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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-22 · Heft 1714 (22.11.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1714 (22.11.1923)
Date
1923-11-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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NK. vm Wien, Donn-ekSiag Wiener Morgenzeitung. 22. November 1923 ©elfe 8 W^Modellhaas^Hi GICHNER Okkasions-Verkauf in neuesten Modellen von NachmittagsAbend- und SWa8*entoiletten tief unter dem Er zeug ungspr eise! T*1 71 /TT W* Mariahilferstr. 37, /. St. _ 1 //'U vis-a-vis Stiftskirche ' 1^1/ Cto parle frtmzaue Gnglith spoken Sot Warenhans der Zentrums gesperrt. Die Eigentümer verhaftet. Die Wivtfchaftspolizei hat gestern das erst vor wenigen Wochen neu errichtete Warenhaus des Zentrums A.--Ä. aus dem Schwedenplatz, in den ftüheren RäuMn des Cafe Edison, gesperrt und vier Mitglieder der Familie dieses Warenhauses, Salo, Marko und Israel Feiler und Moses Bilgorai verhaftet. Gegen die Inhaber des Warenhauses ist eine Reihe von Betrugsa»zeigen erstattet worden und die Anzeige ergeben den Verdacht, daß betrügerische Krida vorliegt. Die Summe der Verpflichtungen des Hauses wird auf 25 Milliarden geschätzt. Hierzu erfahren wir: Seit ungefähr 14 Tagen war die Wirtschaftspolizei von vertraulicher Scite darautf aufmerksam gemacht worden, das; im Betriebe des Warenhauses des Zentrums nicht alles seinen geregelten Gang finde. Die Wirtschaftspolizei fand jedoch feilte Handhabe zum Einschreiten, da keinerlei konkrete Anzeige vorlag. Im Laufe des gestrigen Tages wurden nun drei Anzeigen gegen die Inhaber des Warenhauses erstattet, die derart gravierende Momente aufwiesen, daß die Wirtschaftspolizei gestern einschritt, das Geschäft sperrte und vier Mitglieder der Familie in Haft nahm. Weitere Verhaftungen stchen bevor. Die Anzeigen beschuldigten insgesamt die beiden Fellrr der sogenannten ,-Dchlittenfahverei". Darunter ist jene Art unlauterer Geschäfte zu verstehen, bei welcher in großen Posten angeschchfte Waren nicht bezahlt und tief unter dem Einkaufspreis verschleudert werden. Die sogenannten Schlittenfahvereien wurden hauptsächlich durch Verschleudern von Seidenwaren verübt. Es ist vordechand noch nicht möglich, einen genauen lleberblick zu gewinnen, denn nach der Sperrung fand sich bereits vormittags eine ganze Schar von Gläubigern bei der Wirtschastspolizei ein, die Betvugsanzeigen erstattete. Die Jellers betreiben derartige Geschäfte in großem Amfang: sie sind vor zirka zwei Jahren mit einer bedeutend» Summe, man spricht von 1,5 Millionen Schweizer Franken, nach Wien gekommen und haben sich hier an verschiedenen Punkten der Stadt etabliert. So gehörte ihnen unter anderem auch das Warenhaus Louvre, das an Stelle des alten Geschäftes „Au Mikado" in der Schulerstvaße trat, ebenso ein Geschäft in der Seitzergasse. Es ist sehr schwierig, der Familie Fester bevzukommen, da die einzelnen Familienmitglieder untereinander Schiebungen mit Geschäften und Lokalen machen, und e8 fast unmöglich zu eruieren ist, wer von ihnen momentan als Inhaber des Geschäftes fungiert. Kalte», heiterer Wetter. 