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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-18 · Heft 1710 (18.11.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1710 (18.11.1923)
Date
1923-11-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Berit 1 Wkn, Sonntag Wiener Moraenzeitun«. 18. November 1923 Nr. 1718 des QeverbevereioLL. I., Esehenbacbg. xx Heute, 1/28 Uhr abends Grosser jiid. Liederabend Hilda Dulitzkaja Restliche Karten an der Abendfcasea 7««3 2tnt Schlüsse der Sitzung ergriff der Außenminister Dmowski nochmals das Wort und betonte, daß dir polnische Politik durch und durch friedlich sei. Die Beziehungen Polens zu den siegreichen Großmächten feien moralischer und politischer Natur. Vor allem sei Frankreich durch seine geographisch? Lage am meisten von den Miierten an der Durchführung des Versailler Vertrages interessiert. was bewirke, daß sie polnische Politik mit der französischen am engsten verbunden lei. Gegenüber seinen Bürgern, besonders gegenüber der arbeitenden Klasse, fuhr der Minister fort, sei es Polens Pflicht, seine Finanzlage wiederherzustellen und zu gleicher Zeit den europäischen Frieden zu stärken und die wirtschaftlichen Beziehungen in Europa zu sanieren. Der Minister gab dem Wunsch Ausdruck, daß diese Erklärung in Polen verstanden und im Ausland als aufrichter Ausdruck seine Ideen, nicht aber als diplomatische Erklärung aufgefaßt werde. Seiner Meinung nach sei auch in der Politik der gerade Weg der kürzeste und die Politik gewinne nur, wenn sie reell und aufrichtig fei. Der Minister gebe sich auch Rechenschaft über dir Gefahren, die aus einer eventuellen Aenderung in Deutschland für Polen entstchen konnten. Eine kommunistische oder monarchistische Revolution in Deutschland könnte für Polen ernste Gefahren nach sich ziehen. Trotzdent habe Polen nicht die Absicht, sich in die Angelegenheiten eines anderen Staates einzmnisc^eu. Seine Aufgabe fei cs, die Entwicklung der Ereignisse zu verfolgen und bereit 31t sein, seine Interessen imb den Frieden zu verteidigen, wenn sie bedroht sind. Bezüglich der Beziehungen zu den Sowsttregierunyen gab der Minister der Meinung Ansdruck» daß Polen versuchen solle, mit ihnen zum Abschluß einer Handelskonvention zu kommen. Wenn auch die Verhandlungen mit Kopp nicht zum Abschluß einer solchen geführt hätten, so glaube der Minister dennoch, das; die Sowjetregierungen bald zur Einsicht kommen würden, daß der Abschluß einer Handelskonvention für beide Länder tvünschenswert sei. Exodus der Linken auz dem Senat. Warschau, 17. November. (Tel der „Wiener Mvrgmzeitung") In der letzten Senatssitzung kam es anläßlich der Rede des Innenministers Kiernik über die letzten Ereignisst in Krakau, in welcher er nur der gefallenen Offiziere und Soldaten gedachte, zu stürmischen Szenen. Die Rede des Scnats'uarschalls rief ebenfalls die Unzuftiedenhett der linken Parieren hervor. Nach dreser Rede veclas Mgvordnerer Posner namens der Soziawemokratischen Partei eine Deklaration, in der gegen die tendenziösen Erklärungen des Marschalls schärfster Protest erhoben wird. Zum Zeichen des Protestes verließen die Senatoren der linken Parteien und der nationalen Minderheiten den Beratungsstal. Jesus gegeben, um seine Abstammung von Davids Ge- - schlecht zu dokumentiere», aus welchem nach den prophetischen Deutungen der Messias erstehen wird. Es darf nicht vergessen werden, daß es in unserem Achtzehrygebet bis heute heißt, der Sproß Davids (Zernach David) möge aus unserer Mitte erblühen, das heißt, der Dtessias aus Davids Geblüte unter uns erstehen. Nach dem Zunamen Nozar wmden die Anhänger Jesus Nogrnn (Nazarener) ittinut. M das sind erst spätere Zutaten; der