Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1717 (25.11.1923)
- Date
- 1923-11-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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vrr. tni Men, Sonntag Wiener Morgerizeitung. 25. Novenrber 1923 Seite 5 Palästina Re Absage der arabischen Extremisten. Jerusalem, 24. November. (Tel. der „Wiener Morgengeitu ng".) Während der letzten Verhandlungen Sir Herbert Samuels mit den Arabern über die Schaffung einer arabischen Agency erklärten die arabischen Vertreter, daß sie der palästinensischen Negierung ein ausführliches schriftliches Memorandum in dieser Angelegenheit überreichen werden. Die Uebergabe dieses Memorandums ist nun erfolgt. Darin wird erklärt, daß die Araber keinesfalls die Schaffung einer arabischen Agency, die der jüdischen gleich sein soll, bezwecken. Sie wollen frei werden und können daher den Vorschlag der britischen Regierung nicht akzeptieren. Die Araber sind der Ansicht, daß die Bestimmungen des Völkerbundes England nicht gestatten, das Mandat über Palästina ohne v o ritze rige Erlaubnis seiner' Einwohner zu übernehmen. Die Araber anerkennen nicht die Balfour- Deklaration als eine Verpflichtung der englischen Regierung, weil ^.ese Deklaration den Statuten und dem Geist des Völkerbundes entgegen ist. Sie protestieren gegen die Anerkennung der Juden durch die britische Regierung und wollen daher nicht mit den Juden gleichberechtigt sein. Ihre einzige Forderung sei die volle Freiheit. Ae gulunftsansslchten des palästinensischen Siedlungswerkes. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Der nach Palästina berufene Sachverständige für Kolonisations- und Agrikultur-- fragen Prof. Elwood Me ad aus Kalifornien (bekanntlich «ine der ersten Autoritäten auf seinem Gebiet), sprach sich nach einem Besuch der Siedlungen im Tal Jisroel und anderer jüdischer Kolonien überaus lobend über die jüdische Arbeit im Lande aus und sagte, Palästina stehe eine glänzende Zukunft bevor. Die palästinensische Siedlung, setzte er fort, fei für die ganze Welt von Bedeutung, indem die Arbeit in Palästina nicht nur für das Wohl einzelner Menschen vor sich gehk sondern ein ganzes Volk erneuern will. Professor Mead schloß, er sei stolz darauf, an dem Aufbau des'landwirtschaftlichen Lebens im Jordantal mithelfen zu dürfen. Rundschau. Re Billig«»« der franrSMen Reglernngsvolitik durch die Kammer. Paris, 24. November. Aus dem „Journal Officiel" ergibt sich, daß bei der gestrigen Abstimmung in der Kammer die Haltung der Regierung in der Botschafterkonferenz mit 492 Stimmen gegen 14 Stimmen bei 66 Stimmenentlhaltungen gebilligt wurde. Die gesamte sozialistische Partei Mitglieder der radikalen Partei sowie die Abgeordneten Tardiou und Reynaud enthielten sich der Abstimmung. Re WMbewegnng in England. London, 24. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Baldwin und Lloyd George haben gestern ihre Wahlrundreise angetreten. Lord C u r z o n erklärtein ejnem Brief, worin er sein Fernbleiben von einer Wahlversammlung in Southport entschuldigt, daß er angesichts der augenblicklichen außenpolitischen Lage London nicht verlassen könne, zumal sämtliche führenden Minister von London abwesend seien. Re Mische« Parlamentskandidaten in England. London, 24. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Unter den Kandidatenlisten der englischen Parteien, die am Wahlkampfe teilnehmen, finden wir auch eine recht ansehnliche Anzahl von jüdischen Namen. Die liberale Partei kandidiert auf ihren Listen nicht weniger als neun Juden, darunter den bekannten Zionisten Sir Alfred Mond. Die konservative Partei hat sechs jüdische Kandidaten ausgestellt, darunter Sir Stuart Samuel, die Labour Party kandidiert vier Juden. Sowsetrußland gegen die deutschen Monarchisten. Warschau, 24. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung") Aus Moskau wird gemeldet: In einer vor einigen Tagen stattgefundenen Plenarsitzung der Moskauer Sowjets hielt Kamenew eine längere Rede über die internationale politische Lage und stellte fest, daß seitens der deutschen M o n a r ch i st e n eine große Gefahr für den europäischen Frieden drohe. Die Sowjets werden den deutschen Militaristen den Frieden von Brest-Litowsk nie verzeihen können und werden auch einer Restauration der Monarchie in Deutschland nicht ruhig zusehen. Weiters gerichtete Kamenew über die russisch-polnischen Verhandlungen und erklärte, daß in den prinzipiellen Paukten eine Einigung herbeigeführt wurde. Die polnische Regierung habe dies jedoch in einem schriftlichen Protokoll nicht festlegen wollen. Aalken und der Balkan. Rom, 23. November. Der italienische Geschäftsträger hat gestern in Belgrad dem Außenminister Nincic eine Protestnote der italienischen Regierung betreffend die italienischen Staatsbürger in Dalmatien überreicht, die in ihren durch den Vertrag von Santa Margherita verbürgten Rechten geschmälert würden. ' Schuhe! JVienJ. JVildpretmarkt 2t fcjHV «.JflodSles *Jflso?Jnav>£emtt JRobes. K&stumes.Jflanteaux» feag&nms et J7ourrures lTelefon C53/3. ZMitvebrachte Stoffe werden zurtyerarbeitung angenommen t Gegenüber dem offiziellen Dementi eines Balkanbundes zwischen Italien, Bulgarien und der Türkei kündigt die Belgrader „Prawda" neue dokumen ta r i s ch e. B e w e i s e für die Absicht Italiens, einen solchen Bund zu gründen, an. Eine Liga m Bekämpfung der Ku-Klux-Klan k« Amerika. Aus New-Iork wird uns berichtet: Unter dem Titel „National Vigilance Association" hat sich in Washington eine große Gesellschaft zur Bekämpfung des Ku-Klux-Klan gebildet. Dem Zentralkomitee gehören die bedeutendsten Universitätsrektoren und die UuiversitätSsenate aus allen Staaten Nordamerikas sowie die führenden Persönlichkeiten der Kirchen, der Industrie und der Intelligenz an. Laut den Satzungen der Gesellschaft werden zunächst zweihundert Zweigstellen in allen Teilen der Republik errichtet. In ihrem ersten Ausruf stellt die Gesellschaft fest, daß der Alan eine der gefährlichsten wirtschaftlichen Situationen im Lande herausbeschworen hat, wodurch jeder Kampf gegen diese wie auch alle anderen maskierten Geheimorganisationen als ein Akt der Notwehr erscheint. In ihrem Programm fordert die Gesellschaft die Schaffung von Gesetzen, welche das Tra gen von Masken in den Straßen und Lokalen verbieten und alle Gehebmorga.nifationen verpflichten, ihre Mitgliodslisten zu veröffentlichen, ferner die Gewalttätigkeiten des Mob als „föderales Verbrechen" zu bezeichnen und der Zlburteilung durch „föderale Gerichtshöfe" zuzuweisen, und schließlich die Regierung zu beauftragen, durch Aufklärungsarbeit önter den breiten Volksmassen die Pro-, paganda gegen alle Geheimorganisationen von der Kategorie des Klu-Klnx-Klan in die Wege zu leiten. Mische Stvdeute« md Studentinnen! Unverantwortliche Elemente haben an den österreichischen Hochschulen die Lebrnnd Lernfreiheit beeinträchtigt. Es war für jedermann klar und die letzten Vorfälle haben es deutlich bewiesen, dntz diese Ausschreitungen sich vorzugsweise gegen iüdische Lehrer und Hörer richteten. Zur Abwehr dieser Angriffe rufen wir euch zu der Bersammlung Welche heute Sonntag um 10 Ubr vormittags in den Olympia-Sälen, 1. Bez., Notgasse 5, statt findet. Iüdis che akademische Bürger! Erscheinet vollzählig! Ins Exekutivkomitee Mischer Studenten. MMe Mmer und Frauen! Wir fordern euch aus, zu der großen Protestversammlung recht zahlreich zu erscheinen, welche das Exekutivkomitee der Jüdischen Studenten für heute Sonntag den 25. November um 10 Uhr vormittags in den Olympia-Sälen, 1. Bez., Rotgasse 5, einberufen hat. zionistische Srganifatio» in Sesterreich. Union Sfterreichlscher Anden. Ionauklub und Freiheitlich - sozialer Verein. Tagesbericht. Griechen und Süden. Bon Dr. Wolfgang Weis! (Jevusal-vm-Wien). Als ich zuletzt im Griechenland war — gerade vor einem Jahr, zu der Zeit, als Ke mal Pascha aus Koustantinopel marschierte —, da schien .Hellas vor dem Zusammenbruch. Fast eine Million Flüchtlinge waren auS Kleinasien nach dem Mutterland geströmt; alle Schiffe waren zum Sinken überfüllt, die kleinsten Städte der fernsten Inseln in Herbergen, für die' Kriegsopfer verwandelt, die Armee war aufgelöst, der König Vertrieben, die Minister wurden hingerichtet . . . Das Schlimmste sah ich in Athen, de.r Hauptstadt des Reiches. Obwohl dort jede elende Holzbaracke, jede Schule, jedes Kino für Massenquartiere in Verwendung genommen war, hockten des Nachts in den Straßen tausende und taufende Männer, Frauen und Kinder unter dvm kalten Novemberhimnrel. Frierend drückten