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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-07 · Heft 1700 (7.11.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1700 (7.11.1923)
Date
1923-11-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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« _Wiener Morgenzeitung._ 7. November 1923_Skr. 1700 Ae Lolinverhandlungen E den Wiener Metallarbeitern und den Jndustrieangestellten. Wlehnnng der Fordenmge». «M,. _ Stal, TOttttwj_ Tagesbericht. Ser zionWche Parteitag. In der am 11. d. stattfinde ndeu Eröffnungssitztmg Lrä Parteitages der österreichischen Zurnistenwird Dr. Artur Ruppin, Mitglied der Zionistischen Executive, ein Referat Wer den Ausbau Palästinas halten. Sie geschenfte Kriegskontribution. Aus Czernowitz wird geschrieben: Während di« Bevöllerimg Men?, vom ersten Kriegstaumel gejagt, von Laden zu Laden stürmte, um sich mit Lebensmitteln für die ersten Kriegswochen cinzudecken, drückte die Bevölkerung der östlichen Landeshauptstadt die schwere Sorge der bevorstehenden Russeninvasi-on. Und als eines Nachts die furchtbaren Detonationen von den gesprengten Pruth» drücken die Czernowitzer aus dem Schlafe rissen, war der Feind bereits auf Geschützreichwerts von der Haupte stadt entfernt. Zu Zehntaufenden bestieg«» sie die bereit^ stehenden Flüchtlingszüge, um verschiedenen Geschicken Pfcfo gecenzuirren. Einzelne wurden in der Fremde reich, andere fanden bloß eine neue 'ruhigere Heimat. Diele gingen in elenden Barackenlagern, fern von idsr Heimat, zugrunde. in dem vom Fear de bedrohten Czernowitz zurüLbsieb, das waren die Aerrnsten der Armen. Die Kranken, Greifet und Kinder und nicht zuletzt pflichttreue Beamte, die auf ihren Posten ausharrten. Wenige Tage nach deri Briickensprengung rückte der Feind in die Hügelstadr ein. Das erste, was der russische Kosakengeneral Evreinow tat, war, daß er der Stadt eine Kontribution von 300.00V Goldkronen auserlegte. In ihrer Angst trugen d*'e Czernowitzer ihr Letztes herbei: goldene Ringe und Zerren. Armbänder und Uhren, Zarin lienerv stücke und letzte Habe. Und als das!aWes nicht reichte, wurden die Iuwelie.lüden erbrochen. Der Russengeneral lächelte beim 'Anblick des Berges von Gold, und in einer Anwandlung von großmütiger Despotenkrunr erließ er der Stadt die schon aufgebrachte Kontribution. Bei der zweiten Russeninvasirn wurden die Goldgegenstände in Sicherheit ge-- brachr. und nach d4rn Umsturz kostete rs Mühe, sie zurückzuschafren. Doch wie Czernowitzer Blätter berichten, ist dies endlich gelungen, und im Czernowitzer Stadtmazistrat ist in an eben damit beschäftigt, die Gegenstände ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. Doch das ist! nicht leicht. Einer hat vergessen, eine Quittung zu verlangen; der Zweite hat sie verloren; der Dritte ist gestorben: der Vierte hat als Ausländer den Anspruch auf die Rückgabe feines Goldes nach den Bestimmungen de- Vertrages von Saint-Germaln verwirkt . . . Dennoch hat die Rückgabe dec geschenkten Kriegskontribution etwas Versöhnendes und sichert dem Kosakengeneral, dessen wilde Teufel dem Schillerstandbild vor dem Czernowitzer Stadrt'heater oes Spasfes halber die Nasenspitze weggeschossen haben, ein freundliches Gedenken in der jetz- '-'umänisch gewordenen Stadt. Ein gewaltiger Fernbeben. Aus Rom wird gemeldet: Das Observatorium vou Faenza verzeichnete gestern abends, 22 Uhr 48 Minuten, den Beginn eines heftigen Erdbebens, das drei Stunden an dauerte. Ter Herd dürfte in einer Entfernung von etwa 10.000 Kilometern liegen. Jer Jüdische Schnlverein. Tätigkeitsbericht. Das Kuratorium des Jüdischen Schulverems «erstattet an d'e am 8. d. stattfinden-de Generalversammlung einen Bericht, dem wir das Folgende entnehmen: In der abgelaufenen Berichlsperiode konnte das Bestreben des I ü d i