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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-19 · Heft 1711 (19.11.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1711 (19.11.1923)
Date
1923-11-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Veke S Men, Montag Wiener Morgenzeitung. 19. November 1922 Nr. 1711 Sie Reichsbahnen verpfänden ihre Kohlenlager gegen einen englischen Kredit. Berlitz, 19..' November. (Tel. der „Wiener Morgen« Zeitung") Me bvkmntwnd, haben die Reichsbahnen zur Erkmyung eines englische» Kredites von drei Millionen Pfund Sterling,'der zur Beschaffung von Steinkohle dienen, soll, ihre Brannkohlenfelder von B i t t e r f e l d und L i b e n a u an ein englisches Bankenkonfdrtinm verpfändet. Diese Angelegenheit wird ein parlamentarisches Nachspiel haben, da mehere Parteien wegen dieses merktnürdigen Vorgehens'Aufklärung fordern werde». Heute tritt dle Botschafterkouserenz zusammen. Paris, 17. November. (Havas.) Die Botschafter- -nferenz wird Montag früh zusammentreten. Der Ministerrat wird nachmittags die Vorschläge der Konferenz betresfend die Fragen der Rückkehr des früheren Kro nprinzen und der Militärkontrolle prüfen. Beginn der enMchen Wahlkampagne. London, 18. November. (HavaS.) Die Liberalen haben mit der Wahlkampagne begonnen. Churchill und Lloyd'Georxr haben in Manchester, Baldwin in Bewdley Reden gehalten. Nene englische Marinerüftnngen. London, 18. November. (Reuter.) Premierminister Baldwin kündigt in seinem Wahlaufruf die unmittelbar bevorstehende Stapellegung von 17 leichten Kreuzern und mehrerer kleiner Fahrzeuge an. Tagesbericht. Sie Achecho-Slomakü gegen bas Tragen von Hakenkreuzabzeichen. Aus Preß bürg wird gemeldet: Vor dem hiesigen Geschworenengericht stand dieser Tage der deutschnalionale Barpn Ferdinand Billot, angeklagt wegen öffentlicher Aufreizung, begangen durch Tragen und Verteilung von Hakenkreuzen. Der Angeklagte berief sich in seiner Verantwortung darauf, daß in der Tschecho-Slowakei das Tragen deS Sowjetsternes und des zionistischen Abzeichens gestattet ist, dies daher auch für das Hakenkreuz gelten müsse. Der Richter beschloß, den Innenminister zu befragen, ob das Tragen des Hakenkreuzes in der Tschecho- Slowakei gestaltet ist. Beim Verlassen des Gerichtssaales verteilte der Angeklagte an die Zuhörer elfenbeinerne Hakenkreuze. Her Streif bei den Privatbanken. Die Samsrag geführten Verhanböimgeu zwischen d.u Vertretern der BvnMrmen und denen des Reichsvereines der Bank- und Sparkassebeamten sind gescheitert, so daß heute Montag mit dem Ausbruch des Streiks bei den privaten Bankfirmen -u rechnen ist. Heute vormittags 10 Uhr, findet im Schiedsgerichtssaal der Wiener Effektenbörse «ine Versammlung des Verbandes der Bank- und Kovmnssionsfirinen statt, um zu der neugeschaffenen Situation Stellung zu nehmen. Wersüchttge Liebhaber. Samstag abends wurde m der Wielandgasse die Hilssarbeirerin Amalie Knlhavh bewußtlos mit einer schweren Stichwunde im Oberschenkel auf der Straße liegend aufgefunden. Ein in der Nähe stehender Bursche war wegen seines scheuen Benehmens der Tat verdächtig. Ehe die Wache sich seiner noch bemächtigen konnte, waren bereits einige Paaffanten auf ihn zugceilt, die ihn durch Fauftschläge arg mißhandelten. Sicherheitswache hatte Mühe, ihn vor weiteren Insulten zu schützen und zum Kommissariat Favoriten zu bringen. Die Bewußtlose wurde in fast verblutetem Zustande, lebensgefährlich verletzt, von der Rettungsgesellschaft in das Wiedener Krankenhaus gebracht. Der Angehaltene ist der mehrfach vor- 'bestrafte