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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-24 · Heft 1716 (24.11.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1716 (24.11.1923)
Date
1923-11-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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■ 1 Nr. rn» Men, Samstag krika v. Wagner, Ferdinand Bonn, : Br. Fritz Löhner (Beda), Sberkantor t V.H.Margulke», KonrertmeMer S Nmbler, 2r. Solar Brndiner l wirke« am Sonntag den 2. Dezember bei der des Uoung Jewish Sp ortina Club im Olympiasaal, l., Roth gasse, mit Karten im Vorverkauf: „Wiener Morgenzeitung", Ningcafö, Cafä Arlon (L.-W.), Zionisten-Sektion, Viil., Bennoplatz 1 so»« Tie Verhandlungen mit den Bnndesangefteilten. Nach Schluß der gestrigen Sitzung des Natianasr-cites fand abermals eine Besprechung zwischen der Negierung und dem Achterkomitee der BuNdesangcstell^uorganisa'ionen statt, deren Fortsetzung für heute mittags in Aussicht genomnten wurde. Polen. Kein Koalltionskabinettt. Warschau, 23. November. Die im Auslände verbreiteten Meldnugen, wonach die Bildung eines Koalitionslabiuelts mit dem gewesenen Finangmimster Grabski an der Spitze be- Lbsichtiigl sei, entbehren jeder Begründung. Sie Erbschaft ans der Zaremett. Warschau, 23. November. (Dell, der „Wiener Mongenzeitung".) Wie vor längerer Zeit gamdlbet wurde, hat das frühere Kabinett einen Gesetzentwurf über die Mschaiffnng der noch in den ehemals ruMch.-n Gebieten Polens bestehenden Beschränkungen der Juden eüigebracht. Die Misch? parlamentarische Bertr-et-evschaft führt bereiks seit drei Jahren einen unuMvbrochenen Kamps für die Aushebung der noch bestehenden Bestimmungen des zaristischen Rußlands. Nunmehr hat der Unterrichtsminister Grabski Sen erwähnten Entwurf zurückgezogen, eine Maßnahme, die in der jüdischen Öffentlichkeit Bestürzung hervorgerufen hat. Allerdings behauptet der Untorrichrsminister, daß die Zurückzichung keine Beeinträch'-Mnig der jüdischen Gleichberechtigung bedeute. Die gegenwärtig? Regierung habe die Absicht, an dom Projekte Verbesserungen vorzunehmen. Der Mische Klub beabsichtigt in einer der nächsten Sejmsitzungen die Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Rundschau. Sie deutschen Delegierten vor der RcharationrkommWo». Paris, 23. Ncve-mber. (Wolfs.) DieReParationskom Mission tagte, heute vormittags, um die Erklärungen der deutschen Regierung anzuhören, deren Entgegennahnre L''.cse in ihrer Note vom 24. Oktober ltachgesucht hatte. Für die deutsche. Delegation sprach Staatssekretär Fischer als Vorsitzender der Kriegslastenkommissiou. Er gab ein umfassendes Expose über die finanzi.elle und wirtschaftliche Laeg Deutschlands unter Berücksichtigung aller Umstände, die die jetzige Krise herbeigesührt haben. Die Mitglieder der Rrparationskommission folgten den Ausführungen des Staatssekretärs Fischer, ohne Gegenfragen zu stellen. Es ist anzu nehmen, daß die Reparationskommission in ihre.r Die ns tagsitz ung mit der Erörterung der deutschen Ausführungen beginnen wirb. Der heutigen Sitzung wohnte der amerikanische Beobachter bei. Unruhe« im Ruhrgediet. „ Essen, 23. November. (Tel.-Komp.) In allen größeren Städten des Ruhrgebietes veranstalteten gestern die Kommunisten große Kundgebungen. Riesige Züge Erwerbsloser durchzogen die Straßen und trugen zahlveiche Sowjetfahnen mit sich. Meldungen über Ruhest ö r u n g e n liegen bis jetzt nur aus Essen und einigen Vororten Essens vor, wobei zwei Polizeibeamte getötet und mehrere andere verwundet. Auf Seite der Demonstranten wurden 15 Personen verwundet. Die Zahl der Toten ist Noch nicht bekannt. Auch in Köln entstanden Unruhen. Mehrere Eisenbahnwagen und Lagerhäuser, in denen Lebensmittel untevgebracht waren, wurden ausgeraubt. Zwei Polizeibeamte wurden von der Menge niedergeschlagen und entwaffnet. Gstevn nachmittags zogen plündernde Trupps auf das Land. Gestern nachmittags versammelten sich in Gladbeck die Bergarbeiter sämtlicher Zechen auf dem Marktplatz, um sich zu einem Demonstrationszug zum Rathaus zu formieren. