Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1715 (23.11.1923)
- Date
- 1923-11-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980797--16862-3003815- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Wf. INS Men, Freitag Wiener MorgenzeirunK. 23. November 1922 Seite 8 ».“-LandeszenlralB, Wien Dr. Nahum Goldmaiill H Sonntag,25.November.V211 Uhrvotm. über: „Der Jude und Palästina“ im Gentral-Kino, ll.Taborstr.8a, spricht — o«, ««io. Sie Regelung des Grenrverlehres mit der Lschecho-Slowakei. Budapest, 22. November. (Tel. der „Wiener Morgenfttag".) Die in Budapest geführten ungarisch-tschechischen Verhandlungen über Grengverlehrsfragen wurden heute erfolgreich beendet. Es wurde ein Abkommen getroffen, wonach eine Zone von zehn Kilometer beiderseits der Grenze zur Verhütung von Zusammenstößen von Grenzpatrouillen geschaffen wird. Budapest. 22. November. Wie „Magyarorszak" meldet, doabsichtigt Justizminister Dr. Nagy sich im Dezember nach Prag zu begeben, um gemäß den in Genf zwischen dem Grafen Bethlen und Dr. Benesch getroffene" Verein-- Garungen die Fragen, in denen die t s ch e ch o - s'! o w a k i s chungarische Fachkommission zu keinem Einvernehmen gelangen konnte, mit den kompetenten Ministern zu klären. Jüdische VirMimmen im Budapester Gemeinderat. Aus Budapest wird uns berichtet: Wie in informierten Kreisen verlautet, >hat Innenminister Nak o v s z k Y die Gesetzesnovelle über das Statut des Budapester Gemeinderats bereits fertiggestellt. Abgesehen von einer gründlichen Aenderung der gegenwärtigen Bezirkseinteilung behält das neue Gesetz die geheime-Abstimmung, das Listensystem und die Minoritätsvertretung aufrecht. Bisher gab es im Buda'pester Ge.meind-erat 24 ernannte Mitglieder. Diese Zahl der ernannten Mitglieder wird im neuen Gesetz erhöht, indem nach dem Entwurf noch verschiedene Körperschaften im Gemeindevat ihre Vertretung finden sollen, und zwar, die Notariatskammer, die ALwotatenkammer. die Handels- und Gewerbekammer, die Iwgenieurkammer usw., d'ie durch ihre jeweiligen Präsidenten vertreten werden. Ueberdies sollen auch die verschiedenen Religionsgenossenschaften, so auch fte jüdische., entsprechende Vertretungen in den Ge- Minderat entsenden. _ Pole». 8i» Konrentrationsminifterim»? Warschau, 21. November. Als Ergebnis der Konferenzen, die in der letzten Zeit zwischen dem Ministerpräsidenten Witos und dem Sejmpräsidenten Rat ah stattfanden, und denen eine Aussprache des Kabinettschefs mit dem Staatspräsidenten Wojciechowski folgte, wird die Bildung eines Konzentrationskabinetts unter der Führung des vormaligen Finanzministers Ladislaus Grabski augekündigt. Die neue Regierung, in die Vertreter aller Parteien, somit auch der oppositionellen Gruppen der Linken berufen werden sollen, hätte die Aufgabe, das Sauierun gsProgramm, das bisher verschiedenen Anfechtungen ausgesetzt war, so rasch als möglich durchzuführen. Die Stellung der Finanrministers erschüttert. Warschau, 22. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Sejmklub der ch r i ft l i ch e n D e m o k r a t e n, der der Regierungsmehrheit angehört, faßte in seiner letzten Beratung eine Reibe von Resolutionen gesien die Finanzpolitik des Finanzministers Kn charski. Wie in maßgebenden politischen Kreisen verlautet, dürfte F in an Minister Kitcharski demnächst demissionieren. Als sein Nachfolger wird der gewesene Finanzminisier M i ch a l 8 k i genannt. Zu erwähnen ist, daß sich der vor einigen Tagen gebildete Finanzrat gegen die Sanierungsplätte des Finanzministers Kucharski ausgesprochen hat. Dmowski und Sedda besprechen außenpolitische Fragen. Warschau, 22. November. Im Senatsausschuß fiir auswärtige Angelegenheiten gaben heute Minister des Aeußern D m o w 8 k i und Unterstaatssekretär S e y d a Altfklärungen über einzelne aktuelle Fragen der auswärtigen Politik. Rumänien. Die Verhandlungen mit Rußland werden fortgesetzt. Bukarest, 22. November. (Tel.-Komp.) In den zwischen oen russischen und den rumänischen Vertretern in F i r a S p o l geführten Verhandlungen ist von russischer Seite die Einführung eines Konsularregimes, die Errichtung eines russischen Konsulats in Bukarest und einer rumanischen Vertretung in Moskau vorgeschlagen worden. Die Russen haben weitere Vorschläge über einen Warenaustausch gemacht, wobei Odessa als Umschlagplatz in Aussicht genommen wird. Rumänien fordert als Voraussetzung ein v o l l st ä ndiges politisches Arrangement zwischen Rußland und Rumänien, worunter in erster Linie die o f f i z i e l l e AnerkeunungdesAnschlusseSBeßarabienS an Rumänien verstanden wird. Die Verhandlungen werden in TiraSpol am 27. November fortgesetzt werden. Rundschau. Sine Wische SMerbundliga. Paris» 22. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Das ÄvR»ttee -er jüdische« Delegationen trifft Dorderoilunaen zur Gründung einer jüdischen Liga für Menschenrechte «nd für den Völkerbund. In dieser Angelegenheit wir- -er Prüft- -ent des Komitees» Serr S o ft o l o w, demnächst ein Zi> kularichre'beu an die jüdischen Aationalrüte» <Semeinöeverbän-c und an andere hervorragende jüdische Körperschaften richten. Das Komitee hal bereits einen enlfprechendcn Stalulenentmurf ausgeardeitet. Da» Sekretariat des Komitees bereiter die Veröffentlichung eines reichhailisen Materials in dieisr Angelegenheit vor. (Wie wir vernehmen, soll im Zusammenhang mit dieser Frage Herr M o tz k i n in den nächsten Tagen in Wien eintreffen. — Die „W i e n e r M o r g e n z e i t u n g" war das erste jüdische Blatt, welches auf die Notwendigkeit der Schaffung einer jüdischen Völkerbundliga hingewiesen hat.) Der amerikanisch-Wische Kongreß für die Fuden in Deutschland. Aus New-Aork meldet I. T. A.: Das Bureau des amerikanisch-jüdischen Kongreß unter dem Vorsitz von Dr.Stephen S.Wise beriet vor einigen Tagen gemeinsam mit Mitgliedern des administrativen Komitees über die antijüdischen Ausschreitungen in Berlin urrd anderen Teilen Deutschlands. Das amerikanischeStaatsdePartementhat dem Bureau des amerikanisch-jüdischen Kongresses seine Anteilnahme an der Lage der Juden in Bayern bekannt^ gegeben. Der amerikanisch-jüdische Kongreß hat sofort, nachdem die Ausweisungen von Juden aus Bayern einsetzten, mit dem Staatsdepartement in dieser Angelegenheit korrespondiert. Der König von Griechenland reist. Bukarest» 22. November. (Tel.