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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-17 · Heft 1709 (17.11.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1709 (17.11.1923)
Date
1923-11-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener* Morgenzeitung. 17. November 11)2;-] Nr. 1709 Sehelmmt Waffemann in Wien. Eine Rede Waffemanns über die Bedeutung der Keren Hajeffod. 's Wien, Eamsiag Frankreichs Revarationsvattttk. Eine an England gerichtete Antwort Poineares^ Paris, 16. Novenvber. Briniiterpräsident P u t u c a v e üak lMte in der töctmmev die Politik Frankreichs in der Reparationsfrage dargelegt. Er hob hcwor, daß der fra n- > ö ]; \ ch e Standp;u nkt feit zwei Jahren! c i n c Aenderu ng erfahren tjabe. Frankreich, das direkt o-der indirekt angegangen worden sei, seine Forderungen Deutschland gegenüber herabzusetzeu, bleibe dem Vertrag treu und widersetze sich jeder Reduktion, wenn ein derartiges Opfer nicht durch eine entsprechende Reduktion seiner Schuld gegenüber den Alliierten kompensiert würde. Der Ministerpräsident stellte fest, dag in der von Frankreich unternonmieuerr Aktion, Deutschland zur Achrung seiner Verpslichmngen zu zwingen. nichts liege, was dem Geist oder dem Buchstaben des Vertrages von Versailles widerspräche. Mg. Bl-um wurde, weil er das deutsche Angebot von Mai und Juni in die Debatte cinlbezogvn hatte,. von denr reaktionären A b g e o r d n e t e u R! agne beleidigt, worauf heftiger Lärm entstand. Nach Wiederherstellung der Ruhe besprach P o i u c a r e die Entscheidungen der Ropavationskommissiou hin sichtlich der deutschen Verse h l u n g e n vorder Ruhrbesetzuug. Diese Aktion habe das srausiisrsche Partameirr als legal gebilligt. Bonar Law habe gesagt, durch die Ruhrbesetzung lege Mm die Hand au die Schlagader Dcutzchlands. Tatsächlich bedeute das Ruhrgebiet das Zentrum der nrdustriellen und militärischen Pläne DourMands. Frankreich hatte eine Operation ins Auge faffcn können, die Deutschland m zwei Teile geteilt hätte. Es lwbe getan, was es habe tun müssen, mu seine Rechte als GlÄrbiger stchey''Ustellen.. Frankreich habe den Schritt ohne Hintergedanken unievnonmien. Die Botschafterkonferenz an Deutschland. tote entscheidenden Beschlüsse. — Frankreich behält sich ' Einzelsanktionen vor. Paris, 16. November. .In tvr gesttigeu Sitzung der DolschasteEonferenz, der auch der Botschafter der Bereinigten Staaten beiwohnte, erklärte der französische Vertreter Cambon, für Frankreich bestell die unbedingte. Notwendigkeit, die militärische Kontrolle frei u n d ohne Einschrän kn ng tvieder aufzunehmen. Schließlich wurde beschlossen, deu einzelnen Regierungen den Antrag zu unterbreiten, an die Reichsregieruug eine Mahnung zur Achtung des Friedensvertrages zu richten, die verschiedene gemeinsame Sanktionen aufzählen solle, über die Kabinette der. Alliierten Beschluß fassen würden. ... Cambon erklärte, Frankreich behalte sich mit Rücksicht auf das alles überragende Interesse für seine Sicherheit vor, ergänzende Einzelsanktionen zu ergreifen, wenn ihw die gemeinsamen Sanktionen unzulänglich erscheinen. Frankreich müßte sich weiter Vorbehalten, bei einem Anwachsen der militärischen Gefahr die Bahnl i n : e n. die Norddeutschland mit Süddeutschland verbinden. auch östlich von Frankfurt zu besetzen. Gegen den Wrontzriuzen. Die Agence .Havas meldet: Die Frage der nri lik ä r i s ch e n K o n t r o l l e und der Rückkehr des ehemaligen deutschen Kronprinzen verursachen in der Bötschafterkonser-enz ernste Meinungsverschiedenheiten. Frankreich stellt zivischeil diesen beiden Fragen einen Zusamm c n h ang her, da es sie als ein doppeltes Anzeichen für den wachsenden Widerstand des Deutschen Reiches beirachiet. Frankreich ist der Ansicht, ivenn die Auslieferung