Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1699 (6.11.1923)
- Date
- 1923-11-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r s . 4 Men. Eine amtliche MitteilunI stelltfeftdaß in allen Än- -esleilen Ordnung und Nutze herrschen und rinter den Ar« beitem keine Neigung z u m I t r e i k bestünde. Die polnische Regierung hat für alle Falle Maßnahmen gegen. eventuelle Sabotage- und Gelvaltakte ergriffen und verbürgt allen Arbeitern die Freiheit der.Arbeit und die persönliche Sicherheit. Warschau, ö. November. Die Polmsche Lelogvaphen- AgenKtr nreldet: Der für honte zrr.nl Protest gegen die zsrtnxäüige Einberufung der Eisenbahner zum Militär« dienst Proklamierte Generalstreik ist gänzlich fehlgeschlagen. Mt Ausnahme von Krchka«,. Wavschau und Wilna, wo in einigen Betrieben die Arbeit n-iedevgelegt wuvde, wird in^allcn Teilen Polens, namentlich in den FWustriezentran Lodz und Pol-wisch-O'bev>chilefion, voll« konrmen normal gearboivet. Ebenso ist der Eisenbahnvevkeihr trovmal. Standgerichte in Krakan. Krakau, 5. November. (Tel. d. „Wiener Morgen« Zeitung") Der Stadtkommandant General Czikel hat eine Kundlnachurlg veröffentlicht, in der auf Grund der Verordnung des Mnisterrates Standgerichte für Fälle der Ueberredung zur Desertion, Vernachlässigung der Subordination, wie auch Schädigung öffentlicher Verkehrsmittel eingesetzt werden. Li« antisemitisches Lehrbuch christlicher Ethik. Aus W a r s ch a u meldet man uns: Der Jüdische .Klub richten: an den Unterr-ich ts-minist er eine Interpellation in Angelegenhert eines Lehrbuches für den römisch»katholisch.'» Unterricht an den Mittelschulen, das den Geistlichen K arl ino.ws ki zum Verfasser hat. In dem genannten Lehrbuch wird in einem speziellen Kapitel über die Inoen frage die Notwendigkeit der Boykottbewee n " a .t örtert. Das Lehrbuch, welches den Mittelschülern die Guiurijüize der „Et h i k" berbringen soll, enthält unter anderem B e s chi m pfu n gen det I ud en im Stile der ärgsten nanonaldemokratischen .Hetzpresse. In der Interpellation wird gefordert, das Lehrbuch sofort ans dem Schulumevricht zu entfernen. Litauer». Annahme der MinderheitrdrNsratton durch de« Sch». Kowno. 4. November. (I. C. B.) In der letzten Sitzung des litauischen Sejm wurde über die von Litauen unterschriebene Deklaration an den Völkerbund betreffend die Rechte der nationalen Minderheiten verhandelt. Ter berüchtigte Antisemit B e r s ch i nski benützte die Gelegenheit, eine antijüdische Hetzrede zu halten. Der Referent erklärte, die Deklaration betreffe nicht allein Inden, sondern nationale Minderheiten überhaupt. Hierauf wurde die Deklaration in zweiter Lesung angenommen. Rundschau. Zer amerilanisch-Wische Aouakch mtt ftutgttiBi Rede. 9üio wir meldeten, hielt auf dem amerikanisch-jüdischen Kongreß Israel Zangwill eine Rede, welche am Zionismus scharfe Kritik -übte und allgemeines Befremden hervorrief. Wie nun I. E. B. meldet, wurde auf Vorschlag Louis Lipskys eine Kundgebung zu Zangwills Rede als offizielle Stellungnahme des KongresieS angenommen, in tvelcher bctom wird, daß Zangwill für feine eigene Person und nicht im Namen des Kongresses gesprochen hat. In dieser Kundgebung des Präsidenten der amerikanisch-jüdischen Kongresses Dr Stephan S. Wise heißt es: Als Sprecher des amerikanisch-jüdischen Kongresses möchte ich ernsthaft und ausdrücklich die Ueberzeugnng der Taufende amerikanischer Juden, deren unmittelbare Vertretung dieser Kongreß darstettt, wiedergeben, daß der;•>, ionhsmus weit davon entfernt ist. Bankrott gemacht zu haben oder sich im Stadium der Auflösung zu befinden. Die A u f sichten für d i e volle Verwirklichung der zionist ischen Hoffnungen s -ü r e i n c Hei nt* ft ii 11 c sind heute näher als j e/" ..Weit davon