Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1702 (9.11.1923)
- Date
- 1923-11-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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reichs beschäftigt, wordient. die Frage der landwirtschaftlichen Produktion ganz besonders einem genauen Studium unteriwvvsen zu werden. Im neuen Oesterreich jedoch, in welchem nur ein Drittel im BevMerung Ackerbau treibt, ist die Lage vom Standpunkt der Agrikultur direkt ungünstig. Es entsteht daher die Frage, wie man die Verhältnisse verbessern könnte, die, >wenu sie unter den gegebenen Hut* ständen fortdauern sollten, schließlich eine schwere Gefahr für die gesamte wirtschaftliche Sanierung Oesterreichs bilden könnten. Obwohl ich der Meinung bin, daß die Ankunft in dieser Frage mehr als in allen anderen Fragen von der privaten Iniiiatwc abhängt, finde ich doch, daß der Staat einen gewissen Einfluß nehmen kann, indem er insbesondere durch >N n >t e r st ü tz u n g d e r S ch u l e n s ü r L a n d- und F o r st- Wirtschaft und Schaffung von MusterWirtschaften, ferner durch Förderung d"r Melrorationstätiglkeit uslw. wirksam hilft. Es ist andererseits richtig, daß die Einflußnahme in der budgetären Situation, in der sich gegenwärtig Oesterreich befindet, notwendigerweise weiter begrenzt fein muß, aber es scheint, daß der Staat in einem größeren Aus« maße, als er es setzt tut, zur Hebung der Landwirtschaft beitragen könnte, wenn es ihm gelänge, die unproduktiven Ausgaben auf anderen Gebieten des Budgets zu beseitigen. Clearlagknrse der Österreichischen Nationalüank voni 8. November 1923. Devisen (Schecks und Aus« ztns. Zahlungen) fuß Kurs vom 7. Nov, 5* Geld Ware Geld Ware 27560— 27600— 27500— 27670— 824— 828— 880— 824— 824— 828— 82a— 824— 39,50 40.50f 12.44 12.56 3494. - 3506— 3504— 3516- 3.75 3.85 3.75 3.83 Agram 1 jug. Krqnen . . * , 8 Belgrad 1 Dinar .$ Berlin* 1 deutsche Reichsmark , 8 Brüssel 1 belgische Francs . . 4’ Budapest 1 ungarische Kronen , 6 _ _ Bukarest 1 Lei.5 347.— 344.- 341.- 343— Chrisflanla I norweg. Kronen . 5 10380.- 10420,— 10280,— 10320— Kopenhagen 1 dänische Kronor , 5 1218o—, 12320.— 12130.— 12170— London F Pfund Sterling ... 3 314700— 31570C.-315500- 316500— Madrld I Pesetas.»•/. 9380.- 9420.- 9280.- 9320— Malland I Lire., 6 3144.- 3186.- 3134.- 3148— New York 1 Dollar. 4 70935.- 71185.- 70935— 71185— Paria 1 Francs..5 4062— 4078— 4M— 4078— Prag 1 tschecho-slow, Kronen . 5 2075— 2085— 2075— 2085— SöÜa 1 Lewa . 7*/, 638— 040— 046— 650— Stockholm I schwedlscheKronor . 4*1» 18370— 18430— 18420— 18480— Warschau** 1 polnische Mark . , 6 Zürich 1 schweizerische Francs . 3 Noten . „ ' kleinere . . . Belgische Noten 100 Francs . . Bulgarische Noten zu 1000 Leva . I» » » 100 » , » . kleinere. , . Dänisch« Noten 100 Kroner , , Deutsche Noten ...... » » 100 ... „ „ kleinere . . . 37.50 34^50 Italienische Noten v. 100 Lire aufw, „ „ kleinere . . . Jugosl. Noten ungest, zu 1000 Dinar » " » ,100 » V' i. i kleiner« . , Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten.. , „ kleinere.... Rumänische Nossen zulOOOu. 500Lei „ „ kleinere . . . Russ, Noten (Roman.) zu 500 Rubel I » Kleinere' . Tschecho-slow. Not. v.lOÖOaufw, » „ kleinere . Ungar. Noten (neue Em.) zu lOOOKr. . . zu 10.000 Kr. ... . . kleinere. 2.50 2^45 - 430. - 360— 409— - 12610— 12600— 12650— 76960— 76566.- 70960— 70860— 70460— 70860— 3480— 3460— 3490— 622— 624— 632— 602— 604— 612— 12110— 11980— 12060— 36,50 . 