Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1712 (20.11.1923)
- Date
- 1923-11-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekk ■:! Wseu, Diensürg Tagesbericht. Sie ziomftenhetze im „Daily Expreß". Die Rolle des Agu-isten de Haan. Ans London wind nnS geschrieben: Seit geraumer Zeit ist in zionistischen, aber auch in jüdischen Kreisen, die außerhalb der Zionistischen Organisation stehen, die gehässige Art sehr mißliebig ausgefallen, in welcher der „Daily Expreß" die zionistische Frage behandelt und im allgemeinem zum jüdischen Problem Stellung nimmt. Die Jerusalemer Berichterstattung des genannten Blattes läßt kerne Gelegenheit borübergehen, um der: Zionisten eins am Zeug zn flicken und sich zum Sprachrohr der arabischen Extremisten herzugeben.?tNilmehr erfahr: man hier, daß der Jerusalemer Vertreter des „Daily Expreß" der bekannte Agudist Dr. de Haan ist, dessen Praktiken man bei früheren Anlässen gerrügend kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Man braucht im Gbnnde genommen nickt überrascht darüber zu sein, zu welcher Rolle sich wieder einmal Herr de Haan hergibt, aber es ist gut. daß diese Anonymität gelüstet wird. Was sagt aber 'die Armda m diesem ihr«! Gefolgsmann?! Erdbeben in Frankreich. Ans Pari § wird gemeldet: In den Departements Ha nt«-Ga rönne, Gers, Gironde, Meran lt, Darn-et-Garönne sind heftige Erdstöße verzeichnet worden. General Haller in Amerika. Ans D o st o n mcibct I. C. B.: Die jüdischen Organisationen in B o st o n haben bekanntlich bei der Stadtvertvaltung gegen den geplanten festlichen Enrpfang des in Amerika weilenden polnischen Generals Haller protestiert und ans die antisemitischen Pogrome der Haller- Soldaten in Polen hingewiesen. Die jüdischen Organisationen wurden durck die Stadtbevrvaltung aufgesordert, düs Material gegen Haller einzurcichen. Das jüdische adongreßkomitee hat dieses Material zusammengestellt und der Eladiverwalrung überreicht. Dar jüdische Hilfrwerk in Palen. Rückkehr zur Roiabelnwirtschaft? Aus der letzten Direktoriumssitznng der Jointzen- /Tak in New-Igrk wurde der Beschluß gefaßt, sämtliche Hilfsgelder des Körnt für P o I c u einer gcmctnfainen V e r w a lt u n g Z k o m m i s s i o ir des Joint, der I c a und des V i c t i m s F u n d in London zu übergeben. Diese gemeinsame Vevlvaltung müßte zu ihren Arbeiten in Polen prominente Persönlichkeiten zuziehen. Auf diese Weise will nian die ganze Hilfsarbeit in Polen in bic Hände einer kleinen Gruppe sogenannter N ot a b c l n legen. Die jüdische Presse in Polen, die bereits von diesen! Beschluß Kenntnis hat, leitet eine scharfe Kam-' pagne gegen diesen Beschluß ein, da die polnische Judenheit ^ichr gewillt sei, sich vollkommen einigen Notäbeln auszu- Vrcnt, auch wenn ihr vom Ausland Hilfsmittel zur Ber- ^Hnng gestellt werden. Hakenkreuzler im Saude. Aus Wiener-Neustadt wird uns gemeldet: In dem /on hier nach Wien abgehonden Abendzug spielten sich vor einigen Tagen aufsehenerregende Exzesse ab. Vier Hakenkreuzler aus Mattersdorf belästigten eine allein sitzende Dame derart, daß sie aufstand und einen anderen Platz cinnahm. Als trotzdem einer der Burschen die Dame weiter belästigte, nahmen sich die Schauspieler I u n gm i ch l und D o n l e ihrer an, worauf alle vier auf die bpiden Schauspieler losgingen, sie beschimpften und tätlich mH den Worten bedrohten: ,„Kurzen Prozeß machen mit den Jndenbengels, in Wien abfotzen und mn nächsten Kandelaber a u f h ä n g e n." Darauf kamen die K ondnkteure, welchen