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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-16 · Heft 1708 (16.11.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1708 (16.11.1923)
Date
1923-11-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1708 Wien, Fwitzag_ Heer von foldjeu Wächtern sperrt die Bewohner dieses Landes mit allen Spitzfindigreiten, die ihnen verstaubte Ansichten, veraltete Paragraphen an die Hand geben, vom ungehinderten Verkehr mit der übrigen Welt ab. Der österreichische Beamtendünkel kann und will es nicht fassen, daß die Bürger eines Staates, die für sie noch immer Untertanen sind, sich frei bewege rr sollen. Darum wehren sie sich mit allen Kräften gegen die Aufhebung des Paßvisums, die längst von allen Kreisen der Bevölkerung — nicht nur bei uns — als eine unbedingte Notwendigkeit, als die erste Voraussetzung für die gesunde Entwicklung von Handel und Industrie erkannt wurde. Selten noch ist die gesamte Bevölkerung über eine Frage so eines Sinnes gewesen wie in dieser. Es ist aber auch noch nicht oft vorgekommen, daß die Interessen dieser Bevölkerung von den Beamten, die aus ihren Steuergeldern bezahlt werden, ärger sabotiert wurden. Wenn man den Bericht, den Direktor Oskar Honig.gestern über die vom Ministerium des Aeußern geführte „Gegenak1io n" gegen die Aushebung des Paßvisums hört, so muß mau sich wohl an derr Kopf greisen und sich fragen, wie solches möglich ist. Zuerst hat sich das Ministerium des Aeußern auf den G c b ührenansfall berufen und die Aufhebung des Paßvisums aus finanziellen Gründen abgelehnt. Als dann die wirtschaftlichen Kreise nachwiesen, daß der größte Teil der Gebühre« für die Erhaltung des Kanzleiapparates für die Bifumausstelluug und -Ueberprüsung erforderlich sei und der Rest leicht durch eine GrenMerschreitungsgebühr hereingebracht werden könnte, hat sich das Ministerium des Aeußern darauf berufen, daß Oesterreich zwar das Paßvisum aufheben würde, daß aber unsere Nachbarstaaten dieser Aushebung nicht ähnliche Schritte folgen lassen würden. Nun. hat die tschechische Negier u u g an Oesterreich die Anregung gestellt, im gegenseitigen Verkehr das Paßvisum auszuheben, da hat man plötzlich zu einer anderen Ausrede Zuflucht genommen, es wurde nämlich erklärt, wenn Oesterreich gegenüber der Tschechoslowakei das Visum aufhebe, so müsse es gegenüber allen anderen Staaten den gleichen Vorgang einhalten, und dies sei im Hinblick auf die Gefahr einer Ueberschwemm lt l! c\ mit deutschen A rbe.i tskräft e n aus sozialpolitische u. G r ü n b c u u umogli ch. Auch dieses Argument trifft jedoch nicht zu, da Oesterreich im Falle einer Aufhebung des Paßvisums gegenüber der Tschecho-Slowakei nur zu einem gleichen Vorgang gegenüber den E n t c r> t e st a a t e n gezwungen ist, Deuts chla nd jedoch b‘cr fc i Anspräche nach de rn F r i c d e n s v e r t r a g c nicht besitzt. Es ist höchste Zeit, daß in den Paßskandal endlich Ordnung gebracht wird. Die Notwendigkeit, das Paßvisum aufzuheben, muß endlich von beit Bureankraten am Ballhausplatz erkannt werden, und allen Paragraphenreitereien zum Trotz muß das Visum verschwinden, weil es die Bevölkerung will. Ae Alliame Fsraelite und dar Erziehung«- wesen in Palästina.