historische Jesus ist nach Müsset ein gewisser Ioschua Bar Aba aus Galiläa, der als Anführer einer Rebellen- Utck Räuberbande, lvelche gegen die wünsche Herrschaft konspirierte, dieser und der ihr ergebenen Herodes-Dynastie 'unbequem imb daher ebenso aus der Welt geschasst wurde, wie Herodes die beiden Mhne des Rebellen Jehuda des Galiläers töten ließ, welche seine und die römische Herrschaft .mit Berufung darauf, daß Gott allein der Herrscher Israels sei, nicht anerkennen wollten. Die einzige Originalität des Galiläers Bar Aba sieht Müsset darin, daß dieser Joschuah Bar Aba die Befreiung von jeder Herrschaft, also die Anarchie im Namen eines göttlichen Himmelreiches und einer göttlichen Himmelsherrschaft predigte. Das lvar auch der Anllch, wes« halb die römischen Behörden und die ihnen unterstellten herodiauischen Satrapen sich beeilten, . der Propaganda dieses Aufwieglers energisch entgegen zu treten, -während eine Anzahl von Antagonisten gegen das römische System völlig unbehelligt blieb. Gerade der anarchoPoWsche Zug in der Propaganda des Galiläers mag auch viel dazu beigetragen haben, daß seine Glorifizierung als politischer Märtyrer durch die von zweifacher Aussaugung bedrückten niedrigen Volksklassen so intensiv erfolgte. Die politischen Nachwirkungen seines Wirkens haben sich erst ein halbes Jahrhundert später in dem ans den gleichen Motiven genährten Bar-Kochba-Aufstand gezeigt. Die mit französischer Akribie und französischem Geist: vorgebrachten Forschung Massetö geben der religionsschöpferischen Seite der Jesus-Legende klare -Umrisse und seien allen jüdischen Jesusneutönern an ihr gutes Herz gelegt, welches das Judentum mit einer aus Unwissenheit und Unklarheit geschöpften Idealfigur bereichern will. ES gibt im Judentum Größe genug, die eindeutig feststeht, so daß es einer aus nebelhaften Vorstellungen geschöpften Bereicherung feiner großen Menschen mitralen fcgP' R->. Ä» Avioü» Kim RaMerung der Anke». Warschau, 17. November. sTel. der „Wiener Morgen» zeitung".) Die Ittvfcu Sejmparteien D-oziaLdemokraten, Wyzwolenie, Dombsii-Gruppe, Nationale Arbeiterpartei) haben ein gemeinsames Exekutivkomitee gebildet, dem die Präsidenten der genaniUen Klubs angchorcn, uni einheitlich den parlanlcntari-- schen Kampf zu sichren. AntisemMsche krreffe ln Kalwarya. Aus Krakau wird uns gemeDei: In von Krakau gelegenen Städtchen Kalwary des letzten Markttages Jndenexzesse vor. Den ein Streit zwischen e'mern Bauer und einem in dessen Verlauf die versammelte Menge Partei ergriff, worauf Ueberfälle aidf und Geschäfte begarmen. Fast sämtli Warenläden wurden ausgeplün lizei ist es gelungen, eimge der Exzedenten denen größere Mengen geplünderter Waren kut in der Nähe a kamen während Anlaß hierzu gab jüdischen Händler, für den Bauern jüdische Kaufleute che jüdischen dert. Der Pozu ergreifen, bei gefunden wurden. Rumänien. Der akademische Senat der vniverfiM Jassy gegen die antisemitischen Hetzstadentea. Aus Bukarest meldet I- C. B.: Der Senat der Universität Jassy hat als Antwort auf die Forderungen der antisemttischcn c uz aistischen Studenten das Folgende beschlossen: 1. Der Senat ist außerstande, für die wegen Teilnahme an dem pogromistischen Komplott verhafteten Studenten zu intervenieren, e8 sei denn bloß zugunsten einer Beschleunigung dc8 Untersuchungsversichrens; 2. das Uuiversitäts-- statut wird in dem Sinne modifiziert, daß der Senat ermächtig: wird, jederzeit strengste Maßnahmen zu ergreifen; 3. die Forderung, daß jüdische Hilss- und Lehrkräfte aus der Universität entfernt werden sollen, wird einstimmig zurückgewiesen; 4. die Forderung, daß im anatonrischen Institut für S^ierzwecke auch jüdische Leichen beveitgestellt