Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1700 (7.11.1923)
- Date
- 1923-11-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1700 Mejn, Mittwoch zionistische Bezirkssettiou Leopoldstadt Sprengel: Volkert ' Donnerstag den 8. November, 8 Uhr abends, in der Restauration „Zur alten Gulaschhütte“, 2. Bez., Mühlfeldgasse Nr. 5 Jüdische Versammlung Referenten: Sberbanrat Stricker und S.-R. Sr. Plafchkes WWW —— Zionistische Sektion g m «.Ana Jüdische Tischgesellschaft ^LaiBySllSSSG Heute, Vs9 Uhr abends, im Cafe Ilion, HI, Löwengasse 39 VORTRAG Dr. Erich Moses, Berlin: »Die Bedeutung des Aufbaues Palästinas" Gäste willkommen! gewählt. Nach dem Parteienvorschlag wurden zum ersten LandeZhauptmannstellvertredör Sylvester Leer (Christlichsoziale Einheitsliste), zum zweiten Landeshauptmannstell-. Vertreter August Neutzler (Sozialdemokrat) gewählt. Auch die Wahl der Landesräte erfolgte nach Parteienvereinbarung. ler Sprecher des englischen llnterhauses in Wien. Wie die Korrespondenz Hevwei meldet, ist der zweite Sprecher deZ englischen Unterhauses James H o p e aus London in Wien eingetroffen und hatte mit dem Bundeskcinzler Dr. Seipel gestern eine längere Unterredung. Sir James Hope befindet sich auf einer Studienreise. Zschecho-AMM. Das kx"ssß Benesch gntgeheißen. Prag, 6. November. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Generaldebatte über das Expose des Ministers des Aenßern zu Ende geführt. Professor Kafka (deutscher Demokrat) fordert gegenüber Deutschland' die Aufvechtev'haltung unbedingter Neutralität auch im Falle einer vorübergehenden Niederlage der deutschen Demokratie, an deren Schwierigkeiten übrigens vor allem die rücksichtslose Politik ^Frankreichs die Schuld trage. Abg. Dr. K r a m a r s ch trat in lebhafter Weise für Frankreich ein und beschuldigte Deutschland, die Zahlung der Reparationen absichtlich Hintertrieben zu haben. Sollte es zum Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland kommen, dann werde die Tschecho-Dlowakei immer wissen, an welcher Seite ihr Platz sei. Schließlich wurden die Erklärungen Dr. Benesch' mit den Stimmen der Koalitionsparteien gegen jene der Vereinigten Deutschen, der Slowakischen Volkspartei und der Kommunisten zur K e n n t n i s genommen. Wiener Morgenzeiirrng. 7. November 1923 Seite 8 Ankunft der Bölkerbunddelegirrten. Budapest, 6. November. Die mit der: Vorverhandlungen, betreffend die ungarische Anleihe, betrauten Delegierten der Finanzkommission des Völkerbundes trafen heute abends hier ein. Sie wurden im Bahnhof von Vertretern des Ministerpräsidenten und der ungarischen Regierung empfangen und begrüßt. Polen. Der Teneralstreik. Blutige Zusammenstöße in Krakau und Tarnow. Krakau, 6. November. (Tel. der Wr. Morgenzeitung.) Hier kam es anläßlich der Versuche der Arbeiterschaft, den proklamierten Generalstreik durchs zuführen, heute zu blutigen Zusammenstößen zwischen Arbeitern und der Polizei, m welche später! Mil itär und Maschinengewehre eingriffen. Es! gab To te und Berw unde te. Wie aus Tarnow gemeldet wird, ereigneten sich auch dort ähnliche Vorsälle mit blutigem Ausgang. Einigung im Postuyid Eisenbahnstreik. Krakau, 6. November. Heute ist es zwischen der Regierung und den Führern der Streikenden zu einer Verständigung gekommen. Der Betrieb von P o st und Eisenbahn soll bereits morgen im vollen Umfang ausgenommen werden. Rundschau. Frankreichs Antwort an kngland. London, 6. November. Die französische Antwort ist gestern abends bei der britischen Regierung emgegaugen. Wie vermutet Word eil war, schlägt sie vor, daß die Sachverständigen Deutschlands Zahlungsfähigkeit im gegenwärtigen Augenblick nur für eine beschränkte Zahl von Jahren untersuchelt sollen, entsprechend den von Poineare in seiner Rede in Revers gegebenen Richtlinien. Es ist nicht deutlich gesagt, wie lange die Periode sein soll, auf die sich die Besprechungen der Sachverständigen beziehen sollen. Neuwahlen in Italien. Rom, 6. November. (Tel.Komp.) Die offiziösen Blätter lassen durchblicken, daß die Kamm er-nach der bevorstehenden Herbsttagung aufgelöst wird, und daß im Frühjahr Neuwahlen stattfinden werden. Kanada und die Wische Einwanderung. Wie I. C. B. aus Montreal nvelibct, sind bisher die Zusagen, welche die kanadische Regierung vor