Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1705 (13.11.1923)
- Date
- 1923-11-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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tiefte 2 Men, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 18. November 1923 Nr. 1706 wirtschaftlichen Not Deutschlands Schuld trügen. Cr verurteilte aufschärfste den Streik in den Berliner Nvtendruckereieen, der die Herstellung des wertbeständigen Gelds? stillege und damit die schwierige Lage des Augenblicks noch verschärfe. Die Regierung werde deshalb mit strengen Maßnahmen gegen diesen Streik Vorgehen und rücksichtslos Entlassungen vornehmen, falls die Arbeit bis morgen nicht wieder ausgenommen werde. » Ane neue Kombination. Berlin, 13. November. (Tel. d. „Wr. Margerrzcitung".) In parlamentarischen Kreisen wird die Möglichkeit einer ganz neuen Konstellation lebhaft besprochen. Cs handelt sich inn den Eintritt der D e u t f ch n a t i o n a l e n in eine Regierung, in welcher Strefe ui a n u das Außenministerium und der Kölner Bürgerine ister Walraff den Reichskanzlerpostett übernehmen soll. Später soll Reichspräsident E b c r t z u r ü ck t r e t c n und Walraff feilten Posten übernehmen. Diesem Plan soll das Zentrum nicht abgeneigt sein. Die StreHbewegung im Reiche. Berlin, 13. Novcmtzcr. Die Streikbewegung greift immer mehr mn sich. Die Bankbeamten haben sich gestern, nachdem der Schiedsspruch des Reichsarbeitsministers ab gelehnt wurde, für den Streik erklärt. Der B u ch d r u ck e r st r e i k geht unvermindert weiter. Nun haben die Metallarbeiter ein U l t i m a t u nt zur Einführung wertbeständiger Löhne gestellt und drohen im Falle der Ablehnung mit dem sofortigen Streik. Das R e i ch s f i n a n z m i n i st e r i n m veröffentlicht ein Communique, in dem es unter anderem heißt, daß die Auszahlung der Löhne und Ge- Halter für die Staatsanaestellten in wertbeständigem Äelde nicht durchführbar sei, da die Herstellung des neuen Geldes durch den Stteik in der Notendruckerei erheblich beeinttächtigt fei. Der größte Teil der Zahlungen müsse daher — wenn das überhaupt möglich sein wird — 'n Papiermark erfolgen. General Seeitt gegen die Streiks. Berlin, 11. November (Wolff.) General v. Geeckt hat für den Wehrkreis 3 eine Verordnung erlassen, wonach jede Arbeitsniederlegung in den Betrieben, die sich mit der Erzeugung von Banknoten, Wertzeichen und Materialien zu ihrer Herstellung beschäftigen, verboten ist. Zuwiderhandlungen und Behinderung Arbeitswilliger würden mit 'chweren Strafen bedroht. Stromfeld frelgestzrochen. Budapest, 13. November. Oberst Stromfeld, der einstige Generalstabschef der Roten Armee, der wegen kommunistischer Vergehen seit einigen Tagen vor Gericht stand, wurde freigesprochen. Vierzig Personen getötet. Bukarest 11. November. Ein Munitionslager des Forts Domnestu ist in die Luft geflogen. Hierbei wurden vierzig Personengetötet. Tagesbericht. Der Fahrestag der RedySlik. Mit besonderer Feierlichkeit wurde gestern der Fahr es tag B«r Ausrufung der Republik begangen. Tausende von Menschen strömten schon am ftühen Morgen aus die Ringstraße, unz die militärische Parade zu sehen. Vor dem Parlament stand ein Militärspalier. Bald nach 8 Uhr wurde der Straßenbahn- Verkehr von' der Ringstraße über die Lastenstraße abgelenkt. Tann erschien die organisierte Arbeiterschaft mehrerer Bezirke und ordnete sich in das Spalier, welches das Parlament umgab, .ein. Vor dein Parlamente bcsanden sich die Plätze für die Ehrengäste, unter welchen als einer der ersten Generalkommissär Dr. Zrmmerman erschien. Es hatten sich außer den in . Wien weilenden Mitgliedern des Nationalrates, des