11.94 12.06 35*50 ioIü lllÖö 314600— 313700— 3I530D.- 314300— 313500— 315100— 4045— 4015— 4045— 27500— 27300— 27509— 3130— 3100—» 3120.- 3110— 3080— 3100— 823— 809— 815— 813— 799— 805— 10330— 10160— 10230— 420— 360— 409— 400— 340— 380— 345— 335— 339— 325— 31.5— 319— 18260— 18210— 18310— 12555— 1248 — 12565— 9340— 9160— 9240— 2073— 2057— 2073— 2068— 2052. - 2068— 2.70 2.55 2.75 2‘.fl5 150 1.TO * Für 1 Milliarde Mark, ** für 10.000 pol«. Aiark. i Spannungsänderung. Vermehrung Des österreichischen Notenumlaufes. , Der Ausweis der Oesterreichischen Nationalbaick über den Stand des österreichischen NoteninMutes vom 31. Oktober 1923 zeigt eine Vermehrung des. Banknotenumlauses um 471 Milliarden Kronen. Der gesamte Banknolenum-- laus beträgt nunmehr. 6607 Milliarden Kronen. Ebenso hat das Wechselporteseuille eine Erhöhung um 101 Milliarden Kronen erfahren und beträgt nunnich-r 1068 Milliarden Kronen.. Diese Vergrößerung' des .Nolenumlausts hängt damit zusammen, daß die Privatwirtschaft lm Herbste, nautenl- .fich zum Oktoberende, größere Mittel beansprucht andererseits scheint auch.>das Noteninstiiut den Wünschen von Industrie und Handel mehr enigegenzukvmmen. Der Barschatz hat eine Vermehrung nur 10 Milliarden Kranen erfahren. Er beträgt 3418 Milliarden Kronen. Cs ist also der Banknotcmmllautf noch immer weit über 50 >Prozeut gedeckt. Einimtna zwischen den Petrolcmntruitaesellschaften. Aus Paris toUt, die Meldung.Sin. daß dis Roval Dustch, köwilglich hoRändiische VetrolannMii-llÜchaisii. sich mit der Stanldmd Oil ‘ Cvmv. bmirichl'ich der O«gttnW>iion des VevMrcs geemml habe. M!^ Rücklicht mif diese VereinbavUTM. die. ein« Enstige EntwiMiMi der PetEnmiindeisstrie erwavten läßt, sind an der Pariser Börse Vollnische und ,rumänische Vetroileunipaviere einer niambalsten KurWeilgovuna^ qiiiachübnt Warden. Die Bonba.Muniaen Mischen der holländischen Ge-- seMchaft nnd der Standard Oil Toinip. tvnvden vielfach durch a>ttß.evaewöbnlich.e AwilcheniiMe in der leinen IM gestört. Ihr Wriedmouder AbiMnß gilt desbM als eine we-vtvM'e Ernuiügenschaft. Staatliche Kontrolle der Banken in Ungarn. Berichten aus Budapest ^lttfcCicrc sind in den lebten Wochen während der Baisse-Periode an dar Budapcster Börse oiuiiae kleine BanMiä'rser und Börsenagentnr-'u ^ujtiainMenoelh.rochen und das PutbMrim hat großen Scb^n evli>tten. Es wird daihor immer lauter imd lauter die ^orderuna Mw staMicher Kon-- rvolle der Banken und Bankhäuser gestellt. Die Vermidnnug, we>'che das VaMv-esen regelt, läßt eine derartige Kontrolle zu, doch Wurde die DurchMriuu'gsverordivnnjg vevspäteit herausgoaeben und das staatliche Konirotliovoian. die Banlkenqenitral'e, technisch nicht crusaerüstot. Die Bankementrale arbeitet mit eineni relativ Keinen Bea>m>tenstaib und hat atbsoilirt nicht die MöÄichkeiit, KvnEMllen und Revisionen bei den Banken vor- Wn'.hnren. Cs wird numsh-r aeifochert. daß die DaMniz-entralie erwÄtert uud die staaÄiche Kontrolle über säinGche Ban-ken und BaMämer verhängt Werde, damit das PMMm vor Beriluisten geischüA sei. Statzrndorfer. In einer gestern abgchg'bvenen außerordeMichen (^MralverijÄmwklimrq der Stabendovfer KMen- Werke „Zieglevschächte" A.