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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-19 · Heft 1711 (19.11.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1711 (19.11.1923)
Date
1923-11-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer K70G Wien: Zum Abholen in der Expedition, II„Taborstr,l-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 58.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt.I.Ber., Wollreile 11. Mit Poslversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts ch e c h o-LIowa k ei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. öst.K 22.000. Deutsch!.: Mon.ost.K28000.Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 „-w Nachzahlungen bei Preiaerliofeunjren Vorbehalte» Nk. 1711 rener Wien. Montag. IS. November 1923 Poimare zum Aeußerslen gegen Deutschland entschlvffen. Tsnach« -v «wmii i tschech. K 1a— Italien: Monatl. 10lirftr Rumänien Mon. 90 Lei« Bulgarien Mon.75 Lewa« S c h w e i z und das übrigf Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrassei—8 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:„Morgenzeitang“ Wien Oesterreichisches Postspat1* kassen- Konto Nr. 150-69? Paris, 17. November. In seiner auf dem Bankett des republikanischen Komitees für Handel, Industrie und Landwirtschaft gehaltenen Rede erinnerte Ministerpräsident P o i n e a r e daran, Frankreich habe nach Agadir gehofft, daß seine Mäßigung Deutschland entwaffnet hätte. Frankreich habe einzig und allein daran gedacht, den Krieg abzuweuden und alles den ständigen Bemühungen für den Frieden untergeordnet, die es im Auslande entfaltete. Poineare fuhr fort: Jetzt nach dem Siege und der Unterzeichnung des Friedensvertrages, um dessen Früchte wir nicht kommen wollen, haben wir als einziges politisches und nationales Programm die Wiederaufrichtung, die Reparationen und die Sicherheit. Wir müssen vor allem den Frieden aufbauen. Wir sind ehrliche Freunde der Humanität, aber wir können sie nicht verstehen ohne ein blühendes und geachtetes Frankreich, ohne ein Frankreich, dem nicht volle Genugtuung zuteil geworden wäre sowohl in Bezug auf die Wiedergutmachung der ihm zugefügten Schäden als auch hinsichtlich der Garantie seiner Sicherheit. Die letzten Ereignisse werden uns nicht zur Schwäche gegenüber Deutschland veranlassen oder uns die Ruhr- , besetzung bedauern lassen. Wir müssen nits schätzen, heute das Hauptkohlenbecken und die großen Waffenfabriken unserer früheren Feinde in unserer Hand zu halten, die gegenwärtig eine Beute nationalistischer Leidenschaften sind und Hintergedanken der Revanche hegen. Wir werden auf diese Weise die Maßnahmen finden, um den Frieden zu verteidigen und unseren Sieg zu retten. Wir werden, ich versichere es Ihnen, weder diesen noch jenen gefährden lassen. . s Die Zeit d er Z u g e st ä n d n i ss e ist vorüber. Der Vertrag wird gutwillig oder gezwungen ausgef ü h r t w e r d e n. Berlin, 19. November. In einer gestern im Zenrralvorstand der deutschen Volkspartei gehaltenen Rede stellte Dr. Stresemann nach Erörterung der gesamten politischen Situation die Vertrauensfrage und erklärte, entweder sei die Partei mit ihrem Kanzler nicht einverstanden, dann habe der Kanzler die Konsequenzen zu ziehen, oder sie stehe hinter ihrem Kanzler, dann hätten anderedieKonseqnenzenzuzichen. lieber seine Politik sagte der Kanzler: Die Notwendigkeit der Aufgabe des passiven Widerstandes im