sie sich an die Mauern der Häuser, spärlich erwärmt von kleinen Feuern, die sie am Rand des. Bürgersteigs angezündet hatten. Endlose Reihen von hungernden, obdachlosen Bettlern — ein geschlagenes Volk, nicht nur ein besiegter Staat. * Man glaube mir, ich sah Griechenland nicht von seiner besten Seite. Statt des stolzen, heiteren Volkes, das die Reisebücher loben, sah ich eine elend gewordene, gebrochene Nation. Ter „ewig -laue Himmel" des Gindely war von grauen Wo.'kenmaffen bedeckt, eisiger Nordwind- Pfiff durch die Straßen und ließ mich, der aus der Wärme Egyptens kam, erstarren. \ Und dennoch — und dennoch faßte mich Bewunderung für dieses Volk, das nur wenig jünger als das jüdische ist. Bewunderung — und Neid, bitterer Neid. * Ich stand im Stadion, das anläßlich der erster olympisck'en.Spiele im Jahve 1896 in Athen neu erbaut wurde. Es wäre unnütz, es schildern zu wollen: die Hohe Warnte mit ihrem „kolossalen" Sportplatz verhält sich zum Stadvon in Althen wie etwa Kunschak zu Demosthenes, wie Wiener Werk'stätte zu Tanagra, wie Hakenkreuz zu Hellalr. In einen Ausläufer des H y m e t t o s wurde ein etwa 300 Meier langer und über 100 Meter breiter Bau hineiwoehauen Rings um die Rennbahn (über 200 Meter lang und 33 Meter breit) steigen auf 105 Stufen die Tribünen etwa 30 Meter hoch an; über dreißig Bank- M.ihen'.erheben sich hintereinander — alle mit breiten Sitzplätzen^ mit eurer Rückenlehne, mit Balustraden nach vorne — und» alles aus weißem, leuchtendem Marmor! Uqiber 50.000 solcher marmorner Sitzplätze faßt dieser gewaltige, strahlend schöne Bau — ein Geschenk des alexanMnischen Griechen Ave.rosf an sein Heimatland. GcÄau so wie einst von Her ödes Attieus das Stadion am llfeü des Jlissos errichtet wurde, ließ es der ägyptische Bankier 100 Jahre später wiederherftetten. Ein Symbol griechrfcher Renaissance. * Ich ging der Stadt zu, am berühmten National« Museum vorbei mit seiner 100 Meter langen Säulenfassade —>,es ist ein Geschenk von Bernardakis aus P c t e r s b u r g Die Sternwarte in Achen baute der alte Baron S i n a aus Wien; sein Sohn spendete nüt geradezu fürstlicher Freigebigkeit die Mittel für 'den in Marmor und Gold ausgeführten Prachtbau der Akademie der Wissenschaften, Vas prächtigste Ge- >bä.wdc des neuen Athen. Ballianos, ein Grieche aus Marseille, schenkte seinem Mutterland« die Nationalbiblloibck. cut Ban aus - pentelischem Marmor / mit 300.000 Bänden, Syngros schenkte der Stadt, unter ändere-m das - Theater, Barvakis eine nautische Schulz Arsikis das Arsakeion. die größte Mädchen- und Lehrerinnen-Bildungsa-nstalt des Orients, ZapPas da« Zappeion, das AusstellungsgMude Athens ... Aus der ganzen Welt, aus Wien und Alexandrien, aüS Petersburg und Marseille strömte das Gold nach Athen, um die Stadt aufzubauen. Geschlechter, die seit Jahrhunderten ferst ihrer Heimat lebten, errichteten das neue Athen in so großartiger Weise, wie es wohl kaum'einer anderen Stadt geschehen ist. Bon der U n i v e r s i t ä t bis zum Armenhaus und Findelhaus, die größte Kirche der Hauptstadt und die Spitäler, alles verdankt sein Entstehen Stiftungen von griechischen Patrioten. . . Und dieser Anblick erfüllte mich, den Juden, der auS Jerusalem kam, i; mit tiefem Schmerz — und Neid . . . Ich -beneidete daS kleine griechische Volk um seine Söhne, i * Daran mußte ich denken, als ich im neuen Buch ArlosorosfsH das Wort las: „. . : der Vergleich, der zuweilen zwischen unserem Keren Hajeffod und dem nationalen Se-lbftlPtsteuerungsson-ds der Griechen (in der Epoche ihrer nationalen Freiheitsbewegung) beliebt wird, miuß als durchaus > irreführend abaelehnt werden . . . Lebte heute in Palästina eine geschloffene Masse von Hunderttaufenden von Inden, sei es auch nur ein mühseliges und ärmliches, Grenpe.rleben, wer zweifelt daran, daß im Augenblick der nationalen Erhebung Juden der Diaspora . . wie die Hellenen im vorigen Jahrhundert. . . *) Ar los o ros st „Die Ko'-ü n-i-pci f k> n ssinauzen der Jewish Agency". ' H itc>chduO-V erlag. . Berl'in-Eharlo tten'burg. ZurSaiton! Reiche Auswahl neuester ^elzmodelle in sämtl. Peizarten - Pariser li.Wleiter Geschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten! unter pers» Leitung deabeilranoriuwiirten Inhabers der Firma UPfaMaOeMI .fir.Mreim.7-i