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Eine Person wurde getötet, m e h r e r e v e r w u n d e t. Die Ruhe ist wieder hevgeftellt. Wiener Morgenzeitung. Mische Studenten «Kd Studentinnen! Unverantwortliche Elemente halben an den österreichischen Hochschulen die Lehrnnd Lernsreiheit beeinträchtigt. Es war für jedermann klar und die letzten Vorfälle haben es deutlich bewiesen, daß diese Ausschreitungen sich vorzugsweise gegen jüdische Lehrer rrnd Hörer richteten. Zur Abwehr dieser Angriffe rufen wir euch zu der Bersammtuug Welche Sonntag den 25. November um 10 Uhr vormittags in den Olympia- Sälen, 1. Bez., Rotgasse 5, stattfindet. Jüdische akademische Bürger! Erscheinet vollzählig! Dar ^ek»1ivkv«itet Wischer Studenten. Mm md Mime«! Wir fordern euch auf, zu der großen Protestversammlung recht zahlreich zu erscheinen, welche das Exekutivkomitee der Jüdischen Studenten für Sonntag den 25. November um 10 Uhr vormittags in den Olympia-Sälen, 1. Bez., Rotgasse 5, einberufen hat. ZionMche Lrgauisation in Sesterreich. Union österreichischer stützen. Zsnauklnb nutz Freiheitlich-sozialer Verein. 24. November 1923 Seite 8 Raglans ANZÜGE in feinster Qualität zu billigsten Preisen bei HeinrichWeinb rger I.,Singerstrasse 6 Blutige Ruhestörungen in Msteitzorf. Berlin, 23. November. Gestern abends ist es ln Düsseldorf zu neuen Ruhestörungen gekommen. Die Polizei mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Z a h l r e i ch e P e r f o n e u wurden verwundet., Neuerliche Ruhestörungen und Plünderungen werden auch aus Köln, Steele und Rothausen gemeldet, wo ein Polizeimann getötet worden i;[t. Infolge des Verbotes, Arbeiter zu entlassen, haben die Gruben „Franziska" mtb „Neumühle" auf die Aussperrung verzichtet und die Arbeit wieder aufgenontnün. Auch die Krupp-Betriebe haben die Entlass u ugen aufgehoben. £ Plünderungen in Berlin. Berlin, 23. November. An verschiedenen Stellen der Stadt kam es heute vormittags wieder zu Plünderungen, wobei m e h r e r e. S ch l ä ch t e r e i e n und Bäck e.r e i e n he im gesucht wurden. Bor einer Schlächterei zerstreute die Polizei eine große Mdnscheuansamm'l'.yig, ehe es zu Pliinderungen kann Ein Trupp von zirka zehn Männern und mehreren Frauen, -der geschloffen von Laden zu Laden zog, wuvde f e st g e n o m m e u. Die letzten Krntztz-Direktoren sreigelasset. Berlin, 23. November. Nachdem Krupp und einige seiner Direktoren Strafaufschub erhalten hatten, sind jetzt wie der Kölnischen Zeitung" aus Essen gemeldet wird, auch die letzten Kruppdivektoren unbehelligt von den Franzosen zurückgekehrt. Die Franzosen m u ß t e n dieses Zugeständnis machen, damit die Firma Krupp das mit der Mieum abgeschlossene Abkommen durchführen könne. Main und Wer. Wien als Relalrstatlo«. Aercherungen des Polizeipräsidenten Schober. Ein Sonderberichterstatter des „Pester Lloyd" hat' den Wiener Polizeipräsidenten Dr. Schober über die Verbindungen zwischen den Budapest« Rassenschützlern und den Münchener Mordorganisationen befragt. . Präsident Schober nahm Anlaß, sich in ausführlicher Werse über den Gegenstand zu äußern. Er führte aus: ,/Als die ersten Nachrichten über die P u t s ch p l ä n e in Ungarn und die Verhaftung des Abgeordneten Ulain in den hiesigen Zituugen erschienen und Andeutungen über Verbindungen zwischen Budapest und Wien, beziehungsweise München gemacht wurden, hielt ich es für meine Pflicht, bei den maßgebenden Faktoren Un- .garns anzufragen, ob und inwieweit die journalistischen Berichte zu treffen. Ich sandte vor allem eineDePesche ab, und ließ dieser dann — auf Grund weiterer Preßmeildungen — eine Note folgen. Die Antwort erfolgte bald. Vorerst kam die Entgegnung auf die telegraphische- Anfrage, und in dieser wurde bereits konstatiert, daß eine Derbindung der ungarischen Rassenschützler mit den sogenannten Hakenkreuzlern Oesterreichs nicht festgestellt werden konnte. Gestern traf nun auch die Antwort auf Unsere Note ein, und wir erhielten eine detaillierte Schilderung der Machenschaften der ungarischen Rassenschützler, beziehungsweise -der Gruppe Ulain. Aus dieser Antwortnote geht hervor, daß eine Verbindung zwischen München mtb Budapest seit längerer Zeit besteht, daß diese