Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1717 (25.11.1923)
- Date
- 1923-11-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«rrw , Wien, Sonntag Mene» Morgetizeltrirrg. 25. November IMS Nr. M7 ' '“-Lartesmlral», Wien Heute Sonntag, 25. Nov. . v,n ührvom* im Central-Kmo, ll. Taborstr. 8a, spricht „Her Jude und Palästina" Der Saal wird um 10 Uhr geäffnet Kranken-, Stellenlosenaal Pensionrdrr- > - fichrrnn». I Gestern wurde im Parlamenk^der Entwurf Ui A «- gestelltenversicherungsgesetzeS verteilt. Als Äeberleitung wurde gleichzeitig eine Novelle ^zum PensionSversichrrungsgefetz« unterbreitet, die unter anderem bestimmt: Den. auf Grund des Pen« sionSvevsichtzrnngsgesetzes bezugsberechtigten Invalidität-- und Mersrentnern gebührt an Stelle der bisherigen gesetzlichen Leistungen (Renten, Evhöhurigrn, Zuschüsse und dergleichen) bei einer Bernessnngsgrundlqgi bis zu 600.000 Kronen eine monatliche Rente von 80 vom Hundert, von mehr als 500.000 bis 1.000.000 K. ein« monatliche Rente von 4 0 0.0 0 0 K., von mehr als l,Ö00s,Ö00 K. . bis 1,700.000 K. eine monatliche Rente von 500.000 K., von mehr als 1,700.000 K. eine monatliche Rente von 600.000 K. Das Angestölltenversicherungsgefetz legt die Kranken--, Stellenlosen- und Pension-Versicherung der Angestellten zusammen. BerstcherungSPflichtig und für die Fälle der Krankheit, der Stellenlosigkeit, der BornfsunfahiAeit, des Alters und des Todeversichert sind jene im Inland unselbständig erwerbstätigen Personen im Alter über 16 Jahre, deren Dienstverhältnis durch das Angestelltengesetz. das Schauspielergesetz oder das Gntsangestelltengesetz geregelt ist. Bon der Bersichemng sind unter anderem ausgenommen: Personen, deren Gebalt auf das Jahr umgerechnet den Betrag von 60,000.000 K. übersteigt, Hausfrauen, wenn die an sich der Bersichemng unterliegende Beschäftigung sie monatlich nicht länger als 80 Stunden in Anspruch nimmt und mit nicht Mehr als 600.000 K. entlohnt wird; die Kinder, die Eltern, die Gattin des Dienstnehmers, öffentliche Angestellte, Geistliche, Hilfsgrzl-e ufw. Der O^'.etzentwnvf sieht vor, drß während d'r epten sechs Wochen oder wächrerch der kürzeren Frist, innerhalb derer der Gehalt regelmäßig fortläust. kein Krankengeld gegeben wird; nach dieser Zeit setzt das Krans.'ngeld ein. das mit 48 Prozent der anrechenbaren Bezüge für Ledige und mit 60 Prozent derselben für Verheiratete be° messen wird. Laust der Anspruch auf Fortzahlung des Gehaltes nach dem Gesetz über diese sechs Wochen hinaus fort, so muß der Dienstgeber dar KraEngeld nur auf die Höhe der Bezüge ergänzen, wird also nur mehr mit 68 vom Hundert, beziehungsweise 40 vom Hundert her Bezüge belastet. Wie das .Krank mg?ld wird auch die Stellenlosenunterftützung nach Familienstand und Dauer deS Notstandes gestaffelt. Träger der Bersichemng sind: : 1. DiL Versicherungsanstalt. für Kreditinstitute; 2. die VersichemngSanftalt für Angestellte in der Land- und Forstwirtschaft; 3. die Versicherungsanstalt der Pres se; 4. die Versicherungsanstalt für Pharmazeuten; 5. die Landesversicherungskassen für Angestellte; 6. die Vensionsanstalt für Angepellte*. llngam. Sie volvWen Schwierigkeiten. London, 23. November. