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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-17 · Heft 1709 (17.11.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1709 (17.11.1923)
Date
1923-11-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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f um. nfflf «§ten, DamStahieltet Morgenzeitun«. 17. November 19W NonlftWe Sefttow Landstraße Sonntag den 18. November, 10 Uhr vormittags, Löwenkino, Hl. Löwengasse 33 Vükllüg Lie Krneuenmg der Judentums' das Heeresamt von den Sozialdemokraten verwaltet werdem" Austerlitz betoute nochmals die Gefahren einer Koalitionsregierung für die Sozialdemokvaiifche Partei und sprach die Ueberzeugung aus, daß kein Sozialdc>rnokrat daran denke, mit Seipel auch nur ein Gespräch über die Koalition auzuknüpfm. Dr. Bauer gab in fernem Schlußwort der Ueberzeugung Ansdmck, der Parteitag sei in bezug, auf die Koalition einer Meinung, und zwar, daß unter den gegenwärtigen Umständen an eine Koalition nicht zu denken ist. Die Frage der Koalition in Oesterreich fei nur an sich zu betrachten. Man müsst sich der konkreten Lage des einzelnen Augenblicks anschließen. Wir müssen beurteilen können, ob die Koalition ein Mittel zur Schaffung der Grundlagen für den weiteren Kampf ist oder ob sie anderenfalls die Preisgabe des Klassenikampfes bedeutet. Der fozialdemokoatischen Fraktion und dem Partei- Vorstand wurde einstimmig das Vertrauen ausgesprochen und eine Reihe von Anträgen angenommen, in denen der Beriband der Abgeordneten auisigefordert wird, eine zeitgemäße Abänderung des Vereins- und' Versammlüngsgösttzes zu erwirken und zu vechindern, daß am M ie te rschutzgesetz, Betriebsrätegesetz, Urla^bsgesetz und Achtstundentag auch nur das geringste verschlechtert wird. Sollte der Verband nicht in der Lage sein, dies zu verhindern, so möge die gesamte Arbeiterschaft ausgerufen werden.- Weiter wird eine Reform des Eherechtes und Abänderung der § 144 bis 194 des Strafgesetzes verlangt, um die entsetzlichen Folgen des Mutterschaftszwanges auszuschal-teu. In seinem Schlußwort konstatierte Bürgermeister Teitz die volle Einigkeit der Partei in allen politischen und sozialen Fragen. In den Parte'ivovstand wurden gewählt: Dr. Adler, Austerlitz, Dr. Bauer, Anton David, Eide rsch, Dr. Ellenbogen, Adelheid Popp, Dr. Renner, Reumann, Seitz, Skaret und Tomschik. gine Sonotttonfetens in Belgrad. Berichten aus Belgrad zufolge wird gegen Ende November eine inoffizielle Konferenz der indernationalen Donaukommission in Belgrad stattsinden. An dieser Konferenz werden alle Nachfolgestaaten teilnehmen; es sollen die Fragen des Donauschiffsverkehres in unverbindlicher Weise besprochen werden. Einen wichtigen Punkt der Verhandlungen bildet die Frage der Regulierung unteren Donau und des Eisernen Tores. Nebst den Schifffahrtsfragen werden auch wirtschaftspolitische und Verkehrsfragen besprochen wenden. Ungarn. Sitte Bombe In einet Synagoge. Aus. Budapest wird uns berichtet: Dieser Tage Wurde im Tore der in Vollendung begrifftuen neuen Synagoge in. der Tüzolta-Utca eine Handgranate gefunden. Der Sachverständige im SPrengftch erklärte in seinem Gutachten, daß der Vorgefundene Explosivkörper eine sogenannte Kolbengranate sei, wie sie seinerzeit gegen den Abgeordneten Ras sah und gegen das Cafe „Club" verwendet wurden. Die Handgranate war explosionssähig und einwandfrei montiert. Die eingeleitete Untersuchung führte zur Anhaltung eines beim Bau beschäftigten Arbeiters, der gestand, die Bombe gelegt zu haben, jedoch