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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-11 · Heft 1704 (11.11.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1704 (11.11.1923)
Date
1923-11-11
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Es tauchen immer mehr praktische Fragen auf, wie Regelung der Pachtverhältnisse der Siedler, Durchführung bedeutender Ameliorationsarbeitm, Schaffung von. Borstadtsiedlnngeu usw. Der Nationalfonds hat daher auch eine Reihe bodenpolitischer Fragest zu lösen. Der Zusammenhang mit den bodLnreformerischen Bestrebungen der übrigen Kulturwett wird immer mehr sichtbar. Die neue Auflage trägt allen diesen Umstanden genauest Rechnung. Sie umfaßt drei Kapitel. 1. Die Prinzipien des Keren Kajemeth l'Jsrael; 2. Die Tätigkeit des! Jüdischen Nationalfonds in Palästina; 3. Organisatton, Propaganda, Sammeltätigkeit und Statistik des Jüdischen Nationalfonds. Die Broschüre gibt in sachlicher und dabei aitziehender Form ein getreues Bild von der ideellen Bedeutung und den faktischen Leistungen der Institution, die seinerzeit im Zentrum des zionistischen Interesses stand, und auch in Hinkunft ihre Stellung im Aufbauwerke Palästinas wird behaupten müssen, wenn der Zionismus seinem nationalen und sozialen Ideale treu bleiben will. 2. Bericht der Zentralverwaltung des Keren Kajemeth l'Jsrael. (Jttusalvrn 1961—1928.) Als Heft 6 von „Erez Israel" hat das Hauptbureau des Keren Kajenreth l'Jsrael aus Anlaß, des Kongresses diesen Bericht herausgegeben. Die Schrift ist ein Gesamtbericht der Leistungen des Keren Kajemeth l'Jsrael während der ganzen Zeit seiner Existenz; er stellt sozusagen die Bilanz des Keren Kajemeth l'Jsrael für die ganz« Zeit dar. Einem Nachruf für bert allzu früh verstorbenen ersten Sekretär Nathan Groß folgt dann ein ausführliches. Kapitel über die Aufbringung der Geldmitttl des Keren Kajemeth l'Jsrael — eine mustergültige statistische Zusammenfassung der Leistungen der einzelnen Länder. Das zweite Kapitel, „Verwendung der Geldmittel des Keren Kajemeth l'Jsrael in Erez Israel", gibt eine genaue Uebersicht über die Gesamtfläche Erez Israels laut Schätzung der Regierung, über den jüdischen Besitz und sein Wachstum und geht dann zu den genauen Daten über den eigenen Besitz des Keren Kajemeth l'Jsrael über, der detailliert nach Größe, Besiedlungsfähigkeit »nd tatsächlicher Besiedlung dargestellt wird. Hier wird ein fesselndes Bild der Kulturarbeit entworfen, die vom Sperren Kajemeth l'Jsrael geleistet wurde und in imimer steigendem Maße geleistet wird. Zum ersten Male erlangen wir detaillierte Kenntnis über die Ameliorn-- tivnsarbeiten des Keren Kajemeth l'Jsrael, Arbeiten, die die Boronssetzuug für den Erfolg missrer Kolonisation bilden. 11. Novemidev, 1023 Seite 9 Ebenso gewinnen wir einen genauen Einblick in die Stuf» sorstungsarüeiten, des Keren Kajemeth l'Jsrael, über die Fehler und Erfolge. Der dritte Teil ist einer erschöpfenden« Darstellung der Finanzen des Zkeren Kajemeth l'JsraÄ ge« widmet. Ein Anhang gibt die Ergebnisse der Einschätzung! der Besitzungen des Keren Kajemeth l'Jsrael durch unparteiische Kommissionen wieder. Wer das Buch durchstudiert hat, begreift, daß aus der zweiten Generalkonserenz in Karlsbad — und zwar gerade über Antrag eines oppositionell Gesinnte» — dein Haupt? bureM für diesen Bericht der Dank ausgesprochen wurde. Dr. Chaim Taxtakower. „Jüdischer literarischer Kalender" herausgegeben von Dr. Anselm Kleinmann, Lemberg, 1933. Sk wäre müßig, in diesem Samnrelbuche. das verschiedenartigste Aufsätze Ittetctt« scheu und publizistischen Inhaltes enthält, ein Spiegelbild des jüdischen Kulturlebens im heuigen Galicien zu suchen. Allzu vielfältig strömt dort das Leben jüdischer Bolksmaffen und allzu plötzlich unterband der verheerende Krieg die Entwicklung kultureller Werte, die dem.jüdischen Leben Eigenart und schöpferische Möglichkeiten verliehen haben. Nichtsdestoweniger ist man erstaunt über die Fülle der Talente, die geradezu aus den Trümmern eines von Krieg. Völkerhaß und Pogrom heimgosnchten Landes emporznwachsen scheinen. Da ist vor allen Jakob M e st e l, dessen Lyrik sich aus mystischer Schwermut zu einem dithyrambischen Hymnus auffchwmgt. Naftali Groß, desseu ekstatische Schilderungsart von tiefem Einfühlungsvermögen in ein fremdes Milieu zeugt, und Benjamin RöSler. deffen Gedicht erfüllt ist von