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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-11 · Heft 1704 (11.11.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1704 (11.11.1923)
Date
1923-11-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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VM # DM. GdMitz Sesterreich. Naber statt JtanM. Sie Großdcutschcn hielten gestern eine ReichjSlparicisitzung täß die di« Verhandlungen mit den Thvistlichsozialen zwecks Mederherstellung der KoakMon guthieß. Herr Kan dl, einer dsr nichtgewäblten Führer, der durch das Reststimmenversichren in iden Natünialvat berufen: tverden sollte, verzichtete endgültig, und zwar zugunsten des gleichfalls nicht getoählten .Herrn Wader. Es gibt noch .Humor in Oesterreich. Ter Hinauswurf K. H. Wolfs und seiner Tafelrunde uurde bestätigt. Ungarn. Sa« Skmdncht. Budapest, Ist. Notmnber. (U. T. K. B.) Die AngÄegmhert des Abgeordrretan Alain und Genossen wird a-uf Grmtd eines MimsterratsbeschLusses in Eva Zwei Wochen sta »2 gecichtl: ch erledigt werden. Die Vevhafde.ben Fü-Hrcr des Vereines der Erlvachenden Ungarn, Dr. Alexander Daniel und Geza Ad o vje n sowie noch vicrandere P c x f o u c u, deren Blumen 'bisher nicht bekannt gegeben worden sind und die in der Put-schangelegenhistr nur eine untergeordnete Rolle spielen sollten, blevben bis auf weiteres in pülizcÄichem GeLvahr^am. Dwr Personen, darunter der Bildhauer H o m o n n e y, si nb nach beevHetnn Verhör entlassen worden. Polen. Ler Mische ftltA und bar neue Kabinett. Warschau, 10. November. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung".) Der Präsident des Jüdischen Klubs Abgeordneter R e i ch äußerre sich in einem Jntttvmv über die Umbildung des Kabinetts fvlgenderlnaßen: ,^Lrotz der Kabrnettsumbildung wird sich an Skt Stellungnahme des Jüdischen Klubs ruchts ändern. Die Besitzung des Unterrichtsmimsteri'.uus ntrt Grabski ist eine Augernuswischerei, da auch diese.r Minister mit ^rsel-ben Kraftawrvendung wie sein Dorgängrr GlwMnÄi für den Numerus clausus emirekn wird. Auch die Ernennung Korfan tys, der ja von eiurx ausgesprochen antisemitische» Partei in die Regie-- ru-ng erriserÄct wurde, kann kaum zur Aeckerruig der Stel" lung des Jüdischen KlrW zum Kabinett irgendwie Anträgen. Die Ernennung D m o w sk i s zum Außenmrirrffter beLeutct die Stärkung des nationaldemokratrschen Einflusses innerhalb des Kabinetts. Ter Jüdische Klub muffe cme.m solchen fiafcinett gegenüber wach wie vor in der Opposition verharren." Sie Sttignifft in Krakau. Warschau, 10. November. (Tel. d. „Wr. Margenzektung".) Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Krakau fpfocu die Vertreter des sozialdenrokvatqchen Klubs bei der Regierung interveniert. D8inistevpräf3>enL W i t o s erklärte, di« Regierung fy bereit, di« Verordnungen über die Einführung von Standgerichten und Vnberufung von Ciserchühndeamten zmn Militär aufzuhoben und werde auch die wirffchaMchen Forderungen der Staatsbeantten berücksichtigen. Im Zusanrmerchany mit dieser Unterredung kam es zu einem Konflikt Zwischen dem Ministerpräsidenten Witos und Korfanth, der die Forderungen der Sozialdemokraten ablehnte. Witos erklärte seinen Parteifreunden, Laß er seine Zusage <m die Sozialdemokraten erfüllen lverde, ohne Rücksicht darauf, ob das gesäurte Kabinett seinen Schritt billigen werde. In der letzten Sitzung der Sejmkommission für «tili* tärische Angelegenheiten wurden die Ereignisse in Krakau einer ausführlichen Debatte unterzogen, wobei es zu scharfen Ause: nanderse.tzungeu zlvischen der Rechte» und Anken kam. Die Vertreter der Linken verlangten die Vertagung der Sitzung zum Zeichen der Trauer für die Opfer von Krakau. Mch. einer längeren De'battr wurde eure Resolution der rechten Parteien angenomriken, in der ftstgestM wird, daß inan unter „Gefallenen" nur die im Kampfe mit den Arbeitern erschossenen Off i z i c r e und Soldaten verstehe. Der MmmtStrnrrserrnt der vSlkrrlmnder in Barsch»». Warschau, st. November. (Tel. d. „Wr. Morgen- Zeitung".) Der hier eingetrofsene Leiter des Minderh^üsdepartements beim Völkerbund, Colban, hatte mit Vizeminister Sejda eine lärrgere Konferenz, in der die Angelegenheiten der Minderheiten Polens besprochen wurden. Colban wurde auch vom Ministerpräsidenten Witos und dem Außeinnmrster T m o w ü 'i i empfangen. Zu seinen Ehren wurde ein Empfang nn Hotel Bristol veranstaltet, zu dem auch Vertreter des Iü^schen Klubs ei-ngeladen wurden. Die jüdische Presse beschäftigt sich» lobhaft mit der Anwesenheit Eolbans und bespricht im Zusammenhang damit die Stellung des Völkerbrmdes zur Judvnfmge. „N ajer Hajn i" stell: fest, daß der Minderheitsvertrag in bezug auf di« .Jude» nur Papier geblieben sei. In der Minttercheitsobtellung des VöKerbnndcs ist man über die JudenfraM viel zu rvenig informiert. Es fei aber auch von j u d i s ch e r S e i t c eilte Anzahl von U uterlass u ngen in Genf geschchen, man habe, den ÄÄkerbnnd viel zu ivenig über den Zustand der jüdischen Mnderheitsfwge informiert. Das Blau gibt der Hoffnung Ausdruck, bafj Eolba tt vu Warschau auch mit den Vertretern der Minderhckten zusa-m-monkommer» werde, nm sich direkt über den Stand der Miuder'hüilsrmgcn zu informieren; nn übvi- Meykr MovDtnzettuittzl. 11. NöbelNibev 1028 .. 179L PchmdeleKIelelbmi Zücken, Motel usw. ln seinfter AusWrnng Telephon 17-0-88 Men, 8. Bez., ZosesftSdterstrabe 81 gen habe di« Regierung.schon durch die Einladung der parlamentarischen Vertreter der Minderheiten zunr Enrpfangsabend den direkten Kontakt zwischen Eolban und den Minderheiten sanktioniert. Berhandlnnnen mtt Lanzig. Warschau, 10. November. Zum Vorsitzenden der polnischen Delegation für die demnächst beginnenden Verhandlungen mit Danzig über ein Finanzabkomm e n ist Unterstaatssekretär W e i n s e l d ernannt werden. Ausgabe bau MMooen-Nsten. Warschau, 10. November. Heute ist mit der Ausgabe von Eine-Millivn-Mark-Banknoten begonnen worden. Rumänien. . , Dte Sovntagsruhe, Das in Polen seit ungefähr zwei Jahren vepehende Gesey der strengen Sonntagsruhe auch für jüdisch« Gewerbe mtb Geschäfte war dis setzt in einigen mrrst von Inden bewohnten Gegenden Ost pole ns nicht in voller Wirksamkeit. Nunmehr hat der A r 0 e i t s m i n i st e r einer Verordnung erlassen, daß das Gesetz auch in den Städtchen Polesrens, Wolhyniens und eines Teiles des Bialyftok'rr Gebietes, wo die Juden 90 Prozent der städtischen Bevölkerung ausmachen, mit aller Strenge -urchgefnhrt werden soll. (I. C. B.) Die Bodenparzellieruug. Aus Warschau meldet man uns: In der letzten Sitzung der lano wirtschaftlichen Dezinkommission wurde über das Maximum der von der zwangsweisen Parzellierung freien Dodensiachen verhandelt, lieber Antrag der Vertreter der linken Parteien und des Jüdischen Klubs sollte das Maximum höchstens 100 Hektar ausmachen. Bei der Abstimmung diri- Mrerte der Vorsitzende zugunsten des Antrages der rechten Parteien, wonach das Maximuni im Reiche anders sein soll als »en Utß?btdcn. Hierauf verließen die Vertreter des Jüditcheu Klubs und der linken Parteien den Beratungssaal. Devastierung einer jüdischen Bibliothek Aus War lLau meldet man uns unterm 10. d. Dar Jüdische Iwerpellierte in der letzten Sejnlsitzung in Augclegenheit b«^judrschen Pcrez-Bibliothek iir Zamosc. in welcher im Oktober von der Staatspolizei eine Hausdurchsuchung vorgeuoimnen und dabei das Mobilar gänzlich vernichtet und über o00V Bücher in polnischer, jüdischer und hebräischer Sprache zerrgseu. wurden. Der Innenminister wird angefragt, ob ihnr dre Motrve für diese Hausdurchsuchung bekannt seren und ob die Rogrerung geneigt fei, die materiellen Schäden zu ersetzen. .. Empfang