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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-11 · Heft 1704 (11.11.1923) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1704 (11.11.1923)
Date
1923-11-11
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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vette Iv Mm, DonntaZ steht es so aus. B a s s c r m a n n s Hjalmar ist im Laufe der Jahre, je mehr von dem Stuck abfiel, welcher die Maschinerie des Ibsen-Stückes verdeckt, immer schärfer geworden und steht heute an der Grenze des Menschlichen, dort, wo es, sich ewig erneuernd, ins Metaphysische übergreift und ebenso greife wie lächerlich wirkt. Schon die MaskeBassermanns, jenes kitschig Nichtssagende in den sonst so scharfen Zügen des Darstellers, weist auf Grenzen, die nur einmal erreicht werden. Dieser Hjalmar ist hundertmal „gewürdigt" worden und kann nie ganz ersaht werden. Wie Einzigartiges eben nie ganz erfaßt werden kann. Um Bassermann herum gab es diesmal eine geradezu aufreizend unzulängliche Vorstellung, von der sich jedoch wohltuend Hilde Wageners echte, wahre Innigkeit abhob. Schade, daß diese wirklich darstellerisch begabte Schauspielerin so wenig Sprechkultur hat. Frau Else Bass ermann war Gina und störte nicht. Es gab merkwürdig dünnen Beifall. Daran tragen ein paar verpatzte Mtschlüsse ebenso schuld wie der zufällige, für die Applauspsychologie des Publikums nicht unwesentliche und seine Höhe kennzeichnende Umstand, daß vialmar Ekdar n i ch t die Akte schließt. S. S. „Magdalena." (Renaissance-Buhne.) Ein Abend, der die Flut der Premieren hoch überragt. Das Wunder, daß alle Mitwirkenden, die fettgedruckten „Prominenten" und die kleingedruckten Ensemble-Mitglieder in idealem Zusammenwirken außerordentlich spielen — hier wurde es Ereignis. Voraussetzung für solches Gelingen ist nebst der Eignung der Akteure der innere Wert des Stückes. (Ludwig Thomas „Magdalena" ist ein solches Stück) und ein Spielleiter. der mit Inbrunst für das Werk eintritt (Ernst Stahl- Nachbaur ist ein solcher Spielleiter). Jlka Grüning gibt die sterbende um die gefallene Tochter bangende Bäuerin. Sie sitzt auf ihrem Krankenstuhl, fast ohne Bewegeung, fie erhebt nicht die Stimu'e — aber das Publikum ist dicht um sie geschart und hängt atemlos an ihren Lippen. Eine Mutter spricht in der letzten Lebensstunde und will noch vor dem erwünschten Tode das Kind retten. Du hörst kein Seufzen und kein Schluchzen, kein sentimentales Tremolo und kein verzweifeltes Hüsteln, dafür aber die unverfälschte Stimnle des Herzens. (Sie hebt sich von der brillanten, technisch trefflich fundierten Art tüchtiger Komödianten ab, diese unvergeßliche Stimme der Mutter, wie etwa Joachims unvergeßlicher Geigenstrich sich abhob von dem Spiel brillanter Virtuosen.) Ueberraschend, ganz eigenartig die Magdalena Maria K a r st e n s. Ihr gefallenes Bauernmädchen ist ganz Kreatur, geistig zurückgeblieben, völlig unverderbt und unbekümmert, der gesunden ordinären Umwelt nicht gewachsen. Erschütternd auch Ernst Stahl-Nachbaur als Darsteller des Vaters, im letzten Akt bezwingend tragisch. Neben den drei Gästen durchaus gleichwertig der hochbegabte Willi Hendrichs als Knecht, Oskar H u g e l m a n n als geistlicher Herr und Milla Ern st in einer KÄUndenrolle. O. A. Russisch-Romantisches Theater. (Apollo-Theater.) Die Russen haben bekanntlich einen überwiegenden Anteil an der Verjüngung der Tanzkunst; eine durchaus natürliche Erscheinung, weil sich hier urwüchsiges Temperament immer wieder aus volkstümlich-lebendiger Tradition Anregungen holen kann. Auch das Russisch-Romantische