Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1707 (15.11.1923)
- Date
- 1923-11-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mvtm Men, Donnerstag Wiener Morgenzeitung. Neuerliche SrmWguug der Kohleuprelse. Me die Korrespondenz Herzog mitteili, werden sich vom 16. d. ab die Preise für oberschlesische Hausbrandkohle und oberschlesischen KokS ab Rutsche Wien-Nordbahnhof abermals e rmäßigen. Die neuen Preise betragen für Kohle in offen geladenen Fuhren 84.400 K., für Kohle in plombierten Säcken 90.200 K., für Koks in offen geladenen Fuhren 129.600 K>, für Koks in plombierten Säcken 135.400 K. für 100 Kilogramm. Die Sackpreise für Kohle und Koks verstehen sich einschließlich 8lbtragenS, jedoch ohne Zustellung ins Haus. Unter Hinzurechnung der Zustellung inS Haus ergibt sich ein SackpreiS von 95.200 K. für 100 Kilogramm Kohle und von 140.400 K. für 100 Kilogramm Koks. Die Lebensmittelmilrlte. Die _ Beschickung des Fleis ch m a r k te 8 war auch geistern günstig ausgefallen. In der GroßmaMhalle (Fleisch- Meilung) sind 16 Waigiyons mit verschiedenen Fleifchgattungcn emaellangt. Trotzdem halven die Preise im allgemeinen keine Her ab sehnng erfahren. Bloß mindere Sorten von Rändsleiisch haben sich um IM K. pro Kilogramm ermäßigt. Auf den Grünwarenmär-kten sind Kcrvtofifem, Gemüse aller Art und Obst in großen Mengen vorrätig. Be» sonders auffallend war heute das Angebot von ausländischem Kranit, das so groß war, daß stellenweise die Preise hLMNtergesetzt werden mußten. Man verkaufte stellenweise ein Kilogramm um 400 K. Schlechtes Wetter. In den westlichen Alpmländern war es nach trübem Morgen tagsüber heiter, in den östlichen blieb eS trüb. Wien hatte morgens Nebelreißen, mittags hob sich die Nebeldecke, ohne jedoch aufzubrechen. Die Temperaturen sind. noch immer übernormal. (Innsbruck hatte mittags 16, Wien und Graz 10 Grad). Voraussage: Schlechtwetter, trüb, zeitweise Regeen, mäßiger Temperattrrriickgang. _ ' . * Zionistisches Landeskorrritee« Heute, 7 Uhr, konsti- 1 u r e r e n d e S i tz u n g, 2. Bez., Taborstraße 20 a. . * Spenden für die Aktion des Haruach (für jüdische geistige Arbeiter in Deutschland): Ing. Duschinskv 100.000 K., Moses Stöckl 100.000 K., Ing. Egon Stulz (durch Prof. H. Krauß) 10Y.M K., Lazar Kr e st in 150^)00 K., Prof. Schatz 50.000 K., Herr Teichmonn 50.000 K., David Grünfeld (durch Prof. F. S. Krauß) 1 Pfund Sterling. * Unveränderte Gas- und Strompreise. Fiir den Ableseabschnitt vom 15. bis 22. d. beträgt der Preis für einen Kubikmeter Gas unverändert 1900 K. Auch die Preise für elektrischen Strom bleiben unverändert und kostet eine Hektowattstunde Lichtstrom 490 und eine Hektowattstunde Kraftftroin 270 K. . * Geldsendungen nach Deutschland. Vom 15. d. ange fangen wrrd der Höchst betrag für Postanweisungen n«di Deutschland, dem Saargebiet und oer freien Stadt Danzig auf dreitausend Milliarden Marl erhöht. Der Postanwvisnngsveickehr aus Deutschland bleibt bis auf weiteres eingestellt. * Der Hungerkiinstler aus der Tschecho-Slostuckei. HungerküUer ist kein schöner Beruf. Da es a!ber mit der Elektrotechnik infolge der ArbevtslosiBvi-t nicht gehen wollte, entschloß sich Josef Baumert, den Leuten für Geld etwas vorzuhungvrn. Uelbmrg hatte er ja — vielleicht veridieute er mit Hungern so viel, daß er sich hie und da satt essen könnte. Er trainierte fleißig, und als er sich für seinen Beruf genügend vorbereitet glaubte, verkaufte er fein Letztes und führ von Preßlburg nach Wien. Hier wollte er zunächst ein wenig fiir einen Jnvalidcnverband hungern und wollte zu diesem Zwecke den im Winter unbenützten KioÄ des GrabsncaifeS misten. Der Besitzer wollte aber an seinem Hunger sott werden und forderte hindert Millionen Miete für einen Monat. Dos war zu viel. Am 12. d. wurde nachts eine große Spiegelscheibe des Grabencafes mit einem Stein zertrümmert. Der Täter, der: man^ verhaftet, war Josef Baumwt, der Hungerkü'nsiller. Ter Steinwurf lvar seine Rache dafür, daß Wien für die Kunst so wenig Verständnis hat. Er wurde dem Landesgerichte cingclieifert. Bei der regelmäßigen Äeibenswöise, die dort herrscht, dürste Baamtevt freilich im Hungern „außer $orm" kommen. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" find entgeltlich.) * Tanzinflitut «ermann Braun, 14. Dez., Neindorfgasfe 42. * Alle Hausfrauen rufen im Chor: „Die beste Seife ist Kagor.- * Teppichhau« Weitzner, Vl., Mariahilferstraße 106, kommt bei Einkauf von Teppichen, Decken, Vorhängen usw. in allererster Linie in Betracht. Vorziigl. Teppiche aus reinem Wollmaterial, Größe 2X9 K. 295, Große 260X360 K. 396, warme Fensterschützer K. 36, Seidencloth-Steppdecken K. 176, Flanelldecken K. 66, Bettvorleger K. 19, Doppelbettdecken K. 90, Madras- Vorhänge K. 9b, Scheibenvorhänge K. 5, Bettgarnituren K. 180, Bunnes femmes K. 38 usw. Größtes Lager in echten Maffersdorfer Argamanteppichen zu konkurrenzlosen Preisen! Preise in Tausendem. Vereine, Vortrüge und Versammlungen. Die A r b e i t S p a r tei H t t a ch d u th eröffnet GrattS- Mrse in Hebräisch, für Anfänger,und Fortgeschrittene in Geschichte, Literatur und Palästinageographie. Anmeldungen täglich von 7 bis o Uhr abends, Sonntag von 10 bis 12 Uhr mittags. Samstag ben 17. d., 7,3 Uhr, Waadsitzuug. — MiSrach i-B eztrkS- 9 r u p p e L e o p o l d st a d t. Morgen den 15. d. um 4 Uhr >wchmittags im Festtaale des Hotel Barschak, 2. Bez., Große diifigasse 3, Plenarversammlung behufs Konstituierung deS Sprengel« 2 der MtSrachi-BezirkSgruvpe Leopoldstadt. Der Sprengel umfaßt alle Gaffen des 2. Bezirkes von der Oberen Donaustraße und Oberen Augartenstraße bis inklusive Tabor- >tratze 37. Alle in diesem Sprengel wohnenden GesinnungSnejtofieu lucvben um zuversichtliches Erscheinee dringend gebeten. — Dw Zionistische S e k t i o n Z w i s ch e u b r ü ck-e« . hebräische Kurse für Anfänger (Kinder und Erwachsene). Einschreibungen Montag und Donnerstag von 7 bis 9 Uhr abends m Vereinslokale, 20. Bez., Allerheiligenplatz 17. -Bund l t - B t a n - W e i ß und E l t e r n b n n d B l a ue i ß. Heute^ 7,8 Uhr abends, im Casö Metropol, 9. Bez., e, Ecke Hahngasse, Vortragsabend mit Diskussion. Redner: wiju . Edmund Jerusalem, Ingenieur Hartmann, Dr. Otto ^'chtwttz und E x c W Prof Dr. U r a n i a. Heute: Großer S a a l, 7,3 Uhr : Unser Salzkammergut. r> ishr: Wild-Aftika. 7,8 Uhr: Dr. Josef Bergan er: Alt-Wiener Theater. — Kleiner Saal. 7-3 Uhr: Konstantinopel. 7,5 Uhr: Schriftstellerin Susi W a l l n e r (Linz): Vorlesung aus eigenen Werken. 7-8 Uhr: Biedermeier-Quartett. — K n r s s a a l, 7,6 Uhr: Prof. Doktor Karl Spieß: Herbstbräuche. 7-8 Uhr: Dr. Wolfgang Schultz: Die Anschauung vom Monde und seine Gestalten in Mythos und Kunst der Völker. —Klnbsaal, 6 Uhr r Ernst Steinin ger: Deutsche Lyrik, l. Abend. Klassische Lyrik. 7-8 Uhr: Dr. Ferdinand B o r n t a r Heiterer Vortragsabend. Bühne und Kunst. „Wetterleuchten." Josef Jaruo setzt sich auch in dem Praiertheater, das er nunmehr allein führt, für' Strmdberg ein.' Er hat nun Strindüergs Stück, mit welchem er seine Tätigkeit im Josefstädtertheater beschlossen hatte,'ins Lnstspieltheater.