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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-14 · Heft 1706 (14.11.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1706 (14.11.1923)
Date
1923-11-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Mt S Wien, Mittwoch Wiener Morgenzettuns 14. November 1923 Nr. 1706 Die bayrische llu-Srdmngszelle. Sie Fudemurweismgen in München. Ter Sonderberichterstatter des I. C. B. m München keilt mit: Nachdem. die ersten Massenvuswnsungen der nicht-- Layrischen Juden a:rs München erfolgt sind, hat der V o rst a n d der M ü u ch n e r jüdischen Gemeinde an Kahr einen energischen Protest gerichtet. Daraus hat der Gemoindevorstaud ein Antwortschreiben erhalten, in welchem behauptet wird, die Ausweisungen seien lediglich „gegen wirtschaftliche Schädlinge" gerichtet. Falls sich unter den Ausgewiesenen „verhäktnismäßig viele Israeliten befinden", sei es darauf zurückzusühren, daß i n d i e s e n Kreisen besonders häufig Zuwiderhandlungen gegen die wirtschaftlichen Vorschriften Vorkommen. Auf die Vorstellungen der Münchner jüdischen Kreise, die auf die wirtschaftlichen Folgen der Ausweisungen für die Betroffener: hingewiesen hatten, erklärten sich die Münchner Polizeibehörden bereit, den „freiwilligen A u s ] u g" derjenigen Personen zu geftatterr, die rechtzeitig -schriftliche Verpflichtungen abgcbcn, Batzen: zu verlassen. Für die „fteiwillig Ansziehenden" gilt nicht die vierzehntägige Frist, die für die anderen Opfer der Ausweisungen regelmäßig festgesetzt wird: eberffv behalten die Freiwilligen das Recht des Wohnungstausches, während die amtliche Ausweisungsverfügung gleichzeitig die Beschlagnahnre der Wohnungen ansspricht. Bisher find zirka 25 Familien zmn „freiwilligen Auszug" angcmerkt worden; ein Teil derselben hat aber dennoch nachträglich Verfügung über Zwangsausweifnng erhalten. Fortdauer des Ausuahmrzuftimder in Andern. München, 13. November. (Tel. d. „Wr. Morgenzettuug".) Der bayrische Ministerrat veröffentlicht eine. Erklärung, in welcher die Staatsregierung die Opfer der Wahnsinnstat von: 8. November bedauert und ausführt, daß die besonderen Verhältnisse in Bayern das unveränderte Fortbestehen des Ausuahmszustandes erfordern. Tie Bevölkerung wird aufgefordert, die. Staatsregierung im Verein mit dem Generalstaaiskümruiffär Kahr in der Festigung der staatlichen Ordnung zu unterstützen. Lndendorff und Hitler kommen vor ein Bolkrgericht. Muttchen, 13. November. (Tel. d. „Wr. Morgenßeitung") Das Verfchren gegen Ludendorfs und Hitler soll vor dem Volksgericht durchgeführt tuenden, Sesterreich. Sie Berhondlnngen mit den Bundesangeftellten. Die Regierung Hai den: Achterkomitee der Bundes-. angestellun die Mitteilung zukomrneu lassen, daß sic v o rD Mittwoch nicht in der Lage sei, die Verhandlungen mit den Beamtenorgauisationen zu beginnen, weil sie zu dieser Zeit erst die Berechnungen des FinanznrinisLeriums über die zweite Etappe, der Bezugsregelung erhalt. Eine dieser Tage stattfindende Sitzung der Sektion der öffentbichen Angestellten wird zu der Frage Stellung nehmen. Aerhandümgen wegen der Mtvenfionifteu. Seit geraunter Zeit sind Ver'haMuugen wegen der Pensionsbezüge der Altpensionisten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Arntee im Zuge. In der: nächsten Tagen werden die Besprechungen der Vertreter der Sul- Mionsstaaten wieder ausgenommen, die, wie die beteiligten - Kreise versichern, diesmal zu einen: günstigen Abschluß führen tverden. (Korr. Hevwei.) Polen. Abreise