3tt Oesterreich war es gestern früh heiter und kalt. Die Morgentemveraturen sanken in exponierten Lagen unter —10°. (Wien hatte.nur — 3°). Tagsüber blieb es meist heiter, 'nur in Wien war es etwas stärker bewölkt. Die Temperatur streg nur wenig über Null. Voraussage r Wettercharakter anhaltend, Morgenfrost, tagsüber kalt, Bildung von Nebel. Sie LeiensmittelmSrtte. Leicht« Preisrückgänge für Rindfleisch. Nach b.'n letzten Preisrückgängen auf dem Rindermarikt Wflr eine bedeutendere Verbilligung zu erwarten, die jedoch nur leihweise emgetreten ist. Sbellvnwetzst würbe gestern Rindfleisch auch vm Kleinhandel um 500 bis 1000 K. pro Kilogramm billiger NbgM-ben. Sonst b.loben die Preise für alle übrigen Fleischgatbuugen unverändert. Die Zichchvvn an Fleisch sind anhaltend gut, gestern sind mit der Bahn in der Großmavkthalle 16 Waggons eingelangt, die hauptsächlich Rindfleisch enthickten. Auf den Griinwarenmärkten war eine Knappheit an Kartoffeln zu beobachten, da die Zufuhren gering ausgefallen waren. Man nimmt jedoch an, daß es sich um eine vorüber-- gchende Erscheinung handelt und daß keim Anllaß vorkivgt, mit den Preisen andiesem Grunde in die Höhe zu gehen. Trotz der schwächeren Kartofsel^chuhren konnte der B.ldarf aus allen Mäckfen voll gedeckt wenden. Sehr günstig sind" die Zufuhren von tischecho-llowikischen» Weißkraut, was im Großhandel «ine Preissenkung um 100 bis 160 K. pro Mogrcmrm gur Folge 'Hanfe. Sonst blickban die Preise unverändert. * Falsch eTauseudlirenoten. Bor LuWm wurde der falsche Zahnarzt Dr. Knosfer verhaftet, weil er im Verein mit dem Triestiiier Fichiwtrker Pettarinund dem Zahntechniker Gustav Iohnscher au verschiedenen Orten fMche Tausvwdli-renoten in Verkehr gesetzt hatte. Im Znisommerhang mit dieser Angelegenheit wurde nun auch der m§ Österreich albgeschMe, amgMiche Agent Karl Schöne und der angMiche Kauftnann OSkar Semrad verhaftet. Es wurde felstgvstellt, daß Schöne in der letzten Zeit eine ihm von Semraid Wengch-kne falsche Tausenndlirenote ansgegeben. Es liegt der Verdacht nahe, idaß Schöne und Semrad noch weitere Falsifikate in Umlauf gesetzt haben. Wie erhoben wurde. hat Semrad auch aus andere Weife einen Gaunerstreich geplant. Er war nämlich bemüht, einen Finan-zmann zur pekuniären Unterstützung einer Expedition nach der Insel Brioni zu finden. Semvad erzählte den Leuten, die er für seine Expedition interessieren wollte, daß aus Brioni sine Pevlenikettze im angMichen Werte von 70.000 Lire vergraben liege. Nach feiner Böhauptun-g hat Svmvad mit einem gewissen Anton Zomlkovie im Marx; d. I. einen Einbruch in der.Billa Otto.'auf BriMi ausg^Wvt. Der Streich soll reiche Beute an sehr wertvollen Schmuck gebracht haben. Die Perlenschnur habe Semrad aus einer eilt* Kirnen, u-nibswohnten Insel vor Brioni vergraben. * Das Zettelanstragen gebührenpflichtig. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft macht im Hinblick auf die bevorstehende Weihnachtsveklame, darauf aufmerksam, daß die Gemeinde Wien mit Rücksicht auf die durch das Zettelaustragen verursachte Verunreinigung der Straßen eine Reiniguugsgebühr von 26.000 K. pro Tag und Zettelausträger einlwbt. Zu diesem Betrag kommt noch eine 30prozentige Abgabe sowie ein Kanzleipauschale. Zur Vermeidung von Beanstandungen empfiehlt es sich daher, das Zettelaustragen ordnungsgemäß bei der Gewista, 1. Bez., Iasomirgottstraße 2, anzumelden. Die Angabe über Druck- und Verlagsort, des Namens oder der Firma des Druckers oder Verlegers ist bei den rein gewerblichen Zwecken dienenden Reklamezetteln auf Grund des neuen Preßgesetzes nicht erforderlich. lNachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „vereine" sind entgeltlich.) * Tmtzinflitul Kermauu Braun» 14. Dez.» Deindorfgafle 42. * Lepplebhaus Weitzner» VI., Mariahilferstraße 105, kommt bei Einkauf von Teppichen, Decken, Vorhängen usw. in allererster Linie in Betracht. Vorzügl. Tevviche aus reinem Wollmaterial, Größe 2X3 K. 295, Größe 260X350 K. 395, warme Fensterschützer K. 38, Seidenclotb-Steppdecken K. 176, Flanelldecken K. 66, Bettvorleger K. 19, Doppelbettdecken K. 90, Madrasvorhänge K. 95, Scheibenvorhänge