des früheren Kronprinzen verweigert werde, könne er doch verbannt werden. Barrikaden in IUeidorf. Wiederaufleben der Plünderungen. Düsseldorf, 16. November. Die Plünderungen sind in alten Stadtteilen wieder aufgelebt. Lebensmitteltransport e in den Außenbezirken wurden a n g ehalten und ausgeraubt. Vormittags wurde an einzelnen Stellen auch der Versuch gemacht, in P r i v a 1 h ä u s e r e i n z u d r i ngen. Gestern abends sind in sämtlichen Stadtteilen aus Fuhrwerken, Kisten und Möbeln Barrikaden errichtet worden, die die Feuerwehr beseitigte. Die Polizei hatte am Abend einen besonders schweren Stand, da die Ruhestörer dazu nbergegangen sind, die Straßenbeleuchtung in den von ihnen besetzten Straßen a u s z u l ö s ch e tf, um in der Dunkelheit die anrückende Polizei besser angreifen zu können. Neuerliche Judeuausweisungen mir München. München, 16. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Judenausweisungen, die wahrend der Pntschtage stark eingeschränkt waren, sind nunmehr wieder ausgenommen worden und sollen sogar in einer noch schärferen Form als bisher durchgesührt werden. Scharfer Borgehe« gegen die Kommnniften. Die „Rote Fahne" eingestellt, ein Wasfenlager ausgehoben. Berlin, 16. November.Die'Berliner> politische Po!mi bat sküflfi Mengen verbotener FluLblätter und Äus- Oskar Wassermann, bekanntlich einer der M-renden Finanzmämrer Deutschlands — er ist Direktor der Deutschen Bank , steht f-cdl Jahren in der aktiven Arbeit für -den Aufban von Cre.z Israel. Er gehört zu den Gründern des reichsdeurschen neutralen K e r e u p a j c s s o d - K o m itee s, welches für.den Palästina- Grundsands n n t e r den nicht zo n i st i s ch e n I u d c n D e -u 11 ch l audL sehr erfolgreich wirbt. Gel>simrat Wassermann weilte auf der Durchreise in Wie n und hat über Einladung der österreichischen Keren Hasessod^ommifswn zunächst in einem kleine!'. Kreise von jüdischen Finanzleutcn und Großindustriellen,- sodann vor einem größeren Auditorinm von Persönlichkeiten des Mischen öffentlichen Lebens über das PMstina-Problem gesprochen. Seine Ausführungen, die schon deshalb sehr b?merkenswert sind, weil sie von einem Manne stammen, welcher der zionistischen Bewegung nicht angehört, gipfeln ungefähr in folgendem: Man muß sich zunächst darüber klar fein, daß das jüdische Palästina-Werk die größte Aufgabe ist, welche den Inden seit Jahrhunderten gestellt wurde. uns daß sie weder eine nationalistische Angelegenheit noch auch ein Wohltätigle'tsunternehmen ist. Ev Handel: sich nicht nur iuzclne Individuen. Es handelt sich um das Fudemum. Wir haben das Juden nun mumifiziert, zur Ruhe gelegt. Wir betrachten es nicht mehr als etwas Lebendiges. Die Frage liegt nahe, warum das Judentum tot bleiben soll, wenn tvir doch selbst an uns merken, wie stark es noch in uns, wie stark es auf die Umwelt wirkt. Mau denke doch au die Ai'.gst, an den Widerstand, den das FuLentum bei den anderen dadurch Hervorruf:, taß sich auch nur Partikelcben des Judentums an der öffen-tlichen Wirksamkeit beteiligen. Wir miisscn wieder ein jüdisches Zentrum säwssen und wir können dies nur in Palästina. Dieses Zerurum Er,; Israel soll das Inden tum fortsetzen. D i: j ü b i f di e u Ai e u s chhai t sge da nke n, die fchrisleu' de r K o m m rl n i st i s ch e n Partei beschlaguahiit!. Im Zusanamenhang hiermit ist die Druckerei des kommlrnisttschen Zenttalorgans, der „Roten Fahne", g r schlossen uub versiegelt worden. Ferner wurde die K rl r i e r -z e n t r a l e der Konlmunistischelr Partei a u s g e h o b e n, die arttveseriderl Ktitrivre verhaftet und zahlreiches Ataterial beschlagnahmt. Schließlich hat die Berliner politische Polizei ein großes Wasfenlager der Kormmruistischen Partei in Berlin ausgeh oh e n. . Sine amerikanische Lebensmittelaaleche