Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-11-15 · Heft 1707 (15.11.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1707 (15.11.1923)
Date
1923-11-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980789--16776-3003721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nkr. 1707 Men, Donnerstag §!c jetzige Bezugsregulierung ist, wie der Fmanzminister er- ALrte. Mr als eine provisorische Verfügung geidacht. Bei der Neugestaltung des Besoldungsvechtes soll von dem Grundsätze aus gegangen werden, daß eine einheitliche 'besoldungsrechtliche Behandlung nur jene Bundesaugestellte zu umfassen hätte, die auch in dienstrechtlicher Beziehung zusammengehören, das heißt also, daß für die Angehörigen ihrer ganzen Organisation nach verschieden gearteter Dienstzjweige auch eine abgesonderte Regelung der Besoldungsverhaltnisse einzutreten haben wird. Ein Vergleich der derzeitigen Bezüge mit den Friedensbezügen zeigt ein sehr 'bedeutendes Zurückbleiben der mittleren und oberen Besoldungsgruppen gegenüber der unteren. So erreichen Beamte der obersten Besoldungsgruppe nur 25 Prozent ihrer Friedensbezüge, während Angehörige der untersten Gruppen in einzelnen Fällen, mehr beziehen als die valorisierten FriedenSbezüge. Allen Bundesangestellten, deren Bezüge hinter den valorisierten' Friedens'bezügerr zurückgeblieben find, soll zu den gegenwärtigen Bezügen ein einheitlicher Hundertsatz des erwähnten Unterschiedsbetrages zugebilligt werden. Nichtsdestoweniger sollen aber auch die Gruppen der unteren Kategorien eine mäßige Erhöhung erhalten. Die in Aussicht genommene Vergütung für das Zurückbleiben der Bezüge soll ungefähr 15 Prozent der V alo ri sierungsdifserenz betragen. Gleichzeitig soll für die Richter und die Lehrpersonen des Bundes eine analoge Regelung erfolgen. Um das durch diese Bezugsregelung belastete Budget mit dem Sanierungsplan in Einklang zu bringen, wird die Regierung die von ihr als hierzu erforderlich -erkannten gesetzlichen Maßnahmen im Parlament durchsetzen. Die Boraussetzunig für diese Regulierung ist eine weitere Suspendierung der Indexauswirkung bis zur Durchführung der beabsichtigten endgültigen Besoldungsregulierung im Sommer nächsten Jahres. Die Bundesregierung nimmt jedoch in Aussicht, falls eine etwaige Ab-" änderung des Mietevgesetzes eine ins Gewicht fallende Mehrbelastung des Haushaltes der Bundesangestellten zur Folge hätte, die entsprechende Abhilfe zu schaffen. Die Vertreter der Regierung und des Achterkomitees werden am Montag neuerdings zusammentreten. Parteitag der Sozialdemokratischen Patte!. Gestern wurde der Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterr-eichs eröffnet. Bürgermeister Seitz wies aus die Bedeutung der letzten Wahlen hin. Wir stehen, sagte Seittz, einer Mehrheit gegenüber, an dessen Spitze ein Mann ist, der nicht nur allein in bezug auf wirtschaftliche und Kulturpolitik reaktionär ist. sondern auch durch sein Wahlbündnis osfen bekannt hat, daß er den Bestrebungen der Monarchisten nicht ferne st e h t. _ Tscheche-Slowakei. Sie Aaworina-Frage. Paris, 14. November. (Tel. d. „Wr. Modenzeitung".) Vor dem internationalen Gerichtshof im Haag begannen gestern die Verhandlungen über die Jaworina-Jrage. Die Ischecho-slowakische Regierung legte ein ausführliches Memorandum zur Begründung ihrer Ansprüche vor. Die Verhandlung vor dem Haager Gerichtshof dürfte Donnerstag beendet sein, die Entscheidung a ch t T a g e später fallen. _ Ungarn. Sie Anleiheverhandlungen. Budapest, 14. