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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-17 · Heft 1709 (17.11.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1709 (17.11.1923)
Date
1923-11-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Tekke d ' Wien, ScrmZiag — Eine jüdische Ehrengabe an Lloyd George. Nach seiner Rückkehr von Kanada war Lloh-George zu einem Früh. MinncaPoli? eingcladen. -ein Zahlreiche offi^ielfc Pevsonlichkeitm beiwohnten. Vor der Begrüßt, ngsansprack-e i'vberreichte der Vertreter^ -er jüdische,\ Gerne inde von Miinneapvlis Llohd George eine in hebräischer Sprache abgofaßte Dankadresse, in welcher die Verdienste des früheren HMschen Premierministers um Palästina gewürdigt werden. Der jüdische Vertreter sagte in seiner Ansprache, die Juden würde»: nie vergessen, was Lloyd George für die jüdische Heimstätte getan habe. Llovd George zeigte sich über diese Widmung schr gerührt. (I. C. B.) Nachfolgende Notizen vis zu der Rubrik „vereine" sind entgeltlich.) * Mikado Goldband-Feigenkaffee mit Rabattmarke ist die beste Kaffeewürze. * TanztnsMal «ermann Braun» 14. Bez.» Relnöorfgasse 42. * Teppichhaus Veitzner, Vl., Mariahilferstraße 105, komnch bei Einkauf von Teppichen, Decken, Vorhängen ustv. in allererster Linie in Betracht. Vorzügl. Teppiche aus reinem Wollmaterial, Größe 2X3 K. 295, Größe 250X350 K. 395, tvarme Fensterschüber K. 38. Seidenclotb-Steppdecken K. 175, Flanelldecken K. 56, Bettvorleger K. 19, Doppelbettdecken K. 90, Madrasvorhänge K. 95, Scheibenvorhänge K. 5, Bettaarnituren K. 190, Bonnes femmes K. 38 usw. Größtes Lager in -chten Maffersdorfer Argamanteppichen zu konkunenrlosen Preisen! Preisein Tausendern. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Lese- und .R e d e h a l l e jüdischer H o chf ch n l e r in Wien. Heute, V,8 Uhr abends, Konvent. Vortrag Dr. H i r s ch l: Der Parteitag; Richtungen im Zionismus. — Sozialpädagogische Gesellschaft. Morgen Sonntag, V-7 Uhr abends, 20. Bez., Denisgasse 33, Toynbeeballe (N-Wagen, Haltestelle Gerhardusgasse), Feier der Republik. Musik, Gesang, Rezitation lDr. Alfred Brecher). Redner Tr. Karl Appel. — Sephardisch-akademi- T cf) c r Verein E s p e r a n z a. Heute Samstag, 8 Uhr abends, im Cafe Theater (gegenüber der Volksoper), Generalversammlung. — Verein Crez Israel, 2. Bez^, Zirkusgasse 33. Heute Samstag, */°3 Uhr nachmittags, Hebräisch für Fortgeschrittene. — 4 Uhr nachmittags, Talmudkurs Doktor Goldstern. — V-8 Uhr abends, Seminar; Rabbiner Tr. Kaminka: Psalmen. Gäste willkommen. — Ter Arabischknrs für Anfänger beginnt morgen Sonntag, 11 Uhr vormittags. Anmeldungen noch heute von 8 bis 9 Uhr abends. — Zeire Misrachi, 2. Bez., Praterstraße 43/11. Heute Samstag. 