für Deutschland? London, 16. Novenlber. Wie die ,/T i m es" aus Washington melden, wird Präsident CooliVge im Kongreß beantragen, der deutschen Regierung eine Anleihe von 15V Millionen Dollar M gewähren, um Lebensmittel in den Vereinigten Staaten zu kaufen. Das Geld soll in den Bereinigten Staaten unter denr Voisttz vmr H o o b« r verwendet Iverden. Die Verteilung der Lebensmittel soll der dmtschen Regierung überlassetr werperr, nachdem die Reichsregierung die Zusage gegeben hat, daß nicht das geringste davon für die ^Ernährung des Rnhrgebietes verwendet werden wird. Re Koalittonssrage auf dem Sftmeichischen sozialdemokratischen Parteitag. Donnerstag und Freitag beschäftigte sich der Parteilag der österrelchischei: Sozraldenlokraten nüt denr Berichte des Parteivorstan-des, der politischen Lage und ben Aufgaben der Sozialdemokratie. Der Parteitag Vevsicherte den e^noligen Staatssekretär Doktor Deutsch, dem tmrch das Urteil des Linzer'Landesgorichtes in seinem bekannten Chvenbeleidigungsprozeß so arg mitgespielt worden war, des unerschütterlichen Vertraueits des Proletariats. Den größten Raum in den Beratungen nahrn die Debatte über die Frage des eventnellen Ei nt r i t i e s der Sozialdemokraten in eine Koalition mit den Christlichsozialen ein. Der einleite nde Bericht Dr. Otto Bauers stellte den Sieg der internationalen Reaktion in Europa als eine Tatsache hin. Die Schlväche der in Hamburg gegründeten Internationale habe ihren Grund dari-n, daß die Sc^valisten gerade in Frankreich am schtvächsten sind. Daß die österreichischen Sozialidenwkrakn im Parlament mid im Außerordentlichen Kalbinettsrat gewisse Dinge zu Falle brachten, sei nicht so schr ein Sieg über Dr. Seipel als über die internationale FinanAontvolle gewesen. Dr. Bauer erklärte sich Mit denr Ergebnis der Wählen zufriedengostM. Er gllanbe, ■ die Bürger-lichen hätten mmimehr die Hoffnung ans die j Zweidrittelmehrheit jetzt schon für immer gal-sgegeiben. Borläufig bleiben allerdings Dr. Seipel und Dr. Frank öeisanunen. Daraus folge für die SoziaLdomokraten: Opposition wse bisher, aber natürlich - eine verstä rkte und verschärfte Opposition. „Wir werden andere Haltung," sagte er, „abhängig : Echen davon,-, in welchem Maße die. R.tHi'erwng. daOr! sorgt, ' 6’ä ß" d i e W e h r m acht r e p u b l i laut s ch bl bichi Wir baden iit Oester reich kein BGÜWÜL Mts t r o tz i h r e r Eins« ch h e i i n o ch nicht von der U m» Welt erkannt sind, s o I l c n W c l i m enschhe 11Sgedanken werden, lieber alle Gegensätze im Judentum hinweg — Gsgelesätzc, die uotweudig und fruchtbar sind, weil wir sonst ganz erstarreir müßten — müssen wir uns einigen in der großen Idee, der Erneuerung des Judentums in Palästina. Wir wollen der Well zeigen, daß das Jndentnnl leicht destruktiv ist, daß wir dort ans der palästinellsischen Scholle Besseres leisten können als es bis nun in irgendeinem Gemein wesen glückte. Wasscriirann ^.'handelte sodann eingeheild da? Einwanoerungsprobl'em und verfocht den 'Standpunkt, daß eine qualitativ ausgesuchte Einwanderung erforderlich sei. Ju diesem Sinne wirke der neutrale Keren Hajessod. Bei diesem großen Werke kann a u f it i e m a ird verzich : : t werden. Wenn sich alle Juden ihrer großeil Berantworiung 'bvtvllßt werden, daun wird das rasche Fonschrciten des Palästina-Werkes dem An: is em iti sur u s die B erecht i* giing neh ui e n. Wird aber das Ziel nicht ^erreicht, dann haben wir alle eine große S chu ld a u f it u s g e n o mmai. Die :ltede Wassermanns übte iiasc Wirkung. Sodann sprach Dr. Nahum Goldmann über den Keren Hajessod und über die Notwendigkeit, auch das Wiener Judentum in dem Maße für Erez Israel zu mobilisieren, wie es der Auzohl' der Bedeutung, der Leistungsfähigkeit und der Kultur der Wiener Inden entspreche. In