Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1710 (18.11.1923)
- Date
- 1923-11-18
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Uk. 1710 MW, Sonntag Miestee Morgenzettung. Literatur. Jas beste neue Palästina-Buch. Artur Holidscher, bMrvnt als seriöser veutslhschreibeuder Schviffftiell'er, der über venschi staue Dinge Weisentz>iches zu sagen halt, Dichter uwd »uheroridetMch scharfer Beobachter, IM von der Peripherie deS JudentlvmS, Weltwifenttar und Ramcmcier, dieser Avbur Holitischer, der bisnun zu einem positiven pMästinolzerrkliischen ^mbcutiuan koiuevlci Bemerkung gmracht hatte, fuhr noch Pailätstirm, kam zurück amfb schrieb ein MßeroÄdervWch Auges Brich ü'ber das jüdische Palästina. Gm Brich, das zu den besten Es diaseim Gebiet gezählt werden soll. Gin außerordentlich kluges Brich, muß man sagen, eilt Bnrch (ober auch voll Liebe, voll Verständnis rurD voll wirklicher Hingabe an die Materie. Das »nutz vorausgeschickt werden, dvirn in dieser ZW, da jeder Schnellton vist, dev^ dorr Aegypten her einen Sprung nach Palälstiua macht, ein Mich Wer das Land schreibt, ist eine Arbeit, die Es der Mitte der DKkye heran8 und «ns tirGer Liebe cutftanid, doppelet wertvoll. HoAttschers Buch „Reise durch -das Mische Palästina" (S. Fischer, Verlag. Berlin) ist ein Hochgesang dein Chalug, dem VrrMvger des JuttaMums, ein Oiesang, der elementar aus einem Herzen hervorbricht, das kurz vorher noch das Heil der ZMmft 4m kmmmvni.strschen RuWand gefühlt hatte. Seite um Seite schrieb unendliche Liebe und wenn HAatscher arrch dann wird wann diese oder jene negative Seite des ClM.rz übrvsieht, dann und wann PrMvine durch die Brille marxistischem KominvM'iSnuts sicht, Probleme, die nur antzerpaDtMcher Sozialismus (besser: Solidarisnuls im erhabensten Ginne) lösen kann, ist dennoch dieses BÄenmnis zum Indentunr von großer Wichtigkeit. Ich sche ab von seinem pvoipaganldistWen Wen in jenen fc>njcit, denen Jusentum eine Angülvgenheit außerlMb des täglichen Lebens -rmd seiner Literatur ist; mir ist es das Boleuntnis eines ehrlichen Manides, der, kam Junger mchr, tnit einem die gange Grütze des EvMmssttz IMivtrom erschüttert erlebt und dafür zeug,.. politischer sicht 'in tar WhalluKrage das zentrale PrMem aller pallästinoyenbvischen AnstveMruAen, und ive-uu er meint: ,-Es ist vielleicht nicht der Boden Palästinas allein, dm dieser Pionier bearbeitet," sicht er Mar in eine Ferne, in die nur die Beste,: schein — Mer er sicht die außerordentliche Grütze des ethischen Geschehens, die nur der erfassen kann, der sich müht, von der Peripherie ins Zentrum Vorzndvingvn. Und in der Tat: das tut dieser Mann Höllischer, der kein Jdmgrr nrchr ist, und der gestern noch pm positiven Judentirm nicht Ätelünnig ge-nommen hatte. lZiestern noch sang er sein Lied denl doktrinären SogiMKmus russischer Praxis, heute grüßt er den freien Sozralsolidarisinms des Wihsnltau viellsäGigeu Pivmcrlabens Palästinas mit seiner ganzen Leidenschasi. Wo die größere NevsKrtimr bereitet wird, in Nnft'-and oder in Palästina, erfährt HoNttscher mrs den (Hammerschlägen der jüdischen Arbeiter am Rande der Wüste Judäa. Es äst ein wohltuendes Gesühl, eimnal wieder ein Palästina-Buch zu lesen, das im BüwuWein großer Verantwortlichkeit geschrieiben wurde, geischrieben aus wohlvorbereiteter Basis, von Studien, die vor Antritt der Reis« betrieben wurden. Aus