K. 5, Bettgarnituren K. 190, Bonnes femmes K. 88 usw. Größtes Lager in -chten Maffersdorfer Argamanteppichen zu konkurrenzlosen Preisen! Preise in Tausendern. Vereine. Vortriige und Versammlungen. Zionistische SektionZwischenb rücken. Einschreibungen in die hebräischen Kurse für Kinder und Erwachsene heute, 7 Uhr abends, im Vereinslokale, 20. Bez., Allerheiligenplatz 17. — Die Zionistische A r b e i t sparteiHitachduth eröffnet Gratiskurse in Hebräisch (für Anfänger nnd Fortgeschrittene), in Geschichte, Literatur und Palästina-Geographie, wie auch in hebräischer Stenographie. Anmeldungen täglich von 7 bis 9 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr (Glockengüsse 30) bis zum 1. Dezember. — MiSracki, Bezirk S g r n p p e L e o p o l bst a d t, Sprengel II. Heute um 7 Uhr im Restaurant Barscheck. 2. Bez., Große Schiffgasse 3, Vorstandssitznng. — HebräischerKlub, 2. Bez., Taborsttaße 1. Samstag den 24. d. um halb 8 Uhr abends Vortrag Prof. Dr. S. Baron über: „Die Förderung der jüdischen Gemeinde". Hierauf Chor. Gäste willkommen. Urania. Heute: GroßerSaalr 5 Uhr: Nanuk, der Eskimo. Halb 8 Uhr: Deutsche Volksspiele (Hamburg): Mittelalterliche Mysterienspiele. Dar Paradeisspiel. — Seth, die goldene Legende der Verheißung. Kleiner Saal: 6 Uhr: Dr. Helene A n d e r l e : Physiologie und Hygiene der Frau. I.' Halb 8 Uhr: Maler-Radierer Prof. Ludwig Michalek: Kupferstich, Schabkimst, Radierung. Kurssaal: 5 Uhr:Prof. Dr. Oswald R p ffir Vom Sinn der Träume. II Halb 7 Uhr: Dr. Fritz Zerner: Größe nnd Bau des Weltalls. II. 8 Uhr: Univ.-Doz. Dr. Kurt E h r e n b « r g : Die „Fossilien" in Sage, Volksglauben und Wissenschaft. II. K l u b f a a l: Halb 8 Uhr: Alte und neue Erzähler. VIII. Elisa 'K a r a u Sr Otto Rung. Zweig st ekle Landstraße, 8. Bez., Radetzkystraße 3, Lehrsaal A : 5 Uhr: Theoretisch-praktische Kammermusikkurse. Zweiter HedräischknrS des Jü-ifcken Sckmlvereirre» (Fortgeschrittene). Nebst dem HebräischkurS für Anfänger eröffnet der Jüdische Schulverein demnächst einen zweiten Kurs fiir Fortgeschrittene, in den noch einige Teilnehmer ausgenommen werden. Die Reflektanten sowie die bereits /Angemeldeten erscheinen S a m 8 t a g d e n 2 4 d. um 7 Uhr abends im Kurslokal, 1. Bez., D r a h t g a s s e 4, zu einer BesprechMg. tzrita v. Wagner, Ferdinand Vom», Dr. Fritz Löhner iBeda), Sberiantor S.H.Margnlies, Konzertmeister Zimbler, Lr.Lskar Bendiner wirken am Sonntag den 2. ezsmber bei der , » H des Houng Jewish Sporting Club " , im Olympiasaal, I., Rothgasse, mit , , Karten im Vorverkmf: „Wiener Morgenzeitung", Ringcafe, » > Cafe Arlon (L.-W.), Zionisten-Sektion. VNI., Bennoplatz 1 » mmmmm,,,,mm,mm Bühne und Knnst. Meister Ttzrott. Meister Throlt ist 75 Jahre alt geworden. Er hatte sich bereits' hinter seinen Schveibtifch zurückgezogen nn>d seine, weise, lebensvolle Ermnerungsblätter geschrieben. War es die Not der Zeit oder die Freude an seiner Kunst, die ihn zur Bühne zurückführte? Für alle Fälle haben w'.r ihn wieder ulld die dielen, vielen Theaterbesucher, denen er im Deutschen Volkstheater in den letzten Monaten Stunden der Erhebung, der Rührung und d'es befreienden Lachens schenkt^ wissen ihm Dank. Drei Meister mit gleichen Arrfangsbuchstaben, Throlt, Thimig, Thaller, diese drei jugendlich Frischen mit Silberpaar, sind jetzt verehrungswürdige Vermittler echter Wesenhafter Bühnenkunst. Es geschieht den beiden anderen fein Abbruch, wenn man Throlts Meisterschaft noch um einige Grade inniger liebt. Jugendlich stark ist das Feuer, das in ihm glüht, wenn er znm Exempel im „Privatdozenten" die Empörung des in 8 errenmo deh&as c fc&ttfUtrhof am@rdi( Grosser ^erienverkauf! Frack oder Smoking aus feinstem engl. Material aus reiner Seide Orig. engl. Herrenanzug nach Mass Orig.engl.Raglan, fertigu.nadiMass Seidenhemden . .. Abendhemden mitfranz.Piquebrust Ia. tveisse Ragehemden. Engl. Wollwesten . . .... . . Herrenhüte, beste Qualität » . Ja. Florsocken ......... 