gegenüber zwei der -Hakenkrenzler ebenfalls eine aggressive Haltung einnahmen, so daß in L e ob e r s d o r f die G e n d a r m e r i e einschreiten mußte. Einer der beiden Helden wollte davonlaufen, wurde aber von der Gendarmerie eingeholt. Auch der (Gendarmerie gegenüber benahmen sie sich exzessiv und erst, als rnan ihnen mit der Auswaggonierung drohte, konnte ihnen das Nationale 'abgenommen werden. -Die Exzesse nahmen jedoch auch nach Leobersdorf Weiterungen an, so daß die Gendarmerie den Zug nach Wien begleiten mußte. Der Lohnkampt der Metallarbeiter und Fnduftrieangeftellten. J,n Bevl«use des gestrigen Tages erschienen über Einder Regierung nacheinander die Vertreter des Wiener Jirdustriellenverbandes, der ftctocrffchastskmmnisston Oesterreichs, des OelsterreichischM NökwllatzbeiterverbMitdes, des Bundes der Industrieangestellten, des Zentralverbandes christlicher Angestellter Oesterreichs, des Reichsvereins der Pvivatbeam- :en Oesterreichs und der Gewerkschaft der Ingenien re in PrivmÄiemten sowie des Den ssÜMti analen HaMunysgvhHen- Verbandes sD. H. P.) im Bundesministerium für soziale Verrväl-rnng unb legten den Mitgliedern der Regierung Bundesnrinistcr' für soziale Benvalnnrg S6)m':tz mW Bundesministcr für Handel und Berkobr Dr. 2 5i ü rss den gegon-wärtigen Stand der Tiftereilzen dar. Für lroutc Dienstag nachmittags w.evden die beteiligten Organisationen von der Bnndrsregierung zn g e m e: n s a in e u Verhandlungen einge- Wiener Morftenzeiinng. Mitteilungen aus dem Publikum. Kultus-uJustiz-Talarei!. Barette •rha'ten Sie vorr&tie odet auch Mas« hei der bekannten Spetialfirroa RUDOLF GOLDSTEIN, Qronei Lager feiner Stoffe fUr Raubes'ellungen ,»>. »».«.» WIEN, II. TABORSTRASSE 34 o«ar.««« 28cften iitlrcit itioktiiüfii Seiptiä K 146.000 Wollkleider lchineilcher W» m K 250,000 M. Holzer, Mariahilferftr.llll (»-«->> Felnwasehanitall - Habsburg Zentral«! VI. Wallgats« 4 Telephone: 6339 un<' 4316 Uebernahmsstellen In sämO.Cez, Autos befahren tjtgltch aile Bes. Stttckgarantle wird geleistet. Eigene StärkwSsche-Abteilnns;. „Wienea“ 743 OBERE DONAUSTRASSE 91 Gvdiiies streng: ‘|^3*ReMtanraat unter Aufsicht df*s E*tw RabHnnts der Sch'ffschul AMsSotel VH. Burgg. 81 Bsr'jfkkielderfab^ik Die VcchaMtm-gen der Bundesregierung mit. dem Achterkomitee der Organisationen der öffentlichen Angestellten wurd."n geistern abends ßn BnndeÄor^leramt außgenonmien. Sie werden heute um 5 Uhr fortgesetzt iverden. Der Streik bei de« Privatbanken. Schließung der Börse. Sri: Salnstag mittags befinden sich die Angestellten einer Anzahl von Prioat^baNk.'n und 5wmMissionssivme,n wegen Gehausfovderungen im Streik. Ein Teil der Banken hat sofort bei Ausbruch der Bewegung die Forderugen bewilligt. Jnsvl-ge der durch diesen Tüsstrcii hervorgerufnen Störungen des Geschästsbeltrübes ist mit der Möglichkeit der Schlleßug der Dorfe zu rechnen. Diese Maßnahme toiib tvahvsch'irllich auch darum erfolgen, weil die Beanüen des Wiener Giro¬ und Kassen Vereines vom Reichsverem der Bankangestellten veranlaßt wuvdon. die Aufträge der vom Streik berrossoneu Privatisivnren nicht durchzufülhoen. Auch beim D e° v ä s e n e l e a r i n g der Mriona5öank wurde ein ähnlicher Vorgang veranlaßt. Gestern veransta^-etLn die Streik^niden eiinen Denwnstrat'ionsuiMiM zur Börse, an d m e'wa 1200 Personen teil« nähmen. Die Demonstration vollzog sich in vollster Rübe und erregte großes Zluß'chen. Der Einbruch bei der Galkla. Der vor einigen Wochen im Bureau der