der Seltenheit dieser Tatsache schon sei aus den Ernst geschlossen, der dieses Buch beherrscht. Nicht K'ichttstrtig spricht es Ansichten aus Slmd ivann HolÄscher auch miimcker fassuugÄ'os vor manchem Paradoxon steht, deren dieses Land ja voll ist, von der Idee, ein verwüstetes Land nuisiManen, inidem man mit einer Kirnistischiule und dem Projekt einer Universität beginnt, bis zur Idee, unendliche. Op'fevbereitschast erngeibner als esientiellen Faktor in die ,AusbM>arbM einiznstcllen, ohne an gewisse Möstlichkeiteu zn denken — den« noch versucht er stets licibedoll gu verstcheu, und referiert ^uch dorr vbjektrv. wo er sichtlich nicht mitkann. So ist es aber auch Mstde-rlstäMich, daß ,er trotz seiner Liebe —' äder oben deSwegivn — sein Mißbehagen nicht unterdrückt, das ihr: - mikmkr brlschleicht, so wenn «er das Miere Wort vom E!hälu'ülMo.lnMMiSnvuS au spricht, >er setzt alber auch, Objektiv tvie i'inuvrr, die AnÄvovt des anderen dazu: „Der Mpüw lisurus uvutz 'uns die MAgllichkeit schaffen, daß Will W»Muiristisch äüben Wnnen." HMschers Buch ist lein Parteibuch, wie der Mann tem Partei mann ist, ihm ist „HerKs Zivnismius «eine Auge« le-gercheit der Mischen Bourgeoisie", es ist das Buch eines Quitsiders, ÄneS autfvechten Mcheutfeii-ers, desstu BÄeamtiM zutir jüdischen Palästina oder besser M, palästmensiischen Iuden-tuim aber prolsunder ilst, M jedes B'Äenntnis des landuiusiigen SechZwochentouvisten, dom Palästina kein erschütterndes Prolbl-em, sonder», bester^alls PrMamatische Ailyoleigenhest Eugen Hoeflich. ^9. ,2rlberb«sch: Ma'asseh b'ischa achath (Geschichte einer t^rauj. Berlag: „Freunde >der Literatur", Wien 6688. nilbcrbusch, einer der Veteranen der »euhebräischen Literatur. lmt seine während des .ikrieges in jüdischer Sprache, erschienene Erzählung jetzt hebräisch erscheinen lassen. Sie schildert in schöner Einfachheit das Schicksal einer indischen Frau, die vor dem Kriege geheiratet hat, infolge des Krieges mit ihrer Familie die galizische Heimat verlassen »nutzte, ans dem Wege von ihrem Manne getrennt wird und schließlich in einem Flüchtlingslager in Mahren Imitat. Wir haben vor uns den Typus einer jüdischen Frau in des Wortes edelster Bedentnng. Sie wagt nichts dem Triebe ihres cigeiten Herzens zu folgen und heiratet den Mann, den ihr die Eltern gewählt haben. Sie tut dies, weil es ihr selbstverständlich erscheint, dem Willen der Eltern zu folgen. Sie lebt ihrem Manne und den Kindern und duldet die Herrschaft des Mannes - trotz inneren Widerstrebet>8 lvie sie früher dein Willeii der Eltern gefolgt war. Sie bewahrt ihren Adel in allen Lebeiislagon. Sie leidet und duldet und ist stark genng, allein ihr Leid zu tragen. Neben der Heldin fuhrt niis Silberbnsch zwei andere Frauen gestalten vor: die Schwiegermutter der Heldin und eine LeideuSgefährtiu irn Flüchtlingslager. Die erstere, eine um sympathische, lächerliche gm, die trotzdem chrem MM hek>. Judenplatz Nr. 6 Teinphon 65-4-56 Telephon 65*4-56 Kulanteste Durchführung aller bankgeschäftiichen Transaktionen sowie Verwaltung von Geldern Im Kontokorrent- Verkehr zu dem jeweils geltenden Reportzinsfuss. 