Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1710 (18.11.1923)
- Date
- 1923-11-18
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 Wien. Sonntag Das unbedeutende Schneiderlein Ringel, das in kleinlichen Verhältnissen lebte, wurde zum Haupte der Staatsattion J>er Berliner Polizei gemacht. Mit einem ganzen Aufgebot ium Polizisten, die danrals bei den: Pogrom in der Grenadierstraße gefehlt hatten, wurde dieses fürchterliche Nest von sage und' schreibe einem Juden, einer Jüdin und ihrem Sohne allsgehoben. Es siillt natürlich rliemandeni ein, die Devisenhamsterei dieses kleinerl Schneiderleins 311 entschuldigen. Er hat zweifellos gegen das Devisengesetz verstoßen. Was aber auffällt und denk «widersprochen werden muß, ist etwas anderes: Wenn die deutsche Polizei so findig in der Suche nach De!visell>hamsterern ist, tvarnin har sie nicht eine etwas gründlichere Untersuchung veranstaltet? Devisenhamsterer kommen nicht nur ans dem Osten. Erst vor einiger Zeit wurde in der Oesfentlichkeit erklärt, daß an dem Tevisenunglück Demschlands gerade gewisse im Westen Deutschlands beheimatete Elemente die Hauptschuldtragenden sind. Es wurde damals ganz offen gesagt, daß die r h e i n i s ch e n Kohlen i n d it st riellen Stin n e s, Thyssen mrd K 0 n so rt e n fingierte Deviseuanforderinigen gemacht, dadurch ihre eigenen Devisen bestände vergrößert und das Geld des eigenen Volkes ruiniert haben. Warum geht die deutsche Polizei nicht ntit derselben Forschheit, mit der sie gegen den kleinen Galizianer anstritt, gegen diese großen Devisenhanlsterer vor? Natürlich, bei diesen Herreil wird nran die Devisen nicht in Polstern versteckt finden. Da muß man schon in ihre großen Kassen, Bücher und ausländischen Konten etwas mehr Einblick gewinnen. Sind die gewaltigen Valuteuvermögcn, mit welchen Herr Stinnes sich an Baukgründungen in den nordischen Staaten, an großen Industrien in Südamerika, in Jugoslawien. Oesterreich, Rumänien, Ungarn ufw. beteiligt, ihm ans der Luft zngeftogen? Der kleine Jude mit seinen 11.000 Dollar ist an allem schuld. Und diese deutschen Jndustriemagnaten, die Milliarden Dollar in der Ban! von England, in der Schweiz, den Vereinigten Staaten und in Nordenropa hintertegen, sie sind Ehrenmänner. Gegen sie geht die deutsche Polizei nicht vor. Man kann sich eines Eindruckes nicht erwehren: dieser ganze Tamram mit der Verhaftung des kleinen Juden i [i eine erbärmliche Mache gewisser deutscher R e g i e r u n g s k r e i s c, u m b e w u ß t die Aufmerksamkeit von den größten Valutenschiebern der Welt, 'den Schwerindustriellen Deutschlands, a b z u l e u k e n. Es ist eine Lüge, wenn eine deutsche Denunziatio-n gerade den östlichen Juden die Tevisenhamste.rei zum Vorwurf macht. Für sie sind jetzt die Juden nur das arme Mittel zum Zlveck. Während des Krieges, als die deutschen Heere weite Gebiete Russisch-Polens verwüsteten, sind jüdische Arbeiter direkt von Regierungs wegen nach Deutschland gebracht worden. Und nach -dem Kriege, als Deutschlands Wirtschaft um Rußland buhlte, als Deutschland mit Rußland innige Wirtschaftsbeziehungen anzuknüpfen versuchte, da hat Deutschland nicht genug russische Flüchtlinge aufnehmen können. Als Pioniere ihres Handels im Osten waren sie willkommen. Jetzt, wo die Jndustriekonzerne selbst mir den offiziellen russischen Stellen in Verbindung getreteil sind, wo die deutsche Papierinflation die deutsche Wirtschaft vollkommen lieferungsunfähig gemacht hat, jetzt kann man wiedemmit dem Antisemitismus loslegen. Man benötigt nicht mehr die