der anschließenden DiSknssion zeigte sich, daß in Kreisen, welche den Problemen des P alä st ina - Ans ba ne s bis nun s"nstanden, durch diese Reden da? Verständnis für dieses größte jüdische Problem geweckt worden war. Alle Redner bekundeten den Willen, sich an den Keren Haj-essod-Arbeiten zu beteiligen. Es wurden schr ansehnliche Haftsisod-Arbeiten zu beteiligen. Es wurden sehr anschnliche Beträge als Opferleistung für den Kvren Hajsssod gezeichnet. ■aEBMMHBBMMBHMnBHMnHNiiMMHnHHMnHIMMMHBEDSK&t irgend lvÄche Lossows zu züchten. Deswegen halle ich dafür, daß die allererste Anstzatbe jetzt ist, unsere Kraft an die mÄitnvrschen Dinge zu setzen." Ms nächstes sttzial' politisches Programul stizzierte er dir Durchsetzung der Alters- und Invaliditatsvers«ichevung und den Ausbau der produktiven Arbertslosenfürsorgc. Betzüglich des Zolltarifs deirtote er an, daß die SoziMomokvaten auch manche' Z o Nerhöhiu-ngen ibewilligen Erden. Wenn die Partei bei den nächstem Wahlen den EhvMichsozia'len 90.000 Stimmen cvbnehlnen Mne, so Ivürde sie stacker fern als die christkchfogiaile; um stacker zu sein als alle büvgeckichen Parteien zusanmWN. brauchten die SoM' demckvaten nur mn 300.000 Stiumren mehr zu evlamyen. Diese Stiurmen seien nicht mrr aus dem Lande, sondern auch in den Städten und JnÄuistriebezicken zu holen. Da die Gstveckschasten großes Gewicht darauf legen, das; die SoziaDm'okraten tviedemm an der Regierung teilnchmen, muißten sich die politischen Führer der Partei bemühen, die Unerfüllbarkeit dieses Veckäingens uach'utveisen. Dr. Renner halb hervor, daß an eine Opposition um jeden Preis niemand denke. Es sei aber ganz klar, daß gegeiMer der Ragiemitg Seipel und ihrem Anhang, den Grotzdeutscheu, nichts anderes vernünftig ist, als euischlossene Opposition. Er sei allerdings cheoretiisch der Meinung, daß in der dsmokmtischen Republik die Apbeiberklasse das unbestreitbare Recht habe, an der öftentlichen BevlMtmng mitWwrcken. „Darum ist für uns sellbstverstänidliich, daß uns die Rolle der Opposition nicht Lehagt, a!ber in die Regievnng vulftn können wir uns nicht selber." Albg. Austerlitz wollte beit Wr>U dev SozialdömrÄraiten in eine KoalÄmm nur für den Fall gelten lassen, wenn die politische Lage in Europa und in Oesterreich eine solche ist, daß die Ausschalklug der Sozialdemokratie zu einer Beeinträchtiginng der LBensinterrssen der Ar'beiterschast führe.n würde. Im übrigen habe sich an einer Koalikionsregierung noch jede SogiMomokrati^ verblutet. Der Delegierte F r ü h w i x t aus Atzgers d o r t trat für eine Proporzregierung ein. Die Pok!tik der verstärkten -Opposition sei nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre n!rcht im Interesse des Prötotariats gelegen. In den Ministerien für soziale Vevwal>tu»g, für Inneres und für Heevwsfen müssen wir Männer unseres Vertrauens bringen', wenn wir das nicht tun, w,ivd genau so wie in anderen Ländern auch in Oesterreich die Reaktion aus lMlem Wege zur Herrschaft geliangen. Dr. Elle n lb o g e n trat ebenfalls f n r eine B eteilign-ng der Sozialdemokraten au de» Regierung ein. Die Mers- und JnvalHbidiil sverst che - rrmg werde von dieser Regierung nicht gemacht werden, und es werde nicht anders gehen, als daß die S?-!>iäldemokrateu in die Regierung kommen und sie durchsetzen. Abg. Äeuthner vcklärte, es bofiude sich wohl nienmnd im Saale, der der Meinung wäre, mau könnte miit den EhrMchsozialen, wie sie aus den Wahlen hervl.rgegangon sind, jetzt ein. Koalition schließen. Dr. Renner wiederholte, es gibt keine Koalition oder eine Form der , Negierung, in die uns nicht die. Masse der Wählerschaft berusi. „Es kann sein, das; uns Hnndertinusende von Ar- I beitmu ka ME wir in der Windevbeit ünd, muß

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