Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1697 (4.11.1923)
- Date
- 1923-11-04
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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tftx. 1697 Söi'cii, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 4. November 1923 pro Meter 11.000 K. 8.500 K. 12.000 K. 8.8Ö0 _ *; 12.000 K. 14.000 „ 9.800 „ 19.800 „ •??f 28.000 .. * tr 9.800 „ ff ft 7.900 w . 25.000 K. 19.ÖO0 v .... 98.000 _ 59.000 . .... e 29.800 „ . » 18.000 . * « 39.800 „ ... ..... 45.000 .. . . . . . 125.000 w (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) Gralis-Lebensmittelvakete nach Deutschland' bei A. Gemgroß-AMengesellschaft. Die A. Gerngroß-Aktieiigesellschaft gibt ihren Kunden die Möglichkeit, ein Gratis-Lebeusnüttelpaket spesenfrei nach Deutschland zu senden. Näheres hierüber in unserer großen Annonce im Inseratenteil. Tel-Ka Serienverkauf in der Woche bonl 6. bis 10. d. bietet grobe Vorteile. * Tepptchhaus Meitzner» Vl., Mariahilferstraße 105, kommt bei Einkanf von Teppichen, Decken, Vorhängen usw. In allererster Linie in Betracht. Vorftchl. 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Morgen, 7 Uhr abends, wird ein Talmudkurs eröffnet, der von Dr. Mssan Goldstein geleitet wird. Anmeldurtgen im Vereinslokal. — Borocho iv. Heute, 7 Uhr! abends, im Arbviterheim Borochow, 2. Bez., Blnmauergasse 1 (rechts), Vortrag über „Peretz Märkisch". Es sprechen Herr Sch. I. Dorfsohn Seit« 9 und Herr M. Singer. Eintrittskarten im Sekretariat. — Z i o n i-. st i s ch e S e k 11 o n Landstraße. Heute, 11 Uhr vormittags, Eafä Ilion, Sitzung der Finanzkonnnission; halb 12 Uhr vormittags, VeranstaltungSkonmüssiqn. Vontag, l!J llbr abends, im Eafö Ilion hebräischer Kurs für. Erwachsene. Dienstag, halb 5 Uhr nachmittags, im Atelier, 3. Bez., Rechte Bahngasse 10, HandfertigkeftSkurs. Mittwoch, Halbs 9 Uhr abettdS, im CafS Ilion Tischgesellschaft. - — Freie P r i v a t l e y r e r g e w e r ks ch a s t. Morgen, 8 Uhr abends, in der Kammer für Arbeiter und Angestellte, 1. Bez.. Cbendorferstratze 7, 2. Stock, Sitzungssaal, konstituierende Sitzung des erweiterten Vorstandes. L e o p o l d st ä d t e r V o l k 8 h e i nt, 2. Bez.» Zirkuskiasse 48. 7 Uhr abends, int Festsaal r Konzertmäßige Opernaufführung r „Margarete" (Faust), Oper in 5 Men nach Goethe von Ch. Fr. Gounod. Musikalische Leitung r Dr. A. Günzburg. Karten bis 7000 K. Urania. Heute, halb 10 Uhr (Großer Saal): Urania- Vorträge für Handelsschulen: Nanuk der Eskimo. 'Halb 8 Uhr (Grober Saal): Humor in der Musik. Halb 8 Uhr (Kleiner Saal): Aussterbende und ausgestorbene Tiere. (Dr. Ludwig K ar e l l.) Halb 5 Uhr (Kleiner Saal): Opernfragmente. V. „Der fliegende Holländer". 5 Uhr (Großer Saal): ShackletonS Südpol-Expedition. 5 Uhr (Klubsaal) r Frattz H ö l z l h u b e r und Josef Vinzenz G r o s s a u e r r Dichtungen in Öberösterreichischer Mundart. Halb 8 Uhr (KurSsaall: Ministerialrat Ing. G. A. Witt: Aus Max EythS „Im Strom der Zeit". III. Halb 8 Uhr (Großer Saal): Unser Salzkammergut. Halb 8 Uhr (Kleiner Saal): Beethoven-Abend. Halb 8 Uhr (Kurssaal): Univ.