werden, wird erfüllt. Tie Vorlesungen mr der llmversitä-t Jassy wurden wieder a n f g e n 0 m m e n. Di« Flüchtlingssrage. Aus Bukarest wird uns gemeldet: Ein Vertreter der 9!antz'en«Kom".n-issiVn für FlüchttdngÄveseu baim Völkerbund ist hver oingetroffM, um bei der Re-jüeruna in Anaeloaeuüeit der FÄchKtnassvrae *u imerveniereu. Die Rsgi-wuna wate?u. daß die FlüchtWnae. die B e rwandte in Rumänien besiben, nnb e.s ch rankte Ansenthaili^erlaubnis echaAen sollen, daß fvvnrr Flüchtlinae. die Bässe des NarÄen-Oonn'eeS besitzen. „ beiim BeÄanen des Landes stw.' belrediae Gr-n;e passieren Können. «Die 5hcrb1 der in Rmränieu MWch-iiiÄucheid FliuchtÄnge beläuft sich auf zirka 6000.) PüMlM. Pelzhaus Gebrüder Brainln Wien, Glockengasse Nr. 8 Werkstätten r II., Rueppgasse 37 / T?l, 45-4-33 Kongreß der gemüßigten vaWinrnstscharabischen Partei. Bei der Eröffnung des Kongresses der vor kurzem gc gründeten gemäßigdm arabischen Partei wann etwa hundert DÄegi-rrt-e a-nitoeseud. Der bekannte Scheich a l F a v u k i wurde zum Präsrdenttm des .Kongresses gewählt. Die Rvduer vichttten fcm öttgemteinen recht heftige Angriffe gegen die Tätigkeit der palästinensisch-arabischen Exekutive. Das von den Gründern der Partei aufgestellte Progrommt wuvse vmn Kongreß angenom-urirn. Bekanntlich fordert auch dieses ProyLcrmm die Zurückzichuug der Balisour- DeLliarntivn und des Paläst-ma-Mandats soww eine Kontrolle des Umerrichtsw^ens durch die palästinensische BedMerrrng. (I. C. B.) Ae »alüftiaeasisch-anckische Srekntive erwartet nene Borschlikge der Regiernag. Jerusalem, 16. Novamiber. (I. T. A.) Die paiMtMeusilscharabilfche Epeknkive überreichte dom Obevkommissär Sir Herbert Samuel ein schvWches Memorandum, in dem di« Alblehnnug des letzten Airgdbotes ebner Ar ab Agency bekräftigt wird. Dir palästbuensisch-arabisch: EMvtive erklärt in dom Momovandum, daß die Araber Palästinas das Angebot einer Arcch Agency schon deshalb ablchrvn, weil sie durch Annahme der Lkgency die Juden ets chnen gleichberechtigt «mesitemven würden. Die Araber haben nicht dm Wunsch, eine der Jewish Agency g l e i ch g e st e l l t e Avolb Agency zu ha-ben. Sie verlangen volle Freiheit. Sie sind ütbcrzmgt, daß das Arrgobot der Arab Agency nicht der letzte Vorschlag der Regievuug an die Araber ist. Die Keren Hajessod-SammLnngen in Jerusalem. Dir Arbeit zugunsten des Keren Hajessod in Jerusalem stöbst wird energisch sortgsfichrt. Bis jetzt haben sich hundert Personen schriftlich verpflichtet, dom Keren Hcrjessod 150 ägyptische Pfuriü» zu leisten. (I. C. B.) Gehätterrevision iu de» ziouisttschen Institutionen. Ms Jevusialeinr mMet I. C. 93.: Die von verschrödmen zromstischen Anstalten (Exeltutive, Aitglo-Palüstma-Bainik, Nation-alsonlds) eingesetzte nvutrvle Sonderbommnss-iM Zwecks Prüfung der GehäLLerfrage an diesen AnstMen hat nun ihre Arbeit beendigt. Die Konrvmission schlägt ei ge beträchtliche Reduzierung der Gehälter der höheren Beamten m der Weise vor, daß d?r Marx im al>ge.ha Li nicht mehr als t'> ägyptische Pfund beivagen soll. Einweihung eines Legionarklnbs in Jerusalem. Der von den früheren jüdischen Lsgionchokdaten >|priiu£>ctc .Klub M e.rt o r ah wurde dieser Tage -in Ierusaloin erHffnri. Fr.ldmarschall Lord Menby sendete ein Glücktv-mrschschreivon. Bei der Wisfmwgchvm ^«ätc» MUracheir: der Obevjskretär dW patlästinensischeu Regievwng Sir Gi-kbevt Clayton, der Gouverneur von J-evusalem Mr. Ronaild StorrZ, das Mitglied der Zionistischm Exekutive in Palästina CÄlone>l Kisch sowie die Herren David Aelvin und I. Ben Zwi. Sir GNert Clayton sagte, die Juden verdankten ihr Mtionale- HÄm hauptsächlich den frühoven jüdisch«' Legionären. Mr. Storrs gab beöau'M, daß die