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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-10 · Heft 1703 (10.11.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1703 (10.11.1923)
Date
1923-11-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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-kr. 1708 Men, Samstag ' ""dN Wiener Morgenzettung. lö. RÄinEer ‘i^23 «serre^s Zionistische Arbeitspartei „Hitachduth“ ÄÄ©I?JJ©S1 Sonntag den 11. November, halb 8 Uhr abends, in den Reichshallen, I., Dorotheergasse 6, SP^lOllt Dr. ARTUR RUPPIN Mitglied der Exekutive der ZiorfistischenWeitorganisation (Jerusalem) über »Die jüdische Arbeit in Erez Israel“ |Der Saal wird schon um 7 Uhr geöffnet ———b————— Der Kronprinz in Holland feAgehalten. Paris, 9. November. Die Agence Havas meldet aus Vrm Haag: Eine niederländische Persönlichkeit erklärte dem Vertreter der Agence Havas, es sei der holländischen Regierung nicht bekannt, ob der ehemalige Kronprinz die Absicht hege, abzureisen. Die getroffenen Maßnahmen setzten den Kronprinzen in die U n m ö g l i ch k e i t, Holland ohne Zustimmung der Regierung zu verlassen. Wenn die Regierung des Deutschen Reiches den gewesenen Kronprinzen ermächtige, nach Deutschland zurückzukehren, dürfte sich Holland schwer seiner Abreise widersetzen können. Irr Bahnverkehr. Salzburg, 9. November. Das bayrische Bahnbetriebsamt teilt mit, daß bis mittags im Zuosverkehr keine Aenderung eingetreten ist und der Verkehr störungslos austechterhalten werde. An die Bahnbeh'örden sind bisher keine besonderen Weisungen ergangen. Ueber Weisung der Frankfurter Eisenbahndirektion wird der Zugsverkehr nach Bayern nur bis Hanau durchgesührt. Der Verkehr von Norddentsch-and über Fulda nach Bayern ist ebenfalls unterbrochen. Berlin, 9. November. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die in der letzten Nacht über das bayrische Grenzgebiet verhängte Verkehrssperre ist nach Klärung der Verhältnisse in München aufgehoben worden, so daß der Personen- und Güterverkehr wieder in Ordnunjg abgewickelt wird. Re österreichische» Mer-Ante. Die sozialdemokratischen Ordner in Bereitschaft. In den Kreisen der österreichischen Hakenkremzler haben die Münchener Nachrichten keine Ueberraschung hervorgernfen. Noch vor wenigen Tajgen hatte der Werkmeister Schulz, der Nachfolger R.iehls, in der Versammlung des Vaterländischen Schutzbundes mitgeteilt, daß Hitlers Losschlagen unmittelbar bevorstehe. In einer am Donnerstag im Oberösterreichersaal abgehaltenen Versammlung der Nationalsozialisten kündigte Professor Suchenwirth für die nächste Zeit auch in Wien antisemitische Aktionen (nach bayrischem Muster) an. Er billigte unter stürmischem Beifall seiner Parteigenoffen die antisemitischen Vorgänge in Baycm und in Berlin und erklärte, daß Oesterreich ebenfalls nur auf diese Weise „saniert" werden könne. Die Nationalsozialisten beabsichtigen, die Ostjuden frage sowie die Wohnungsfrage wieder aufzurollen. Eine radikale Lösung der Wohnungsfrage könne nur durch die Ausweisung der Ostjuden erfolgen. Ferner verlangen die Nationalsozialisten, daß die Banken, Fabriksuntornehmungen usw. zur Beisteuer für Wohnungsbauten hergenommen werden. Dr. Snchenwirth forderte seine Parteigenossen auf, sich bereit zu halten, da demnächst der Ruf an sie ergehen werde, so wie in Bayern auch hier die Juden hinauszuschmeitzen. Eine vorgestern abends abgehaltene Versammlung der Leopoldstädter Hakenkreuzler, in der Riehl sprechen sollte, wurde im Auftrag der Parteileitung von einer Sturmabteilung gesprengt. Es kam zu wüsten Raufszenen, denen schließlich die Polizei ein Ende machte. Die WienerBehörden haben alle Vorkehrungen getroffen, um ein Uebergreifen der Bewegung aus Bayern zu verhindern. Die Grenzen sind seit gestern strenjg kontrolliert. Trotzdem haben auch die Sozialdemokraten gewisse Vorsichtsmaßregeln getroffen und ihre Ordner Organisation gestern in Bereitichaftszustand erklärt. Es steht auch ein sozialdemokratischer Aufruf bevor, in welchem hie Arbeiterschaft unter Berufung auf den Geburtstag der Republik am 12. November aufgefordert wird, jeden Anschlag der Rechtsreaktion nachdrücklichst Miickzuweisen. Ne IllM-Astiire. Geständnis Szemeres. Budapest, 9. November. (Tel. d. ,/Wiener Morgenzellung".) Nach zweitägigem