37 herrscht, die zweite ein resolutes, besonders tapferes, willensstarkes Mädchen, das ganz jüdisch ist. Ebenso scharf und glänzend sind alle männlichen Figuren gezeichnet. Der Hintergrund der Erzählmig, der Weltkrieg, wird in Stimmung und in seiner Wirkung ans die galizisch-iüdische Gasse lebendig und künstlerisch geschildert. Die Darstellung ist dramatisch,^ trotz der einfachen Mittel, die der Autor verwendet. Die Erzählung ist ein packendes Stück jüdischen VorkriegS- und Kriegslebens, künstlerisch und lebendig zur Darstellung gebracht. Dr. Chaim Tartakower. Sin jugendlicher Zoppelmörder. Vor denk Schwurgericht stand gestern der Cchlleidergehitse Johann Schroth wegen eines Dop.pelmord.es, den er in Agram im vorigen Iohre verübt hatte. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Reitinger, den Vorsitz führt -Hofrat Dr. Schneeweiß. Die Anklage 'sagt, daß er die bei dem Schneidermeister Mato Siiperic besäMtigteii Gehilfen Fvanz I'üvgic uu'b Zifko P anjan durch .Hammerschläge im Schlafe ermordet uiid Kleider, Stoffe mw Bargeld im Betrage von R.670 jugoslawischen Kronen geraubt habe. Wer dieses junge Bürschchen aus der Anglagedank sieht, würde ihm niemals ein derartig filrchtbares Verbrechen zntrauen. Vieles erklärt sich allerdings airs der schrecklichen Kindheit, die der ju-gnMlche Verbrecher verbracht hatte. Im Eliernharlse Unfrieden. Schon iit früher Iugetid ging er einmal mit dem K i't cheuinesscr auf seinen Vater los. Dann kornttlt der Junge in dir Besserungsanstalt nach Eggenbnrg. Das, was die schlechte Behandlung und die verfehlte Erziehung im Elternhause an ihm noch nicht verdorben hatte, vollendete diese sogenannte Besserungsanstalt. In Eggenlmrg erlernt Johann Schroth daö Schncrdcrgewerbe, und als er ans der Anstalt c«tlassen wird, ist er bereits ein Dieb. Bei feinen Meistern stiehlt er Stoffe und trotz seiner Jugend ist er bereits mehrntals vorbestraft. Dkr kam er nach Agram und trat bei dem Meister S t ipetic als Gehilfe ein. Eines Tages — es war am 21. Oktober ,1022 — sah Schroth, wie der Meister einige größere Geldnöten in der Schublade verwahrte. Der Gedanke, sich dieses Geld anzmignen, ließ ihm keine Ruhe mehr und in der Nacht, als seine Arbeitsgenossen fest schlieseii, erhob er sich geräuschlos, ergriff einen schlverei, Hammer und versetzte damit zuerst dem Panjan einen Schlag auf den Kopf und erschlug dann a,»ch den ruhig schlafeudert I'agie. In Wien wurde Schroth verhaftet und gestern stand er vor den Geschworneu. Er ist geständig, bestreitet jedoch die Absicht, feine Arbeitskollegen zu ermorden. Die Verhandlung lvur-de anr Mend zu Ende geführt. Nach kurzer Beratung er- «kannten die Gcschwornen den "Angeklagten Johann Schroth des Verbrechens des Diebstahls einst i ui tu i fl schuldi g. In einem besonderen Zusatz baten die Volksrichter den Ge richishos, in Anbetracht der freudlosen Jugend des Angeklagten bei der Bemessung der Strafe möglichste Mil^de walten zu lassen. Nach längerer Beratung verurteilte der Gerichtshof den Llugeklagteu zu lebenslängliche m f ch w eren K >e r k c r, verschärft durch einsame Absperrung in diiiiklcr Zelle an jedem Jahrestage der Bluttat. Schließlich führte der Vorsitzende aus daß der Gerichtshof mit Rücksicht auf die überwiegendei. Er schweruugsgründe der Bitte der Geschworneu um Milde nicht Folge geben konnte, daß dies jedoch, lvenn der Angeklagte in der Strafanstalt eine musterhafte Führrmg zeigen sollte, seiner zeit gelvitz in Erwägung gezogen wevdcii würde. Der Angeklagte nahm das Urteil ruhig elitgegen. Verteidiger Dr. Sperber meldete die N icht igk ei tsb e schw erd.e