übertragen und eine für die Schwebungen des Stückes vielleicht etwas zu massive, aber abgerundete Vorstellung herausgebracht. Auch diesmal wieder bewies Jarno seine Vorzüge als Strindberg- Spieler und verlieh dem „Herrn" im „Wetterleuchten" charakteristische Züge der kurzen Qual des ruhevollen Alters. Das volle Haus dankte Jarno mit lautem Beifall S. S. Madame Pierat. (Geraldys „Aimer" im Raimund-Dheater.) Geraldy kennt mau vom Burgtheater. Er schrieb jenes melancholische Lied von der Vereinsamung der „Alternden" (Hochzeitstage). Auch „Aimer" ist ein blasses lyrisches Stück, nicht gerade bedeutend, aber zart, in seiner Schlichtheit herzhaft. Es wird gezeigt, daß Eheleute gegen mancherlei gefeit sind, soferne sie nämlich nach der: Flitterwochen gelernt haben, Lebensgefährten zu sein. Gefeit gegen die ewige Gleichmut der Tage und gegen Liebelei. Daß nämlich auch echte kraftvolle Leidenschaft diese Ehe stören könnte, wird nicht gezeigt. Denn die Heldin kann noch immer den Geliebten gegen den Gatten abwägen und zu leicht befinden. Ein Kammerspiel. Gleichwohl erwirkte Madame Pierat stürmischen Beifall auf offener Szene. Damit ist Art und Wert ihrer Kunst gekennzeichnet. Sie vermag echte Tränen zu weinen — aber das Publikmn muß diese Tränen herabrieseln sehen. Sie steigert leidenschaftliche Ausbrüche von Grad zu Grad bis zum Höhepunkt — aber an diesem Höhepunkt muß der Beifallsturm einsetzen, ob es nun dem Stücke frommt oder nicht. Mitteilungen aus dem Publikum. Möbelfabrik ]. Spira Peine «» WI8D. III.. MMliNMi 1~3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse Weste« iniieit mdemße» 3>H»S K 146.000 I Wollkleider Weitster. 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Richard Mayr unid Leo Slezak haben auch ohne Brief und Siegel ihrer voMsietzten Behörde die Anwartschaft auf die Ehrenmitgliedschaft deS Operntheaters. Mit aller Innigkeit des reifen Meisters sang Richard Mayr letzthin Lieder von Schubert. und Löwe, es ist immer die gleiche leuchtende und wärmende Kunst und er weiß ihr doch immer noch neue Lichtloin aufzustecken. Und wie vermag Leo Slezak das kleine Liedlein weich und fein zu runden! Gleich dem zarten Lufthanch schwingt sein klingendes Mezzavoce, und dann bricht in der Höhe auf einnial die wuchtige Kraft seines Jung-Siegfried-Tenors durch, die sich mit seiner großväterlichen Würde so wohl verträgt. Die junge Opernfängerin Rosette Andap macht auf dem Konzertpodium eine viel günstigere Figur als auf der Opernbühne: die dunkle Stimme schwingt hier leichter und freier, die prächtige dramatische Höhe, die noch in voller Entwicklung begriffen ist und auf der Bühne so oft. gehemmt scheint, vermag sich im Liede erst recht zu entfalten. — Irene S ent he im flüsterte mit seelenvollem Vortrage, leider fast ohne Stimme, Lieder von Brahms und Wolf, von Else K Tibi e, einer begabten Anfängerin, hörten wir Lieder von Schubert, die sie mit warmer niedlicher Sonbrettenstimme und leb Hafter, allzu lebhafter Mimik bedachte. Im Heerbann der Pianisten tat sich der Italiener Ginseppe Piceioli durch Virtuosität, der junge Jaques I olas durch regen Klangsinn l>ervor. Der temperamentvollen Fina Schapira, die gleich ihrer berühmten dkamensschwester mit männlicher Energie und sicherer Technik über die Tasten stürmt, ist Brahms F-Moll-Sonate mit ihren reichen Empfindungswelt vorläufig noch ein Buch mit sieben Siegeln. Einen sensationellen Erfolg errang der junge Vasa Prihoda mit Paganinis D-Dur-Konzert. Keiner ist wie er dazu berufen, Paganinis Erbe zu übernehmen, Paganini zu spielen und dessen Hexenkünste zu meistern. Er vermag dies ohne schivarze Magie, ja fast ohne äußere Energieentfaltnng mit der wunderbar unfehlbaren Technik, die ihm eine gütige Fee in die Wiege gelegt hat. — Ein wundersames Märchen aus dem Sonnenland .Indien tanzten die anmutige Tilly Losch und der schmucke knabenhafte Toni Birkmeyer im Großen Konzerthanssaale. Als bei den Klängen von DebussyS „Wunderblume" der steinerne Gott zmn Leben erwachte, geschah es wohl unter dem Einflüsse der schönen Tilly, die ihn mit ihrem weiblichen Liebreiz im Tanze bezaubert hatte. fÖ>- : 6 iI.Talmrstr.l7a 1. Adlergasse 5 28^12460 572 11