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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-04 · Heft 1697 (4.11.1923) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1697 (4.11.1923)
Date
1923-11-04
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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•Wvw xyy Mftnrrr?gTgftüt<iwi»'gmegTtfPaM^——y JÜDISCH! BÜHNE; II., Taborstrasse ir ■-.-.a.'-i .nij-^aüa Donnerstag den 8. November, V«8 Uhr abends literarischer Änakter-MnS veranstaltet vom ehemaligen Sekretär der „Freien jüd. Volksbühne“ B. SCHARRER Zur Aufführung gelangen: 09s .Schwestern* ».?-»- .Vorn Glück vergessen* v°° .Menschen von Schalom Alejchcm Kartenvorverkauf: Kartenbureau „Aida", II., Taborstrasse 5, Telephon 46-2-53 xsrottvv tmovgenzermng. Sondervorstellung einen Literarischen Einakterabend. Zur Aufführung gelange::: „S ch w e st e r n" von Perez, „Mensche n" von Schalom Alejchem und „G 1 ü ck 8vergessen" von Pinski. Spielleitung Isaak Deutsch. Kartenvorverkauf r Theaterkartenbureau „Aida", 2. Bez., Taborstraße 5, Telephon 46-2-53. Im Apollotheater beginnt am 9. d. das Russischromantische Theater ein Gastspiel. Zur Aufführung gelangen r „Die M i 11 i 0 n e n des Harlekins", „G u d a I s F e st g e 1 a g e" und „B 0 i a r e n h 0 ch z e i t". 4. NoverMr 1923 M. 1^97 f-4 1 Gestempelte Krone ----- 0.00797, gentime». Auszahlung Me» 0.00797« gentimes. 3u Zürich notierte 3./11. 8./11. die österreichische Krone . . . . . . 0,00791/< 0.0079V4 die österr. gestempelte Krone .... 0.00791/, 0.0079»/, die tschechische Krone . . . . . . . 16,45 16.45 die Mark .... pro Milliarde — —.— Holland.. . 218.25 New-Mr! ........ 562.- London . . . . . 25.09 25.141/, Paris. 32.75 Mailand.. . 25.15 Belgrad. 6.577, Bukarest.. . . . . . 2.70 2.70 Sofia 527 Budapest. . . . . 0.0305 0.0805 Warschau.. . . 0.0003 Sie Todeszuckungen der deutschen Padiermart. Eine österreichische Krone gleich 20 Millionen, ein Pfund 7 Billionen. — Der Einheitskurs für die Goldmark. Die Notierung, welche die Papiermark Ms den ausländischen Märkten aulsweist, ist aus ein so tiefes Niveau gesunken, daß sie tatsächlich nicht mehr -als Wertsaktor in Betracht gezogen werden kann. Die Kursstürze vergrößern sich geradezu vou Minute zu Minute. Gestern wurden, in Berlin im -freien Verkehr für eine österreichische Krone 20 M-illionen Mark an geboten, für ein Pfund wurden sieben Billionen gezahlt. Der Dollar wurde mit 1^1 Billionen gehandelt. Allerdings sind dies nur die Privatkurse, da bekanntlich die -deutsche Regierung trotz aller Einsprüche der maßgebenden Kreise an dem Devisetzyaudeilvevbot weiter feschält und dasselbe sogar auch auf die Goldmark ausgedehnt hat.- Bon mm an wird auch ein Einheitskurs für die G 01 d m a r k b e st i m m t. Diese Maßnahme geschaht aus dem Grunde, wert sich (Die private Devisenspekulation in Ermanglung des tatsächlichen Devisenhandels nunmehr der Goldmark als Handelsobjekt zuiwendete und in der Rotienlng der Goldmark tatsächlich die Bewertung des Dollars zum Ausrrtck kam. Es war dadurch die Verordnung der deutschen Regierung illusorisch geworden. -Umr nun dem Devrsenverbot stärkeren Nachdruck zu verlechen hat die Regierung. jede Möglichkeit zum Handel mit der Goldmark verboten und Witt sich selbst die Fixierung des Verhältnisses zwischen Goldmark, bezichungs-weise Dollarschein und Rentennrark einerseits und der derzeitigen Papiermark andererseits Vorbehalten. Ob diese Maßnahme tatsächlich irgend einen Erfolg haben wird, ist