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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-09 · Heft 1702 (9.11.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1702 (9.11.1923)
Date
1923-11-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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; fi Stt. VW Wien, Freitag Wiener Morgenzeitnng. 9. November 1923 Sefte 3 Zionistische flrPeitsmirtel „HIT fl CH DU TH“ 1 Sonntag den 11. d. M., halb 8 Uhr abends, in den Relchshalieit, I., Dorotheergasse 6, spricht Dr. Artur Ruppin öerosalem) Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation Regiebeitrag K £000 über Bl Der Saa! wird schon um 7 Uhr geöffnet Eine skrupellose Presse leitet die antisemitische Agitation. Prominente Juden werden mit Namen genannt, ihre Bilder steckbmefahnlich gebracht. In den Parteisekretariaten der Nationalsozialisten ist ein Bild „Der Nitualmord" ausgestellt, auf dem Juden ein nacktes Mädchen schlachten. Unterschrift: „Wer nicht glaubt, daß die Juden Christenblut für Ehre Ritualien brauchen, kann es sich jederzeit in unserer Propagandazentrale beweisen lassen." Zahllose Schmähplakate, die den Juden die ^Schuld am Kriege, der Niederlage, den »Kriegsfolgen aufladen, erscheinen mit Einwilligung der Polizei. Jede Gegenwirkung bleibt untersagt. Die Ausweisung sieht eine Frist von 14 Tagen vor, bis zu deren Ablauf der Ausgewiesene München geräumt haben muß. Sie ist verbunden mit Wohnungsbeschlagnahme, angeblich zugunsten deutscher Flüchtlinge, in Wahrheit zur Unterbringung von Angehörigen illegaler rechtsradikaler Verbände. Durch die Wohnungsbeschlagnahme wird den Ilusgewiesenen es unmöglich gemacht, sich durch Tausch in Besitz einer Wohnung in einem anderen deutschen Lande zu setzen, sie werden also faktisch gehindert, in Deutschland zu bleiben. Wollen sie aber ins Ausland gehen, so haben die Finanzäurter Anweisung, sie durch maßlose Besteuerung zu enteignen; sie müssen Steuern für drei Jahre hinterlegen, was für die meisten völlige Mittellosigkeit bedeutet. Wie schuldlos die Ausgewiesenen sind, geht daraus hervor, daß die Polizei den Ausgewiesenen Leumundszeuge nisse ausstellt, nach denen über sie „nichts Nachteiliges" bekannt ist. Es sind alle honette, ehrliche Geschäftsleute, Fabrikanten usw., die seit Jahrzehnten ansässig sind. Intervention des Komitees jüdischer Delegationen beim Völkerbund. Aus Paris wird uns gemeldet: Das Komitee der jüdischen Delegationen hat beim Völkerbund in der Angelegenheit der Münchner Judenausweisungen interveniert. Ebenso hat der spanische Generalkonsul in München als bevollmächtigter Vertreter einiger europäischer Mächte, die «keine Vertretungen in München haben, gegen die Jndenaustveibungen Schritte unternommen. Vorläufig keine weiteren Ausweisungen. München, 8. November. (Tel.-Kontp.) Generalstaatskommissär v. Kahr hat angeordnet, daß vorläufig keine weiteren Judenausweisungen vorzunehinen feien und daß die bereits a-ngoordneten, jedoch noch nicht vollzogenen Ausweisungen nicht auszuiführen seien. Die Ausweisungen von österreichischen Staatsbürgern werden zurückgezogen. AiMemitische Unruhen in Moskau. Paris, 8. November. Der „Matin," meldet, daß in Moskau im Arbeiterviertel der Roten Presnia schwere antisemitische Unruhen stattgesunden halben. Der Pöbel hat die Geschäfte und Wohnungen der Juden geplünde'-rt und mehrere Personen getötet. Die Sowjetpoligei wurde überwältigt. Sesterreich.!habe, weil England an die polnische Regierung ' ein Schreiben gerichtet hat, in dem Polen der freundschaftliche Rat erteilt wivd, von der Einführung des