entfernt, Palästina aufzugeben, sind wir entschlossen, mutiger, tatkräftiger und geeinter als je z utjDt auf dem Wege fortzuschreiten. Das jüdische Volk wird aufrichtig sein zu den Arabern, mit betten die jüdischen Erbauer Palästinas in gutem Einvernehmen und in Freundschaft leben utüssen, so wie Zangwill es ansgedrückt hat: „Tie Araber werden sehen, daß wir Segen bringen und keinen Fluch; und sicherlich rverdeu die beiden Rassen gemeinschaftlich arbeiten/' Aber nicht weniger wichtig ist cs, daß die Juden sich selber gerecht werden, daß die amerikanische Judenheit, die hier in diesem demokratischen unb autoritativen Kongreß vertreten ist, beschließt, alles Menschenmögliche zu tun, um die B ci lf o u r - De k l a ra ti on in die nicht wegzuleugnende W irklichkeit einer großen, fruchtbaren, segcnspendenden jüdischen Siedlung im jüdischen Landeumzusetzen. Weiters stellt diese Kundgebung fest, Zangwills Kritik sei die eines Herzlschen Zionisten, der mehr fordern als die Balfmir-Detlaration biete und beziehe sich nicht auf die grundlegenden Prinzipien des Zionismus. Ser Prozeß gegen de» Mrder WorowsV». Lausanne, 5. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) Heute hat hier tzie Verhandlung im Prozeß gegen Conradi begonnen, der angeklagt ist, den Bevollmächtigten Sowjetkrußands zur Lausamrer Friedenskonferenz, Worowski, ermordet zu haben. ntmvJRmfteitieitattt. G. ftttiktSet 1928 MM ' «H MMM - Nr. 1kW Baffengebrauch gegen flüchtende Auto Wildlinge. Beim EtrafbezirkSgericht« 1 findet allwöchentlich ein eigener Automobilverhandlungstag statt, an welchem die Straffälle gegen Antomobillenkcr zur Verhandlung ge. langen. Aus diesen LerhandlnnMn geht nicht selten hevvor, was übrigens auch durch PoligeLberichte bekannt ist: daß AntomobAenker sich häufig durch Ablöschen des Decklichtes und schleuniges Davon,fahren der BeranÄvortung entziehen. Da das Telephn rascher ist als der rascheste Kraftfahrer, versucht die Polizei, lvenn eS möglich ist, durch telehhsntfche Avisiermtg dar Wachstuben und Wachposten, den flüchtenden Automobil« Wildling anhaüen zu lassen. Es hat sich aber hierbei wiederholt ereignet, daß diese Automobillenker die Absicht zeigten, über die sich ihnen entgegenstellenden Wachorgane hinwegzusahr<n, so daß diese ausweichen mußten und die Verfolgten entkamen. Ein bescuders krasser Fall wurde vor kurzem berichtet: Ein Clwufsenr, der mit dem Fahrgast tvegen Falhrpreisdiffereuzen in Streit geriet, warf während der Fahrt, nach Ablöschen der Lichter, de« Fahrgast aus dem Vage« und entzog sich der Verantwortung für diese rohe Tat durch rasches Davonfahren. Alle diese Vor-komntnisse haben die P o l i z e i d i r < 11 i o n veranlaßt* an die Kraftfahrer-Uttion und die übrigen in Betracht kmninenden Organisarionen einen Erlaß zu richten, iu welchem die schärfsten gesetzlichen Mittel, msbesondere auch Wafsengebrauch, gegen flüchtende Aurotnobilwitdlingc angedroht wevdett. Der vom Polizeipräsidenten Schober' Unterzeichnete Erlaß hat - folgenden Wortlaut: Tagesbericht. Sie «Mißriet»»» der Stadtbaha. Reue Schwierigkeiten. Gestern wurden die BechaMungen über die Elektrifizierung der Stadtbahn wieder ausgenommen. Die Bundesverwaltung war durch den Finanzminister Dr. Kienböck und den HandelsminP-er Dr. Sch ü r ff, die Gemeinde durch den Btzebürgermeisler Emmerling und Stadtrat B reit ner vertreten. Die vierstündigen Beratungen haben zu keinem Abschluß geführt. Jmnttchin evgaib sich, daß die Bundesverwaltung bereit ist, von dem seitens der Gemeinde als unannehmbar bezeichneten Vorschlag, die Stadtbahn sofort ins Eigentum zu übernehmen, unter gewissen Boraussetzungen ab zugehen. Die bezüglichen, keineswegs einfachen Formulierungen sollen in Refeventenberatungen gesucht werden. Bezüglich