Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1717 (25.11.1923)
- Date
- 1923-11-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekk, 8 Dien. Somiiqg Pelzhaut Gebrüder irafnfn Wien, If., Glockengasse Nr. 8 Werkstätten t N., Ruepesaese 37 / T 1.45-4*33 I m? I H8 Kiffe eilen Würden? Das jüdische Galuth würde dann in Jerusalem eine Universität oder einen Justizpalast errichten. di« den Vergleich mit den athenischen Wohl aushalwn konnten . . . Tlber ein grundsätzlich . . . anderes ist es, wenn man mit Hil.se der Sammelkapitalien di« Siedln ng der Hunderttausende erst durchführen soll. Das ist ein Werk von solcher Größe, daß diese Methode seine nAnforderungon unmöglich genügen kann." $ Mit dieser Feststellung hat Arlosorofs das gr ße Verdienst errungen, als erster sozialistischer Führer des Nachkriegszionismus unzweideutig die Maximalle istungs- Möglichkeit des Spendenkapibals festgestellt zu haben. Für Umvevsitäten und 'Spitäler, für Stadien 'und Synagogen, für Theater und KunstdcNkmäler kann man wenigstens von Griechen — Spenden bekemme». leichter als für die Schaffung eines Barrernhoses, für die Pflanzung eines Heimes. ' Ts ist auch nicht unlogisch, daß es so ist. Der Spender, der große Sender, will in die Ewigkeit wirken. Ein Theater, eine Schul« bleibt, Mt in die Augen, kündet denr Fremden den Rühm (nicht einmal des oft anonymen Spewders aber) seirres Landes. Der Bauernhof, der ausFttrocknete Sumpf, das kleine Wäldchen — das wird nicht gesehen. Das verschtvindet. Und als (inneren) Lohn für die Spende will doch dkr Geber sehe n, was er geschaffen hat. Und so kommt A rl o s o r o s f in seinem äußerst lohrreichen Buch (das bereits in seinen Grundanfchamrngeu in dieser Zeitung besprochen wurde) dazu, „neue Wege der Kapitalspolitff" zu suchen, die den groß;üg'.acn Auftxul Naläfünas ermöglichen sollen. i Die „neuen Wege" sind für ihn die Wege die zu einer Nationala «leihe führen. Arlosorofs ist bescheidener als viele seiner Borganger; er schwärmt nicht mehr von Hunderten von Millionen, sondern fixiert eine Sumnm von sieben bis acht Millionen Pfund als eeweichbares Ziel dieser Anleihe, die mit 7,5 bis 9 Prozent, verzinst und getilgt werden soll. Der Zweck ber Anleihe wäre die Schaffung eineü großen Banksystems (unter Ausbau der.bereits bes-e-lM'den zionistischen Banken: Jew'fh Colonial Trust. Angl.- Pa* lestine. Co., Paleftine Land Development Co.. Bank Hapoalim, General Mortgaae B. (Hypothekenbank) ufius Der Zinsen-ienst soll zunächst durch den Ertrag der 'Banken garantiert werden, in zweiter Linie durch die Jahreseiriuahnien des Keren.Hajcssod. Für das Anleihskapilial sollen. als Garantie der gesamte Besitz des Keren Hajetzsod und Keren Kajemeth. in Palästina. außerdem private Garantien und solche von jüdischen Gestllschasten und GynreinÄen' im In- und Ausland herangezo^en werden. um so „erstklassige S i ch e r b e i t e n" für dir Anleihe zn schaffen. Die Hauptsicherhejteu natürlich gibt aber t?a$ mit dem Anleiheka vital zu schaffende Banksystem. Aber dieses Buch, das erste zionistisch« Buch feit Kriegsbeginn, das sich ausschließ'ich mit der Flage der Kapitalsaufbringung für di« SchaMng einejüdischen Palästina beschäftigt, dieses Buch ist heute, ein halbes Jahr nach seinem Erscheinen, noch fast unbekannt. Ihrer Pflicht gemäß haben die zionsstischen Zaiitungen vonseinem Erscheinen Notiz genommen, soaar die Finanzkommiffion des Kongresses hat sich damit eil» wenig beschäftigt —- die Zionisten aber gingen daran ftorbei. Praktische Fragen intevessieren sie nicht. Di« sind mt für Fachmänner. * Man braucht nicht mit allem was Arkoswtoff vorschlägt