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Zu ben in London am 20. d. beginnenden Beratungen des Finanzausschusses des Völkerbundes, deren Gegenstand die Ausarbeitung des Entwurfes der Ungarn zu gelvährenden Anleihe ist, werden sich unter Führung -des Fluanzministers Kallah folgende Delegierte begeben: Handelsminister Walko, die ehemaligen Fmanzminister Dr. Teleszky und Dr. Popodics, der ungarische Gesandte in Paris Baron Koranhi, Staatssekretär Schandl und Legationsrat Graf Khuen-Hedervary. Sie FudenmSrder von Fzsak. Budapest, 14. November. Der Oberste Honvedgerichtshof verhandelte heute über die Berufung des Ersatzgendarmen Johann Z b o n a und Genossen, die im November 1919 drei I z s a k e r Juden, die des Hochverrates verdächtigt wurden, ermordet und beraubt hatten. In erster Instanz waren die Angeklagten tragen Raubes -zu schwerem Kerker im Ausmaße von z w e i bis sieben Jahren verurteilt, von der Anklage des Mordes jedoch mit der Begründung freigesprochen worden, daß sie dieses Verbrechen auf Befehl ihres Vorgesetzten, des O b e r l e u t n a n t s I v a n H e j j a s, verübt, also unter u n 'w i d e r st e h l i ch e m Zwange gehandelt hatten. Der Oberste Honvedgerichtshof hat heute das Urteil der ersten Instanz im allgemeinen b e st ä t i g t und bloß die Strafe eines der Angeklagten, der zu zwei Jahren verurteilt war, auf ein Jahr herabgesetzt. Polen. Kn Finanzbeirat. Warschau, 14. November. (Tel. d. „Wr. Morgenstikung".) Wie gemeldet wird, wird als Beratungsorgan Finanzministeriums ein F i n a n z b e i r a t geschaffen Wiener Morgenzettnng. "***'■' M He rrcnroo tfr&ttMfhcf am @ra£eiv rosser cfierienverkauf! Frack oder Smoking aus feinstem engl. Material aus reiner Seide K2,500.000 Orig. engl. Herrenanzug nachMass K 1,800.000 Orig.engl.Raglan,fertigu.nachMass K 1,200.000 Seidenhemden.K 250.000 Abendhemden mit franz.Piquebrust K 120.000 Ia. weisse Rayehemden.K 110.000 Engl. Wollwesten.K 170.000 Herrenhüte, beste Qualität , , K 130.000 Ja. Florsocken ......... K 18.000 Seidenkrawatten.K 40.000 etc. etc. NUR EINIGE TAGE, werden. In diesem Beirat werden Senator Ada m, ehemaliger Finanzminister, Berka, ehemaliger Finanz-minister M i ch e l s k i und Abg. Zdziechowski kooptiert werden. Ser Numerus rlansu». Herr Glombinski weiß von nichts! Warschau, 14. November. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Ir: der letzten Sejmsitzung wurde die Antwort des früheren Unterrichtsministers auf die Interpellation des Jüdischen Klubs in Angelegenheit des Numerus clausus und dessen Widerspruches zum Versailler Vertrag verlesen. In der Antwort erklärt der gewesene Unterrichtsminister Glombinski, daß die Behauptung der Interpellanten, als ob gewisse polnische Hochschulen in den letzten drei Jahren die Aufnahme der jüdischen Hochschüler beschränkt hätten, nicht der Wahrheit entspreche. Das Unterrichtsministerium habe überhaupt keine Kenntnis von irgendwelchen Prozentnormen für jüdische Hochschüler an den polnischen Universitäten. (Nach dieser überraschenden Antwort scheint die Geschichte mit dem Numerus clausus gar eine Erfindung der — Mischen Abge.ovdneten zu sein!) Palästina. Sie Araber aus Ramleh gegen die arabische Exekutive. Die Notabeln von Ramleh haben den folgenden Brios an die Zeitung „M e r a a t e l S h e r k" gesandt: Wie wir erfahren, haben verschiedene Mitglieder des sechsten arabischen Kongresses vo-rgeschlagen, die Zahlung der S t e u e r n an die Regierung einzustellen. Die Regierung hat geglaubt, -daß der Vorschlag von den Vertretern des Volkes im. Namen des Volkes gemacht worden sei, und wir nehmen an, daß die strengen Maßnahmen zur Eintreibung der Steuern aus diese Tatsache zurückzuführen sind. Da der Kongreß nicht unsereVertretung und seine Ansicht nicht die unsere ist, möchten wir feststellen, daß wir die Zustimmung zu dem Vorschläge der Steuerenthaltung ab st reiten und die Regierung ersuchen, mit Rücksicht aus die wirtschaftliche