Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1699 (6.11.1923)
- Date
- 1923-11-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'] W. iöUö Wien, Dienstag Letzte RachrWen. Las jugoslawische Mtimatum a« Bulgarien. Belgrad, 5. November. Die jugoslawische Regierung hat wegen des gegen den serbischen Militärattache Krstie gevlchteten, Attentats folgende Forderungen an die bulgarische Regiemng gestellt: Entschuldigung der brtlgarischen Regierung, persönliche Entschuldigung des bulgarischen Kriegsministers beim Attache Krstic, -Begrüßung der jugoslawischen Fahne durch eine bulgarische Kompagnie, strengste Unersuchung des Attentats und schließlich Regelung der Entschüdlgn-ngAfrage durch den Internationalen Schiedsgerichtshof im Haag. Die ersten drei Forderungen sollen innerhalb 48 Stunden erfüllt werden. Prager kisenindustriegesellschaft. Prag, ö. November. In der heutigen Sitzung des Berwältungsratcs der Prager Eis-etvindustriogesellschaft wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1922—1923 vorgelegt. Diese weist einen Gewinn von 1,258.158 K. aus, der nach Abzug des Verlustvortraaes des Vorjahres von 447.061 K. einen Reingewinn von 811.097 K. ergibt. Es wurde beschlossen, der für den 3. Dezember 1923 einzubernfenden Generalversammlung den Antrag zu unterbreiten, diesen Reingewinn umt den Betrag von 2,788.903 K. aus dem Reservefonds aus den Betrag von 3,600.000 K. zu ergänzen und diesen als fünfprozeniige Dividende, das sind 25 K. pro Aktie, zur Verteilung zu bringen. Heute Diens- Larvdesviertel 9 Uhr * Zionistisch-akademischer Landesverband. Heute tag Sitzung. Wichtige Tagesordnung. Ort: Zionistisches koniitee, 2. Bez., Taborstraße 20 ci. Beginn abends. * Erholungsheim Philantropia, 18. Bez.. Laittzerstraße bibliothek boigestellt werden. * Die Zuwendungen an die jüdische Nationilbibstothek in Jerusalem. Zu unserem letzten d'-esbezüglichen Bericht teilt uns Dr. Paul Diamant mit, daß die darin erwäbnte Büchersendrirrg Zwar auf seine Anregung und nach seiner Auswahl geschah, daß aber die zur Anschaffung nötigen Geldmittel von einem -unbekannt lein wollenden Freund der Nationalbilbliolhek beiaestellt wurden. * Professor Karewski gestorben. Bor einigen Tagen ist in Berlin der Direktor der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde, Gcheimrat Professor Dr. Ferdinand starewski, plötzlich an Herzschlag gestorben. Professor Keren'sii war einer der ältesten und bekanntesten Chirurgen Berlins. Noch in jungen Jahren wurde er mit der Leitung der chirurgischen Poliklinik des jüdischen Krankenhauses unter Professor Jamos Israel betraut und erwarb allmählich über die Grenzen Berlins hinaus einen Ruf als großer Chirurg. * Die konstituierende Sitzuna des Gemeinderatcs. Gestern vormittags fand im Salon des Bürgermeisters eine Beratun der Vertreter der beiden Gcmeinderafsporteien statt, die si mit den Vorbereitungen zu der ersten Gemeinderatssitzung be faßte. Es wurde beschlossen, die erste konstituierende S i tz u n g des Gcmeinderates für den 13. ,h. ein-zubenlseg. ^Erholungsheim Philanthropia, 13. Bez., Lainzerstraße Nr. 172. Einige Plätze für epholunasibedürftige jüdische Frauen und Mädchen sind aegen mäßigen Reoiebeitrag zu besetzen. Tie Autriahme kann sofort erfolgen. Auskunft daselbst, auch telephonisch unter Nr. 84-3-13. * Das Fest der Sicherheitswache. Wie in früheren Jahren vemnstaltet die Sicherheitswache auch Heuer un'er dem Protektorate des Bundeskausters a. D. und Polizeipräsidenren Hans Schober ein großes