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung".) Nahezu sämtliche Londoner Blätter beschäftigen sich mit den soeben begonnenen Verhandlungen der Fi-> nanzkommi ssron des Völkerbundrates. In einem offiziösen Kommentar zu diesen Verhandlungen weisen die „Times" darauf hin, daß England den Man einer internationalen Anleihe an Ungarn immer unter-- stützt habe, daß Frankreich und die kleine Entente wob! anfangs eine ablehnende Haltung eingenommen baben. gegenwärtig iedoch der Gewährung der Anleihe prinziviell ihre Z u st i m m u n g geben. Die kleine Entente stellte in ihrer l?Dm Konferenz die Forde-, rung. daß Ungarn vor Abschluß des Anleibevertraaes Garantien damr bieten solle, daß es sich g^g-n feine Nachbarn korrekt verhalten und tatsächlich a b r ü st e n werde. Das einige erm'te Hindernis, das bente der Anleihe noch im Wege stobt. ist der unleugbare Umstand, daß die ' ungarischen Nationalisten unausgesetzt Bersch worungen und Putsche planen und systematisch vordereitm/Wobl herrsche im Auslaß die Ansicht. daß der Fall U l a i n. wie aus den beschlagnahmten Dokumenten hervorgehe, ein kindischer Vevschworung^vfan ist. der kaum ernst genommen werden könne, doch sei es offenbar, daß Ungarn nur dann bei seinen Nachbarn wird Vertrauen erwecken können, wenn seine Regierung endlich aufhört, mit solcher Abe nteuererpolitik z« kokettieren. Passive« Pnl»et der Stadt NadaveS, Budapest, 24. Rovsmlber. Das Budget der Stadt Budapest für das Jahr 1924 sicht einen Ausgabe ne tat von 190.366 Millionen, einen Einnahmestand von 190.246 Millionen Kronen vor. Das Defizit beträgt sonach 620 Millionen Kronen. Snraseieve ohne Sozialdemolraten. Budapest. 24. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie bereits berichtet, ist eS dem Grafen Bethlen wieder gelungen, sich vor Beginn der Anleihe Verhandlungen in London einen Burgfrieden zwischen den bürgerlichen Parteien zu sichern. Seine Bemühungen, auch die sozialdemokratische Part e i zum Eintritt in den Buryfriedenspakt zu bewegen, sind fehlgeschlagen. Pie sozialdemokratische Fraktion hat vielmehr beschlossen, der vethlenLllegierung auch in der Form eines vorübergehenden Friedens jedes Vertrauen zu verweigern. Die Fraktion stellte bei diesem Anlaß fest, daß die Regierung bisher im Interesse der Demokratie und der öffentlichen Freiheiten sowie zur Liquidierung der Gegenrevolution keinen einzigen ernsten Schritt unternommen hat. Das hervorragendste Interesse des Landes erfordert eine allgemeine politische Amnestie, die Abstellung der Internierung?- shstems, die Liquidierung der Emigration und die Wiederherstellung der bürgerlichen Freiheit. Auch müsse unbedingt der Weg einer wirtschaftlichen und sozialen Politik eingeschlagrn werden, die geeignet ist. die schwierige Lage der werktätigen Volksschichten eicheblich zu mildern. Aus diesem Grunde behält sich die sozialdemokratische Fraktion ihve Unabhängigkeit und ihre Bewegungsfreiheit auf allen Gebieten vor. war schon aus dem Grunde sicher zu erwarten, weil es bekannt ist, daß die Budapester RathauSmojorität in der Mittelklasse und in den Jnlelligenzkessen der Budapester Bevölkerung immer mehr an Anhang verliert und die Führer der antisemitischen Partei durch gesteigerte antisemitische Hetze vor der bevorstehenden Neuwahl in den Gemeinderat neuen Anhang zu werben bestrebt ist. Polen. Sie Aekonftrnktionrbellrebungen. Warschau, 24. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeibung".) In gut unterrichteten Kreisen verlautet, Vrtz W i t os gegenwärtig die Umbildung des Kabinetts mit den linken Parteien und dem Zentrum vornehmen will. Dem neuen Kabinett sollen auch die Sozialdemokraten angehören. WitoS würden dann an die Spitze di^eK Kabinetts treten. Witos will bereits auf Gmnd feinerunterredung mit dem Staatspräsidenten die Verhandlungen mit den linken Parteien einleiten. Die Nationaldemokraten und die christlichen Demokraten bekämpfen diese Konzeption, nur Korsanti bemüht sich, im neuen Kabinett DmowSki als Außenminister zu behalten. Sie Main-AWre vor dem Parlament. Budapest, 24. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In der Angelegenheit der U l a i n- Affär« verlaütet. daß der Referent des Jmmunitätsausschusses zwei Referate in der DienStagsitzung dem Häuft untevbreiteen werde, und zwar ein Referat darüber, öd die Immunität des Abgeordneten Ulain suspendiert werden soll, und ein Referat über die Frage, ob die Immunität des Abgeordneten Main verletzt worden ist. Parallel damit wird auch der Vertreter des Mindecheitsvotums Ekhardt das Wort ergwrsen. Die Debatte wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. I Sin Kvischenkll in der FeMnnz der Pndadefter veyeinderate«. Budapest» 24. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In der ans Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums der Bereinigung von Ofen und Pest odgolxrlteuen Festsitzung des hauptstädtischen Gemeinde- Ätfccö kam es zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall. .Die liberale Opposition hatte sich bekanntlich von dieser Veranstaltung der christlichnationalen Mehrheit fern ge halten, und so war auch kein einziges jüdisches Gemeinde ratsmitglied bei der Feier anweftnd. Der einzige Jude, der der Einladung Folge lesstete, war — OberrabbinerDr. Simon Hevesi. Ihm wurde der Platz neben dm katholischen rrnd reformierten Kkrchenvsrtretern angewiesen. Als Festredner in der Jubiläumssitzung fungierte der extreänfk Pogromantisemit der Wolff-Partei Andreas Csillery, der eS sich auch nicht nehmen ließ, in dieser der Entwicklungsgeschichte der Stadt Budapest gewidmeten Festrede in Gegenwart der höchsten Vertreter des Staates die aufreizendsten Ausfälle gegen die Juden zu unternehmen. Empört über diefts Borgeben erhob sich Oberraühiner Dr. Hevesi von seinem Sitz und verließ den Festsaal. Allgemeine Unruhe bemächtigte sich der verblüfften Festgäste, bloß der engere Anbang des Amiftmiteichäuptkings Karl Wolfs von Wolfen au bemäntelte seine Verblüffung mit dem Zuruf: „Was soll das bedeuten? Demonstration?" Obsrrabbiner Dr. Hevesi schritt unter dem Hohngelächter der Wolfs-Gruppe aus dem Saal. Diese "peinliche Evisode hat in jüdischen Kressm tiefen Eindruck erweckt und wurde vielfach komm"ntiert. Im allgemeinen herrscht das Urteil vor, daß Oberrabbiner Doktor Hevesi die Einladung der Erzfeinde des Judentums w dieser Feier von vorn-berein hätte ausdrücklich unberücksicht'gt lassen sollm. Er batte so viel politische und Versone^kmntnis besitzen müllen. mn zu wissen, dost der schon früher designierte Festredner selbst diesen feierlichen Anlaß dazu mchbrauchen werde, um eine antisemit'^he Hetzrede zum Fenster hinaus, für den Mob zu halten. Das noch Maß i lotnemnSntd KoNm | Velre Wasche ftiles auf Kredit8 MWMnwwnwwMMiawnuriaiiiiniiiiiiiii i iiminii—immii«—um mini»miim Salta» Schick L Sa.. Kohlmar» 8 Mezzanin uso Fernruf 78-4-78 Landeskonferenz der SioMen SüanWenr. Ausscheiden der »Httachdrrth" aus der allgemeinen Landesorganisation. Aus Lemberg wich uns