einiger Zeit betreffs der Erleichterung der Einwanderung gegeben hat, nicht erfüllt worden. Dagegen werden Einwanderer aus der Landwirtschaft gerne eingelassen, ja cs wird sogar für die Immigration von Landwirten im Auslände Propaganda gemacht. In Mischen Kreisen bedauert man, daß sich die jüdischen Institutionen nicht genügend für die Einwanderung von Mischen Landwirten interessiert haben und weist daraus hin, daß noch H e rrenm o dehavs /p) h* a i '-Eläw/ctwe arodVaien' Grosser (Serienverkauf! Frack oder Smoking aus feinstem engl. Material aus reiner Seide Orig. engl. Herrenanzug nach Mass Orig.engl.Raglan, fertig u.n achMass Seidenhemden. Abendhemden mitf ranz.Piquebrust la. weisse Ragehemden ..... Engl.Wollwesten . . . . . . - Herrenhüte, beste Qualität . . . /a. Florsocken. Seidenkrawatten ........ etc. etc. NUR EINIGE 7 K 2,500.000 K 1,800.000 K 1,200.000 K 250.000 120.000 110.000 170.000 130.000 18.000 40.000 A G Et immer die Möglichkeit besteht, eine große Anzahl landwirtchaft. triftirtov CYuihrm!m P.nuhi' nnstitficbplit. Der Prozeß gegen die Mörder WoroMis. Lausanne, 6. November. (Schweizerische Depeschenagentur.) Der Prozeß gegen P o l a n i n und E o u r a d i, welche den Bevollmächtigten Sowjetrußlands bei der Lausanner Friedenskonferenz, Worowski, ermordet haben, begann mit der Vernehmung der Angeklagten. Die Witwe und die Tochter Worowskis haben sich dem Verfahren als Zivilpartei angeschlossen. Im Verhör erklärte der Angeklagte Conradi, Worowski sei durch seine Schüsse sofort getötet worden. Er gab weiters an, daß er mehrere Kugeln vorher an ge feilt hatte, damit diese, falls das Attentat nicht tödlich verliefe, nicht gefahrlos entfernt werden könnten, P o l a n i n gab auf die Frage nach den Gründen, die ihr: bewogen hätten, Conradi zur Ermordung Worowskis anznstiften, an, er habe Rußland vom bolschewikischen Regime befreien wollen. Auch Conradi machte dass e l be Motiv für seine Tat geltend und fügte hinzu, er habe der Anwesenheit der bolschewikischen Delegation in der Schweiz ein Ende machen wollen. Zu seiner Tat sei er durch die Erinnerung an die Greuel der Bolschewiken getrieben worden, deren Zeuge er gewesen sei. Als erster Zeuge wurde General Dostowalow vernommen, der das Regiment befehligt hatte, in dem Conradi gedient hatte, lieber Polanin gab er au,- er sei in: Verdachte gestanden, daß er der bolschewikischen Gegenspionage angchöre. Auf Befragen gab Zeuge au, die Weiße Armee habe zweifellos gegen die Roten Soldaten und gegen die B evolkerung Greueltaten begangen. Das Sowjetregime habe Rußland vor: fremden Eindringlingen befreit, und der patriotische Gedanke werde heute in Rußland nicht durch die Anhänger der Weißen Armee, sondern durch die Bolschewiken getragen. Km besten u. billigsten sfÄ ’SBeiSchiff mann Konzerte. Die Gurre lieber von Arnold Schönberg waren der versöhnende Abgesaug der modernen Musikwoche: Wie mit einem Januskopf blicken sie zurück in die Vergangenheit und schauen frohgemut in die musikalische Zukunft. König Waldemar und Tove, die dem mächtig verschönenden Tod die goldene Schale leeren möchte,, singen ein hohes Lied der Liebe gleich Tristan und Isolde, und die Mannen des Königs rüsten zur wilden Jagd wie die Mannen König Günthers zur Begrüßung des jungen Herrscherpaares in der Götterdämmerung. In der wunderbaren Naturschilderung von „Des Sommerwindes wilder Jagd" und in dein eigenartigen Melodram, in den: Schöniberg zum erstenmal den Versuch macht, die sprachlichen Tonhöhen ungefährmusikalisch zu fixiereu, findet er Klänge und Farben, die bereits den Anbruch eiu-or neuen Zeit künden. Erstaunlich, daß Schönberg dieses reife, vollkräftige Werk als 26jähriger vollbringen konnte, beschämend für seine Zeit, daß es mehr als ein Jahrzehnt unvollendet liegen blich und' Schörrberg > »Zwischen Operetten instrumentieren mußte, um vor der ärgsten Not geschützt zu sein. Wie bei der Uraufführung, die Schrecker vor etwa zehn Jahren leitete, saug auch diesmal Frau Maria Freund die Waldtaube -mit ihrer voruchiuen Vortragskunst, Herr Oestvig schmetterte den Waldemar, Frau Reidl sang ein wenig schüchtern iw Tove, sehr fein charakterisierte Herr Preuß den Klaus Narr, der Bauer war Herr I o h n, ein vorzüglicher Sprecher Herr Klitsch. Das über Veranlassung Schönbergs