erklärte, daß es sich bloß um eine ,/Hctzbombe" handle, mit der er die Juden ein wenig erschrecken wollte. Aus welche Weise er in den Besitz der Bombe gelangte, konnte bis jetzt nicht fttstgestellt werden, zumindest schweigt sich das Preß bureau der Polizei über dieses nicht unwichtige Detail dieser neuesten Budapester Bombenaffäre aus. Prölat Meßwein gestorben. Nach kurzer Krankheit ist in Budapest, wie uns von dort berichtet wird, Abgeordneter Prälat Dv. Alexander Gieß, wein im Alter von 67 Jahren gestorben. Mit Gießwein schwindet aus dem öffentlichen Leben Ungarns eine Persönlichkeit von überaus hohem wissenschaftlichen politischen Werte, wie sie das Ungarn der Nachkriegszeit kaum noch aufzu. weisen hat. Prälat Gießwein hat im Gegensatz zu seinen geistlichen Berufskollegen in Horthyy-Untzarn. seine Stellung und sein ganzes Wissen in den Dienst der Bedrückten und Verfolgten gestellt und hat sich, trotz allem Wutgeheul der terroristischen Patentchristen und unbekümmert um den Spott und die Verfolgung, denen er infolgedessen selbst ausgefttzt war, zu einer Zeit für die Rechte >der verfolgten Juden eingesetzt, als hierzu ein großer Mut der inneren Ueberzeugung gehörte. Seinem unerschütterlichen Glauben an die Heiligkeit der Menschen- und Völkerrechte entsprang auch seine hingebungsvolle Arbeit für den Völkerfrieden, u. zw. in seiner Eigenschaft als Präsident des Ungarischen Friedensverbandes, sowie seine Tätigkeit für die Rechte der Frauen. Im ungarischen Parlament, dem er seit dem Jahre 1905 angehörte, trat er stets für alle liberalen Forderungen ein. Als "Gelehrter erwarb sich Gicßwein besonders durch seine assyriologischen Forschungen einen bedeutenden Namen. Bon den zahlreichen Werken Gießweins, die in vielen Sprachen erschienen, seien hcrvorgehoben: „Assyrien und Babylonien", „Die wichtigsten Probleme der vergleichenden Philosophie", „Fundament und Ursprung der Religion", „Geschichisphilosophie und Soziologie" und „Buddhismus und Christentum". Polen. Sin außenpolitischer Gg&ofe. Warschau, 16. November. In der heutilgen Sitzung der Sejm'kommission für auswärtige Angelegenheiten gab Außenminister D m o w s k i eine Erklärung ab, in der er unter anderem ansführte: Im System der auswärtigen Politik gehe ich von folgenden Tatsachen aus: Die erste Tatsache ist, daß inftlge der A n e r k e n n u n g unserer Grenzen durch die Mächte die Frage der Grenzen für uns zu existieren aufgehört hat. Die zweite Tatsache ist die Notwendigkeit der Sanierung unseres Finanzwesens. Bon diesen Tatsacken ausgehend halte ich dafür, daß unsere Politik eine Friedenspolitik sein muß. Unsere auswärtige Politik muß aus folgenden Prinzipien begründet sein: 1. Achtung und strenge Durchführung der bestehenden Verträge; 2. Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten unserer Nachbarn und anderer Staaten; 3. breitester Ausbau unserer Handelsbeziehungen mit der übrigen Welt und Begründung des wirtschaftlichen Zusammenlebens mit allen Staaten. Hierauf ging der Minister zu den aktuellen Fragen und insbesondere zu den VechaMungen mit dem russischen Sowjetvertreter Kop>p über, die in einem besonderen Expose vom Vizeminister Seyda dargolegt wurden. 