Wrhltätigkeitsfest in WeiglS Dreherpark zugunsten des Unterstützungs- und Pensions» zuschußsondes für Mitglieder der Sicherheitswache in Wien und deren Witwen und Waisen. Das Fest findet am2l. d. um halb 8 st.hr abends statt. Das Programm bestreiten außer dem Orchester des Mnsikvereins der Wiener Sichersteitswaä)e und dem Gesangverein der Wiener Sicherheitswachebeamten eine ganze.Reihe von ersten Kunstkräften. * Vermißte Touristen. Aus Salzburg wird berichtet: Nach einer Mitteilung de-r Alpinen Rettungsstelle werden vier Salzburger Touristen, die geistern vom Stahl- Hans über den Schneiststein ins Blümbach^al eine Tour unternahmen, vermißt. Die Alpine Rettungsstelle hat ein« Expedition ins Haa-engcb'irge entsendet. * Der geheimnisvolle Fahrgast. Seit dem 10. Oktober sucht die Polizeibehörde vergeblich einen etwa 80° bis Währi. gen Mann, der am 10. Oktober abends zwischen dreiviertel 10 und 10 sthr in der Prinz Eugen-Straße ein Autotaxi aufaenommen hat und. mit ihm zum Kr i sta ll-Cafe fuhr. Der Mann steht im Verdachte, sich eine Lcderkassttte. die Juwelen im Werte von 80 bis 100 Millionen enthielt, angeeignet zu halben. Die Vorgeschichte ist folgende: Die Private Marie Ciccimarra war am 10. Oktober von Budapest nach Wien zurückaekchrt und hatte beim Bahnhof ein Auto* taxi ausgenommen, mit dem sie zum Wohnhause, Prinz Eugen- Straße 14, fuhr. Als sie dort anlangte. stand schon der nun gesuchte Mann in der Nähe, und fragte, noch während sie ausstiea, den Chauffeur, ob er ihn zum „Atlasbof" führen wolle. R-asch stieg der Fremde ein. fuhr zum Krist>all-Case und ging dann zum „Atlashof". Frau Ciccimarra a>ber vermißte, m der Wohnung angelangt, ihre Lede-rsassette mi^ Schmuck. Sie konnte die Kassette nur im Auto liegen gelassen haben. Die Angeige wurde erstattet und der Chauffeur war bal> ausgesorscht. Er hatte das Auto nicht durchsucht. ef*c der Fahrgast in der P-rinz Eugen-Straße eingestiogen war. Es wird vermutet, daß der Mann sich die Kassette angeeianet hat. Aus die Ermittlung des Schmuckes find zehn Millionen Kronen auSgefetzt. _ Vereine, Vorträge und Versammlungen. Z i o n i st i s ch e S e k t i o n VI /VIII. Heute abends, Punkt 8 Uhr, im Sektionsheim, 8. Bez., Bennoplatz 1, Bortrag Anitta Müller-Cohen: Jugend und Jugendbewegung. 7" D.i e Zionistische F r a u e ü o r g a n i s a t i o n derwestlichen Bezirke hält ihre regelmäßigen Zw sammeukünfte an jedem Dienstag von 6 bis 8 Uhr im Bere'uSheim, 8. Bez., Bennoplatz 1, ab. Besondere Einladnngen erfolgen nicht. Die V o l k s b i b l i o t h e k Z i o n, 2. Be,., Glocken gaffe 30, ist geöffnet: Montag, Dienstag, -Mittwoch, Donnerstag von 6 bis 8 Uhr abends nnd Sonntag vormittags von 10 bis 12 Uhr. Durch Neuanschaffungen von Werken in Hehräischer, jüdischer und deutscher Sprache ist die Bibliothek im üande, eine größere Anzahl neuer Entlehner zu befriedigen. Wiener Morgenzeitung. Kltteilun-en aus dem BuMum. Gestrickte. Mode-5toftüme, Wolle mit Seide K. 490.000 Gestrickt« Woll-Westen in modernen Dessins K. 95.000 M. Holzer, Mariahllferftr. 88 <»-b°n N-u-nnn-, 1V2 722 „Wlenea“ *11.. 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G.r o ß e r S a a l, 5 Uhr: Die Besteigung des Mount Everest. V-8^Uhr r Deutsche Volksspiele (Hamburgs Mittelalterliche Mysterienspiele. „Der Totentanz", „Theovstilus". — K l e i n e r S a a l, Vz6 Uhr: H. H a l m, Präses o' der Universität Irkutsk lOstasien): Rußland. VI. l}fB Uhr: Privatdozent Dr. Alfred Till: Aus den jüngsten Tagen der Erdgeschichte. V. - K u r s s a a l, 5 Uhr r Prof. Dr. Walter N e n w i r t h : Iwan Turgenjew und Fed Michael Dostojewski. ' «7 Uhr: Univ.