daß bie Wissenden unter uns dann die Schlechtesten sein würden. Schon dämm müssen wir dafür sorgen, daß diese Zustände ein Ende nchinen. Mer die Jlldenschcrft hat sich biZher nicht so verEMen, daß ntan sagen kann, es sei alles versucht tvorden, Mt jette Zustände zu beenden. Die Mische DevMevtrng hat bisher die Gefahr nnd die Rodoendigl nt der Soltidarität nicht erkannt und es bisher zu viel dom cinzolnen Inden übevlaffen, die BerteidiMng.zu Mrem Das muß anders werden. Was die Ktt nlchÄbung der S o 4 i a l d e nt o k r a t e n. anlangt, so erkennt man darin das Bestvbon, sich um das Wort ^Jud-e" zu drücken. Prosesioren, die nur als Juden attackiert wurden ltnd nicht weaen ihrer politischen UciberzertvgU'Ng. sprechen nur von Freiheit der Forschung und der avb.nteniden Klaffe und erst zum Schluß, gogon die Bergmaltigung der . ,^r>oletavisch:n" Mische-n Studmteat. Die Sogialdem^kmten erNären, sie winden Gesetze fordern, welche solche Zustände uMvögl'ich machen, aber das ist überflüssig, dmn die Gesetze sind schon da. Wir polin 's ch e n und moralischen Verhältnisse, ohn« welche ein Staat nicht bestchcn köunte. (Lauter Boifall.) Inden aber verwahren uns dagegen, daß wrr Mri besten 11. bHiastensiT'C ir nriiiiiiiiiiirTii irm iiimiini wur—llifl iMllMij|f">li<i rSchiffmann II., Taborstraße 48 Telenhon 47*1 >79 kn piros En detal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.