Pflasterergehilfe Johann Müllner, der erst vor einigen Wochen nach Verbüßung einer dreijährigen Kerkerstrafe fteigegangen war. In seiner-Rocktasche fand man das blutige Messer, mit dem er die Hilfsarbeiterin, seine Geliebte, verletzt hatte. Samstag abends hat der 30jährige Elektriker Alfred Sattler in der fSpeckbachergasse seine Geliebte, die 25jährige Hilfsarbeiterin Elisabeth Hubak, auf offener Straße grundlos angefallen und durch fünf Stiche mit seinem Taschenmesser in den Nacken und die linke Achsel verletzt. Dann war der Mann wxggeeilr und hatte sich seNst mit dem Taschenmesser fünf schwere Stichwunden an der linken Ha-lsseirte zugefügt. Flucht des Sensals des KLMertzanses. Die „Sonn- und Montagszeitung" berichtet heute über elne Affäre, die geeignet ist, sowohl in gesellschaftlichen wie in künsterischen .Kreisen ziemliches Aufsehen zu erregen. Es handelt sich, um die Flucht des Sensals des Künstlerhauses, den Inhaber der im Konkurs befindlichen Kommissionshandelsfirma E. K, Gradinger, Emmerich G r ad in g er. Gradinger hatte schon ftüher allerlei Geschäfte gemacht, die ihn im Jahre 1930 An Memorandum arMscher Scheichs an den SberkommMr von Palästina. Äffr berichteten kürzlich von einM dem Oberkommissär Herbert Samuel überreichten Memorandum der Scheichs van BersM. Das Memorandum hat folgenden Inhalt: „Wir, die Scheichs und arabischen Famifienhäupter, die in Beifan und Umgebung wohnen, kommen, um den High Commissioner bei seiner Rückkehr in unser Land zu bewillfommcit und ihn einzuladen, uns einen Besuch abzuftaiten. Wir hoffen, daß dök High Comntifsioner diese unsere Einladung anneymeu und so freundlich sein wird, uns Dag und Stunde seines Besuches auzugebeii, damit wir ihn mit den ihm Ankommenden königlichen Ehren empfangen. (Dies ist, wie berichtet, inzwischen geschehen. D. Red.) Denn wir wollen das wieder gut machen, was vorsätzlich jene gefehlt haben, die sich anmaßen, im Namen des Volkes zu sprechen, und zwar seit zwei Jahren, als der High Commissioner Beisein besucht hat. Allah weiß die Wahrheit und er ist der beste aller Zeugen, daß wir mit dem damaligen Vorfall nichts, gu tun hatten. Zugleich wollen wir auch den High Commissioner -zur Kenntnis bringen, daß wir gu ihm im Namen aller Stämme und der verschiedenen Dörfer in der Umgebung von Bcisan kommen. Wir befassen uns nicht init Politik, nicht mit Versammlungen und Delegationen, sondern wir sind einfache Leute, Zell bewohn er, die ihren Privatsachen nachgehen. Wir stimmen allem, was die Regierung tut, zu, und wer von den Einwohnern des Landes oder außerhalb sich anmaßt, in unserem Rainen zu sprechen, der spricht ausschließlich in seinem eigenen Namen. Wir ersuchen deshalb die Regierung, mit diesen nicht zu rechnen, da nur wir allein unsere und unserer Familien Vertreter sind. Da Emir B asir-al-Ha ssan, der in Ostjordanieit wohnt, sich in die Landesangelegenheiten einmengt undin unserem Namen zu sprechen vormit dem Gesetz in Konflikt brachten. Damals gelang. es Gradinger noch, zu entschlüpfen. Er gründete dann die Firma E. K. Gradinger und eines Tages teilte er der Genossenschaft der bildenden Künstler mit, daß er von einem Amerikaner beauftragt sei, für 200g Dollar Bilder anzukaüfen. Die Genossenschaft der bildenden Künstler trat darauf mit Gradinger offiziell in Verbindung und auf diese Weise kam er in das Künstlerhaus. Er befaßte sich mit der Vermittlung von Verkäufen von Kunstwerken und im Herbst v. I. wollte Gradinger eine Ausstellung österreichischer Künstler in Stockholm veranstalten. Dieser Plan scheitelte jedoch daran, daß die