Ruhrgebiete hat eigentlich niemand bestritten, nur hat man verworfen, daß sie bedingungslos geschah. Aber man habe keine Machtmittel gehabt und »außerdem belasteten die, Ausgaben die Finanzen außerordentlich. Der zweite Punkt, den man mir zum Vorwurfe macht, sind dieVe rhandluugen mit Frankreich. Man hat gesagt, diese Verhandlungen seien aussichtslos. Es gibt jedoch Verhandlungen, die man führen muß, auch wenn man keine Aussicht hat, daß sie gleich zu einem Ziele führen. Man habe kein Recht, v.on außenpolitischen Mißerfolgen zu sprechen. Alle unsere Maßnahmen politischer und diplomatischer Natur haben doch dazu beigetragen, daß durch Vas zielb^wußte ZusammenwirkL-r der Deutschland die Zeit und die Mittel zur Vorbereitung eines neuen Angriffes zu lasten, wäre ein Verbrechen gegen unsere Nachkommen, das wir nicht begehen werden. In einer, anläßlich der . Enthüllung eines Kriegerdenkmales in Neuilly gehaltenen Rede sagte Pomcare über die Reparationsfrage unter anderem: ■ Die einzige Methode, die es gegenwärtig gibt, besteht darin, das im Vertrag vorgesehene Verfahren in .Anwendung zu bringen. Wir werden Deutschland zum Zahlen zu zwingen wissen. Seit langem schon hat es Deutschland mit den Bestimmungen des Vertrages leicht genommen. Es hat insgeheim versucht, Verbote n e m i l i t 8» * iinäHrftrHz tt stellen. Gleichzeitig hat es dem ehemaligen K r o n P r i n z e n, der an der Spitze -er Liste der Kriegsschuldigen steht, die Rückkehr gestattet. Das sind kühne Herausforderungen der A l l i i e"r t c n, unverschämte V e rletzungendesVertrag es, freche Anschläge gegen den Frieden. Das fordert Sanktionen! Wir werden sie ergreisctt. Wenn wir nicht Genugtuung erhalten, sind wir entschlossen, die besetzten Gebiete nicht früher zu räumen, als bis alte in Versailles Unterzeichneten Klauseln vollständig durchgeführt und wir gegen neue Angriffsmöglichkeiten zuverlässig gesichert sind. beide« angelsächsischen Mächte, die Trennung Italiens von seinen Nachbarn und die schwankende Haltung Belgiens eine Lage für Frankreich ein getreten ist, die d as Lan d auf d ie D au e r ni ch t ertrag e n k ö n n e. Der Reichskanzler sprach dann über die Rückkehr des Kronprinzen und sagte, man wolle Sanktionen verlangen. S o l l t e m a n a b e r die Auslieferung des Kronprin zen verlangen, so würde dies sc l b st v e r st ä n d! i ch a b g e t e h n t wer de n. . Stresemann sprach dann über den Putsch in Bayern. Dort hätte man einen Zusammenbruch der Eharaltere und Persönlichkeiten miterlebt, den man nicht sür möglich gehalten Hättet Der Reichskanzler kam im weiteren Verlauf seiner Rede auf die Möglichkeit ausländischer Kredite zu sprechen und teilte mit, daß Verhandlungen zu diesem Behufe stattfänden. Diese könnten jedoch nur dann zu einem Erfolge führen, wenn Deutschland sich . von imtetuu* Krisen frei jjjolt^ 8. 8ahrga»g Die Rede fand stürmischen Beifall und man glaubt in parlamentarischen Kreisen, daß durch diese Rede die Stellung des Reichskanzlers nicht nur innerhalb der Partei, sondern auch im Parlamente gekräftigt ist. Man rechnet damit, daß es am Dienstag im Reichstage nicht zu einem Mißtrauensvotum kommen und der Reichskanzler im Amte verbleibenwird. 