Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1708 (16.11.1923)
- Date
- 1923-11-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gett-S Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 16. November 1923 Nr. 17« Austritte aus dem 8«de«t«m. Kouez Kamilla geb. I u ft, geb. 30. Jänner 1882, Men, 18. Bez., Prevstnggaffe 35. K r a u 8 Emilie, geb. 27. Juli 1873, Cirkowitz, 3. Bez., Weißgärberlände 8. Ledere r Otto, geb. 7. November 1900, Aussig, Mediziner, 1. Bez., Berghofgaffe 3. LivSker Anna, geb. 28. April 1905, Wien, 2. Bez.. Alliierten« straße 17. Lazar Fritz, geb. 27. August 1893. Sarajevo, Maler, 19. Bez., Krottenbachstraße 112. Läufer Natalie, geb. 31. De« zernber 1908, Lemberg, 12. Bez., Rechte Wienzeile 247. L ö w Anna, geb. 2. September 1894, Wien, Bankbeamtin, 9. Bez., HörlguA 5. M e i 8 1 Aloisia geb. Iadune 1, geb. 22. September 1891, Lundenburg, Hilfsarbeiterin. 13. Bez., Herrnstorferstraße 13. Müller Philipp, geb. 22. August 1903. Wien, 2. Bez., Jlgvlatz 6. Möller Leovold, geb. 28. Juni 1896, Wien, Ingenieur, 9. Bez., Maria Theresiensttaße 9. Mayer Karoline, geb. 29. Mai 1899, Wien, 2. Bez., Pazmanitengasse 28. Machfolgende Notizen bis z« der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * TanztnfNtut Sermann Braun» 14. Bez.» Stein« -vrfgasie 42. Reelles Angebot guter und billiger Waren. Infolge Vergrößerung der Geschäftsräume gelangen im Kaufhaus B r ü d e r S ch i f f m a n n, 2. Bez.. Taborstraße 48, Waschwaren, Damen- und Herrenwäsche, ferner Leinenwaren, Bettwäsche, Regenmäntel sowie original englische Stoffe für Damen und Herren >in enormer Auswahl zu unerreicht billigen Preisen zum Verkauf. Nachstehend einige Beispiele: 4 Prima Webe. pro Meter 11.000 A. 8.500 K „ Chiffon. 12.000 K. 8.800 „ „ Streifgradl. 14.000 „ Bettzeugs. 12.000 K. 9.800 , Bettücher, 140 Zentimeter breit 19.800 „ Matratzengradl. „ „ 28 000 „ Blaudruck. 9.800 _ Etamine in allen Farben . . . 7.900 „ Damenhemden. a 25.000 K. 19.800 „ Damengarnituren (dreiteilig) . . , . 9C.000 „ Seidenjumver. 59.^00 Kretonbemden (für Herren) . . 29.800 „ 18.000 „ Covercoats'.. . . Englisibe Schgsplgllsiaffe. . . . 45 Regenmäntel' ... , . . . . 125.000 l Vereine. Vorträge und Versammlungen. Jüdisch-akademischer Juristenverein. Der Ausschuß hat eine Veranstaltung in den Sophiensälen abzuhalten beschlossen, deren Reinerträgnis den notleidenden jüdischen Juristen zufließt. Sämtliche Mttglieder werden ersucht, sich in den Dienst der Sache zu stellen. — Zionistische Sektion Zwischenbrücken. Einschreibungen für den hebräischen Kurs jeden Montag und Donnerstag von 7 bis 9 Ubr abends im Lokale, 20. Bez., Allerheiligenplatz 17. — Schutzbund der Handelsvertreter. Hauptversammlungen vom künftigen Samstag an im Caf6 Müller, 1. Bez., Schottenring 13 ''Klublokal). — Verband zionistischer Studenten aus Rußland. Heute, */e7 Uhr abeuds, in Cafe Kamvtal, 9. Bez., Spitalgasse 25, Debatte über den Vortrag Dr. Waldmann : Zionistische Demokratie Ms dem XUI. Kongreß. Gäste willkommen. Urania. Heuter Großer Saal, 5 Uhr: Die Besteigung des Mount Everest. l/28 Uhr: Kammermusikabende. Ii. Ludwig van Beethoven. Das Gottesmann-Ouartett. — Kleiner Saal, 6 Uhr: Siedlungs- und Kleingartenwesen. IV. Friedrich Bauermeister. Kleingartenwirtschaft und Siedlung. '/ 8 Uhr: Doktor Robert K l u m a k: Einführung in die Astronomie. I V. - K u r s s a a l, 5 -Ubr : Dr. Felix R e a ck>: Physiologie der Ernährung und des Stoffwechsels. IV. */27 Uhr: Hofrat Doktor Vanc 8 a: Geschichte der Stadt Wien.!. 8 Ubr: Hoftat Ing. Joses L L w y : Grundlagen der Starkstromtechnik. I. — K l u bs a a l, 5 Uhr : Univ.