Leugnen legte heute um 11 Uhr der verhaftete. Mitschndlige Dr. Ulains, der Primarius Dr. Szemere, ein vollständiges Geständnis a!b. Er schilderte eingehend die Vorbereitungen der Putschisten und gab Daten an, die noch weiteres schwer belastendes Material zutage fördern werden. Er hat nämlich die Stelle bezeichnet, wo wichtige auf die Budapest-Münchner Hakenkreuzlerbewegung bezughabende Dokumente sich befinden. Aus den Mten soll hervorgchen, daß die Ulain-Gömbös-Le.ute nach erfolgreich dnrchgeführtem Staatsstreich in Budapest großzügige Judenpogrome veranstalten wollten. Unter den an dieser Stelle versteckten Schriftstücken soll sich auch eine Liste befinden, auf der 30 Abgeordnete figurieren, die durch die Putschisten zum Tode verurteilt wurden. Auf Grund dieser Anssage wurden der Anwalt des Vereines der „Erwachenden", Dr. Alexander D a n i e l, und der Bildhauer Dr. Hommonach heute mittags verhaftet. Außer den Mitgliedern des Kabinetts sind zahlreiche Politiker, die inr Interesse des Gelingens des Patsches hätten dingfest gemacht werden sollen. Auf der Liste figurieren unter anderen die Abgeordneten Graf Apponyi, V a z s o n y i, N a s s a y, H e i n r.i ch und Ü g r o it sowie der Chefredakteur des „Budapests Hirlap" Eugen Rakosi und der Chefredakteur des „Pester Lloyd" Josef Veszi. Tie Polizei hat ferner den Leiter der nationalen SchutzaibtoAung des Vereines der Erwachenden Ungarn Dr. Alexander Daniel sowie den ehemaligen Abgeordneten Konrvd Weiß vorsühren lassen. Ein Blatt will wissen, daß es der Polizei gelungen sei, zwei Waffe n lag er im 6. Bezirk zu entdecken. Der Verhaftete Titus Bobula, angöblich amerikanischer Staatsbürger, soll ein Vevtvaudter des amerikanischen Multimillionärs Ford sein und die ganze Bewegung finanziert haben. Kein Zusammenhang mit Wien. Die Wiener Polizvidirektion, die sich sofort telegwphisch und schvifMch an die Obevstadchauptmcmrrschclft in Budapest mit dem Ansuchen um eine Mitteilung darülber gewendet hatte, ob und welche Zusammenhänge zwischen der hinter Dr. Ulain stchenden Gruppe und den in Betracht kommenden politischen Kreisen in Wien aufgedeckt worden seien, wurde gestern tellegmphifch verständigt, daß diese Angelegenheit mit Wien in gar keinem Zusammenhang stche. Frankreichs Stellung zur Sachperftllndigen. , konferenz. Paris, 9. November. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Quai d'Orsay veröffentlicht eine längere Note über die Stellung der französischen Regierung zur Frage der Sachverständigenkonferenz. Im gegenwärtigen finanziellen Chaos, Vas von der Großindustrie mit Hilfe der Regierung absichtlich geschaffen worden sei, Ware eine Untersuchung über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands zwecklos, wenn sie sich nicht darauf beschranken wurde, die bestehenden Tatsachen festzustellen. Die deutsche Zahlungsfähigkeit würde sich an dem Tage vollständig ändern, an dem Deutschland eine starke Negierung besitzen würde, die fähig wäre, die notwendigen Finanzreforuie« durchzuführen. Wie dann die Zahlungsfähigkeit beschaffen sein würde, könne niemand voraussehen. Die Sachverständigenkommission hätte sich daher darauf zu beschränken, die gegenwärtigen inneren und äußeren Hilfsquellen Deutschlands festzustellen. Insbesondere soll der Umfang der Kapitalsflucht festgestellt werden. Die Kommission hätte außerdem anzugeben, wie die bestehenden Hilfsquellen für Reparationen herangezogen werden könnten und wie Deutschland seine Finanzlage verbessern könnte. Es könne sich aber nicht um die Aufstellung eines langfristigen Zahlungsplanes oder um die Lösung des gesamten Reparationsproblems handeln. Definitive Ablehnung Amerika». Washington, 9. November. Die Bereinigten Staaten hüben definitiv abgelehnt, an dem Expertenkomitee teilzunehmen. _ Die pfiilzische Republik. Koblenz, 8. November. (Havas.) In Landau, Neustadt und Lauterecken ist die Pfälzische Republik ansgerufen worden. Die englischen Wahlen am 10. Dezember? Paris, 9. November-. „Daily Mail" teilt mit, die englische Regierung beabsichtige, die allgemeinen Wahlen pn° den 10. Dezember auszuschveiben. Wahlen in Stzrir«. Beiruth, 8. November. (Havas.) Die Wähle»! in die Repräsentantenrcite der drei Staaten Syriens sind in vollkommener Ruhe verlaufen. Fast alle Gewählten sind dem französischen