- Aus P a r i s meldet I. E. B.: Unter dem. Vorsitz des Professors Silva in Le vH wurde hier eine außerordentliche Ia hre s v e rfa rn m lu ug de r A lXia u c c Z 1 v aelite abgehalt-err. Ter - Bericht des -Setretärs behandelte in der Hauptsache den Karrrpf der Alliance gegen die antijüdffchen Gesetze urrd Perordnuugeu in Ungarn und Polen sowie gegen die antisemitische Hetze in Rumänien und den früheren russischen Nandstaatcn. Die Hauptarbeit wurde von der Alliance gemeinsam mit dein Io? nt, Board of Deputies und A n g l o - I e w i s A s s o c i a t i o u geleistet. Ein wesentlicher Teil des Berichtes war bH* j ü d is chc u E rz i ehu ng3srage in Palästiua gewidrnet. „Durch das Wiederaufleben des Hebräischen in Palästina", heißt es in dern Bericht, ,-waren gewisse Aender u n g e n in de.ru Erziehrurgssystem der Alliance-Schulen notwendig gc-worderr. Was auch immer unsere Anschauungen über die sprachliche Revolution sein mögen, so 'haben wir doch derr Gegebenheiten Rechnung tragen müssen. Wenn auch leine Rede davon sein kann, daß wir unser Erziehungssystem nach dein i o uisti s ch e rr Vorbild geändert oder unigcstellt hätten, so tvar doch eine teilweise Ref o r rn u rr u irr g ä n g l i ch. In unseren Krippen und Kinderheimen ist das Hebräische die Unterrichtssprache. Mit beut Uebergang der Kinder in Elenrentarschnlen wird Hebräisch nur in zweiter Linie gelehrt. Die auf das Hebräische verwendete Zeit wird mit dem Aufstieg in die höheren Klasserr von Jahr zrr Jahr v e r m i rr d e r t, so daß dieser Sprache int letzten Schuljahr nur eine Stunde wöchentlich gewidmet wird." Die Herren O. E. d'A v i g d o r Gold s m i d, der Präsident der Anglo-Jewish Association, sowie Alfred S a I o rn o n - C o h e rr und A. V i d a l - N a g n e t aus Marseille wurden zu Mitgliedern des Zerrtralrates an Stelle der drei Zn Ende des Berichtsjahres ansgcfchiedenxn Mitglieder gewählt. An Streik der Bankbeamten bevorstehend. Ultimatum bis Montag. Tie VechanÄliirngen Mischen den Verrveteru der Augesollten nuh dm Aemereu Bank- und Komaiüss'ivuSlirut'eu wegen Besserstvll'U-ng der bei diesen Finnen angestellten BeaulMr haben bisher z» keinem Res ul rat geführt. Die Beotreler der Angestellten heben ein U l t i m et n m gvstiellt, in welche«: sie er-Ltären, bnig sie, falls die tlnlernehnrer chrs» MffMur, iE MWomwUt wlinldsn, n l' nächst»« _ Merrev Morgenzeitung. "_ Letzte Nachrichten. Sie Bayrische Bolkrpartei will van Lndendorff nicht« mehr missen! München, 16. Novericher. Ueibor die Rolle Ludendorsss, die er in den letzten Tagen gespielt hat, schreibt die offiziöse Bayrische VMsPartüilLorrefPondorrz unter anderern, daß der bedeutendste doutsche HeevfrÜhrer sich , dazu hergegeibeu habe, mit Hitler ome RevolutionstraHÄomÄdie in den Münchener Straßen aufzusülhren, werde Deutschland dem General nicht vergessen. Es sei keirre antipreußische Gehässigkeit, wenn wir in Bayern derr stillen Wunsch hegen, die Zukunft möge uns von dem „Politiker" L u d e n d o r s f befreien. Woche in de« Streik t-vetvn wolle«. Die