s chen Schul- Vereins lediglich daraus gerichtet sein, die bereits bestehenden jüdischen E r z i e h u n g s- und Unterrichtsanstalten, die sich in schwieriger Zeit voll bewährt und die Anerkennung aller in Betracht kommenden jüdischen Kreise gefunden haben, in geistiger und materieller Beziehung auszugestaltm und ihren Bestand zu sichern. Hierbei galt es, zchlreiche Schwierigkeiten zu überwinden, von denen insbesondere Iie andauernde räumliche Unzu-länglichkeit unserer Schulanstalien das Kuratorium ohne Unterlaß beschäftigen mußte. Der Mangel an geeigneten Schullokalitäten und die daraus resultierende, alljährlich sich ' erneuernde quälende Sorge um die Unterbringung der im nächsten Jahre zuwachsenden Klassen hat auf das fortschreitende Wachstum des Schulwesens hemmend gewirkt. Das Kuratorium wird sich in allernächster Zeit mit diesbezüglichen konkreten Sauierungsvorschlägen an die jüdische O-effendlichleit wenden und es wird die Ausgabe der Wiener jüdischen Bevölkerung sein, Mittel und Wege zu finden, um diesem UebAstande abzuhelfen. 1 Der Jüdische Schulverein erhält derzeit nachstehende Schulen: 1. Die jüdische Volksschule im 20. Bez., Denisgasse 33, welcher in dankenswerter Weise die , erforderlichen Räume des Mendelschen Stiftungshauses zur Verfügung gestellt wurden. Die Entwicklung der Schule ist befriedigend. Zn Beginn dieses Schuljahres konnte bereits die vierte Klasse eröffnet werden. Sobald die Schule fiirifklasiig sein wird, wird sie das Oeffentlichkeitsrecht anstreben können und sicherlich auch erhalten. Der hebräische Unterrichl, welcher in fünf Wwchenstunden erteilt wird, erzielt besonders gute Resultate. Es wird hierbei mühelos erreicht, daß die Schüler schon auf d^c untersten Stufe des Schulunterrichtes jüdische Werte in sich am-^ebmrn, eine wertvolle Ämvrdlaae ihrer iüdv'«ben Er- Dre Vollversammlung des Wiener Jndustriellen-- verbandes hat gestern die Berichte der Unterhändlerkomitees über die Verhandlungen wegen Erneuerung der Kollektivverträge mit den Wiener Metallarbeitern und den Jndustrieangestellten entgegengenommen. Nach eingehender Debatte faßte die Bollverfammlunig einstimmig folgende Beschlüsse: 1. Kollektivvertrag der Jndustrieangestellten. Die Vollversammlung billigt die Haltruig der Delegiertenversammlung, welche die Abänderungsvorschläge der Angestelltenorganisatronen zu den abgelaufenen Kollektivvertrügen ab gelehnt hat. Die gegenwärtige SitlMtion der Industrie gestattet keine weitere allgemeine Belastung auf dem Gebiete der Entlohnung oder Sozialpolitik, wie dies eine Erfüllung der Forderungen der Angestelltenorganisationen bedeuten würde. . Ebensowenig kamt die Vollversammlung einer Erweiterung der gesetzlichen Rechte des Betriebsrates i»n Kollektivvertragswege zustimmen. Schließlich lehnt sie grundsätzlich j^des Entlohnungssystem ab, das in die Privatrndustrie eine Buroaukvatisierung oder Schablonisierung bringen muß, und sie ist daher nicht in der Lage, die Pesierstellung jener Angestellten, die ht ihren Bezügen gegenüber dem Frieden unverhältnismäßig stark zurückgeblieben sind, in der Form voryu nehmen, wie sic von den einzelnen Angestellten Organisationen beantragt wird. (Kategorisieinug, Leistungsgruppen, Zeitvorrückung usw.) Die Bollversammlmrg ist über auch' nicht in der Lage, selbst einer geringen generellen Erhöhung aller Bezüge zuzustimmen, weil dies wieder nur eine Bevorzugung jener Angestellten bedeuten würde, deren Gittfomnmt und damit deren Lebenshaltung sich gegenüber der Vorkriegszeit gebessert hat, 51t Lasten jener, für die Industrie besonders wertvollen mittleren ziehung bilden. Die Zahl der Lehrkräfte au dieser Schule ist sieben, die Zahl der Schüler 70. 