geschrieben: Am 19. d. nmrde hier die Landeskonferenz der Zionistischen Organisation für Ostgalizien, an der über 200 Delegierte teil" nahmen, eröffnet. Nach der Eröffnungsrede des Vize- Präsidenten Dr. Geyer und des Abg. Dr. Leen R'e i ch wuche ein Präsidinm mit dem Abg. Dr. David Schreiber als Vorsitzenden gewählt. Die Konferenz beschästigte sich insbesondre mit der Frage der Vereinigung der Zionistischen Landesorganisation mit den Föderationen zu einer Arbeitsgemeinschaft. Die H'.tachduth hat in den letzlen zwei Jahren in Ost-' galizicn sich als selbständige Föderation konstitu'ert und eine eigene Organisation ausgebaut. Da sie in verschiedenen politischen Fragen einen anderen Standpltnkt einnimmt, als d:e Land?sorganisätion ergab sich die stkotwendiakeit, diese Föderation an? dem Land.-sverbande anszuscheideu. Ta auch die S^jm-Abgeovdueten. die der Hitachduth angehorten. ohne vorheriges Einvernehmen mit der LandcSorganifation eine selbständige parlamentarische Vertretung gebildet haben, hatte sich die Konferenz mit der Frage zu beschäftigen, ob es angezc.igt sei. diese Föderation werterhltt im Landesverbände zu behalten. I ng. La n da u referierte im Aufträge der Exekutive über d'e Zusamireuarbait der Zionistischen Landesorganisationen mit den Föderationen, die zur-' Durchführung gemeinsamer z-ionistisch-palastinensischer Arbeiten eine Arbeitsgemeinschaft bilden sollen und vertrat den Standpunkt, dvß die Föderationen nur für diese gemeinsamen Arbeiten sich mit der Landesorgamsati->n zusamnienschließen können. Die zu diesem Zwecke gewählte Organisationskcmmission nahm die N.s^utionrn des Referenten, wonach die Hitachduth auS der Landokovoonifation miszufcheiden fei. mit der Begründung an. daß Föd-emtionen, die über eigene ausgebaute Odnisatiouen verfugen, im Rahmen einer einheitlichen LandeSorganisation nicht verbleiben können. Es ' liege jedoch im Interesse der nationalen und zionistiscken Bewe-aung. eine Kooperation sämtlicher Föderationen dnrchzuführen. Zu diesonl Zwecke sollen gemei-nsame Aktionen di'rch ein besonderes Organ. in dem die Föderationen ihrer Stärke nach vertreten fein so^en, geleistet werden. H. Rosen zweig verlas nach Annahme dieser Beschlüsse im Namen der Hitachdnth eine Deklaration, in der aegen deren Ausscheiden aus der' Landes"rganisat'on Protest ein^''legt wird. Hierauf versießen d.e Delegierten der Hitachduth den Beratungöfaal. Es sollte dann ein Referat über „die nächsten Anft'a^n der zionistischen Tätiakr't im Lande", welches Dr. Schmorak erstattete. Abg. Reich referiert? über die politische?a>oe der aaliz'sck-n Jndenbeit und erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit dcs jüdischen Klubs. Auf der Konferenz wurde auch ein Bericht über die- Tätigkeit der Organisation Esra erstattet, die sich mit der Ansbikdung der Chaluzim beschäftigt. Ter Referent Kölker sttllte fest, daß d'e Esra trotz aller Schwierigkeiten in stetem Aufstiege begriffen sei. Ter Esra-Zentrale in Lemberg sei es gelungen, in der Provinz 80 Lokalkomitees ins Leben zu rufen. Die bisherigen Ausgaben betragen 240 Millionen Polenmark. Die Esra habe 2000 Chaluzim organisiert, von denen bereits 500 als qualifizierte Arbeiter für Palästina ausgebildet wurden. Bei den Wahlen in die neue Leitung^ wurden Abg. Dr. Leon Reich zum Präsidenten, Dr. Emil Schmorak, Dr. Geyer und I Ing. Landau zum Vizepräsidenten gewählt. VW i 9269