Untern chm er müssen Vis Scmist-ag ihren StiandPuM erklären. Dir Forderungen der Beamte« sind: Zehnprozeutige Erhöhung der bishevigen Bezüge, dreißigprozentige Echöhnng der Ueb-erftn n den entlohn« n g und einen N o t st a n d sbeitrag ün Ausmaß eines MonatsgchMes. sTie Uutern'chmcr verhalten sich nicht absolut ablehnend, doch bcrlangen sie in Anbetracht der jetzigen unUünftigvli Börsen« siiuat'iou einen voMufigen Nachlaß der Forderrrmgan und wäre« bereit, bei günstigerem Güschvftsga-.-.g der vollkommenen Erfüllung der Forderungen zugustiimmon. An SsterreWscher Robelyreirträger- Wie eine .Havas-Moldung aus Stockholm besagt, wurde der Nobel-Preis für Physik dem Amerikaner M i l l i k a «, der Preis für Chemie Professor P r e g l in Graz zuevkannt. Der Nobel-Preis für. Literatur ist dem Irländer $) cats zuerkannt worden. Besserung de« Wetter«. Gestern früh hatte ganz Mitteleuropa trübes, vielfack, regnerisches Wetter. Morgens war es in Oesterreich noch warm. Im Laufe des Vormittags trat bei lebhaften westlichen Winden Abkühlung ein. Voraussage: Besserung, Wolkentreiben, vielleicht noch gelegentlich Äegenspritzer. * Das Skeueste ist... Das Neueste ist nämlich, daß eine Lederjacke, cut Ledorhünven und ein kühnfarbiger Wollschal sehr hübsch ausschen, lvenn eine hübsche $ran drin steckt. Es tut der Möhlgofälligkeit des Anblicks weiter keinen Abbruch, daß diese Euscheinung sich mitunter am Volant eines Automobiles bietet, ja nach der unverhohlenen Begeisterung, mit der die Ehauflenrirmer^ begrüßt wurden, darf man sogar annchrnen, daß darin ein« Erhöhung der WirEung gelegen ist. Daß frei diesen Kundgebungen auch Stimuren der Warnung laut wurden, die eine Verspätung beim Kersfee voraussagten, betveist nur die Synripa-ihic, mit der das PyMiikum die Bestrebungen der ChaussAN-Ladies verfolgt'., llebrigens ward oie Proplhezeihnng sicherlich zu Schanden-, denn wer de-u Start mitansah, konnte nicht daran zweifeln, daß die beteiligten Damen zweifMos keinen kalten Kaffee trinleu würden, noch getrunken hatten. Die Damen enitwickelten bonvevkendwerte, oft erfreuliche Kühnheit sowohl bei dor Zu-sammenftellung dcr Toiletten als auch beim Lenken ihrer Gefährte, welche letzte Leistung allerdings schon durch das Lenken ihrer Gofährten, in dem die Wiener Dame seit jeher -vortrefflich« Zeistmrgen artszulveisen hat, arigebahnt war. Wühxend der Dauer der Bonsührnngen rvidevhalltc der Prater vou Fachausdrückeu, Ät-odejournalen, ne-uom Lcderzeng und Parfüm. M-an nennt das mit einein kurzen Worte: Sport, und cs kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Damen fiir ihre besondere Begabung ans diesem Gebiete ein glänzendes Zeugnis erbracht haben. Man scch Wollnnid Lederjacken, Hütchen und Mützen in allen möglichen nn>d eWchen unrnöglichen Farben. Gefahren wurde da'bei auch. Murr das scheint bei einer Autorin obil-Wettfahrt eben nicht ganz vermeidbar zu sein. Keter Mmr r. Besichtigung der steirischen Wasserkmfttverte durch die Presse. "Aus EinÄdung dcr Moi-vvschen Wass^E- und WetirizitätWsellschast (Stewoag)) bÄsichcHgten gestern zahlreiche Bert'vÄor der Meavör und GvMr Presse das im Ban