-Lektor Ferd. M a t r a s : Sprechkurs. X. V»8 Uhr: Probleme der Philosophie. IX. Univ.-Pros. Dr. Robert R e i n i n g e r: Die Geschichte der Philosophie als philosophische Wissenschaft. — Mikroskoviersaal, 7 Uhr: Direktor Dr.- Ludwig Arnhart: Die Präparierung der Biene. VII. Mitteilungen ans dem Publikum. Kultus-u. Justiz-Tal a re u. Ba rette •rha>ten Sie vorrätig oder nach Mass bei der bekannten SpezialDrtna RUDOLF GOLDSTEiN, 5SEJa**-® Grosses Lager feiner Stoffe für Neubestellungen Tel.45-6.29 WIEN, II. TABORSTRASSE 54 Gegr. 1866 Bühne und Kunst. Konzert. Die bekannte jüdische Sängerin Hilda D u l i tz k a y a bringt morgen, V»7 Uhr abends, im Saale des Gewerbevereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 11, eine Reihe neuer Lieder zum Vortrag. Restliche Karten an der Abendkasse. Eugen Hubahs Oper „Anna Karenina" erlebte in Budapest d-i« UrauiffülhMimg. Der Erfolg der Premiere war außerordentlich stark. „Anna Karenina" ist das sieibente Bülhnenwerk des Tondichters, der über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus noch wenig bekannt ist Sein neuestes Werk jedoch düchie sich baW> alle Opernbühnen erobern. Hubah ha-t seine Oper, durch Tolstois gleichnanrigen Roman angeregt, schon vor dem Weltkriege beendet -und sogleich der Budapester Ober singereicht. Der Krieg, später der' Umsturz, verschoben aber immer von neuem die Premiere des Stückes. Ms endlich im der», slossenen Herbste die Aufführung stattfinden sollte, brach der Setzerstreck in Wien aus und der Verlag der Oper, die „Universal Edition", konnte mit dem Drucke der Klavierauszüae nicht zur rechten Zeit fertig werden. Jim Frühl>ina dieses Jahres wieder verhinderte der Komponist fMt die Ausführung, da die künstlerischen Vorarbeiten des Opernhauses seines Erachtens nicht genug sorgfältig waren. Aus dm Theatern. Im Burgtheater mußten wegen plötzlicher Heiserkeit der Frau Bleibtreu die Vorstellungen von heute und morgen abgeändert werden, und zwar gelangen heute „D i e fünf F r a n k s u r t e r" undmorgen „Die Fahrt ins Blaue" zur Aufführung. Im Akademietheater wirb heute „D i e Frau von vierzig Jahren" und morgen „D a 8 stärkere B'a n d" gegeben. Overntheater. Kammersängerin W e i d t ist von ihrem Urlaub zurückgekebtt und wird morgen (Samstag) zum ersten Male in dieser Saison als Santuzza in „Cavalieri» r u s t i c a n a" auftreten. Volksoper. Heute „Die Z a u b e r f l ö t e". — Morgen (SamStag) „Die Jüdin". Verichtsfaal. Radauantisemitismus schädigt das LWntliche Interesse. Einen beachtenswerten Beschluß hat, wie aus Bratislava gemeldet wird, ein dortiger Strafsenat gefällt. Die dort erscheinende „B. Z. am Abend" hat seinerzeit über einen antisemitischen Schimpfexzeß eines Schiffskapitäns Reumann berichtet, der in einem Straßenbahnwagen erfolgte und die Passagiere derart aufbrachte, daß sie besagten Neumann verprügelten. Dieser klagte das Blatt auf Verleumdung und Ehrenbeleidigung, worauf ein Redakteur die Verantwortung für den inkriminierten Bericht übernahm. Der Verteidiger des Angeklagten verlangte die Anordnung des Beweisverfahrens, während der Privatkläger sich dagegen wehrte, nachdem seiner Meinung nach die Angelegenheit nicht von öffentlichem Interesse sei. Der Strafsenat ordnete das Beweisverfahren mit der Begründung an, daß es die Pflicht her Republik ist, die nationalen Minderheiten zu schützen und deshalb die Notiz in öffentlichem Interesse geschrieben worden sei. Augenzeugen der Szene bestätigten den Tatbestand, worauf der geklagte Redakteur freigesprochen wurde. — Der österreichischen Justiz könnte man diese Gerichtsverhandlung als Muster vor die Nase halten. «ollswirt. Gestempelte Krone — 0.0080 7* Centimes. Auszahlung Wien --- 0.00807« Centimes. In Zürich notierte 15./11. 