zweier wichtiger Punkte, der Uebernahme von Personal und eines Gemeindebmtrages zu jenen Aufwendungen der Bundesbahnen, die sich anläßlich der Umstellung dek Verkehres ergeben — die nach den vochergegangenen Sitzungen als bereinigt angesehen werden bürftett, hat die Finanzverwaltung weitergehende Ansprüche vorgebracht, denen die Gemeinde nicht zustimmen konnte. Rur einige minder wichtige Punkt« fänden heute ihre Regelung. Die Verhandlungen sollen auf Wunsch der Gemeinde i n de n nächsten Tagen fortgesetzt werden. Die Wische» Hörer an de» tschechs-slowakische« Öniti«ftt8ttn. Bekanntlich haben viele Mische Hörer aus Pol-eu, der Ukvcvnve und Rußland, denen die deutschen, österreichischen und tnagyarischen Univevsvtäten das Studium unuröglich rnachten, an den Universitäten der T s ch e ch o- Slowakei Austsahme gefunden. Wie uns aus Bratislava berichtet wich, fand dort amt 3. d. die Promotion der letzten Gvtchpe der an der dortigen KomeuÄky--UmivevsiM aufgenonrmenen o st j ü d i s ch e n Hörer statt. Bei der Promotion hielt nun im Namen der neuen Doktoren der Medizin, die durch die GastfvenMichkoit der llmversität von Bratislava ihr Diplom evlaingon konnten, einer der Pvontovierten eine Ansprache, in der er dem Danke der jüdischen Studentenschaft Ausdruck gab. Er wies darauf hin, daß an den deutschen Hochschulen, bereit Ruhm gerade durch Forscher jüdischer Nation, ivie Wassermann, GhvÄch, Einstein und viele andere erhöht worden war, heute°wüster Rassenhaß herrsche and fuhr dünn fort: „Als wir seinerzvit ins Ausland gingen, fanden ivir die Pforten der Hochschulen gesperrt. 9leüb, ob unserer Ausdauer und Fleißes, in Form einer imiiften Rassenhetze hat uns empfangen. In dieser schweren Stunde unseres Lebons tvar es die edle tschecho-slowatische Ration, die uns die Pforten ihres jungen StaatSwesons frsundlich geöffnet hat. Die ehrwürdige Alma Mater Carolina, die Masarhk- Umversität und di« Kommenius-Univevsität haben uns das volle. Gastrecht gewährt und wir sind glücklich, sagen zu können, daß wir stolz aus unsere in dieser jungen Republik mü.alten Traditionen zurückgelegten Studien sind. Ich kann natürlich nicht umhin, von dieser Stelle aus dem Schöpfer 'dev tschecho-slowakischen Republik, ihtem ersten Präsidenten, dem große» Förderer der Kunst und Wissenschaft, dem auk- „Gs haben sich di« Fälle wiedechoklt, daß Senker vo« Kraftwagen nach «tat verursachten Unfall durch Ablöschen des Decklichtes und Davonsahren sich der Feststellung zu etttzichen suchten, und überdies gegen die ihnen gegen- Ü'bertretenden Sicherheitswachorgan« in unverminderter Schnelligkeit losfuhren, um diese zur Freigabe der Bahn zu zwingen. Die Polizeidire-ktion warnt die Lenker von Kraftwagen auf das eindringlichste vor einem ftllchen Verhalten, welches das Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit darstellt, und für den Täter twbst der strafgevichtAchen Verfolgung auch unbedingt dauernd,' Entziehung des Führerscheines zur Folge hat. Außerdem würde ein solches Bechalten auch gegebenenfalls die Sicherheitswachorgane zur Anwendung der schärfsten gesetzlichen Mittel, namentlich auch des Waffengebrauches, berechtigen." Die Hnppensignale der Automobil«. Die Polizeidirektion hat bereits vor ntehreren Monaten darauf anfnterkfant gentacht, daß int Stadtverkehr nur dir 'tief tön ende Huppe auf Automobilen verwendet werden darf, jedes andere Signal dagegen verboten ist und von der SichechcitÄvache beanstandet wird. Twtzdem stehen nocl' solche unzulässige Signule iit Wien in Verwendung, so insbesondere daL nur auf dem Lande zulässige hochtönend« oder krächzende Bosch-Signal, das schnarrende Claxon tl. a., über deren tluangenehnte Wirkung ununterbrochen Beschwerden aus dem Publikunt laut werden. Es