des Firianzextzerten Mung nach London. Warschau, 13. November. Der englische Finanzexperte Hilton Young ist heute wegen der bevorstehenden Neuw ah len für das englische Parlament nach London a b g e r e i st. Die Mitarbeiter 'Joungs bleiben in Warschau. Me Schwierigkeiten einer Anrlnndsnnleihe. Warschau, 13. November. (Tel. d. „Wr. Morgewzeitung".) In einen: Interview äußerte sich Minvsterpräsidurtt Witos über die Ursachen des Nichtzustandekommens riner Polnischen Ausländsanleihe. Ans den bisherigen Vertzandlungen mit der onsländnchen Finanzwelt ist zu er-. schon, daß das Anslaibd, solange die p o l tl i s ch e n K a P iiülisteu und Magnaten selbst ihre Kapitalsüberschüffe in ausländischen Banken anlegen werden, keine Anleihe gewähren roerde. Es sei auch nottveudig, die Valuta zu stabilisieren m:d sämtliche nrit dein Ausland getroffener: Uebereinkünste einzuhalten. Nnr im Wege einer geordneten Finanzwirtschast werde es möglich werden, das Ausland für eine Anleihe zu gewinnen. Neuerliche ßrhiihimg der Sisenbahntarise. > Warschau, 13. November. Das Eiseubahnministerium hat beschlossen, die Eisenbahntarift .für. Personen» utrd Gütertransporte. ab 1. Dezember d. I. nm besiehnngswrHe 200 P rozant zu erhöhen. da die Standgerichte erst nach den Vorkommnissen am Donnerstag eingesetzt wurden. Die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft hat begonnen. Me Reichsregiernng fordeü jedoch ein Hoch« verratsverfahren vor dem Reichsgericht. München, 13. November. Die „München-Augsburger Abendzeitung" berichtet aus Berlin: Obwohl die bayrische Regierung die Aburteilung der Münchner Putschisten vom 8. November vor den: Sondergevicht in München in die Wege geleitet 'hat, ist gestern von: R e i ch s k a b i n e t t der Auftrag an den Oberreichsanwalt auf Eröffnung des Hochvcrratsverfahrend vor dem Reichsgericht in Leipzig ergangen. Der Auftrag gründet sich ans die Erklärung der Hitler-Leute betreffend dieAbschaffungdes Reichspräsidenten und der Reichsregierung. JentschvSltische gegen Kahr. Berlin, 13. November. In einer Sonderausgabe des höllischen Deutschen Tageblattes" berichtet der deutschvölkische Abgeordnete Gräfc-Golde.bee, Äa ß er nach München berufen worden sei, um an der Hitler-Aktion teil- ■ zunehmen, lieber die Vorfälle im Bürgerbräukeller 'berichte er aus Grund von Mitteilungen aus Hitler-Kreisen. vor allem von Ludc.ndorss selbst: Schm: vor einigen Tagen hätten Lossow und Kahr Hitler und Lude nd o r f f gegenüber erklärt, daß sie mit den Zielen der Freiheitsbewegung restlos übereinstimlnrn. Kahr habe betont, daß auch er es angesichts der hilflosen Zustände in Berlin ’ für unvermeidlich halte, von München aus eine nationale Reichsregiernng zu proklamieren und nötigenfalls gegen Berlin zu marschieren, um sie dnrchznsetzen. Hitler habe der: Eindruck gewonnen, daß Kahr Mit seinen Zusicherungen die Bundesbrüder nur Hinhalten wolle, ■ um ihre Pläne dann plötzlich durch eine Proklamation des Kö n igs zu sabotieren. Hitler habe deshalb den Entschluß gefaßt, durch eigenes Handeln Kahr zum Farbebekennen zu nötigen. Zn diesem Zwecke überfiel er die i Bürgerbräuversammlung und rief dort die nationale Regierung ans. Nach einen: Gespräch, das Kahr mit Lossow noch in der Stacht mit dem Bevollmächtigten Ehrhardts, dem Kapitänlentnant Kauttler, hatte, der ein scharfer Gegner Ludendovsfs sei, seien jedoch Kahr und Lossow umgefallen. Diese Stellungnahme Kauttlcrs gegen Lndettporsf sei später durch den Kronprinzen