2. Das jüdische Realgymnasimn, das bis dahin di« drei ersten, in fünf Abteilungen getrennten Klassen umfaßte, eröffneie zu Beginn des SchuLjcchres 1922—23 die viert« Klasse, die wiederum in zwei Parallelabteilungen geteilt werden mußte. Das Gymnasium ist nunmehr in dem Pollak- Rudinschen .Stif.tungshau.se, 2. Bez., Castellezgasse 35, untergebracht, dank dem verständnisvollen Entgegenkommen der Stiftuugsleitung, was gegen den früheren Zustand einen großen Fortschritt bedeutet; aber ans Mangel an Räumen für den sich immer mchr ausdchnenden Schnl- Leirieb ist die Schulleitung genötigt, den Unterricht auf den Vor- und Nachmittag zu verteilen, was den Schulbetrieb sehr erschwert. Um so erfreulicher sind die Erfolge, die das jüdische Realgymnasium dank der hiugebenden Arbeit seines Leiters unde seines Lehrkörpers auch in diesen: Jahre erreicht hat: Der Unterricht im Hebräischen, von bewährten Lehrern nach modernen Methoden und mit liebevollem Eifer erteilt. Wird von den Schülern nicht als Last, sondern als Freude empfunden, bringt sie zur sicheren und lebendigen ^Beherrschung der Sprache und befähigt sie, sich mit der Bibel und den Hauptwerken der hebräischen Literatur in der Ursprache vertraut zu machen. Aber auch in den allgemeinen Fächern waren die Unterrichtsergebnisse nach den Feststellungen durch die staatlichen Schulinspektoren so vovzüKiche, daß die gegen manche Widerstände schon im vorigen Jahve erzielte Erteilung des Oesfentlichkeitsrechtes dem Gymnasium auch für das neue Schuljahr nicht versagt werden konnte. Mit Beginn dieses Schuljahres wurde eine fünfte Klasse eröffnet, so daß jetzt der Unterricht in fünf Massen (davon Zwei mit Parallelabteilungen) erteilt tvivd. Die Zahl der Lehrer beträgt 21, die der Schüler 380. Einen vorläufigen Abschluß nach oben findet das Schulwerk in dem Hebräischen Pädagogium, welches unter der Leitung des Oberrabbiners Dr. Chajes sich als Seminar zur Ausbildung hebräischer Lehrer einen Weltruf erworben hat. Eine große Zahl von Absolventen dieser Anstalt hat in den verschiedensten Ländern eine Anstellung als Lehrer gefunden (in Rumänien 6, Polen 7, TschechoSlowakei 3, Littauen 8, Palästina 4, Jugoslawien 2, Amerika 2, Oesterreich 2, Belgien 1). Das Pädagogium, in welchem sämtliche Gegenstände, Mit Ausnahme der Pädagogik in hebräischer Sprache vorgetragen werden, besteht derzeit aus zwei Abeitnngen mit fünf Dozenten und 70 Hörern aus Polen, Rumänien, Jugoslawien, Türkei, Litauen usw. Neben diesen Unterrichtsanstalteu, die vom Jüdischen Schulvercin zur Gänze erhalten werden, sind noch eine Reihe, jüdischer Kultur- und Lchrinstilute zu nennen, die vom Jüdischen Schulvcrein ständig subventioniert werden. Es sind dies: a) die hehräischen Schulen im im 16. Bezirk, Herklotzgasse 21, in Bnitensee und Hietzing mit zusanlmen zwölf Klassen und 160 Schülern; $ b) die hebräischen Sprach- und Literaturkurse des Jugeudvereins „Erez Israel"; c) die Mädcheuforrbildungsklirie der Zion ist ischev. Besükssektion 10—>14' und höheren Angestellten, deren LeLenshaltung infolge dei geringeren Einkommen gegenüber den Boririegsverhältnisseu mehr oder minder beeinträchtigt wurde. Dir Bollversaminlung beschließt daher: 1. Das Lohnkoinitee w-ird erntächttgt, nttt beit Angestelltenorganisationen über die Erneuerung der KollektivVerträge zu verhandeln, wobei eine Bevernsachung der Bezüge, unter WegfallderTewerungsz u l a g e anzustreben und bei, der Umrechmmg der Mindestbezüge eine entsprechende Erhöhung dieser Mindestbezüge zu vereinbaren wäre. 2. Die Vollversammlung empfiehlt den Mitgliedsbetrieben airf die sich ‘ die aLgelarrfenen Kollektivverträge erstreckt haben, ehestens eine individuelle Regulierung der Beamtengehälter vorMnehmen, wobei unter Berücksichtigung der individuellen Leisütitgen der einzelnen Angestellten in erster Linie die Bezüge jener Angestellten zu erhöhen sind, die gegenüber der Vorkriegszeit verhältnismäßig stärler zurückgeblieben sind. 2. Kollektivvertrag der Wiener Metallarbeiter. Die Vollversammlung stimmt den Beschlüsftn der Delegiertenversammlung zu, wonach eine Erhöhung der Löhne in der Metallindustrie derzeit abgclehnt werden muß. Sie ermächtigt aber das Lohnkomitee zu Verhandlungen über die Erneuerung des Kollektivvertrages, wobei den Wünschen der Arbeiterschaft in folgenden Punkten entgegenzukontmen ist: 1. Bereinfachung des Entlohnungssystems. 