in Bausch und Begen einverstanden zu sein. Es erscheint zum Beispiel als unmöglich, um mir ein Be/ispiel herauszugreifen. die Böden des Keren Kajemeth zu der* ' pfänden, um damit eine Anleihe zu garantieren, von der der Keren Kajemeth nur mittelbare Bort-eU« erlsielte. Es scheint unwahrscheinlich, daß die I. C. A. ihren Besitz als Garantie zur Verfirnung stellen würde. Täte, sie es. so hatte damit allein ja die Anleihe ein Garantie</api1al von zehn Millionen Pfund und brauchte nichts weiteres. - Es erscheint schwierig, die Privatleute Palästinas dazu zu bringen, mittels Solidarhaftung für die Anleihe zu bürgen und ist. wohl ansgeschloffsn. daß zum Beispiel die Gemeinen von Wien, Berlin. Budapest. Warschau. Lemberg usw., die selbst total verschuldyt smd und ihren - Gemeindebesitz ungeheuer belastet haben» von Bankleuten als ,^ute" Bürgen angenommen würden; Hier wie überall zeigt sich eben, welch ungeheure Verarmung der Krieg in den jüdischen Reihen verursacht hat. Aber diskutiert werden müßtM diese Ideen doch wenigstens! Wir dürfen uns nicht!ängl/r begnügen, darauf gu bauen, daß „Weizmann schon Geld in Amerika bekommen wird!" Endlich bringt jemand einen neuen Plan in unsere Arbeit — daran darf man doch nicht schweigend vor» übergehen! . Tie griechischen Reiche-« bauten Mhen aus — die jüdischen Reick)en ließen Jerusalem als Trümmerhaufen. Nicht ein einziges moinnnentakes ltz-bäridez nicht einmal ein« große Synagoge kündet in Jerufaienu davon, daß cs die Hauptstadt des jüdischen Volles geworden ist. wohl aber Wiener Morgetireltuny. 25. November 1928 Nr. 1717 ragen Klöster und Kirchen aller Ädnsessionen in der heiligen Stadt. Mag es so sein! Schweren Herzens vernichten wir auf den Gedanken, daß Jerusalem mit Athen wetteifern könne, Aber es ist an der Zeit, daß man sich im jüdischen Lager ernsthaft für. die Frage zu interessieren beginne, wie <nif# geschäftlicher Basis Palästina auftnbauen wäre. Wehe uns, wenn durch unsere Schuld di«- Zeit versäumt wird, weit» durch unsere Schuld Palästina verloren geht! , Pest auf den Kanarische« Inseln. London, 2-1. November. (Tel. der .^Diener Nkvrgeii- Mung".) Räch einer Meldung aus Gibraltar ist über alle Schiffe, die von den Kanarischen Inseln clnirc-sfen, die Quaran^ne verhängt worden, da dort die Pest ausgebrochen ist. General Haller in Amerika. Wie bereits gemeldet wure, ist der bekannte polnische General H a l l c r, der Kommadant der einstigen nach ihm benannten Legion, in Amerika eingetroffen, wo ihm ein offizieller Empfang durch den Bürgermeister von Bostom bereitetwerden sollte. Infolge eines Protestes von jüdischer Seite ist jedoch dieser Empfang bisher unterblieben und der Bostoner Bürgermeister hat eine Untersuchung in der Angelegenheit veranlaßt. Zu diesem Behuf« sind Einladungen zu einem öffentlichere Verhör über Hallers Taten an Vertreter der jüdischer:. polnischen urrd ukrainischen Bevölkerung ergangen. Der Bürgermeistr von Boston Verweigerte jedoch, Wie I. T. A. rneldet, den jüdischen Protestlern mit der Begründung das Wort. daß einige der Beschwerdeführer nicht in B.'ston wohnen. Der Bericht über di« Pogromtätigkcit der Haller-Soldaten wurde schriftlich eingereicht und von den Hilssgenera-lanivalt für MaffachusettS und Mitglied des Exekutivkomitees des amerikanisch-jüdischen Kongresses Store unterzL-ichnet. Ueberdies hat der bekannte "jüdische Ionmalist Hermann Bernstein ein schriftliches Memorandum in dieser Angelegenheit «ingeveicht. Gin« Entscheidung darüber, ob Haller die Ehre eines Empfanges zuteil rden wird, steht bisher noch aus. Jedenfalls aber sind ole bisherigen Vorkommnisse kaum