Petroleumhandslsgosellschaft, Hemnarkt 10, verübte Einbruch, der großes Aussehen erregt hatte, hat nun seine Ausklärnng gesunden. Die Täter hatten damals Juwelen und Wertpapiere im Be-- irage von mehr als 800 Millionen Kronen erbeutet. Jnscklge einer Anzeige des Prokuristen einer Bank in der Taborstraße, daß dort ein Teil der gestohlenen Wertpapiere präsentiert worden sei, wurde die Bank-ständig bewaL)i. Es gelang auch tatsächlich, den Juwelier Maximilian Beer als den Ueöerreicher der Papiere zn verlMen. Dur6) .lanMierige Nach--^ sorschungen gelang cs, schließlich alle TeAn-chmer an den! Einbruch zn verhaften, im ganzen sieben Personen. S-cnntliche Angehaltene sind der Tai geständig. Von der Deute sind bisher 160 Aktien zustande gebracht worden, auch ein Teil der Juwelen und K'leidunasst.ück.e, die von dem Erlös gekauft wurden, wurden befchloguahmt. Zwei der Einbrecher sind, wie cchAen tvurde, Fassadenkletterer. Als sie den Kasseneinbruch schon glücklich durchgeführt hatten und sich tviodex awschickten, vom Fenster auf die Straße zu klettern, hatten sie das Mißgeschick, daß sie aus beträchtlicher Höhe hinaHstiürzlen, wobei einer sich verlebte. Das Budget der Gemeinde. Seit zwei Wochen wiÄr im Nathause an der Zufaimmeusetznn-g des BoranMages für das Jahr 1984 gearbeitet. Es wird unter dem Vorsitz -es städtischen Finanzreferenten Stabtrat Breitner einer genauen Prüfung unterzogen. Bekanntlich hat das Erfordernis für dieses Jahr 1,1 Billionen Kronen betragen. Durch die drei Nolstandsprogramme, die allein mehr als 600 Milliarden erforderten, weiters W^Modellhaus^& GICHNER Okkat'itpHA- Verkauf in neuesten Modellen von Huehmtltu'tH-, Abend- und Slras‘enioileUcn i i e / unter d ein Erze uv ung spr eise! U Tel 71}1I VU Mariahitferstr. 37, U St vis-a-vis Stiflskirohe ) Ört )yurle JmticMii. Gngluh apoktn -* -. - J 20. November 1928 Nr. ifff iv.iii) die Erhöhung bei: PersonMosteu und fonlstige« Sach) erfvvdernisse, dürfte der Rechnungsabschluß für dieses mehr als zwei Billionen Kronen Setrayen.! Da für das Jahr 1024 die Personalzuschüsse des Bundes für den Vcttvaltnngsdienft der Gemeinde abermals verringert! iverden, dünste sich das GasamleifovderniS M IM noch hdblich v e r -m ehre n. ein Ehedrama in WSHrkug. Moüwersuch an der Gattin. In dem Haust Edelhofgafse IS wohnt der Gtadtschutz^ mann Leopold Tobisch mit seiner Gattin Pauline Dovifch 8 einer kleinen Wohnung. DaS Ehepaar hatte vor zirka 'KvÄ Jahren geheiratet, und Frau Tdbifch hatte ans ihrer erstes Ehe Mi Kinder, einen vierzehn- und einen stchAchnjährrge^ Buben, in 'ihre zweite Ehe mitge>bracht. Wiederholt gab es! in der Wohnung Streitigkeiten, und es hieß, daß bat Mann die Scheidung durchsetzen wolle. i Geistern nachmittags hörten die Nachbarn m der Mohmmo des iHcpaares zwei Schüsse fallen. Wenige Sekunden später riß Frau Tobisch, am Hälfe uitfci tut Gesichte blutüberströmt, die Türe aus, lvankte heraus und brach zusammen. Ihr folgte ihr Gatte, der mit seinem lOjährigen Stiefsohne rang, der denn Baker die Schuß-! Waffe, die dieser in der Hand hielt, zu entreißen, ver» suchte. Inzwischen hatten sich die Hausleute angesammelt m*j der im gleichen Hause ivohmnde Revierinspekwr der Sicher-; heitsivache Hold entriß dem Ddanne die Waffe. Man ver-j ständigte sofort die Retlnngsgesellschaft und diese brachte die! Frau, die eine Einschußöffnung an der HÄSseite imfti eine Durchschußwunde durch das linke Unterkiefer austwics in bÄvußtlofem Zustande ctuif die zweite UnfaMstationi Dort wunde festgestellt, daß