-Komp.) Die „Agence Lux" erfährt aus französischer diplomatischer Quelle, es sei mit der Wahrscheinlichkeit einer Abreise des griechischen Königspaares in das Ausland zu rechnen. Die republikanische Bewegung sei in ständiger Zunahme. Tagerbericht. LioWe» voran! Der Wiener Werbemonat für den Keren Hajessod. Die „Wiener Morgenzeitung" hat den Aufruf veröffentlicht, welchen das Direktorium des Keren Hajessod (Palästina-Aufbaufonds) in London erlassen hat. Er spricht eine eindringliche Sprache. Wenn das Palästina-Budget dieses Jahres gedeckt werden soll, wenn die Jndenheit der Blüte der jüdischen Jugend, den Pionieren in Palästina genügend Arbeitsgelegenheit schaffen, wennsie verhi ndern will, daß nicht Rückschläge eintreten, dann müssen die Keren Hajessod-Emgänge weit reichlicher fließen, als bisher. In Oesterreich ist die Werbearbeit für den Palästina- Grundfonds in vollem Gange. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage sehen immer weitere Kreise des Wiener Judentums ein, daß für den Aufbau in Palästina Opfer» l e i st u n g e n dargebracht werden müssen. Besonderen Eindruck machten die Ansprachen des Direktors der Deutschen Bank, des Geheimrates Oskar Wassermann, der feilt Zionist ist, aber erkannt hat, daß die Erneuerung des Judentums in Palästina das wichtigste Postulat der über der ganzen Welt zerstreuten Jndenheit ist. Auch die Erkenntnis, daß die Apathie der Jndenheit gegenüber dem idealen Werke der Rückkehr des Judentums zur Urproduktion, dem heroischen Werke unserer Jugend, Wüstenboden zu kultivieren, Straßen zu bauen und sich auf palästinensischer Erde zu verwurzeln, dem Judenhaß neue Nahrung znftthren müßte, setzt sich überall durch. Den Zionisten vor allem muß es jetzt heilige Pflicht sein, mit Opferleistungen voran zu gehen. Tatsächlich haben sich neuerdings Zionisten Wiens in einer Weise für Erez> Israel besteuert, die wahrhaft vorbildlich ist. Je tatkräftiger sich die Zionisten an der großen Wiener Aktion beteiligen, um s o re'cher werden die Beträge sein, welche nichtzionisti sche Palästinafrennde für das allen Juden -gleich teuere Aufbauwerk leisten. Z: onisten voran! Das Bureau des Keren Hajessod befindet sich Wien, 2. Bezirk, Taborstraße 20 a. Der Ku-Klux-Klan. Wie „D a i l y M a i l" berichtet, wurde der Gouverneu r des amerikanischen Staates O k l o h o m a, John C. W al to n, der einen energischen Kampf gegen den Kn-Klnx-Klan ait* gekündigt hat, vom Senat als Gerichtsforum seiner Stelle enthoben. Der Gouverneur verhängte über mehrere Teile des Staates, wo seiner Auffassung nach Mitglieder des Ku-Klux-Klan die friedlichen Bürger belästigten, den B erläge rungszu st and. Der Senat konstatierte in seinem einhellig erbrachten Urteile, daß sich der Gouverneur bestechen ließ, seine Pflicht versäumte, einen unmoralischen Lebenswandel führte, überhaupt seines Amtes unwürdig ist. Walten wird gegen das Urteil an den Obersten Gerichtshof appellieren. Er erklärte, der Senat habe dieses Urteil erbracht, weil mehrere Senatoren Mitglieder des Ku-Klux-Klan seien. tzine katastrophale Sturmflut in Fudien. Hunderte Tote. Nach einer Meldung aus Kalkutta sind an der Koromandelküste durch eine Sturmflut f ü n fzigDörfer vollständig vernichtet worden. Es werden Hunderte von Toten und Verwundeten gemeldet. Der Eisenbahnverkehr ist auf weiten Strecken unterbrochen. Der Rordpol-Kool eingesperrt. New-Pork, 22. November. (HavaS.) Der Forscher C o o r ist wegen unerlaubter Spekulationen zu einer G e f ä n g n i 8- und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. * Cook