und Berufung an. Lebensretter stocke — verbotene Waffen. Das Bezirksgericht Atargareten und das Stmfbezirksgericht 1 hatten zwei Stockfabrikantcn von den wider sie erhobenen Anklagen wegen unbefugten Verkaufes von svaen-aimten Lebensretterst öcken, wie sie allenthaltan feilgeboten werden, mit der Begründung freigesprochen, daß Lebensrciterstvcke keine verbotenen Waffen seien. Ueber die gegen die Urteile von der Generalstaatsanwaltschaft erhobene Nichtiokeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes hat der Oberste Gerichtshof unter Vorsitz des Seniatspräsidcirteli Dr. Spath zir Recht erkannt, daß ditrch die be-- zeichneten Urteile das Gesetz in ibcu Bestimmimgen des Waffen* Patents deshalb verletzt worden sei, weil Lebensretterstöcke verbotene Waffen seien, somit deren Verkauf an Personen, die eine Ankanfsbewilligung von der Polizei nicht beibrmgen, unzulässig sei. Automobilgerichtstag. Bei derrr gestern stattgefundenen AAtonrMWvichtslag vor dem SlraGezirksgericht 1 (,Laindcsgerichtsrat Dr. Au er b.ach) wiirde der Direktor einer polnischen Kohlengewerksgesellschaft, Markus Maltner, der mit seinem von ihm selbst gelenkten Automobil in der Oberen Donanstraßein ein Pferdefuhrwerk hineingefahren war. zu einer Geldsbt'afc von einer Million Kronen verurteilt. gufchriftea an die RedMon sowie unverlang! einlangenden Manusbripten wolle man stets Rückporto beilegen» Sa sonst eine Beantwortungbeziehungsweise Rücksendung nikhl erfolgen kann» 18. Noveiniber 1023 Seite 11 ♦ Gestempelte Krone — V.V881 tzenNme». Auszahlung Wien 0.0081 stentlmer. In Zürich notierte 1.7./1I. 16./11. die österreichische Krone. 0.0081. 0.00807, die öftere, gestempelte Krone .... 0.0081 0.0080»/* die tschechische Krone. 10.65 16.55 i>ie Mark.pro Milliarde — — Holland. 214.50 214- New-Dvrk. 574.- London . 24.80 24.80 Parts ............. 80.30 30.62 Mailand ............ 24.25 24.30 Belgrad.. 6.50 6.65 Bukarest... n.~ 3.— Sofia... 4.00 4.85 Budapest. 0.03 0.0302 Warschau . . . .. —i— LcutschlanSr WirtschaflsanttsemMmus. Ironie der Weltgeschichte. Deutschland, das sich jetzt die größten wirtschaftlichen Drangsalierungen gefallen lassen mutz, Ivelche im Lause des letzten Iahrhiittderts je ein l>esiegtes Volk in wirtschaftlicher Hinsicht hat erleiden müssen, dieses Deutschland, das unter dem Drucke seiner wirtschaftlichen Verfolger seinem Ende nahe zu sein scheint, hat sich ei neu Wi r is chaftsan tije nriris rnus zttrechi gelegt, der scinesglelcherr nur' in den borniertesten Zeiten des sinsterstelt Zarisnnts findet, als die Zavendhnastic aus Angst vor inneren Revolten die Jnstintte \ der niedersten Massen in Form Volt Pogroms at'.f die Inden lenkte. Dieses Deutschland, das seiueMit über diese Pogrome nicht genug Worte der Verachtung.finden konnte, geigt heute Erscheinungen, die nicht um vieles entfernt von jenen Ereignissen sind. Und doch waren es damals nur irregeleitete, naive Mnschiks, die sich des Zusammenhanges der Dnlge nicht recht bewußt lvaren. Doch hier handelt es sich um ein Volk, das ans einen Rang unter tan höchsten Knltnrvülkerw Anspruch erhebt. Man kann hier nicht die Aeutzernuger, des bayrischen Wirtschaftsantisemitisnms allein anführen, 'wo ein Acann, dem vmr rechts und links der Titel eines politischen Scharlatans beigelegt wurde, in Mißbrauch der ihm übertragenen Staatsgewalt sich angemaßt hat, ntit