Theater, das Freitag sein Gastspiel im Apollo-Theater erösfnete, zeigt in seinen Sujets wie in seiner Ausdruckskunst die erfreuliche Abhängigkeit von der russischen Atmosphäre. Jnr Rhythmus und Gestaltung, in Farbenfreude und Dramatik lebt sich hier ein Streben nach intensivem Ausdruck aus, der vielfach geradezu ursprünglich wirkt. Die Anerkennung gebührt der Regie wie den Solisten, aber auch die Ensemblewirkung ist vorzüglich. Eine bunte Reihe schlanker Gestalten, Gesichter von schönem Schnitt und sicherstem mimischen Ausdruck. Von den Frauen besitzt bie gefeierte Smirnowa die hochentwickelteste Meistertechnik, neben ihr Else Krüger und die junge Pawlowa voll Temperament und Rhythmus. Von den männlichen Hauptdarstellern ist R o m a n o f f als Mimiker bedeutend, sein Pierrot eine Glanzleistung. Herr Obouchoff ein Tänzer von Eleganz und Dinstinktion. Es gab stürmischen Beifall. r. d. Bolksoper. Die „Königskinder" von Engelbert Humperdinck gehörten ursprünglich der Gattung des Melodrams an, jenes amphibischen Bindegliedes zwischen Musik und Sprache, das nicht leben kann und nicht sterben will. Später zur Märchenoper umgestaltet, gelangten sie im Jahre 1912 eine Zeitlang an der Volksoper zur Aufführung. Diese Königskinder werden nicht durch das trennende Wasser, das zu tief ist, an ihrem Leben und Glück behindert, sondern durch den Schatten Wagners und durch Humperdincks eigene Vergangenheit. Königssohn und Gänsemagd, Spielmann und Hexe sind keine schlichten Märchengestalten, in denen ein kindlich Gemüt das .»empfindet, was der Verstand der Verständigen nicht zu begreifen vermag, sie sind vielmehr aufgedonnerte Geschöpfe, welche in der Luft des Brünhildenstemes geboren und in der Schule Walhalls herangebildet wurden und erst spät in den Hexenwald herabgestiegen sind. Weniger unbefangen als ihre älteren Geschwister „Hänsel und Gretel" wiederholen die Königskinder das Bekenntnis zum deutschen Walde, der sich nach Webers Romantik sehnt und in die Wildnis Wagnerscher Motivik mündet und nur gelegentlich willkommene Ausblicke in die Lichtungen des einfachen Volks- und Kinderliebes gestattet. Wiederholungen sind immer Abschwächungen! Wie die Musik mit motivischen, so ist die Dichtung mit symbolischen Schwergewichten behängen, die ein echter Märchenstoff selbst in der Zeit der aufgeklärten Märchen für Erwachsene und der Vsychoanalyse nicht gut verträgt. Wiener Morgerrrettuns. Die von Felix Weingartner mit Schwung gdci.ctc Aufführung bot hübsche Bühnenbilder, im Chor und im solistischeu Teil gab es Iluzulänglichkeiteu und Fehlbesetzungen: Der gewaltige Tenor des rumänischen Herrn GrosaveScu steht der Poesie des deutschen Märchenprinzen distanziert gegenüber, Frau Gero, eine Ungarin, ivar als Gänsemagd ebenso befangen wie ihre Gänseherde, welche automatisch in Reih und Glied mit den Köpfen nickte, -eine Hexe auf gut Nibelungen cirt war Frau Salinger, sehr niedlich die kleine Sauna als Besenbindertöchterlein, die Herren Tauber und Beer bemühten sich um kleinere Rollen der Neueinstudierung, welche überaus lebhaften Beifall erzielte, flb. Ein jüdisches Orchester. Das Orchester des Sportklubs Hakoah hat cs sich zur Aufgabe gestellt, ernste, klassische und jüdische Musik zu pflegen sowie jüdische Komponisten und ausübende Künstler zu födern. Die Proben sind in vollem Gange und finden jeden Sonntag, 30 Uhr vormittags, unter der bewährten Leitung des von seiner erfolgreichen Tournee nach Amerika zurückgekehrten Professor S. B r a s l a w s k h im Vereinssaale des Wiener Konzerthauses statt. Hier können sich auch jeden Sonntag neu? Mitglieds anmelden. Am 