7 Uhr abends, Vortrag Rabbiner Dr. S. F u n k über: Die Wiener Kabbalisten. Gäste willkommen. — Dienstag den 4. Dezember, Chanukkafeier. — Jugendverein Ahawath-Zion, 2. Bez., Glockengasse 30. Heute Samstag, V-8 Uhr abends, Vortrag, anschließend Heimabend. Gäste willkommen. — Morgen Sonntag, 3 Uhr nachmittags, beginnt der hebräische Anfängerkurs. — Hebräischer Klub, 2. Bez., Taborstraße 1. Heute, 7 Uhr abends, Versammlung. Gaste willkommen. — Morgen Sonntag, 7 Uhr abends, Chormitglieder-Zusammenkunft. — Jüdische Volksbiblr^thek Zion, 2. Bez., Glockengasse 30. Morgen Sonntag, 11 Uhr vormittags, wichtige Ausschußsitzung. — Jüdische Toynbeehalle, 20. Bez., Tenisgasse 33. Heute Samstag, 7 Uhr abends, Konzert. Liederabend der Gesangschule A. G o l d b 11 g. Eintritt frei. — Zionistische Kulturgruppe, 20. Bez., Karl Meißlstraße 5. Heute Samstag, 3 Uhr nachmittags, Bericht der Delegierten vom Parteitag und von der Landeskonferenz des Keren Kajemeth. — V-6 Uhr abends, im Vereinslokal, vierte ordentliche Generalversammlung. — Am 1. Dezember beginnen Kurse für jüdische Geschichte und anderes. Anmeldungen bei Herrn Menczer. — Zionistische Sektion Zwischenbrücken. Heute Samstag, 3 Uhr nachmittags, Mitgliederversammlung. Herr K o f f l e r berichtet Über den Parteitag, nachher Vortrag des Herrn Beer über A n — s k i. Gäste willkommen. Urania. Heute: G r o ß e r S a a l, */,3 Uhr: Vorführung hygienisch-harmonischer Körperübnngen. Leitung Zina Lucca. 5 Uhr: Die Besteigung des Mount Everest. l!,$ Uhr: Unser Salzkammergut. — Kleiner Saal, i/«>6 Uhr: Die -ebn Violinsonaten von Ludwig van Beethoven. Fitzner-Birkenfeld. 7- 8 Uhr: Vorlesung Dir. Karl Jager: Heiteres aus seinen älteren und neuen Programmen. — Kurssaal, 5 Uhr: Hilda W e g n e r: Strindberg. 1IJ Uhr: Univ.-Prof. Tr. E. D i t t l e r : Der Vulkanismus in seiner Beziehung zum Aufbau unserer Erdkruste. I. 8 Uhr: Dr. Otto W e t t st e i n : Tie Säugetiere. IV. — K l u b s a a l, 7»8 Uhr: Bildungsfragen der Gegenwart. IX. Prof. Dr. Ludwig B a t t i st a : Bildung durch selbsttätige geisttge Arbeit. — Lehrsaal III, 8 Uhr: Prof. Tr. Hans Bauer: Lichtnnd Schwerkraft. II. -- L e h r s a a l II, 8 Uhr: Prof. Dr. Rudolf S ch m i d : Die Lehre von der Radioaktivität und ihr Einfluß auf die Entwicklung der Physik. III. Leopold st ädterVolksheim, 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr: Schiller-Abend. Mitwirkend: Ferdinand O n n o, Ernst I e r g i t s ch (Gesang), Hans A d a m e tz (Klavier). Karten bis 7000 5t. S i m m e r i n g e r V o l k s h e i m, 11. Bez., Gottschalkgasse 21. 7 Uhr: Dr. Fritz Reumann: Der Alkoholismus (mit Lichtbildern). Eintritt ftei. Bühne und Kunst. Freie Wische B-NsMne. („Die .Kreuzer Sonate". — Gastspiel Henritte Schnitzer..) Man kennt dieses duselig-redselige Kinostück Govdins aus der Glanzzeit der jüdischen Künstlertvuppe in Wien. Da war es Baratow, dessen überragende Leuchtkraft Handlung und Mitwirkende zu sich emporriß und einer: Brennpunkt schuf, der dem Drama Daseinsberechtigung nttd Rückgrat ver'lich. Henriette Schnitz er, die berühmte jüdisch-amerikanische Schailspielerin, verfügt unzweifelhaft über ein hohes Maß von Kultur und Technik, doch vermochte ihre