einem -Federstrich die wirtschaftliche Existenz der Juden zu vernichten. Mxrßnahmett, die in ihrer Gänze von Wirtschaftsidiotismus und einer totalen Unkenntnis der tatsächlichen und rechtlichen ^rhaltniss« zeigen, wurden ange-ordmt. Die Bestimmung, daß die verträetanen Juden rasch wegziehen müssen, üvohei ihnen auch untersagt tvurde, ,Ms ihrem Geschäfte irgendlvPlche Waren, Rohstoffe, Halbfabrikate, Fabrikate, Maschinen oder andere Gegenstände fortzuschaffen, die Anordnung der Bestellung eines Betriebsleiters und der endlichen Beväußrrung der Betriebe zuMnsten der bayrischen Staatskasse, können höchstens dem Gehirn eines Wahnsinnigen entsprungen sein. Dies ist, in nackter Form betrachtet, eine nicht nur jedem Mrgerlichen und staatlichen Rechie widersprechende, sondern auch eine — da es sich in den meisten Fällen u>m Ausländer handelt — im völkerrechtlichen Sinne vollkommen lwidersittnige Maßnahme, die den Begriff von Eigentum und Recht, der sich im Laufe der Jahrtausende entwickelt hat, auf tan Kopf stellt und diesem Naivling auft dem Staatsstuhle nickst nur eine Anzahl von Prozessen eintragerr, sondern auch die deutsche Regierung in Repressalien verwickeln kann, die jahrelang noch ihre schädlichen Folgen für das Deutsche Reich haben können. Diese Acutzerung des Wirischaftsatrtisemitismns ist keine vereinzelte Erscheimmg. Fast hat man den Eindruck, als ob sie in ganz Deutschland System iverden wollte. Es machte einen merkwürdigen Eindruck, als vor einigen Taget: iu den deutschen Blättern zu lesen war, die Polizei hätte bei einqm kleinen Juden aus Galizien ein ganzes Devisenversteck ciusgehobcn und in verschiedenen Behältern verborgene Summen im Werte von 11.0 0 0 Dollar beschlagnahmt. Des langen rmd breiten wurden alle Verhältnisse geschildert. Das Stinnes-Organ, die „Deutsche Allgemeine Zeitung", hnbmcte der Sache einen langen Aufsatz, als hatte es sich um ein gewaltiges Ereignis gehandelt, das unbedingt die Aufmerksamkeit der ganzen Qeffentlichkeit verdienen würde. Als ob der ganze Reichtum Deutschlands nur diese 11.000 Dollar ausmachen würde und als ob tatsächlich hier die Wurzel des ganzen Dgvisenunglücks Deutschlands und der ganzen Juslationskrankheit der deutschen Mark damit beim Schopf gefaßt worden wären. Den außenstehenden rrchigen Beobachter konnte die ganze Aufmachung nicht irritieren. Man merkte gar bald die Absicht. Die deutsche Polizei hatte ein bcwundernsüvertes Stück von Unfähigkeit gezeigt, als sie den Pogrom im Grenadierstraßenviertel nicht verhindert hatte. Ob sie ihn nicht verhindern konnte, ist eine andere Frage. Auf alle Fälle hat diese Affäre ziemlich viel Staub anfgewirbölt und,die Nachrichten, die dadurch im Ausland über Deutschlands Verhältnisse verbreitet wnrtan, waren sicherlich nicht dazu angetan, das Mitleid für Deutschland zu vergrößern. Mit 'der Ansiveisung eines jüdischerr Journalisten konnte die deutsche Polizei die Sache auch nicht wieder gut machen. Also mußte man eine Ursache finden. Da wurde von dem „berechtigten Zorn des Volkes" gegen die „östlichen Einwanderer" in einer offtzrellen Kundinachung gesprochen, die durch ihren „unverschämten Devksenhandel" die Wut des Pöbels zum Pogrom gereizt -hätten. Da aber in der ganzen Welt-über die.merkwürdige Entschuldigung der Polizei der Kopf geschüttelt lourde, mfe .i M« Mlmütom fo* BiÄvKiS. MvaM lmrdsv. D3.++.-^^^2C