-Prof. Dr. Viktor G r a f e: Die narkotischen Gifte. IV. Halb 8 Uhr (Klnbsaal): Han? Kirchner: Gcrhart Hauptmann. Für die notleidenden Juden in Deutschland. Der Attivn des Vereines Tikwath Zehnda sind zngeflossen: von Dr. Karl P o l l a k, 1. Bez., Helserstorferstraße, 300.000 K., Di. H o rn i k, Holzhandlung, 50.000 K. Durch die «Wiener Morgenzeitung" t Mitglieder a m e r i k. B'n e i B'r i t h in Wien 100.000 K., Julin» A p t o w i tz e r 100.000 K. Bühne und Kunst. Jüdische Bühne. Schalem AlejchemS „Stempeniu". Der Meister behaglich breiter Schilderung der jüdischen Gasse und ihrer Menschen ist auf der Bühne gar sehr beengt. Es bleibt gewöhnlich von dem göttlichett Scholen: Alcjchem nur wenig übrig, wettn matt seine Geschichten in Theaterstücke umgießt. Auch er selbst versagte bei der Dratn'atisierung eigener Werke Freuen wir uns, daß im Bolksstück „Stempeniu" einige Stellen unverfälschter, hundertprozentiger „Scholem Alejchsm" find. Die Auswahl und der Attkaus eitles Schmuckstückes, wobei Händler und Ersteher jüdische Weiber aus der Gass' sind, das Abschätzen des gekauftett Schtttuckes durch den Familienrat und vollends der Sabbatnachmittag in der Stube eines Bürgers, wobei die Männer aufflackerndes Frauengezänk,e wiederholt zu löschen trachtet:, bis sie kleinmütig vor dem Temperament der alten und jungen Weiber die Flucht ergreifet! — diese Szenen sind von unerhörter Kraft des Humors und es ist staunenswert, wie sie auf der winzigen Bühne des Theatersaales im Hotel Stefanie herrlich zur Geltung kommen. Isaak Deutsch, der rühmliche Spielleiter, hat hier und in anderen Szenen des signrenreichen Stückes wieder ganze Arbeit geleistet. Die vortrefflichen Frauen Bell und M e i s e l s solvie alle anderen, die in diesen Szenen mittun, werden^ nicht verkürzt, wenn nrkn das meisterliche Spiel der Frau Deutsch hervorhebt, die wirklich zwerchfellerschütternd ist. Eine Figur dort Scholem Alejchems Gttaden ist auch der Moische-Menase und Herr N. Kling er führt sich mit dieser Rolle sehr vorteilhaft ein. Zwischen diesen echten Scholem Alejchem-Stellen liegen allerdings weite Strecken. Aber gemütvolle Bilder aus dem Volksleben und einige köstliche jüdische Volkslieder beseitigen rasch keimendes Unbehagen. Insbesondere die Volksweisen, die in den Part der beiden Liebenden verwoben sind und von Isaak Deutsch sowie Lea W e i n t r a u b - G r a f ergreifend gesilugen werden. Fügen wir hittzu, daß der unverwüstliche S. Podzamczc als Schnlim-Schadchen singt und tanzt ttttb daß eine Schar jüdischer Musikanten die Bühne bevölkert uub immer wieder aufspielt, so.mag man den Jubel ermessen, beu der buntbewegte, lebensvolle Abend in: Publikum auslöst. Glückauf der Jüdischen Bühne! Sie hat den .Kampf gegen hundert Heitimmr-gen ausgenommen und wird ihren Weg gchen, wettn das Publikum sie nicht im Stiche läßt. O. A. Vei'8i8igsi'lmg8- Einteilung TäolloliPretiosen; jeden Dt Silber und Chinaiitber; Jeden Mi Brlllenton- und Perlenschinuck; Do , 8. XI. verfallene Pretloeenpfandposteo der Pfandtelhanstal cn t., wipplingerstr 21/26 u. l-, Woll* | reite 87 Tm Franz*Saal. TäfillobQebrauohiBeoenat&nde im Ludwtgstorff-. Rössteru. Kolowrat-Saal; speziell Joden Dt Sohfine