von Erwin Stein neueingerichtete und stark reduzierte Orchester und den Chor der Singakademie, der durch die sieghaften Stimmen der Donkosaken erwünschte Verstärkung erhielt, befehligte Paul von K l e n a u mit liebevollem Eifer, wenn auch nicht durchwegs mit mitreißenden'. Schwünge. Er war auch der energische Dirigent des Ballettabends, der die L&A&sJi.ft&jfcx-«Schule Ar RhyMrus. Musik und KörpeMldung und zum ersten Male extrem moderne Ballete nach Wien brachte. Das Tanzsestspiel „Der Mensch und feine Sehnsucht" von Darms Milhaud, dem Pariser Schönberg und gleich diesem ein Fanatiker seiner Reformbestrebungen, verschmilzt enge mit dem Mysterium von Paul Claudel, zu dem es Musik macht, wenn man diese Verbindung einiger Streich- und Blasinstrumente mit einer Armee, reich differenzierten Schlagwerkes, wenn man dieses Geheul, das wüst, ängstlich und beängstigend aus vormenschlichem urzeiilichen Tiefen hcraufsteigt, noch Musik nennen kann. Ans der vertikal vierfach geteilten Bühne agieren die „buitHcn Stunden der Nacht", der Mond, die Wolken und ihr Spiegelbild int Wasser und dazwischen der Musch des feindlichen Urwaldes. Im Kampfe zwischen Wirklichkeit und Jlluffiou tanzt aus ihn: sein ewiges Weltschneit bis zu itert Hellen Stunden der Morgendämmerung. Gin in seiner wüsten Symbolik und itt seinem schreienden Mißklang erschütterndes Tonbild, in tvelchenr ein zivilisierter Europäer die Seele der Urmenschen und des diesen verwandten Urwaldes einzufangen sucht! Biel friedlicher, aber auch in seiner breiten Aufmachung und unermüdlichen Wiederholung weniger kurzweilig,- ist das Ballett »;r „H o l z g e s ch n i h t e P r i n z" von Bela B a r t o k, ein Jugendwerk des späteren Atonalisten voll markiger Rhythmen und grotesk primitiver Klänge, Das alte Märchen von den beiden Köuigskindern, die nicht zusammenkommeu konnten, weil das trennende Wasser zu tief ist, wird durch eine Holzpuppe kompliziert, in die sich Prinzeßchen zunächst verliebt. Eine Fee und Wald und Westen in aparten Kostümen nehmen an dem Spiele teil, das unter der Tanzleitung von Valerie Kratiua einen starken künstlerischest Erfolg erzielte. Auch eine Anzahl Lieder gelangte gelegentlich d'v Mnssswoche zur Ausführung, darunter archaisierende schlichte Weisen des Engländers Gustav H o l st, m:t dürftiger Biol'.nbegleitung, wie geschaffen für die Andachtsübluraeu zu. HeilsaWM, ferner italienische Gesäuse des liebenswürdigen Castelnuovo-Tedesco und d:s parodistifchen Alsredo Casella, und spanische Gesänge von de F a l l a und G r a n a d o s, die vorwiegend zwischen VoMlied und Chanson die Mitte halten. Dorotby M o u l t o n und Marha F r e n d waren die ausgezeichneten Interpreten. Dr. Paul P i s k und Leo R o s e. n e k die trefflichen Begleiter der Gesänge , denen der tiefere künstlerische Gehalt mangelt. Es gibt eben außerhalb der deiutfchen Grenzpfähle noch immer kein modernes Kunstlied, keinen Hugo Wolf und keinen Johannes Brahms. * Unabhängig von der Mrsikwoche ga>b Henry C o w e l l einen Komposirionsabend. Gin junger Amerikaner, der als Gärtnerjunge Zeit fand autodiktatisch Musik zu treiben und sich immer mehr in akustische Experimente verbiß. Seine exzentrischen Klavierstücke, in denen er bald mit der Faust die Tafteil bearbeitet, bald die Klaviersaiten unmittelbar schlägt oder zupft, um neuartige Effekte erzielen, gemahnen zunächst an die Kunststücke eines Jongleurs, doch erkennt man allmählich ein ehrliches aber verworrenes Talent, das sich vorläufig in futuvistischen Klangexperimenten verbraucht. * Mit Intelligenz und Geschmack absolvierte Oskar I ö l l i e'.nen Schilbert-Abend, mit heller Stimme und freundl'chem Ausdruck führte sich Josefim Stransky int Konzertsaale ein, mit Kraft und Konzentration sarlg Anton Tausche Balladen von Löwe und Hugo Wolf, e:ne Enttäuschung brdchte das „Allerseelen-Konzert" einer ehrgeizigen Sängerin. Wiederholt fomt'tc man des herrlichen EeigenspiclZ ÄVolf B u s ch' froh iverden, der wunderbare seelische Energien enifcsselt, Erika M o r i n i, seit jeher ein technisches Phänonnn, spielte Brahms Biolinlonzert zu mädchenhaft gefällig, die strebsame Pianistm Marne T a u s z k y hatte mit der hübschen Wiedergabe voll Schumanns C-Dur-Phantasie bei ihren Zuhörern Erfolg« Erlww F c l b e r..