Numerus dlausus albgufchen. Antijüdische SchnIpolM. Warschau, 7. Novencker. (I. C. B.) In der letzten Sitzung des polnischen Sejms interpellierten die Vertreter des jüdischen Parlamentsklubs den Unterrichtsminister wegen dessen gegen die Verfassung verstoßenden Verbotes an die Leitung des eva ngelis ch e n Gy m nasiums in Lemberg, jüdische Schüler auszunehmen. Der jüdische Parlamentsklub forderte den Unterrichtsnünister auf, das Verbot sofort zu annullieren. Der außerhalb des jüdischen Parlanrentsklübs stehende Mstifche Abgeordnete Prilußky interpellierte den Unterrichtsmimster wegen der Schikamerungen, der die jüdischen Volksschulen von den Behörden ausgesetzL werden. PalMua. Der Handelsvertrag mit Belgien. Gestern abends fand unter dem Vorsitze des Bundeskanzlers Seipel ein längerer Minister rat zur Erleldigirng der laufenden Angelegenheiten statt. Unter anderem wurden die handelspolit isch en?lbma chnngen mit Belgien, welche in Genf paraphiert wurden, der Beratung unterzogen und genehmigt. Der Handelsvertrag mit Belgien wird natürlich dem National rat zur Entscheidung vorgelegt werden. Reise der deutschen Gesandten nach Berlin. Der deutsche Gesandte in Men Dr. Maximilian Pfeiffer ist vorgestern nach Berlin aibgeve.ist. Der Grund seiner Berliner Reise besteht irr erster Linie darin, daß er als Mitglied der Zrntrmnsparter an den gegenwärtigen Beratungen teilnimmt und des weiteren, daß er sich über die jetzige Politische Lage informieren will. Die Nachricht, daß Dr. Pfeififev in tot» nächen Zeit nach Abschluß der VechaMungen Deutschlands mit der Türkei über die Wiederaufnahme der diplomatischen und konsularischen Beziehungen zum Botschafter Deutschlands in K o n st a n t i n o p e l ernannt werden soll, findet zur Stunde noch keine Bestätigung. Polen. kngland gegen den Numerus clausns. Warschau, 7. November. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Im hiesigen antisemitischen Kreisen ist Vas Gerücht Verbreiter, daß E n g l a n d in Angelegenlhe.it des Numerus clausus interveniert habe.. Es heißt, daß der Unterrichtsminister G l o m b i n s k r darum demissioniert Am besten u Protestkundgebungen am Fahrertage der Balfonr-Iellaratiou. Aus Jerusalem meldet I. C. B.: Auf einen Aufruf tkx arabischen Exekutive in Palästina, hin versammelten sich aut Jahrestage der Bälfour-Tetlaration die arabischen Muselmanen in: ganzen Lande tu den Moscheen, um gegen die Balfour-Teklaration und die Politik einer jüdischen nationalen Heimstätte zu protestieren. Die Protest-Resolutionen waren an die Adresse Sir Herbert Samu-els und der britischen Regierung gerichtet. Die neue arabische Pattei gegen die NaÜonalifte«. Ein Mitglied des vorläufigen Komitees der neuen gemäßigten arabischen, Partei äußerte sich in einem Interview zu dem Vertreter des I. C. B.r „Wir sind i>m Begriff, eilten K o n g r e ß einzuberufen, an tont Vertreter aus allen Städten dos Landes teilnehmen werden. Es werden über hundert D e l e g i e r t e anwesend sein. Dev größte Teil der palästinensischen Bevölkerung steht hinter uns. Die pMstinensischen Araber sind der negativen, nur immer Geld erfordernden Politik müde. Wir wollen versuchen, die wirtschaftliche und politische Lage des Landes zu verbessern." Das Organ der neuen Partei „Keraat el Sheet" schreibt in einem Leitartikel: „Die arabische Exekutive trat ins Leben,, als es weder eine Balfonr-Deklaration noch ein Mtvndat gab. Und was ist nach ihrer fünfjährigen Tätigkeit geschehen? Die Balfonr-Deklaration und 'das Mandat sind durch den Völkerbund, die Entente und die Vereinigten Staaten, bestätigt worden. Wem hat also die arabisch e Exekutive genützt? Sie hat unserer Nation nichts Gutes gebracht. Wir waren ein reiches Volk, sie aber hat unsere wirtschaftli che Lage zerstört? Wir hatten eine blüheilde unverschuldete Bauernschaft; sie hat sie arm und verschuldet gemacht. Wir vertrauten der arabischen Exekutive ein Land an, in dem der Handel blühte; jetzt steht der .Handel still." Empfang des Präsidiums des Waad Lmmi durch de« High konnniffionrr. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Präsidialmitglieder des Waad Leumi wurden vom High Commissiouer enrpsangeu, mit dem sie die Fragen 'des Gesetzes über die jüdischen Gemeinden, der Polizei und der Sabbatarbeit der jüdischen Bahnarbeiter besprachen. Bezüglich der Polizei verwiesen sie auf das ungünstige Verhältnis der Zahl dev jüdischen Polizisten und Polize-ioffiziere und verlangten, daß bei Aufnahme van Polizisten die Berhältnisza h l e n eingehalten werden sollen; der High Commissiouer versprach, sich darum zu bemühe««. Des weiteren Jam die Rede auf die Einhaltung der jüdische«« Feiertage bei der Polizei und lbctt Fall des Polizisten B l u m, 'bereit Verurteilung die Gefühle der Inden außerordentlich verletzt hat. (Blum «st wegen Verweigerung des Dienstes am Versöhnnngstage zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt worden.) Der High Comi>««ssioner erklärte, daß Blum zwar gegen die Subordination verstoßen habe, daß aber a««ch der betreffende P o l i z e i o s f i z i c r nicht roduungsgemäß vorgegangen sei und deshalb a««ch getadelt worden ist. Was die Frage der Befreiung der jüdischen Eiseilbahnarbeiter vor«« Dienste am Sabbat betrifft, so sei er stets bereit, nach allen Möglichkeiten zu suche««, um foen jüdische«« Werkstätteuarbeiterrr am Sabbat freizugeben. Sehr schwer sei jedoch die Befreiung bei den Arbeitern des Fahrdienstes und der Zol!-- ä nt t e r, da hier die Arbeit auch mit dem Schiffsverkehr usw. in Verbindung steht. Die Vertreter des Waadi Leumi verwiesen bei dieser Gelegenheit auf Saloniki, wo zur Zeit der Türken die Zollstatione«« geschlossen waren, womit die Schiffe rechneten und ihre Laster« an« Sabbatl' nicht löschten. Tagesbericht. Für die Wische« geistige« Arbeiter i» Deatschia«d. Die entsetzliche Katastrophe, die über Deutschland hereingebrochen. hat in ihrer ganzen Schwere besonders die geistigen Arbeiter getroffen. Beinahe alle Verlage und die anges<yensten Zeitschristen sind eingestellt, so daß die Produktion des geistig Schassenden in Deutschland völlig lahmgellegt ist und ifynt b*aS schrecklichste Elend bedroht. Doppelt schwer a>ber trifft der Zusammenbruch und seine Aeußenlngen die jüdischen geistigen Arbeiter in Deutschland, die nicht bloß um Deutschlands, sor«dern überdies um ihres Judentums willen leiden. Infernalischer Haß schließt seine Kreise ziMewußt um sie und nimmt ihnen, die ohnehin der ökonomischen Katastrophe wehrlos ausgekiefert sir«d, die letzten Möglichkeiten. Wir selbst haben in schwerster Zeit von unseren jüdischen Brüdern im Ausland Hilfe erhalten. Wir haben es nicht dergessen, können aber — geistig Schaffende! — mit unseren bescheidenen Kräften allein den jetzt Betroffenen keine Linderung bringen. Deshalb rufen wir die jüdische OeffeMicbkeit zur Hilfe auf. Sie möge dem jüdischen Dichter, Künstler und Forscher ihren Dank äbstatten für all das. was er ihr geigeton hat! Die Unterzeichnete Vereinigung leitet hiermit eine Aktion zur Unterstützung der jüdischen geistigen Arbeiter in Deutschland ein und bittet um tatkräftige Unterstützung, in Form ausreichender Geldspenden, .die als Lobensmitte'lsendunge-n