Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1717 (25.11.1923)
- Date
- 1923-11-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'«r. lfflN_Wat, fthmfafl teil sesthalten, wir tonkn it.it§ einerseits vor jedem Rückfall in' die Inflation hüten, andererseits aber ein Sinken der Krone nicht! znlassen. Die Krone ist nicht gesttegen und wir wollten es auch Nicht. Ebenso fest, wie ich erklärt habe. daß wir ein Abbröckeln des Kvonenwertes nicht zulasten, ebenso fest erkläre ich. dah irgend ein St ei gen der Krone absolut nicht ,n den Intentionen der Regierung liegt, sondern daß wir auch in dieser Richtung ansschließlich die Stabilität des Geldes als unser Ziel ansehen. Bei der Ausprägung von Silbermünze» handelt es sich nicht um eine neue Währungseinheit, schon gar nicht um einen pebevgang auf die Silberwährung. Es handelt sich darum, durch eine gut ausgeprägte Münze von entsprechendem Werte die Schätzung des Geldes und damit den Sparsinn zu wecken. Es wird schon richtig sein, dass wir m gegebener Zeit daran denken, das Publikum dadurch von dem ewigen Umrechnen des Kronenwertes loszulösen." Mit Genugtuung stellte schließlich Dr. Kienböck fest, daß die Stärkung unserer Wirtschaft Fortschritte mache. Wir befinden uns tatsächlich in aufsteigender Linie. Der Minister schloß mit den Worten: Der Staat kann nicht allein alles machen, der Staat muß nur die Grundlagen der Rechtssicherheit schaffen. Er muß trachten, die Grundlage der Wirtschaft zu erbalten und zu pflegen. Er muß gut ^wirtschaften und sparsam wirtschaften, d-mn wird auch das Gedeihen der Volkswirtschaft folgen. (Lebhafter Beifall.) ' Abgeordneter Kollmann (christlichs.) verwies darauf, daß das Bestreben der Regierung, in erster Linie eine Beständigkeit des Geldwertes herbeMführen. die.Grundlac'e geboten hat, ein. geordnetes Budget m schaffen. Di." Betrachtung desselben ergibt ein erfreuliches Ergebnis. Die Gebarung der Hoheit-. Verwaltung fei im Jahre 1924 bereits aktiv. Weniger erfreulich sei die Gebarung der Betriebe. Die weitere Entwicklung bei den Bundesbahnen und den anderen Botriben müsse sich iobr'ii sd gestalten, daß die Investitionen durch Inanspruchnahme des Geldmarktes bestritten werden. Die Berhandlnna wurde sodann abgebrochen. Ans Antrag der Sozialdemokraten wurde beschlossen, üb'r eine Reihe von Regierungsvorlagen erste Lesungen abzuhalten. Nächste Sitzung: Montag den 26. d.. 3 Uhr nachmittags. Me österreichische -Mch»lfri»«r. Versammlung der jüdischen Studentenschaft. Für heute, 10 Uhr vormittags, ist eine Versammmng der jüdischen Studentenschaft in d'e Olympia-Säle (1. B-ez., Rotgasse 6) eiuberufen. In dieser Versammlung wird über die letzten Ereignisse an den Hochschulen in Wien, Graz und Innsbruck gesprochen werden. Diese Versammlung hat den Zweck, den für diesen Staat und seine Geltung verantwortlichen Faktoren in Erinnerung zu rufen, daß die Jn-denischast nicht gesonnen ist, ihre akademische Jugend weiterhin terrorisieren zu lassen, sie wird es als einstimmige Anschauung des Wiener Judentums ausspvechen, daß es in kein er Hinsicht an seinen Rechten rütteln lassen will. Die Lehr- und Lernfveiheit muß für die jüdische Jugend genau so aufrechtevhalten bleiben wie für die Jugend der sogenannten Hausherrenuation. gBtetfer Moraenzettunz. i H e rrenm o dehaus ^i"sMiyeXhofanv®ra.