Einfuhr der Bilder nicht gestattet wurde. Gradinger versuchte nun die Bilder in London zu verkaufen, was ihm jedoch auch nicht gelang. Inzwischen hatte man im Künstlerhaus erfahren, daß Gradinger die Bilder durch einen Vermittler nach N e w - A o r k hatte schaffen lassen. Da auch dort der Verkauf nicht gelang, habe der Vermittler die Kunstwerke dem Herausgeber der „New-Aorker Staatszeitung", Bernhard Ridder in Verwahrung gegeben. Eines Tages tauchte. Gradinger wieder in Wien auf und verschwand bald daraus. Nun trat der Zusammenbruch ein. Den angemeldeten Forderungen von einer halben Milliarde Kronen stehen so gut wie gar keine Aktiven gegenüber, Gradinger wird steckbrieflich verfolgt. * Wieder ein verschwundenes Mädchen. Gestern vormittags wurde beim Polizeikvmrnissariat Ottakrmg die Anzeig« erstattet, daß da- 16jährige Lehrmädchen Karolins Holornci?, Grundstemgasss 7, seit dem 29. Oktobev aus-ihrem Wohnhause verschwunden ist, ohne daß bisher ein Lebenszeichen von ihr eingetrofsen wctve. Das M'dcheir ist mittelgroß, hat längliches Gesicht, braune Haare, schwarze Augen und trug bei ihrem Fortgehen gruiren Mantel, schwarze tzüsterschoß, blaugestveiftie Bluse. * Mikado Goldband-Feigenkaffee mit.Rabattmarke ist die beste KaffeewÜM. (EntlgeMch.) 0 Kundmathuna Beehre mich den P. T. Gästen be-| kanntzugeben, dass ich ab heute in |meiner Restauration nebst vorzüglicher! Küche auch erstklassige SeichüTWurstwaren jaus der bestrenommierten Fabrik | EISEN & KÖNIGSBERG zu den [kulantesten Preisen führe. Um zahl-1 reichen Zuspruch bittet §. MAYERSOHN Restaurateur I Wien, il., Taborstrasse 24a Telephon 44'P51 72t Arrangements für Sudes und andere östlich' I ketten auch, ausser Haus werden übernommen, | unter Aufsicht de* VfcW tlty (Schiffschul) gibt, ein streitsüchtiger Mann ist und zu der arabischen Re» gievung von Ostjordanien gehört, so steht er in gar keiner Verbindung mit Palästina. Auch hat er gar keinen Bodenbesitz hier. Wir ersuchen also, daß er sich in unsere Angelegenheiten nicht hineimnenge und das; die Regierung mit seinen Worten nicht rechne. Da uns auch bekannt geworden ist, daß Wadi E s e n d i - a l - P u st a n i nach London gereist ist, um in unserem Rainen erklären, daß die Juden darauf abzielen, uns von ünserenl Boden zu verdrängen, und daß die Regierung beabsichtige, uns unserer Ländereien gu berauben und sie den Juden zu geben, so erklären wir: Wir haben nichts Böses von de^r Juden gesehen. Wir haben mit Unserem Willen einen Teil unserer w ü st e ir Ländereien einer amerikanisch-jüdischen Gesellschaft verkauft und gehen daran, mit dem dafür empfangenen Golde die weiten uns gebliebenen Ländereien zu klMtzvieren und zu bearbeiten. Wir sind mit den Inden sehr zufrieden und hoffen, daß wir gusammenarbeiten werden zum Aufblühen unseres Bezirkes und zum Wöhle unserer gemeinsamen Interessen. Eines. der Mitglieder der Delegation, Wadi - al-Bustani, hgt uns bereits durch Hinterlist .gegen 3000 Psu nd ,he rausgel o ckt, und wir ersuchen den High Eommifsioirer, dieser Sache nachzugchen und uns die uns von Wadi-al-Bustani geraubten Rechte wieder g u verschaffen sowie auch ihn auszuweisen, .da er ein Syrier ist rmd die Unvernünftigen bei uns betört. Wenn er Wohltaten erweisen will, möge er nach Syrien gehen und sie dort feinem Volke erweisen. Zu.ln Schlüsse erklären wir, daß wir alle Anordnungen der Regierung mit Deinut entgegennehmen und be. folgen wollen. Wer sich anders äußert, der ist unser Gegner und will nur unser Böses, und wir verlangen seine Best r a s u n g nach der ganzen Schwere des Gesetzes." Kleine