WKiohe. Petserteppiclie, Kleider, Petze, Nähmaschinen,.Fahrräder; JedenMI PhotoapparateJ’erngtäser, Schreibmaschinen,. Relsszeüge; Fr 9. XI. Sporiausriietunq, Jagd* waffen,. Fahrräder, Sattelzeug, Pelze; Fr «6. XI. Musikinstrumente, Müsikalien im Ludwigsdorff>Saal. | Do 8. XI. und Ml 14. XI. Schöne Möbel, Klaviere, Luetor, Perserieppiohe, Gemälde, Kunatgewerbe 1m Franz Josef* | Saal; jeden Di u. Fr im Hoch- Saät, jeden Mi u. Sa 10. XI. im Decliau-Saai s Kunstgewerbe, Oemülde, Teppiche, Antiquitäten; jeden Di u. Fr Möbel, Laster, Bilder, Hausgeräte im Glashof. I Sa 17. 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Mohr als je sind die kurzen Stunden des Bergessens vonnöten und wer es vermag, flüchtet vor der Marter der Preise- und Nahrungsdtzbatten'zu den Worten der Dichter. Die Theater leiden gleicheriveise. Ensembles zerfallen, die Prominenten verkaufen 'ich denl besten Bieter für die Aufführung eines Stückes, alles ist in Fluß und baut sich nur gelegentlich zu kurzem Bestand auf. Raum also für starke Persönlichkeiten, die die Kraft besitzen, Versprengte zu sich zu sammeln. So hatte man es von Ber« thold Viertel ertvartet, der bislang feine Dionfte als Gastregisseur vergeben hatte. Seine „Truppe" aber, die eben Hanjstms „B oiii Teufel gehol t" in Serien spielt, hat als Lockung eben nur ihn, den Regisseur, aufzuweisen. Und er wirkte das Wunder diesmal nicht, Uneinheitliches zu einer Glut zusammenzuschweißen. So blieb tmr die Freude am Dichter!- 'chen, das trotz mancher Bedenklichkeit, durch das Frühwerk des nordischen Gvzählers schlägt. Diese Frau Gihle, alternd an der Seite eims alten Mannes, aber -noch fiebernd nach dem Leben, das sie in zweifelhafter Vergangenheit durchkostet hat, ist ein ivahr und tief gesehenes Stück Natur. Ihre verbotene Glut unterminiert das Lügengebäude, das sie selbst um sich errichtet hat, bis alles •: '.,r a. 'ällt und sie selbst zutiefst, in die Arme eines Negers, sinkt. Wundervoll jene Szene, da eine Gesellschaft nn leichten Weinrausch böse Geheimnisse enthüllt und plötzlich alle gewahren, wie grauenvoll die nackten Seelen sind. Symbolisch dafür, wie der gleich der Heldin gealterte herabgekommene Musiker im Champagnevivebcl von einstiger Größe phantasiert und plötzlich entsetzenerregend seine Künftlormähne ab« tiintmt — ein armer alter Kahlkopf. „Da ist es wohl angemessen, wenn ich mit den Haaren unter dem Arm das Zimmer verlasse." Neben solchen Erschütterungen steht versöhnend der Humor, den man in feinen und feinsten Zügen mit Erquickung genießt. Daß Hamsun auch mit Giftschlangen und Revolvern arbeitet, erscheint dom stillen Dichter nicht gemäß. Aber wir haben es oft erfahren, daß die versonnenen Träumer zu den stärksten Effekten greifen, wenn sie vor die Rampe treten. Und man geht nm vieler Schönheit willen gerne über solche Kraßheit hinweg. B a r n o w s k y, der im Vorjahre das Glück hatte, Elisabeth Bergner znr Größe cmporspielen zu lassen — auch sie ist ihm entschlüpft und zum iwamt „Schauspveltheater" übergogangen — führt in einer viel-gerühmten Aufführung von Strindbergs „R a u s ch" die Regie. Während Viertel antreibt und aufpeitscht, setzt Barnowsky diesmal alle Emotion