Regiert die Straße, in der der Klub seinen Sitz hat, Men? r; Straße benennen wolle. (I. T. A.) Rundschau. Frier der Fahrertager der Balfom-LÄlaratiov in Amerika. Der 6. Jahrestag der Balsour-Deklaralion wurde von der amerikanischen zionistischen Vereinigung durch ein Frühstück im Hotel „Comniodore" gefeiert. Es wurde ein Telegramm an Lord Balfour abgesandt und eine Dankresolution für Lloyd George angenommen. Die Lloyd George vor seiner Abreise nach England übergebene Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die zur Feier des sechsten Jahrestages der Balfour- Deklaration und der Eiiltvechung der zu Ehren Lord Balfours benannten Kolonie „Balfonria" in Palästina durch Sir Herbert Samuel versammelten Vertreter der amerikanischen Zionisten geben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß an diesem selben Tage der unvergleichliche britische Staatsmann, der zur Zeit der Veröffentlichung der Balfour-Deklaratimr, dieser Magna Charta des wiedcrauflebcnden jüdischen Volkes in Palästina, das Oberhaupt der Regierung war, in ihrer Stadt weilt. Mit besonderer Freude schließen toir mrs dem begeisterten Willkommeugruß an, der Ihnen von allen unseren Mitbürgern entgegeugebra^t wurde." SUmdal in der franMchen Kammer. Paris, 17. November. Die Kammer hat in der gestrigen Nachtsitznng die Interpellation fceS Deputierten Jade bezüglich der Arbeitete im Hafen von Lorient und insbesorrdere bezüglich des dort befindlichen Gefrierlagcrhatlses beratet!. Deputierter Jade t stellte fest, daß da g r 0ß e V e rs ch leu de r utk g e n v 0 n G e ldm i tt e ltl vorgekommen seien, und verlangte die ^Einsetzung e i n e r ll u t c x f u ch » u g §! 0 m missi 0 n. Der Unterstaatsstkretär der Handelsmarine R i 0 wies die vorgcbrachtetl Beschwerden zurück, da sie persönlicher Natur seien, und stellte schließlich die Vertrauensfrage. Die Kammer lehnte mit 604 gegen 5 Stimmen die Einsetzutlg einer NiltersuchmtgZkommission ab uttib votierte dem Unierstaatsstkretär Rio das einmütige Vertrauen. kin internationaler Asenarbeiterkongreß in Belgrad. Belgrad, 17. November. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Ani 24. d. findet hier ein internationaler Eise uarbeitcrkongreß statt, an dem die Vertreter der Gsenarbeiterberbänve O e st e r r e i ch s, Ungarns, der Tschecho--Slotvakei, Rumäniens und Bulgariens teiknehmen werden. Der Kongreß wird über die Lage der Eisenarbeiter beraten und deren Organisiewulg iu dm Balkanländern durchführen. Ae Sowietregierung und die 8oi»t«Arbeit in Rußland. Die Vorsitzende. bei* Kommission für ausländische Hilfe beim zentralen Komitee der Sowjets, Frau Käme nie wo, sprach sich gegenüber einem Vertreter der amtlichen „Jswestija" dahin aus, daß die Arbeit des amerikanischen Joilnt iu Rußland nicht nur als eine individuelle zeitweilige Hilfe, sondern als eine große produktive Tat zu betrachten ist. Die Arbeitsmethode des Joint findet den Beifall der Sowjet-Regierung. Diese produktive Arbeit wird noch längere Zeit hindurch fortgesetzt tverdeu. Letzte Nachrichten. Da« Wahlprogramm der Labom Party. London, 17. November. Die Arbeiterpartei hat heute ein Manifest über ihr Wahlprog ramm veröffentlicht. Darin wird festgestellt, daß der S ch u tzzoll kein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist. Weiters wird für eine Politik der internationalen Zusammenarbeit ver' nrittelst eines stärkeren und größeren Volkerbmtdcs einge. treten. Endlich besagt das Vtan-istst, der Schatzvanz-ler einer Arbeiterregievung werde' eine normal abgestliste Kapitals a b g a d e für Kapitalien von 5000 Pfund Sterling an erhoben Wvr Zwecke der Ablösung der KvieMchMeM

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