ihre Verletzungen lebensgefährlich! sind, da der eine Schuß die Lnströhrc durchbohrt hat. Am Kommissariat wurde Dolbifch sofort einem BerhLv unterzogen. Er legte sofort ein rsnmütiges Geständnis ab, er gab an, daß er vor der Hochzeit mit seiner Fraw sehr gut ausgekvnttnen sei. Von dem Moment der Hochzeit, an habe sich seine Frau vollständig verändert und die Ehe, gchMete sich äußerst unglücklich. Wiederholt habe er der- ' sucht, eine Scheidung durchzuführen, doch scheiterten alle seine Versuche. Auch gestern nachmittags hatte er versucht, von seiner Frau die EiitwiKgung zur Scheidung zu erlangen und dabeisei es wieder zu Streitigkeiten gekommen, in 'deren Verlauf er dann plötzlich den Revolver gezogen und zwei Schüsse gegen seine Frau abgefeuert habe. Regenweiter. In Mitteleuropa herrscht trübes. niederschlagreicheS Wetter. Der Luftdruck ist sehr niedrig. Gin Kern des europäischen Tiefdruckgebietes liegt über der Nordsee, ein zweiter über Polen. Auf der Borderseita der elfteren Depression in Mitteleuropa wehen kalte Südwestwinde, auf der Rückseite über Mestemopa warme Nordwestwmde. Voraussage: Trüb, Niederschläge, vielfach Schnee, zunächst kalte Westwinde, später Temperatnrzunahme. Die LebensmMelmllrkte. Die FleischversorMMg ist anhaltend günstig. Gesta-cn sind in der Großmatkthallo mit der Bahn 28 Waggons mit verschiedenen Fleischgattungen angekmnmen und auch der Markt in St. Marx zeigte keinen ungünstigen Auftrieb. Die Preise blieben im Kleinhandel in der Graßmarkthalla unverändert. Ter Verkehr hielt sich in sehr bescheidenen Grenzen. Auf den Grünwareninärkten war die Nachfrage gleichfalls gering, doch reichten die Vorräte überall für den Bedarf. Spinat hat sich bis zu 4000 K. pro Kilogramm verteuert. Sonst blieben die Preise unverändert. * Universitatsprofessor Dr. Scharr — Rabbiner in Warschau. Wie uns aus Lernberg gemeldet wird, wurde das seit den: Tode des Rabbiners Dr. Posnanski verwaiste Rabbinat fortschrittlicher Richtung in Warschau, mit dem auch die Predigerkanzel in der großen Synagoge verbunden ist, nunmehr definitiv besetzt.- Der durch seine hervorragenden Leistungen auf den! Gebiete der jüdischen Geschichte und Ässyrio logie bekannte Professor der Lemberger Universität Dr. Moses Schorr, Absolvent des Wiener Rabbiuerseminars, der ursprünglich die Berufung nach Warschau abgelehnt hatte, hat vor einigen Tagen, der neuerlich an ihn ergangenen Bitte der 'nneinderepräsenlanz Folge leistend, die bereits vom Kultus Ministerium bestätigte Wahl angenommen. * Unfall des Schauspielers Waldemar. Bei der sonntägigen Vorstellung der Operette „Der Hampelmann" im Wiener Komödienhans wurde der SchausPiÄer Richard Wgldemar am Ende des dritten Aktes auf offener Szene von einem herabfallenden D e ck e n v e rs a tz st ii ck ant Ltopfe getroffen und verletzt. Er erlitt eine Rißwunde und eine Nervenerschütterung. Nur dem Umstande, daß Herr Waldemar zwei Perücken trug, hat er es zu danken, daß er nicht noch schwerere Verletzungen erlitt. Verursacht wurde der Unfall durch die Unachtsamkeit eines AushilfSbühnenarbeiters. * Eine waghalsige Flucht. Großes Aufsehen erregte gestern nachts die Berhastuuy zweier Geschästseiubrecher. am Neubau. Sie wurden beim Einbruch überrascht und flüchteten in das Innere des Hauses, über die Treppe bis auf das Dach. An den Steilen eines an der Feuermmter angebrachten Hängegerüstes wollten sie sich in die Tiefe lassen. Polizei chatte den ganzen Häuserblock nmftelU, Der, eirunder Hilfsarbeiter ÄaypM 672