ergeht daher neuevdittgs an alle An'toleniker die dringende Mchmmg, im Gemeindegebiete Wiert die Vevivendung solcher Signale ztt unterlassen und sich nut der tieiftönenden Huppe zu bedienen. Die Sichecheitswache wurde angewiesen, der Verwendung vor« schriflKvidriger Signale eilt befottderes Angenmerk zuMwenden, Uebertreter zur Anzeige zu bringen -und werden diese strenge bestraft werden. richtigen Freund des jüdischett Volkes und seiner Renaissance, Pwf. plhÄos. et mvis Doetor Thomas Garrique Mafaryik. unserer tiefsten Berührung zu versichern. Der Ischecho-sbowatischen Nation, ihrer Kultur und Wissenschaft, die wir hier genossen haben, flverden wir stets ein dankbarer, dauerndes Andenken beiwahven." ghnritenttetfaU auf einen Sportllob. Im Klubhaus des Sportklubs von 1980 in Frank» furt a. M. waren etwa zehn Personen, Damen und Herren, beisammen, als plötzlich 30 oder 40* junge B u r schon erschienen, deren Anführer die Anwesenden oufsorderte, dir Hände hochzuhebett. Die Cdtdringlinge waren mit Gumunknüppeln, Schußwaffen und Seitengewehren bewaffnet. Als die Cingeschlossenett der Aufforderung des Anführers Folge geleistet hatten, gaben sich die Burschett den Anschein, als ob sie von irgettdeiner amtlichen Seite den Auftrag hätten, eine Untersuchung nach Waffen vorztntehmen. Sie e r b r a ch e n mehrere Schränke und ließen sich bann in den Keller hinunterführen, wo sie Weinflaschen. Lebensmittel und .Kon serven raubten. Die vorgetäuschte Untersuchung nach Waffen verlief natürlich ergebnislos. Währettd des Ueberfalls hatte eine zahlreiche Menschenmenge den Platz umstellt. Es war darum den Eingeschlossenen nicht möglich, die Polizei herbeizurufen. Auch hatten die Banditen sofort die Tel c« Phondrähte durchschnitten. Am Morgen nach der Tat fand man vor der Türe noch gefüllte Wemslascheit. Bisher hat man von den Tätern keine Spur. AWndung einer HarmonSergraber in Palnstina. Aus Jerusalem' berichtet I. C. B.: In der Nähe des Mnsses. K i d r o n wurde das G r a b einer Prie jt e x* f am il ie ansgegraben, das aus der Hasmonäer- Periode stammt. Der Jüdische Nationalrat von Palästina (Waad Leumi) und das Oberrabbinat beauftragten eine offizielle Kvmntission, den Transport der Särge zu überwachen. Der Waad Leumi hat eitte Bitte an die Abteilung für Altertümer gerichtet, die Särge zur dauernden Ausstellung im jüdisch-archäologischen Museum nntedbringen zu dürfen. Trübes Wetter. In Oesterreich herrscht vorwiegend trübes Wetter mit Mit» tagstemperaturen von 8 bis 10 Grad. Niederschläge werdetl nur mehr aus Graz gemeldet. Voraussage: Vortvkegend t r ü b, stellenweise zu Niederschlägen neigend, Temperatur wenig verändert. _ * Zionistische Arbeitspartei Hitachvutb. Wie qngeki'lndlgt, fand hier an, Domterstag den 1. d. die Jahreskonferenz der Zton'istifäM Arbeitspartei Hitachduth statt. Herr Henifch gäb einen allgnneinen Uebervlick über die Lage im Zionismus. Hieraus wurde Herr Weinstein znm Vorsitzenden der Jahreskonferenz geüvä'hlt. Er erstattete einen Tätigkeitsbericht über das übaelausene Jahr. Herr Ungar seid referierte sodann über die zukünftige Arbeit frer Hnachdnth in Wien. Herr Dr. Tartalower sprach über Palastina-Avbett. die Herren t e r z b e r g und G e li> a r t Über Jugendarbeit. Herr Doktor retnderg nahm Stellung Mn Parteitag. Bei der Neu- Wahl wurden gewählt: Ins Präsidium: die Herren Ungarfeld, Dr. Halpern, Stich; in den Ausschuß: die Herren Äelbart. Stein, Herzberg, Henisch, Dr. Sleinberg. Frl' Haber und Weinreb und ein Vertreter der Abawüty Zion. Es wurde beschlossen, daß Pon nun an da- Hev t e r S a l z b u r g e r T o u r i st e n, die vorgestern vom StMunter Prof. James Israel betraut und erwarb, sich allMähM ' NU 7 bis 9 Uhr. Sauntag von 10 bis 12 Uhr, amüeven s«m,