auf Halbstärke. Dieses Däntpsen der Dynamik soll das Traumhafte, Mystische des. Spieles unterstreichen. Aber die Rauschstimmung stellte sich dennoch nicht ein, da sich 'die Spielanwe^sung scheinbar der natürlicheren Exaltation der Schauspieler in den Weg stellte, und der allzu deutlich sichtbare Mechanismus der Striudbergschen Schuld- und Bergeltungstragik solcher Wirkung überhaupt abträglich zu sein scheint. Am eindrucksvollsten geriet die Naößkszene im Luxernburggarten, da das sündige Paar — Fritz Kortner und Gerda Müller — vom eige-nen Gewissen zur furchtbaren Selbstzerfleischnng getrieben, Liebe zu Haß verwandeln sieht uittib selbst sich aus den Pforten des Paradieses hetzt. Hier wirkten Ton und Affekt dämonisch und das Bühnenbild Cäsar Kleins, wenn auch weit entfernt vom Zeitstil des Stückes, da der Impressionismus geboren wurde, tat in symbolischer Kraft das sein-ige dazu. So beginnt der Theater-Winter, in dem die Regisseure zum bewährten Alten greifen, während die politischen Regiekünstlcr ihr Programnr noch nicht gefunden haben. Möge der Himmel die traurige Gegenwart vor noch schlechterem döeuen bewahren! Dr. Konrad Maril (Berlin). Kunst tu PMstina. Der rasch berühmt gewordene jüdische Maler Abel Paun in Jerusalem, der, wie bereits berichtet wurde, au einer neuen Illustration der Bibel — er hat etwa 500 Zeichnungen entworfen — arbeitet, äußert sich in „The New Palestiue" zum Kunstproblem in Palästina, und führt aus: Als Baron de Rothschild und seine Gattin uns einmal vor den: Kriege einen Besuch abstattete, veranstaltete die Musikschule voir Tel-Awiw zu Ehren der Gäste ein Konzert. Diese Ehrung honorierte die Bawnin mit einer Bemerkung, die seitdem zum geflügelten Wort geworden ist: „Sie beginnen hierzulande immer mit dem Dessert." Dieses Wort griff mir damalsfast schmerzhaft ans Herz, offenbar, weil ich fühlte, daß die Baronin recht hat. , Es ist wahr, wir beginnen in Palästina inrmer mit dem Dessert. Wir produzieren wohl noch nicht genügend Vegetabilien, Eier oder Milch, aber wir besitzen in jeder Stadt eine Musikschule, und in Jerusalem hat in, den letzten 18 Jahren schon eine Kunstschule bestanden. Und wir gehen daran, eine Universität zu bauen. Auch unsere . soustigetr Produkte jedweder Art sind noch nnzureichend, aber wir haben schon unsere hebräische Oper. Und dennoch: Würde die Baronin, ihre damalige Bemerkung heute wiederholen, so antwortete ich ihr: „Es mag wohl unnatürlich erscheinen, daß ein Volt seine Wiedergeburt mit dem Dessert des Lebens beginne,! war aber die ganze Existenz Israels bisher nicht gleichfalls! eilte unnatürliche? Wir müssen die Dinge nehmen, wic sie sind, Md da uns Sott mit starken Fähigkeiten bedacht hat, wollen /wir -von .ihnen den höchsten. Gebrauch machen." ' Wir sind bereits emporgewachsen. Ueberall findet mar , Juden unter den Führern der Wissenschaft, Kunst und Literatur, und unser erstes Bedürfnis verlartgt nicht nur I Z.Dezsm- 1 Der 19Z3 Chanukka-Soirie unter dem Protektorate AlflABtfflOl* Juffi&m veranstaltet vom Youit| des Herrn Dr«Deslcler nOTI2?SKSSTjüu Jewlsh Sporting-Club Friadmann zugunsten" " P6UlS€nl3H€aS " ■ in den Olympiiwälen,!. Rollig