Bundesrates und des Gcmeinderates eine große Anzahl von Ministern und staatlichen Würdenträgern sowie die Vertreter fast sämtlicher ausländischer Missionen eingefunden. Um 10 Uhr erschien der Bundespräsident Tr. Harnisch und bald darauf wurde das Signal zum Beginn , der militärischen Feier gegeben. Der Präsident schritt die Front der Truppen ab, während die Musikkapelle die Bnndeshymne spielte. Sodann defilierten die Truppen vor dem Staatsoberhaupt. Blutiges Ende einer Wirtrhausrauferek. Im Gasthaus Neuwirth, 10. Bezirk, Schröttevgasse 46, hm es gestern zwischen mehreren betruMnen Gästen zu ein-e.r großen Rauferei, Ein Passant verständigte den Oberwachmann Franz Hausdorser. Kaum hatte der Polizist das Lokal betreten, als sich beide Parteien darin einigten, gegen den Wachebeamten vorzugehen. Sie fielen Wer ihn her, mißhandelten ihn und warfen ihn zu Boden und nahmen ihm den Säbel weg. Der Alitziist gab in der Notwehr einen Schuß ab. die Kugel traf den Psiastererachilfen Karl Mayer und «Hetzte rhrt so schwer, daß der Mann auf der Stelle tot Miefc. gegen Scharfe Kritik an der framöfifchen Politik. London. 12. November. (Wolff.) Gestern abends wurde ein offizieller Bericht über den Empfang einer Abordnung der Völkerbundvereinigung am letzten Donnerstag durch Bald w in und Curzon veröffentlicht, wobei wichtige Erklärungen über die europäische Krise abgegeben wurden. Minister deS Aeußern Lord Curzon führte aus, er verliere nicht die Hoffnung, weil der Druck der Ereignisse auf alle in Betracht Kommenden seine Wirkung ausübe. Gewisse Teile »des französischen Volkes fühlten dies anscheinend mehr als bisher. Die Ansicht Belgiens bewegt sich, wie er glaube, in der Richtung zu einer baldigen Regelung und das italienische Volk stehe im ganzen und großen auf demselben Standpunkt. Die wirtschaftliche Erholung Europas könne niemals erreicht werden ohne die Hilfe und Mitwirkung der Bereinigten Staaten und die gegenwärtigen Bestrebungen der Negierungen seien täglich und stündlich auf die Herbeiführung der amerikanischen Mitwirkung gerichtet. Was die Separationsbemegung in Deutschland betrifft, fo fei biß Haltung der britischen Regierung in nicht mihverständlicher Weise Llargelegt worden. Sie sehe eine Auflösung Deutschlands als tödlichen Schlag für di« Erholung Europas an. Die Regierung habe daher die Verbündeten ersucht, die Separationsbewegung in keiner Weise zu ermutigen. Die britische Ansicht sei, daß die verschiedenen Teile des Deutschen Reiche- Teile eines einzigen Ganzen bleiben sollen, mit dem man sich als mit einer Einheit befassen könne. Premierminister Baldwin sagte: Obgleich ich niemals das Wort „unmöglich" zugebe, ist die Aufgabe, die wir yor uns haben, ungefähr fast so unmöglich, wie es je eine Aufgabe war, vor die irgendein Volk jemals gestellt worden ist. Unser Ziel ist während der ganzen Zeit gewesen, eine Regelung zu erreichen. Ich stimme mit allem überein, was Lord Curzon über' die amerikanische Hilfe getagt hat, denn ich glaube, daß mit Amerikas Hilfe etwas getan werden kann. BB aHHBMBMB itteillmse» aus dem Publikum. W ei n Vs The e m>»! 1^3 streng koscher Rind* und Kalbfleisch i eigener Schlachtung in allerbester Qualität und su billigsten Preisen bei Jakob Mautner II., Wolfgangf Ohm Alwin M ■- "*» sicrningsss® 8 10392 uCnniulZly« wli £ ll., Schrotsberggasse 1 da ohne Regie Prima Schafwollstoffe ffÄSÄ Spezialartikel: Winterrock-, Raglan- und Velourstoffe IW Zahlungserleichleruny 1035 Joses Blankstes« & Sohn, stSchmelzgaffe 4 Telephon 41-0-43 W Samstttf/ (jeschlosson HWMMHMBI Löblicher Antonnfall eines Polizeibeamten. Das Dienstau'to A II 18 ■ der Polizeidirektion, ein kleiner