Juden. Daß Juden Polens. Rumäniens und Jugoslawiens ihr ganzes Vermögen verloren haben, weil sie in die deutsche Mark mehr Vertrauen Lop/rixlit 1824. Nachdruck verboten. J. Ladyschnikoff-Verlag, Berlin. (12. Fortsetzung.) Onkel Moses. Roman von Schalom Asch. Tenn Onkel Moses hatte niemanden, für den er arbeiten und dem er sein Geld hinterlassen konnte. Onkel Moses war Witwer. Er hatte wohl Kinder, aber nicht von seiner Frau, sondern von der Frau eines anderen Mannes, und wußte dabei nicht einmal, ob diese Kinder seine eigenen waren . . . Jedenfalls liebte er sie nicht. Das war so gekommen. Als Onkel Moses noch jung war und den Lunchroom gegen ein Geschäft mit zurückgesetz:er Männerkleidung vertauschen wollte,. hatte er die Tochter eines Kompagnons geheiratet. Diese Heirat war mehr aus geschäftlichen Gründen als aus Liebe erfolgt. Onkel Moses wußte in seiner Jugend nichts von Liebe. Er ivar von seinen Plänen und Geschäften so in Anspruch genommen, daß er für derlei Dinge keine Zeit fand . . . Seine junge Frau aber, welche ans Galizien stammte und zur Sentimentalität neigte, ein schwächliches, zartes Geschöpfchen, hatte ihn wirklich lieb. Nicht ihn Persönlich — sie hätte jeden Manu, der sie heiratete, lieb gehabt, weil sie dazu geschaffen war, zu lieben, zu vergöttern und zu dienen, weni es auch sein mochte ... Sie blickte zu ihm wie zu einem Gott empor, hatte Ehrfurcht vor seinem breiten Mannesnacken, Furcht vor feinem ernsten, sorgenvollen Antlitz und bewunderte seine Energie und feine Tatkraft. Doch er sah sie nicht. Er hielt sie für einen Gegenstand... Oft, wenn sie bei Nacht neben ihm lag, hatte sie Sehnsucht nach Liebkosungen, nach Zärtlichkeiten, Sehnsucht danach, sich an ihn anzuschmiegen, gestreichelt, wie ein Kind verzärtelt zuwerden; doch er lag da, den schweren Körper zur Wand gekehrt, entweder laut schnarchend oder mit Gedanken an seine Unternehmungen beschäftigt. Sein Kopf war stets voll von Röcken, Hesest, Westen, Knöpfen. Leinwand, Tuch — er dachte immer nur an diese Dinge und W Mt m M ÄordeM dis Natur Ne sy lat sr Wiener Morgenzeitung. gesetzt -haben als Herr Stinnes und feine Genossen, 'darüber werden in Deutschland nur die Achseln gezuckt. Juden -dürfen die Prügelknaben dafür sein, daß Stinnes und alle die anderen aus dem Ruhrrovier trotz der Besetzung ihre Aktiven gewaltig vermehrt haben, daß infolge der Machinationen dieser Herren die Unzufriedenheit in die großen Massen Deutschlands eingezogen ist. Man muß die Erregung dieser Massen ablenken und bietet Muster des wirtschaftlichen Antisemitismus. Nicht wahr, nur Deutschland ist der wirtschaftliche Prügelknabe der Welt? Aur dem gaWschen Petroleuinrevier. (Von unserem Korrespondenten.) Drohobycz, 12. November. Letzuns erschloß die Aktiengesellschaft „Naphtha" den Schacht „Pawel 30 S" in der Tiefe von 893 Meter mit «einer Tagesproduktion von 1,80 Zisternen Rohöl nn«d einem halben Kubikmeter Gas pro Minute. Die Eibohrung dieses Schach'e3 in der oben angegebenen Tieft ist ein seltener Fall und um so mehr charakteristisch, da dieser Schacht im nördlichen Teil Boryslaws gelegen ist, welcher Teil bis nun wenig exploitiert wurde und sich letztens sehr produktiv erwies. (In der Nähe liegt der unlängst erschlossene Schacht „Rataczyn" 10, Eigentum der Aktiengesellschaft „«Silva Plana".) Auch der Schacht „Wcmda" 1 in Boryslaw (Eigentnnl der Aktiengesellschaft „Galicia") erschloß sich mit einer Produktion von 1,5 bis 2 Zisternen Rohöl pro Tag. In den letzten Tagen vergrößerte sich die Produktion einiger Schächte. So stieg die Tagesproduktion des Schachtes „Zofia" 1 von 5 aus 11 Zisternen Rohöl, „Photogen". 