zu Ehre» der polnische« Mitglieder des Zlvnlstischrn Aktionskomitees in London. Aus London wird uns berichtet: Anläßlich der Anwesenheit der polnischen MtuniskömsteernitgliLder in London veranstaltet« die Föderation der polnischen Juden «inen Empfangsabend. Die Jeier leitete .der Präsident der Föderation, der bekannte Maler Pi- 11chows ki. Mgeordneter Gr ünbaum appellierte an die englischen Juden, der zionistischen Arbeit ihre finanzielle und Moralische Hilfe angedeihen zu lassen. Es sprachen außer ihni Dr. Reich. Dr. Thon u. «. Jüdische Historisch-ethnographische Gesellschaft in Wilna. Bor kurzem fand in Wilna eine Sitzung des Leitenden AuSstyusseL der jüdischen Historisch-echnographischen Gesellschaft S. An—skr statt, in welcher über dre nächsten Aufgaben der Gesellschaft beraten wurde. Nach Entgegermahme des Berichtes des Vorsitzenden, Dr. A. Wirschubski, wurde die Herausgabe der folgenden Werke und periodischen Sammelschriften be wm^iuul j/v. im «aufc von mmn ^aijren sammelten jüdischen religiösen, shnagogalen und weltlichen Volksmelodiru. Die Sammlurrg Bernsteins soll nach dem Urteil von Fachleuten unschätzbares Material an jüdischen BoKsgrsängen in sich schließen. Wegen Förderung der Herausgabe dieses letztgenannten Wertes hat sich die Gesellschaft auch an den Kantoreuverband von Amerika getvcndet. Pelzhaut Gebrüder BrainSn Wien, II., Glockengasse Nr. 8 Werkstätten 1II., Rucppgass« 37 / T I. 45-4-3% Ler Kronprinz gegen den Rumerur rlansas. Bukarest, 9. November. (Tel. der „Wr>. Morgenzeitung".) Gegenüber den Ausstreuungen der Cuza-Leute, wonach Kronprinz Karl jüngst einer Studeulenabordnung gegenüber die antisemitische Bewegung in Jassy gutgeheihen habe, stellt „Di mineata" den Wortlaut der Antwort des Thronfolgers wie folgt fest: „Ich kann Ihnen nicht eindringlich genug anraten, wieder in die Vorlesungen zu gehen. Es ist die Zeit gekommen, da Sie Ihren unmöglichen Forderungen, zu denen auch der Numerus elansuS gehört, entsagen müssen. Demgegenüber verspreche ich Ihnen formell meine volle Unterstützung zur Förderung der kulturellen Bestrebungen und der Erleichterung der Studien der Hochschüler. Ebenso werde ich den Justlzminister bitten, das Verfahren in der Angelegenheit der verhafteten Studenten zu beschleunigen." Russische Rüstungen. Bukarest, 10. November. <Dck.-Kouq».) Minister des Aeußerle D u c a -erklärte mit Hinblick auf die Nachrichten über die Wiederaufnahme der Beziehungen Rumäniens zu Rußland, daß von Verhandlungen zur Wiederherstellung c»er normalen Beziehungen git Rußland wie in der Vorkriegszeit nicht gesprochen werden könne. Es sei lediglich die Frage des gegenseitigen Warenaustausches 'ms Auge gesoßt. Die Vevhandlnn-gen mit der Moskauer Regierung tra«)en keinen diplomatischen, sondern nur wirtschaftlichen Eharakter. Die rumänischen Vertreter, die sich demnächst nach Ti ras pol begeben, um dort mit den Vertretern der Sowjetregierung ztlsammenzickommen, haben ihre Weisungen in diesem Simre erhalten. Wie Agenre Lux erfährt, wurde diese ausfällige Erklärung des Außenministers durch Informationen veranlaßt, die der rumänischen Regierung aus Warschau zugeüommen sind. Danach treffe Rußland gewisse militärische Vorbereitungen. Durch Neueinberusung von vier Jahrgängen werde Rußland zehn Jahrgänge unter Wafferc haben. Dev rumänische Generalstab ist im Besitz gleichlautender Berichte über die mMärischen Matznahnmn Sowjetrußlands. Palästina. tzrösinM» de« siebeute» arabischen Koagresier. Jerusalem, 9. November. (I. E. B.) Der siebente palästinensisch-arabische Kongreß ist am 8. November eröffnet worden. Der sechste palästinensisch-arabische Kongreß fand bekanntlich im Juni vorigeil Jahre» unter dem Präsidium M u s a K a s i m P a s ch a s, kurz vor Sir Herbert S a m u 115 Reise nach London, in Mblus statt. Der damalige Kongreß setzte eine