-Doz. Dr. Otto Storch: Geschlechtsbestimmung. IV. 8 Uhr : Univ.-Pros. Dr. Richard- Meistert Geschichte des Hochschulwesens. V. — K l u b s a a l, */,ß Ubr r Dr. Josef Z u t h : Einführung in das Gitarrenspiel. X. '/,8 Uhr r Lied und Gitarre. X. Ivbischer Dorlraoszyklus. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur eröffnet den diesjährigen Vortragszyklus am 8, d., 7 Uhr abends, im Saale des Ingenieur- und Architekten-Vereines kl. Bcz., Eschenbachgaffe 9). Der Präsident des Vereines, Herr Prof. Dr. Samuel K r a u ß, wird über „Doktor Josef Bloch als Gelehrter und Schriftsteller" sprechen. — Den nächsten Vortrag wird Oberrabbiner Prof. Dr. C h a j e s halten. — Gäste willkommen! Eintritt frei. Retfranmodehaus (§W/etwe^*( ^»Unefhof anr<SVdi>en*'~^ (grosser ^erienverkauf! Frack oder Smoking aus feinstem engl. Material aus reiner Seide K 2,500.000 Orig. engl. Herrenanzug, nach Mass K 1,800.000 Orig.engl.Raglan, feitigu.nachMass K 1,200.000 Seiaenhemden.* . K Abendhemden mttfranz.Piquebrust K /a. zueisse Rayehemden.K Engl, Wollwesten.. . . K Herrenhüte, beste Qualität Ia. Florsocken ...... Seidenkrazvatten. etc. etc. NUR EINIG K K K 250.000 120.000 110.000 170.000 130.000 18.000 40.000 E. 7 A GEI 6. November 1923 Seite fl Fv-Ncher Schulverein. Die Generalverscnnmlun^ finde Donnerstag um 6 Uhr abends im Festsaal de8 Jüdischen Re« gymnasmmS, 2. Bez.. Castellezgaffe 36, mit folgender-TageSordi nung statt: Tätigkeitsbericht des Ausschusses; Fiuanzbericht bei Kaffeverwalters; Revisionsbericht; Wahl der neuen AuSschnffe« Statutenänderung; Festsetzung des Mitgliedsbeitrages. Die Mit glieder des Vereins werden auf diesem Wege zur Ge, neralversammlung eingeladen und um pünttliches Erscheinen ge. beten. Sollte diese Generalversammlung wegen zu geringer Beteiligung nicht zustande kommen können, so wird tm Sinne bei § 27 des VereinSstatntS für denselben Tag, eine Stunde später: dq8 ist um 7 Uhr abends, eine neuerliche Generalversammlung einberufen, welche ohne Rücksicht auf die Anzahl der erschienenen Vereinsmitglieder beschlußfähig sein wird. Bühne md Kunst. Bmgtheater-Wend im Sonrerthan». Lalderons „Ueber allen Zauber Liebe". Wird man auch nach bi-efem Abend über den Verfall des BurgthoaterS raunzen? Wenn Reinhardt mit solcher Aufführung nach Wien käme, was wäre da über das „kümstlerrsche Ereignis" zu schreiben, wochenlang vorher und nachher! Man werde «Mich nicht bloß Reinhardt gerecht und — den Burgtheater-Diss-identen, sondern endlich wieder dem Wiener Burgtheater. Calderons Spiel ist nur der Anlaß. Circes Liebesaffäre mit Ulyffes ist ja anmutig dramatisiert. Das Nebenwerk (bis auf manche Bravoszenen, die mehr an Schikaneder als an Shakespeare erinnern) bringt Abwechslung Ed Steigerung Zweifellos geht aber der W.'ltlileratur nichts verloren, we:m die Gelegenheitsar'beit vergessen bliebe. Der Löwenanteil des ungewöhnlichen Erfolges kommt denr Buvgtheater zu und dem Spielleiter Direktor Franz Herterich. ' Festliches Theater im Barockstil. Eine Fülle prachtvoller Kostüme, alle Kopfe geschmückt nrit nickenden Straußfedern in den leuchtendsten Farben, der Hintergrud magische Lichtbilder von außerordentlicher Wirkung, phantastische Aufzüge von Gestalten mit Tierbopfen, Nymphen tantzen Menu-ett, Amazonen sckwingen Lanzen im Reigen, führen Krieger in Rosenlfesseln über die Szene, die Gcfpielimren der Ciroe leiten mit spanischer