Verbindung zu gefährlichen Vereinbarungen führte und daß Wien bei den Verhandlungen gewissermaßen eine Relaisstation bildete. Rassenschützler wie rn Budapest oder Hakenkreuzler wie in München haben wir hier in Wien nicht, und ich kann hinzufügen, wohl auch in Oesterreich überhaupt nicht. Bei uns bilden diese antisemitisch gefärbten Gruppen keinr geschlossene Partei. Wir ha.ben Deutschnationale, Monarchisten und Studenten, die scheinbar ein gemeinsames Programm haben, in Wirklichke.it aber einander spinnefeind sind. Eben heute 'haben zwei solcher antisemitischen Gruppen um polizeilichen Schutz gebeten, denn die erste behauptet von der zweiten. und die zweite wieder von der ersten, daß sie einen Ueberfall auf sie Plane. Die Polizei gewährt beiden Schutz, wie es denn mein Prinzip überhaupt ist, xe.de DevsamnAung zu gestatten, aber jode Versammlung auch gegen Angriffe oder Uebevfälle zu verteidigen. Man hat nvir zum Vorwurf gemacht, daß ich eine Versammlung der Inden in der Rathaushalle gestattete/und doch ist es meine liehe rzeuguiug, daß ebenso wie Versammlungen genehmigt werden, in denen die Antisemiten gegen die Juden Stellung nehmen, auch Versammlungen genehmigt werden müssen, in denen die Juden gegen ihre Angreifer Stellung nehmen. Mehr als das: die Polizei nmß mit ihrer ganzen.Kraft dafür sorgen, daß die Versammlungen, die eigentlich bloß die Folgen von aggressiven Aktionen sind, in Ruhe und Ordnung verlaufen können. Bei der erwähnten Versammlung in der Rathaushalle wurde der Versuch gemacht, Skandale herbeizusühren. Es kam zu Streitigkeiten, aber der geplante Protest wurde durchgeführt, und ich selbst habe nrich damals auf den Schauplatz begeben, um dafür zu sorgen, daß den jüdischen Mitbürgern voller Schutz von seiten der Polizei werde. Es scheint, daß man die oppositionellen, "insbesondere scharf gegen die Sozialisten gerichteten Gruppen in manchen Kreisen allzu ernst nimmt. Wie schon gesagt, handelt es sich hier um keine Partei, vor allem um keine starke, und ich glaube kaum, daß die Wiener .Hakenkreuzlgr bei all ihren destruktiven Teüdeuzen viel Unheil anrichten könnten. Mit der größten Kraftanstrengung gelang es den verschiedenen Fraktionen (Monarchisten, Dentfchnationaleu usw. usw.) nach wochenlanger Werbearbeit sechstausend bis siebentausend Menschen zu einer Demonstration auf die Straße zu bringen, was in einer Zweiinilliouenstadt sicherlich kein Kunststück ist, ebenso wie es wieder keiner sonderlichen polizeilichen Vorkehrungen bedarf, um solcher Bewegungen Herr zu werden. Gewiß, wenn es sich in Wien um starke Organisationen handeln, würde, die auf den Umsturz hiuarbeiten, wenn we.iter eine f e st e Verbindung zwischen den Exaltvdos in München und Budapest bestünde, dann müßte man energischere Maßnahmen ergreifen. Doch ich habe konstatiert, «daß unsere Hakenkreuzler — nur das falsche Wort zu gebrauchen, das indes gang und gäbe ist — von dem Putsch in München vorher keine Kenntnis ifyattcn und erst aus den Zeitungen die Tatsachen erfuhren. Ferner habe ich die wohlfundierte Ueberzeugung, daß heute zwischen: den Wiener Hakeukrcuzlern und den Budapester Rassenschützlern keine ernste Verbindung besteht. Doch muß ich hinzufügen, daß vor einem Jahre manche Wiener Exaltados sich mit bis in hohe ungarische Kreise reicherrden Beziehungen brüsteten und in der Tat Pläne 'hattest, die irr g e m e i nsamen Aktion e n mit München und Budapest gipfelten. Diese alten Beziehungen scheinen die Basis jener Kombinationen gebildet zu haben, die auch jetzt be.inr Münchener Putsch und bei den Enthüllungen der Nlaiuschen Machenschaften auf eine bestehende Verbindung und eine genreinsaure Aktion^ schlossen. Wentt aber eine solche Verbindung, wie erwähnt, ehedem l>estand, seit einigen Monaten ist der Draht zwischen österveichischm Hakenkrvuzlern mtb ungarischen Rassenschützlern zerrisse n, und dieser Dräht wird nicht neu geknüpft werden. Dafür sorgt schon die Wiener Polizei, deren von jeder Parteilich- Am besten u. billigstensfe'SS 'S! liSchiffmann II., Taborstraße 48 Telenhon 47-1-79 En gros En detail

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