fraglich. Die Geldzerrüttung ist schon so weit fortgeschritten, das Währungschaos ist so groß, die ganze Geldor-ganisation Deutschlands ist so erschüttert, daß es zweifelhaft ist, ob mit solchen noch so drakonischen Verboten irgend weicher Effekt erzielt werden kann. Tatsächlich sind die furchtbaren Kursstürze in den letzten Stunden aus das Nichtf-nnktionieren der gesamten dänischen Währungsordimng zurückzuführen. Denn es kann, nicht mehr als Ausdruck der Existenz einer solchen Ordnung angesehen werden, wenn sich der Wert der Währung innerhalb 24 Ltunden auf den zehnten Teil venUindert. Diese Vechältnisse zeigen nur au, daß tatsächlich der Mark nicht mehr die letzte Stunde, sonder-n die letzte Minute geschlagen hat und daß es nur Tage dauern -kann, bis sie völlig aus dem Verkehr geschwunden ist. In -der letzten Woch-e hat die deutsche Regierung die nein Währung in den Verkehr gebracht. Durch Notverordnungen wurde die Errichtung der Stcnlmban!, welche das neue Geld, die Reutenmark, ü-n Stelle des bisherigen herausgeben soll, beschleunigt. Außerdem gab die Reichsbank Goldanleihestücke' heraus, die aus kleine Summen lauteten, um -dem Verkehr die notwendige Geldmenge zur Vavsügung zu stellen. Die (MV anlei,he soll später in Rentennrark mu-gowandelt werden und ist -nur als eine Zwischenlösung gedacht, die halbwe-gs einen Ausweg ans dem Chaos bieten und dann den Weg znr neuen Zwrschenwähr-ung, der Rent-enwähruriig, ebnen soll. Deirrt diese Rentenmark soll nach dem Projekt des Rentenbankgesetzes auch nur als eine vorläufige Währung den Weg znr reinen Goldwährung ebnen. Die Reichsregierrmg hat hier unter dem Drrrcke der Verhältnisse voreilig gehandelt. Da -das Rentenbankgesetz vorsi-cht, daß von der Nentenbank 1200 Bkittiouen Rentenmark dem Staate zur Derftignng gestellt werden, wogegen sich dieser verpflichtet, von der Reichsbank keine weiteren Papiergeldkredite mehr in Anspruch zu n-ehmert, hat die Regierung, bevor alle Vorarbeiten fertig-gestellt waren, doch schon zu dem Mittel der Herausgabe von Goldmark gegriffen, weil die ärgsten sozialen Verwicklungen ans dem großen Papiergeldmangvl und aus -der Enttvertung der Papiermark zu entstehen drohten. ' Es ist fraglich, ob sich der Ue'bergan-g -zu -be-m neuen Gelde in Deutschland o!hne weitere wesentliche Erschütterung der gesamten Wirtschaft wird so vollziehen können, wie es das Programm der Reichsregi-erung vorsieht. Wohl ha: sich die gesamte Industrie und der Handel des Gedankens der Goldm-arkrechnung bemächtigt. Alle Bilanzen werden, aus Goldmark umgere-chiret, selbst im Detailhandel bietet die Goldinark die RechnungAbasis. Die Umwandlung der Löhne ans Gobdbaisis wich ernstlich in Erwägung gezogen und -dünste in nicht allzuferner Zeit verwirklicht werden. An der Berliner -Produktenbörse werden die Getreidekurse in Goldmark notiert. Es scheint also sich alles der Goldmark zuzuwenden, und doch müssen mt= -bedingt einige Zweifel erst-chen. Es ist wicht ein bloßer Zufall, daß, als der Berliner Börsenkammer der Antrag auf die Notierung der Esfektenkurs« in Gold Luging. inoi-fi nicht , ienes Entge gen ko nnnen zeigte, nach Kartoffeln, sondern auch nach ein bißchen Musik, einem guten Bild mtb einem Buch. Als die Bezalel-Kunstschule gegründet wurde, haben praktisch denkende Menschen hell anfgelacht. Aber heute nimmt diese Anstalt im Kuustgewerbee unseres Landes eine bedeutende Position ein. Im zwanzigsten Jahrhundert kann unser Volk den Wiederaufbau nicht auf dieselbe Weise in Angriff nehmen, wie es in