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BolkStheater veranistaltet, kein Abschied. Man dankt einem, der jetzt auf der Höhe steht und zufällig sein 75, Lebensjal,r volle.nde-t hat. Bildende Kunst. Dße Gesellschaft zur Förderung moderner K u n st hat unter Mitwirkung der Kunst- Handlung Nebehay im Dhesvus-Tempel des Volksgarteus eine kleine Kollektion von Werken Georg Kolbes — 12 Plastiken und eine Reihe von Zeichnungen — Es gestellt. Kollie kennt man als eine der starHeu Begabungen der neueren deutschen Generation; er ist einer, der unablässig den Weg nach der Höhe sucht, und auch diese beschränkte Sammlung zeigt ihn als den Bezwinger aller Widerstände aus dem Wege von der toten Masse zum beseelten Werk. Irgend eine serrrer Broten, die man hier sieht, wiegt ganze Serien landläufiger Plastik aus, .die unsere Ausstellungen zu bevölkern pflegen. Einfachheit nnd herbe Strenge, innere Harmonie und ein aus die einfachste Form biogener Ausdruck seelischer Zustände charakterisieren diesen Bildhauer, dessen Zeichmngen von gleichen Tendenzen getragen wie seine Plastik mit allereinfachsten Mitteln den Eindmck von geradezu überraschender Ursprünglichkeit Hervorrufen. In der Lukas-Galevie auf dem Josefsplatz hat der Maler Philipp Friedrich Kaufmann eine Kollekbivausstellung untergebracht. Es sind meist kleinere, bescheidene Arbeiten, Landschaiftliches, ^Interieurs und Stillleben, tüchtig im Handwerklichen, solid in der Faktur und, sauber in der Ausführung. Der Maler wandelt allzu stark in seines Vaters, Isidor Kaufmann, Bahnen; - hier täte, noch Emanzipation und Selbstbestimmung not, weil auch Pietät künstlerischer Entwicklung i>m Wege stehen. Kaufmann verfügt jedenfalls über ein solid-'S Können, von dem man manches Gute erwarten darf. r. d. Aus den Matern. B u r g i Ii e a t c r. Morgen, 7 -Uhr abends, „S a p p $ Akademietheater. Morgen, ljS Uhr abend« „Wölfe in der Nacht". Volksoper. Jeuie „R i g o l e t t o" mit SigiSmoudo Z a l e s ch i als Gast. — Morgen ^Freitag) „Hoffmanns Erzählung« n". ImDeütfchenVolkStheatrr spielt Alexande: M o i f s i beute den Hamlet und SamStag den 34. d. den Baron in dem neneinstudierten Don Juan-Spiel „U n t e r w e g 8" von Thaddäus Rittner. Im Raimund-Theater spielt heute Leopoldine K o n st a n t i n in MolnarS „F. a s ch i n g". — Samstag den 24. d., 3 Uhr nachmittags, geben als Schülervorstellung Shakespeares Poffe „Die Komödie der Irrungen" und Goethes „D i e G e s ch w i st e r" in Szene. Im C a r l - T h e a t e r gastiert morgen (Freitag), 7 lllit abends, Alexander Moissi nüt dem Ensemble des Deutschen BolkstheaterS in den Einaktern „Paracelsus" von Artur Schnitzler und in der Komödie „Er i st a n a l l e m s ch nl d" von Leo Tolstoi. In der Jüdischen Bühn e, 2. Bez., Taborstraße 12, wird heute „Nicht geborene Kinder" von Dymow mit der amerikanischen Künstlerin Henriette Schnitzer in der Hauptrolle aüfgeführt — Freitag den 23. d. gelangt Zolatarewskis Drama „21 jeder Frans Ve r l a n g e n" mit Henriette S ch n i tz e r in der Hauptrolle zur ersten Aufführung. «viel,» Auswahl neuester Peizmodeiie in sämll. Peisarten - Pariser ».Wiener Geschmack vereint - | erseugt nur in eigenen Werkstätten» unter pers. * &e8tu»n des bestrewommierten Inhabers der Firma

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