2. Mäßige Erhöhung der Mindest lohne, abgestust nach Gchilfenjahrgängeir bei Professionvsten und nach Altersstufen bei angelernten und mrgelernten Arbeitern und Arlbeitermnen. d) die Hebräischen Kingergärten des Vereins Jüdische Kinderfronnde mit zusammen sechs Lehrkräften Md 160 Kindern. ' Außerdem hat der Jüdische Schulverein in der aögelaufenen Berichtsperiode hebräische Mustevkurse für Sprache und Literatur erhalten und wird auch demnächst Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene unter der Dwife Hachscharäh Whrschtalmuth. eröffnen, die die Schüler durch besondere Intensivierung des Unterrichtsbetriebes schon nach sechs Monaten in die Lage versetzen werden, hebräisch geläufig und korrekt zu sprechen und zu schreiben. Wenn die aufgezählten Anstalten und Lduvse, die der Jüdische Schulverein gegründet und eingerichtet hat, zunächst noch immer Anfänge seiner Tätigkeit darstellen, so sind es doch sehr vielversprechende Anfänge, die hoffen lassen, daß das gesteckte Ziel, der Aufbau eines großen jüdischen Schulwerkes, erreicht werden wird, wenn die jüdische Ovffentlichkeit sich ihrer Pflichten gegenüber der jüdischen Jugend und damit gegen -über dem Judentum selbst beivußt bleibt und die großen Mittel aufbriugen hilft, deren der Verein zur Erfüllung seiner Slnfgabe bedarf. Es muß atier mit Bedauern festgestellit werden, daß die Wichtigkeit unseres Schul- und Kultuvwerkes, mit welchem jetzt schon die Existenz einer großen Zahl von Lchrern verknüpft ist und welches jetzt schon im größeren oder geringeren Maße für die südisch^kultuvellen Bedürfnisse tausender jüdischer Kinder sorgt, leider noch immer nicht genügend gewürdigt wird. Dies kommt vor alleur darin zum Ausdruck, daß die Kosten dieses Schstlwevkes noch immer zum großen Teile von der durch Herrn OberraMner Dr. Chajes erUvirkten amerikanischen Subvention gedeckt werden müssen, die natürlicherlveise auf die Dauer nicht erwartet werden können und vou einer wohlhabenden jüdischen Bevölkerung nicht beansprucht werden dürfen. Soll das große Werk erfolgreich fortgesetzt loerden, soll aus diesen Astfängen ein starkes Schillwerk entstehen, welches das Hauptproblem der jüdischen Gegenwart — die Heranbildung einer neuen volljüdischen Generation — zu lösen imstande ist, so ist die erhöhte Mithilfe der gesamten mdischei' Oeffentlichkeit erforderlich. Kn ftellensuchendrr MMgenzler fiä fesik Der fatomtie russische Journalist W. Krimsli kam vor kuvzöm aus KonIstantiwoM nach New-Aort. Da er kenn Mittel besaß, mußte er sofort ein« Stelle suchen. Nun beschreibt er in dem russischen Bbaüt „Nowaje Nußlko Slotvo'' ferne Erlebnisse auf der Stellenifuche, welche ein interessantes Bild «der Berihältitisse im Goldlmide Amerika geben. Kriniski schreibt: Als ich KonstiaMnoM verließ, beruhigten mich nlli Freunde und Bekannton aus der aursrikattilschon Kownie mit der sicheren Behauptung: „O. Sie bekommen 'best'iinnit sofort fünfzig Dollar pro Woche in jedem Bureau. Sprachkenntnisse sind We Han.ptsache und die halben Sie doch." Meine rtisfi!schen Fven-nde zeigten mir Briefe von Rnssen, die in New-Dort lebten nnd sagten: „Da sahen Sie her, N. kann gar nichts und bekommt doch vierzig Dollar wöchentlich für das Zerbrechen ausgebrannter eletlrischer Glühlampen itniib das Horcrusnohmtzn ( der Drahtreste. B. erhält rünlüm Dollar vöcbeittlich für da»

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