Individualität in diesem sentimentäl-mondame-n Tendenzstück nicht recht zur Geltung zu gelangen. Diese prachtvoll-schmiegsame Gestalt mit den Züge»: einer lei-durchfurchten Madonna stach allzu sehr voir der armseligen Umgebung ab und trug schon im voraus den Stempel der Unwahrscheinlichkeit. Was übrig blieb, war gewollte und nicht instinktiv hervorbrechende Kunst. Das Leid grenzt dann an Pathetik und der Schmerz einer Vertfühvten an Koketterie. Einige Augenblicke gab es nur, die eine große Kunst verrieten: als der agierende Violinvirtuose (der, nebenbei bemerkt, allzu schr die Kutscherseele 'hevvorkchrte) der Fülle einen Stoß versetzt. Wie das Weib, im ersten Augenblick zu Tode erschrocken, taumelte, wie sie sieb dann wie eine Pantberkatze _Wiener Morgenzeiturig._ Mitteilungen aus dem Publikum. ■ 72 Konstaukiion von Albert Kende ■ -.——! Nachlaß | Heinrich Ehenbach ■ I. Abteilung: ■ GemS’de u. Aquarelle von Meistern ■ des 19. Jahrhunderts ■!!. Abteilung: v j Ostasiatisqfie Sammlung : OEFFENTLICHE AUSSTELLUNG:! Heute und morgen Sonntag den 18. November I92S ■ von 10 bis 6 Uhr ■ In der Wohnung des Vers'erbonen, Wien, Xlll'l.; Tra ttm^nsdorfFgasse 11 ‘ägglWIlK«* ■ Elektrische Straßenbahnlinien: 58, 59, « \ Haltestelle Hietziacerplatz! VERSTEIGERUNG: 5 Montag de» lO.biS tnkl.Donner-tag den»2 November 1913 ■ Beginn präzis 3 Uhr nachmittags ■ im grossen Vortragssal des 088terr. Inß6llf8(ir- und ■ Architektenvereines, Wien, I., Eschenbachgass * 9 ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Feinwaschanstalt Zentrale: VI. Wallgasaa 4 Telephone: 6339 und 4316 lUebernahmsstellen ln samt!. Bez. Autos befahren tätlich aile Bez. Stückgarantie wird geleistet. Eigene Stärkwäsche-Abteilung. QHabiburg Gegen Husten: Chloramintabletten Gegen Schnupfen: Chloramintabletten Gegen Heiserkeit: Chloramintabjetten Gegen Verschleimung: Chloramintabletten I Pessar., eiast., ärztl. empf K12.0( 0, iilberaehutz, jeder Dame passend, garantiert sicher, mit Gebrauchsanweisung K 20.000. jahreL haltbar K 30.000feinst K 35.000 u 45.000. Frauensehutz-StOlapperat od, r Irrigster, Stück K. 45 000.ll. K 80 000, jahrelang brauchbar IC 76,000 Monatsbl de, Schntz vor Verkühlung, schont Wäsche, gut waschbar, komplette Garnitur K 20.000 u. K 36.000. jahrelang haltbar K 45.000. feinst K 60.000, 789 Marke „Cyclop“, dauernd benützhar mit Gebrauchsanweisung, Stück K 8000, stark K 12.000, zwei fahre Garantie K 15.000. V- Dutzend Gummi oder Blasen K 6000 und X 9coo, stark K 12.000, feinst K 15.f(:0. Hyqien Warenhaus MIch.Potoky, Wien, Vl/M., Stiegeng.15 einst K. u P.ooo, 7BV ooan duckte, um m maßlosem Schmerze aufzufiprmgen uttd wieder mit einem Schluchzen zusammentzukauern, das gemahnte an die Geste einer großen Tragödin. Unwillkürlich drängt sich der Vergleich mit einer anderen Gestalterin der Jütte, Lea Weiittvauib-Graf, auf. Bei Frau Schnitzer ist Rasse, Kultur und höchstes Virtuosentum, wogegen Frau Weintraub-Gras dieser Gestalt Tiefe, Innigkeit