weit forilgHHv'l-tbone EkMilMtswerk an der Teigitfch. Die BefichtMM dLnerte mehr als vier Sturrderd, wölbckr der Dii-sktor der StÄveag. OiberiinMniLur Hofbauer, eingehende sachtechnliische EMrotwrutzgen «alb und die Besucher Mer das qvoßzügige Programim des Ausbaues der Mrischen Wasserkräfte Äfformierte. LandeshaDptmanu Dr. Ri nt «len hob den gemeünniitzitzMn Charakter des Uaüevirchrnens hervor, an dern die nwßMeuden WeMichen Körperfchaflen des Lindes hervmrageivd beteiligt seiien. * Eine Ausstellung der städtischen Kindergärten. In der Zeit vorn 18. bis 30. d. wird iu den Räumen des Stadtschulrates. 1. Bez., Bnrgring 9, eine Ausstellung der städtischen Kindergärten Wiens allen Besuchern zeigen, wie auch die Erziehnng des Kleinkindes im Sinne der schaffenden Arbeit ansge!bant wurde. Während der Dauer der Ausstellung find auch Kmdervoigen, Aufführungen, Lichtibildeworstellimgen und Märch cnvorlesun gen geplant. * Kurs «rr Heranbildung von Kinderschweftern. In dem zu eröffnenden Kurse zur HcranbilÄlNg von Kinderschwestern find noch einige Plätze frei. Zur Aufnahme zuläffig find mittellose Mädchen im Miudcstälter von 10 Jahren, deren BorbUdrurg der vierten oder mindestens der dritten Bürgerschulklasse kntfpricht. Der Kurs dauert fünf bis fechs Monate; swatsgüllige Zeugnisse werden nicht auSgofolgt. Es wird kein Schulgeld, sondern nur ein kleiner Regiebeürag cingehoben. Anmeldungen, mit.Geburisurrd letztem Schn-lzeugnis belegt, ab Freitag den 16. d. von -1- bis 6 Uhr nachmitta-gS in der Schnlkanz'lei des MädchenKluterstütznn^sver.cins, 9. Bez., Berggasst 7. Die Zettbungüfrist von Klei-erpakeieu nach Rußland verlängert. Boin Exekutivkouiiu-e der jüdischen Welrhils-s konteren; in Paris rvir.d uns iniige-reitl: Aus mehrfache Anfragen, ob es noch immer möglich sei. 'K-!ei>der.pa1e!-e nach Rußtau-d zu schicken, wind beiluintgegeberi: Wie erüuncrlich, wurde . die Aktion der Meidersendnugen nach Rußland serneMitvon tdav -Ädkichl» amim&m «M Ävr M-nrrw« 16. November 1928 Seite 8 Aknen durchge.fübrt, rvobei die rnfstsche Regierung den Sew» dun-gen volle Zollfreiheu g?'tvährte. Da die Mi-on Nanfenß laut ihren», jüngsten Beschlüsse gegeniivörtig liquidiert rnnid die russische Regierung sich weigert, die Zollfreiheit der Äfr sendnngerl auch weiter zu bÄvillrgeN, sieht sich auch die jüdisch« Welthiljskonferenz gezwungen, ihye Kleidaraktion HU liquidieren. Bis zum völligen Abfchlnß dieser Lrquie- Vierung hat das Welthilfskomitee noch die Möglichkeit, ungefähr 1000 Pakete mit ausschließlich neuen Kleidern unter i>en heutigen Bedingungen nach Rußland zu senden. Die. Aufträge zur Weitersendung solcher Pakete müssen -jedoch bis 'spätestens Ende Dezember dieses Jahres an daS Welt- Hilfskomitee in Paris, 10. Place Gdiouavd 7, gelangen. Das Komitee wird diese Austräge nach Maßgabe ihres Einlangens unverzüglich weiterlöit-en. Später 'oinManyt« Aufträge können nicht berücksichtigt werden. * Zionistische Bezirkssektion und Jüdische Tischgesellschaft Innere Stadt. Die Tätigkeit -des neuen AribcitAjahres wurde dank der rührigen Leitung des Dr. S o f >c r schon an bent auf den Delegiertentag foilgenSem