14./11. die österreichische Krone . 0.0080'/« 0.0080 die österr. gestempelte Krone .... 0.0080'/« 0.0080 die tschechische Krone. 16.50 16.44 die Mark ..pro Milliarde —— .— Holland.214.- 215.50 . New-Pork . 572.87 570.- London .. 24.82 24.90 Paris. 30.90 81.55 Mailand. 24.47 24.80 Belgrad. 6.55 6.57»/, Bukarest ....... 3.— 2.92 Sofia . .. 4.75 4.80 Budapest. 0.0305 0.0302 Warschau •. — Jas Aufwertungsgesetz österreichischer Men« gesellschaften. In kurzer Zeit wird von: Finanzministerium dem Nationalrate ein Gesetz vorgelegt werden, welches ausdrücklich festsetzt, daß sämtliche Gesellschaften, welche zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichtet sind, im Sinne des heutigen Wertes ihre Aktiven entsprechend aufwerten müssen. Es werden also sämtliche Gesellschaften, die vor dem Kriege entstanden sind, ihre Aktiven nach der Friedensbilanz dem Goldwert entsprechend umrechnen müssen. Bei Gesellschaften, welche später entstanden sind, wird für die Berechnung der Aktiven ein fester Schlüssel fixiert werden. Durch diese Maßnahme will die Regierung genaue Bilanzen haben, damit sie demgemäß auch die Besteuerung der Unternehmungen festsetzen kann. Es scheint, daß diese Maßnahme vom Generalkommissär Doktor Zimmer man veranlaßt wurde. Nunmehr werden die Gesellschaften genötigt sein, den Großteil ihrer stillen Reserven, welcher bisher in der niedrigeren Wertbestimmung der Aktiven verborgen war, offen einzugestehen. An der Börse, wo diese Absicht der Negierung bekannt wurde, wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß durch diese Maßnahme eine starke Hausse einiger bisher unterwerteter Effekten Platz greifen tverde. Es wird sogar diese Maßnahme als eine Haussemaßnahme der Regierung angesehen. Allerdings wird dies als letzte Hausse angesehen, weil dann nach Festsetzung der Aufwertung jede Hoffnung auf verborgene Reserven im Sinne der Aktivenbewertung geschwunden sein wird. x Cinsührurig wertbestöndigen Gelder in Deutschland. Ausgabe der Rentenmark. — 690 Milliarden Papiermark gleich eine Rentenmark. Berlin, 15. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeiiung".) Dem Währungspvogramm der deutschen Regierung entsprechend, wurde, wie vor einer Woche bereits angekündigt, heute die Rentenmark in den Verkehr gesetzt. Die Regierung I., Judenplatz Nr. 6 Telephon 65-4-56 Telephon 65-4-56 Kulanteste Durchführung aller bankgeschäftlichen Transaktionen sowie Verwaltung von ^leidem im Kontokorrent- Verkehr zu dem jeweils geltenden Reportzinsfuss. »? Copyright 1924. NaÄvrmI verboten. J. LadyBehnikoff-Verlag, Berlin. (10. Fou>etzung.) Sittel Moses. Roman von Schalom Afch. „Ter Onkel braucht sich wirklich nicht zu kümmern, was gesagt hat und wer es gesagt hat. Lauter Schnorrer. Ohne den Onkel wären sie doch alle in Kusmin verfault. Ter Onkel hat ihn herg-enommen, mit Sack und Pack, ihm Geld geschickt und Schiffskarten. Oh, und er wagt es, gegen den Onkel etwas zu sagen. Es ist sein Glück, daß ich damals nicht im Geschäft war. Ich hätte ihm gezeigt, was das heißt, gegen den Onkel etwas sagen." In mächtigem Wortschwall erhitzte sich Sam plötzlich für den Onkel. „Ach was, man sagt so viel. Er hat etwas gesagt. Weiß «r denn um Himmels willen, was er redet? Es geht ihm schlecht, da redet er — Gott verzeiht doch auch — er 'fyat Unsinn geredet. Da kann ihm doch . . „Unsinn. Bei mir wird kein Unsinn geredet; bei mir wird gar nicht geredet — bei mir wird geschwiegen. Verstanden? Schweigen!" Der Onkel hob die Brauen. „Wie hat er doch daheim geheißen, Sam?" „Aaron Gorgel." ,/Gorgel hat man ihn genannt", der Onkel lachte aus dollem Halse, „Gorgel, sehr