und lerdvolles Menschentum verlich. Die Schnitzer brilliert und vermag auch hinzureißen, während die Wemtraub-Gralf zutiefst erschütterte. . Den übrigen Darstellern gereicht es zu besonderem Lobe, daß sie vom Star nicht allzu sehr abstachen. Bor allem der unverwüstliche Re iß mann, der das prachtvollste komische Talent ist, über das ein Theater verfügen kann. Der einzige wohl an diesem Abend, dem Spiel Leben bedeutete und dessen ' zwerchfellerschütternde Maske, Haltung und Wortspiel unvergeßlich bleiben. Es gab rauschenden Beifall und Blumen für den Gast aus Amerika. Der Theate-rfaal konnte kaum die Menge fassen. Das amerikanische Fluidum scheint doch ans die' jüdischen Massen Wiens mehr zu wirken als das höchste Künstlertum der Wllnaer Truppe oder das heldenmütige Ringen des Direktors Deutsch und seiner Getreuen. Signum temporis. Z. F.F. Verein Freie jüdische Volksbühne. Sonntag, 10 Uhr vormittags. ifindet im Saale des Arbeiberheims Bor-ochow, 2.. Bez., Blmnanergasse 1, die Fortsetzung der Gemwlversammlung statt. Amchließend wird M. Singer über die nächste'Tätigkeit des Vereins reterwren. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. GDe williommen. Bewegung im Brrgtheater. Der Plan, das Buvgtheater mit einer Wiener Privarbittme zu verquicken, hat unter den .Künstlern des Burgtbearers Erregung und Unruhe hervorgerufen. Wie wir vernehmen, hat die Kimstlevschaft beschlossen, zum Bimdeskanzln und Unterrichtsminister eine D-putation zu entsenden, we.che sah in wirken soll,'daß man bei der Frage der Sanierung dts Burgtheaters alle Pläne äusschei-en möge, deren Tnrckcküi-runa geeignet waren, die Bedeutnna des Burgtheaters als erstes Kunstinstitut herabzudrücken. .' Aus dem Burgthealer. Wegen Unpäßlichkeit der Frau Bleibtreu mußte die für heute angekündigte Vorstellung „W-e n n der junge Wein blüht" abgeändert werden. Es gelangt das Lustspiel „Die Fahrt ins B l a u e" zur Auffiihrung. Oskar Fronz, der verdiente Theatermann und langjährige Direktor des Bürgeuaeaters. beging die Feier seines fünfnndvierzigiährigen Fubi'länms. Es war eine Absch'edsveransraltung. Direktor Frenz zieht sich nach einem Leben der Arbeit zurück Aus Anlaß dieser Feier wurde das Volksstück des Jubilars. „Ter Tribnt". zur Aufführung gebracht. Wallv B r e n n e i s sprach sodann die Abschiedsworte an den scheidenden Direktor. Die Abschicdsftier im Bürgerthearer, welcher Bundespräsiden: Harnisch beiwohnte, nahm einen würdigen und stimmungsoöllen Verlauf. Aus den Matern. V o l k s o p e r. Heute, 2 Uhr nachmittags, „D e r F r e i s ch ü tz". 7 Uhr abends „D i e I n d i n". — lviorgen, 2 Uhr nachmittags, „(5 a r m e n". 