£e» rosset Frack oder Srrtoking aus feinstem engt. Material nus reiner Seide K 2r50Ö.000 Orig. en£l. Herfenanzug nachMass K 1,800.000 Orig.engl.Ragldn, fei tigu.nachMass K 1J200.000 Seidenhemden.. > > K 250.000 Abendhemden mH franz.Piquebrust K 120.000 In. w^isse Raifehemden . . .. . , K 110.000 Engl. WoUwest&n.K 170.000 Her enhiite, beste Qualität . . . K 130.000 Ja. Florsocken ..K 18.000 Seidenkrawatten K 40.000 etc. etc. NUR EINIGE 7 A G E i . Um diese Wistensmeinung möglichst ausdrucksvoll anszudrücken. werden alle jüdischen Männer und Frauen Mens an der Versammlung teil nehmen. Es ist unser aller Angelegenheit, um die es sich handelt, und dies zu dokumentieren werden Vertreter aller jüdischen Gruppen Wiens an der Seite der Studentenschaft erscheinen. * Das Exekutivkomitee der zionistischen Studentenschaft fordert alle alten Herren der. zionistischen Verbindungen und Vereine auf. heute vormittags zu der Versammlung der jüdischen Studentenschaft zu. erscheinen. * ■ Heute, wird sich der akademische Senat der Wiener Universität versammln, um über die Wiedereröffnung des Vorlesungsbetrstbes schlüssig zu werden. Die Verhandlungen mit t>ef Studentenschaft haben, wie schon berichtet, das Resultat ergeben, daß die Völkischen, die in der Hoch'chulkammer die tatsächliche Führung an sich gezogen haben, keine ausreichenden Garantien für die Aufrechtevhaltung der Ruhe geben wollen. Die katholischen Studenten. sprechen sich Segen alle Exzesse aus, während die sozialistischen selbst den Schutz der Hochschulen übernahmen wollen. Die jüdische Studentenschaft, die natürlich hei der Veranstaltung von Exzessen niemals mitwirkt, sprach sich für die unbedingte Aufnahme dex' Vorlesungen aus. Die Beratung des akademischen Senats wird sich, wie wir erfahren, auf den ganzen Komplex der Judenfvage an ,26. November 1923 Güte 8 der Hochschule erst»ecken. Es werden die Beschlüsse deletzten Hochschultages in bezug auf beit Numerus elausuS für jüdische Lehrer und Hörer von neuem durchbefprochen werden. Die völkische Studentenschaft hat deshalb an die ihr nahestehenden Professoren, die dem Senat angehören, di« Aufforderung gerichtet, sich für den Numerus eläusnS einzusetzen. » Ae Derhandlungen der Regienmg mit den Beamten. Unter dem Vorsitze des Bundeskanzlers Dr. Seipel wurden gestern die VerhaMnngrn der Negierung mit dem Achtvrkomitee der Bilndesangestellten über die zweite Etappe der Besoldungsregelung fortgesetzt. Im Laufe der Besprechungen erklärten die Vertreter des Reichsverbandes der öffentlichen Angestellten, der Gewerkschaft der christlichen Angestellten und der nationalen Gewerkschaften na; Grund der wiederholten Verhandlungen, mit der Regierung folgende endgültige Stellung einznnehnren: 1. Me beharren auf dem Wirksamkeitsbeginn der Regelung mit 1. November 1923. 2. Sie halten'eine Verbesserng der Skala für notwendig und schlagen folgendes Schema der Erhöhung der Leistungsbezüge vor: Besoldungsgruppen 1 bis 4 20 Prozent; 5 und 6 25 Prozent; 7 und 8 30 Prozent; 9 und 10 36 Prozent; 11 bis 13 40 Prozent; 14 bis 18 45 Prozent; 19. Besoldungsgruppe und Einzelgehalte 50 Prozent. 3. Sie erklären sich mit einer Suspendierung des Index bis 1. Mai 1924 unter der Voraussetzung e i nverstanden, daß die Regierung im Falle einer unvorhergesehenen und unverhältnismäßigen Verteuerung der Lebenshaltung und insbesondere infolge einer Aenderung Wohnnngsauftvairdes neue Verhandlungen mit den Organisationen in Aussicht nimmt. 4. Sie wünschen eine Erhöhung der Berechnungsgrundlage über das Ausmaß von 158,8 Märzbezügen hinaus. Die Vertreter der freien Gewerkschaften legten ihren Standpunkt in folgender 'Weise fest: Sie betrachten die bisherigen Vorschläge der Regierung als unannehmbar und verlangen: i. Als Berechnungsgrundlage 165,4 Märzbezüge. 2. Rückwirkung vom 1. November 1923. 3. Ein Minidestausmaß der Aufbesserung der Leistungsbezüge von 40 Prozent. 4. Mit der Suspendierung des Index sind sie einverstanden, solange er nicht 5 Prozent des den tatsächlichen Novemberbezügen zugrunde liegenden Index übersteigt. Weiterhin teilten sie mit, daß sie infolge der a blehnendenHaltung der Regierung noch Konferenzen mit ihren Hauptvertrauensmännern aus Wien und den Ländern abhalten müßten und infolgedessen erst am Donnerstag den 29. d. der Regierung ihre -e n tzgültige Antwort geben könnten. Die Regierung erklärte sich bereit, die Vorschläge zu prüfen. Am besten u.billigstenlre iE MeiSchiff mann II., Taborstraße 4& Te*«*»Hqn 47-1 «78 En g ros_En detail Sperntheater. Zum ersten Male: „Der Z w e r g." Ein tragisches Märchen für Musik in einem Akt. frei nach O Wildes „Geburtstag der Infantin", von Geora Klaren. Musik von Alexander Zemlinsky.