Lage des Landes ihre Vorkehrung e n z u t r e f f e n. (I. C. B.) Die Einwanderung im Oktober. Während des Monates ODobier kamen 600 Einwanderer nach Palästina. Die Zahl Einwanderer im September betrug 643. Kongreß der gemäßigten palästinensischen Araber. Am 10. d. ist der erste Kongreß 'der neuen gemäßigten arabischen Partei Palästinas eröffnet worden. Der von der PaKtiueusffch-amMchen Exekutive eiinf&erufm Kongreß ist verschoben worden. (I. C. SB.) Verhaftung von Kommunisten. In Jerusalem wurden einiige Kommunisten in Haft genommen. die am Jalkiveststva der bvKchewWischeu Revolution in Rußland AufrtHe unter tsoi; BevMeruua verteilt hatten. (I. C. B.) Ein neues jüdisches Viertel in Jerusalem. Zwischen den jüdischen Vierteln Sichrou Mosche, Achoch Kövem und Machreb Jchulda wird jetzt ein neues jüdisches Bie'rtel R u ch amah anaelM. Die Straßen werden von der Jerusalemer GtialdtverwcMu'na cu'bout. Außer privaten Wohnhäusern soll dort auch ein großes HotMebänd" errichtet worden. Ein rumänisches Konsulat in Palästina. Die rumänische Regierung hat don Leiter der Credit LtMMhs m Jerusalem. Herrn Ger >asis «rm o, W ihrem Vertreter in Pallästina als Konsul erster Masse eriMmt. Bisher hot der svanische Kons ul in Jemis-aAm auch die rwnränffcht'n StaatsM-chäste aeiführt. Wiederaufnalnne der Vorlesungen an der Jassher Universität. Aus Jassh wird uns berichtot: Der Senat der hickmen Universität befaßte sich mit den Forderungen der rtümmBschen Studentenschaft und ncchm oin-iae dieser Forderungen an. Hiniaeaen wies dvr Senat die Fovdvruna auf Entli'alssrlna der jüdischen Professoren, Assistenten und Praktikanten der Kliniken cinhelilia zurück. Die Studentenschaft ndfint die Beschlüsse des Senats zur Kenntnis, und erklärt sich boreit, die Borlösuugrn wieder *u besuchen und für die Ruhe in der Hochschule ei-n-zutreten. Jur übrigen ist die ZM der inskribierten Hochschüler in diejs-em Jahve aus ein Drift toll der ZM des Povjahrcs herabMsunkon. 16. Nvvember IW.' Seite 9 Tagesbericht. rrmerfelee für Sr. Sofef S. »loch. Die' Gedenkrede des Oberrabbiners Dr. Ehajes. Gestern nachmittags fand in der Synaigoge der Seiten» ste-ttengiasse eine von der Israelitischen Kultnsyeimeinlde vercmstMetie Dranerseier zum Andenken an dem vor wenige« Tagen gestorbenen Kämpfer für die Müs-che Ehre Dr. Josef S. Bloch Ml. Die Feier, zu welcher sich vine zahlreiche Tvauergsmemde ö'mgchmtden hcvtte, vevllieif m der schlichten, der jüdischen Dvadition entsprechenden Weife. Das Präsidium, solwi« dvr Vorstand der Kultnsgemoinde wovon fast volÜzäWg vertreten, außerdem waren Verbvobor zchlreicher Mischer Institutionen anwesMd. Die FamMie des BeEchenen war gleichfalls zugegen. Die kanwmlen Funktionen besorgten die ObeÄainitoven Kausnmnn und Matpas unter AUteny de- Tempolchovs. In ckner eindrucksvollen Gedenlrede wüüdigte Ober rabbmer Dr. C'Hajes die Pvrsönilichiköit des Toten. Er beg«un seine Rede mit dom Hinweis, daß er schon an dor Bahre des Berbltch-nen ein GhrralderhW dieser Persönlichkeit ge geben und Blochs parlomewtorisch-PoiKische Tätigkeit gezeichnet habe, das BKd eines Mannes, welcher der erste und füc lange Jahre der letzte in einem earvopäischon Parlament nur darin seine Allfgade ges-cheu habe, die Würde und daS Interesse des Judenwms zu dortreten.. Mvum-chr wolle er von Bloch M Apologeten des Judentums sprechen, der eine besondere und oin-zigartige apologetische Wirkscrmkeit enÄvickel: habe. Die Geschichte der Apologetik ist alt, sie seHbff christlichen Ursprungs. Das junge Ghristenlum entwickelte bei einer starkm Propaganda auch die Apvlogoiik, weil es vielen Verleumdungen ousg^esetzt war. Anders war cs im Judentu'in. Dieses hatte im Altertum keine Verteidign-ug notwendig, weil