6. Dezember unternimmt das Orchester gemeinsam mit dem Indischen Gesangverein eine Konzertreffe nach Preßburg, woselbst anschließend jüdische Musik aus dem Programm steht. Anmeldungen zur Teilnahme an dieser Reise nimmt das Sekretariat des Sportklubs Hakoah entgegen. Die äußerst rührige Sektion hat für die heurige Saison auch tveiterhin für ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm vorgesorgt. Mitte Dezember findet ein Kammerkonzerts mit ausschli-Mich klassischem Programm statt, ferner eine Beteiligung an der Makkabäer-Fei'r des Zionistischen Laudeskomitees und je ein Konzert im Jänner und März im Großen Konzevthaussaale uwer Mitwirkung des Jüdischen Gesangvereines und hervorragender Solisten, wobei große nur selten auifgeführte Werke von Mendelsohn und Rubinstein zur Aufführung gelangen. Wir lenken die Aufmerksamkeit der Wiener Juden aus dieses einzig? jüdische Symphonieorchester, welches sich nt wenigen Jahren durch fleißige Arbeit und künstlerische Führung aus ein bedeutendes künstlerisches Niveau emporgearbeitet hat und heute wohl d?n ersten Platz unter den Wiener Amateurorchestern fiir sich in Anspruch nchmen kann. Die Gesellschaft zur Forderung moderner Kunst in Wien veranstaltet vom Herbst 3928 bis Frühjahr 1924 im Bortrags- " saal -des Oesterreichischen Museums. 1. Bez., Wollzeile 45, eme Bortraasreihe, in bereit Rahmen die folgenden Gelehrten und Künstler: Pros. Dr. Dans Tietze, Prof. Dr. Peter Behrens. Maler Friedrich Kiesler. Dr. Wilhem Fraenger (Heidelberg), <Äktionsrat Dr. V. B. Stech (Prag), Doktor Malter Pränzhorn (Dresden). Prof. Anton Hanak, Dr. Fannina Halle, Privatdozent Dr. Egon W e l l e s z. über Themen der Gegenwartskunst sprechen werden. Die Reihe eröffnet am Dienstag den 13. d. um 7 llhr abends der Vortrag des Ministerialrates Prof. Tietze: Strömungen in der Kunst der Gegenwart. Das „Moderne Theater" in der Jchannesgasse geht seiner Vollendung entgegen. Für di'se treue Bühne wurden eine Reihe hervorragender Kräfte gewonnen, darunter-Oskar Deregi, Kurt Göh, Arnold Korff, Ferdinand Onno, Valerie Martens und Alice Lach. Demnächst wird mit den Proben zur Eröffnungsvorstellung („Das Weib ist bitter" und .LMmour masque") begonnen. Direktor Robert Blum hat sich zwecks Erwerbung von neuen Stücken für diese Bühne nach Paris begeben. Alexander Moisfi ist, wie aus dem Haag mitgetcilt wird, an einer Blinddarmreizung erkrankt. Da er sich auf dem Wege der Besserung befindet, dürfte sein Wiener Gastspiel noch in diesem Monate «beginnen. Richard Strauß wird sich dauernd in Wien nieder l a s s e n- Das Finanzministerium hat, einen Herzenswunsch des Tondichters erfüllend, ihnr das Baurecht auf einem dem Bundesschatze gehörigen Grundstücke innerhalb des ehemaligen Kammergartens des ExHerzogs Franz Ferdinand erteilt. Das Haus wird nach Plänen R o s e n a u e r s errichtet werden/ Aktionsprogramm des Burgtheaters. Im Burgtheater wird sich in der nächsten Neuaufführung („Der- Richter von Zalamea") eine neue Schauspielerin, Fräulein Hilde Wall, die bisnun in Frankfurt tätig war, den: Wiener Publikum vorstellen. Anfangs Dezember findet die -Premiere von Shaws Der Teufels schütter" stat t. — Die Künstlerinnen Bleibtreu und Medelsky treten in der kommenden Woche an mehreren Abenden aüf. — Noch im November geht int Akademie theater Helt.ais Komödie „Die kleine Konditorei" in S^ene. Das M »ifli-Gastspiel, das infolge einer Verlängerung des holländischen Gastspieles des Künstlers eine Verschiebung erfahren mußte, beginnt nun Dienstag den 2 0. d. in Shaws Komödie „Der Arzt am Scheidewege". Aus deu Theatern. Burgtheater. Morgen (Montag), V-7 Uhr, „D t e R ä u b e r". — Dienstag, 7 Uhr, „Die Braut von Messina". Volksoper. Heute, */,3 Uhr nachmittags, „D e r igeunerbaron". */?8 Uhr abends „F a u st". (Gretchen: rau Ada P o l i a k o w ü, Mephisto: Sigismondo Zal e s ch i.) JmRaimund-Theater findet Dienstag und Mittwoch die Erstaufführung der Komödie „A i m e r" von Paul Geraldy durch die Mitglieder der Comedie Francaise aus Paris statt. — Donnerstag den 15. d. spielt Max Pallenbera den Mr. Bullivant in der Detektivkomödie „D e r W'a u w a u , Freitag den Harpagon in Molieres „Der Geizige". — SamStag den 17. d. setzt Leopoldine Konstantin ihr Gastspiel in Hermann Bahrs „Der Star" fort. Im Carl- Theater wird als erste Novität dieser Saison Ende November eine dreiaktige Operette von Bruno Granichstadten, in den komischen Hauptrollen mit Gisela W e r bezirk und Ernst Taute »Hayn, gegeben werden. Lustspieltheater. Morgen „Madame gastiert". — Dienstag, neu in Szene gesetzt, als l i t er a risch e r A b e n d, das Dramck „Wetterleuchten" von August Strindberg, mit Josef Jarno in der Hauptrolle. — Freitag findet die Erstaufführung des Schwankes „Der Held ihrerTräume" von Emil und Arnold Golz mit Haust N i e s e in der Hauptrolle statt. Im A p o l l o - T h e a t e r finden heute, 3 Uhr nachmittags und 7*8 Uhr abends, Aufführungen. des Russischro m antischen Theaters, u. zw.: „B o j aren- Hochzeit", „L e S M i l l i o n 8 D'A r l e q u i n" Und Gudals Festgelage" statt. 11. November 1923_ Nr. 17Ö4 Gerichtssaal. Mord att der Gattin. Der MaMnemmMer Artur Franz lebte tnit festdee jungen Frau in unglücklicher Ehe. Eifersucht des MairneS, sein Jähzorn und die daraus he-rvorgehenden Zwistigkeiten führten schließlich zum offenen Bruch. H-ermine Franz Vevließ mit ihrem dreijährigen Kind die Wchimng, ging zu ihren Eltern und der Mann überve-ichte daraufhin die ScheidungSklatze. Später aber reute ihn dieser Schritt. Er versuchte, die Frau umzuistimmen, bat und flehte, und als sie von Versöhnung nichts wissen wollte, drohte er mit ,Mithüllungen", daß die Frau eine Fehlgeburt bewirkt halbe. Aber auch dieses Mittel verfing nicht, die Frau wies ihn beharrlich alb. Da steckte er seinen Revolver zu sich, begab sich in die Wohnung seiner Schwiegereltern und tötete die Frau durch einen Schuß in das Herz. Dann schoß er sich mit den Worten: „Die letzte Kugel gehört mir" selbst an. Er wurde aber wieder geheilt. Das ist die Vorgeschichte des Straffalles, der gestern vor den Gefchwornen verhandelt wurde. Artur Frang ist wegen Mordes angeklagt. In der Verhandlung führt Hosrat Wüsti, nger den Vorsitz, Dr. Siegfried Spitzer verteidigte. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Nahrhaft. Aus die Frage, ob er sich schuldig bekenne, entgegnet« der Angeklagte: „Nein." Ausführlich berichtete der Angeklagte dann über die Geschichte seines Gheileides. Die Frau habe schon als Mädchen Kleideranfchaffungen gemacht, die mit ihrem Einkommen nicht in Einklang standen. Ms sie verheiratet waren, habe er feilten gangen Verdienst hergegsben. Es gab Mißhelligskeiten, da di« Frau ihrem Vergnügen nachging. Wiederholt habe sie den Trauring abgelegt und sich als ledig ausgegöben. Ms er dann vierzehn Tage arbeitslos war, habe sie ihm schwere Vorwürfe gemacht. Der Angeklagte schildert dann die Vorgänge am Tage der Tat. Er erzählt, wie er die Frau gebeten halbe, zu ihm z-urückzilkchren. Sie habe sich geweigert. Seine Erregung fei insbesondere dadurch gesteigert worden, daß seine Frau ihm zuröef, er sei nicht der Vater des zu erwartenden Kindes. Wahrend der Auslfühvitingen des Psychiaters wurde die im Auditorium