*) Nachdem die Oper lange Zeit im Bannkreise der Historie .nb des klassischen Altertums befangen war, eroberte sie' sich im Zeitalter der Romantik die bis dahin wenig bekannte Welt des Mythos' und Märchens. Nixen -und Feen, Hexen und Kobolde, Riesen und Zwerge gaben. einen sarbenbnnten, geheimnisvollen Untergrund für die Zauber- und Märchenoper ab, die Götter- und Heldenwelt Richard Wagners bewirkte ihre dramatische Vertiefung, zahlreiche Wa-gner-Epigonen ^brachten bald eine Neubelebung,. bald auch eine Verflachung dieser übersinnlicher: Welt. Namentlich die Zwerge und die ihnen nahestehenden Erdgeister und verwachsenen Mißgestalten boten der Singbühne manche markante Figur. Hans Helling, der dunkle Fürst der Erde, Verdis Rigoletto und Wagners böser Zwerg Mime gehören so in die Ahnengalerie der Wilde- Zemlinskyschen Zwerggestalt, die wiederum mit zahlreichen Gestalten der Schrekerschen Zauberwellt verwandt ist: Der häßliche Schönheitsmensch Alviano in den „Gezeichneten", der ein Elysium der Schönheit ausbauen möchte, und der bucklige, gütig« Hofnarr im „Schatzgräber", der für die schönhcitstrunkene EllL alles hingibt, sind Zeugen dieses tragischen Konfliktes zwischen äußerer Häßlichkeit und innerer Schönheit, den Stephan Zweig in seinem Drama „Tersites" in die Worte faßt: „Der Schmerz, ein Mensch zu sein und doch ihm nicht zu gleichen." Auch in seinem Tanzspie.! „Der Geburtstag der Jnsan-. tut" hat sich Schreker vor Jahren mit diesem Problem beschäftigt, und nun verwendet Zemlinsky das gleiche Märchen für Erwachsene von Oskar Wilde in einer Büh Neubearbeitung von Georg Klaren, welche den Wildeschen Widerstreit zwischen Schönheit und Lasterhaftigkeit noch vertieft. Bei Wilde vergnügt sich die niedliche Prinzessin über die grotesken Sprünge des kleinen Kohlenjungen, den trotz seines ungestalteten KopfeS und seiner krummen Beine alle Tiere des Waldes gern haben, und der ahnungslose Knabe wähnt sich von seiner schönen Fee, bie ihm eine Rose geschenkt hat, geliebt, und stirbt schließlich an gebrochenem Herzen, da er seine lächerliche Mißgestalt im unbarmherzigen Spiegel erschaut hat. *) Klavierausmg und Textbuch des Werkes sind i.»« ^r- H läge fr**. Unwert-Edition erschiene»' ,Jn Zukunft laßt die, die mit mir zu spielen kommen, keine Herzen haben," fogt die zwölfjährige Prinzessin am Ende des Märchens in wenig kindlicher und wenig märchenhafter Herzlosigkeit, und der Bühnenbeavböiter Georg Klaren hat alle Ursache, dieses aufgeklärte Geschöpf sechs Jahre älter werden zu lassen. Die nunmehr 18jährige Prinzessin ist Wildes lüsterner S-lome nahe verwandt, sie begehrt als Spielzeug die Liebe des garstigen, ihr widerlichen Zwerges wie Salome das Haupt >des Jochanaan. Der Zwerg selbst ist, so, lange er nicht der Prinzessin Circe begegnet, ein reiner Tor wie Jochanaan, ein Märchenheld aus dom Morgenlande, der wirklichkeitsfremd in seinen Träumen und Liedern lebt und erist durch seine Liebe zur Prinzessin im Spiegel die. furchtbare Wahrheit seines häßlichen Ich, sein „entschleiertes Bild zu Sais" erblickt. So wird er zum tragischen Gegenspieler einer anderen Wildeschen Figur, des schönen Donau Gray,' dessen Porträt immer, häßlicher und lastechaster wird, und damit im SpiegelmSnschen die eigene, immer wachsende Berkommettlheit anzeigt. Wie der Gedav'ke an Wildes Prinzessin von Judäa den Leser des Klarenisch'n Textbuches begleitet, so wird tnan in Zomilinskys Musik oft und oft an Richard Strauß' „Salonw" gemahnt. Melcher derUsche Musiker vermöchte sich auch heute