alten Zeiten geschah, bloß mit Kohlban und Schafen. Es ist unerläßlich, das; alle ltnfere nationalen Kräfte ihren nationalen Entwicklungsprozeß gleichzeitig beginnen. Können wir den Künstler dazu verurteilen, nicht zn singen oder nicht zu malen, indem wir sagen: „Warte noch ein wenig, die Bauern haben noch nicht die erforderlichen Dunams Boden kultiviert!" Ich unterbrach diesen Aufsatz, um der Oper — der ersten hebräischen Ausführung einer großen Oper in der Geschichte unseres Landes — „La Traviata", meinen Besuch abzustatten. Das ist ein großer Tag für Erez Israel. Das Theater war überfüllt. Die übliche Zweifelsucht der Jerusalemer — eine Erbschaft aus alten Zeiten — führte zu. tiefem, ernstem Interesse. Nun dürfen wir sagen: Wir besitzen eine nationale Oper — einen der schönsten.Grundsteine zu unserer nationalen Heimstätte. Was würde die Baronin wohl dazu sagen? Aber ich kümmere mich nicht weiter darum. In den letzten drei Jahren hat Erez Israel enorme Schritte vorwärts auf dem Gebiete der Kunst gemacht. Ausstellungen aller Art wurden veranstaltet. Drama, Musik, Ballett und jetzt die Oper zeigen eine große Entwicklung auf. Was mich betrifft, so hege ich die Hoffnung, daß eines Tages die führenden jüdischen Künstler in Jerusalem, dem Kapitol, sich zusammenfinden werden, um den jüdischen Genius zu demonstrieren. Das wird eine wahre olympische Versammlung werden und Gaste aus allen Teilen der Welt werden kommen, um den konzentrierten nationalen Ausdruck jener Fähigkeiten zu bewundern,' über die unser Volk, wie wir wissen, in der Tat verfügt. Aktionsprogramm des Burgtheaters. Noch im Laufe dieses Monats geht im Burgtheater neu einstudiert „Der Richtet von Zalamea" in Szene. Die früher von Baumeister gespielte Hauptrolle geht auf Georg Reimers über. Andere große Rollen sind mit den Herren Heine, D e v r i e n t. H ö b l i n g und Hennings neu beseht. — Die nächste Erstausführung des Burgtheaters wird Shaws „Teufelsschüler" sein. Tie Regie führt Direktor He rt er ich. -- Im Akademietheater findet am 8. d. die Premiere von Felix S alte ns „Das stärkere Band" statt. — Dann felgt Engen Heltais „Die kleine Konditorei". Der Autor nimmt an den Proben teil, die bereits begonnen haben. — Auch die Vorarbeiten für die deutsche Uraufführung von Franz M0lnars „Die rote Mühle" im Burgtheater sind im Zuge. Das Repertoire des Raimund-Theaters. Heute spielt Leopoldine Konstantin Molnürs „F aschin g"; Montag „Zwei glückliche Tage" mit Willy Thaller als Anton Edthoser; Dienstag und Mittwoch finden die zwei Gastspielabende der Tournee der Madame Maria Therese P i 6 r a t, la errande societaire de la Com6die Fran<?aise statt. Zur Aufführung gelangt Paul Geraldys Komödie „A i m e r". Der weitere Arbeitsplan des Raimund-Theaters bringt vor allem eine Neueinstudierung des seit Jahrzehnten nicht mehr gegebenen Schauspieles von Sardou, „Tose a", mit Leopoldine Konstantin, in der Inszenierung durch Karl Forest; ferner das Volksstück „Nebeneinander" von Georg Kaiser, das SchMspiel „SechsPersonen auf derSuchenacheinem A u t 0 r" von Pirondello und das Lustspiel von Franz Langer, „DasKamel geht durchdasNadelöhr". Das Gastsviel Max Pallenberg wird in der zweiten Halste Tcr-i.'.brr beginnen; der Künstler wird in drei bisher in Wien noch nickn gespielten Rollen auftreten. Aus den Lheaten!. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr, die Komödie „Imvrovisationen imJuni". — Dienstag den 6. d., 7 Uhr abens, „Penthesilea". — Die Vorstellungen des Burgtheaters im großen Konzerthaussaal von Calderons phantastischem Spiel „Ueber allen ZauberLiebe" werden diesmal nur mehr Sonntag den 4. und Montag den 5. d. wiederholt. Akademietheater. Morgen, 7,8 Uhr, Thaddäus Rittners Komödie Wölfe in der Nacht". — Dienstag den 6. d. „D i e L 0 k a 1 b a h n" von Thoma. Kammerspiele. Heute, 3 Uhr nachmittags, „D er M « st e r g a t t e". V 0 l k s 0 p e r. Heute, 7*3 Uhr nachmittags, „L a T r » v i a t a" * '/,8 Uhr abends „Tose a". Deutsches DolkStheater. Heute, »/,7 Uhr, , Der Verschwender". — Das Gastspiel Alexander ^toissis setzt Dienstag den 6. d. in Tolstois Drama „D e r lebende Leichnam" ein; der Künstler spielt die Rolle deS Fedja. Carl-Theater. Heute. ' */*3 Uhr,: bei ermäßigten Preisen „P 0 1 e n b 1 u 1“; 7 Uhr abends „B 0 c c a c e i 0" mit-Frau Erika Wagner in der Titelrolle. — In Vorbereitung „Der f i d e l e Bau er" mit Ernst Tauten h ahn in der Titelrolle. In ter " ü d i s cb e n B ü h n e, 2. Bez., Taborstraße 12, ucvr-y - i; - r V-tag den 8. d. der ehemalige Sekretär der;■ •■.(••flute B. Scharrt» t« Nah»« eine. Das Spfer des Verführers. Vor einem Schöffensenat hatte sich >die Comptoiristin Marie M. wegen Diebstahls und der Musiker Franz Krizek wegen Mitschuld am Diebstahl und Betrug zu verantworten. Am 4. Juni d. I., gegen 10 Uhr abends, sah der Fischer rheoldor Taborsky in der Alten Donau einen menschlichen Körper schwimmen. Es gelang ihtn, eine Frau, es war die heute angeklagte M., aus dem Wasser zu ziehen Das Mädchen war ganz erschöpft, aber bei Besinnung, und bat den Taborsky mit aufgehobenen Händen, er solle sie umbringen, sie könne nicht weiterleben. Das Mädchen erzählte, daß sie bei der Firma Hassa und Schmied, bei der sie seit vier Jahren angestellt ist. nach und nach etwa 13 Millionen aus der Kasse sich angeeign-et hatte. Die Schuld an dieser Verfehlung trage Franz Krizek, den sie im Dezember 1922 kennengelernt. Er hatte sich ihr zuerst als Witwer vorgestellt, dann gesagt, er sei geschieden, und schließlich teilte er ihr mit, er stehe mit seiner Frau im Scheidungsprozeß. Wenn alles geordnet sei, werde er sie heiraten. Schon nach kurzer Zeit verlangte Krizek Geld, und das Mädchen häwdigte ihm ihre Ersparnisse in der Höhe von zwei Millionen Kronen ein. Doch er stellte imnter neue Forderungen, drohte mit Selbstmord, wenn sie ihm nichts geben konnte, und schließlich griff das Mädchen die Kasse an,' um dem Bräutigam zu helfen. Der Abgang in dev Kasse der Firma betrug 10,650.000 Kronen. Die Inhaber der Firma gaben an, daß Marie M. immer gewissenhaft, verläßlich und ehrlich war. Wie die Anklageschrift weiter ausführt, hat sich Krizek dem Mädchen als Oberleutnant vorgestellt, ihn: erzählt, daß sein Vater während des Krieges Oberst gewesen und dann nach Amerika geflüchtet sei, weil er sich politisch verdächtig gemacht hatte. Nun müsse er. der Sohn, für die Schulden des Vaters auskommen. Krizek hat das Geld in der leichtsinnigsten Weise verbraucht: er zahlte zum Beispiel in einem kleinen Orte der Feuerwehr 50.000 K., damit sie ihm ein Ständchen bringe. Die Angeklagte erklärte auf die Frage, ob sie sich schuldig bekenne, nach einigem Zögern: „Eigentlich nicht, denn der Mann, den ich lieb gehabt habe, hat mir gesagt, daß er sich erschießen muß, wenn ich ihm nicht mit Geld helfe." Sie erzählt dann, wie sie Krizek kennen lernte und wie dieser sie ausbeutete. Es werden nun Briefe des Krizek an -die Marie verlesen, Sie sind in sehr hochtrabenden Worten gehalten. Franz Krizek, der wegen V-eruntreuung zweimal