6in abgelehnter Mißtrauenronttag. Warschau, 16. November. Der Antrag des Abg. Szapinski (Poln. ftz. Partei), der Regierung das Mißtrauen auszusprechen, ist mit 195 gegen 176 Stimmen abg e lehnt worden. Die Sanierung der Staatsfinanzen. Warschau, 16. November. Die Finanzkommission des Sejm hat die Vorlage über die Valorisierung der Sreuern und öffentlichen Abgäben in zweiter und dritter Lesung angenommen. Laut Artikel 1 dieses Gesetzes werden die Bemessung und Bervechnnnig -der Steuern und öffentlichen Abgaben auf Basis des Goldfranken erfolgen. Blättermeldungen zuftlge ist Mister Äsung aus Warschau abgereist, weil er mit den ftstgelegten Grundzügen für die zu gründende Notenbank nicht einverstaudelr war. Mister Äsung soll nicht mehr nach Warschau zurückkehren. Der Krakauer „Czas" veröffentlicht einen Artikel über die Sanierung der Finanzen in Polen von einem Kenner der wirtschaftlichen Verhältnisse, in dom u. a. ausgeführt wird:, „Der einzige Ausweg aus der verzweifelten Lage wäre die schleunigste Einführung wertbeständigen Geldes, das in den natürlichen Schätzen des Landes und in hypothekarischen Sicherstellungen seine Deckung hätte. Als Deckung des von dem Noteninstitut heransgege'benen Geldes müßten nicht bloß der Goldschatz der Bank und ausländische Valuten, sondern auch die in seinem Portefeuille befindlichen Aktien >der staatlichen und privaten Unternchmu-ngen dienen. Außerdem müßte das ganze Vermögen der Notenbank in sicheren Pfandbriefen eine Rückversicherung finden. Nur solche wertbeständige und solcherart doppelt sichergestellte Noten würden die Stabilisierung der polnischen Mark ermöglichen. Ohne Einführung wertbeständigen Geldes werden alle auf eine Sanierung der Finanzen altzielenden Maßnahmen der Regierung keinen Zweck haben. Erst wenn ein solches wirkliches Geld in Form von Steuern und Abgaben in die Staatskassen fließt, wird von emer Herstellung des Gleichgewichtes im Staatsbudget die Rede sein können." Die Unterdrückung des jüdische» Schulwesens. Aus Lemberg wird uns geschrieben: In letzter Zeit haben die hiesigen Behörden einen ,/Kveuzzug" gegen das hebräische Schulwesen eröffnet. Eine ganze Reche jüdischer und hebräischer Schulen wurde ohne jede sachliche Begründung, aus rein formalen Gründen, aufgelöst. Einmal geschaht dies mit der Begründung, daß die Schulkinder durch den hebräischen Unterricht am Besuch der allgemeinen Schufen gehindert werden, das andere Mal entsprechen die Schullokalitäten nicht allen hygienischen Anforderungen. So wurden letztens in Rawaruska sämtliche hebräischen Sprachkurse geschlossen, weil die Lehrer sich angeblich über keine genügenden Lchrqualifikationen answeisen konnten; in Kolomea, Zydaezow und anderen Städten wurden die hebräischen Schulen wegen kleinlicher Formfehler geschlossen. In letzter Zeit werden auch dem hebräischen Bolksschulwesen in Lemberg Schwierigkeiten gemacht. Während „ran mittels des Numerus clausus die jüdische Jugend vom Besuche allgemeiner Schulen fernhalten will, „rachen andererseits die Schulbehörden den Betrieb eigener jüdischer Schulen unmöglich, als hätte es die Regierung darauf abgesehen, der jüdischen fugend jeden Weg zur Bildung abgusperren. —Raglans—, I ANZÜGE in feinster Qualität I g zu billigsten Preisen bei ■ I HeinrichWeinb rger l.,Singerstrasse 6 I Litauen. kinbrrusung der Wischen Rational' Versammlung. Kowno, 16. November. (Tel. der „Wr. Morgenzeit,mg".) Das jüdische Ministerium hat bereits im Einvernehmen mit dem Jüdischen Nationalrat für den 20. d. die erste Session der Jüdischen Nationalversammlung einberufen. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Berichte über die Lage des Nationalrates und i>e§ jüdischen Ministeriums. 2. Schulfragen. 