den Darbenden zugute kommen werden. (Spenden übernimmt die dldministrattion der „Wiener Morgen-zeitung") Vereinigung jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler „Harnach" in Wien. A«rhrba«g einer wilden Devisenzentrale in Berli«. Berlin, 8. November. Geistern wurde von der Wucher- PÄitzei in der Altert Schönhauserstraße eime wilde D ev i s e >n z e n t r v l e ausgehoben, die von dem Schneider Ringel betrieben wrtrde. Eine große Anzai'hll von Verwartdtert und Bekannten Ringells fing vor den Wechselstuben Ausländer ab, schleppte sie zu der geheimen Devisenzentvcvle. Bei der Durchsuchung der Wohnung fand man ausländische Zahlnugsmittel im Werte dort etwa 10.000 Dollar. Die gesamte Familie Ringel wurde verhaftet. Wildwest in Galizien. Ein Eisenbahnzug aufgehalten und ausgeplünder Aus Lemberg wich gemeldet: Wie die „Gazeta Livowska" belichtet, hat eine aus 50 Bewaffneten bestehende Bande aus der Strecke dort Baranowiczy einen P e r s o n e n z u g auifgehalten -urch die Passagiere ausgeplündert. Es sislen ihnen zahlreiche Wertsachen und 70 Milliarden lllliark in die Hände. Die Arbeiterorganisationen in dm Bereinigten Staaten. A««f dem im Oktober abgehaltenen Kongreß der amerikanischen Arbeitsföderation waren durch die Delegierte«« mehr als drei MMonein Mitglicher vertretein. Diese Zahl ist nicht die größte, welche die amerikanische Arbeiterföderation zu verizeich««iMhatte. Doch ist die Avbeitechöde-ratwn die größte Gruppe unter den Arbeiterorganisationen in der« Vereiirigteu Sttaadcm. Di« Geschichte der gcüvertöschaftMchein OvgaMffatiiom in den Vereinigten Staaten reicht bis in das Jahr 179 2 zurück. Damals begründeten die Schuhmacher von Philadelphia die erste Gewerkschaft; von dieser sind noch die Protokolle vorhanden. Die erste allgemeine AvbeitVMrga'üffation wurtde rm Jahre 1869 in Philadelphia gegrimdet und war ursprünglich eilte Gehet mgesellschaft, die erst später öffentlich wurde. Sie richtete ihr Hauptaugenmerk auf die Vertretung der Interessen der ungelernten Arbeiter. Bereits im Jahre 1886 zählte sie, obwohl ihr Wachstum langsiam von statten mehr als 700.000 Mitglieder, doch waren schon vorher in der Nitzht ois Labviur — so hieß die Allgerrteine Abbelit^vvovgcrn i>svi.:io ir — Meinungsverschiede««heiten über die Taktik e««tstanden, welche i«n Jahre 1881 zu einer Konferenz der Unzufriedenen und noch im stl-lbor« Jahve Wr GrüiMl'ch der Fädeva-tion der Organisierten gewevblliche-n und ArbvüerigcwvrßschaffM der Vei'öürigiv!« Staaten und Kanadas, die in Pitsbrvvg evsÄlgte, fühvirn. Ans dieser Föderation entsta««d dann im Jahre 1886 die Amerikanische Arbeitsföderation. Sie bestand bei ihrer Gründung a««s 316.000 Mitgliedern. Zwischen ihr und der Nigth of Labortr- Organisatior« gab es große Kämpfe, welche schließlich im Jahre 1890 zum Zerfall der Night of Läbour-Qvgau>iIs>ativ-n führte-ir. Bereits bei der Gründung der Amerika««ischen Arbeitsföderation war Sanlnel Gomparz hervovreügenld iät>ig, «mb er wuvde a««ch, als sie sich zur sebständigen Organisation enüvickelte, ihr Präsident. Als solcher ist er mit Ausnahme eines einziger« Jahres bis hertte von jedem Jahreskongreß erwählt worden. Außer der M««erAaitffchVn ArtbMsMmtivn sind die U* dsütemtdstün geiwerkschasWichein Orgarrifaitionen in den BereiMiitgter« Stauten«: Die Vier großer« EffMbchmvooganWlionen, die MMllaM'.'!to«vr!g>a>liiisvtro«l rmd die Jntdustviiail Wvrtkors of tfy* Worltd. Bon diesen Haber« nur die Eilstnibchnerun'd Meivll. II., 7atorstra8e 48 Taiaohon 47-1-79 En gros in datall I

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