es da'ina-ls rticht.angegriffen wurde, Angriffe virllmehr nur den Juden als Individuen galten. Auch als das JudeutMl nach dom Wbylouischen EM werbend auftrat, gab es feinen Kampf gegen das Judentum. Einem Kampfe gegen das Judentum selbst mit Mitteln, wie sie heute in Anwendung gebracht werden, begegnet man zum ersten Male um die Zeit der Entstehrmg des Christentums, in Alexandrien, wo die orste Virrleumdungskampagne einsetzt. Damals entstanden die erst-en jüdischen Apologeten: der Philosoph Philo und Josephus. Aber Philo verteidigte das Judentum in aristokratischer Weffe, er verherrlicht es und zci-g.r, daß sich darin alles Große der Menschheit findet, und ganz ähnlich verfährt Jöfcphus. Seit sich in späterer Zeit das Judentum gegen das Christentum vertewigeu mußte, hatt-nt dir Juden keine Möglichkeit des Angriffes, denn die Gefahr war zu groß. Und ebenso wie wir die Autisemitcn von damals nicht aus den Schriften des aristokratischen Philo kennen, fondern aus auifgchundenen Prozeßakten, welche don autife-mitffchen Exizedenten in Mexandria handeln, so kennen wir den Charakter dep christlichen Jiud-rnseind.e aus späterer Zeit entweder ans den Schriften, die Mr für Juden bestimilNt waren, oder aus Schriften von christlicher Seite. Sv war es auch im verflossenen Jahrhundert, und auch nach der Emanzipation Wied die aristokratische Mechode der Ver-tMigMig des Judentums-, aber man sucht nicht die Judenfeinde M packen und an den Pranger zu stellen. Es ist fr-eWch nicht angenehm, sich mit Giftmischern ohMgeben, aber wenn man in späteren Jahrhunderten daran denken wird, was für Leute heute die deutsche Jugend mitzureißen vermögen, dann wird diese Schande nicht uns Inden treffen. Den Massen, die alles zu gsaniben geneW sind, .muß man zeigen, was für Leute diese G i ftm isch er sind und von welchen Interessen sie sich leiten lassen. Das hat Josef Bloch verstanden und das war seine Sache. Das Bölik versteht es, wenn man eftren Fälscher und Meineidigen entilawt und in ven Gerichtsi-M bringt; daun vevs-chrüm>det er, sowie die Menschen verschwunden si-nd, dia Bloch anss Korn genommen hat. Das hat seine Zeit nicht verstanden, rmd man nahm es ihm auf Mischer Seite Vielfach übet, daß er sich dieser Mifgaibe nnterzogen hat, U'ird mit Erfolg unterzogen hat; eine Auifgäbe, die heute dringender wäre denn je, den bewrrßten Mschern die Maske vmn Gesicht Zu reißen und der Weilt zu zeigen, was für Mevschen den Glaüben des Bvlkes nriiß'brauchen. Dafür aber kann uns der Verstorbene als Weg-- fvdiser dienen. Er tvar einer von den tvenigen, von derren mau sagen kann, daß sie nicht nur im Andenken der Nachwelt fortleben werden, sondern daß auch ihr W erk for t leb e u wird. Und darum können wir ihn irach dem Tode als glücklich preisen. Di,.' Rede des ObervaAbiners Dr. Chases machre einen tichen Eindruck ans die Zulhörer. Mt der MsiW".».a einiger Trauerchöre schloß die weihevolle Feier. eine jüdische Fürsorgeattion in Wie» md ihre Wirkungen. Es war in der zweiten Hälfte des Jahres UW. Wien herrschte eine Geschäftsstagnation wie selten zuvor nun -die Angst vor weiterer Geldentwertung hatte .den altruistischen Sinn der Bevölkerung 'lalhmgvlvgt. Gleichzeitig waren aber auch die meisten Auslandsattionen versiegt. Unerwartet kam Hilfe. Seit einem Jahre stehen 135 in Instituten, seit 11 Mo» waten 230 privat tvohnende, im Kriege' verwaiste Kinder in der Fürsorge des ,K o m t i c c § z u r B e r s o r g u n g j ü -d ischar Kriegswaisen". Während dieses Zeitraumes hat das Komitee annähernd zwei Milliarden öfter- Am besten u. billigsten&*£ "ElifderSchiff mann II., Taborsiraße 48 Teienhon 47-1-79 En sros En detail mummmmmmsm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.