zartem Empfinden. Int novellistischen Teil wäre wohl an erster Stelle Mark Weißbart zu erwähnen, der. abseits von der üblichen Kleinmalerei, tiefgründige Probleme individuellen Lebens aufrollt, ferner Rüben Faun, der in gewohnter Manier das jüdische Leben schildert, I. Weinl ö s. dessen historisches Fragment von epischer Begabung zeugt, und schließlich Benzion Moser. Der publizistisch-wissenschaftliche Teil enthält eine Reihe instruktiver Aufsätze, so insbesondere über die literarische Produktivität im Kriege von Anselm K l e i n m a n n. über die palizischen Juden in Amerika von Gerschen Bader, über die Galizier in der hebräischen Literatur von Naftali Siegel, über Max Nordau von Z. F. Finkelstein und über die Kolonialbank von Senator Dr. Ringel. Eine gelungene Vignette von Fritz Klein mann vervollständigt dieses SammÄbuch, das mit liebevoller Hingabe von dem nm die Verbreitung der jüdischen Literatur verdienten Herausgeber zwsaminerigestE wurde. f Mm und Kunst. Salten« »Sa« Miere Laad". (Akademietheater.) Gestern noch war der Erbprinz ein junger, frischer, verliebter Offizier, die schöne, kluge, tapfere Hedwig, die er sich ln der Provinzgarnison „halten" durfte, war saine Herzenskönigin, der Thron hingegen war ihm Hekuba. Heute ist er Georg der Dritte, sehnt sich nach Hedwig, rennt verzweifelt gegen dir goldenen Stäbe des Käfigs, in den man ihn erngefangen hat, und vollzicht seufzend die „RegievungSgefchafte". Morgen aber schon wird ihm das Gottesgnadentum über alles gehen. Das fühlt die kluge, unglückliche Hedwig, das merkt mit Empörung der Busenfreund des Erbprinzen, das hofft sein Lehrer, das fordert di« hochgeborne Frau Mutter — und das weiß der erlauchte Herr Vater. Aus höchsteigener Erfahrung. Er hat deshalb, um die Dynastie zu erhalten („Ach, die arme Dynastie, so was überlebt sie nie," singt man im „WalMtramn^ und um den stürmischen Jüngling vor der Entgleisung ins Bürgerliche zu bewahren, eine Erkrankung vorgeschützi und dem Erbprinzen das Zepter in die Hand gerückt. Cs ist Georg dein Zweiten nicht leicht geworden, Georg den Dritten Nachfolgen zu lassen, trotzdem sein Herzogtum recht operettenhast war. Die Frau .Herzogin hatte nämlich die Hosen an. In der entscheidenden Aussprache frögt der pensionierte Herzog-Vater den jetzt regierenden Herzog-Sohn mit Vorbedacht, ob er sich im Purpur so unglücklich fi'chle, daß er zurücktreten und in Hedwigs Arme fliegen möchte. Nein, das möchte Georg dev Dritte nicht mehr. Er hat schon gewählt, trotz Sie« besschmerz und fiebernder Sehnsucht. Die konstitutionellen Rechte waren das stärkere Band. . Der Vorwurf ist bemerkenswert, einige Figuren sind trefflich gezeichnet, einige Dialogstellen sind sehr sein, aber das Stück selbst-nein, diese schon vor Jahren gespielte Komödie ist nicht sonderlich geglückt, ist in der Zeit, seit der sie entstand, nicht lebendiger undwirkungsvoller geworden, und man hätte dem Kammerspielplan des BurgtheatnS ein wertvolleres Opus Felix Saltens einfügen sollen. (Die Stävke dieses Autors, wenn er für die Bühne schreibt, ist der straff komponiert«, scharf pointierte Einakter.) Die Aufführung ist sehenswert. Fvau Devrienb Re in hold gebingt die launenhafte, unbedingt blaublütige, aber die Hoffchranzen köstlich durchschauende Herzogin-Mütter außerordentlich und der humorvollen Alma Seidler rm famosen Nachspiel ihre Kopie bester, die Herren Georg Reime r 8, Karl Z e s k a mrd Schmale sind von bester Haltung und Fvau PunköSdy insolange erfreulich — als eS ihre Rolle ist. Schr bemüht der jüngere Herr Z e 8 k a um die Hauptrolle, aber eine stärkere schauspielerische Persönlichkeit wäre der Gestalt der Erbprinzen nnb damit dem Stück förderlicher gowefen. Für den lebhaften Beifall dankte der diensttuende Registeur. O. A. Bastermaun alr Hjalmar Mal. (Reue Wiener Bühne.) Bon Ibsens „Wildente" ist unheimlich rasch ..dtet- Zauber des Dichterischen abgefallen und. die ganze Problem konstruktion des Stückes sieht heute bereits geradezu gerupft aus. Nur eine Gestatt ist geblieben, lebendig, vollblütig'die Reihe jener ewigen Gestalten ergänzend, dir zwischen Tragik mrd Kom-ik als echtestes Menschenabbilstehen und ihre stärkste Verkörperung in Falstaff haben. Oder ist nicht Ibsens.Hjalmar, sondern Basjennamis Hjalmar allom lebendig geblieben? Fast 197519 42^434 A^D 319934 18^17420

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