gut — aber hier in Amerika wird nicht geguvgelt, in Kusmin wird gegurgelt, nicht hier in Amerika." Aaron stand die ganze Zeit mit gesenktem Kopf. den Blick in die Erde gebohrt. Geduldig ließ er über seinen Kopf allen Spott niederprasseln und schwieg. Er hatte nur den einen Wunsch, so schnell als möglich wieder ins oberste Stockwerk zur Maschine zu kommen und wieder in das Triebrad seines bisherigen Lebens cingespaunt zu sein. „Der Onkel kann doch Mitleid haben, wenn schon nicht Mit ta. io mit fciöex Frau und feinen Kindern, Was sind denn sie daran schuld, wenn er Unsinn schwatzt? Er wird schon nicht mehr reden, er wird schon daran denken sein Leben lang. . ." „Nothing doing." Mascha stand im Winkel; sie sah und hörte, wie ihr Vate.r verspottet und beleidigt wurde. Ihre Wangen glühten und ihr« Hände zitterten. Zuerst war sie verwundert, daß der Vater alles über sich ergehen ließ und schwieg. Dann aber schmerzte es sie. Sie wollte weinen, schreien. Gewaltsam hielt sie sich zurück. Sie sagte sich: Es sind mächtige Leute, sie wissen, was sie tun. Aber als sie hörte, daß ihr Vater ,/Gorgel" genannt wurde, da sprang sie aus ihrem Winkel hervor, in dem sie sich die ganze Zeit versteckt hatte, ging auf den Vater zu und faßte ihn bei der Hand. Große Tränentropsen hingen an ihren Wimpern: „Komm' nach Hause, Pa. Bleib' nicht hier, Pa. Das sind schlechte Menschen. . . Hab' keine Sorge, Pa. Wir werden schon leben. Wir werden uns schon Rat schaffen ... Nimm kein Geld von ihm (dabei wies sie auf Onkel Moses). Du bist ein schlechter Mensch," rief sie Onkel Moses zu, „ein Vieh, ein Biest, ein Hund — das bist du!" „Mascha, um Gottes willen, was tust du? Bitte den Onkel um Verzeihung. Was hast du gesagt?" „Ich will den Onkel nicht um Verzeihung bitten. Komm' nach Hause, Pa, komm', ich will nicht, daß du hier bleibst." „Schaut, daß ihr hinauskommt", schrie Sam und drängte Aaron, Berl und Mascha gegen die Türe. Onkel Moses erhob seine Brauen. Seine feuchten, blaßblauen Augen traten hervor; er legte die Schere weg, saltete die Hände über dun Bauch und schaute das Mädchen an, das den Vater au der Hand hielt und fortzog. Er biß sich auf die rasierte Oberlippe und sprach Mb vor sich hin: »M W ttzes tid«." Als Sam des Onkels Stimme hörte, ließ er die beiden Männer und das Mädchen los. Eine Minute laug blickte der Onkel auf das Mädchen und Mascha schaute ihn an. Des Onkels Blick irrte verlegen umher. Er wurde ernst, biß sich aus die Lippen und sprach zu Mascha: ,„Jch wünschte mir, du wärest meine Tochter." - Mascha sah ihm fest ins Gesicht. An ihren Angern Wimpern hingen Tränentrvpfen und sie antwortete: „V hate You!" Der Onkel lächelte. Seine großen, ffeischigen Lippen öffneten sich und entblößten feine gesunden Weißen Zähne; er spielte mit seiner goldenen Uhrkette und rief dann nach einer Weile: „Sam!" „Des, Onkel." Sam lief eifrig herbei. ,/Wie 'hat er doch daheim gcheißen?" Onkel Moses deutete aus Aaron. „Gorgel." „Nimm den „Gorgel" hinauf und setz' ihn zur Arbeit. Er bekommt von nun ab 5 Dollar mehr Lohn für die da" (dabei deutete er aus Mascha). Onkel Berl, Aaron, Sam und alle Angestellten rissen Mund und Augen aus und blickten den Onkel an, ob er es wirklich ernst rneine. „Siehst du, danke dem Onkel, küss' ihm die Hand", schrie Berl Mascha zu. Mascha blickte auf den Vater: Mas wird der Vater tun? Sie sah, wie. Pa voll Freude die Treppe emporsprang und hinter Sam dein Arbeitsstuhl zueilte. Der Onkel rief ihm nach: „Geh', Gorgel, geh'." Pa aulwortete nicht, er lächelte glücklich. Mascha lief rasch aus dem Geschäft hinaus; wie helle runde Perlen rollten die Tränen über ihre glühenden , WanLu^ lFortjetznnü folgte