-Ä. tvuvde der Antrag der BertvaMlnia. das ZMien'kapitial von IM Millionen Kronen auif 300 Millionen Kranen durch Ausgabe von 750.000 Stück Miren zu erhöben, nach kurzer DlbE mit 22.788 gegen 500 Stimmen aiirgenoiminlen. Ter Veriwalltunigsr'at wu-rde ermääitW, hie KapitalsechölMna int eiaeivsn MrkuzvgÄkreisevo r - zunehmen. Die Hälfte der Neuemifsion dürfte den Mionären pit BSW'ge <Nt»c6o*Mtv 'die andere HWte' zur teil* tveisen Deckung des KauHchiMugs-für die zu edv^vbenden Prioritäten und StammaMen 'der WaleÄkä, Kohlengrube A.-G. bei Kattowitz. verwendet worden. MÄgMich.) Die hohen Auckerpreise. Aus Prag wird aennÄdet: Es Wind allgemein daraus hinMviüsen. wie wenig begründet bei der guiten ^uckerrübenernte heuer die eintretende Iuck-ervcr t euerung sei. Laut „Eeske Sl>ovo" hat eine ganze Reche von tschecho-slowakischen Zuck-erifäbvikanwn di.e Rohproduloe, die für die heurige Kanchägne aMekau>ft wurden, .zu teuren Preisen an das Ausland verkauft, so daß sich houite bereits int Inlande oin großer MaMel an I>nckerrü!ben Mend macht. . . Der Abbmch der Anleiheverchandlungen. Die Bechand' Lungen wegen einer Investitiöns-anleihe, 'tn-c bwischen Vertretern unserer Regierung und verschiedenen FinanMUppeii ans der Schweiz, Cn>glgnd und Frankreich geführt wurden!, waren von keinem Erfolg, da die cruLländischen^ Fmanzgruppen verschiedene Konzessionen verlangten, die ihnen m Regiernno nicht bewilligen konnte. Belangloses Geschäft. Die Situation der Börse hat sich nicht Wchervtlich gegen» über den Vortagen verändert. Die GeschÄftÄ-ofigVM hält an. Die Spekulation ettlischließt sich nicht irgendwie intensiver »lnzugreisen, weil. sich. die Lage nicht übersehen läßt. Auch daS PMilutn verhält sich abwartend. In erster Reihe ist die» aus die Verhältnisse in Deuisthland zurückzuWren, die noch immer nicht die Aussicht auf irgendeine Klärung gewähren. Die innerpolitischen Vorgänge wirken weit beunruhigender u-üd finden auch mehr Beachlung, tvährend die außenpolitische Lage Deutschlands etwas günstiger angesehen wird. Die Kontermine wogt nicht hervorzutreten, da die Banken mit Interventionen auf den Plan getreten und bestrebt sind, das Niveau der ihnen ncchsstchenden Papiere unbedingt zu halten. Wenn trotzdem eintzelne EffekteiMttungen Rückgänge aufwiesen, so ist di«S darauf zurückAuMren, daß vereinzelt Realisationen zur Durch» f.ührung kamen. Andererseits haben größere Brtdapester Abgaben das Niveau gedrückt. Die behördlichen Maßnahmen in Budapest haben dort größere Kreise der Wektenbositzer deranlaßt, ans Furcht vor eventuellen Konflikten mit den Behörden sich ihrer Effekten zu entledigen. Die Budapester Spekulation hat ihren Schwerpunkt nunmehr nach Men verlegt. Es senkten sich ungarische Kredit uut 20.000 K., Rima um 7000 K. Etwas besser hielten sich einzölue tschechische Papiere, weil aus Prag günstigere Nachrichten ernlangten. In der Kulisse besserten sich österreichiischer Kredit auf größere Kaufaufträge aus dem Auslande um 5000 K., Mener Bankverein um 8000 K., Unionbank um 2000 K. Hingegen büßten Länderbank 9000 . K. ein. Es waren schwächer Staatsbahn um 4000 K., Felten um 2000 K., Skoda um 39.000 St., A. E. G. Union um 2000 K., Tüifailer um 3000 K., Brunner Maschinen um 4000 K. Es besierten sich Alpine um 5000 K., PoM um 4000 K. Zw Schranken war die Bewegung geriivg. Die Tendenz war nicht ganz einheitlich. Es besserte sich Galizia -uin 500.000 K., hingegen verloren Schodnioa 16.000 K. Bon den Transportwerten erholten sich Ferdinands - NoMähn um 100.000 K., Lemberg-Czernowitzer um 16.000 K., Navigazione um 38.000 K. Bon