8ln Vertrauensvotum für Stresemann. Berlin, 18. November. (Wolfs.) Der Zentral Vorstand der Deutschen Volkspartei hat heute mit 2 08 gegen 11 Stimmen eine Entschließung angenommen, worin die Hebe rein stimm ung mit der Reichsregierung ausgesprochen wird, daß der tatsächliche Zusammenhang des besetzten Gebietes mit dem Reich und den Landern unverändert bleiben muß. Weiters wird dem Parteiführer Dr. Stresemann das volle Vertrauen ausgesprochen und der Auffassung Ausdruck gegeben, daß schon mit Rücksicht auf die auenpolitischen Beziehungen jede Aenderung in der Führung der politischen Geschäfte völlig ausgeschlossen ist und daß in der Zusammenfassung der zurzeit das Reichskabinett stützenden Parteien unter Fiih- . rung des Reichskanzlers Dr. Stresemann die einzige parlamentarische Möglichkeit für eine gedeihliche politische Weiterarbeit zu erblicken ist, solange die Möglichkeit nicht besteht, eine größere Basis für das Kabinett zufiandezubringen. Schließlich nimmt der Zentralvorstand davon Kenntnis, daß kein Mitglied der Reichstagsfraktion gewillt ist, die Person des bewahrten Kanz- - Mte#. stgenÄvelcherp dchemnM<-a«dtted'. Pärieien Wm Opfer zu bringen und erwartet von der Reichstagsfraktion, daß sie ihren Führer in seiner Politik restlos Unterstützen wird« Mißglückter Sondieren der Tentschnationalen in London. Berlin, 19. November. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitmng".) Wie die „Welt am Montag" berichtet, hat der Führer der deuffchnätionalen Rcichstagsftaetion' Hergt im Zusammenhang mit den Regierungsabsichteu der Deutschnatioualen soeben eine, g e h e i m n i § v o l l e Reise nach London unternommen, wo er unter anderem mit General S m e c t § konferierte. Er wollte hören, -wie sich englische Kreise zu einer rechtsradikalen Regierung stellen würden. Er ist, wie cingeweihbe Kreise wissen wollen, sehr enttäuscht nach Berlin z u r n ck g e k o m m e n, Blutige Straßenschlacht im Siebengebirge Düsseldorf, 17. November. (Havas.) Ein neuerlicher Kampf hat im Siebengebirge zwischen Separatisten und Antiseparatisien stattgefunden,' wobei es acht Tote und etwa 6 0 Verwundete gab. Die Besatzungstruppen haben die Ordnung wicderhergestellt und etwa tausend Separatisten entwaffnst. Die Antiseparatisten sind entflohen. RnWrecht gegen eine bayrische Monarchie! München, 19. November. (Tel. der „Wiener Morgen^ zeitung") In dev gestrigelr Versammlung des Nationalveribandes deutscher Offiziere wurde ein Schreiben des Exkronprinzen Rupprecht verlüsen, in dem dieser sich entschieden dagegen verwehrt, daß er die Monarchie erstrebe. Die Empfänger des Briests werden -änsgcsordert, anderslautende Gerüchte zu dementieren. Kahr läßt Hitler-Putschisten frei. München, 19. November. (Tel. der „Wieue.r Morgenzcitung".) Auf Veranlassung K a h r s wurdest v i e r z e h n verhaftete Hitler- P u t s ch i st e n - mit der Begründung fre igelasse n, daß ihre soziale Stellung jede Fluchtgefahr ausgeschlossen erscheinen lasse. Tie bayrische Negierung hat weiters die Aufforderung des R c i ch s g c r i 6) t e s, die Akten über die Ptttschisten nach L e i p z i g zu senden, a d g e I c h n t. Französisches Verbot von Arbeitererttlassnngek im Rnhrgebiet. Düsseldorf, 18. November. (Havas.) Gene.ral Degoutt-e hat die gesamte und teilweise Entlassung von Angestellten und Arbeitern in Betrieben, die mehr als 590 Arbeiter beschäftigen, verboten. Zuwiderhandelnde Unternehmer werden mit fünf Jahren Gefängnis und einer Geldbuße von 100.000 Goldmark bestrajtz Stresemann einig mit der deutschen Bolkspartei. Sie vottett ihm ihr Vertrauen

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