Wronik. — Die Gesichtsbildung de.r Juden. Bon dem vor einiger Zeit in Berlin verstorbenen berühmten Arzt, Erfinder und Dichter Karl Lndwra Schleich erscheint iebt ein Buch nachgelassener Skizzen. Gedichte und philosophischer Bemerkungen. .In einem „Jüdische Rassenköpfe" betitelten Aussatz stellt 'der auch als Physiognomiker bekannt gewesene Verfasser die Theorie auf/ daß das besondere Gefühlsleben dem Inden eine G esich t sb i ldung schasst, die mit keiner anderen Raffe verwechselt werden kann. Nach einer genauen Beschreibung des jüdischen Rassentyps spricht der Verfasser von, der „mimischen Konstanz des jüdischen Typus" und schreibt: „Es ist unnachahmlich,, wie der Jude gewisse Gesichtsausdrücke zu eigen hat. Man denke an. den Ausdruck, welcher das unübersetzbare Mort „nebbich" begleitet, an den nur Juden eigenen Mick des Verständnisses, wenn sie sich über einen Dritten ins klare gekommen sind, man denke an ihren Zart- 'lichkeits- und Klageausdruck, an ihre Art zu wimmern und zu 'weinen, den Mia beim Wittern von Gefahr, den Ausdruck über eine gelungene Kombination beim Spiel usw. In allen solchen mimischen Funktionen steckt unserer Meinung noch viel meihr als in Körperlichkeiten an sich das Typische des jüdischen Gesichtsausdrucks. Solche Rhythmen bei dem unendlichen Alter des jüdischen Stammes durch Jahrtausende geübt, Hinteülassen eben erstarrte Spuren des seelischen Spieles, das oft mit Bil. düngen von Knochen rrsw. vertvechselt "wich, im Grunde, aber doch nur durch mimische Linien, MuKkeffurcheu. Llderspiel usw. erzeugt ist." — Eine gefährliche Epidemie m Nordsrankreich. Gi.m aesÄHMche Epidemie, deren Unchma noch hmttz nnichit überscheu werden ftmm, bedroht die BevöAeriuing des Nochens Fvamlkreichs. Es banDÄt sich um eine Art Ruhr von bejsoüiders schwerem Vhavakter. die duivck) Arbeiüer aus dm Kolonien vinigüschleppt Wondan ist, Der Bazillus hat sich, wie es schieint, auch im Norden FräMreichS «astlimaMiM mtfo verbreit^ überall Austeckung und KvauGeit. Di>s Epidemie hat beroits sieben Todesfälle gefvchert. Die Krankheit beigffmt mit starkeem Fieber, woraus so sttaMr Durchsall evfollqt, daß der Kranke Völlig geschwächt schließlich sticht. Baverts wechen dwißig iiwe Fälle genvüldet. Die berühmtelstan AerDcvon Paris halben sich an Ort.imd Stelle begäben, um Millel und Wege zu prüfen, deur mcheim-kichen Gaste beiznkom'mem. Mar erwarte-ie von der einiretenden WiwterMe günstige Rcsul« täte, da die Kvallkheitserröger für die Kälte sehr ümlpsmd! :cb sind. _ MWssten der Redattiou. Pole 40. Im Dialekt gibt es diese Möglichkeit, in der Schriftsprache wire das „s" in diesem Falle tveicher gesprochen. — Israel. Ihr langes Schreiben kann hier nicht ausführlich beantwortet werden. Jedenfalls enthält es neben manchem Nichtigen zahlreiche Jntümer. Die Aufklärung werden Sie besser mündlich erhalten können. Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Hysterische Kinder. Unter den jetzt ^lebenden Kindern fallen inAbesoiddere zwei Kinder auf, die den Eltern und Aerzten viel zu schaffen geben. Der eine Typus ist der tuberkulöse, der andere der nervöse und hysterisch«. Wählend das blasse, magere, schmalbrüstige, zur Tuberkulose neigende Kind den Gegenstand ärztlicher Heilkunst in Fornr der klnnatischen und diätetischere Krlr bildet, kann das nervöse Kind nur als eine Erscheinung nnvernünftiger, falscher Erzichnng betrachtet werden. - Am besten «.billigste»; kaufen ie im OH öauj ieiSchiffmann!!., Taborstraße 48 Telenhon 47-1-79 En gros En detail

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