2 von 2 ans 5 Zisternen und des Schachtes ,-Doveryc-e" 3 ans 4 Zisternen Rohöl. In T u st a n o w i c e wurden neuerlich folgende Schächte in Betrieb gesetzt: „Mugden" 1 (I. M. Wateokeyn), „Stateland" 10 („Premier") ^.Lola", ehemals „Ella" (Eigentum der neu gegründeten Naphthaaesellschaft: „Lola-Luska-Halka"), und schließlich der Schach: „Kisniet" (Eigentum der Mtieugesellschast „striag"). Laut kompetentester Information hat der «bekannte Naphtha-Industrielle W. Wahrhaftig die Gruben in Ropianka in Westgalizien erworben. Demnächst sollen dort reiche Investitionen und Bohrimgeu vorgenomnien werden. Die Bndap.ster Na pH' ha -Akt! e nge-se llschast „Pölonia" erwarb 50 Prozent Nettoanteile der Gruben „Laszer-Lcmgenmühlen" und „Oleum" in Tustcmowice. Die erwähnte Gesellsclmft «besitzt bereits in Boryslaw die Gruben „Renia" und „Willy-Tatra", die vor Evbohrung sind; außerdoni ein großes technisches Lager, eine, einzig in Boryslaw, große Leihanstalt für Rettnngswerkßenge. Die genannte Gesellschaft wird demnächst eine Gasolinsabrik errichten. An dieser Unternehmung sind die Allgemeine Depositenbank, die Ungarisch-italienische Bank, Gebrüder Spitzman und die Firma Gastigliom interessiert. Demnächst soll das Aktienkapital von 230 Millionen ungarische Kronen auf 500 Millionen ungarische Kronen erhöht werden. Die in Tnstanowice gelegene Gvirbe,-Stella"' (Eigentum der Aktiengesellschaft „Naphtha") halben die Naphtha-Industriellen Leo Rosner, Joachim Schiffer u. a. erworben. Wie im Fetzten Augenblick verlautet, erwarb den genannten Schacht die Wiener Aktiengesellschaft „Browak". ■ Wie wir erfahren, erwarb die Aktiengesellschaft „Naphtha" von dem Naphthakonzern „Dabrowa" 38 Prozent Nettoanteile der Grube ,Flonrad" und 22,8 Prozent der Grutbe „Oil Spring" im Tauschwege ffir Naphtha-Objekte in Möstgalizien. Dank dieser Transaktion vergrößerte sich die Produktion der Gesellschaft „Naphtha" um 70 Zisternen Rohöl monatlich, und seine Pflicht grob und ohne Sentiment, wie man sein Mittagmahl einnimmt, den Mund abwischt und sich vom Tisch erhebt. . . Die junge Frau aber hatte Sehnsucht nach Liebe, nach Zärtlichkeit und Wärme . . . Das hatte er nicht und konnte es nicht geben. Er verstand ihr Verlangen nicht und wunderte sich, warum sie keine Kinder hatte. Als er einmal bei einem seiner Freunde, einem älteren Manne, «bei der silbernen Hochzeitsfeier -war und sah, wie die Kinder den Eltern eine Torte mit brennenden Kerzchen brachten und ihre Freude teilten, da kam er böse nach Hause und fuhr seine Frau brummig an: „Kinder . . . Warum hast du keine Kinder? . . . Geh' zu einem Arzt!" \ Doch die Frau hatte keine Sehnsucht nach Kindern, sondern nach Liebe und der Durst nach Liebe verzehrte sie. Von Tag zu Tag wurde sie schwächer und kränkelte immer mehr. Onkel Moses hatte großes Mitleid mit ihr. Sein Leben machte ihm keine Freude mehr. Wenn er einmal mit guten Freunden ausging, um den Abend in lustiger Gesellschaft zu verbringen, machte er sich Vorwürfe, daß er seine Frau allein zu Hause gelassen hatte. Er ließ seine Geseltschast im Stich und eilte heim; doch seiner Frau konnte er nichts geben. Er wußte nicht, warum sie kränkelte und da er ratlos war, schrie er sie an: ,/Was ist dir? Warum gehst du nicht zum Arzt? Warum bist du krank?" Schon einige Jahre vor dem Tode der Frau hatte er keine Frau mehr . . . Das Ivar der Anlaß, daß. er häufig darüber nachdachte und begann, den Frauen nachzusehen . . . An einer jungen Frau in einem jüdischen Restaurant, in welchem er den Lunch zu nehmen pflegte, fand er Gefallen. Sie war brünett und hatte schmale, schwarze Augenbrauen; ihm gefielen die schwarzen Härchen, welche wie Schläfenlocken an ihrem Wangenansatz sproßten. Als er sie einmal säh, wie sie hinter dem Büfettisch in einer weißen Bluse und einer Schürf mit den Schlüsseln klapperte und dem .Kellner Befehle erteilte, da erinnerte sie ihn an den jüdischen Hausfrauentypus in der alten 18. November 1923 Nr. 171V so wiröi sie von nun an die beiiteStelle im BoryslcUverNaphtha« rovier einnehmen. Ans dem Bruttomavkte herrscht infolge Mangels an Bar« Feld augenblicklich eine Stagnation. Die letzten Rolhöltvansakttonen wurden auf Basis von 1,70 Dollar pro 100 Kilogramm realisiert. Der Wiener Finanzmarkt. Infolge des Balten Verlaufes der Prolongation n«u>d der GeWlüssigkeit war die Stimmung im Privatvevkchr frciuMich. Stimulierend wirkte die feste Tendeu,z der «ungarischen EMten, die auch im hiesigen Effektenhandel höhere Knrstaxativnen wchvmhinen ließ. Die UMsatztättgkeöt bl leib gering. Bem«evke.nsllvert waren nur Bndapeister Avbitvagekäufe für innaavische Kohlen- und Holzwerte, von denen oiniae in Kost gesucht wurden. Der Wiener Geldmarkt. Aus dem Geldmarkt herrscht große GclMlssiigkci>t. Der Repvrüsatz bewegte sich bei drei Achtelprozent pro Woche, wobei Milliardevibeträige ohne Placierung blichen. Der größte Dell der Geildconigeibote konnte bei ei nein Zinsfuß von 20 Prozent pro Anno nicht placiert werden. Lumen, P trolenm- und Bergbau-Aktiengesellschaft. In AusWrung des G>c«n'i'r«l0cvfamm>lungs>bc«sch!llusses vom 14. Mär; d. I. gelaugt Mmmchr die Weite Tranche in Höhe von 500.000 Stück Aktien mit Div Dendenber«cchtiiguug r ab 1. Jänner 1923 zur Ausgabe. Das Beiz ngs recht ist an der Klasse der Gesellschaft, 1. Beiz., Fruniz Jvscsskai 13, oder der M. L. Bicdevmann u. Go., Bank-A.-G., 1. Bei;., Planken- Fasse 3, unter Vorlage der allt-en Aktien, beizi>e-hn'nigswei!s«e Interlinsscheine im Verhältnis 1:1 und zum Kurs von 60.000 K. tol q.U'Cil pro Stück in der Zeit vom 16. bis 26. November vor- ' mittags von 9 bis 1 Uhr ausMübein. (Ent'Felltlich.) Dreißig Prozent Tageszinsfuß in Berlin. Ans Berlin wird gemeldet: Einige Großbanken haben, wie die „B. Z. am Mittag" erfährt, eine neue starke Erhöhung der Zinssätze ifiir Dtzbetsalden beschlossen, und zwar werden setzt Sätze von 30 Prozent pro Tag verlangt. Allerdings ist dies nicht eine allgemeine Maßregel, sondern bisher mir bei einigen Banken der Fall. Streik der Berliner Börsenmakler. Aus Berlin wird gemeldet: Gestern ist eine Verordnung des Reichsfinanzmimsteriinns erschienen, wonach die Makler den Schlußscheinstcmpel für den ganzen Monat im voraus am Montag müf Grund eigener Einschätzung zu zahlen haben. Diese Bestimmung hat lebhaften Protest hervor,gerufen, da die meisten Makler gar nicht in der Lage sind, solche große Summen, die bei einzelnen Maklern in die Billionen gehen, im voraus zu entrichten. «Außerdem ist durch die Bestimmung auch den Maklern eine große Verlustgefahr erwachsen, denn wenn die Makler sich zu «gering einschätzen, dann haben sie, den zu viel gerzahlten Betrag in entwerteten Papiermark entgegenzunchmen, während rm Falle sie sich zu hoch eingeschätzt haben, sie den fehlenden Betrag in Gold einzuzählen haben. Infolgedessen haben die fteien Makler beschlossen, am Montag Seine Aufträge anzunehmen, während die vereideten Makler bei der Maklerkammer vorstellig geworden sind. Falls bis Montag keine Aenderung evsolgt. wollen sie beim .Handelsminister vorstellig werden und die «Kursnotierungen einstellen. Unter diesen Umständen ist damit zu rechnen, «daß der Börsenvorstand die Börse am Montag wird auSfallen lassen. Riesengewinne der ungarischen Zuckerindustrie. Aus Budapest Wird geschrieben: Die Ungarische Zuckevinldustrie A.