Mandat günstig gesinnt. Die Sroßdeutschea wall«, weiter in der Koalition bleiben. In der gestern unter dein Vorsitz« des Präsidenten Dr. Ding Hofer stattgefunbenen Sitzung der Abgeordneten der Großdeutschen Kolkspartei wurde die künftig vom Verband der großdeutschrn Abgeordneten im Nationalrat einzuschlagende Politik erörtert. Die endgültige Entscheidung hierüber steht der für morgen einberusenen Sitzung der. Reichsparteileitung zu. Der Verband beschloß nach längerer Wechselrede, der Raichspcttteileünng zu empfehlen, den Vorstand des parlamentarischen Verbandes zur Führung der Verhandlungen mit der ,Christlichsozialen Partei zll ermächtigen. Tagesbericht. Der zionistische Parteitag. Anläßlich des Parteitages findet Sonntag um har-» 9 Uhr abends im Ingenieur- und Architektenverein, 1. Bez.. Eschenbachgaffe 9, eine Keren Hajessod-Konferenz statt, zu der die Ketzeir Hajeffod-Mefeventen und -Kommissäre der Bezirks-- und Cinzelvvganisationen sowie alle sonstigen aktiven Kersn Hajeffod-Avbeiter dringend eingeladen werden. Resetenten: Dr. N. Goldmann, Dr. F. Rosenblüth, Dr. E. Moses. Heute findet im Sitzungssaal« des ZionistWen Landes- Komitees, 2. Bez., Taborstraße 20a, die Landeskonferenz de.s Jüdischen Nationalfonds statt. Tagesordnung: 1. Dahl des Bureaus. 2. Aussprache Wer die Probleme des K. K. L., die auf der Generalkouferentz und auf dem Kongresse bchandÄt wurden. 3. Bemerkungen zum Rechenschaftsbericht. 4. Kontingent für das nächste Jahr. 5. Wahlen. Anfang püMlich einviertel 7 Uhr abends. * Delegierte 8>«$ gLowksiische« Blocks. Besprechung heute, 7 Uht abends, Cafe Metvüpol, 9. Bez., Be.rggaffe 33. Zutritt 'Aben Mw Delegierte -es Zionistischen Blocks. * Parteilaysdelsgierte -tfe* zivirWisHe« Jugendgruppen. Heute, 4 Uhr nachmittags, Besprechung im Blau-Weiß-Heim, 9. Bez., Whyngevsttatze, 1. Prirs ans Lemberg. (Bon unserem Korrespondenten.);. Eine weit über den landläufigen Begriff von Philnrthropie hmauSwgeude JrstsEution von sogiMMureller Bedeutung ist hier vor einigen Tagen in feierlicher. Weife ihrer Bestimmung übergeben worden Was jahrzehntelang Geyenftand WiederhMer Enqueten war, das hat während fcßr hatten KriogSzeit unter Ueberwrndung der größten Schwiettgkeilm die schöpferische Tatkraft einer Frau zustande gebracht uckd ein Werk geschaffen, das bahnbrechend und beispielgebend für das ganze Land dasteht. AlS im September 1914 die Russen die Stadt besetzt und das Gros der besitzenden Klaffe wie auch der offiziellen Personen die Stadt verlaffen hatten, da war es Fmu Dr. Caeilie Klasten, die sich als ein* der wenigen Frauen sofott in Dienst des jüdischen RettuiWkomitees stellte. Ihre Arbeit gaN zunächst der Rettung erwe^8>loser jüdischer Mädchen vor den Gefahren der Straße. Im Handumdrehen schuf sie mit den geringsten Mitteln eine Werkstätte, in der jüdische Mädchen darunter viele Kriegswaistlt, pckffvnde und lohnende Befchästi« gung fanden. Nach der Invasion gründete sie im Anschluß a« die Werfftätte ein Internat für Kriegswesen und in weiterer Folge eine vorzüglich grleittte Gewerbeschule für Mädchen. Obzwar das jüdische RettungAomitee in der ersten Zeit einen Teil der Echaltrmgskosten besteuerte, gab es für Frau Dotter Kliaften immer schwerere Morgen za Lberiwmdvn, da sie selbst nicht nur den größten Test der Geldmittel für die Echaltung der Institute aufbringen, sondern gleichzeütig auch in eigener Person die moralische Fürsorge tragen mußte. Mit Hilfe deS Jomt, des Lemberger zionistischen Frauen. Vereines und anderen Subventionen gelang es, ein zweistöckiges Haus zu erwerben^ das jedoch einer vollständigen Renovierung bedurfte, auch mußten die im Hause wohnenden Patteien durch große Geldopfer abgefunden werden. Heute beherbergt das Hans — dem nunmehr, ein drittes Stockwerk hinzugefügt wurde — Werkstätten für Kleider- und Wäsch"- arbeiten, eine Fachschule für Mädchen mit besonderer Berücksichtigung des Kunftgewerbes, ALteikungen für Feinwäscherei, Spitzelrarbeiten ufw., ein kleines Museum und ein allen hygienischen Anfovderuugev entsprechendes Internat. Im Haufe hevscht peinliche Sarlberkeit, die Einrichtung ist einfach, aber sehr geschmotwoll. Am besten u.bill5astensfeu,rmiMfSchiffmann II., Taborstrafie 48 Telephon 47-1-79 ln groi iw d>ta»t

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