Grandezza Männer und Frauen zum Thron ihrer Herrin, ein Liebeslager, in Schleier gehüllt, die bis in die Wollen zu ragen scheinen, hebt plötzlich blendendes Licht aus beut Dunkel der Bühne, in das weiß-goldene Barock mengt sich dimkelgetönte Pracht orientalischer Gestabten — alles zauiberhcrft reich und bunt. Mit edelster Gebärde waltet Elfe Wohlgemut in diesem festlich-romantischen Bezirk als Giros, eine Königin der Schönheit. Herrn Höbling gelängt der liebesvaseu.de Avsidas außerordentlich, Herr AS lau ist ein Anger Ulyffes, überlegen, auch wenn chn die Liebe bezwingt, und von dom Pompder. Aufzüge, Tänze und lobenden Bilder hobt sich das Possentrerbsn der Herren Thimig nnd Haeufsermann ergötzlich ab. Ueber allen Zauber Musik! — Nicht bloß im Orchester, das Eduard Künneckes gefällige, Begleitmusik exequiert. Auch auf der Bühne .M -Zusamnenklcmg der Farben, im Rhythmus und in der Mstnmmvwg der Dialoge. O. A. Raimund im Volkstheater. Der neuinszrnierte „Verschwender". V Dar Bollstheatnverein gibt jedes Jahr dem Winffcht Ausdruck, daß Ferdinand Raimund im Repertoire des Volks. cheaters, wie man so sagt, den gcibührenden Platz erhalte. Ob dieses Verlangen des Volkstheatervereines mit dem Geschmack der Zeit übereinstimmt, will der Referent nicht beurteilen, dem Raimund stets als aufgeplusterte Banalität erscheint, in der kaunt ein Funke wirklich lebendigen Humors vorhanden ist. Ein« Neuinszemerung des „Verschwender" bann daher nur als Anlaß Mr Entfaltung von Dheaterpracht angefeihen werden. Bon diesen: Anlaß hat das Deutsche Vollstheater, foftoert da? in seinen Kräften steht, reichlich Gebrauch gentacht. Die Beleuch^mgen traten wieder einmal verschwenderisch tu. AAiou und die Dekorationen waren bmtüht, eine Zaubertv-elt dar;ustellen; das gelang der Inszenierung obensotoenig. wie es Rainlund selbst geluirgen ist. Der Prospekt des Zaübwgartens der Foe Cheristane sah aus tvie eine farbige Jllustratioitsrafcl in einem Lehrbuch der Botanik. Die Pattsen zwischen Veit Bildern zogen die Vorstellung vier lange Stunden hin. Verlängert wurde sie noch durch das schwerfällige Tempo, das alle Schauspie-ler zur Zerdehnung des dürftigen darstellerischen Materials zwang, welches ihr« Rollen ihnen bietet. Herrn Sima, der in seiirer einfachen und klaren Gestaltung des Valentin ait manchen Mellen an Girardi erinnerte, drücke dieser Zwang der Regie gar sehr. Hätte er sich frei spielen können, so hätte es ihm und dem Stücke genützt. Alles andere war Schablone, nianches sogar noch weniger. Die für düch Inszenierung wieder hervorg'holte Mrrsik dort Kchnradiu Kreutzer ist ebenso verstaubt tmd phantasielos wie das Rainmndjche Stück. Das vorwiHgend jugendliche PaMilum war dawkbar. S. S. Konzerte. ' Mit ihrem traditionellen Bekenntnis: „Ich glawbe au Haydn, Mozart und Beethoven" haben die Phil harnt o n i k e r die neue Saison eröffnet. Haydtts Alilitärsyntphonie mit dnu Retraiiefignal im Allegreito, Nwzarts große G-Moll - Sytnphotlie und Beethovens „Achte" sind oft bewährte Repertoirestücke der philharmonischen Konzerte und ihren reichen B.lsitz an klassischen Meisterlrerken zu wahrett nnd dttrch tntcryt'üdliche Probettarbeit zu mehret«, sollte der Ehrgeiz des derühmten Orchesters sein, daß seinen Besitzstand ohnedies nur Zur Saison! Reiche Auswahl neuestepl^sSwoSeSjfi gn sSmtL Pelzarten — Pariser u.WlenerQesclhiroatck verolstt - erzeugt nur In eigenen MerkKSArreun, ü^tsr x-i«rr§. l-eliung dies destreKommlertsn ünfoabers «lEr iFürana WztzMS Wersberg. .fifJolnr.’ i