Tage aufgenommen. Einen sehr verheißungsvollen' Austakt bot das Referat des GemeinderateZ Dr. P l a f cf) i c § über die Lage der Juden in Deutschland. In gewöhnt temperamentvoller und erfchöpifenlder Ar>t schÄdrr'te Dr. Plofchkes die schwere Bedrängnis der deuischen.Juden und erörterte die sich dadurch aufrollenden Pr>M«ne jüdischer Organisation. Er. wies nach, daß die deuttschvöMische Verhetzung iu alle Teile der Bevölkerung eingedrunaen sei und daß alle nichtj-üdWen Parteien bein: Schutze der Juden vetzsagt halben. Es gäbe für die Inden der ganzen Welt nur dm einzige wirksame' Oraanisatian. die zionistische, cbenfa tvie die zionistische Presse allein die Nachrichten über die Vorgänge in Deutschland und die von jüdischer Seite getroffenen Schuhmaßna'hmen an die Oesifcntlichke.it vermittelt höbe. Er Moß mit einem wavrn-en Appell zum Eintritte' in die zionliftifche Orgänisatiou, zu tatkräftiger Palästinau>nd Keren .Hajessoid-Arbeit und zur Förderung der jüdischen Presse.!i Zionistische Bezirkssektion 1245, Am 8. d. hielt im Rahmen des Pailäftina-Vortragszyklus Herr Adolf Bö hur, der Direktor des .Keren Kajonreth. einen Vortrag über die „Einwanderung urrd Kobonifaiion in Palästina". Ausgehend von einer Dchtlderung der stetig w-ackffenden landwirtschaftlichen und industriellen Mogstchkoiten Palästinas stellte der Vortragende auch ein starkes Anwachsen der Einwanderunig. in Aussicht. Herr Böhm tritt für die Regelung im- Einwanderung ein, um das Gespenst der Arbeitslosigkeit zu bannen. Man'hatte -das Gefühl, daß der Vortragende nicht nur vermöge seiner Stellung nnd Tätig'keit in der zionistischen Sache berufen -ist. über die.se Fragen zu sprechen, sondern daß darüber hinaus ein Mann sprach, dem die. Sache des Judentums auch eine ureigene, persönliche Angelegenheit geworden ist, der er seine ganze' Persönlichkeit widmet. Damm gelang es Herrn Böhnr auch, seine Zuhörer bis zimr- Schluffe seiner Ausfiihrungen zu fesseln und mitHureißen, als er seinen Vortrag mit begeisterten Worten der Hoffnung schloß. * Ein Vertreter der Jüdischen Welthilsskonseren; in Argentinien. Zlrgentinffche Zeitungen melden: Am 3. -Oktober ist der Vertreter der Jüdischen W-Ächilsskonfevenz, der jüdische Publizist Herr W. L a tz-ky-Ber toll di, in Argentinien eingetroffen. Im Hafer: von Buenos-Aires erwarteten Herrn W. Latzky große Mengen von Menschen. Sämrtliche Zeitungen erschienen an diesem Tage mit Begrützungsartikekln und dein Bilde Latzky-Bcrtöldis. Ein amerikanisch-jüdischer Philanthrop für das notleidende Deutschland. Wie aus Chicago gemeldet wird, hat der bekannte jüdische Philanthrop Julius Rosenwald als erster eine Spende von 100.000 Dollar zugunsten einer Sammlung für das notleidende Deutschland gegeben, die unter Führung des ehemaligen Kommandeurs der amerikanischen Besatzungstruppen in Koblenz, des Generals Allan, in Amerika durchgeführt wird. Rosenwald hat dem „Joint" bei einer seiner Sammlungen während des Krieges eine Million Dollar zur Verfügung gestellt und ist als Schöpfer zahlreicher Schulen in Amerika, darunter solcher für Neger bekannt, für welche Zwecke er wiederholt hohe Beträge