hat seinerzeit durch seine unwahre Behauptung, den Nordpol entdecke zu haben, viel von sich reden gemacht. Das Warenhaus des Zentrums. Obwohl die schlechte Lage des erst vor wenigen Wochen neugegründeten Warenhauses des Zentrums auf dem Schwedenplatze ein öffentliches Geheimnis in der Wiener Kaufmannschaft gewesen ist, bildet dennoch die Affäre seines Ni-ederibruchs allgemeinen Gesprächsstoff. Bei der Wirtschaft^- Polizei nahmen vorgestern abends die Einvernahmen der Verhafteten und zahlreicher Auskunfts- Personen die Zeit bis lange nach Mitternacht in Anspruch, Sie wurden durch den Vorstand des polizeilichen Wiröschaftsamtes Hofrat Dr.Zorn und Polizeirat Dr.Fried geleitet. Erst nach Mitternacht gewann man ein halbwegs klares Bild, und man konnte dann auf Grund der Ergebnisse der Verhöre und der Angaben, die von den Gläubigern gemacht tvnrden, zwei der verhaftet gewesenen Chefs, die Brüder Mark und Salo Feller, wieder auf freien IFuß setzen. Die Untersuchung gegen sie wird aber weiter fortgeführt und sie müssen sich ständig zur Verfügung der Wirtschastspolizei wie auch des Gerichtes halten. Um sie an einer eventuellen Abreise zu verhindem, wurden ihnen die Reisepässe abgenommen und Borsorge getroffen, daß sie keine neuen Pässe erhalten könnet:. Die beiden ändert: verhaftetet: Firmenchefs JsidorFeller und Moritz Bilgnrey wurden nach Abschluß der Verhöre gegen 1 Uhr morgens von der Wirtschastspolizei dem Polizeigefangenhans übergeben und gestern vormittags wieder znr Wirtschaftspolizei zurückgebracht. Der dritte Bruder Benjamin Fell er, ebenfalls Chef der Firma, hat, wie schon berichtet, kürzlich die Flucht ergriffen. Er hat nicht nur reiche Geldmittel, sondern 'auch wertvolle Waren mitgenommen. Die beiden andern in Polizeihaft befindlichen Firntenchefs werden nach Abschluß der Erhebungen dem Landesgerichte eingeliefert werden. Das Warenhaus selbst blieb auch gestern geschlossen «und haben sich dort im Laufe des Vormittags Polizeirati Dr. Fried mit den Sachverständigen der Wirtschaftspolizei Prokuristen Steiner und Professor E i n ö h r l eingefnnden, um eine Inventarisierung des Warenlager s vorzunehmen. Diese Arbeit wird natürlich 'einige Tage in Anspruch nehmen, da sie nicht so rasch durchgeftthrt werden kann. Erst dann wird ein genauer Ueberblick über die Aktivbestände möglich sein. Soweit die ersten Feststellungen ergaben, ist das Warenlager ziemlich teichhalt i g. Die Gläubiger sind zumeist Wiener Firme n. doch befinden sich unter ihnen auch Firmen ans der Schweiz und aus Deutschland. Interessant ist die Feststellung, daß. obzwar das Warenhaus erst vor wenigen Wochen gegründet und eröffnet worden war, schon ein Abbau der Angestellte!: dnrchgeführt wurde; ein Teil derselben war bereits entlassen, ein anderer Teil gekündigt, so daß jetzt mir niehr' 60 Angestellte vorhanden waren, deren Jiiteressen natürlicl' ttlnlichst gewahrt werden sollen. Die Gläubiger wollen eine Konkursverhängung, wenn irgendwie möglich, vermeiden, und es ist Stimmung dafür vorhanden, einen außergerichtlichen Ausgleich anzustreben, um die großen Kosten einer Konknrsmassenverwaltung zu ersparen. Am besten u.billigstensf.“1',! MWI»W»««iI Iw Schiffmann ll„ Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En dataii 0170