Delegatiorl e'm, die sofort nach London abrciste, um die arabische Sache vor das Kabinett zu bringen. Litauen. Ae lttauischen gaben wolle» in der grwish vgemy vertreten sei». Ävlvno, 9. November. lJ. (5. B.) Der Jüdische National rat in Litauen hat dir Frage der Jewish Agency auf die Tagesvrdnrnlg seiner dieswvchigen Sitzung gefetzt. Der .Jüdische Nationalrat hat bei der Zionistischen Exekutive in London angefragt, ob und wie der Jüdische Nationalrat von Litauen in der Jewish Agency vertreten sein könne. Eine offizielle Statistik über die Juden in Litauen. Aus Kowno meldet I. C. B.: Laut einer Mitteilung des statistischen Bureaus wurden während der letzten Bolkszähtmm unter einer allgemeinen Bevölkerung von über zwei Millionen im ganzen 15,*1.009 Jude n gezählt. 84 Prozent der Bevölkerung sind Litauer. 10 Prozent Angehörige der nationalen Minoerheiterr und Ausländer. In ben Kreisen der nationalen Minderheiterk bezweifelt man die Zuverlässigkeit der amtlichen Statistik und schätzt auf Grund sicherer Tatsachen, daß in Litauen 200.000 Inden wohnen. | VerbetAblnmeatellsördir i .„Wiener Morgenzeitung". Arabische Beschwerden. Aus Jerusalem, "1. Ok< tober, melde: I. C. B.: Die arabische Zeitung „El Eavmel" gibt in einem Leitartikel einen Ueberölick über die Lage in Palästina sei: dem ersten Araberkongretz. Di-e drei nach London entsandten Delegationen Härten keinerlei praktisches Resultat cr.zieir. Für die Zeitung ist die Tatsache überraschend, daß die Mitteil'.n»g über das Jnkrasttreren des Pal<istiita« Ma 7: dare 2 von allen Teilen der arabischen Bevöllermng so ruhig hingenouunen worden ist. Sie fordert die Absetzung derjenige:: Führer, die diese Tatsache ohne Protest hingenonnnen haben. Es sollen an ihre Sl^lle andere, die arabischen Jmeressen besser schützende Führer trete::. Die Zeitung schließt, wenn die Balsour-Deklarauon nicht drrrch eine offizielle Bekanntmachung zurückgezogen wird, wcode sie in alten ihren Absichten und Zielen durch gewisse politische und tuirtschaftliche Maßnahmen der erstarkten arabischen 'Nation uirgültig genracht werden. ,>Moraat e! Shert" bcrrmngelt es. daß rrntcr den in der Angelegenheit der Arab Agency zum Oberlommissär beorderten arabischen Notabcln sich kein einziger Christ befunden habe, abgesehen von bent Sekretär der arabischen Exernrive Ähalrl S-akakini, dem Sekvetar der Delegation Wadis el Bustani und den Herausgebern des ,/Su: el Chaeb" und des „Moraa: el Sherk", die als Jourualisteu eingeladen worden waren. Daü Blatt betrachtet es als eine Nichtachtung der christlich-arabischen Bevölkerung, daß, abgesehen von den Sekretären und Journalisten, keine wirklichen christlichen Notobe ln eingeladen wurden. Captarn Faxcrofttz Zusammenkünfte mit arabische,» Führer». Das Mitglied des englische u Paria;u c u 1 s, Captain Foxcro ft, ist dieser Tage in Jerusalem einaetroffen und hatte auch sogleich eine Zusammenkunft mit arabischen Führern, bei welcher Gelsgenheir die Lage in Palästina besprochen wurde. (I. C. B.) Captain Foxcrsst ist bekanntlich ein hartnäckiger Gegner der zionistischen Politik in Palästina, der im britischen Parlament des öfterer: in Palästina-Debatten gesprochen hat. Eine Farmproduktenausstellung in Mitweh-Jsrael. Im Anschluß an die Feier der Zeugursverteilung au der LandwirtschaftSschnle zu Mikweh-Israel fand auch eine größer-e Ausstellung von Vieh und Milchprodukten statt. Von den Produkten der Schule war besonders bemerkenswert eine spezielle Sorte türkischen Tabaks, toegen dessen vorzüglicher Qualität sich die Schule bereits einen Namen gcniacht hat. Sir und Lady Elahtou besichtigten die Ausstellung mit großem Interesse. Unter den abgehenden Schülern befand sich' auch ein junger A rnber aus Nablus. N-- da>-i Ln-': dr.-iiahrigen .Kursus beendet hat.

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