vorbestraft ist. bekannte sich schuldig, versuchte aber seine schurkische Handlungsweise zu beschönigen. Vors.: Haben Sie gewußt, daß sie das Geld aus der Kaffe gestohlen hat? — A n g e k 1: Ja, ich habe es gewußt. — Vors.: Wozu haben Sie -das Geld verwendet? — An ge kl.: Ich habe mir Noten gekauft. — Vors.: Für zehn Millionen. — An ge kl.: Das ist bei Noten -nicht viel. — Vors.: Hat Sie nicht das Gewissen bedrückt, daß Sie dieses brave Mädel so unglücklich gemacht haben, daß sie seht auf der Anklagebank sitzt, daß sie vorgmgen, wie der ärgste Hochstapler? — Der Angeklagte schweigt. Der Miteigentümer der Firma, bei der die Angeklagte beschäftigt war, August Hassa, stellt ihr das beste Zeugnis aus. Sie war ehrlich, fleißig und genoß das vollste Vertrauen. Noch heute betrachte ich das, was sie sich aus der Kaffe genommen hat, als einen Vorschuß. Der Schaden ist von den Eltern des Mädchens fast vollständig gutg-emacht worden. Der- Gerichtshof erkannte die Angeklagte M. des Verbrechens des Diebstahls, Franz Krizek der Mitschuld am Verbrechen des Diebstahls sowie des Betruges schuldig. Das Urteil lautete für die M. auf sechs Wochen, streu gen Arrests bedingt mit zwei Jahren Bewährungsfrtft, für Franz Krizek auf ein Jahr schweren Kerkers. _ Im Evakostüm. Dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Favoriten, Landesgerichtsrat Dr. Schandorfer, lag gestern ein ungewöhnlicher Straffall zur Verhandlung vor. Die 28jährige Blumenhändlerin Barbara Kühn war wegen gröblicher und öffentliches Slergernis verursachender Verletzung der Sittlichkeit oder Schamhaftigkeit angeklagt. Die Angeklagte hatte am 16. August zwischen 2 und halb 3 Uhr nachmittags im splitternackten Zustanide ihre Wohnungstür geöftn-et, war auf den Gang getreten, um bei der einige Schritte von dev Türe befindlichen Wasserleitung einen eisernen Topf mit Wasser zu füllen. Sie wurde jedoch von zwei Frauen in diesem feigenblcrttlosen „Aufzug" gesehen. Eine derselben füllte den Krug und reichte ihn Lex Kuhn; letztere wär nämlich darüber, daß sie gesehen wurde, so erschrocken, daß ihr der-Topf aus der Hand fiel. Die Nachbarin Mte ihn und bemerkte: „Sind Sie ftoh. daß sie kein Mann gesehen hat." Die Polizei erfuhr von dieser „N a ck t a f f ä r e" und machte bei der Staatsanwaltschaft die Anzeige, worauf die Anklage erhoben wurde. Bei der Verhandlttng gab die Angeklagte den Tatbestand zu, bemerkte abn zu ihrer Verantwortung, folgendes: Sie habe an dem kritischen Tage wegen eines Leidens ein warmes Bctd genommen, infolgedessen stellten sich Kongestionen ein. In einem Zustand des Angstgefühls habe sie einen Krug genommen, um Wasser zu holett und das Bad abzukühlen. Sie habe nicht einen Moment daran gedacht, sie könnte von jemandem gesehen werden. Die Absicht, die öffentliche Sittlichkeit oder Schamhaftigkeit zu verletzett, habe sie nicht gehabt, nichts sei ihr ferner gelegen. Eme der beiden Zeuginnen gab an: „Ohne jede Umhülle ist's dagestanden, nit amal a Paar Hausschuh' hat's angehabt. In an Haus, wo 80 Parteien sind." — Nach durchgeführter Berhndlung erkannte der Richter die Angeklagte der Uebertretung nach % 616 St.-G. schuldig und verurteilte sie zu einer Arreststrafe von 24 Stunden, ftdoch bedingt mit einer einjährigen Bewährungsfrist. zuschristen a« die RedaMon sowie unverlangt einlangenden Manuskripten wolle man stets AÜrkpvrto beilege«, ba sonst eine Beanlwvrtung» beziehungsweise Rücksendung nicht erfolgen _ kann. -ISIS

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