Lastwagen, ist am 10. d. M. um 6 Uhr nachmittags auf der Heimfahrt von Qbersdorf, wo 'es Lebensmittel für eine Si che che itswachme n age abholte, nach Passierung der Orlschaft Seyring infolge der starken Sattelung der Straße nmgestürzt. Hiebei wurde der Rayonsinspektor der Sichecheitswcrche Eduard Stifter durch eine Quetschung der Bauchhöhle tödlich verletzt, während der Lenker des Autos, Bezirksinspektor Adolf S ch ü tz e, und Rayous'nspeltor Franz Soldan sowie Sichecheitswachoberkommissär Johann Kohl mehrfache Quetschungen bisher unbestimmten Grades an Körper und Gliedmaßen erlitten. Der getötete Rayonsinspektor Stifter stand seit dem Fahre 1911 im Dienste des Wiener Sicherheitswachkor-ps. Er hinterläßt eine Witwe llud ein 18 Monate altes Kind. Gestern nachmittags fuhr der Chauffeur Theodor Schneider mit feinem Auto vom Fleisch markt durch di« -Rotenttrrimstraße gegen die Marienbrückc. Au der Ecke der Kohllmessevgasse mußte er sein Auto anhalten, da eiben eint -anderes Auto von der Kohllmessevgasse in die Rotenturmstraß« «inbog. Hinter Schneiders Auto stihr in derselben Richtung em junger Bursche auf einem Fahrrad in so schnellem Tempo, daß et nicht mehr aMalten konnte und mit voller Wucht in das Auto hmeinftchr. Er flog ans dem Sättel, fiel mit dem Kopf ans den Randstein des Trottoirs aus und Web bewußtlos liegen. Er wurde mit einer Gehirnerschütterung und einem Schäldelgrundbrnch in die Mite Unfallstation gebracht. Nach der Anssage von Augenzeugen trifft bloß den Radfahrer da» Verschulden. Seine Identität steht noch nicht fest. * Wieder ein vermißtes Mädchen. Seit dem 9. d. ist dir IgmhvUe Schneiderin Anna Sacher aus ihrer WohrMg. HüMdo-vferstraße 38. vermißt. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Mikado Goldband-Feigenkaffe mit Rabattmarke ist die beste Kaffeelvürze. * TanzinfMul Kerrnqnrr Praim, 14. Vez.» Refitt -orfgaffe 42. , _ ne und Komödie «Haus. ZtNN ersten Make ..Der Hawpetmann". Operette von Josef Beer und Fritz Lunzer, Musik von Robert Stolz. Die 17jährige Gattin eines ältlichen Marquis, .welche ihr daheim nicht befriedigtes Liebesbedürfnis au Puppen und Teddli- Lären ausläßt, erwirbt in einem Pariser Warenhaus einen lebensgroßen Hampelmann und verliebt sich dort gleichzeitig in einen hübschen Jungen, der sich in der Verkleidung als Hampelmann in das Schlafzimmer der jungen Frau einschmuggeln läßt. Diese hübsche Idee, die echt lustspielmäßig anhebt, wird jedoch nicht weiter ausgebaut, so daß das lustige Doppelspiel, kaum begonnen, schon wieder zerronnen ist. Natürlich empfehlen sich der Hampelmann-Ersatz und die Marquise schließlich als Verlobte. — Die Musik von Robert Stolz wahrtseine Marke „internationalerSchlager". Alle da und dort längst erprobten Waffen werden aus der Rüstkammer der Operette geholt und blank geschliffen, Tanz und Akrobatik Verbinder: sich mit Laune und Humor, neben feschen Melodien, wie dem „Lied vom Hampelmann", dem Midinettencouplet" oder dem wienerischen Duett „Wenn es Frühling wird", fehlt auch nicht ein „Java", angeblich die letzte aus Paris importierte Tauzmode. Mit Pariser Eleganz sind auch die Äühnenbider des Warenhauses und des Schlafgemaches ansgestattet. Glänzend spielte Herr Waldemar den alten Marquis, Herr Hansen war ein prächtiger Hampelmann, recht statt Frau Brix-Werner und Herr Göttler, weniger gelungen Frau Zernitz als Marquise. — Nach dem stürmischen Wiener Premierenersalg tritt der „Hampelmann" seine erste Auslandsreise nach England an; glückliche Fahrt und Schönwetter sind ihm auch jenseits de) Kanals auf der Bühne gewiß. flb. Am besten u. billigsten liiiSchiffmann II., Taborstraße 48 Telenhon 47*1 »78 En gros En detail