Rupprecht unterstützt worden. Gräfe bezeichnet die Handlungsweise Ka hrs und Löss o w s als Heimtücke eines f chnödcn.Wortbruches. Eine Berordmnig Wer die Staatsbürgerschaft. Aus Bukarest meldet mau uns: Die Regierung 'hat eine Verordnung erlassen, wonach die »Feststellung der Personen, welche die rumänische Staatsbürgerschaft im Sinne der in den Friedensverträgen und ihren: Anhang vorgesehenen Bedingungen voll erlangt haben und' die Aufstellung der Listen, welche diese Personen enthalten, nach Gemeinden im ganzen Laude in erster Instanz durch die Verwaltung, in zweiter Instanz durch eine gemischte Zenrralkonrmission. loelche in Bukarest amtieren wird, erfolgen soll. _ Rundschau. Ser braftlianische Prüfidrnt für den jjumismur. Der Delegierte des Keren, Hajessod-Hauptbureans, L. Jaf-fe, wurde vor seiner Abreise aus Brasilien vom Präsidenten der brasilianischen Republik in Audienz empfangen, den: er seinen Dank für die Hilfe Brasiliens bei der Bestätigung des Palästina-Mandats aussprach. Der Präsident wehrte jede»: Tank ab, da Brasilien nur seine Pflicht erfüllt habe, und erklärte, daß Brasilien auch in Zuku nft seine Sy mpathie n der zionistischei: Bewegnttg gegenüber betvahrer: tvevde. Ter Präsident drückte seine Befriedigung über den Besuch des zionistischen Vertreters aus, dankte herzlich für die Begrüßung unt> äußerte sich beim Abschied: „Ich wiederhole meine Erklärung nnv bitte Sie, sie den Juden zu überuritteln. Brasilien wirb auch in Zukunft mit freundlichem Jirteresse die jüdische Arbeit in Palästina verfolgen, die nicht nur dem Wahle der Juden, sondern auch zum Wohle der ü b r i g e u B e w o h n e r des Landes dien:. und wird der zionistischen Sache seine weitere Unterstützung angedeihen lassen." . Jüdischer Protest gegen da» Angebot brr Arab Agency. Jerusalem, 12. November. (I. E. B.) An: 7. Nvven:- 'ber wurde hier eine Konferenz des Waad Len mi (Iüdi- •fct>cr Nationalrat in Palästina), welcher /Delegierte,ans den jiidisckyeu Geuniuden Palästinas beiwohnten, abgehalten. Ussischtitt und die anderen Redner .ProtÄstier^n in scharfer Förrn gegen das Angebot einer Arab Agency ' durch die Regierung und kritisierten das Verhalten der palästinensischs« ÄdmMhen h» dieser L«gr. Tagesbericht. gangwW und seine Krttiker. Aus New-Z)ork uwldet I. C. B.: Während einet Diners im Hotel Pennsylvania ging Zangwil'l aus di» von verschiedenen Seiten an seiner bekannten Rede geübter Kritik ein. Se'ure Erklärung, daß der politische ZiomSmuS to> sei, deutete er dahin, daßdieBalfonr-Deklaratio«, die Palästina als ein nationales Heim für die Juden an« gesehen 'hat, jetzt dahin abgeände.rt worden sei, daß 5>U Inden dort ihre nationale H e i m st ä t t e ha bev sollten. Zangwill schlug eine Konferenz zwischen ihm, den zionistischelt Führern und den Antiziouisten vor, auf welcher die Differenzen ausgetragen werden könnten. Er fuhr fort: ,^Herr Lloyd George hatte die Freundlichkeit, nnch seinen guten Freund zu neunen. Ich tvage nicht, mich als sein Freund zu bekennen. Ms er Finanzmiuister lvar, fragte ich ihn einmal: Würde ein jüdischer autonomer Staat Ihre Sympathie haben?" Er antwortete: „G c w i ß." Daun ging Zangwill aus das von ihm befürwortcre .Jüdische Votum" ein. Louis Marshall begrüßte die Anregung einer Konferenz und erklärte, „der Zionismus ist eine Theorie, der A n t i z i o n i s m u s ein« Narrheit._ Die deutsche «rbeitsloßgkeit. Berlin, 18. November. Die Arbeitslosigkeit wird infolge der Absperrung des Ruhr- und Nheingebictes immer bedenklicher. Ir: den besetzteir Gebieten allein gibt es z tv c i M iin «o n c n Arbeitslose. Wenn man die Kurzanbetter und die Familienangehörigen der Erwerbslosen und Kurzarbeiter berücksichtigt, ist mindestens die Hälfte der Bevolkernng von der Arbeitslosigkeit betroffen. Auch in: unbesetzfen Deutschland nimmt dieArbeitslosigkeit stark zu. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen ist bereits aus mehr als 7 0 0.0 0 0 gestiegen. Die Zahl der unterWtzten Kurzarbeiter ^beträgt eineinhalb M i l l i o n e n. Die 'Statistik ergibt, daß bereits mehr als ein Drittel de.r Bevölkerung Deutschlands u n m i t t e l b a r unter der Arbeitslosigkeit leider. Me Konstituienms der neuen Gemeinderate». Karl Seitz der neue Bürgernreister von Wien. Gestern nnchmittags fand die Konstituierung des neuen Gememderates nach den Wahlen statt. Im Mittelpunkte der feierlichen Sitzung stand der Rücktritt des Bürgermeisters Reumann und die Neuwahl des Präsidenten der Nationalversammlung Karl Seitz zu seinem Nachsolger. Die Christlichsozialen hatten leere Stimmzettel abgegeben. Für Seitz tvuvdeu 79 Stnmnen — der jüdischnationale Dr. P la schte8 hatte ebenfalls für ihn gestimmt — abgegeven. Karl Seitz war daher gegen die 11 Stimmen der Minorität gewählt. Hieraus dankte Reu m nun in einer kurzen Ansprache all seinen Mitarbeitern tvährend seiner Amtspeviode und richtete sodann au Seitz die Frage, ob er die Wahl annchme, was dieser bejahte. Der neue Bürgermeister entwickelte sodann in mehr als erustündiger Rede sein Programm, die von seinen Parteigenossen wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen wurde. Ganz besonders wirkten seine einleitenden Worte, welche die Tätigkeit Reumanns würdigten. Der christlichsoziale Führer K n n s ch a? ergriff rmch Seitz das Wort, un: zunächst im Namen seiner Partei dem scheidenden Bürgernieistor einige freundliche Worte nachzusagen und dann gegen die Sozialdemokraten zu polemisieren Bürgermeister Seitz wies die Polemik.ÜUnschaks mit dem HiMveise aus die zrvischeu den beiden Parteien getroffenen Vereirrbaruug, in der konstitnierendcn Sitzung keine Po- . lernt! zu führen, zurück. Hierans fand die Wahl der beiden Bizebürgermeiste. Emmerling (Sozialdemokrat) und Hoß (Christlichsozial) und der bisherigen acht amtsführenden (Sozialdemokraten) und der weiteren vier Stadträie lchristlichfoziale) statt. Ihnen reihte sich die Wahl der Mitglieder in die verschiedenen Ausschüsse, Kommissionen, Anstalten und Vereine an. Wiener Landtag. Der Wiener- Landtag, der unnüttelbar nach der Ge» nuinderats-sitzung, zu einer sovnralcu Sitz-nug zusammentrat, wählte neuerlich den Abgeordneten Dr. Dann eberg zu seinen, erste,: und die Gemeinderäte Hellmann (neu) und Zimmerl (neu) zum ztveiten und dritten Präsidenten. Ferner wurden 1.2 Vertreter der Bundeshcuiptstadt Wien in: Bnnbesrate und die übrigen Delegierten fiir die verschiedenen ^Kommissionen bestimmt Mische AnswandenmgÄonserenz in Polen. Esire .skoufereniz über Fragen Mischer Ainslvandernng finloet in Warschau: n-nter den: Vorsitz des Direktors der Jüdischen Einwanderechiifs- und UnwrstiitzungsMselffchasl in Ne>w-Nork, Herrn Mols Held, statt. Vertreten sind 'die Mswa:,demugsorgauisationen in Riga, Kolvno, Bukarch, KUschinew, Czernowitz und Danzig, ebenso das ZLo nvitee der LKarschnner Emrgratiottsgestllschafr, die die Tätigkeit der' H i a s in Polen üibevnei'hmen soll. i'F- C. B.) RumSmeu. piiiinii SSSäSii

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