sitzende Mutter der gst-öte-ttn Fvau von Weinkrämpfen befallen. Sie schrie unaufhoMch umd konnte nur mit Mühe aus denn Saale geführt werden. Nach kurzer Bevatuing dernoiniten die Geschwornen die Hauptfrage aus Mord mit elf und di« Eveatualsvage auf Totschlag mit neun Stimmen, worauf der Vorsitzende den Freispruch des AagMagten verkündete. Der polnische Jude. Vor dem Strafrichter des BeziPtSgerichtes Fünfbaus (Äaudesaerichtsrat Dr. Schedh)' stand in den letzten Dmgvn als AuaelHiagter ein alter Mann nult weißem, wallenden Bart, ein schwavzes Samtlkappchem — M-ch Art der Stv.-uigalaubigen — auif dem Haupte, ein Mann von hoher Gestalt, mit ausdrucksvollem Gesicht. Er fft in GaMien geboren und heißt Hersch Staub. Dem Ausseihen nach ein Typus des „poluischlen Juden". Er ist wegen OrpeMcher Beschadlguna ange-klagt. begangm dadurch, daß er einem siebensähvige-n Knaben, dem Sohne des iSchulhmachers LeopM C>ibula, eine Schere nachaworfen und ihn verletzt hat. Hersch Staub' ivoihirt inr 2. B-e^irk und ist Mfalllhändler. In der MänOraße hat er ein KellaPWal. Er enzähLt dem Richter ans Befragen eine wahre Leidensgeschichte. Die JüUlgen treiben ml ihm Spott und Hohn, sie guälM und martern ihn und treib m ihn zur VerchveWung. Sie verstopien das Schlüsselloch der Tür seines Lokals, sie reißen bie Dür plötzlich auf und bsiverfen ihn mit Steinen, worauf ste die Flucht orgreisen. Er habe aegen diese S Wattiren u.nd QuAeraien keinen Schutz: er könne sich dieser Mprülern. die täglich stundemilana dauern, tzrcht erwehren, denn er sei schwerhöpiq. Die Größi.ren lehren es den Kleineren. Was den gsgvnstäMichen Fall anlange, so habe ihm der Meine, von dessen Anwesenheit im Lokal sr nichts gewußt habe, ins Gesicht gespuckt. Da fei er vor Zorn außer sich geraten und habe ihm die Schere nachgeworfen. Der als Zeuge Vovgelad.'ne Hausmeister des Hauses, in dom Staub das Lokal >in Miete hat. gab an. daß der Angeklagte ttatsächlrch unter den Lausbulbenstveichsn der Kinider viel zu leiden Hab?, so daß es teilt Wunder sei, wenn er endlich die Geduld verliere und seinem Zorn nachgebe. Der Richter erklärte, daß der Angeb>agt>e unter keinen llmftanliX'iu das Recht der Selbsthilfe hatte. GlleichtzMg gab der Richter ihm dm Rat. die PMzeli aufmEam ziss m'achen und Schutz gegen weitere QuMeröien zu erbitten. Das Urt'elil lautete auf sine Geldstrafe von 200.000 Kronen, die der AngeMagde anzunehmen erklärte. ' So was gibt's. Auf der Stmßcnlb!ahn wurde im Juli dieses Jäh res von einem Revisor einem iungen Fahrgast die von ihm vorgewi,?slsne Netzkarte äbgenomlm'vn. weil die Photographie ans derselben absolut keine AehnlückMit mit deu GesichtsKÜgm des Dorweffers zeigte. Da der Beaustani^cte, dev sich als Fb.'lisManergchi^fe Ludwig Heinks leigillimierte, zu-- gab. daß nicht er, sondem etin Arbeitskollege der Jtilhalber der Netzkarte sei. erstatte>tc die Straßerckaihüdwektion gegen ihn dir Anzeige wsam Prellerei. Bei der geistrigm Bellhandlnng vor denn Slrafbegir'ksgericht 1 gab. der AngMagte cm, er halbe sein ganzes ■ Löbon auf beim Lande iMgelbracht, sei damals zum eristminal nach Wien unid überhaupt in ein«? Stadt gekommen mvd habe memals zuvor eine Straßenibahn benützt oder auch nur grfehm. Es sei dies auch feine erste Straßenbahnfahrt gewesen. Die Netzkarte halbe er indem Geschäft, in deni er ih.dienstet fei. vovgcsiunlden. Der Richter nahm die landlickie Uneüfabrenlhe-it des Anigskbagtm nicht als StrafauMi!s>lLßnwgsigvunb. wohl alber als M>i>lde-. runigsigvuud an und verurteiUe ihn m einer GeiMra-s? von flünütl>aiusend Kru-->r.-

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