bei der Vertonung eines derartigen Stoffes dem Strauhschett Einflüsse, namentlich i>n Tonkolovit, ganz zu entziehen! Auch Richard Wagner erscheint in, der Motivik und in der Melodik, etwa in dem schönen Chor der Gespielittnen, tettot das Rheintöchterterzett aus der „Götterdänmterung" tvohl bekannt ist, oder in der Gestatt des Zwerges, der 'bald die Schmerzen des verprügelten Beckmesser mitfühlt, bald aber auch in den Jammer des Liedes von der Erde" hinaibtcrucht. Die selbständige Persönlichkeit Zemlinskys, sein weiter Blick und sein eigener Stil, der einheitlicher, organischer geworden ist, meldet sich namenblich in der souveränen Behandlung des Orchesters mit seiner eigenartigen Harmonik und seiner intevessaitten, reichen, ganz prachtvollen Setailarbeit. Hier wird freilich oft des Guten zu viel getan, das Orchester ist gewissermaßen überexponiert, die Singstimme hingegen unierbelichtet: Auf weite Streckett dehnt sich eine symphonische Dichtung mit Migater Singst-imme, die oft zu stilisiertem Sprechmsattg mit spärlichen Hochpunkten zusamMnschrumpft. Je reicher die Partitur im außerordentlichen technifchen Können ist, desto spärlicher fließt in ihr der nat'nrlicht: Urquell der gchutden, sinnttchen Melodik. Jnttig empfunden /ist das tief traurige Lied to Zwerges und Vig.ebte, aber zerdebnte Duett mit seiner vörnchm verlmttenen Melodik. Leider gehr allntählich der so verheißungsvoll — namenMch in der Rhythmik — einsetzendi Märchenton verloren. um nur fetten, etwa in dem ganz entzückend feinen spanischen Tanz, wiäder aufzuleben. Wir erinnerten uns dabei Zemlinskys schöner Walzer in seinen früheren Opern „Es war einmal" und „Kleider machen Leute", und bedauern, das; der Tondichter diesmal zu volkstümlichen Szenen fast kirre Gelegenheit hatte. Im Gegenteil! An Stelle des einfach, knapp und gerade gezimmerten dramatischen Gerüstes ragt die kontplizierte Symbolik des Märchens empor, welche die Szene mit Bleigewichten belaistot, sie behindert geradezu das melodische Eigenleben und verwehrt der Bühne ihr Recht auf leb-hafies dramatisches Geschehen. — Wie. der Zwerg im Opernbuch an gebrochenem Herzen stirbt, so. werden wohl auch seine Tage aus der Bühne des Operntheaters gezählt sein: Nicht Herzschwäche, sondern melodische und dramatische Unterernährmtg ist sein unheilbares Leiden. Um die Einstudierung des schtvierigett Werkes Hattert sich Kapellmeister Alwin im musikalischen, Regisseur Turn au im szenischen Teile mit viel Liebe angetrommen. Die Prangenden Farbett des südlichen FM)lings auf der Bühne utischtert sich gleichsam in den Chor der Geburtstagsgratulanten, der von Frau Pirchhoff und HEjv Madin mit höfischem Anstande geiführt wrtrde. Mit edlem Spiel bewältigte Herr O estvig die psychologisch und mimisch zwiespältige Rolle des Zwerges, der er auch gesanglich kaum eine Nuance schrtldig blieb, sehr hübsch 'sang Frau Rajdl, deren Stimme netter sich an Ausdruck nutz Schlagkraft gewonnen hat, das uttschüldtg-schttldige Prinzeßchen. Am Schlüsse, gab es für das vornchnte, anregende Werk, das die ausgetretcnett Opernpfade meidet, lehaftett Beifall, für den der anwesende Komponist wiederholt persönlich danken konnte. Auf Zemlinskys unglücklichen ..Zwerg" folgte B n c.c i ui s glücklicher „Gianni Schicchi", in dem nicht nur der lachende Erbe, sondern auch die ganze köstliche Musik aus voll ent Buffo-Herzen zu lachen weiß. Ohne Btttl und ohne Folter erzielt hihr der Maestro starke Wirkung und das Publitttm weiß ihm dafür Dank, der sich auch diesmal in aller Herzlichkeit eirtstellte. In der vom Kapellmeister Neichenberger mit, Schwung geleiteten Neueinstrtdierung fang Herr Jerger mit viel Lamte die Titelrolle, in den übrigen Partien waren die Damen Bor n, M i h a c f e k, H e n d t ke und K >i t t e l, die Herren Mai kl. Gallos und M ark.hoff am richtigen Matz.» < Erwin F e l b e v