geeignet, z« einer Erhöhung, seines Prestiges in Amerika Leizutragen. Raglans ANZOQB in feinster Qualität zu billigsten Preisen bei Heinrich Weinbergar i , Singarsirasse 6 Sie verläßliche Auskunft. Ein« Wienerwald-Touristin schreibt uns: Wanden wenn du in den Wienottvald kommst, sage dort, «ran inöge dir keine Auskünfte geben. Denn dieses habe ich ans einem kleinen Herbstausslug erlebt: Erft fuhren wir in der Elektrischen. Eine Nachbarin erkundigte sich beim Schaffner, wie sie in ein Heim „hinterm Tivoli" kommen könne. Der Schaffner hatte kaum das Wort „Tivoli" vernommen, als er b;c Situation in allen Tiefen erfaßte. In den „Achter" umsteigen rmd bei der Tivoligasse ausstcigen. Da wir einmal derselbe Bescheid gegeben worden war und ich eine halbstündige Wanderung durch Meidling unternehmen mußte, erlaubte ich nlir einen Hinweis darauf, daß es weit vorteilhafter iiviu, zum „Drcher" zu fahren und in filnf Minuten ans .Ziel zu kommen. Dev Schaffner. war gekränkt und lehnte die Diskussion ab. „Wenn Sie glauben, daß die Frau das besser weiß" sagte er achselzuckend und ging. Die D'nue glaubte es nicht. Wcn'.m häti: sie < gentlich zu mir Vertrauen haben soll«n? Schließlich ist auch meine Wiege in Wien gestanden und da sind dl.', exakten Auskünfte nicht zu Hans.'. Wir aber trabten fröhlich über die Goldwiese. gegen Weidling. D:e Straße Llrgab schien uns die Absicht zn haben, sich mit Kehren zu vergnügen, und wir erkundigten uns beim ersten Touristen, der 'heraufgestiegen kam, ob wir nicht einen schrnalen Fußweg als „Abicdne'der" wählen könnten. Gotr bewahre! Das st' gar tückischer Weg, der nimmermehr zur Straße zurücksände, sondern sich in undurchdringlichem Dickicht verlöre. Bei der nächsten Wendung der Straße mündete der Dicklchtweg PüMlich und durchaus artig. An der Weg scheide zlvischenWeidlingtal und Stein-- riegel-Weg hielten wir Kriegsrat. Dar Weg zmn Steinriegel lockte. Aber wir trugen doch Bedenken, ob es nicht zu spät würde. Ein Wanderer kam des Weges. LodeMtel, Goistrer. grüne Weste, also ein jüdischer Intellektueller. Die Verteuerung des Velsen». Ne aeaen Larise «nt 23 Prozent Mer. Wie tvir bereits berichteten, plant die neue Leitung der Bundesbahnen zur Beseitigung des Defizits eine allgemem« ernpfindliche Verteuerurrg ' der Personen- und Gepäckstorife. Diese Erhöhung soll bereits am 1. Jänner in Kraft treten. ES bleibt demnach' nur eine verhältnismäßig geringe Frist, um die Ersenbahnbureaukrateu davon Pt übrrzengett, daß ihr« Maßregel zu einer rreuerlichen Teuemngslvelle den Anlaß geben muß und daß sie nur geeignet ist, die schon vorhandene Reisemüdigkeit der Bevölkerung zu verschärfen. Die Gerteraldirektioir bestätig nun alle über ihren Plan bekannt geworbenen Einzelheiten. Sie beruft sich auf die Tarife in der Tschecho-Alowakei (wo sie eben jetzt herabgesetzt werden sollen) und auf jene — Deutschlands. Wetters teilt sie mit: Di« geplante Erhöhung ist nach ZugsgaMmgen und Entfernungen abgestust. In der dritten Klasse-Personenzug wird in der Entfernung 1—ö Kilometer eine Erhöhung von 5yv K., in der Entfernung von 7-^8 Kilometer von 1000 K. und in den übrigen für Reisen mit Personenzügen in Betracht kommenden Entftrnungen durchschnittlich eine Erhöhung von 25 Prozent eintreten. Für Schnellzüge greift eine mit zunehmender Entfernung sich steigernde prozentuelle Erhöhung von 27—55 Prozent Platz. Der SchniellzugSzuschlag. wird im Durchschnitt« &> Prozent des PersonenmsisfahrpreikeS betragen. Die Fahrpreise zweiter und erster Klaff« werden wi« bisher durch Verdoppelung, bezw. Verdreifachung des Fahrpreises dritter Klaffe gebildet. Die Selbstkosten der