gewidmet hat. * Eine Aktion fite das arbeitende Palästina. Das Berliner Komitee für das arbeiterrde Palästina hat den Beschluß gefaßt, eine allgemeine Aktion für das arbeitende Erez-Jisröel in allen Ländern Europas zu proklamieren. Die Aktion soll vorn 17. Dezcrnber 1923 bis 17. März 1924 dauern. Hauptziel lorrd der Verkauf der zweiten Serie der Aktion der Arveiterb a n k in Palästina irr der Höhe von 20.000 Aktien sein, die im Verlaufe der drei Monate untergebracht werden sollen. Kleine Wrsnik. Judenabkömmliuae als Höhlenbewohner. In den Oasen der Sahara find, wie Arnold Köttner in der „Weserzeitung" schreibt, die Hauptbewohner Araber, Berber und Jndenabkömurlinge. Diese Abkömmlinge ägyptischer und altrömischer Kolonisten sind durch die Lybische Wüste bis in den westlichen Teil der Sahara gelangt. Schon zu Ende des 15. Jahrhunderts sind sie^zum Islam übergetreten; aber iu ihren Gebräuchen und in ihrem Aeußeren ist die j üd i s ch e A b st a m m u n si doch unverkennbar. Etwa 6000 bis 7000 von ihnen sind Troszkodyten, Höhlenbewohner, die in kraterartig anssehenden Erdlöchern hausen. Sie tun das, weil cs in diesen Höhlen im Sommer kühl, im Winter wärmer ist. Sie haben sogar unterirdische Gärten angelegt; denn nur im Boden ist genügend Feuchtigkeit zur Entwicklung der Vegetation vorhanden. Wie sehr bei den Troglodyten^die jüdische Tradition, noch nachwirkt, zeigt der Umstand, daß sie, wie es^die orthodoxen Juden tun, die für den Sabbat bestimmten Speisen am Freitag kochen. Als Wasscrhändler haben sie in den Oasen eine wichtige wirtschaftliche Aufgabe zu erfnen. Sie sorgen da für, daß die Dattelpalme, das wichtigste Nutzgewächs der Sahara, stets bewässert werden kann; denn eine einzige Palme repräsentiert bisweilen wegen ihrer großen Fruchtbarkeit einen Wert von zweihundertpünfzig Franken. Die Arbeitslosigkeit in der Tschecho-Tlowakei. Zn der ersten Hälfte des Monates Oktober wurden nach eurer Statistik des Ministeriums für soziale Fürsorge in der Dschecho-Slowavei insgesamt 56.900 Arbectülose unter- . stützt, und zwar 41.500 Männer und 15.400 Frauen, weirers 51.300 H a u s h a l t u u g s z ugehöri g e. Hievon ciitfaUeu ans Böhmen 42.70s), ans Mähren nnd Schlesien 8900 rmd ans die Slowakei und Karpathorußlnnd 5800 Perjonem ttebercnes wurden durch 4^ermitt'l«bng der UnrernehnmiMn 05.200 teilweise Arbeitslose mit 21.000 Hanshalinngszugchör-igen unterstütz:. Die Zahl der direkt vorn Staate nn-terstützten ^Personen hat sich im Vergleich zürn Vormonate fast nicht geändert. — Ein HandrchrisienliebhaLer. Die aus der llniueviiuit Halle gestohlenen wertvollen H a u dschrisi e n L n l y e r S und MelanchthonS sind bei einem Postaffessor gesunden worden, der sim seeiwillig zur Ar'syilse bei der Ordnung Per Bidtiolhek angeboiei! batic. Bei der Durchsuchung seiner Wohn'.'ng rvurden uiehi weniger;.i!v HO »Kitohleiie 2'äude gefnuden, d-.rrnruer eine umersevirche Melanchr'oar .:> Ter Postaffessor rvar so stark von Bibliomnnin befallt-u, daß er Fmu und Kinder vernachlässigte und seine Ztelluna arffgab. uwe nm. dex Äripech-Mrt. rönnen«.

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