Auckerwerten waren Schöller um 110.000 K. schwächer, hingegen böhmischer Zucker und kroatffchislavonischer Zucker um je 40.000 K. erholt. Von Kohlenwevten büßten Brüxer Kohle 195.000 K., Oberungarische Berg und Hütten 25.000 K., UriLany waren um 80.000 K., ungarische Kohle um 40.000 K. höher. Auf dem Aula gemarkt zeigte sich regeres Interesse für Dilberpvioritäten. Auch österreichische GoVdrente und un* garische Krvnenrente taxierten höher. Bezugsrechte: Oesterroichisches Kredit institut 35.000 K., Niederösterreichische Eskoimptegeselffchast 17.000 K., österreichische Holzibank 6000 K>, Danubius 5000 K., Optisches Glas 18.000 K., Sierszaer Monta-n 96.000 K., Qsers und Bauer 2650 K., ungar>!fche Waggon 4000 K., EisenbahnveEhr 85.000 K., Jntag 2400 K. Bon den Exoten notierien: Eos 2700 bis 3000, Erdöl 45.000 bis 47.000, Iriag .928.000 bis .342.000, Mraznica 171.000 bis 179.000, Universale 59.000 bis 60Ä00, Wiener Waffen 21.000 bis 21/500. Copyright 1924. J. Lodyachnlkoff-Verlag, Berlin. Nüchvrud verboten. (7. Fortlehnng.) Snkel Moses. Ronmn von Schalom Afch. Berl Vierstand nicht recht, was eigentlich in Amerika aus seiner Frau geworden war, aber er hatte sich daran Mwöhnt. Er verstand ja eigentlich sehr vieles hier . in Amerika nicht, aber er geivöhntc sich daran und fragte nicht mehr. Die zwölf Jahre, die er in Amerika ivar, lebte Berl einsam und allein tm Kreise seiner Familie. Er hatte niomanden, mit dem er sich aussprechen kounte; uicht nur seine Kinder hatten sich Dm vor seinen Augen entfremdet, sondern, auch st ine - gene Frau, mit ivelcher er die Kinder gezeugt und ein ganzes Seföeit verbracht hatte, ivar ihm hier in Amerika fremd geworden. Diese Einsamkeit trieb den frommen Juden zu religiöser Juibmust. Er' suchte stin Leben in seiner Oiekgion. Dielst Welt besaß er nicht mehr, so wollte er w nigstens, v'ie andere Welt, 'für die er sich vorberrtteie, mögv nru so Viel reicher und herrlicher sein . . . Er aß nicht was seine Familie aß; am Sabbatausgang ging er zu einem Bekannten in einer Mischen Güsse, d-r nl:t koscherer Butler und koscherem Käse ihalldelte und den Berl als frommen ehrlichen Juden kauute. Er betete mit ihm in demselben chass!Äschen Stüibel und kaufte sich bei ihm ein halbes Pfund Buttter und einen kleinen Lü'b Käse: davon lebte er von einer Woche zur anderen. . . Vor diesem koscheren Essen saß Bert auch jetzt. Eine Viertelstunde später war Genondels Wohnung leer und still, alles 4oar zu Arbeit gegangen. . Als Aaron und Bepl auf die Straße traten, betrachtete Aaron seinen Bruder und svh erst jetzt, wie er in der kurzen Zeit, da er in Amerika wohnte, gealtert war. Gr war ge» ravezu ein Greis mit gmuem Bart und gÄrnmmtem Nucken. Doch wie lange war es her, da war dieser alte Man» noch Berl >der Chassid aus Kusmin, mit schwarzem Bart, Mühende», roten Backen und glanzenden, schwarzen Augen? Berl Ehassid, der in alten Gemeindesachm mitredete, ein Jude mit Temperament, Kaufmann nach altem, gutem Schnitt. Auhäuaer des Gerer Rabbi, wohl bewandert im Talmttd — das sollte derselbe Berl stin? Aaron schien es, als §aitc er zwei Brüder; Berl der Chassid war daheim ge-> bkie'ben in dem kleinen Städtchen und neben ihm ging ein buckliger alter Arbeiter, ein weinerlicher, zerbrochener Jude; . . Berl merkte., wie ihn Aaron musterte und erriet, woran dieser dachte. „Du musterst mich so nick erkennst mich nicht wieder, was?" lächelte