Beförderung werben auch in Hinkunft nach nicht, erreicht sein. Nichtsdestoweniger werden auch in Hinkunft Rückfahrkarten auf erntäßigtcr Grundlage ansgegeben werden. Die gegenwärtige Begünstigung wird dahin erweitert, daß für den Verkehr zwischen Wien und den Landeshauptstädten auch für Entfernungen über A)v Kilometer ermäßigte Rückfahrkarten znr Ausgabe gelangen. Für die über 400 Kilometer von Wen eiltfcmteit Landeshauptstädte wird ein Nachlaß von 12 Prozent gewährt. Für Arbeiterrückfahrkarten wird ein Mprozentiger Nachlaß unter Fallenlaffen der bisherigen Beschönkung der Entfernung und der Reisetage zugestanden. Dies« Karten werden in . Hinkunft auch auf der Südbahn zur Ausgabe gelangen, was dermalen nicht der Fall ist. Die GepScktarksr, welche im Juli deS Jahres von der Tariferhöhung ftel getaffen wurden, erfahren eine Erhöhung von durchschmttlich 25 Prozent. Mit der Erhöhung der Einzelsahrpreise wivd auch -ine Erhöhung der Dauerkarten verbinden sein. Uw fe* ooch den Verkehr zu erleichtern, werden MonatSstteckenkarten in Hinkunst mich für Entfernungen über 100 Kilometer, und zwar auf weitergehend ermäßigter Grundlage auSgegeben. Die Schülermonatskarte tvird diesmal eine größere Erhöhung er< fahren, da sie infolge äußerst geringfügiger Erhöhungen auf einem Niveau angelongt ist, bei dem sie nur mehr einer einzigen bezahlten Fahrt entspricht. Jedoch hoben Familien mit mehr als einem di« Schule besuchenden Kinde bei nachgewiLsener Mittellosigkeit künsttg für jedes Kind nur die Hälfte des Preises einer Schülermonat-karte zu entrichten. Mit der EinMrung der nnien Personen, und Gepäckstarise, die noch der Genehmigung des Bundesministeriums für Handel und Verkehr bedürfen, sind die im Zuge der Sanierung des BvndeSbahnVetriebes zu tvefstnden T<arifrefo.'rmen vorläufig abgeschloffen. Hand in Hand mit diesen ReforMn gehen jedoch Benrühungen der neuen Unternehmung, die Betriebsausgaben auf das erreichbare Minimum herabzusttzen. Der Personalabbau schreitet ständig fort. Außerdem ist eine ganze Reihe von organisatorischen Maßnahmen, Güschästs- und ArbeitSvereinsachungen angebahnt, durch die namhafte Personalev'parniffe erhofft werden. Der GeschäftSplan fiir eine völlige Neuordnung des Einnahmen» rtchnnngSdienstes ist bereits fertig. Er zielt ans eine Zentralisierung dieses Dienstes ab und wivd bei jeder Bundesbahudirektion ein« große Abteilung entbehrlich'machen. Weitere grundlegmde organisatorische Maßnahmen für die BundeSbahndlrekttonen sind in Ausarbeitung und eür« neue den Bedürfniffen eines kanfmännischen Betriebes angepatzte Kanzleiordnung steb» vor ihrer Einführung. Äuf dem Gebiete der Sachausgaben machen sich ber-itS Die künftigen Wirkungen der Konzentration des gesamten Beschaffungsdienstes bei einer einzigen Direktion, die nach rein kaufmännischen Prinzipien arbeitet, bemerkbar. Daneben laufen intensive Bestrebungen, den Materialverbrauch zu verengern. EL ist leicht begreiflich, daß einschneidende Arn^ervngen einer so großen Organisation wie die der Bundesbahnen eine sorgfältige, alle Folgewirkungen berücksichtigende' Vorbereitung bedürfen, soll -nicht die Sicherheit des Verkehrs und die Regelmäßigkeit der Abwicklung desselben schweren und bedenklisiien Schaden erleiden. Deshalb können alle geplanten Maßnahmen nur schrittweise dnrchgefvhn werden. Es sind all« Kräfte fortgesetzt und mit aller Energie am Werke, um auch die von der ganzen Oeffettttichkeii mit Recht erwartete Verminderung der BetriebSaud-; gaben mit möglichster Raschheit zu erzielen. Mi ftpil. ßiulitlt, WWtt AuWmg! jU.SMji!<$ 7 WttkmsSMtn: AechuSMI) 'iiiifrslc:!1 MkM 11, SfS.iltK: II m AK