-G. hat i!m Vorjahre bei ain«em MtienikapitÄ vM 90 Millionen Kronen ein Bruttoerträlqnis von 727 Millionen Kronen er- Mt. Davon wurden 100 Millionen abgeischvieiben, so daß dennoch 545 MMomn Kronen «als ReinsvträMiS gelbliebvn sind. Trotzdem daß Ende März nächsten Jahres eine Schuld von 880 Millionen Kronen zu zahlen -ist. hat die Zuckerindnstvie die Erhöhung des MiiLiMpstals «nicht inS MW gefaßt. Die ungünstige wirtschaftliche Lage SmhmaS. Die Federation of British Industrie entsandte kürzlich ihren Konstant inopeler Vertreter nach Smyrna, um cm Ort und Stelle die wirtschaftlichen Zustände zu prüfen. In dem Bericht dieses Delegierten wivd nun das denkbar trübste Mld gegeben. Smyma sei eine große HalbrniM. Nichts sei seit der Zerstörung des Geschäiftsvierbels getan worden. Die Austreibung der Griechen und Armenier räche sich bitter. Die ohne Erfahrung und ohne Kapital dastehenden türkischen Kaufleute könnten das Wirtschaftsleben nicht wieder in Schwu«ng bringen. Dort seien nicht mehr als vier bis fünf britische Firmen an der Av'beii. Smyrna werde voraussichtlich auif dem Niveau einer drittklMgen Provmzstadt verbleiben. Heimat und er begann mit ihr zu kokettieren, überhäufte sie mit Aufmerksamkeiten und bat sie, mit ihm zusammen auszugehen. Alles wunderte sich über Moses Melnik, doch der fühlte sich sehr wohl mit dieser Frau, die ganz zu ihm paßte. Ihr Mann merkte, was vorging Md merkte eS auch nicht — in jedem Fall tat er, als wüßte er nichts. Onkel Moses lebte mit der Wirtin des jüdischen Lunchroonr heimlich zusammen und sie hatte jedes Jahr ein Kind, das auf seine Rechnung ging ... Er selbst wußte nicht, ob es seine Kinder lvaren oder die ihres Mannes . . . Der Mann kam von Zeit zu Zeit, um von Onkel Moses mit der Drohung eines Skandals Geld zu erpressen und Onkel Moses g«ab es ihm. Dieses Geschäft vertrante er Sam an, «der ihn auch stets von allen Sorgen auf diesem Gebiete befreite und alles ohne Auffehen „arrangierte". Daß Onkel Moses mit einer anderen Frau lebte, gab seiner eigenen zarten Frau vollends den Rest. In kurzer Zeit starb sie, ohne ihm ein Kind zu hinterlassen. So hatte Onkel eigentlich keinen Leibeserben. Die Kinder der Frau des Gastwirtes gehörten offiziell diesem nn«d Onkel Moses war gar nicht sicher, ob es seine Kinder waren... So lebte Onkel Moses zehn Jahre lang als Witwer. Alle Leute sagten, er sei noch ein junger Mann und'in seinem Geschäft ga«b ein Schadchen dem anderen die Türklinke in die Hand. Onkel Moses dachte nicht daran, zum zweiten Male zu heiraten. Er brauchte das nicht. Seine heimlichen Beziehungen zur Frau des Gastwirtes hielt er weiter aufrecht. Doch als er sich den Fünfzigern näherte, fühlte er eine gewisse Einsamkeit und die Sehnsucht nach Familie. Seine geschäftlichen Energien begannen ein wenig zu erlahmen, er hatte nicht mehr die gleiche Lust wie früher, neue Häuser zu bauen oder neue Unternehmungen zu gründen, begann sich mit den alten Geschäften zu begnügen und bekam Sehnsucht nach einem warmen Heim, nach Kindern, die ihm gehörten, mit denen er an Feiertagen in die Schul' beten gehen und sich vor seinen Bekannten zeigen könnte ... So dachte er viel ans Heiraten und ließ sich Partien antragen. GorUetvma wlgt^