der ältere Bruder gutmütig. Der andere Berl ist tot. Hier bin ich noch einmall geboren worden, ich selber erinnere mich nicht mehr des anderen Berl. Der hier ist ein ganz anderer." „Aber Bevl", Aaron lächelte tröstend, „wie kannst dit MridaS..." Aaron wollte dem Bruder ettvas Tröstendes sagen, aber er brach Mitten darin ab. „Aber ich habe nicht mchr soviel zu gehen wie ich gega»ngen bin. Ich habe von dieser Welt nichts mchr zu fordern. Ich An ganz zufrieden." Jetzt erst verstand Aaron, wir der Bruder in seinem Joch und in der Sklavenarbeit doch nicht Mut und Hoffnung verloren hatte. Bisher konnte er nie begveifen, warum sein Bruder so ruhig und glücklich ivar, warunr seine Augen so Aar und rein gehlieben waren. Jetzt sah er es. Der Bruder besaß den Glauben an die andere Welt, und je näher er ihr kam, desto glücklicher und ruhiger wurde er. Aaron war es, als st'h-e er seinen Bruder einer Insel zusteuevn, wo die unevmeßlichen Schätze seiner harrten, die er sein Leben lang gesammelt hattenun fuhr er hin, um sein Vermögen in Besitz zu nehmen. Je näher er der Insel kommt, desto ruhiger, glücklicher wird er. Der Glaube an die andere Welt >war es, der deni Bruder die Kraft gab, mit soviel Ruhe und Geduld die. Note dieser Welt zu wagen. UM zum erstenmal beneidete Aaron seinen Bruder um feinen Glauben. Er begann in seinem Leben nach etwas zu suchen, das ähnlich wüve dem Glauben des Bruders, aber er fand nichts. Sein Leben war leer, nur Armut, Alltäglichkeit und trockene Sklavenarbeit für das ärmliche Stückchen Brot. . ,Komm' mit mir, Aaron!" ,Mohin?" ,^Jch iveride dich zum Onkel Moses zurückbringen. Ich will für Aich bitten, daß, -daß er dich wieder zurückniumt. Es ist Wohl unser Schicksal... Wir sind ja im Galnch... So ist es der Wille von oben . . . Vielleicht in der anderen Welt. *. Wer kann es wissen? . . . Sag' einmal, Aaron, betest du manchmal?" ,^Jch habe nie daran gedacht", sagte Aaron inehr zu sich selbst. „Wenn dem so ist, was soll dann das ganze Leben? Was lohnt es dann?" „Was lohnt es dann", sprach Aaron in Gedanken des Bruders Worte nach, und er wußte wirklich nicht, tvas das Leben lohnte, da er ein anderes Leben als das auf dieser Welt nicht besaß. Und dieses Leben tvar ein armes, ein häßliches und ein langwelliges Leben. . . DeMoch ging Aaron -mir dem Bruder zum Onkel Moses, um die Erldstbn!^ i-ir:;;. dieses langwellige Leben fornusetzen . . . 8. Onkel Moses. Ein gm Sn>ick Zeit, bevor unsere Geschichle einsttzt, tauchte eines Tages in einem Keinen Städtchen in Pole« plötzlich ein Fremder auf; er tvar ganz anders gekleidet als die anderen Einwohner des Städtchens, trug einen kurzen, deutschen Rock und eine wunderlich kavierte Hose, die aus Damentuch gemacht ivar, mit eimm breiten, steiistn Hui und einem weißeiv, weit ausgeschnittenen Kragen, den man damals Baievmvrder nannte. Große goldene Ringe an bett. Fingern und eine gMene Kette über der karierten Samt- Weste; der Mann trug keinen Schnurübari, aber einen kurzen Backenbart. Die Erscheinung des Fve.mden rief solches Staunen hervor, daß sicher eine Panik ausgebrockM wäre, tväre er nicht auf der Straße mit einem im Städtchen wohl* bekannten Bewohner, nämlich mit Josef, dem Griesmüllcr gesthen worden. Ae'lteve Einwohner der Stadt erkannten lbald in dem Fremden den ältesten Sohn Josef des Gries-- Müllers, der vor vielen Jahren in die weite Welt gegangen VKIL. Fortsetzung folgte