7 Ubr abends „D i e F l dd e r m a u 8". _ 17. Noventbcr 1923_Skr. 1700 Im Neue« Wiener Stadttheater spiest Frl. Hilde Wall, die im Laufe dieses Monates Ihr EÄ gagement im B u r g t h e a t e r . in der Rolle der Jsabella ly „Richter von Z a l a m e a" cmtreten soll, bis 19. No^ vember die Doppelrolle Julia-Euphemia in dem Melodram „Die wunderlichen Geschichten des Kapelle m e i ft e r tz K r e i 8 l e r". Im Nai mund-Theater beginnt die heute statft findende Erstaufführung von „D e r S t a r" von Hermami Bahr mit Leopoldine Konstantin nnd Anton Edthofer in den Hauptrollen pünktlich um 7 Uhr. Wochenspielplan des Burgtheater9: Sonntag den 18. d., 2 Uhr nachmittags, „Flachsmann als Erziehe r", 7 Uhr abends „DerBauer alSMillio n ä r". Montag den 19. d. „C y r a n o v o n B e r g e r a u". Dienstag den 20. d. „Klein E h o l f. Mittwoch den 21. d. „Die Rauber". Donnerstag den 22.d.„Jmvrovisct i o n e n i m Inn i". Freitag den 23. d. „C ä s a r und Cleopatra" nnd SamStag den 34. d. „I a a k o b S Tran m". Wochen spielplan des Akademietheaters: Sonntag den 18. d., 3 Uhr nachmittags, „Q u a 1 i t v Street", */28 Uhr abends „Wölfe in der Nach t . Dienstag den 20. d. „W ö l f e in der Nach t". Mittwoch den 21. d. „Hochzeitstag e". Donnerstag den 22. d. „D a S stärkere Ban d". Freitag den 23. d. „W 8 l f e in der Nacht". Samstag den 24. d. „D e r g u t e K ö n i g", Woche nspielpan des DeutschenVolkSt h e a t e r S: Sonntag den 18. d., */,3 Uhr nachmitags, „Familie S ch i m e k", V?7 Uhr abends „Der Verschwende r". Montag den 19. d. r Gastspiel Moissi „G es p e n st e r". Dienstag den 20. d.: Gastspiel Moissi „D e t Arzt a m Scheideweg". Mittwoch den 21. d.: Gastspiel Moissi „Der lebende Leichnam". Donnerstag den 22. d. r Gastspiel Moissi „H a in l e t". Freitag den 23. d. (Festvorstellung zur Feier von Dr. Rudolf Tvrolts 75. Geburtstag) r „Lolos Vater" Briefträger Klemm: Dr. Rudolf Tyrolt). Samstag den 24. d. r Gastspiel Moissi „U n t e r w e g s". (Neu elnsttidiert). Wockienspielplan des Raimund-Theaters: Sonntag den 18. d., '/-3 Uhr nachmittags, Wiener Kammerover: „Die B o h e m e". 7 Uhr abends: (Gastspiel Leovoldine Konstantin) „Der S t a r". Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag (Gastspiel Leopoldine Konstantin) „D e i Star". Dienstag „Zwei g l ü ck l i ch e T a g e". Donnerstag (Gastspiel Leopoldine Konstantin) „F a s ch i n g". Demnächst erscheint: DAS ZEIT« Eine jüdische HonaUschrift f'Jr Kunst, Literatur und Wissenschaft Redaktion: Eugen Hoeflich Kunstredaktion: Universitätsprofessor Dr. M. Eisler und Architekt Josef Hahn Die Zeitschrift erscheint in vorzüglicher Ausstattung unter Mitarbeit der bedeutendsten Künstler und Schriftsteller Prospekte kostenlos, Probenumvu r 8000 K Verlag u. Redaktion, Wien, I. Tegetthoffstr. 7/9 Gettchtssaal. Ehre Vater und Mutter... Unter Vorsitz des Senats- PräfiDe-nten Hofrat Dr. Papft fand vor dem Zivitlan-esaericht die VewhaMiung über die Klage statt, welche Frau Zvdeigun-e Kron-enfels, wohnhaft 1. Bez. Lich-tenfelsgasse 3, gegen ihren So>hn, dm Zahnarzt Dr. Guido K r o n e n f e l s. wogen Herausga'be der Wohnung, der Entfernung der Schlösser sowie Herausgabe des dem Beklagten anvertrauten Eigentums angeftrengt hat. Dem Prozeß lag folgender Sachverhalt zugrunide: Dr. Guido Kronenfels ging zu seiner Mutter, verlangte ihren weißen Meldezettel und brachte ihr dafür zu ihrer Ue'berraschung einen blauen. Zur Charakterisierung des AngeAagten dient, daß er beim Kpiegsministerium erschienen sein soll, sich als Sohn des Hauptmannes v. Kronenfe'ls ausgegeven hat und ein dort erliegendes Schriftstück verlangte. Die Beamten, in der Meinung, daß ein Sohn doch nur die Interessen seiner Mutter wahren werde, folgten es ihm aus. Um dieses unberechtigte Vorgehen in einem günstigeren Licht erlscheinen zu lassen, brachte der Beklagte am 6 Okt^ober 1923 eine Klage beim Strofbezirkseericht 1 ein, welche beiwhaltet, daß die Klägerin, seine Mittler, seiner Anschauung nach gersteslkrank sei. Er bat das Gericht, ein voribereitendes Verfahren einKuleiten und ihn als Arzt um die näheren Daten zu befragen. Da er pe~m seine eigene Mutter Hand anleate, wurde die Ehrenbeleidigungsklage erhoben. Sein Streben ging dahin, seine Mutter aus ihrer Wohnung, welche sie 27 Jahre' bewohnt, zu verdrängen. Bei der gestrigen Verhandlung erßchienen als Zeugen mehrere Verwandte der Frau Adelgunde Kronenfels. Der Klagevertreter schlug einen außergerichtlichen Vergleich vor. Da der Vergleich nicht zustande kam, wurde die Verhandlung vertagt. Hungernde Rtckter. Der Präsident der Richtervereini« gnng, Dr. Engel, hat seinen Rücktritt angemeldet und die- >en Schritt in einem Schreiben begründet, dos einen wahrhaft erschütternden Blick in das Elend des Richterstandes tun läßt. Hunigernde Richter, daheim das größte häusliche Elend, amtieren in schäbigen, abgetragenen Talären, weil es schon lange nicht mehr reicht, sich ein neues, anständiges Ainvtskleid anzuischaffen. Und trotzdem man ohne Uebertveibung sagen kann, daß man kaum in einen: anderen Stande so viel Elend nnd Rot finden wird, haben sich die österreichischen Richter — mag man ihnen sonst nachsaoen, was man will — von allen Änifechtungen fteigchalten. Der österreichische Richter ist unibestechlich, und sicher n,uß man dieses stille, duldende Heldentum bewundern. Und zn all der materiellen Not find auch noch andere, die Beunruhigung und Aüfrepung der Richter vermehrende Umstände hinWgetreten, die freilich außerhaW des Machtlbereiches und des Wirkungskreises des Justizministeriums liegen, vor allem die unselige Vereinigung des Bnndesministeriums für Justiz mit dem des Innern, wodurch die Gefahr der Politisierung der Justiz heraufibeschworen wurde. Me diese Umstände, äußere Not, die Un.tätig>keit der JustiAverwattung gegenüber dem Glend der Richter, haben den Präsidenten der Richtervereinigung zu seinem Schritt veranlaßt. Der Brief aiber, in dem er semen Rücktritt anmeldet, ist ein Dokument unserer Zeit. Ist es ein Wunder, wenn Männer in so tvosbloiser wirtschaftlicher Lage, die dem idealsten Berufe. Recht'zu sprechen, dienen sollen, in ihrer BerbitteMna so w.auchniat gereizt sind -nd ein Leblurteil Älleu?'

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