3. Tas Verhältnis der litauischen Judenheit zur I e w i s h A g e n c y. 4. Finanz- und Organisationsfragen und Wahlen de? neuen Nationalrates. Frankreichs Sorge um den Ameestaat. Parts, 16. November. „Nsw-Aork Herald" meldet, nächste Woche würden dem Parlament Aenderungrn der französischen Gesetzgebung vorgeschlagen werden, die ^darauf abzielen, den in-Frankreich geborenen Kindern nichtfranzö-sischer Eltern die Möglichkeit zu geben, im mündigen Alter für die französische Staatsbürgerschaft zu -optieren. Man nehme an, daß man dadurch einen Zuwachs von 30.000 jungen Leuten für die französische Arme e erhalten könnte. Der Berliner Buchdrnckerstreik beendet. Berlin, 16. November. Wie die Abendblätter melden» ist in den Betrieben des Berliner Buchdruckergswerbes heute die Arbeit überall wieder ausgenommen worden. Die heutigen Abendzeitungen sind wieder vollzählig erschienen. Die Mörder Worowrkis sreigesprochen. Lausanne, 16. November. Die Schuldfrage für Conradi und Polunin wurde von fünf Geschworenen mit Ja und von vier mit Nein beantwortet. Conr adi und Polunin wurden f r e i g e s p r o ch e n, jedoch zur T r agung der Kosten zu gleichen Teilen verurteilt. Ihre Freilassung wurde angeordnet Tagesbericht. Die Konstituierung der Zionistischen Landes» lomiteer. In der konstituierenden Sitzung des neugewiihlten Zionistischen Landeskomitees, welche Donnerstag stattfand, wurden zu Vizepräsidenten die Herren Dr. I. Kör n e r und Dr. Löwenherz gewählt, zum ehrenamtlichen Schriftführer Dr. Gelber. Die bisher erfolgte Referatetnteilung ergab: Politisches Referat r Gemeinderat Dr. P l a f ch k e 8, Präsident Ing. Stricker; -Organisation: Dr. Körne r, Dr. W a l d m a n n; Propaganda und Provinz: P r o f. F r e u d, Dr. Gelber, Nebeuzahl; Keren Hajessod: Dr. S o f e r; Finanzen: Goldschmied, Dr. K i n d l e r; Kulturarbeit: Dr. I. M a r g u l i e s;r Chalnzreferat: Dr. Blauer, Dr. S t e i n b e r g; Frauenreferat: Frau Patäk; Studenten: Hammer; Turn- und Sportbewegung: F ö l d e s. In die Kommission des Palästina-Amtes wurden delegiert die Herren Földes, Nebenzahl und Racker. Für die notleidenden Faden in Deutschland. Das Hilfskomitee der vereinigten jüdischen Bethänser . und Körperschaften in Wien (2. Bez., Praterstraße 43, Tür 11) erläßt einen Aufruf für die notleidenden Juden in Deutschland, die nunmehr auf ausländische Hilfe angewiesen sind, während sie früher stets gewohnt waren, helfend einzugreifen, so oft sich irgendwo unter Juden Not und Bedrückung zeigte. Rabbiner, Lehrer, Ge,neindeangestellte hungern,, und darben, der jüdische Mittelstand ist dem Hunger, ausgesetzt, vorbildliche jüdische Institutionen sind in ihren segensreichen Tätigkeit völlig lahmgclegt und stehen vor dem Rum. .Die Initiative zu dieser Hilfsaktion ist vom M i s r a ch i, Wien, ausgegangcn. dem sich die folgenden jüdischen Bethäuser und Körperschafieu anschlosfen: Misrachi-Landeszentralc, Wien; Organisation Achduth Israel; Mächsike Hadath, 2. Dez.; Hilfsverein Esra: Seudas Schabos; Ausspeisungsverein Ohel Rachel; Beth Israel (Polnische Schul); Liwjas Chen, 2. Bez.; Osts, Chesed, 2. Bez.; Achwo wereus; Tefilläth Jeschurun,. Prater: B'nai B'rith, 20. Bez,; Ansche Dath wozedck, 20/ Bez.; Gernilas Chesed, 2. Bez.; Achdus Jisroel (Rembra-ndtschul), 2. Bez.: Oseh Tow, 3. Bez.; Schomer Jisroel', 3. Bez.; Gernilas Chesed, Telemanngasse, 16. Bez.; Chassidin, (Sadagorer Klaus). 2. Pez.; Beth J-izchok, Prater; Ahawath Scholen,, 16. Bez.; Minjau des Großvabbrners von Husiatyn; Kehal Chassidim, 2. Bez.; Emes Wescholem, 2. Bez.; Zeire Hamisrachi. Am besten u. bi! kaufen Uiareo-Drii Sie im SB {[Schiffmann II., Taborstraße 48 . Telephon 47-1*79 En gros En tietail

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